Faszination Biwaksack

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  • TL;DR: Was sind eure (ehrlichen) Erfahrungen mit Biwaksäcken?


    Hallo in die Runde,

    wie der Titel bereits besagt, fasziniere ich mich schon seit längerem für den Gedanken einen Biwaksack als primäres Shelter für Wanderungen in Alpinen Gebiet zu verwenden.

    Und da sind wir vermutlich schon bei der Begriffsklärung. Wenn ich in diesem Forumsbeitrag von einem Biwaksack spreche, dann meine ich kein “bug bivy” oder eine Art Innenzelt für Tarps. Ich meine auch kein Rettungsbiwak für den Notfall den man eine Nacht lang nutzt. Ich meine ein wasserdichtes Shelter zum Schlafen für mehrere Nächte.

    Um ehrlich zu sein, dümpel ich noch immer mit meinem alten Durston X-Mid 1P Zelt rum. Das habe ich vor mehreren Jahren gebraucht gekauft und ich war auch eigentlich immer recht happy damit. Aber seit längerem zieht es mich raus aus dem Zelt, mehr in die Natur. Ich liebe grundsätzlich Camping und das Schlafen im Zelt. Aber auf meinen Solo Wanderungen, primär durch alpines Gelände, fühlt sich das Einschließen in ein Zelt immer merkwürdiger an. Außerdem sind mir die mehr als 800g Gewicht mittlerweile echt ein Dorn im Auge. Das ist mit Abstand mein schwerstes Stück Ausrüstung. Aber darum soll es nur sekundär gehen.

    Des weiteren hat sich meine “Form” des Reisens etwas geändert. Ich möchte nicht mehr ein Lager aufschlagen, Essen zubereiten und das Leben im Camp genießen. Gegessen wird in einer Pause auf dem Trail. Bevorzugt an Wasserquellen, um unnötiges Wasserschleppen zu vermeiden. Die Morgen- und Abendstunden sind wunderschön und ich möchte einfach frei sein. Außerdem sollte das Shelter eh nur nach Sonnenuntergang aufgebaut werden und vor Sonnenuntergang abgebaut. Zumindest so lange das Ganze so halb legal (wenn überhaupt) ist.

    All das führt dazu, dass ich mich schon seit langem mit deutlich einfacheren (und auch leichteren) Sheltern befasse. Das Ganze ist ein Hin und Her in meinem Kopf. Praktisch ist gar nichts passiert. Mal zerdenke ich mir die schieren Möglichkeiten von Tarps, dann schaue ich mir doch noch mal die leichtesten Zelte an die es so gibt (Danke für das Thema Grenzen & Möglichkeiten von “ultraleichten” sheltern) bzw. bin beeindruckt von MYOG Projekten wie von Capere. Doch irgendwie lande ich doch immer wieder bei einem Biwaksack.

    Die Eigenschaften eines Biwaksacks faszinieren mich irgendwie. Man muss so gut wie nichts aufbauen. Es gibt vermutlich kein Shelter, für welches es einfacher ist ein geeigneten Lagerplatz zu finden. Minimaler Fußabdruck. Kein Stress mit Heringen/Erdnägeln, dem Boden oder Spannleinen. Widerstand gegen den Wind und stürmisches Wetter ist an sich kein Thema. Zumindest nicht was die Stabilität der Konstruktion angeht.
    In meiner romantischen Vorstellung, können Bodenisolation (e.g. Luftmatratze, Schaummatte) und Oberisolation (e.g. Quilt, Schlafsack) einfach im Biwaksack bleiben. Vermutlich sollte man sie tagsüber mal auslüften. Dann kann man den Abend richtig genießen und wandert so weit man möchte. Man isst zu Abend wann es passt und genießt den Sonnenuntergang an einem schönen Platz. Irgendwann, wenn es Zeit wird zu schlafen, zieht man das Bündel aus seinem Rucksack, kriecht in sein gemütliches Lager und schläft die Nacht durch. Die Natur ist ganz nah, der Sternenhimmel (in Sicht) über einem. Man verschwindet in der Natur und stört hoffentlich niemand anderen. Mutmaßlich wird “wildes Biwaken” auch besser toleriert als wild campen (?). Skills für gute Schlafplätze im Sinne von Temperatur, Feuchtigkeit, als auch Tiere bleiben natürlich erhalten.
    Am Morgen hat man hoffentlich keine Probleme mit Kondensation gehabt. Das Lager ist schnell wieder abgebrochen, verstaut und ab geht es in die Natur. Auf zu einem schönen Platz für den Sonnenaufgang. Vielleicht gibt’s dann ja sogar ein Käffchen nach den ersten Kilometern. Bei Sonne natürlich das Shelter einmal rausholen und auslüften lassen.

    So viel zu meiner stark romantisierten Vorstellung einer Wanderung mit Biwaksack in alpinen Gebiet. Aber kommen wir vielleicht mal zu den Nachteilen.

    Ich muss sagen, dass mich das Thema Klaustrophobie nicht wirklich berührt. Im Gegenteil, gefühlt wirkt ein enges Zelt mit geschlossenen Wänden viel beklemmender. Zumindest solange eine vernünftige Form eines Fliegengitters bzw. ein Sichtfenster gegeben ist, sehe ich da wenig Probleme für mich. Bei wirklich schlechtem Wetter sieht das nochmal anders aus. Aber auch da bin ich irgendwie optimistisch. Es ist ja wirklich rein zum Schlafen. Ohne noch ein Buch zu lesen, Notizen zu schreiben oder einen Podcast zu hören.
    Meine Regenausrüstung muss so ausreichend sein, dass ich tagsüber auch ohne Shelter dem Wetter Stand halte. Dazu muss man sagen das Winter Camping für mich damit erstmal ausfällt.

    Meine Sorge Nummer Eins ist tatsächlich das Thema Kondensation. Ich mag eigentlich meine Dauneninsulation und habe wenig Bestreben auf synthetische umzusteigen. Wenn auch nicht undenkbar. Trotzdem sollte das nicht die primäre Lösung für das Thema Feuchtigkeit sein. Wenn man sich den einen oder anderen Biwaksack anschaut, dann scheinen ja “atmungsaktive” Oberstoffe das A-und-O zu sein. So etwas wie eVent. Aber ich muss zugeben, dass ich mich da nicht gut auskenne. Ich weiß nicht welches Material wirklich taugt, was ist Marketing und was passt tatsächlich zum besagten Anwendungsfall.

    Was ich mir tatsächlich schwierig vorstelle ist, wenn man triefend nass ist und dann sein Lager beziehen muss. Irgendwie muss die nasse Regenkleidung aus und man selber ganz fix in den Sack. Ohne das etwas kritisch nass wird. Aber was dann tun mit der nassen Regenkleidung? Das ist kein reines Problem von Biwaksäcken. Aber irgendwie nochmal schwieriger.

    Auch wenn das Gewicht nicht an erster Stelle stehen soll, hätte ich schon das Gefühl Potential verschenkt zu haben, wenn ein Biwaksack nicht leichter ist als mein besagtes Zelt sein sollte. Es scheint auch interessante Biwaks zu geben, welche “hooped” sind. Quasi eine Kuppel über den Kopf bilden. Diese sind aber oft richtig schwer. Und es scheint auch einfachere Lösungen zu geben, die den Zweck erfüllen. Und wenn es zur Not doch der Wanderstock mit einer einzelnen Leine ist.

    Leider scheint die Auswahl an käuflichen Produkten stark beschränkt zu sein. In Europa bzw. Deutschland sowieso. So richtig passend finde ich nur das eVent Soul Bivy von Mountain Laurel Designs. Das ist aber gar nicht so einfach zu bekommen. Es scheint generell wenig gute Reviews zu geben (außer hinter einer Paywall). Von daher ein großes Commitment. Zumal man es dann vermutlich nicht wieder los wird.
    Ich hätte auch Lust da einen MYOG Ansatz zu verfolgen. Aber da kommt wieder das Thema Materialwissen ins Spiel. Das Projekt von Capere (ich find es gerade nicht) ist da schon sehr inspirierend. Obwohl besagte Person ja scheinbar doch lieber wieder auf ein Zelt umgestiegen ist.

    Nachdem ich euch nun mit mehr als genug Text “zugeplappert” habe, hier meine Fragen an euch: Was sind eure Erfahrungen? Was habt ihr für Ideen? Kennt ihr jemanden, der schon mal eine längere Wanderung mit mehreren Nächten im Biwaksack unternommen hat?

    Ich würde mich freuen, wenn die Kommentare konstruktiv bleiben würden. Ich verstehe vollkommen, dass für manche die Vorstellung eines Biwaksacks verrückt vorkommt.
    Ich würde mir erhoffen mit eurem Input etwas näher an eine Entscheidung zu kommen, ob ich mich an einem Biwak probiere (kaufen oder selber nähen) oder mich vielleicht doch lieber auf Tarps konzentriere (kaufen oder nähen).

    Danke euch!

  • Ich verstehe das Unterfangen und habe mich auch immer mal wieder mit dem Thema beschäftigt. Am Ende ist es wie bei Dir daran gescheitert, dass es keine richtige Lösung für mich gab. Des weiteren habe ich schon eine unangenehme Nacht in einem Not-Bivy verbracht (trotz Quilt und Boden Iso - hatte noch einen relativ guten Schlafplatz gefunden bevor ich mich zurückziehen musste). Es war feucht, man atmet durch ein Loch, und dann waren natürlich die Umstände, die einen zweifeln gelassen haben, ob das jetzt noch mal gut geht.

    Kondensation innen ist für mich das Stichwort, und die kriegt man kaum weg, vor allem wenn es draussen regnet. Damit ist der Daunenquilt/-schlafsack raus, und dann geht es für mich nicht mehr klar (Apex wäre dann einfach zu gross/schwer). Manche lösen das Problem mit einer VBL - stelle ich mir aber sehr unangenehm vor (ohne es wirklich probiert zu haben).

    Bei Regen ist dann noch die Frage: wohin mit dem Rucksack und hoffentlich ist der auch von unten dicht, falls sich das Wasser von unten durch staut (irgendwo hat es immer ein Loch an der Unterseite, sei es noch so klein).

    Du sprichst es auch an, moderne DCF-Zelte/Tarps sind oft schon leichter als der Biwacksack den man kaufen kann, v.a. wenn man sowieso Trekkingstöcke nutzt. Ein Kumpel von mir ist deswegen auch umgestiegen.


    Ich mache öfters Cowboy-Camping wenn das Klima es zulässt. Wenn man Zugriff auf Temperatur und rel. Luftfeuchtigkeit sowie einen halbwegs guten Wetterbericht hat, kann man relativ schnell rausfinden, ob es während der Nacht zu Nebel kommen kann. Tau ist ein bisschen schwieriger. Wenn optimale Bedingungen da sind, schmeiss ich einfach meine Bodenplane auf den Boden, Iso drauf (ich nutze nur noch Schaum) und schon kann ich Richtung Himmel schauen. Wird zusammen eingewickelt und dann auf den Rucksack /das Velo geschnallt.*
    Öfters habe ich mich aber schon verschätzt und dann musste der Quilt dann doch in die Sonne zum trocknen gelegt werden, und schon verfluche ich den Moment, wo ich am Vortag gedacht habe : "Wird schon !"


    Für ein MYOG Projekt würde ich Richtung Pertex-Shield o.ä. für das Obermaterial schauen, was komplett dichtes (klassicher Zeltboden) für das Untermaterial. Wie bei allen Membranprodukten ist es dann : taut es von draussen, wird es auch drinnen tauen - ausser man schafft es, dass es drinnen sehr viel wärmer bleibt. Da fällt mir grad das Kondensfrei Zelt von Decathlon ein, welche einen Membranstoff mit einer Metallbeschichtung kombinieren (leider patentiert, da wird man kaum an was äquivalentes kommen). Das wurde auch schon im Forum diskutiert:

    Patirou
    14. April 2025 um 17:53


    *Wenn man es genau wissen will: Entweder per Taupunktrechner wie diesen oder Formel (ist dankenswerter Weise im FAQ hinterlegt). Dann Taupunkt mit erwarteter Temperatur vergleichen, man weiss schon mal ob es nebelt, jedoch nicht, ob es tauen wird. Denn: die Bodentemperatur ist meist in der Nacht um einiges kälter sein als die Lufttemperatur (es taut, hat aber keinen Nebel), und leider sind diese Daten nicht als Vorhersage erhältlich (und auch Messungen sind schwierig bzw. spärlich). Da ist eher Erfahrung und Beobachtung gefragt : klare Nacht und kein Wind, über den Tag durch war es warm und sonnig und die erwartete Temperatur geht nahe an den Taupunkt -> es wird höchstwahrscheinlich zu Morgentau kommen. Im Wald bleibt der Boden Wärmer als auf einer offenen Weide. Ein nicht bewachsener Boden kühlt noch schneller aus.

    So ganz nebenbei, Tau (wichtig: nicht Nebel) wird noch in keinen Wetter- und Klimamodellen berücksichtigt, weil viel zu komplex. Dabei kann es in manchen Niederschlagsärmeren Regionen wie z.B. Franken bis zu 1/3 des Niederschlags ausmachen. Daher ist es u.a. z.B. auch immer noch nicht klar, wie sich der Niederschlag tatsächlich mit dem Klima entwickeln wird (Richtung Regenwald oder Wüste grob gesagt). Es gibt noch andere Faktoren wie ob sich der Jetstream hält, über die spricht man jedoch auch in der breiteren Öffentlichkeit mehr).

  • Ich habe schon in einigen Biwak Säcken beim biken geschlafen. Genau aus deinen genannten Gründen: das Bündel ausrollen, hin legen glücklich sein. Allerdings gehört eine Schaummatte unter den bivy, damit der nicht mechanisch zerstört wird.

    Allerdings ist es egal welchen bivy du wählst. Wenn es regnet muss man den schließen und dann wird es innen feucht. Denn wenn das Teil außen nass wird kann die Feuchtigkeit innen schwerlich raus.

    Auch bei den Material Event https://mountainlaureldesigns.com/product/event-soul-bivy/ wird es innen feucht. Ist es trocken schließt man den bivy doch eh nicht. Ich hatte mal so ein Event Teil aus Japan. Sprech also aus eigener Erfahrung.

    Wenn https://www.exped.com/de/produkte/bi…bag-100-ventair nicht so schwer wäre.... Ich durfte einmal drin nächtigen: wirklich wenig Kondens.


    Skills are cheap - Passion is priceless

  • N´Abend!

    Was ich mir tatsächlich schwierig vorstelle ist, wenn man triefend nass ist und dann sein Lager beziehen muss.

    Das ist tatsächlich das Kernproblem von Biwaksäcken.

    Meine Sorge Nummer Eins ist tatsächlich das Thema Kondensation.

    Nicht unberechtigt. Sobald die Oberfläche mit Wasser benetzt ist, geht die Atmungsaktivität in den Keller.
    Man braucht also eine sehr hohe Wasserdampfdurchlässigkeit, um halbwegs auf einen guten Schnitt zu kommen.
    Wenn ich einen leichten Bivy aus Kunstfaser nähen wollte, wäre dies Material meine erste Wahl.

    Ich entwickele gerade in Kooperation mit swissbushcraft einen Biwaksack aus Baumwolle. Der Schnitt kann aber genauso gut mit beschichteten Laminat-Stoffen realisiert werden. Wenn Du Interesse an einer myog Lösung hast, kann ich Dir gerne den Schnitt-Entwurf via PN zukommen lassen.

    Ansonsten gibt es nicht viele Bivys mit entsprechendem Material.
    Was mir noch einfällt, wäre der von Exped. Soweit ich mich erinnere, waren die Vorgängermodelle nur am Oberteil aus dem atmungsaktiven Material gefertigt. An der wasserdichten Fußbox hat sich dann natürlich Kondenswasser gebildet.

    VG. -wilbo-

  • Ich kenne den Bivy vom Militär. Ja ich weiß das hört man nicht so gern die Sachen sind einfach robust und schnell verfügbar. Um dich vllt zu probieren was Bivy angeht würde ich mal bei Kleinanzeigen oder Gebrauchthändler für Militärzeugs gucken da sind die recht günstig.

    Was meine Erfahrung dazu angeht hab ich die längste Zeit 10 Tage darin geschlafen ohne großen Ortswechsel. Es war wechselndes Wetter, irgendwann und ohne ausreichende Lüftung tritt einfach Kondenz auf das lässt sich nicht vermeiden da helfen nur Syntetikmaterialien die damit vllt besser umgehen aber auch da ist dann der Punkt erreicht wo Feuchtigkeit nicht zu verhindern ist. Lüften ist da alles. Was Regen angeht , da das Regenzeug vermutlich dann auch durch ist hängt es an einen Baum noch nasser kann es nicht mehr werden. Sachen die trocken bleiben müßen kommen in den Bivy, der Rucksack sollte mit Linner trocken bleiben. Quilt + Luma bleiben wie gesagt beim schnellen Abbau im Sack würde noch eine Evazote für untendrunter empfehlen. das Armeezeugs ist meist großzügig geschnitten. Leider kommen die meisten Säcke an dein 800g vom Zelt sehr schnell dran also bkeibt nur der Freiheitsgewinn und der ist mega. Vllt findeste jemanden der einen vorhandenen umnähen würde.

  • In meiner Vor-UL-Zeit hatte ich den von wilbo genannten alten Exped-Bivy (bzw, was heißt "hatte" - irgendwo fährt das Teil immer noch rum, ist immer noch in Ordnung ...). Etwas über 500g, also nicht gerade UL, Unterteil PU, Oberteil beschichtet, Moskitonetz, völlig schließbar. Ich habe etliche Nächte darin geschlafen, teilweise in Kombination mit einem Tarp (war immer noch noch leichter als mein damaliges Zelt ...). Die tollste Nacht war oben auf einem Burgfelsen, wo kein Zelt hingepasst hätte, Sternegucken, so weit alles prima - wenn das Kondensproblem nicht immens zugeschlagen hätte. Ich hatte, um es etwas zu verringern, die Ridgerest im Sack, das PU-Unterteil ist robust genug, um direkt auf dem Boden zu liegen. Ohne Baum oder Tarp drüber wurde es aber doch so feucht im Sack, dass ich gegen Morgen auch im Kufa-Sack regelmäßig leicht gefröstelt habe, wenn es nicht eine sehr milde Nacht war - und dann wiederum war es schnell zu warm. Mit Baum oder Tarp drüber ging es, aber dann war nix mehr mit Sternegucken (ok, jetzt könnte man ja ein Xfoil-Tarp nehmen, aber Aufbauerei hat man dann trotzdem wieder). Eine richtige Regennacht hatte ich mit dem Teil übrigens nie.

  • Als Alternative würde ich mir ein Tarp / Bivy Setup zusammenstellen.

    ... ein simples 1,7 m x 3 m Tarp gibt einen passables shelter ab.
    Mein overnighter Set mit niedrigem Profil hat genau diese Maße.

    (30 D Silpoly Setup auf den Fernwandertagen, ca. 630 g).

    Das genaue Gewicht müsste ich morgen abwiegen.
    Man könnte zwar mit einem DCF Tarp nochmal gut 100 g einsparen, aber nur zu einem unverhältnismäßig hohen Preis pro Gramm.

    Ansonsten gäbe da noch das Penta-Mid mit kleinem footprint.
    Zusammen mit dem oben gezeigten Bivy wären das dann irgendwas knapp unter 500 g. Mit einem 3F-inner dann schon wieder 650 g.

    Irgendwas ist immer ... :P

    VG. -wilbo-

  • Ich hab früher© auch öfters in Biwaksäcken genächtigt, es hat schon was, aber am Ende überwiegen für mich doch die Nachteile.

    Kondensation ist kaum zu verhindern, am besten abgeschnitten hat dabei noch mein Eventbivy von Exped, ein leichter von Millet war katastrophal, meine beiden Militärteile ( Bw dienstlich, US Army von TNF) ganz okay, riesig, aber schwerer als die meisten meiner Zelte.

    Für kurze Touren könnte ich es mir immer noch vorstellen, vor allem wenn man bei Sauwetter abbrechen kann, ab wochenlang im Biwaksack hätte ich kein Nerv zu.

  • Ich würde evtl. von der Idee der Atmungsaktivität ganz weggehen hierbei.

    Also VBL nutzen - oder/und:

    Evtl. könnte es auch interessant sein, das Prinzip der isolierten "Jerven Bags" heranzuziehen: Übergröße, diffusionsdicht, eher dünne syn. Isolierung, welche Feuchtigkeit aufnimmt und vom Körper wegleitet. Muss aber tagsüber dann gut getrocknet werden.

    Vom Hersteller der Buffalo Shirts gibt es Pile&Pertex-Schlafsäcke mit all ihren Vorteilen (und hohem Gewicht).

    Grundsätzlich würde ich auf Übergröße gehen, wie z.B. die "bothy bags".

  • Ich möchte mich zu allererst für die vielen, schnellen und auch ausführlichen Antworten bedanken. Ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher wie viel Resonance da überhaupt kommen wird. Aber dieses Forum gibt wirklich viel zurück. Freut mich total.
    Anmerkungen zu einzelnen Kommentaren weiter unten.


    Nachdem ich all eure Kommentare gelesen habe, muss ich feststellen, dass Feuchtigkeit wirklich ein ernsthaftes Thema ist. So sehr, dass es mir vorerst nicht wert ist da für >400€ etwas zu importieren.

    Kurze Anmerkung zu den Rahmenbedingungen meinerseits. Ich komme nicht oft im Jahr zum ultraleichten Wandern. In der Regel ist es dann eine Woche und immer in den Bergen. Sprich es geht mir nicht um Overnighter, aber auch kein Thruhiking.

    Der Gedanke wieder über Tarp Setups nachzudenken widerstrebt mir aktuell. Das ist mir noch zu viel Aufbau/Gefummel für zu wenig extra Vorteil. Aber leitet mich dazu über verrückte Lösungen zu sondieren.

    Der signifikante Vorteil eines Tarps gegenüber den Biwaksack scheint erstmal die Luftzirkulation zu sein. Zumindest für mich und in diesem Kontext.
    Der Biwaksack besticht mit seiner Einfachheit. Die Isomatte bildet quasi den Footprint und „spannt“ diesen gleichzeitig auf. Man muss auch nicht wie beim Tarp eine größere Fläche abspannen, damit man an den Seiten vor Regen geschützt ist. Schutz von unten ist inklusive. Was aber fehlt, ist die Möglichkeit für Luft über dem Schlafsack (o.ä.) zu zirkulieren.
    Von daher meine aktuelle Idee: Könnte man ein bisschen Setup in Kauf nehmen und einen MYOG Biwak (ohne Sack) durch einen kleinen Aufbau erweitern? Die obere Lage Stoff muss ein paar Zentimeter hoch gehalten werden. Und dann benötigt es am Kopf- und Fußende Belüftungsmöglichkeiten, so dass die Luft durchziehen kann.

    Ich habe da ein paar erste Ideen im Kopf und auch schon etwas aufgezeichnet. Aber alles noch sehr wild. Die Chancen stehen hoch, dass ich versuche das Rad neu zu erfinden und es zu nichts führt. Mal sehen.

                                                                          

    Patirou danke für die interessanten Infos zum Taupunkt. Habe mir alles auf der Seite zum Rechner durchgelesen. Ich überlege noch was das für den Alltag auf dem Trail bedeutet.

    Wenn ich einen leichten Bivy aus Kunstfaser nähen wollte, wäre dies Material meine erste Wahl.

    Wieso genau der Stoff? Einfach damit ich es verstehe und lerne. Gar nicht mal zu teuer.

    Ich entwickele gerade in Kooperation mit swissbushcraft einen Biwaksack aus Baumwolle. Der Schnitt kann aber genauso gut mit beschichteten Laminat-Stoffen realisiert werden. Wenn Du Interesse an einer myog Lösung hast, kann ich Dir gerne den Schnitt-Entwurf via PN zukommen lassen.

    Würde mich grundsätzlich auf jeden Fall interessieren. Vielleicht ergänzt es meine eigenen Gedanken gerade sehr gut.
    Ich muss zugeben, dass ich mir schon immer mal mehr zu seinen Baumwollprojekten angucken wollte. Habe ich immer noch nicht gemacht.

    Was Regen angeht , da das Regenzeug vermutlich dann auch durch ist hängt es an einen Baum noch nasser kann es nicht mehr werden.

    Und dann? Also blöde Frage von mir. Ich weiß es leider auch nicht. Das Problem hatte ich bisher nicht. Aber wenn es am nächsten Tag immer noch regnet, kann ich das ja nicht auf meine trockene Kleidung drüber ziehen. 🙈

  • Was Regen angeht , da das Regenzeug vermutlich dann auch durch ist hängt es an einen Baum noch nasser kann es nicht mehr werden.

    Und dann? Also blöde Frage von mir. Ich weiß es leider auch nicht. Das Problem hatte ich bisher nicht. Aber wenn es am nächsten Tag immer noch regnet, kann ich das ja nicht auf meine trockene Kleidung drüber ziehen. 🙈

    sorry schlecht von mir beschrieben. Ein Baum oder zumindest ein Stock ist Vorraussetzung. Ich hänge die Hose in die Jacke (bei Regen)Und hänge beides zusammen auf damit das gut abtropfen kann. Durch den Baum soweit er Blattwerk hat sollte am Stamm recht trocken bleiben gut trocknen/abtropfen können. Sollte es weiter regnen tja dann ist das so. Ich finde eine trockene Hose angenehmer wie einen nassen Oberkörper zumal da evtl ein Poncho zur Trocknung der Jacke helfen kann. Das wäre so mein Vorgehen

  • Moin!

    Von daher meine aktuelle Idee: Könnte man ein bisschen Setup in Kauf nehmen und einen MYOG Biwak (ohne Sack) durch einen kleinen Aufbau erweitern? Die obere Lage Stoff muss ein paar Zentimeter hoch gehalten werden. Und dann benötigt es am Kopf- und Fußende Belüftungsmöglichkeiten, so dass die Luft durchziehen kann.

    Wenn Du den Stand nicht durch ein schweres Kreuzgestänge erschaffst, muss so eine Konstruktion abgespannt werden. Dann kann ich auch gleich ein Tarp aufbauen. ;)

    Ich überlege noch was das für den Alltag auf dem Trail bedeutet.

    Ich habe die beste Erklärung für den Taupunkt, die ich finden konnte, ins Wiki eingetragen.

    Wieso genau der Stoff? Einfach damit ich es verstehe und lerne.

    Zitat

    Vapor permeability: 50000+ g (suitable for high aerobic activity)

    Dieser Wert ist ungewöhnlich hoch.

    Ich muss zugeben, dass ich mir schon immer mal mehr zu seinen Baumwollprojekten angucken wollte. Habe ich immer noch nicht gemacht.

    Canvas, pure cotton
    Vorteile: Lange Lebenszeit, bei entsprechender Pflege. Hält der UV-Strahlung sehr gut stand. Sobald der Stoff nass wird, strafft sich das Gewebe und das Tarp…
    www.wildoor.de

    Das leichteste regendichte Baumwollmaterial ist 170 g/qm von Etaproof.
    (Von der Farbauswahl habe ich in dieser Grammatur bisher nur das braun oliv getestet)

    VG. -wilbo-

  • Zu diesem Thema gab es kürzlich einen ausführlichen Beitrag im Podcast von Ryan Jordan auf Backpackinglight:

    Episode 130 | Bivy Sack Camping - Backpacking Light
    Discover Ryan's discreet bivy sack camping methodology for alpine environments, encompassing essential gear, requisite skills, and a critical analysis of tent…
    backpackinglight.com

    Er verwendet offenbar diese beiden Bivys:

    - https://mountainlaureldesigns.com/product/event-soul-bivy/

    - https://www.bigagnes.com/products/three-wire-hooped-bivy

    Ev. lässt sich ein Bivy auch mit einem kleinen Tarp kombinieren, welches z.B. den Kopfbereich schützt.

    Ich denke, der Vorteil des Bivys ist nicht so sehr das Gewicht (da spart man nicht so viel), als vielmehr die Flexibilität und die Sicherheit. Ein Bivy lässt sich irgendwo aufstellen, und insbesondere mit KuFa ergibt sich ein recht robustes System. Ein neuseeländischer Freund stieg genau aus diesen Gründen auf diese Kombination um und war damals sehr zufrieden damit.

  • Zitat

    ... vertrauen ihm für sein federndes wasserdichtes und atmungsaktives Pertex Shield+ Gewebe, das keine Kompromisse bei der Haltbarkeit eingeht. :/

    Ich finde leider keine Daten* zur Atmungsaktivität des verwendeten Materials. Habe aber so grob in Erinnerung, dass es bei allen wasserdichten Pertex-Laminaten nicht so pralle war.
    *(Der MVTR-Wert misst die Menge der verdunsteten Flüssigkeit in einem bestimmten Zeitraum, g/m²/24h.)

    VG. -wilbo-

  • Ein kleines Buch zum Schmökern, was man günstig gebraucht findet. Und es lohnt sich in Bivvydingen immer beim britischen Nachbarforum zu schauen (ist die andere Traditionslinie für wasserdiche Biwaksäcke neben der Hochalpinen). Alpkit ist eine passende Kaufadresse von der Insel (Ich habe meinen Elan noch nie verwendet und kann deshalb leider nicht berichten). Und ich finde ebenso wie der TO das Schlafkonzept immer noch in der Einfachheit und Naturnähe faszinierend, aber ich unternehme fast nie Wochenendwanderungen - und die braucht es wohl zum Austesten vom "Bivystyle".

  • Ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher wie viel Resonance da überhaupt kommen wird.

    Ich glaube, jeder war schon am Ausloten der Möglichkeiten und hat dabei über einen Biwaksack zumindest nachgedacht.

    Der Gedanke wieder über Tarp Setups nachzudenken widerstrebt mir aktuell. Das ist mir noch zu viel Aufbau/Gefummel für zu wenig extra Vorteil. Aber leitet mich dazu über verrückte Lösungen zu sondieren.

    Die vermeintliche Einfachheit in der Handhabung lässt einen gerne über einen Bivy fantasieren, auch weil einem schlicht die Fähigkeiten zum Tarp-Aufbau fehlen und man die Mühen scheut, sich diese anzueignen. Das ist imo die genau falsche Strategie.
    Egal wie man es dreht und wendet, ein Biwaksack taugt eher für Situationen, in denen es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wirklich regnet, oder halt als Notfallausrüstung bzw. wenn was anderes nicht möglich ist. Wenn es denn wirklich schifft, liegt man in einem mehr oder weniger geschlossenen Dampfsack und wird von dicken Tropfen durchgetrommelt. Imo nicht erstrebenswert. Ein Shelter mit etwas Bewegungsraum und Belüftung ist da bei weitem attraktiver.

  • Vor allem bei identischem Gewicht!

    Gestern habe ich nochmal geschaut.
    Mein Camo DCF Tarpez-Tarp wiegt ca. 200 g und dazu ein Katabatic oder Borah-Gear Bivy, mit ca. 225 g.

    Das Penta-Mid in Camo DCF wiegt 250 g und ein 3F-inner 360 g.
    (Das Tarp steht in 3 Minuten und das inner könnte gleich eingebaut bleiben ...)

    VG. -wilbo-

  • Vor allem bei identischem Gewicht!

    Gestern habe ich nochmal geschaut.
    Mein Camo DCF Tarpez-Tarp wiegt ca. 200 g und dazu ein Katabatic oder Borah-Gear Bivy, mit ca. 225 g.

    Das Penta-Mid in Camo DCF wiegt 250 g und ein 3F-inner 360 g.
    (Das Tarp steht in 3 Minuten und das inner könnte gleich eingebaut bleiben ...)

    Meine Kombination aus Tarp (für schlechtes Wetter) und Bivy (für besseres Wetter):

    MYOG-Camo-Tarp: 165 g

    Bivy von Alpkit (Kloke): 285 g

    Diese Kombination werde ich auf meiner nächsten kleineren Wandertour spätestens im Oktober einmal ausprobieren ...

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