Overtourism - ein Meinungsbild

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  • Hab das Thema bewusst am Laberfeuer eröffnet, mir geht's gar nicht mal um eine zielführende Diskussion, sondern einfach mal um eure Meinungen, da mich diesen Spätsommer das Thema irgendwie beschäftigt hat.

    Bei YouTube gibt's eine interessante Reportage (ich glaub mal wieder Arte) dazu, die sich dem Thema sehr ausgiebig widmet, witzigerweise zeigte mir der Algorithmus daraufhin eine andere Reportage über den touristischen und demografischen des Harz an, so dass ich gestählt in die Schweiz aufbrechen könnte. Klar, ein bisschen überlaufene Ausflugsziele hatte ich schon vorher erlebt, so was wie Rüdesheim kann man ja auch mit Humor nehmen, aber ein paar Spots in den Alpen fand ich fast schon verstörend, das wohl surrealste war für mich der Oeschinensee: Ich kam von Hohtürli/ Blüemlisalphütte runter, hatte dort oben gecampt und war höchstens einer kleinen Handvoll Wanderer/ Bergsteiger begegnet und plötzlich laufen am See hunderte Menschen mit Selfiesticks rum und drehen Videos 🤪, vielleicht war es der Kontrast zwischen alpiner Bergwelt und Instagramposen, aber irgendwie haben sich mir diese Augenblicke ins Gedächtnis gebrannt und jetzt muss es einfach raus und ihr seid fällig 😁.

    Wie geht ihr mit dem Thema um? Ändern sich eventuell eure Tourenplanungen oder sagt ihr euch, da renn ich jetzt einfach durch?

  • Ich rede hier von viel kleineren Dimensionen, aber selbst bei meiner Tourenplanung in Lappland beschäftigt mich das Thema: Nachdem ich 2022 verletzungsbedingt am Kungsleden gescheitert bin, brennt es mir unter den Nägeln, ihn nochmal vollständig zu versuchen. Leider werden es jährlich mehr Menschen auf dem Weg, insbesondere auf den nördlichsten Abschnitten. Klar, man könnte jetzt sagen: lass die nördlichsten Abschnitte, die du schon kennst, einfach weg. Aber ich bin halt einer von denen, die ausgeschriebene Wege am liebsten vollständig laufen...also werde ich den "überlaufenen" Abschnitt wohl irgendwann möglichst spät im Jahr mit etwas längeren Tagesstrecken bestreiten, bevor es südlicher deutlich ruhiger werden sollte^^

  • Heisses Thema für mich dieses Jahr auf dem Gröna Band. Bin zeitweise mit zwei Australiern - die ersten von dort, die das GB machen - unterwegs gewesen und die haben für sich beschlossen niemandem davon zu erzählen um nicht zu zerstören, was sie erlebt haben. Auch wir mussten letztlich ein paar Meter auf dem nördlichen Kungsleden laufen und spätestens da war mir klar, dass an ihrem Ansatz durchaus was dran ist.

    Generell waren auf den markierten und namhaften Wegen Lapplands viel mehr Menschen unterwegs als erwartet. Egal ob Lapplandsleden, Padjelantaleden, Kungsleden, Nordkalottleden. Auf allen waren beträchtlich mehr Leute unterwegs als noch vor ein paar Jahren.

  • Im Harz findet man gefühlt 90% der (anderen) Touristen auf dem Goetheweg vom Torfhaus zum Brocken. Muss man wissen und dann kann man immer noch entscheiden, ob das für einen das passende Erlebnis ist. Vorteil ist dann, das abseits der Massen gleich viel mehr Ruhe ist.

  • Was Venedig angeht, ärgere ich mich, das ich es mir nicht vor 20-30 Jahren angeguckt habe. Mich würden da, nicht mal im Januar, keine 10 Pferde hinziehen!

    Nun, ich war ca. 12 Jahre als ich mit den Eltern in Venedig war, ja, das ist deutlich länger als 30 Jahre her, auch da waren alle Gassen proppevoll, alle Caffees belegt, bei Ankunft die Motorbootabzocke, ... es war auch damals schon Katastrophe dort!!

    Heute würde ich dort wohl ganz sicher sterben 😉

    Als Lichtblick, im Herbst 2024 gut 3 Wochen Sarek abseits jeglicher Pfade, in der ganzen Zeit nur ne Handvoll anderer Leute getroffen, die auch nur von Ferne gesehen ... uups, jetzt hab ich's verraten.

    Hab ne Schraube locker, so hat das Leben etwas Spiel

  • Ich bin ja ein totaler Fan von Kreuzfahrten, Centerparks, All-Inclusiv Hotels usw . Dort lassen sich die Leute freiwillig auf engem Raum einsperren. Das ist super, es braucht mehr davon. Und ich habe meine ruhe 8o

    Einmal editiert, zuletzt von Cullin (26. Oktober 2025 um 08:52)

  • Ferien, Feiertage, gutes Wetter - die drei Erzfeinde des Sozialismus ungestörten Draußenseins. Den Elbsandstein, bzw. die beliebtesten Ecken meide ich schon ziemlich aktiv. Werktags bei Mistwetter ist man da schön allein.

    In anderen Fällen ist es dann halt so: Will ich ein Tourihighlight sehen, stelle ich mich mental darauf ein, dass ich da nicht allein bin. Und ich ertappe mich zunehmend bei dem Gedanken, ob "das" wirklich sein muss, und mit welchen Begleitumständen (Art der Anreise und Unterkunft). Bei Outdoorzielen hat man ja zum Glück noch oft die Option, eben die Hauptsaison/-Tageszeit zu meiden.

  • Das übelste, was ich mal erlebt habe, war ein Abschnitt auf dem Küstenweg in Cinque Terre, obwohl es wirklich noch so früh im Jahr war, dass man sogar in Portofino viel Platz hatte. Aber zum Glück sind die meisten Menschen ziemlich faul…

    Ich habe es mir zur Regel gemacht, über die noch nicht wirklich entdeckten spektakulären Sachen nichts oder jedenfalls nichts Größeres zu schreiben. Noch nicht einmal hier; FB, Instagram etc. sowieso nicht. Das gehört zu LNT. Oder, wie es früher - in anderen Zusammenhängen hieß: Der Gentleman (ich füge hinzu: die Lady) genießt und schweigt.

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Neuschwanstein ist so ein Beispiel. Man geht den Pölart entlang hoch, vor allem bei schlechterem Wetter noch etwas ruhig, zum Schluss die Treppen und ZACK steht man in Mitten von 1000en ellenbogenbereiter Touris.

    Bin vor Jahren aus dem Altstadtkern Kulturerbestadt Regensburg geflohen, da ein "normales Leben" in den Massen an Touris nicht mehr möglich war.

    Aber an sich ist das Thema schon auch psychologisch interessant. Ich fahre wo hin, weil ich es dort schön vermute, und rege mich dann auf, dass dort viele andere sind. 😜

    Btw, wisst ihr was Touristen von Terroristen unterscheidet? --- Terroristen haben Sympathisanten

  • Heisses Thema für mich dieses Jahr auf dem Gröna Band. Bin zeitweise mit zwei Australiern - die ersten von dort, die das GB machen - unterwegs gewesen und die haben für sich beschlossen niemandem davon zu erzählen um nicht zu zerstören, was sie erlebt haben. Auch wir mussten letztlich ein paar Meter auf dem nördlichen Kungsleden laufen und spätestens da war mir klar, dass an ihrem Ansatz durchaus was dran ist.

    Generell waren auf den markierten und namhaften Wegen Lapplands viel mehr Menschen unterwegs als erwartet. Egal ob Lapplandsleden, Padjelantaleden, Kungsleden, Nordkalottleden. Auf allen waren beträchtlich mehr Leute unterwegs als noch vor ein paar Jahren.

    Ich bin dieses Jahr auch das Gröna Bandet gegangen und habe das komplett anders erlebt. Nach der Fältjägaren Fjellstuga noch 1 Wanderer an der Helags gesehen und danach leere Landschaften. Erst auf dem Lapplandsleden ein Paar getroffen. Danach erst wieder wenige Wandere ab Hemavan. Auf dem letzten Abschnitt von Sälka nach Abisko waren natürlich deutlich mehr Leute mehr oder weniger gut gelaunt wegen der vielen Schneefelder unterwegs. Ich fand es ganz schön auch mal mit mehr Menschen den Weg zu teilen, warum auch nicht. Von Abisko nach Kilpisjärvi war es dann wieder wie auch schon in früheren Jahren mit nur wenigen Begegnungen unterwegs.

  • Ich bin dieses Jahr auch das Gröna Bandet gegangen und habe das komplett anders erlebt.

    Auf dem letzten Abschnitt von Sälka nach Abisko waren natürlich deutlich mehr Leute mehr oder weniger gut gelaunt wegen der vielen Schneefelder unterwegs

    Dann warst du aber auch offenbar deutlich früher und allgemein früh in der Saison unterwegs.

    Dass nach Storlien oder Åre nicht mit vielen Leuten zu rechnen ist, sollte auch nicht weiter verwundern. Darüber habe ich ja nichts gesagt.

    Die Frage war eher, sollte man dazu Berichte schreiben oder lieber still sein, keine Fotos posten etc damit das auch so bleibt.

  • Eigentlich kann man die Anzahl an Besuchern leicht Vorhersagen.

    Beispiel Alpen: Je näher eine Straße bzw Bergbahn desto mehr. Gibt es noch gastronomie und vielleicht einen See, dann noch mehr. Es sind gerade Sommerferien ... nochmal mehr.

    Ansonsten würde ich sagen je mehr Informationen, Fotos und Videos man im Internet zu einem Spot oder einer Tour findet desto voller ist es.

    Eigentlich ganz einfach.

    Ein gutes Beispiel wäre hier jetzt mal die Sierra Nevada in Spanien. Im Skigebiet mit Straßen und Bahnen und nahe granada war schon was los. Auf dem GR240 zudem man kaum Infos findet und man überallhin weit laufen muss begegnet man im Mai fast niemandem mehr.

  • Overtourism - ist eigentlich ein "relatives" Problem. Wenn man 3 Wochen in kleinster Gruppe durch weitgehend unbewohntes Gebiet reitet und keinen nicht-Einheimischen zu sehen bekommt und Einheimische auch nur max. 6 Personen -- und plötzlich kommt man an einem Platz, an dem sich neben 25 Einheimischen noch 5 Touristen aufhalten dann bekommt man (ich) schon Zustände wegen dem "Overtourism".

    Umgekehrt ist ein Tag am Uracher Wasserfall an dem man "nur" 50 andere Touristen sieht ein sehr ruhiger und beschaulicher Tag.

    Und wie schon andere geschrieben haben, wer die schönsten (und gleichzeitig erreichbaren) Plätze rausposaunt darf sich über steigende "Besucherzahlen" nicht beschweren.

    Ich habe schon so viel aus meinen Fehlern gelernt. Ich gedenke noch weitere zu machen.

  • Je besser erschlossen, desto mehr Besucher. Keine Seilbahn, keine Gastro, dann wird es oft schon ruhig. Zudem folgen viele dem Rhythmus aus Schlafen und Essen. Das kann man dann umgehen. Ab 17 Uhr sind die meisten dann wieder daheim, bzw. in der Unterkunft.

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