Ich schreibe einen Wanderführer: Was ist euch wichtig?

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  • Liebes Forum,

    nach langer Pause bin ich wieder zurück und habe eine kleine große Frage an euch. Ich schreibe derzeit an einem Wanderführer für einen kleinen Verlag mit gelben Büchlein und habe mich gefragt, was ihr an solchen Wanderführern grundsätzlich vermisst oder euch zusätzlich wünscht, falls ihr solche nutzt oder genutzt habt. Das Layout etc. kann ich natürlich nicht beeinflussen, den Inhalt aber schon. Also zum Beispiel bestimmte Bilder, Beschreibungen, Angaben, De- oder Alttours, Tagestouren, Bergbesteigungen oder (kultur-)historische Zusatzinformationen.

    Was mir in der Vergangenheit z.B. wiederholt negativ aufgefallen ist, dass viele Autor*innen nur in Ausnahmefällen geeignete Zeltplätze markieren oder Details zur Beschaffenheit von Abschnitten bezüglich Zelttauglichkeit machen. Zwar schreibe ich einen Führer für einen sehr langen Wanderweg im Fjäll, entlang dessen es viele Zeltmöglichkeiten gibt, doch nutzen vielleicht auch gerade solche Leute die Bücher, die bei der Zeltplatzwahl noch nicht so erfahren sind und manchmal gibt es im Fjäll ja auch random irgendwo auf einmal einen richtigen Premiumplatz mit sehr ebener Wiese, den es eigentlich zu erwähnen lohnen würde. Finde sowas bei der Etappenplanung immer hilfreich, gerade auch für UL-Anfänger*innen mit sehr leichten Zelten, die auf geschütztere Zeltplätze angewiesen sind.

    Gibt es andere Dinge, die ihr euch grundsätzlich wünschen würdet, auch wenn ihr meinen Führer selbst gar nicht lesen oder nutzen werdet. Ich möchte zum Beispiel nach Möglichkeit mehr Hintergrundinfos im ABC Teil am Anfang unterbringen, z.B. zum Furten, zu LNT, Geschichte und Gegenwart der Samen, Kolonisierung Sápmis, Buchempfehlungen etc.

    Bin auf eure Meinungen, Wünsche und Ideen gespannt.

    Viele Grüße und Happy Trails

  • Möglichkeit zum Wasser auffüllen (falls nicht eh alle Stunde ein Bach kommt, dann der Hinweis das jetzt mal nix kommt). Möglichkeit zum resupply, am besten mit tel nr. Ggf ein Hinweis betr Handyabdeckung. Und der Hinweis betr An/Abreise mit Öffis. Und ein Hinweis wie man eine Route ggf vorzeitig abbrechen kann, ggf mit Hinweis wo sich der nächste Arzt findet, wenn man noch gehen kann. Hütten, Nothütten und Löcher in die man sich sonst verkriechen kann. Und, wo man seinen Müll los wird

  • Spannend, hab ich schon öfter drüber nachgedacht.

    Was ich mag, mal von macro nach micro:

    Historie und Kontext - aber manchmal eher noch zu Hause in der Vorbereitung, aber auch abends in der Hängematte. Habe Führer eh bevorzugt nur noch digital, da fällt das nicht in's Gewicht. Die Historie des Val Grande ist zum Beispiel echt packend und vielfältig in den Führern beschrieben so als Benchmark. Aber das muss der Trail in dieser Geballtheit auch erst mal hergeben, sonst schlägt das schnell in's Gegenteil um und fühlt sich an wie kulturelles Pflichtprogramm.

    Infos zur letzten Meile, also zum Zu- und weg vom Ausstieg sind auch manchmal hilfreich, wo sich online nicht viel findet, aber unterliegen auch immer der Gefahr, schnell outdated zu sein.

    Dann - grundlegende Beschreibung eines Trailabschnitts in seiner wesensart. Auch nur bei längeren Trails, bei denen sich verschiedene Abschnitte unterscheiden. Gut zur Einstimmung und Erwartungsmanagement.

    Dann weiter micro - Etappenüberblick. Hard specs der Kennzahlen, Höhenprofildiagramm etc. aber auch Einschätzung zur Beschwerlichkeit, was einen grob landschaftlich oder so erwartet, wie es mit Wasser, Verpflegung, Zivilisation etc. aussieht. Und eben wichtige Hinweise, sei als Warnung oder bezüglich sehenswertem, das man sonst vielleicht leicht übersieht.

    Und weiter runter in's Detail wird mir dann schon zu viel, da kann ich dann auch klar sagen, was ich nicht brauche - detaillierte Wegbeschreibungen über Seiten hinweg à la 'an der dritten Kiefer links und am Mäuseloch geradeaus'. Fühlt sich manchmal so an, als müsste man halt irgendwie ein Buch voll bekommen. Was das am Platz einnimmt - und wie wenig dauerhaft und zeitgemäß das bei Waldschwund, Erosion und generell auch im Digital age mit gpx ist. Macht es für mich nur unübersichtlich und führt zu (digitalem) Geblättere, wo denn nun der nächste Etappenüberblick anfängt.

    Was Zeltplätze angeht - üblicherweise sind Etappen ja so geschnitten, dass Anfang und Ende mögliche Übernachtungsplätze sind, das hat man doch eigentlich oft.

    Als jemand, der sich selten an Etappen hält meist einfach noch länger läuft, sind auch Möglichkeiten während der Etappen interessant, aber da reicht doch eigentlich der Hinweis, wo sich mal ein Plateau oder Freifläche findet, falls der Rest eher in Steigung oder verblockt ist. Da fehlt Anfängern vielleicht tatsächlich noch der Blick für beim Betrachten der Karte.

    Viel Erfolg!

    "Not all those who wander are lost"

  • Einen Reiseführer zu schreiben stelle ich mir sehr schön vor, hin und wieder träume ich davon.

    Ich bin gespannt welcher Weg es wird, ein wenig hast du ja verraten.

    Gern lese ich etwas über Flora und Fauna am Wegesrand, auch geologische Informationen finde ich interessant. Aber da hat wohl jeder sein Steckenpferd. Natürlich muß so etwas gut recherchiert und eher kompakt geschrieben sein.

    Was nicht fehlen darf sind Informationen über Verkehrsmittel (gerne ausführlich) sowie Wetter und gefährliche Stellen oder Situationen. Auch Einkaufsmöglichkeiten und Wasser sind essentiell. Eine Basis-Packliste? Zeltplatzempfehlungen folge ich eigentlich nie.

    Ein kleiner Erste-Hilfe-Teil und das Verhalten bei Rettung (bzw. die Vermeidung dieser) sollte gerade in den handlichen Reisebüchlein immer einen Platz finden, so man es dann auch im Gepäck hat.

    Ansonsten mag ich eher grob beschriebene Routen mit wenigen Empfehlungen wo man noch rechts und links hinkönnte, es sei denn es liegt dem Autor am Herzen. Ich mag auch gar nicht so genau wissen wie der Weg ist, auf der Karte sieht man ja schon viel, umso größer ist oft die Überraschung :).

    Wann kann man denn mit einer Veröffentlichung rechnen?

  • Ich plädiere bei einem Reiseführer eher auf die routenspezifischen Sachen zu beschränken. Damit meine ich nicht regionale Eigenheiten, Geschichten auslassen (im Gegenteil), sondern generelle Wanderskills. Die genaue Notrufnummer vor Ort macht Sinn (falls diese vom Standard abweicht), wie man sich im Fall eines Notfalls zu verhalten hat eher weniger. Für den angefangenen da lieber auf externe Quellen hinweisen. Ausser es gibt ganz spezifische Punkte die von der generellen "Lehre"(Beispielsweise im Abschnitt X braucht man einen Bärenkanister, in Abschnitt C ist aus diesen Gründen das vergraben von Hinterlassenschaften untersagt und man soll es raustragen, dort ist nicht der allgemeine Rettungsdienst sondern XY zuständig etc.).

    Eine schwierige Gratwanderung ist das Detail an Informationen. Je Detailreicher, desto schneller wird es obsolet. Insbesondere Anfahrtsrouten/Zeiten, Kontaktmöglichkeiten, Öffnungszeiten können sich schnell ändern. Klar ist es cool eine Liste aller Läden zu haben, aber wenn diese nach 3 Jahren schon obsolet ist oder alles doch mal geprüft werden muss frage ich mich, ob sich die Arbeit gelohnt hat.

  • Bin auf eure Meinungen, Wünsche und Ideen gespannt.

    Ich muss zugeben, dass ich Wanderführer noch nie wirklich verstanden haben. Wo bleibt denn da der Spaß an der Entdeckung! ;)
    Aus einer guten Topografischen Karte kann ich so viel herauslesen ...

    Es gibt bei mir allerdings einen, mindestens 25 Jahre alten, Kanuwanderführer über einige Flüsse Nordschwedens. Den halte ich immer noch für nutzbar, da er sich auf ganz wesentliche Punkte beschränkt. Besonders vor dem Hintergrund, dass es ansonsten absolut keine Informationen in diesem Bereich gibt.

    Also einen "Wanderführer" zu schreiben, den man nach 20 Jahren noch interessiert in die Hand nimmt, ist eine Herausforderung.

    VG. -wilbo-

  • Ich kaufe Wanderführer eigentlich nur gebraucht für einen (Etappen-)überblick zur häuslichen Lektüre. Deshalb können die Auflagen bei mir auch schon älter sein. Gefahrenstellen interessieren mich auch. Die Detailplanung mit Unterkünften, Wasser, Lebenmittel etc. findet dann digital statt, weil ich online ohnehin gegenchecken will. In eher dicht besiedelten Gegenden plane ich manchmal nicht so genau - da genügen auch Angaben im Wanderführer und ich gehe einfach los und nehme ihn mit.

    Und für die Vorfreude finde ich Wanderführer nach wie vor wichtig :)

  • Markierte Zeltplätze in einem Wanderführer wären für mich ein Grund diesen nicht zu kaufen. Sollte dann nicht auch noch markiert sein wo man hin kackt? Es reicht doch zu beschreiben dass das Gelände herausfordernd sein kann. Ich erwarte Grundinformationen, gerne auch geschichtliche und kulturelle Hintergründe. Spezifisches wie genaue Abfahrtszeiten von Bussen z. B. oder Öffnungszeiten kann ich selber recherchieren. Mir fehlt hier doch etwas der Fokus auf die Eigenverantwortung zu der es m. E. auch gehört eigene Erfahrungen zu machen. Und genaue Angaben sind doch gerade für das Fjäll in vielen Fällen schwierig bis unmöglich. So kann eine Furtstelle sich von Hüpfen über Steine bis zu stehen bis über die Knie in reissendem eisigem Wasser verändern.

  • Ich mag Wanderführer. Die schlepp ich aber normalerwiese nicht mehr mit. Als eBook, oder auch PDFiziert, wenn es jemand anderes macht. Ich mag es, wenn ich unterwegs was über die Umgebung lernen kann, und zur Vorfreude, gelegentlich auch zum Nacharbeiten zuhause. Tier-und Pflanzenwelt, geschichtliche Abrisse, Literatur- (und andere Kultur)hinweise, Abstecher zu alten Bergwerken/Minen, usw.

    Öffnungszeiten, Fahrpläne ändern sich zu oft, aber generelle Hinweise, Links und Telefonnummern sind hilfreich (und wo Internet verfügbar ist, sodass man das Boot bestellen kann).

    Kartenskizzen können - notfalls rausgerissen oder in Kopie - auch ein Backup sein.

    Ich bin aber auch noch Generation Papier.

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Markierte Zeltplätze in einem Wanderführer wären für mich ein Grund diesen nicht zu kaufen.

    Ob man den jetzt kauft oder nicht, wird das Buch populär führt das dazu, dass diese Plätze erstens hart umkämpft und zweitens stark abgenutzt werden. Das kann gut sein, für ein Gebiet mit hohem Schutzwert und wenig geeigneten Plätzen. Im skandinavischen fjäll halte ich das aber eher für kontraproduktiv, da im allgemeinen eh mehr als genug Platz ist und es besser ist, wenn sich die Besucher möglichst gleichmäßig verteilen. Zudem lernen die Leute so nicht, nach welchen Kriterien man einen geeigneten Platz wählt. Jede Anleitung verschärft auch den Tunnelblick.

    Eher würde ich mich darauf beschränken anzugeben, wenn es einem Gebiet eher schwierig ist, etwas geeignetes zum Zelten zu finden. Bspw. hilft es zu wissen, wenn es auf die nächsten 5-10km schwierig wird. Dann kann ich entsprechend planen. In Ausnahmefällen wäre dann auch hilfreich zu wissen, ob es in so einem Gebiet hie oder da doch auch mal eine geschützte Stelle gibt.

    Mir fällt da als (abschreckendes?) Beispiel für Wanderführer immer der Södra Kungsleden oder auch der Nordkalottleden ein. Vor allem ersterer ist in Schweden praktisch unbekannt, bzw. es wird etwas anderes darunter verstanden, weil es hier halt keine Bücher dazu gibt (für den NKL seit neuestem schon). Drum trifft man dort vor allem auf Deutsche. Auf sehr, sehr viele Deutsche. Teilweise so, dass man direkt auf deutsch angesprochen wird, weil scheinbar davon ausgegangen wird, dass das jetzt annektiertes Staatsgebiet ist.



    Was würde ich mir also wünschen: Leuten Respekt vor der Gegend zu vermitteln, in die sie sich begeben. LNT, geschichtlicher Hintergrund (Geschichte der Samí ist ja geplant), all das finde ich schon mal sehr gut. Ich bin ja gerade in weiten Teilen Tourbeschreibungen aus Jörgen Johanssons Buch zum Gröna Band gefolgt und fand daran gerade gut, dass er in vielen Aspekten recht vage bleibt. Er gibt einem die grobe Richtung vor, nennt zu erwartende Geländebedingungen aber gibt jetzt keine turn-by-turn Anweisungen á la „an der dritten Birke links“. So hat man immer noch eine gewisse Herausforderung sein eigenes Hirn einzuschalten, mit wachen Sinnen durch die Welt zu schreiten und selbst etwas zu entdecken und bewältigen. Persönlich finde ich es schon schlimm genug immer nur markierten Wegen hinterherzurennen. Die haben sicher vieles für sich, aber wie schon erwähnt, der Tunnelblick, der Tunnelblick. Je mehr man Leute an die Hand nimmt, umso mehr beraubt man sie der Fähigkeit selbst etwas zu entdecken. Ein guter Wanderführer sollte demnach genau das Fördern, die eigene Neugier, das Interesse für die Umgebung, Verständnis und Sinne schärfen.

    Ein kleines Wörterbuch finde ich da etwa immer ganz hilfreich.

    Wie andere schon schrieben, Dinge, die man sonst nicht wissen kann (mir hilft da die Vita och Gröna Band Facebook-Gruppe): *wo* gibt es *was* zu kaufen. Also kleine Läden längs des Weges. Haben die Gas? Trekkingnahrung? Öffnungszeiten (viele sind mittlerweile self-service, also rund um die Uhr offen - muss man aber auch erst einmal wissen)? Wo kann man resupply Pakete hinschicken und wie (für Schweden PostNord oder BussGods?)?

    Wenn ich die Tour abkürzen will oder muss, was gibt es da für Alternativen (von x über Pfad y zur Straße die in Ortschaft z mit Bus führt …)

    2 Mal editiert, zuletzt von PositivDenken (6. Januar 2026 um 09:07)

  • Den Gedanken (digitale) Wanderführer zu schreiben hatte ich ebenfalls schon. Es scheitert bisher am Aufwand, der Angst vor Folgeaufwand (lfd. Aktualiseirungen, etc.) und der Annahme, dass der realistische "Outcome" den Aufwand nicht rechtfertigen könnte.

    Ohne genauer auszuführen, einige meiner persönlichen Vorstellungen an Wander-/Trekkingführer:

    - Geschichte, Kultur, etc. kann ICH absolut drauf verzichten. Ich bin der Meinung ein Wanderführer deckt das ohnehin nur sehr oberflächlich ab. Wenn mich was anderes interessiert, dann besorge ich mir diese Infos zusätzlich. Ich mag die ganzen Zusatzinfos einfach nicht. Ich kaufe einen Wanderguide wegen der spezifischen Infos. Künstliches in die Länge ziehen und verwässern brauche ich nicht.

    - Gleich verhält es sich mit allgemeinen Themen. Verhalten im Notfall/bei Schlechtwetter, etc. Jeder Wanderführer hat die gleichen einleitenden Kapitel. Themen die ohnehin nur oberflächlich abgedeckt sind und bei denen es Sinn macht sich bei Interesse oder vielleicht auch notwendigerweise, anderswo schlau zu machen.

    - Tabellen sind für mich die Quintesenz von Wanderguides. Das nehme ich mit auf Tour (physisch zB als Ausdruck), der Rest des Buches in Teilen als digitale Fotografien. Tabellen mit Etappen, Distanzen, Höhenmetern (Ab-/Aufstieg), inkl. wichtiger Punkte (Ortschaften, Resupply, verlässliche öffentliche Verkehrsanbindungen, Alternative Routen etc.)

    - genaue Angaben zu besonders schwierigen Stellen finde ich besonders wichtig. Selbst mit einer gewissen Höhen-/Absturzangst ausgestattet, entscheidet das bei mir mit darüber ob ich eine Tour überhaupt gehe. Wo genau ist eine schwere Stelle? Was ist der Grund dafür, dass es schwer ist? Technisch, Absturzgefahr, potentielle Schneefelder, etc. - Schwierigkeit ist nicht gleich automatisch für jeden schwer. Während ich leichte Höhenangst habe, fürchte ich mich z.B. eher nicht davor in weglosem Gelände unterwegs zu sein, usw. Gibt es Umgehungen (inkl genauer Beschreibung) oder andere Möglichkeiten?

    - Angaben zu wichtiger Infrastruktur finde ich besonders wichtig und kommt neben den Tabellen immer mit auf Tour als Ausdruck. Insbesondere Resupplymöglichkeiten. Öffnungszeiten, Schließung von Läden, etc machen es mitunter schwer aktuell gehalten zu werden. Aber ich teile meine Reusppliea zB in Kategorien ein 1/2/3, 1 ist sehr zuverlässig - sehr großer Supermarkt/oder mehrere in einem Ort, zB Lidl, Aldi, Migro, usw. Alles was das Herz begehrt, sehr unwahrscheinlich, dass der Laden binnen kurzer Zeit dicht macht, ausgesehnte Öffnungszeiten, mitunter auch an WE oder Feuertag. 2. Zuverlässig - kleinere Märkte wie refionaler Supermarkt, kleiner Spar, etc. - voller Resupply idR. Möglich, 3. Unklarer Resupply - Lokale Geschäfte, Alimentarios, ggf. Bäckereien oder Tankstellen, etc. Anmerkungen so gut und genau wie möglich dazu.

    - Angaben die wildes Campen/biwakieren zumindest thematisieren je Etappe. Ist es möglich oder aufgrund der Topografie/Bewuchs/etc. Nicht wirklich möglich. Es müssen keine exakten Stellen angepriesen werden aber eine Einschätzung ob sich ein gewisser Abschnitt eignet oder nicht, finde ch schon hilfreich. Man mag z.B. Farout kritisieren ob der exakten CampSpot-Angabe in der App aber es ermöglicht zB deutlich länger zu gehen und später aufzustellen, da man eine Vorstellung davon hat ob man spät Abends leicht einen Platz findet oder nicht.

    Das waren mal einige Gedanken dazu. Gibt sicher noch mehr aber ich denke du bekommst eh viel, teils gegensätzlichen, Input.

    Wie geschrieben: für mich ist ein Wanderguide ein Wanderguide und kein Kulturführer. Übersichtlich, reduziert, kompakt. Macht den Guide nicht nur leichter sondern auch einfacher in der Erstellung und ggf. Auch kostengünstiger im Druck/Verkauf.

    Weg als Ziel | mein Blog (privat) - Tourenberichten, Ausrüstungstests, Tipps & Tricks

    Tidy Gear | mein Webshop (gewerblich) - Alpha Direct Produkte, Trail Gaiter Gamaschen, Rucksack Liner, und anderes

  • - Tabellen sind für mich die Quintesenz von Wanderguides

    Das sehe ich ebenso.

    Als ein Beispiel für mich mag das Appalachian Trail Data Book von Daniel D.Chazin dienen.

    Vor mir liegt gerade die Ausgabe von 2018. In diesem Jahr habe ich mich intensiv mit diesem Trail beschäftigt.

    Das ist die Quintesenz, die ich mir vorstelle. Informationen komprimiert auf technische Informationen. Man kann sie nutzen, muss es aber nicht.

  • Vielen Dank für eure vielen Antworten. Eure Rückmeldungen sind sehr interessant, auch wenn ich teilweise über Ton oder Formulierungen etwas schmunzeln muss. Ich glaube an der Stelle ist noch einmal wichtig zu erwähnen, dass sich Wanderführer an ein spezifisches Publikum richten, also tendenziell Menschen mit weniger Erfahrung, und einen bestimmten Zweck haben, nämlich einen (ersten) Überblick zu geben und auf eine Reise vorzubereiten. Ich glaube gerade hier im Forum planen und gestalten viele ihre Reisen anders und das kann ich gut verstehen und doch erfüllen solche Bücher in meinen Augen eine wichtige Aufgabe, dazu später mehr.

    Ich will kurz auf ein paar Punkte eingehen, die ihr zu meinen Beispielen dargelegt habt, und dann mal ein kurzes Zwischenfazit ziehen und vielleicht auch grundlegendes zu solchen Führern sagen und zu meinen Beweggründen, einen solchen zu schreiben - Reichtum und Ehre sind es nämlich sicherlich nicht, hehe.

    üblicherweise sind Etappen ja so geschnitten, dass Anfang und Ende mögliche Übernachtungsplätze sind

    In meinem Fall, ähnlich wie bei anderen Wegen in Nordskandinavien, ist der Weg als Hüttentour konzipiert und soll auf Wunsch des Verlags auch als solcher in den Führern gegliedert werden. Ich selbst schlafe selten in den Hütten und plane meine Etappen anders, daher sind für mich Informationen zwischen Etappenzielen wichtiger, als diese selbst. Ich glaube das geht hier vielen so.

    Wann kann man denn mit einer Veröffentlichung rechnen?

    Im Frühjahr nächstes Jahr sollte es soweit sein.

    Markierte Zeltplätze in einem Wanderführer wären für mich ein Grund diesen nicht zu kaufen. Sollte dann nicht auch noch markiert sein wo man hin kackt?

    Ich glaube an dieser Stelle ist es nochmal wichtig zu erwähnen, was ich genau mit markierten Zeltplätzen meine. Ich bin diesen Sommer über 1000km durchs Fjäll gelaufen und habe manchmal auch bei der Planung solche Führer zur Rate gezogen. Während im Fjäll häufig die Zeltplatzsuche sehr einfach ist, zum Beispiel so gut wie überall in der Finnmark, kommt es meiner Erfahrung nach nicht selten auch vor, dass es durchaus mal für 10km oder sogar 20km keine wirklich geeigneten Orte zum zelten gibt oder nur sehr ungemütliche - gerade für Menschen mit UL Zelten (not me). Ein Beispiel ist zum Beispiel vor und hinter der Røsvatnhytta in Norwegen oder auch westlich von Vaisaluokta, wo es auf 30 km so gut wie keine Möglichkeit zum zelten gibt, außer vielleicht an einer der Brücken. Das ist sicher die Ausnahme, aber genau für solche Fälle finde ich solche Angaben manchmal hilfreich. Das hilft mir persönlich einzuschätzen, wie ich eine Etappe planen kann und wie spontan ich dabei sein kann. Wenn man sowieso nur 20km läuft, machen 5km oder 10km mehr nicht so viel aus. Wenn man aber über 30km oder gar 35km läuft, will man am Ende des Tages nicht feststellen müssen, dass man für weitere Stunden über Blockfelder oder durch tiefen Sumpf laufen muss, weil es nichts zum zelten gibt. Das mag mancher anhand topografischer Karten ablesen können, aber das bedeutet auch viel Aufwand bei langen Wegen und Know-How. Ich möchte auf keinen Fall klumpige Festivalsituationen wie auf dem Kungsleden schaffen, aber ich möchte das Buch eben auch sowohl für unerfahrene wie erfahrene informativ gestalten und dazu zählt meiner Meinung auch, sowas zu erwähnen wie: "hey, auf diesem 30km Abschnitt gibt es nur in diesem Bereich gute Möglichkeiten zu zelten" oder "auf dieser Hochebene geht es gut" oder "neben der Brücke ist ein guter, bereits gut abgenutzter Zeltplatz". Ich finde solche Informationen hilfreich, um Etappen eben individuell planen zu können und einen groben Eindruck von der Beschaffenheit des Weges zu bekommen.

    Das kann gut sein, für ein Gebiet mit hohem Schutzwert und wenig geeigneten Plätzen. Im skandinavischen fjäll halte ich das aber eher für kontraproduktiv, da im allgemeinen eh mehr als genug Platz ist und es besser ist, wenn sich die Besucher möglichst gleichmäßig verteilen.

    Dazu finde ich wichtig zu erwähnen, dass es aus Sicht des Naturschutzes tatsächlich häufig besser ist, bereits benutzte Zeltflächen zu gebrauchen, anstatt neue "anzulegen" - auch im Fjäll. Ich zelte auch gerne an besonders entlegenen oder szenerischen Orten, aber es ist auch gut, sich manchmal an "Abnutzungen" zu orientieren, um die Flora zu schützen, weil erholen tut sich die Natur an diesen Stellen oft sowieso nur sehr langsam oder auch gar nicht mehr. Ich finde das persönlich manchmal auch angenehmer, weil diese Flächen über die Jahre geebnet wurden und ausnahmsweise mal nicht schief oder steinig oder voller kleiner Mulden sind. Im namensgebenden Padjelanta gibt es sehr viele dieser Stellen, da Hippies aus ganz Europa den Park in den 70er und 80er Jahren im Sommer regelrecht eingenommen haben. Manche dieser Stellen sieht man sofort, andere weniger und manchmal finde ich diese durchaus erwähnenswert, weil sie sowohl komfortabel oder geschützt oder eben auch gut gelegen sein können.

    Und genaue Angaben sind doch gerade für das Fjäll in vielen Fällen schwierig bis unmöglich. So kann eine Furtstelle sich von Hüpfen über Steine bis zu stehen bis über die Knie in reissendem eisigem Wasser verändern

    Da hast du vollkommen recht und ich finde auch, dass es nicht Ziel sein sollte, alles bis ins Detail zu erläutern. Klar, müssen Leute auch eigene Erfahrungen machen. Ich finde aber in den Alpen zeigt sich sehr gut, wie viele unerfahrene Leute in Bergnot geraten, weil sie nicht richtig vorbereitet sind und Situationen nicht richtig einschätzen können - da hilft diese Erfahrung in dem Fall dann auch erstmal wenig. Warum ich das Furten erwähnt habe, ist, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass das Furten in solchen Führern häufig banalisiert wird. Dabei ist es imho ein kritischer Moment beim Wandern, bei dem viel schief gehen kann, gerade, weil man das auf die leichte Schulter nimmt. Ich kann verschiedene Szenarien und Wasserstände nicht ellenlang erläutern und auch keine Anleitungen geben, aber ich kann erwähnen, dass manche Furten z.B. nach tagelangem Regnen oder zu Beginn der Saison sehr schwierig oder gar unpassierbar sein können - habe ich alles schon erlebt. Und diese Hinweise sind glaube ich wichtig und richtig, weil sie im Ernstfall vielleicht helfen, dass Unerfahrene die richtige Entscheidung treffen.

    Teilweise so, dass man direkt auf deutsch angesprochen wird, weil scheinbar davon ausgegangen wird, dass das jetzt annektiertes Staatsgebiet ist.

    Das habe ich auch schon oft erlebt und fand ich jedes mal grauenhaft. Habe mich auch schon erwischt, wie ich Leute grundsätzlich mit möglichst akzentfreiem Englisch oder meinem gebrochenen Schwedisch anspreche ^^

    für mich ist ein Wanderguide ein Wanderguide und kein Kulturführer.

    Das ist ein sehr wichtiger Punkt und das entspricht auch ausdrücklich der Philosophie des Verlags und im Grunde auch meiner eigenen. Gleichzeitig finde ich es wichtig, den Führer auch dafür zu nutzen, um auf wichtige Dinge hinzuweisen, die über die Etappenbeschaffenheit etc. hinaus geht. Schließlich sind wir zu Besuch und gerade das Fjäll ist indigenes Gebiet und damit auch vor dem Völkerrecht besonders geschützt.

    Das bringt mich zu meinen Beweggründen, warum ich einen solchen Führer schreibe. Grundsätzlich habe ich natürlich auch Interesse und Spass und Erfahrung beim Schreiben. Gleichzeitig empfinde ich als Fjällenthusiast und häufiger Gast auch eine Schutzpflicht und gewisse Verantwortung gegenüber dieser tollen und einzigartigen Landschaft und ihren Bewohner*innen. Das meine ich nicht in einem paternalistischen Sinne, dass ich etwa besser Bescheid weiß, als beispielsweise die Samen selbst. Ich habe anfangs nochmal erwähnt, dass sich solche Führer an spezifische Gruppen richten, tendenziell an unerfahrenere Personen oder eben alle, die (noch) gar keine Informationen zu der Gegend haben. Es ist wichtig, dem von PositivDenken erwähnten Tunnelblick entgegenzuwirken, damit die Menschen selbst Verantwortung lernen und Erfahrungen machen. Gleichzeitig sehe ich mit Besorgnis, wie manche Menschen in der Natur unterwegs sind, gerade auch z.B. auf dem Kungsleden. Man kann sich streiten, ob ein Wanderführer die Leute erst anzieht, wie beispielsweise beim NKL oder ob sie sowieso kommen. Ich glaube, die Menschen kommen auch so, manchmal dann eben auch ohne den richtigen Respekt oder nötiges Grundwissen für Land und Leute. Und ich finde, da kann ein solcher Führer helfen, erstens kritische Punkte hervorzuheben, wie "diese Passagen sind sehr anspruchsvoll", "diese Furten sind nur für Erfahrene" oder auch "das ist alles seit Jahrtausenden der Lebens- und Kulturraum der indigenen Samen, deren Land systematisch für Ressourcen, aus rassistischen Gründen und zu Zwecken der Erholung bzw. des Tourismus ausgebeutet wird, und daher sollte man nochmal extra umsichtig sein". Ich weiß, dass ich keinen Kulturführer und auch keine kulturkritische Abhandlung schreibe, aber ich finde es auch wichtig, manche Dinge nochmal zu unterstreichen, ohne dabei den Fokus auf das Wesentliche, die Informationen zum Weg selbst, zu verlieren. Denn es geht eben nie nur um den Weg, sondern immer auch zwangsläufig darum, wo ich mich befinde und wie ich diesen Aufenthalt so nachhaltig und freundlich wie möglich gestalte. Und für viele ist eben ein solcher Führer oft die erste und auch einzige Anlaufstelle zur Vorbereitung. Das mag auf die Leute hier im Forum nicht zutreffen, deshalb frage ich nach Dingen, die euch wichtig sind, aber das sollte man auch im Hinterkopf behalten. Das kann ja z.B. auch bedeuten, dass man selbst Dinge weiß, aber es für euch wichtig wäre, dass sie für Leute, die das nicht wissen, in solchen Führern erwähnt werden.

    Ich habe z.B. aus euren Anworten rausgelesen, dass viele eher grobe Beschreibungen bevorzugen, Informationen zu schwierigen oder gar kritischen Passagen oder auch Abschnitten ohne Zeltmöglichkeit aber sehr gern gesehen sind, sowie Hinweise zu infrastrukturellen Anbindungen, Umgehungen, Einkaufsmöglichkeiten/Resupplyadressen, mögliche "Notausgänge" etc.

    Ich denke, wir wissen hier alle, wie man sich richtig in der Natur verhält. Ich glaube aber, dass genau die Zielgruppe solcher Führer das häufig nicht so auf dem Schirm hat. Wie oft habe ich schon Klopapier und Taschentücher am Wegesrand gesehen, bei denen Menschen sicher denken, dass das schnell verottet, oder Hunde im Padjelanta etc. Ich kann das alles auch mit meinem Führer nicht verhindern, aber ich finde es wichtig, einen realistischen Eindruck zu vermitteln und auf Dinge zu verweisen, auch wenn sie für manche schon klar sind, um vielleicht auch Leute dazu zu bewegen, ihre Herangehensweise nochmal zu überdenken oder vielleicht doch ein anderes Ziel zu wählen. Reich werde ich mit dem Führer sowieso nicht, es ist also eher eine Herzensangelegenheit. Wenn es schon Informationen gibt - und die gibt es jetzt auch schon, auch zu meinem Weg - dann doch bitte wenigstens gewissenhaft und verantwortungsvoll und so, dass alle was davon haben,also sowohl Leute die Erfahrungen sammeln als auch Natur und Menschen vor Ort.

    Am Ende ist das ja auch meine erste Erfahrung mit einem solchen Format und ich versuche, viele Aspekte nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Ob das am Ende alles so passiert, ist nochmal eine andere Frage, aber solches gemeinsames Nachdenken ist sicher nicht verkehrt. :)

    Einmal editiert, zuletzt von Padjelanta (6. Januar 2026 um 11:02) aus folgendem Grund: passage ergänzt, typos korrigiert

  • Eure Rückmeldungen sind sehr interessant, auch wenn ich teilweise über Ton oder Formulierungen etwas schmunzeln muss. Ich glaube an der Stelle ist noch einmal wichtig zu erwähnen, dass sich Wanderführer an ein spezifisches Publikum richten, also tendenziell Menschen mit weniger Erfahrung, und einen bestimmten Zweck haben, nämlich einen (ersten) Überblick zu geben und auf eine Reise vorzubereiten. Ich glaube gerade hier im Forum planen und gestalten viele ihre Reisen anders und das kann ich gut verstehen und doch erfüllen solche Bücher in meinen Augen eine wichtige Aufgabe

    Nur als generelle Beobachtung von jemandem, der sich mit Nutzern befasst:
    Das ist wie Du ja schon merkst dann Deine Übersetzungsaufgabe, wenn Du hier wie richtig erkannt hier eine Extremnutzergruppe befragst.
    Aber genau dort zu lernen hat enormen Wert, wenn Du differenzieren möchtest und etwas schaffen willst, was es eben noch nicht etliche Male gibt. Denn in den Extremen Bedürfnisse deutlich, die der Durchschnitt gar nicht so pointiert verbalisieren könnte, da allenfalls latent vorhanden.
    Diese eben nicht als zu speziell, out of scope oder gar schrullig und eigenartig abzutun - sondern ganz im Gegenteil - erst hier besonders hellhörig zu werden, genau das, was man erstmal selbst nicht nachvollziehen und ggf. schräg findet, aus Sicht der Nutzer zu ergründen bringt Dich weiter. Nämlich dahin, warum jemand dieses Anliegen hat, was die darunterliegenden, unzureichend adressierten Bedürfnisse und Probleme mit existierenden Angeboten sind. Diese Nutzergruppe und die Anliegen also trotzdem - oder erst recht - mit einzubeziehen führt Dich erst zu den unkonventionellen, neuen, besseren Lösungen - von denen dann eben der Durchschnitt profitiert, ohne das zugrundeliegende Bedürfnis zu klar benennen zu können.

    Und ebenso - mach Dich frei von Deinen Scheuklappen und bisherigen Annahmen (zumindest im ersten Schritt des Nutzerbedürfnisse verstehens).
    Frei von 'dass sich Wanderführer an ein spezifisches Publikum richten', von 'solche Bücher' etc., wenn Du nicht genau so eins schreiben willst, von dem es schon diverse gibt. Vor allem, wenn Du sonst wenig Optionen in Hinblick auf andere Hebel wie Layout und andere formale Vorgaben seitens des Verlags hast. Das macht Dich nur immun für das obige verstehen wollen.
    Das kannst Du später - im Übersetzen in Lösungen, beim reality check, also wie Du diese Bedürfnisse befriedigen kannst ggf. wieder rausholen.
    Ansonsten schreibst Du nämlich eh 'solch ein Buch', von denen es schon so viele gibt. Aber dann ist ja eigentlich schon alles klar und Du kannst loslegen, ohne auf die Nutzer zu hören.

    Damit noch mal wieder enger zum Buchprojekt:
    Oftmals ist das Angebot an Informationen zu einem Trail ja begrenzt. Sprich manchmal gibt es halt nur den einen Führer.
    Das Publikum sind damit alle, die den Trail gehen wollen. Die Eingrenzung, die Du da von vornherein bezüglich Zielgruppe (weniger Erfahrung) und Zweck (ersten Überblick, vorbereiten) triffst, würde ich so nicht teilen.
    Beziehungsweise gibt ja auch vor allem der Trail und dessen Zielgruppe diese Parameter vor. Wenn es ein Anfängertrail mit Massenwanderungen ist, den sich eh niemand mit Wandererfahrung antut, mag das stimmen. Aber für den braucht es dann halt keinen drölften Führer, der es genauso macht, wie alle anderen. Aber es gibt ja auch genug anspruchsvolle Trails, die naturgemäß nicht die Zielgruppe Anfänger haben - und zu denen ggf. noch ein guter Führer (ggf. in bestimmter Sprache) fehlt.

    Generell sollte ein Führer natürlich möglichst viel in allen Phasen leisten: Erster Überblick, Vorbereitung - aber eben auch auf dem Trail - und ggf. sogar danach. Und natürlich für ein möglichst breites Publikum. Das ist ja auch Dein eigentliches Anliegen und das des Verlages.
    Insofern bleibt oft allenfalls ein abwägen, wie prominent und wie Umfangreich welches der üblichen Kapitel und Bestandteile abgebildet wird und was innerhalb der Vorgaben und Standards überhaupt möglich ist.
    Aber genau deshalb sind es vielleicht die kleinen Dinge, über die Du erst durch die Extreme hier stolpern kannst, die dazu führen, das ein- oder andere etwas anders anzugehen, auch innerhalb des engen Zielkorridors dieser Limitierungen.

    In diesem Sinne nochmal viel Erfolg!

    "Not all those who wander are lost"

  • Mir gehts ähnlich wie wilbo : die Karte gibt so viel mehr her... Wobei ich ja immer noch Anschlusskarten über Anschlusskarten brauche und die Karte(n) meist erst vor Ort besorge.

    Trotzdem haben sich bei mir einige Wanderführer angesammelt. Vornehmlich aus 2 Verlagen: rotpunkt und westalpen.wordpress (Sabine Bade und Wolfram Mikuteit). rotpunkt eher zum "Nacharbeiten". Die lasse ich mir immer gerne schenken (warte gerade auf die für April angekündigten Schmuggellandschaften). Gucke ich immer wieder gerne rein als erste Orientierung fürs Nachbartal der vorletzten Tour und ... es ist dann doch immer zu wenig und ein Spezial-Buch, gerne in einer Sprache, die ich nicht kann oder sonst zu hoch für mich, findet sich regelmässig gen Ende der Tour; Beispiele, so ungefähr: Chappaz, Die wilde Würde einer verlorenen Talschaft, die jedes Baseweight überschreitende Encyclopedia of Snow, Ice and Glaciers, aktuell eine populärwissenschaftliche Monografie aka Bildband über Schafe, Hånnlamb – De behornade gotländska utegångsfåren). Der einzige Wanderführer, den ich jemals auch unterwegs mit dabei hatte: westalpen.wordpress, Tour des Glaciers de la Vanoise. Zwar schon älteren Datums, aber quasi perfekt. Da ich beruflich Korrektur lese (auch das), finde ich eine gute Vorlage immer eine gute Orientierung. Mehr kann ich hier nicht sagen.

    Grundsätzlich reicht mir ein kurzer Bericht oder ein Foto aus einem Forum als Inspiration. Oder irgendeine Info, z.B. Wahlergebnis der AVS im Piemont. Gern abseitig.

    Long time classic und die letzen 13 Jahre immer wieder reingeguckt: Partisanenpfade im Piemont. Aber nie dabeigehabt.

    ---

    oder auch "das ist alles seit Jahrtausenden der Lebens- und Kulturraum der indigenen Samen, deren Land systematisch für Ressourcen, aus rassistischen Gründen und zu Zwecken der Erholung bzw. des Tourismus ausgebeutet wird, und daher sollte man nochmal extra umsichtig sein".

    Da wäre mir eine gute, komprimierte Literaturliste lieb. Als Beispiel, mitgebracht aus Nord-Norwegen, fehlen noch die Hinweise auf die Museen in Tromsö (zu den Themen a. Sami und b. Arktiserforschung):

    "

    Keine Reise ohne Nachbereitung durch ein wirklich gutes Buch.
    Emilie Demant Hatt, With The Lapps in The Mountains - A Woman Among The Sami, 1907-1908 (1913/2013). 
    Auf Dänisch hier: https://archive.org/details/medlapperneihj00dema
    gesellschaft und landschaft im übergang. kann man auch als praktische ethik des zeltens und der comfort-zone lesen. 
    im vorwort der printausgabe ist überzeugend erklärt, warum die sami sami heissen. weshalb es für mich auch nicht mehr lappland heissen kann.

    nach musealem text die höhepunkte des nationbuilding (uni tromsö).
    (1) und (2): würden wir krieg gegen die norweger führen müssen, war ein verworfener gegenstand von erörterung gewesen, als gegen die zerstörung des alta-tales gekämpft wurde.
    (3) tradition und avantgarde in eins gesetzt, outdoorpraxis auf der höhe metropolitaner cultural studies (wäre meine erwartung). wie auch immer. die richtige reihenfolge scheint mir: 1) rumlaufen, 2) museum gucken, 3) buch lesen, 4) festival gucken. uns hielts schönwetter auf der insel.

    Home | Riddu Riđđu
    http://www.markomeannu.no/wp/front/"

    ps: und noch mal eine genauer-stellung: "Wie letztes Jahr fangen wir da an, wo andere Deutsche alles kaputt gemacht haben. Guernica 2014. Hammerfest 2015. Deutsche Besetzung und Zerstörung, Evakuierung und Höhlenleben im Winter sind noch ganz präsent, für die Einheimischen gibts kein Fiskefestival ohne gemeinsame Wanderung zu einer Höhle (SW-Soroya). 

    Fundación Museo de la Paz de Gernika
    El Museo de la Paz de Gernika es un museo temático dedicado a la cultura de la paz y los derechos humanos. Aborda también la temática histórica de la ciudad,…
    www.museodelapaz.org

    http://www.kystmuseene.no/index.php?cat=107297 "

    ps/soroya: "Akkarfjord...Refugium des Eigensinns, fast schottisch (Isle of Rhum). Hat ein komfortables Hostel mit besonderem Selbstverwaltungsmodell (100.-- NK mit eigenem Schlafsack). Die meisten Dorfbewohner hängen da mit story an der Wand. Ne Turisthytta ist am Gamvikvatnet (da kann man mit Matte aufm Boden übernachten, kostenlos).
    Ein Dieter eines alternativen Reiseunternehmens war da oben am Ziele-scouten, ausser Schafen werden auch zwei Dromedare gehalten. Seufz. Wahrscheinlich die nördlichsten der Welt."

    soroya pa langs, 120 km: https://de.wikiloc.com/routen-wandern/across-soroya-3330881"

  • An dieser Stelle nochmal gesondert Dank an alle, die mir hier bisher geantwortet haben. Wie questor | hanglooseund auch wilbo nochmal richtig und wichtig unterstrichen haben, kommt es am Ende drauf an, dass ich ein ganz persönliches und eigenes Buch schreibe und keines von der Stange und da helfen meine eigenen Werte und Prioritäten, genauso wie die Antworten hier.

    Markierte Zeltplätze in einem Wanderführer wären für mich ein Grund diesen nicht zu kaufen. Sollte dann nicht auch noch markiert sein wo man hin kackt?

    Auch wenn ich erstmal über diese Sätze lachen musste, sehe ich doch auch den Wert, den sie für meine Ausarbeitung haben können und wie wichtig es ist, mich auch daran zu erinnern, dass manche Informationen womöglich durch Abwesenheit durchaus mehr leisten können. Es ist und bleibt alles eine Gratwanderung und ich freue mich auf diesen Prozess.

    Keine Reise ohne Nachbereitung durch ein wirklich gutes Buch.
    Emilie Demant Hatt, With The Lapps in The Mountains - A Woman Among The Sami, 1907-1908 (1913/2013).
    Auf Dänisch hier: https://archive.org/details/medlapperneihj00dema
    gesellschaft und landschaft im übergang. kann man auch als praktische ethik des zeltens und der comfort-zone lesen.

    Vielen Dank für den Hinweis! Das schaue ich mir sehr gerne genauer an, da ich auch an einer anderen Art von Buch über Wandern in Sápmi arbeite und über solche Literaturhinweise sehr dankbar bin. Wenn Du noch mehr Tipps hast oder andere möchtest, können wir gerne auch privat dazu schreiben.

    im vorwort der printausgabe ist überzeugend erklärt, warum die sami sami heissen. weshalb es für mich auch nicht mehr lappland heissen kann.

    Solche Hinweise sind mir als ausgebildeter postkolonialer Anthropologe und Aktivist zum Beispiel sehr wichtig zu erwähnen und das haben viele Leute zum Beispiel gar nicht auf dem Schirm. Hinweise zu lokalen Museen finde ich an der Stelle auch immer toll!

  • Das Buch von Emilie Demant Hatt gibt es auch auf Englisch und es ist eins von zwei Büchern, die ich doppelt habe. Liegt hier dekorativ im Büro und harrt der Benutzung, kann ich Dir auch schicken wenn Du magst. "Postkolonial" nicht im Sinne der Riege der raunenden Antisemit:innen von Superpromi bis Semipromiprof, sondern "Augenhöhe". Also eher Clastres, Gesellschaften ohne Staat, Staatsfeinde, Fanon, Camus. Literatur der reisenden (reichen) Frauen. Siehe auch Eugenie Goldstein, Bessans - La vie dans un village de Maurienne.

    Beim Grenz-zickzack inmitten Résistance und Resistenza drauf gestossen.

    Augenhöhe - zu dem, was ist (denen, die sind). Rhythmus Landschaft, Wetter, (unterwegs ja und aus mitgebrachten Gründen oft zuletzt, auch:) Leuten.

  • Das Publikum sind damit alle, die den Trail gehen wollen. Die Eingrenzung, die Du da von vornherein bezüglich Zielgruppe (weniger Erfahrung) und Zweck (ersten Überblick, vorbereiten) triffst, würde ich so nicht teilen.

    Würde ich auch so sehen. Wie immer kann ich nur von mir persönlich ausgehen: Ich persönlich erwerbe für jede meiner Touren einen Guide, sofern es einen gibt. Ausnahme sind die ganz langen Trails, weil sich die schwer in einem kompakten Guide bündeln lassen (da gibt es aber meistens FarOut Guides). Trotz langjähriger Erfahrung erwerbe ich auch für einfache und/oder kurze Trails gerne Guides. Nicht weil ich nicht selbst das Notwendige recherchieren könnte, sondern ganz einfach weil es im Idealfall (also wenn der Guide aus meiner Sicht ein guter ist) die Planung (auch wenn diese vielleicht nur gering ist) deutlich abkürzt. Dafür zahle ich gerne etwas um mir Zeit und Mühen zu sparen, ich verwende meine Zeit nämlich gerne für etwas anderes als Planung.

    In diesem Sinne macht es vielleicht Sinn alle und jeden der einen Trail geht als potentiellen Leser anzusehen.

    Weg als Ziel | mein Blog (privat) - Tourenberichten, Ausrüstungstests, Tipps & Tricks

    Tidy Gear | mein Webshop (gewerblich) - Alpha Direct Produkte, Trail Gaiter Gamaschen, Rucksack Liner, und anderes

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