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1. Für welches Szenario muss ich auf Wanderwegen mit Infrastruktur (abseits von Infrastruktur stellen sich die folgenden Fragen anders) vorsorgen und in der Lage sein autark damit klar zu kommen?
- Mit dem durchschnittlichen Wetter für die Region und Jahreszeit?
- Mit 90% der erwartbaren Bedingungen? Mit 95%?
- Mit allen Bedingungen?
Und wo ist dann die Grenze von "bewusst zu leicht geplante" Ausrüstung?
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Und um im einfachen Beispiel vom Laugavegur zu bleiben, dem populärsten Wanderweg auf Island, den die allermeisten hier vermutlich meinen, wenn sie von nicht-exponiertem Wandern auf Island sprechen:
Situation 1: Ich nehme ein X-Mid mit, weil es den durchschnittlich vorherrschenden Bedingungen (Annahme 1) standhalten sollte. Leider weht es in Landmannalaugar etwas stärker, ich werde weggeblasen. Muss eine elende Nacht in der Dusche ausharren. War das "zu leicht geplant"?
Situation 2: Ich nehme ein Hilleberg Soulo mit, weil es 95% aller Bedingungen, die vorkommen können standhalten dürfte (Annahme 2). Unglücklicherweise habe ich mir trotz einfachstem Weg blöd den Fuß verknackst, bin langsam vorwärts gekommen und muss schon in Hrafntinnusker spät das erste Camp aufschlagen. Alle Plätze mit Windschutz sind belegt und voll exponiert kommt nun auch noch ein stärkerer als 95% der Fälle erwartbarer Sturm, dem das Soulo nicht standhält. War das "zu leicht geplant"?
Wo zieht man die Grenze?
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Tatsächliche Prozentwerte werden wir in der Realität ja selten haben - weder was das zukünftig eintretende Wetter, noch die reale Zeltstabilität unter den dann herrschenden Bedingungen (Boden, Lage, Windböen, eigene Erschöpfung und Fähigkeiten,...) betrifft.
Aber wir können uns ja mal probieren ein wenig anzunähern: Daten zu den zu erwartenden Wetterbedingungen können wir uns näherungsweise über verschiedene Wetterportale einholen. Da finden wir zumindest hier und da Spannen der vergangenen mittleren Wingeschwindigkeit je nach Gebiet und Monat - zumindest basierend auf Simulationen. Dazu dürfen wir dann gerne noch einen eigenen Sicherheitsfaktor draufrechnern: eigene Fähigkeit das Zelt auch in schwierigen Bedingungen wirkich gut aufzubauen, ggf. schlechte Bodenverhältnisse, Windböen mit einem Faktor 1,5-2 zur mittleren Windgeschwindkeit,...
daher zu Situation 1: wenn ich ein Zelt nur für den Durchschnitt, also nicht auch für die sicher auftretenden Windböen, auswähle, dann ist das m.E. definitiv zu leicht geplant. Und das Beispiel mit der Dusche ist ja gut gewählt. Genau da tummeln sich dann alle, die für Hütte und ausreichendes Zelt "zu sparsam" unterwegs waren. - Nur gibt es diese Dusche nicht immer und überall ad hock wenn man noch zu weit von der nächsten Hütte entfernt ist. Und besonders fair ist es den Hüttenwirten und anderen Gästen auch nicht wirklich, wenn für den eigenen Gewichtsvorteil die Sanitäranlagen zu Schlaflagern umfunktioniert werden.
zu Situation 2: Wenn ich weiß, dass mein Zelt an 5 von 100 Tagen nicht ausreicht (deine 95% Annahme), gehe ich bewusst ein Risiko ein. Und ich gehe gleichzeitig davon aus, dass ich mich weder verletze, noch verzögere und immer rechtzeitig eine Hütte erreiche. Das ist eine riskante Annahme – und im Zweifel verlassen sich solche Planungen auch hier darauf, dass andere für mich einspringen.
Eine 100%ige Sicherheit werden wir nie erreichen. Aber wir können schon auch Eigenverantwortung übernehmen und uns bewusst ansehen, was die mittleren Windgeschwindigkeiten in Island und Skandinavien inklusive September (darum ging es doch im Thread?) so sein können. Und dann rechnen wir noch einen Faktor für Windböen und typische schlechte Bedingungen dazu und überlegen, welches Zelt da angemessen ist.