Was macht einen guten Reisebegleiter aus?

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  • Mein Hund ist beim Wandern ein super Gesprächspartner 😁.

    Vor ein paar Jahren hab ich mit einem Freund einige längere Alpentouren gemacht, da passte es auch, wir waren uns vom Tempo und der körperlichen Leistungsfähigkeit sehr ähnlich, hatten einen ähnlich niedrigen Komfortanspruch, da hat immer alles gepasst. Aber generell finde ich es auch schwierig mit jemandem anderen länger zusammen zu laufen, ich bin eigentlich allein schon ganz glücklich (was viele außerhalb der Hiker-Bubble oft nicht nachvollziehen können).

  • Ich bin so extrovertiert das es mir schwer fällt alleine zu wandern. Mal ein WE klar, aber länger...bis jetzt nicht.

    Ich habe eine Wanderkollegin und wir harmonieren da super, manchmal quatschen wir, manchmal schweigen wir Stunden lang. Aber das wichtigste ist, wir sind beide unkompliziert und flexibel. Außerdem sind wir beide gut darin zu kommunzieren was wir brauchen. Sobald das so ist findet man für alles eine Lösung.

    Ich glaube tatsächlich das die Bereitschaft einen Kompromiss zu finden (oder eine win-win Situation) und anständig zu kommunizieren 90% der Probleme aus dem Welt schafft.

  • alleine, sieht man mehr, eigener Rhythmus - umdrehen, anhalten, länger bleiben, Fotos machen, Tiere beobachten etc. wann + wo man will.
    Und - man kommt (sollte man mal Menschen Treffen) auch leichter ins Gespräch mit jemandem...

  • Ich habe einen guten Freund, seit ungefähr 40 Jahren, der war mir schon immer, mein liebster Reisepartner.

    Auf normalen, oder auch auf unnormalen Reisen, wie 3 Monate Indien oder meiner ersten Fernreise, 8 Wochen Mexico und Guatemala.

    Der hat vor 3 Jahren, durch mich, auch eine gewisse Liebe zum Wandern entdeckt.

    Er ist der einzige, neben meiner Frau, mit dem ich je Wandern war und es Spaß gemacht hat.

    Meine Frau mag es aber leider nicht, mit Gepäck, von Ort zu Ort zu Wandern und außerdem haben wir zwei relativ problematische Hunde, d.h. es kann eh nur einer von uns Wandern gehen.

    Mit dem Freund passt es sehr gut, da er nur 1 cm größer ist, als ich und wir eine ähnliche Beinlänge, bzw Schrittlänge haben.

    Auch in vielen, vielen anderen Aspekten passen wir zusammen, wie Arsch auf Eimer!

    Mit dem könnte ich auch den kompletten NST zusammen gehen, ohne jeglichen Streit, unnötige Diskussionen oder Ähnlichem.

    Er ist auch mittlerweile stolzer Besitzer, eines Gossamer Gear G4-20 Ruckies, eines Lunar Solo Zeltes u.ä.

    Leider (für mich) ist er Vater und hat eine weniger tolerante Ehefrau, als ich.

    Deswegen gehen wir jedes Jahr nur ein paar Tage zusammen Wandern, da er mit Ihr und seinen Kindern Urlaub machen muss/will. ;-))

    Ein weiterer Kumpel fällt mir gerade noch ein, mit dem ich einmal auf dem Weserbergland Weg unterwegs war, den kenne ich sogar noch ein paar Jahre länger.

    Der macht aber leider aus allem ein sportliches Event, was mit meiner Art zu wandern nicht harmoniert.

    Mich fragte kürzlich ein sehr junger Arbeitskollege, 23, ob ich nicht mal mit ihm Wandern gehen möchte. Er würde da gerne mal reinschnuppern… (er hat meine täglichen Posts, in meinem Whatsapp Status, meiner kürzlich absolvierten Wanderung in der Provence verfolgt) Ich habe es abgelehnt, obwohl ich echt ein schlechtes Gewissen deswegen habe, aber wenn ich weg von zu Hause bin, egal ob Wochen oder nur ein Wochenende, will ich das maximale für mich rausholen und dafür sind wir viel zu verschieden.

    Ich würde auf jedem Fall jedem empfehlen, vorher gut darüber zu Sprechen, was genau ihr euch von einer Wanderung versprecht, was eure Leistungsfähigkeit ist, was eure Vorlieben und eure No Gos sind. Und was ihr von eurem Wanderpartner erwartet.

    Wenn das geklärt ist und eine hohe Übereinstimmung besteht , kann man es ruhig mal versuchen!

    Ich mag es eigentlich sehr, zu zweit zu gehen, habe aber auch überhaupt kein Problem damit, wochenlang alleine unterwegs zu sein.

    Ich bin ja ein Vielredner, da kann eine, „positive“ Einsamkeit auch mal ganz schön sein.

  • Ein schönes Thema.

    Beim allein Wandern ist das Gefühl der Freiheit oft größer. Ich entscheide wie schnell und lang ich laufe, welchen Weg ich gehe, ob ich zum 100 mal stehen bleibe um etas anzuschauen, ob ich einen Hügel hinunter renne weil ich Lust darauf habe usw.

    Ich kann mich auf mich konzentrieren, auf mich und meine Bedürfnisse ohne großen Einfluss von außen. Mir, als Mensch der gerne gibt sich dabei aber nach wie vor noch manchmal vergisst und für die Abgrenzung noch immer ein Übungsfeld ist, tut es gut diese Zeit allein zu haben und ich komme auch gut mit mir allein klar.

    Auch mit einem Hund lässt sich das fast genau so erleben, plus Frau führt nicht Selbstgespräche sondern kann den Hund zu quatschen.

    Da jedoch mein Leihund nun alt und grau geworden ist, sind die 1 - 2km Spaziergänge mehr als ausreichend für sie.

    Mit Anderem Menschen / Partner / Freundin.

    Mit einer Gruppe aus unbekannten Menschen könnte ich mir absolut gar nicht vorstelle eine Mehrtageswanderung zu machen. Dazu bin ich viel zu gerne selbst die Planerin meiner Touren.

    Mit meiner besten Freundin hatte ich aber auch schon eine wirklich tolles gemeinsames Wandererlbenis auf dem Kungsleden. Und dass obwohl wir us damals noch nicht so lang kannten und noch nicht oft gemeinsam wandern waren. Aber wir passen gut zusammen. Und ganz wichtig, das sich beide eben auch darauf einstellen, dass nicht nur der Einzelne zählt sondern bei einer Tour zu zweit eben manchmal auch Kompromisse gefunden werden müssen.

    Mit meinem Partner war ich gerade im letzten Urlaub viel gemeinsam Wandern und wir haben uns durchaus auch einmal herlich gestritten.
    Zwei Sturköpfe; der eine mag die Tour verkürzen, die Andere will ewig weiter.

    Am Schluss hatten wir einen super Tag, haben herzhaft über uns gelacht, aber auch wieder ein bisschen gelernt wo wir nach 6 gemeinsamen Jahren noch ein bisschen mehr aufeinander zu gehen können. Bzw. wo so unsere Eigenheiten liegen und wie wir den Anderen durch Worte/ Tonfall usw. vielleicht nicht mit der eigenen Sturheit überfahren. 8)
    Also war auch diese Tour richtig toll und hat zu innerlichen und partnerschaftlichen Wachstum geführt.
    Und natürlich ist es herrlich die Schönheit von Natur und Wandern mit dem Leblingsmenschen zu teilen.

    Ich würde sagen, ich brauche Touren allein genieße es aber auch zu Zweit mit Menschen die ich kenne und wenn ich mich auch entsprechend darauf Einstelle.

    Einmal editiert, zuletzt von Namie (21. Mai 2026 um 08:22)

  • Zunächst einmal finde ich es spannend, dass hier die Hälfte der Leute auf die Frage, was einen guten Reisepartner ausmacht, schreibt, dass sie lieber alleine gehen. DAs hätte ich gar nicht gedacht, obwohl ich auch fast immer alleine gehe, wegen Spontanität und manglender Kompromissberereitschaft.
    Die andere Hälfte schreibt, dass ein guter Reisepartner tendenziell ähnlich wie sie selbst sein soll.
    Das kann ich zwar verstehen, allerdings:
    -Auch wenn ich meist alleine gehe, können mich andere Menschen im Optimalfall auch mit Ihrer Begeisterung mitreissen. Das macht auch gute Reisepartner aus, die entstehende Freude noch einmal zu verstärken.
    Manchmal bei sich spontan auf dem Trail ergebenen Bekanntschaften merke ich, dass gerade "Anfänger" das oft gut können.
    Ich selbst hab schon vieles gesehen und die Messlatte, um eine Landschaft schön zu finden, ist leider extrem hoch geworden.
    Manchmal können mich andere Leute dann gut mitziehen, wenn sie sich so freuen über was, was für mich halt einfach nur ein mittelmäßiger Strand oder See oder Berg ist.
    Ansonsten natürlich gerne gute Gespräche, und wenn mit Beziehung halt auch Sex und so, so lange der Körper noch nicht zu dreckig ist haha.

    Aber ehrlich gesagt laufe ich auch meist alleine:
    Alleine zu gehen ist für mich wie eine Meditation.
    Ich vermute, eine Mehrtagstour alleine in Menschenleeren Gebieten bewirkt in mir, wenn ich auch Schlafplätze habe, das, wozu andere Leute eine Woche Schweigemeditation oder so machen.
    Voll in mich reinkommen, merken an wen man noch denkt wenn man tagelang mit niemanden gesprochen hat, wichtige innere Themen bearbeiten, das Leben reflektieren etc.
    .

    Die letzten 5 Touren waren alleine oder mit spotanen Bekanntschaften (Fishermans Trail, den geht man ja nie richtig alleine) - morgen gehts seit langem Mal wieder in ner Gruppe 2 Tage Kanu fahren, ich freu mich drauf.

  • Die wichtigen Sachen sind gesagt, ich würde sie so fassen:

    - flexibel, undogmatisch, niedriger Komfortanspruch, Nähe und Unterschiede zulassend, nichts "muss" d.h. man ist Freigeists genug gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen. Also: Leute, wenn sie trotz grossen Eigensinns gut mit sich und ihrem Leben klarkommen und nicht dominant. Machen in der Regel kein Scheiss.

    Allein ist auch schön, bei mir aber gut 30 Jahre her. Dabei gerne auch paar tagelang mit zufälligen anderen Leuten, auch Gruppen - bei hinreichender Affinität für die sich ergebende Zeitspanne. Oder in Hostels hängengeblieben für ne Woche, weil mit den Regulars netten ersten Abend gehabt. Oder länger und da "ausgeholfen".

    Auch zu zweit sind wir trotzdem gerne auch mit Freunden/Verwandten unterwegs. Deren soziale Konstellationen können höchst unterschiedlich zu unserer sein. Sind in der Regel andere Touren als die, die wir zu zweit machen (weil wir "erfahrener" sind, und mit mehreren nicht machen können, was wir zu zweit machen; fängt schon damit an, dass die wenigsten "Zelten" wollen), aber die Nennungen hinterm Spiegelstrich treffen zu. Zur Not sollt man Umsicht (Verantwortung) bis zum Umfallen können (da sind wir beruflich sehr trainiert und outdoors ziemlich) und Spass dabei haben.

    Paar Tage mit zufälligen Bekanntschaften on tour haben sich auch immer mal wieder ergeben.

    Wir laufen seit 30 Jahren zu zweit rum und kennen uns noch 10 Jahre länger. Leben zusammen und arbeiten im gleichen Alternativbetrieb. Fahren alleine zur Arbeit, haben im Büro kaum miteinander zu tun, machen allltags auch privat jeweils viel alleine, sind nicht verheiratet (obwohl das über die Jahre heftig Steuervorteile gebracht hätte), finden "Partnerlook" doof (hat noch nie geklappt) usw. usf.. Akzeptieren persönliche red flags (Hundeangst z.B.). Können beim Wandern unterschiedliche Rhythmen laufen. Also Nähe und Freiheit. Grosse gesellschaftliche Spannbreite an Kontakten im Leben.

    Komfortansprüche: also ich habe noch nie im Leben mit Dusche gewohnt. Altpunker (auch wenn ich lange nicht mehr so aussehe. Als Sanierungsverweigerer haben wir 10 Jahre ohne Heizung gewohnt. Geht. Also im Winter die warmen Outdoorklamotten übergeworfen, wenn wir abends nach Hause kamen. Gesellschaftlich und wirtschaftlich sind wir randständige Figuren. Womit wir zufrieden sind, weil dem eigene Entscheidungen bzw eigensinnig motiviertes Treibenlassen zugrundeliegen. Augenhöhe und keine Manschetten, in aller Praxis. Gegenseitigkeit.

  • In meiner Jugend bin ich meist zwangsläufig alleine gewandert, da alle meine Kumpels entweder keine Zeit oder keine Lust hatten.
    Unterwegs habe ich die Entscheidungsfreiheit jedoch sehr genossen und keine Probleme mit dem Alleinsein gehabt. Obwohl ich viele Wochen durch wenig erschlossene Gebiete gezogen bin, fühlte ich mich nie Einsam. Rückblickend war mir diese Zeit für meine persönliche Entwicklung sehr wichtig.

    Zu unseren Berliner Zeiten war ich fast immer mit meiner Freundin im Faltboot unterwegs. Jeder im eigenen Kahn und im eigenen Tempo. Wenn einer schneller sein wollte wurde halt ein Treffpunkt ausgemacht.
    Charakterlich sind wir beide glücklicherweise grundverschieden, (Ich würde nicht mit mir zusammen wohnen wollen).
    Dennoch gibt es in den wesentlichen Ansichten über die Welt und das Leben, große Überschneidungen.

    Neulich war ich seit langem mal wieder mit einigen Kumpels wandern und erstaunt, wie sehr mir in der Gruppe die spontane Entscheidungsfreiheit fehlte. Auch muss ich beim Laufen nicht permanent Quatschen, sondern bin lieber bei mir und in der Landschaft.

    ("Entweder ich gehe oder ich spreche", Leni Riefenstahl)

  • Ich denke "unkompliziert sein" und wenns mies läuft "noch nen blöden Spruch drauf haben" wäre sicher gut. Auch die Fähigkeit stundenlanges Schweigen zu ertragen wäre wichtig. Die Fähigkeit sein Tempo auf andere anzupassen.

    Ich finde es auch gar nicht schlim wenn meine Wanderpartner nicht UL unterwegs sind. 😁 Habe da auch keinerlei missionarischen Eifer 😇😇

    Da es allerdings für meine potentiellen Mitwanderer wohl recht schwierig zu sein scheint planerisch mit einem Kalender um zu gehen, hab ich es ziemlich aufgegeben und bin an sich meistens alleine unterwegs, was ich auch sehr geniesen kann

  • ("Entweder ich gehe oder ich spreche", Leni R

    Da nun paar Tage später keine:R nachgefragt hat und die gugl-KI zwischenzeitlich für die Suche nach R-stahl-Zitaten einen Anker auf dieses Forum gesetzt hat, muss8o ich nachfragen, wie Du das meinst. Das wäre z.B. unterwegs für mich ein Trigger, der mich aus dem Zen des Gehenlassens völlig rausreissen würde, weil damit ein ganz anderes Unterwegssein gemeint ist. Kulisse und Arena, irgendwie alles ein zwanghaftes Müssen, deshalb kein Zen. Einstieg: Loewy, Das Menschenbild des fanatischen Fatalisten.

    Edit: iwie ist der Link direkt aufs pdf vom Loewy-Aufsatz weg, also gugelt selbst, Uni Konstanz, wenn man gerade im Zug sitzt und viele Fussnoten verdauen kann.

  • In meiner Studienzeit habe ich mich intensiver mit der Ästhetik des Nationalismus beschäftigt. Dazu gab es eine Film-Dokumentation mit einigen Making-of-Szenen.
    Der junge Dokumentarfilmer trifft sich mit Leni Riefenstahl im Olympia Stadium Berlin und bespricht mir Ihr wie er sich die Szenen so vorstellt. Sie gehen gemeinsam ein Stück und eher nebensächlich erwähnt er, über was sie sprechen könnte während Sie gemeinsam ein Stück gehen.

    Drauf Frau Riefenstahl ziemlich barsch, "Entweder ich gehe oder ich spreche"!

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