Doppelwandige / kleine Zelte sind wärmer

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  • Während meiner Recherche zum Nordisk Lofoten habe ich mehrfach sinngemäß sowas gelesen:

    „Doppelwandige Zelte sind wärmer.“

    „Da das Zelt so klein ist kann der Schlafsack etwas dünner ausfallen.“

    So weit, so wenig überraschend aber halt auch vage. Was ich wissen wollte ist: Wie viel wärmer genau denn?

    Pünktlich zum Forumstreffen habe ich recht günstig ein 3er Set Thermometer mit detaillierter Aufzeichnungsfunktion bestellt um mich der Antwort anzunähern. Dann habe ich einen einfachen Versuch aufgebaut:

    1 Thermometer aussen, etwa 1,5 m entfernt vom Zelt (unter dem Helm am Rad)


    1 Thermometer innen, aufgehängt in etwa 40 cm Höhe (ja, das Inner ist mit 70 cm echt niedrig 😉)

    Die Ergebnisse sind interessant, finde ich.

    Nacht 1:





    Nacht 2:




    (Ich habe jeweils ~3:30 - 4 Uhr genommen weil ich kurz danach aufgestanden bin.)

    Das ist schon signifikant

    Vergleichswert: für mein Tarptent Rainbow (1p, 2024, Silpoly), allerdings mit einfacherem Versuchsaufbau, habe ich mal ungefähr nur 1 Grad Differenz gemessen.

  • Ich habe in einer norwegischen Publikation, evtl. sogar dem DNT Magazin, gelesen, dass sie mal ein 20 Grad Temperstur Delta im Wintereinsatz gemessen haben. Das scheint mir zwar etwas hoch gegriffen (und da spielt dann vermutlich auch das Kochen in der Apsis mit rein. (EDIT: Wenn bei kalter Umgebung Sonne auf das Zelt brät, kann ich es mir tatsächlich gut vorstellen!)) aber wie dem auch sei: Der Unterschied ist signifikant und bei Kälte auch unmittelbar spürbar.
    Kann mir vorstellen, dass da auch reduzierte Strahlungsverluste des Körpers noch mal zusätzlich zur Lufttemperatur den Unterschied vergrößern.

    Wenn ich mit 2 Personen und Hund bei tiefen Temperaturen das Innenzelt öffne, kommt ein Schwall eiskalte Luft hinein geströmt. Wohlgemerkt bei bodentiefem Außenzelt mit offenen Lüftern.


    Vermutlich hat es zweierlei Gründe:

    Die Luft im IZ selbst wird warm. Gleichzeitig wirkt die Luftschicht zwischen IZ und AZ als Isolation, solange kein Windzug geht.

    3 Mal editiert, zuletzt von Bohnenbub (15. Februar 2026 um 18:04)

  • Interessant wäre noch ein drittes Thermometer zwischen Innen- und Außenzelt gewesen oder eventuell sogar ein zweites Lofoten als einwandiges Zelt mit deinem (imaginären) Zwillingsbruder drinnen daneben.

    Ich meine mal ein Video von Justin Outdoors (oder ähnlichem Kanal) gesehen zu haben der das ebenfalls getestet hatte. Glaube die Quintessenz war, dass der Effekt abnimmt je kälter die Nacht ist (versuche das Video mal wieder zu finden und nicht nur in meinen trüben Erinnerungen zu fischen).

  • Danke für die Ergebnisse.

    Ja, vielleicht nimmt das bei stärkerem Frost ab. Möglicherweise isoliert man sich da stärker gegen die Kälte mit Kleidung und Schlafsack.

    Ich habe beim HB Unna mal 5 Grad Unterschied gemessen. Zum Stand der Lüfter und dem Mesh kann ich aber nichts mehr sagen. Grundsätzlich habe ich gegen Kondens eigentlich immer ein bisschen was offen.

  • Der Windschutz macht den eigentlichen Unterschied, unabhängig von der Temperatur, finde ich. Die sicher immer etwas höher ausfällt als draußen. Allerdings hätte ich keine (fast) 10°C Differenz erwartet, selbst bei leichtem Frost blieb das ja stabil. Aber das gilt wohl nur für so kleine und flache Zelte wie das Lofoten?

    Würdest du den Test mit dem dritten Thermometer zwischen IZ und AZ und einem dünnerem Schlafsack bzw. Quilt denn wiederholen können/wollen?

  • Ja, vielleicht nimmt das bei stärkerem Frost ab. Möglicherweise isoliert man sich da stärker gegen die Kälte mit Kleidung und Schlafsack.

    Würde ich nicht erwarten.

    Für die Temperaturdifferenz innen-außen spielen die Isolationswirkung des Zelts und die im inneren erzeugte Wärmeleistung eine Rolle. Letztere wird bei kälteren Temperaturen nicht abnehmen. Der dickere Schlafsack sorgt nur dafür, dass Du mit der gleichen oder sogar leicht erhöhten Wärmeabgabe trotz kälterer Außentemperatur Deine Körpertemperatur halten kannst. Das Zelt wird also min. genauso stark aufgeheizt.

  • Ich besitze drei baugleiche (Zimmer)Thermometer, gleichzeitig erworben, die ziemlich Unterschiedliches anzeigen. Daher eine Frage: Hast du deine drei Thermometer mal nebeneinander gelegt bei unterschiedlichen Temperaturen? Zeigen sie dann dasselbe an?

    Zweite Frage: Auf dem einen Bild mit dem Eichhörnchen und dem Thermometer sieht es so aus, als würde das Thermometer ziemlich direkt über deinem Kopf hängen, also da, wo dein Körper am meisten Wärme an das Zelt abgibt und deine warme Atmung hingeht. Ist das so, oder liegt das an der Perspektive des Fotos?

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Hast du deine drei Thermometer mal nebeneinander gelegt bei unterschiedlichen Temperaturen? Zeigen sie dann dasselbe an?

    Ja, die Abweichung lag bei 0,1 Grad.

    Auf dem einen Bild mit dem Eichhörnchen und dem Thermometer sieht es so aus, als würde das Thermometer ziemlich direkt über deinem Kopf hängen, also da, wo dein Körper am meisten Wärme an das Zelt abgibt und deine warme Atmung hingeht. Ist das so, oder liegt das an der Perspektive des Fotos?

    Das täuscht: Die Aufhängung sitzt an der höchsten Stelle (70 cm Innenhöhe …), etwa wo im liegen mein Bauchnabel ist. Der Kopfbereich des Schlafsacks ist auf dem Bild viel weiter in der Mitte als wenn ich drinliege. Mein Kopf berührt eigentlich immer das Ende des Innenzelts.

    Eichkatz.bike (gewerbliche Seite)

    Einmal editiert, zuletzt von Eichkatz (16. Februar 2026 um 06:43) aus folgendem Grund: Details ergänzt

  • Würdest du den Test mit dem dritten Thermometer zwischen IZ und AZ und einem dünnerem Schlafsack bzw. Quilt denn wiederholen können/wollen?

    Dieses Mal hatte ich das dritte Thermometer im Schlafsack. Es spricht aber nichts dagegen, das auch mal zwischen Inner und Outer zu legen.

    Mit meinem nur etwa halb so schweren Primaloft Schlafsack und weniger Add-Ons entsprechend meines typischen Setups werde ich sicher auch noch mal testen, ja. Aber erst wenn es wieder deutlich wärmer ist. Die Temperaturen zur Zeit habe ich nur fürs Forumstreffen ertragen und alles eingepackt was ich habe (Deuter Exosphere 0, Bergstop Microstretch Liner, 2 Paar Socken, KF Skioberteil, KF Beinlinge, KF Isojacke).

    Normalerweise würde ich jetzt nicht zelten, meine Zieltemperatur sind mindestens 10 Grad nachts, mit Reserve bis 5 😉

    Primär würde ich euch mit dem Thread aber gerne anregen, mal mit der eigenen Ausrüstung so zu testen um die besser einschätzen zu können. Der Aufwand ist ja nicht so groß und es ist eine interessante und bisher wenig beleuchtete Frage bei der Zeltwahl, finde ich.

    Falls ein paar Leute Interesse bekunden, die Dinger aber sonst nicht brauchen, können wir auch gerne einen Ringversand machen wo jeder sich meine Thermometer ausleihen kann und nur 1x Porto zahlt. Das erste ginge in dem Fall auf mich.

  • (Deuter Exosphere 0, Bergstop Microstretch Liner, 2 Paar Socken, KF Skioberteil, KF Beinlinge, KF Isojacke).

    Normalerweise würde ich jetzt nicht zelten, meine Zieltemperatur sind mindestens 10 Grad nachts, mit Reserve bis 5 😉

    Hmnja, aber in dem Zelt hatte es doch an sich doch über 6° / 9°. Der Exosphere hat 5° Comf - mich wundert etwas dass du gar so viel on top gebraucht hast?

  • (Deuter Exosphere 0, Bergstop Microstretch Liner, 2 Paar Socken, KF Skioberteil, KF Beinlinge, KF Isojacke).

    Normalerweise würde ich jetzt nicht zelten, meine Zieltemperatur sind mindestens 10 Grad nachts, mit Reserve bis 5 😉

    Hmnja, aber in dem Zelt hatte es doch an sich doch über 6° / 9°. Der Exosphere hat 5° Comf - mich wundert etwas dass du gar so viel on top gebraucht hast?

    Gute Frage, erkläre ich mir wie folgt:

    - Wie viel das Zelt scheinbar bringt wusste ich vorher nicht. Gerechnet hatte ich mit 2-3 Grad, gehofft auf 4-5.

    - Die „Comfort-Temperatur“ in der Norm ist afair definiert als „gerade noch nicht frieren“

    - Es gibt eine, teilweise deutliche, Abweichung zwischen Norm & Realität. Das Outdoor-Magazin hatte den Deuter damals als ich ihn gekauft hatte zB mit 7 Grad angegeben

    - ich bin kälte-sensibel mit gleichzeitig hohem Komfort-Anspruch

    - Ich schlafe die allermeiste Zeit auf der Seite, da liegt also weniger von mir auf der Matte (die für deutlich niedrigere Temperaturen tut). Jedes Mal wenn ich mich auf den Rücken drehe wird es direkt wärmer.

    - In der ersten Nacht bei objektiv lächerlicher Temperatur war mir (da allerdings ohne Inlet) an der obenliegenden Hüfte kühl. Mag an der Luftfeuchtigkeit gelegen haben, keine Ahnung. Nennenswerten Wind gab es in keiner der beiden Nächte.

    - Zwischenzeitlich war das Minimum fürs WE von einer Stelle mal mit -11 Grad vorhergesagt. Deswegen habe ich wirklich alles eingepackt und nach der Erfahrung der ersten Nacht auch benutzt.

    In der zweiten Nacht habe ich übrigens wohlig warm geschlafen. Zumindest bis ich wegen Surround-Schnarchen nicht wieder einschlafen konnte …

  • Ich bin nicht so ganz zufrieden mit dem Design des Versuchsaufbaus.

    - du vergleichst hier Temperatur im Zelt, knapp über deinem Schlafsack oder vielleicht auch darauf mit Temperatur auf dem Boden in der Wiese ohne Abdeckung.

    Das sind zwei sehr unterschiedliche Messpunkte. Bei dem einen misst du den kälteste möglichen Punkt der Umgebung ( direkt am Erdboden, kondensationsabkühlung im gras, 100% Wärmeabstrahlung in den Himmel).

    Der andere Punkt ist direkt an einer Wärmequelle, Strahlungsgeschütz, in einer Luftschicht.


    Vor allem macht es mich sehr stutzig, das die Temperatur im Zelt sofort hoch geht. Bei einer Erwärmung des Luftvolumens im Zelt hätte ich einen graduellen Anstieg durch deine Körperwärme erwartet. Das sieht mir schon sehr nach Messung der Schlafsackaußentemperatur aus.

  • „Doppelwandige Zelte sind wärmer.“

    „Da das Zelt so klein ist kann der Schlafsack etwas dünner ausfallen.“

    So weit, so wenig überraschend aber halt auch vage. Was ich wissen wollte ist: Wie viel wärmer genau denn?

    Erstmal vielen Dank für Deinen Forschungseinsatz!
    Ich befürchte, dass eine Temperatursteigerung im Zelt schwer zu verallgemeinern ist. (Bauhöhe, Form, Materialien vom inner, etc.)

    Es gibt ja z.B. immer wieder vollkommen abstruse Werte, die von verschieden Hottent-Usern veröffentlicht werden.
    In der Vergangenheit habe ich daher öfter Temperaturen in meinen Ofen-Tipis gemessen, und mich entschieden nur Messwerte auf Bodenhöhe zu vergleichen. ich finde, das kommt meinem Temperatur-Empfinden im Zelt am nächsten.

  • In der Vergangenheit habe ich daher öfter Temperaturen in meinen Ofen-Tipis gemessen, und mich entschieden nur Messwerte auf Bodenhöhe zu vergleichen. ich finde, das kommt meinem Temperatur-Empfinden im Zelt am nächsten.

    Guter Punkt, man liegt ja am Boden.

    Das Lofoten hat so eine kleine Ecke im Inner grob neben der Hüfte. Nächstes Mal kommt das Innen-Thermometer da hin. Vielleich baue ich noch was, damit es nicht so leicht verdeckt wird und exakt auf den 6,4 cm Höhe meiner Matte misst.

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