Zelte im Fjäll - Erfahrungen und Meinungen

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  • ich war letztes Jahr in Island und habe mir dafür extra das Durston X Mid 2 Pro in Dyneema gekauft. Was das Material angeht, hätte das Zpacks wahrscheinlich auch keine Probleme gemacht, das hatte ich damals extra in der dickeren Version gekauft (aber eher weil das Material etwas blickdichter ist), aber es hat weniger Abspannpunkte als das X Mid, glaube 6 vs 12 und die 12 habe ich beim X Mid auch häufiger genutzt. Dazu ist die Außenhaut beim X Mid tiefer am Boden als beim ZPacks.

    Für Island brauchst Du auf jeden Fall ein Zelt, was im Wind stehen kann. Ich habe Videos von Zelten gesehen, die mir entgegengekommene Hiker gezeigt haben, bei denen die Zelte wegen dem Wind kollabiert sind. Zusammen mit der Tatsache, dass die Temperaturen dort auch im Sommer um den Gefrierpunkt sein können, plus Regen und Wind, musst Du da etwas haben was dann auch funktioniert und Dir wirklich Schutz bieten kann. Zu den anderen Zelten kann ich nichts sagen, aber ein Hilleberg, auch wenn sehr viel schwerer ist ein Traum von mir und sollte eigentlich auch für solche Gebiete taugen. Wobei ich nicht weiß, wie das mit dem Material aussieht, da die leichteren Hilleberg Zelte wahrscheinlich bezüglich des Stoffs nicht so stabil sind wie deren schwerere Modelle, ist aber nur eine Vermutung von mir.

    Den Kungsleden habe ich wieder mit dem Zpacks gemacht und war da im großen und ganzen auch zufrieden mit. Eine Nacht hatte ich eine Stellfläche mit sandigem Boden und da ist mir der Eckhering nachts rausgegangen, hatte nachts geregnet, war so um die 8 Grad rum und morgens hatte ich ne Pfütze im Zelt und meine Wanderhose war klitschnass. Das Problem hätte ich aber umgehen können, wenn ich konsequent (wie in Island) auf alle Heringe einen Stein drauf gelegt hätte.

    Zum X Mid noch, es ist ein sehr geräumiges Zelt, ok ich hatte auch die 2 Personen Version dabei, aber die seitlichen Apsiden sind glaube ich von den Maßen identisch und ich habe dort sogar mal im Zelt dann in der Apside einen Tee gekocht (im Zpacks nie, ist mir auch zu unsicher dort weil weniger Platz) , weil mir arschkalt war, meine Klamotten feucht vom Schwitzen, starker Wind war und es um den Gefrierpunkt war und ich wieder warm werden musste. Man kann die Apsiden mit einem Reißverschluss zu ziehen was super ist, ich glaube bis zu 12 Abspannpunkte, aber eine Sache hat mich gestört. Das Material war dünner als das vom Zpacks, kann also auch daran gelegen haben, aber ich hatte manchmal die Befürchtung, dass das Zelt undicht ist, was in so einer Umgebung natürlich kritisch sein kann, da ich gefühlt Wassersprenkel ins Gesicht bekommen habe und beim seitlichen schwarzen Moskitonetz es teilweise so aussah, als ob da Wassertropfen runtergelaufen sind. Ich vermute aber, dass statt undicht, der Grund war, dass die Kondensation an der Innenseite mit den ständig vibrierenden Bewegungen durch den Wind gegen die Außenwand, diese kondensierten Miniwassertropfen dann nach innen gesprenkelt sind.

    Island würde ich nicht mit dem Zpacks machen, da mir dort zu wenig Abspannpunkte wären.

  • Oska 's letzter Punkt enthält noch einen wichtigen Aspekt: Solid Inner sind im Vergleich sehr warm. Wenn es draußen zieht und du vom Tag ausgekühlt bist, empfinde ich es als Balsam für Körper und Seele das Innenzelt zuzuziehen und in einem völlig windstillen Kokon zu sein.

    Ein Solid Inner ist mir in (Nord)Skandinavien im Hochsommer zuweilen zu warm. Wenn da die Mitternachtssonne drauf brät und kein Wind weht, wird es schnell zu warm. Auf Island hatte ich die Situation noch nie, da war ich immer sehr froh die Elemente aussperren zu können.

  • Für mich stellt sich da eigentlich nur die Frage, wie sieht "Plan B" aus?

    Gibt es Hütten oder Unterkünfte, bzw. andere sichere Rückzugsorte? Ich habe 2024 die "X-Mid-Fraktion" schon regelmäßig bei schlechtem Wetter in den Fjällstationen angetroffen. Sei es, dass man (unbegründet?) Angst ums Zelt hat, einfach ein bisschen Komfort im Urlaub bei dem Sauwetter möchte oder es einem zu laut oder zu zu zugig in dem Zelt ist. Ganz erfahren werde ich es wohl nicht. Es ist eigentlich egal, denn jeder muss mit seinem Krempel selbst zurechtkommen - so oder so.

    Die Geschichte mit dem Enan in den ODS. Kann ich nicht so wirklich nachvollziehen. Quasi die "X-Akten" der Zeltgeschichten.

    Ich würde, nach einigen Reiseberichten, dem jeweiligen Gebiet erstmal einen gewissen Respekt zollen. Daher würde ich wohl für Island das Hilleberg Soulo einpacken.

  • hm... - also ich bin da bei einigen Beiträgen wirklich zwiegespalten. Vielleicht sehe ich auch einfach nur deutlich mehr Eigenverantwortung bei unseren Touren als andere:

    • Ich würde nie (!) meine Ausrüstung einfach nur darauf basierend planen, "dass mich schon jemand an einer nahen Hütte aufnehmen wird", wenn meine (bewusst zu leicht geplante) Ausrüstung einen normalen Sturm in Island nicht aushält. In Island sind Stürme nunmal einfach an der Tagesordnung. Wer eine sichere Hüttenunterkunft will, der sollte sie auch vorab buchen und bezahlen. Wenn man das nicht will, dann sollte man IMHO schon auch ein ausreichend sturm- (und sand-) festes Zelt mitnehmen. Alles andere ist doch einfach nur zu unserem (vermeintlichen) eigenen (gewichts-) Vorteil gedacht und verursacht den Hüttenwirten unnötigen zusätzlichen Aufwand wegen unserem Leichtgewichts‑Spleen.
    • Wo ist denn dieser so sichere "Grüngürtel" in Island? Tut mir leid, aber selbst direkt an den Zeltplätzen an der Küste gibt es doch kaum ausreichend sichere Unterstellmöglichkeiten direkt an den Zeltplätzen - zumindest nicht für die Anzahl an Wanderern und Campern mit Zelt....; Und auch auf dem Laugavegur sind doch kaum Zeltplätze ohne Sandsturm-Gefahr. Selbst wenn der Stellplatz selbst meinetwegen in wenigen (!) Fällen auf Gras ist - die Umgebung und der Untergrund sind nunmal einfach Sand bzw. Vulkanasche. Da braucht es doch nun wirklich nicht viel, um viel zu kurze und instabile UL-Heringe herauszureißen und jedes Zelt mit auch nur ein klein wenig Bodenfreiheit zum Segel im (sand- / aschegefüllten) Wind werden zu lassen.
    • Zum Hilleberg Enan gab es erst vor wenigen Tagen einen (Schadens-) Bericht im Nachbarforum im schwedischen Fjell: Es ist nunmal ein Yellow-Label-Zelt. Das ist an sich nichts schlechtes, aber von Hilleberg heißt es dazu eben auch explizit: "deine Ziele in geschütztem Gelände, [...] liegen". Das ist weder in Island, noch auf vielen Touren (gesichert) in Skandinavien der Fall. Vor allem nicht, wenn das Wetter – wie so oft – einfach mal unvorhergesehen schnell aufzieht.

      Ich kenne nicht alle Zelte aus der Vorauswahl, aber ich habe den Eindruck, dass wir uns hier in einigen Beiträgen schon hart an der Grenze zu "stupid light" bewegen. Ich würde bei den angepeilten Tourgebieten und Zeiten auf jeden Fall deutlich mehr Stabilität und Robustheit ins Auge fassen. - und dafür eher mind. in die Gewichts / Robustheitsklasse (Winterzelt) 1,5-2,5 kg gehen.

      Sorry, just my two cents.
  • Ich habe ein Wild Oasis, damit war ich im Sommer in denn Pyrenäen- auch ausgesetzt und mit Gewittern.

    Ich war mit einem Tarp Tent Aeon Li auf dem Nordkalottleden im September. Ich denke das Wild Oasis hätte das auch gekonnt. War damit auch schon hier im Winter unterwegs.

    Mein Bonfus Middus 2p wäre aber bestimmt bequemer gewesen.

    Kurzum- für Schweden/Norwegen geht eine Menge. Und DCF funktioniert super. 100 Nächte habe ich schon in einem MYOG Hexamid verbracht. Das Wild Oasis habe ich auch schon seit 5 Jahren und auf mind.90 Nächten genutzt.

  • Weil man das so oft hört: nur weil jemand mal mit Ausrüstung XY in einem Gebiet Z war und mit etwas Glück davongekommen ist, ist das noch kein gutes Argument dafür, dass diese Ausrüstung auch wirklich was taugt.

    Generell muss man sich die Frage stellen: Will ich mich auf meine Ausrüstung verlassen können oder muss ich das vielleicht auch, oder verlasse ich mich im Notfall auf vorhandene Infrastruktur vor Ort?

    Man hört dann oft „don‘t pack your fears!“, gerne von Leuten, die eigentlich nur wenig Erfahrung haben, zumindest was erwartbare Bedingungen im Einsatzgebiet angeht.

    Hier mal meine Gedanken, was Anforderungen im skandinavischen fjäll angeht (speziell nördlich des Polarkreises), zu Island kann ich mangels Erfahrung nix sagen:

    • Windgeschwindigkeiten jenseits der 20m/s, allerdings eher keine 30m/s ohne Vorwarnung
    • dennoch starke Winde, vor allem Böen möglich, auch wenn davon nichts in der Vorhersage war (jedenfalls nicht so)
    • Trekkingpoles brechen schneller als man denkt
    • eine Hütte ist nicht immer in Laufweite, auch nicht auf dem Kungsleden (vor allem gefährlich wenn Leute mit ausserordentlich guter körperlicher Verfassung Ratschläge an die Allgemeinheit geben - fahrlässig!)
    • Verletzungen oder Krankheit kommen tatsächlich vor, auch dann wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann, selbst bei gut trainierten Menschen
    • oft weit und breit kein Untergrund, der hinreichend flach und eben ist, nicht sumpfig ist, in dem Heringe auch halten oder aber dann wenigstens große Steine rumliegen - und das alles dann bitte natürlich noch windgeschützt und mit Frühstück ans Bett

    Ich käme deshalb zB nie auf die Idee, ein Durston Zelt - egal welches - als mein Shelter mit in den Sarek (oder halt vergleichbar entlegenes Gebiet) zu nehmen.
    Ich habe ein mulmiges Gefühl dabei mich auf meine Trekkingpoles verlassen zu müssen, zumindest wenn ich alleine unterwegs bin (habe deshalb welche aus Alu, was vielleicht ein direktes Abbrechen etwas unwahrscheinlicher macht).
    Ein solid inner ist zwar tatsächlich zu warm, wenn es warm ist, aber bei unerwartetem Schneefall Gold wert, zumindest wenn man ein Zelt hat, das man dann nicht komplett bodennah aufbauen kann.
    Ich weiß zB dass Leute wie Jörgen Johansson (sehr fjällerfahrener „UL-Papst“ aus Schweden) ihr Zelt auf einem Gröna Band wechseln. Im Süden Klasse „Aeon Li“, ab Hemavan dann Trailstar oder echtes Mid.

    Und ja, DCF ist nicht gleich DCF.

    [Ergänzung]

    Ja, man kann zB den nördlichen Kungsleden (Abisko bis Kvikkjokk) als zeltgestützte Hüttentour planen. Dh. man rechnet mit den Hütten, schläft aber im Zelt, solange es die Bedingungen zulassen. Es gibt schließlich auch noch Nothütten. Nur: ist es ein Notfall, wenn ich ihn durch unzureichende Ausrüstung bewusst in Kauf genommen habe? Der allgemeine(!) Rat ist, dass man selbst für eine Hüttentour ein Zelt dabeihaben muss(!), welches einem im Notfall unter möglichst allen Umständen Schutz bietet.

    2 Mal editiert, zuletzt von PositivDenken (31. Dezember 2025 um 07:56)

  • Zitat

    Die Geschichte mit dem Enan in den ODS. Kann ich nicht so wirklich nachvollziehen. Quasi die "X-Akten" der Zeltgeschichten.

    Es hat schon seinen Grund, warum in der Seekajakszene kaum noch einer die Yellow-Serie der Hillebergs verwendet. Da sind Dehnungsschäden im Gewebe bei stärkeren Winden häufiger diskutiert worden. Ich setze da auf mein Nortent Vern 1 und würde da auch nicht mit dem Xmid losfahren.

  • Ich setze da auf mein Nortent Vern 1

    Wie viel wiegt denn nur das Fly mit den Stangen?

    Ich kenne nicht alle Zelte aus der Vorauswahl, aber ich habe den Eindruck, dass wir uns hier in einigen Beiträgen schon hart an der Grenze zu "stupid light" bewegen.

    Ich denke, dass mit einem Tarp aus solidem Material und einer vernünftigen Anwendung eine Menge zu machen ist. Im Gegensatz zu fast allen Zelten kann ich die Aufbauhöhe den Umständen anpassen. Das ist dann zwar nicht mehr komfortabel, gibt aber ausreichend Windschutz um eine Nacht zu überstehen. (Wie man dann mit der ganzen Feuchtigkeit klar kommt, ist nochmal eine andere Sache).

    Das Kernproblem bei den meisten Zelten ist, dass sie mehr "gefühlten" als realen Schutz bieten. Viele Faktoren die ich beim Tarp noch in der Hand habe, werden mir vom Zelthersteller vorgegeben. Bei grenzwertigen Bedingungen heißt es dann, top oder flop.

    Ich würde bei extremen Winden, statt irgendeinem ul-Zelt, lieber ein Tarp aus 33 g/qm DCF, dabei haben.

  • Ein Fehler, der oft gemacht wird, ist der, dass quasi das Pferd von hinten her aufgezäumt wird. Man geht von seinem Sommer-Setup für mildes Klima aus (T-Shirt und Plastikplane reicht) und alles, was dann über das 3kg base weight hinausgeht, wird als ärgerlich und möglichst zu vermeidendes betrachtet.

    Stattdessen müsste man doch analytisch vorgehend damit beginnen, was sich denn bewährt hat. Was könnte man denn als Referenz betrachten? Mir käme da das Hilleberg Nallo in den Sinn. Kein Zelt muss wirklich schwerer sein, es sei denn, man hat ganz spezifische Anforderungen. Wir sprechen also von etwa 2,4kg. Was gibt es also, das leichter ist aber ein gleiches Niveau an Schutz bietet? Kuppelzelte sind in der Regel stabiler oder toleranter, aber entweder schwerer oder kleiner. Dann käme die Klasse der „Lappland-Torpedos“, Tunnelzelte mit nur einem Bogen. Akto, Enan, Scarp etc., geringe Sitzhöhe, klaustrophobisch, meist kleine Abside. Pyramiden-Stil, meist viel leichter, geringe Kopffreiheit, auf sehr(!) gut sitzende Heringe angewiesen (jedes Zelt braucht gut sitzende Heringe im Sturm). Und dann kommt die Klasse der dual-(trekking-)pole Zelte. Sie versprechen meist große Apsiden, gute Sitzhöhe und Kopffreiheit. Nur vereinen sie im Allgemeinen in puncto Sturmsicherheit alle Nachteile in sich. Man erkauft sich den Komfort mit einem Verlust an Sicherheit. Und ich fürchte, dass vielen dieser Schritt gar nicht bewusst ist. D.h. unbemerkt wurden mehr und mehr Abstriche gemacht, was augenscheinlich wird, wenn man sich wieder das Referenzmodell vor Augen hält. Das was sich bewährt hat. Dual-trekking-pole Zelte werden zwar benutzt und sind beliebt, aber haben sie sich auch bewährt? Aus eigener Erfahrung würde ich sagen „nein“. Zumindest solange man keine Abstriche in puncto Sicherheit machen möchte.

    Klar kann man sich fragen „brauche ich soviel Sicherheit überhaupt?“. Dabei sollte man sich aber bewusst sein, dass man sich da auf sehr dünnes Eis begibt und man schon sehr genau wissen muss, worauf man sich einlässt. D.h. Abstriche müssen durch Erfahrung und Verlässlichkeit der restlichen Ausrüstung kompensiert werden. Kann ich wirklich das Wetter gut genug einschätzen? Die Wegbeschaffenheit, das Gelände? Hab ich genügend warme Kleidung (nicht zuletzt verlässliche Regenkleidung)? Wie ist meine eigene körperliche und mentale Verfassung?

    Man sollte beim Erteilen von Ratschlägen nicht vergessen, dass was man für sich persönlich als kalkulierbares Risiko - bewusst oder nicht - in Kauf genommen hat, nur selten und wenn doch nur sehr schwer auf andere übertragbar ist. Ihr wisst nicht, wer hier mitliest und wer dann was für welche Rückschlüsse zieht, nur weil er oder sie denkt, verstanden zu haben, was die jeweiligen Kompromisse sind, die bei einer konkreten Entscheidung in Betracht gezogen wurden. Nicht jeder Gedanke wird zu Papier gebracht oder wenn doch, nicht jeder zu Papier gebrachte Gedanke, wird auch korrekt verstanden.

    Das Kernproblem bei den meisten Zelten ist, dass sie mehr "gefühlten" als realen Schutz bieten. Viele Faktoren die ich beim Tarp noch in der Hand habe, werden mir vom Zelthersteller vorgegeben. Bei grenzwertigen Bedingungen heißt es dann, top oder flop.

    Heißt aber auch, man muss seinen eigenen Fähigkeiten vertrauen können (was einen entsprechend großen Erfahrungsschatz voraussetzt). Weiss ich mehr als ein Bo Hilleberg? Ich jedenfalls eher nicht. Weiss ich mehr über Nordskandinavien als Dan Durston oder Henry Shires?

    Vielleicht an der Stelle auch nicht vergessen, dass all die grossen Hersteller auf Gewinn angewiesen sind und daher ihre Zelte nach Marktkriterien entwickeln. Sie müssen sich in erster Linie gut verkaufen und dann muss die Marge stimmen. Ich denke man kann das ziemlich gut an Tarptent sehen, dass über die Jahre die Qualität immer weiter abnimmt, dem Trend folgend billigere Materialien verwendet werden und auch am Herstellungsprozess gespart wird. Egal was sie dir erzählen.

    3 Mal editiert, zuletzt von PositivDenken (31. Dezember 2025 um 15:12)

  • Zitat

    Die Geschichte mit dem Enan in den ODS. Kann ich nicht so wirklich nachvollziehen. Quasi die "X-Akten" der Zeltgeschichten.

    Es hat schon seinen Grund, warum in der Seekajakszene kaum noch einer die Yellow-Serie der Hillebergs verwendet. Da sind Dehnungsschäden im Gewebe bei stärkeren Winden häufiger diskutiert worden. Ich setze da auf mein Nortent Vern 1 und würde da auch nicht mit dem Xmid losfahren.

    Hallo!

    Kannst du das mal verlinken? Die Yellow-Label-Serie, das ist ja dennoch 20d-Silnylon 6.6, dreifach mit Silikon beschichtet. Andere Hersteller verkaufen weniger wertiges Material als Expeditionszelte (Slingfin, nahezu alle Modelle). Andere Hersteller haben sowas gar nicht erst im Programm, sondern verwenden PU-beschichtete Materialien.

    Das Vern 1 (30 d Nylon) hatte ja auch Probleme mit dem Gestänge und die Konstruktion hat sich ja nicht geändert. Und das Varde 1 geht langsam Richtung 3 kg, was beim Kajak nicht so das Thema sein sollte. Für die Nortent-Zelte spricht halt auch der Preis, der sich etwa bei der Hälfte der Hilleberg einpendelt und die freistehende Konstruktion. Das Hilleberg Soulo ist nicht riesig und die Modelle ab Allak und Staika tun im Geldbeutel schon richtig weh. Müsste ich es nicht durchgehend am Rücken tragen, würde ich da wohl auch zum "Varde 1" greifen, speziell da sie da ja jetzt ein DAC-Gestänge verwenden.

    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es in der Kajak-Szene problematisch sein kann, das Zelt ordentlich zu verankern. Da können dann schon mal Schäden auftreten.

    • Ich würde nie (!) meine Ausrüstung einfach nur darauf basierend planen, "dass mich schon jemand an einer nahen Hütte aufnehmen wird", wenn meine (bewusst zu leicht geplante) Ausrüstung einen normalen Sturm in Island nicht aushält. In Island sind Stürme nunmal einfach an der Tagesordnung. Wer eine sichere Hüttenunterkunft will, der sollte sie auch vorab buchen und bezahlen. Wenn man das nicht will, dann sollte man IMHO schon auch ein ausreichend sturm- (und sand-) festes Zelt mitnehmen. Alles andere ist doch einfach nur zu unserem (vermeintlichen) eigenen (gewichts-) Vorteil gedacht und verursacht den Hüttenwirten unnötigen zusätzlichen Aufwand wegen unserem Leichtgewichts‑Spleen.

    Moin Tom,

    ich bin grundsätzlich ganz bei dir. Für mich liegen da ein paar spannende Fragen hinter, die pauschal vermutlich schwer zu beantworten sind:

    1. Für welches Szenario muss ich auf Wanderwegen mit Infrastruktur (abseits von Infrastruktur stellen sich die folgenden Fragen anders) vorsorgen und in der Lage sein autark damit klar zu kommen?

    • Mit dem durchschnittlichen Wetter für die Region und Jahreszeit?
    • Mit 90% der erwartbaren Bedingungen? Mit 95%?
    • Mit allen Bedingungen?

    Und wo ist dann die Grenze von "bewusst zu leicht geplante" Ausrüstung?

    Eine ähnliche Frage und Aussage steckt ja auch PositivDenken "möglichst allen Umständen" drin.

    Nur: ist es ein Notfall, wenn ich ihn durch unzureichende Ausrüstung bewusst in Kauf genommen habe? Der allgemeine(!) Rat ist, dass man selbst für eine Hüttentour ein Zelt dabeihaben muss(!), welches einem im Notfall unter möglichst allen Umständen Schutz bietet.


    Und um im einfachen Beispiel vom Laugavegur zu bleiben, dem populärsten Wanderweg auf Island, den die allermeisten hier vermutlich meinen, wenn sie von nicht-exponiertem Wandern auf Island sprechen:

    Situation 1: Ich nehme ein X-Mid mit, weil es den durchschnittlich vorherrschenden Bedingungen (Annahme 1) standhalten sollte. Leider weht es in Landmannalaugar etwas stärker, ich werde weggeblasen. Muss eine elende Nacht in der Dusche ausharren. War das "zu leicht geplant"?

    Situation 2: Ich nehme ein Hilleberg Soulo mit, weil es 95% aller Bedingungen, die vorkommen können standhalten dürfte (Annahme 2). Unglücklicherweise habe ich mir trotz einfachstem Weg blöd den Fuß verknackst, bin langsam vorwärts gekommen und muss schon in Hrafntinnusker spät das erste Camp aufschlagen. Alle Plätze mit Windschutz sind belegt und voll exponiert kommt nun auch noch ein stärkerer als 95% der Fälle erwartbarer Sturm, dem das Soulo nicht standhält. War das "zu leicht geplant"?

    Wo zieht man die Grenze? Und ich meine das wirklich nicht polemisch. Es ist auch für mich selbst immer wieder eine spannende Überlegung im Vorfeld von Touren: Optimiere ich für die wahrscheinlichen Bedingungen, oder für den Worst Case?

    Und bei der Beantwortung spielt eine Infrastruktur, die zur Not als Rettung dient, natürlich eine Rolle. Je abgelegener die Touren, desto bedingungsloser muss ich mich auf die Ausrüstung verlassen können. Aber wo liegt die Grenze? Schwierig.

    • Wo ist denn dieser so sichere "Grüngürtel" in Island? Tut mir leid, aber selbst direkt an den Zeltplätzen an der Küste gibt es doch kaum ausreichend sichere Unterstellmöglichkeiten direkt an den Zeltplätzen - zumindest nicht für die Anzahl an Wanderern und Campern mit Zelt....; Und auch auf dem Laugavegur sind doch kaum Zeltplätze ohne Sandsturm-Gefahr. Selbst wenn der Stellplatz selbst meinetwegen in wenigen (!) Fällen auf Gras ist - die Umgebung und der Untergrund sind nunmal einfach Sand bzw. Vulkanasche. Da braucht es doch nun wirklich nicht viel, um viel zu kurze und instabile UL-Heringe herauszureißen und jedes Zelt mit auch nur ein klein wenig Bodenfreiheit zum Segel im (sand- / aschegefüllten) Wind werden zu lassen.

    Ich habe nirgends von einem "so sicheren" Grüngürtel gesprochen. Es ging bei der Betrachtung um die Frage der Bodenbeschaffenheit für den Heringssitz. Ein Blick auf die Satellitenbilder der Insel zeigt sehr schnell, wo es zumindest etwas Vegetation gibt, und wo gar nicht. Und da ist der Laugavegur, um bei dem Beispiel zu bleiben einfach nicht vergleichbar mit dem zentralen Hochland. Sowohl was Exposition, als auch den Halt von Heringen betrifft.

    Das heißt nicht, dass es auf dem LV überall Luxusstellplätze sind. Die 2-3 üblichen Camps nach dem Start (Alftavatn, Emstrur, Þórsmörk) sind jedoch allesamt auf verdichtetem, grasig-erdigem Boden, wenn mich die Erinnerung nicht trügt.

    Und bezüglich Heringen war die einzige Erwähnung von wilbo , der zu deutlich stärker als üblichen Modellen geraten hat – oder habe ich etwas übersehen?

    Dass man da mit Zelten ohne Innenzelt womöglich mit feinem Staub überzogen wird, ist klar. Das halte ich allerdings eher für eine Frage der Komfort-Priorisierung, als der nackten Sicherheit.

    Aus den Zelten in meinem Fundus würde ich wie bereits gesagt mit dem Windsaber losziehen, weil entlegenere Touren nach meinem Dafürhalten ein Zelt der Widerstandsklasse benötigen. Und weil es mir auf einer kurzen, einfachen Tour wie dem LV einfach egal ist, ob mein Rucksack 1 kg schwerer ist, wenn ich mir darüber einen einfachen Aufbau und entspannte Nächte ertausche.

    Ich habe den LV zwei mal zum Rauslaufen von längeren Touren genutzt. Das ist allerdings über 10 Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere, waren wahrscheinlich 50% der Zelte dort von der Kategorie Decathlon bzw. Baumarkt. Vermutlich ist man aber selbst mit einem besseren UL Shelter windstabiler unterwegs, als 50% der dort versammelten Zelte. Das heißt nicht, dass ich es für sinnvoll halte.

  • Die Yellow-Label-Serie, das ist ja dennoch 20d-Silnylon 6.6, dreifach mit Silikon beschichtet. Andere Hersteller verkaufen weniger wertiges Material als Expeditionszelte (Slingfin, nahezu alle Modelle).

    Magst du da Beispiele nennen? Auf den schnellen ersten Blick hat keins von deren Alpine oder Expedition Serie Zelten weniger als 20D SilSil.

  • Ok, ok...

    Vielen Dank für all die sehr hilfreichen Antworten und auch Verweise auf andere Beiträge, sehr, sehr interessant für mich.

    Ob der Informationsdichte brauch ich etwas länger für eine adäquate Antwort.

    Das eine oder andere werde ich mir gar notieren und es mal etwas auf mich wirken lassen.

    Und schon Gelesenes schau ich mir nochmal an, auch mal durch eure "Brille".

    Danke Leute und guten Rutsch sowie eine schöne Neujahrswanderung falls ihr eine macht.


    Gruß, Martin

  • -Durston X-Mid 1, deutlich besser geworden (Gen 3), trail weight 1250 gr.

    (….)

    Trail weight ist Fly, Inner, Pole(s), 6 Heringe mit Schnur und ein Reparaturkit (Hülse, Tape, Schnur).

    Da muss ich jetzt aber mal kurz nachhaken, wie kommst Du auf das Gewicht? Unabhängig von der nachgefragten Eignung, die ja hier im Forum unterschiedlich bewertet wird. Selbst mit meinem üppig gepimpten solid bin ich sehr deutlich unter 1kg mit der 1P-Version.

    Edit: P.S.: Ah, die Poles sind‘s? „keine Trekkingstöcke“ hatte ich dann wohl mißverstanden.

    Einmal editiert, zuletzt von GirlOnTrail (31. Dezember 2025 um 17:03)

  • Mir sind schon ein paar Poles gebrochen beim laufen und da war ich immer froh ein single pole Tarp zu haben. Demnächst werd ich wohl mehr mit Tarpstange und ohne Poles unterwegs sein, aber ein Trekkingstock ist schon stabiler.

    Ansonsten - soweit ich mich erinnere hat man am Kungsleden immer geschützte Möglichkeiten.

    In den nördlichen 140 km bin ich am Tag an 3-4 Hütten vorbeigelaufen. Das is mehr nen Freizeitpark als ne Wildnis

  • In den nördlichen 140 km bin ich am Tag an 3-4 Hütten vorbeigelaufen. Das is mehr nen Freizeitpark als ne Wildnis

    Du gehörst aber auch zu der Gruppe, die gern mal 30km hin legt oder? Zumindest was du vom SI erzählt hast. Da ist manch anderer auch gerne bei der Hälfte, besonders bei miesem Wetter

  • Ja. Ich hab 30-42 km Tage von Vakkotavare über Kebnekaise/Tarfala- nordkalatrutta -e1 - Abisko gehabt und war nen Tag zu früh da, trotz Umwegen.

    Die 9-12 km zwischen 2 Hütten da oben mache ich zwischen aufstehen und 2. Frühstück. Es gibt ja nichtmal Anstiege... Aber deshalb komme ich natürlich auch immer an geschützten Plätzen vorbei. Ich laufe meist bis on den Sonnenuntergang.

    Der SI war sehr viel anstrengender und es gab auch deutlich weniger Wanderer. Zwischen den beiden Touren lagen gerade mal 2 Wochen, ich war auf dem SI eigentlich fitter. Auf dem SI hatte ich einen 25 km Schnitt.

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