Trekking - eine Flucht?

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  • Eine Flucht ist ein Weglaufen vor etwas. Eine Suche ist ein Hinlaufen zu etwas. Was davon jetzt besser auf einen zutrifft, hängt stark von der eigenen Betrachtungsweise ab.

    Unabhängig davon wird die Ursache schwächer, je angenehmer man sich seine alltägliche Lebensumgebung gestaltet. Ein Drang bzw. Bedürfnis zu etwas wird meistens ausgelöst durch einen Mangel.

  • Den Hexatrek, NST, oder PCT am Stück zu laufen, ist sogar eine große Flucht!

    Es gibt sogar welche, die sich darin verlieren, und auf dauer nirgendwo mehr Heimisch sind.

    Ich meine so Leute, die zu hause sein nur noch einzig dafür nutzen, Geld zu verdienen, um den nächdten Thruhike zu finanzieren. Die eigentlich im Alltag keinen Genuß mehr finden, denn die Gedanken sind immer und überall auf die nächste Wanderung gerichtet.

    es gibt von Benjamin Franklin ein Zitat über Kinder die von/zu Indianern entführt wurden und große Schwierigkeiten gehabt haben sich überhaupt an, oder wieder an die Zivilisation anzupassen

    Zitat

    When an Indian Child has been brought up among us, taught our language and habituated to our Customs, yet if he goes to see his relations and make one Indian Ramble with them, there is no perswading him ever to return, and that this is not natural [to them] merely as Indians, but as men, is plain from this, that when white persons of either sex have been taken prisoners young by the Indians, and lived a while among them, tho’ ransomed by their Friends, and treated with all imaginable tenderness to prevail with them to stay among the English, yet in a Short time they become disgusted with our manner of life, and the care and pains that are necessary to support it, and take the first good Opportunity of escaping again into the Woods, from whence there is no reclaiming them. One instance I remember to have heard, where the person was brought home to possess a good Estate; but finding some care necessary to keep it together, he relinquished it to a younger Brother, reserving to himself nothing but a gun and a match-Coat, with which he took his way again to the Wilderness.

    7 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (10. Juni 2025 um 10:29) aus folgendem Grund: sorry, ich habe das jetzt mehrmals angepasst, an sich nur um die Quelle richtig zu stellen und das Zitat nicht aus dem Kontext zu reißen, ich hoff es passt jetzt, sorry

  • Wir alle streben danach Bedürfnisse zu befriedigen, positive Erfahrungen herbeizuführen und unangenehme Dinge von uns fern zu halten.

    Grundbedürfnisse sind zb: Lust & Unlust, Bindung, Orientierung & Kontrolle und dem Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung & Selbstwertschutz.


    Für unser Wohlbefinden ist es unumgänglich, dass unsere Grundbedürfnisse erfüllt werden.

    Ich behaupte die Evolution hat uns zu sehr angepassten Lebewesen unseres angestammten Habitats gemacht.

    Vielen werden die Bedürfnisse in unserem Kulturraum nicht befriedigt. Viele kompensieren dann, zb mit Drogen, social Media, Computer Spiele, Extremsport.....

    Sind zum Beispiel die physiologischen Bedürfnisse (Nahrung, Sauerstoff, Schlaf, Wasser, Kleidung, …) gedeckt, entwickelt sich bei Menschen das Bedürfnis nach Sicherheit. Darunter fällt, in der Zivilisation ,zum Beispiel eine Wohnung, eine Arbeit und ein sicheres Einkommen.

    Es kann aber auch einfach das Zelt, o.ä., sein. Wer nur ausreichend besitzt, muss sich weniger Sorgen machen. Besitzt lenkt die Gedanken, um diesen zu erhalten. Hier streifen wir dann Konzept des Minimalismus.


    Wenn auch die Sicherheitsbedürfnisse gedeckt sind, rückt der Mensch auf die dritte Ebene der Bedürfnispyramide. Sie besteht aus den sozialen Bedürfnissen. Darunter fallen zum Beispiel das Bedürfnis nach Zuneigung, Unterstützung und sozialer Zugehörigkeit.

    Diese Zugehörigkeit, eine Bindung zu haben, ist doch Trail Magic, die Trail Community. Alle für das gleiche Ziel.


    Danach entwickeln sich individuelle Bedürfnisse, zum Beispiel nach Anerkennung und Wertschätzung.

    Leistung, zb FkT. Die individuell beste UL Packliste. ( Für das erfüllen seiner physiologischen Bedürfnisse wendet man gerne auch viel Zeit auf), myog, etc PP ...


    An Ende steht die Selbstverwirklichung. Trekking ist hier eine naheliegende Alternative. Dieses erfüllt nämlich, siehe oben, alle anderen grundlegenden Bedürfnisse gleich mit.

    Die Natur, das grüne oder das Meer sehen, riechen, schmecken ... das weite sehen können macht etwas in uns. Darauf sind ab wir angepasst. Die Stadt, der Beton und Asphalt, die nicht funktionierenden Ökosysteme in dieser, die Sich nur bis zur nächsten Mauer, die Fenster, die Temperatur, die Hygiene etc macht auch etwas. Allerdings nichts Gutes.

    Deswegen erscheint es mir natürlicher Wandern zu gehen, als in der Zivilisation seine Potentiale zu vergeuden.

    Davon ab ist laufen genau unsere menschliche Kernkompetenz. Wir sind nicht die schnellsten, aber die Ausdauernsten. Egal bei welchem Klima.

    Ich bezweifle deswegen die Flucht, ich sehe es als versuchte , unterbewusste, Rückkehr zu unserer Anpassung an die Natur.

    Skills are cheap - Passion is priceless

  • Was ich beim Trekking so toll finde, ist dass alle Probleme plötzlich so elementar - und doch so simpel werden. Du bist den ganzen Tag durch den Regen gelaufen, alles suppt und ist nass, es ist kalt, du hast Hunger. Findest eine Hütte oder baust dein Zelt auf, raus aus der nässe, was gekocht und --- alles wird gut. Wie als Kind früher, Bäckchen rot & glücklich. Oder das Wasser geht zur Neige, man läuft gefühlt Stunden, durstig, langsam kommt unerwartet unterschwellig ein dezentes Panikgefühl dazu. Plötzlich hört man das Rauschen eines Bachs, Freude! Oh, köstliches Nass!

    Ich glaube meine Flucht ist weniger der "wohlverdiente" Urlaub, als das nicht im hier und jetzt, sondern das in fast stetiger "in Planung" lebende zuhause - leider ohne den Luxus regelmäßig für Monate weg zu können.

    Und ich gebe RaulDuke schon auch recht betr den Langzeitwanderer - ich denke nicht, dass es eine Flucht vor sich selber, (das geht nicht, da kommt man sich nicht aus) aber doch eine Flucht vor dem gewöhnlichen Altag eines Mitteleuropäes ist.

    Wie siehst du das German Tourist ?

    3 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (10. Juni 2025 um 10:16)

  • Immer diese Senioren in quitschgrünen Goretex-Plastik. Übernachten unter einer Folie, um sich morgens nach Zecken abzusuchen. Im Prinzip geht es nur darum seine Kindheit noch mal auszuleben. Damit man dann irgendwann vor seinen Rentner-Kollegen beim Sitztanz heldenhaft erzählt, dass man vor nicht allzu langer Zeit noch Bodenschläfer am Waldrand war. Da wo ganz in der Nähe schon mal ein Wolf gesichtet wurde.

  • Flucht? Mitnichten.

    Es ist eher das aktive, wissentliche Herunterbrechen der menschlichen Essentials.

    Fernab des Heimatlebens mit dutzenden Fragen zum Alltagsleben geht es zb im Sarek NP dann nur noch um drei Dinge:

    - Wie ist das Wetter?

    - Wie ist das Gelände?

    - Reicht das Essen noch für die Tour aus?

    Thats it!

    Eine herrliche Entschleunigung.

  • .

    Immer diese Senioren in quitschgrünen Goretex-Plastik. Übernachten unter einer Folie, um sich morgens nach Zecken abzusuchen. Im Prinzip geht es nur darum seine Kindheit noch mal auszuleben. Damit man dann irgendwann vor seinen Rentner-Kollegen beim Sitztanz heldenhaft erzählt, dass man vor nicht allzu langer Zeit noch Bodenschläfer am Waldrand war. Da wo ganz in der Nähe schon mal ein Wolf gesichtet wurde.

    Du sollst doch nix über mich schreiben...🥺

    In Punkto Kindheit ausleben stimme ich zu. (Allerdings nicht bei dem "nochmal ausleben")

    Das ist es bei mir auf jeden Fall ; geht auch gar nicht anders, weil ich innen drin immer so 12 Jahre alt geblieben bin. Ich glaube, meine Familie wäre ziemlich genervt - wenn sie nicht die kindliche Begeisterung bei mir sehen würden und dann doch eher schmunzeln müssen...

  • Damit man dann irgendwann vor seinen Rentner-Kollegen beim Sitztanz heldenhaft erzählt, dass man vor nicht allzu langer Zeit noch Bodenschläfer am Waldrand war.

    Bodenschläfer? =O

    Also mir wäre das peinlich. :P

    Naja, wo ich meine Camps habe bleibt einem nur der Boden/das Zelt zum pennen. Und da macht es Spaß.

  • Zitat

    ... reserving to himself nothing but a gun and a match-Coat, with which he took his way again to the Wilderness."

    Damit kann ich sitztanzen, aber nicht wandern. Mir scheint, Franklin zitiere da nur Sekundärquellen oder getrübt durch fehlerhafte Übersetzung oder seine Vorstellung.

    Klar gibts "Anpassungsprobleme"(etc.pp.) beim Weglaufen wie beim Ankommen. Und beim Unterwegs-Sein. Klar ist mensch davon geprägt, was mensch so macht und das ist als Verhalten veränderbar. Was mir guttut, verfolge ich weiter. Gemessen an der Umgebung so eigensinnig wie es halt geht. "Eigensinn", der frei von gesellschaftlichen Normen ist weil "draussen", hat dabei was von ... Zen (- ?). Das Plastik, was man an und mit sich herumträgt, ist dabei bestenfalls nicht weiter wichtig.

    Insoweit stimmt auch der Vergleich mit der Erfindung der Kindheit (durch das Bürgertum).

  • Zitat

    ... reserving to himself nothing but a gun and a match-Coat, with which he took his way again to the Wilderness."

    Damit kann ich sitztanzen, aber nicht wandern. Mir scheint, Franklin zitiere da nur Sekundärquellen oder getrübt durch fehlerhafte Übersetzung oder seine Vorstellung.

    Klar gibts "Anpassungsprobleme"(etc.pp.) beim Weglaufen wie beim Ankommen. Und beim Unterwegs-Sein. Klar ist mensch davon geprägt, was mensch so macht und das ist als Verhalten veränderbar. Was mir guttut, verfolge ich weiter. Gemessen an der Umgebung so eigensinnig wie es halt geht. "Eigensinn", der frei von gesellschaftlichen Normen ist weil "draussen", hat dabei was von ... Zen (- ?). Das Plastik, was man an und mit sich herumträgt, ist dabei bestenfalls nicht weiter wichtig.

    Insoweit stimmt auch der Vergleich mit der Erfindung der Kindheit (durch das Bürgertum).

    Ich habe lange mit einer KI das Internet gequält auf der suche nach Quellen. Die offiziellen bekannten Fälle finden wahrscheinlich erst mit oder nach dem Brief statt. Nichtsdestotrotz scheinen Nordamerikanische Ureinwohner deutlich leichter gereist zu sein als unsereinerwelcher. Dann sind wir allerdings wahrscheinlich eher im Bushcrafting. Ein Freund hat mir hierzu die Lektüre von Indian Scout Craft and Lore empfohlen, habs auf der Bucket list. Die haben das "Leben in der Natur" halt hauptberuflich gemacht und waren da halt ganz anders drauf. Ich glaube auch tatsächlich dass man mit dem notwendigen Know How ziemlich weit mit einem Gewehr und guter Kleidung kam.

    Die KI versuchte mich allerdings zu überzeugen, dass der Mantel & das Gewehr eher bildlich gemeint waren

    Nachtrag: das Buch hies früher wohl "Indian Scout Talks" und ist hier frei verfügbar

    2 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (16. Juni 2025 um 07:20)

  • Meine letzte Urlaubsreise im Sommer liegt fünf Jahre zurück. Der Grund war in der Regel immer, dass die Kinder vor der Nestflucht noch interessiert waren mitzukommen. So ungefähr mit 16 Jahren ist das eh vorbei. Seitdem genieße ich den Sommer in einer geleerten Stadt. Okay, wir wohnen an der Ostsee und haben einen Garten. Den Gedanken, in der Hitze in den Süden zu fahren, finde ich grässlich. Im Norden ist es mir zu langweilig. So viel Kultur und Events wie hier (in einem Urlaubsgebiet) im Sommer gibt es sonst nicht. Gewandert, gepaddelt und gebiked wird im Frühjahr, Herbst und Winter. So entgeht man dem Overtourism und erlebt die schönsten Stimmungen in der Natur. Mein Tipp ist also: antizyklisches Verreisen.

  • Meine letzte Urlaubsreise im Sommer liegt fünf Jahre zurück. Der Grund war in der Regel immer, dass die Kinder vor der Nestflucht noch interessiert waren mitzukommen. So ungefähr mit 16 Jahren ist das eh vorbei. Seitdem genieße ich den Sommer in einer geleerten Stadt. Okay, wir wohnen an der Ostsee und haben einen Garten. Den Gedanken, in der Hitze in den Süden zu fahren, finde ich grässlich. Im Norden ist es mir zu langweilig. So viel Kultur und Events wie hier (in einem Urlaubsgebiet) im Sommer gibt es sonst nicht. Gewandert, gepaddelt und gebiked wird im Frühjahr, Herbst und Winter. So entgeht man dem Overtourism und erlebt die schönsten Stimmungen in der Natur. Mein Tipp ist also: antizyklisches Verreisen.

    Bin da voll bei dir. War sooo froh, als ich nicht mehr in den Ferien Urlaub machen musste!

    Dieses Jahr im Feb./März den Rheinsteig zu laufen, war die beste Idee ever (und dann noch Glück mit dem Wetter). War zwar noch nix grün, aber die Loreley hatte ich morgens um zehn für mich allein 🤓

  • Als ich meinen Great Western Loop plante, wurde ich auch oft gefragt, wovor ich denn fliehen würde und weshalb ich einen guten Job in einer Unternehmensberatung aufgeben wollte.

    Für mich war das nie richtig nachvollziehbar.

    Meine Tour habe ich nie als Flucht vor etwas betrachtet, sondern vielmehr als die Chance etwas Enzigartiges zu erreichen und zu erleben. Ich war begeistert von der Frage, was diese Tour mit mir machen würde, wie ich mit Entbehrungen und der körperliche Herausforderun umgehen würde, ob es für mich machbar sei und was ich unterwegs alles erleben würde. Für mich war es eine bewusste Entscheidung für ein Abenteuer, für ein Stück unvergleichliche Lebenserfahrung und eine selbstbestimmte Zeit, die es wert war einen anderen Teil meines (guten) Lebens hinter mir zu lassen.

  • Für "normale" Menschen bedeutet eine solche Wanderung Qual, Anstrengung, Verzicht. Alles negativ belegt. Sie verstehen nicht, wie man die Annehmlichkeiten der Zivilisation, sicheres Einkommen etc. freiwillig aufgeben kann. Ergo muss es einen höheren Grund dafür geben. Man flieht vor etwas. Warum sonst würde man laufen wollen?

  • Als ich meinen Great Western Loop plante, wurde ich auch oft gefragt, wovor ich denn fliehen würde und weshalb ich einen guten Job in einer Unternehmensberatung aufgeben wollte.

    Dabei ist es doch viel erstaunlicher in einer Unternehmensberatung arbeiten zu wollen als eine lange Wanderung machen zu wollen :D Die Leute sind doch komisch. Überstunden sind die Flucht vor dem Leben hätte ich jetzt gesagt 8o

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