Kleine Wehwehchen auf großen Touren

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  • Wehwehchen auf langen Touren - wie geht ihr damit um?

    Zum Weitwandern noch ein praktisches Thema. Was macht ihr, wenn ihr auf einer längeren (sagen wir mal, mehrwöchigen/-monatigen) Tour weit weg von Zuhause etwas kränkelt? Kein gebrochenes Bein o.Ä., was zwangsläufig auch abgebrochene Tour bedeuten müsste. Sondern so etwas wie Sehnenüberlastung, Konjunktivitis, Magenverstimmung oder auch bloß eine langweilige Erkältung. Im Prinzip alles, was man im "normalen Leben" auch ohne Krankenhaus/Arztbesuch mit Hausmitteln in der Bequemlichkeit eines warmen Betts selbst auskurieren könnte, was ich mir aber auf Tour als plötzlich ziemlich kompliziert vorstelle. - Andererseits aber auch als zu unbedeutend als dass man deshalb gleich die mehrmonatige Tour abbrechen würde.

    Also Beispiel Erkältung: Im Normalfall wenn ich eine Erkältung kriege, dauert es mindestens eine Woche (oftmals eher zwei), bis ich zurück zum Leistungs- und Belastungsgrad von davor zurückkehre, und das mit Schonen, heißen Tees ohne Ende, Inhalationen, anderen Placebos&whatnot. Verausgabe ich mich zwischendurch zu früh (anstrengende Fahrradfahrt, zu früh zur Arbeit etc.), verzögert sich das noch. Vor allem aber: Mir geht es über etliche Tage einfach nur elendig. Beim Wandern bin ich zwar gefühlt gesünder (und besser drauf), immun aber sicher nicht.

    Andere Beispiele, wie Sehnen-/Muskelüberlastung: Hier ist die naheliegende Lösung - Entlasten. Das würde wiederum auch eine längere Wanderpause bedeuten. Und auch so Sachen wie z.B. Verdacht auf Borreliose, bei der man Antibiotika nehmen muss, die dann wiederum lichtempfindlich machen und den Magen angreifen - beides nicht krank aber auch nicht wirklich besonders tourtauglich.

    Was macht ihr da? Teure Hotels (wenn sie denn einen mit Symptomen reinlassen), aus einem Zero zig machen und den verlorenen Zeit&Geld nachtrauern? Vom Wanderer zum Camper mutieren und in Seelenruhe den Daunenquilt vollschwitzen und die letzten Vorräte wegfuttern? Durchziehen, es wird sich schon von selber lösen und dann zur Not thruhumpeln oder thruhusten? (Auf die Gefahr hin, es zu verschleppen und aus einem kleinen Wehwehchen ein ernsthaftes zu machen?)

    Oder ist eure Lösung und Planung - ganz einfach - nie krank zu werden? :)

  • Ich gehöre zu den armen Schweinen die sich mit 50% Wahrscheinlichkeit genau am ersten Tag des Urlaubs eine Erkältung einfangen (ich glaube zunehmend das ein Teil von mir überhaup nicht in den Urlaub fahren will, sondern einfach auf der Couch bleiben 😒️) . Normalerweise fängt das mit Halskratzen an und zieht sich über die Nebenhöhlen in die Lunge. Dauert so lange wie eine Erkältung dauert, 7 tage.

    Das einzige was hilft, ist im Stadium "Halskratzen" Mengen an rohen Ingwer zu futtern, und zwar im 15-20min Takt. Wenn die Schärfe nach lässt, sich das nächste Scheibchen (2-3mm dick?) rein ziehen. Solange bis das Halsweh weg ist, 1-2 Tage. Die Schärfe muss man halt abkönnen. Deswegen habe ich häufig (teilweise auch vorsorglich) eine dicke Knolle Ingwer dabei. Im Falle keiner Erkältung kann man auch Tee (Aufguss, sorry) draus machen. Oder ins Dal schneiden.....

    Der Rest ist hypothetisch. Mehr wie leichte Erkältung hatte ich nie, und ich habe das Gefühl, mein Körper "verschiebt" die Krankheit, solange ich lange Strecken gehe. Ich habe Paracetamol dabei, weniger wegen Schmerzen sondern weil Fiebersenkend (und Entzündungshemmend). Normale nehme ich das zuhause nur wenn ich Fieber habe und zum phantasieren anfange (so ab 40°C - es grüßt der Erlkönig - passiert alle 10 Jahre), mehr wie 2 brauche ich nie und habe dementsprechend auch nur 4 dabei. Ich würde halt 2-3 Tage liegen bleiben und mir einen Plan B fürs heimkommen ausdenken. In 2 Tagen trampt man überall hin denke ich. Aber man kann sich mit Paracethamol sicher auch "reisefähig" dopen und ins nächste Hotel retten.

    Ich habe auch Vitamin C + Zink dabei, bin mir aber nie sicher ob das nicht einfach nur Placebo ist. Laut Kalender bin ich seit ich das im Anflug einer Krankheit nehme, nicht weniger krank.

    Im Süden gibt es Salbei oft wie Unkraut. Auch toll als Erkältungstee.

    13 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (18. Januar 2026 um 08:52) aus folgendem Grund: fighting BBCode to insert images but made it. Try [img]lin2image[/img] to link images

  • Ich bin eigentlich sehr selten krank. Und daher auch auf Tour bisher fast verschont gewesen - bis auf Kleinigkeiten, die entweder nur das weiterlaufen etwas verlangsamt und genervt haben oder die ich halt mal zwei Tage aussitzen konnte... Wie zuhause halt. Wir haben nur zwei kürzere Touren wegen Magen-Darm bei der Frau abgebrochen, weil sich das Warten da nicht gelohnt hätte und eine lange Tour haben wir mal 2 Wochen später gestartet wegen Grippe bei der Frau - das war dann etwas teuer wegen Hotel was uns aber in Anbetracht der lange geplanten Aktion mit Anreise um die halbe Welt egal war... Sonst null problemo..

    Inzwischen bin ich meistens nicht mehr ganz UL unterwegs bzw. ich reize das meistens nicht mehr total aus. Dadurch habe ich ein Zelt und eine bequeme Matte mit und kann dann auch etwas Zeit absitzen.

    Kommt ja auch ein bisschen drauf an, wie abgelegen man unterwegs ist. Ich habe in abgelegenen Gebieten meistens großzügig Essen dabei, meistens für einen Tag mehr als geplant und durch die großzügige Menge könnte ich auch durch Rationierung sicher drei Tage länger irgendwo Unterschlupf suchen (außer es passiert am vorletzten oder letzten Tag)

    Wenn man nicht am Ende der Welt unterwegs ist - was die Mehrheit hier nicht ist - muss man darüber finde ich nicht so viele Gedanken verlieren, soweit man sonst gesund und halbwegs sportlich ist....

  • Ich hatte in den letzten 10 Jahren dreimal was.
    Einmal irgendwas im Fußgelenk. Ich konnte nicht mehr auftreten, eine Überlastung mit Erguss, denke ich im Nachhinein, kurz vor Burney, Kalifornien, PCT. Da ich so etwas nicht kannte, ging ich zum Doc. Doc bewegt den Fuß hin und her: "does this hurt? And this? And this? - Maybe take a break - some days - and some Ibuprofin - how much do you need? Oh, I'll give you hundred. Three a day. Oh, and a refill". Zweihundert 600er! - Die Pausentage waren dann ein bisschen work-for-stay auf der Burney Mountain Ranch (gibt es nicht mehr) mit immer wieder Fuß cold soaken im Pool, mit den Ibus bin ich weniger vorsichtig umgegangen als sonst, aber die meisten habe ich trotzdem anderen Interessenten weitergegeben.
    Das zweite und das dritte Mal war vergangenes Jahr auf dem Colorado Trail. Dicke Erkältung zu Anfang - ich schiebe es auf die Mitflieger. Etappen gekürzt, mehr Ruhe (Neros und Zeros) gegönnt (und genossen). Und verdrehter Fuß: zwei wirklich verkürzte Tage, ein Pausentag mehr, bandagiert und voltarenisiert. Hier beschrieben, muss ich endlich beenden.

    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Auf langen Touren kommt ja häufig irgend etwas vor. Schultermuskeln werden steif und schmerzen, Hüfte schmerzt vom Hüftgurt, wund gelaufen, mit dem Messer abgerutscht und der Finger war zur Stelle, regelmäßige stechende Schmerzen in der Ferse, hingefallen, ins Wasser gefallen und so. Meist gehe ich weiter und jammer oder schimpfe mal vor mich hin, bringt ja auch Abwechslung in meine Selbstgespräche. Wenn es arg ist lege ich vielleicht 1, 2 oder 3 Ruhetage ein. Ausnahme war letztes Jahr März in Schweden. Ich wollte eine 2,5 wöchige Tour machen und bin am 4. Tag ziemlich abgekackt so dass ich am nächsten Morgen kaum aus dem Zelt kam. Zum Glück gab es in der Nähe eine Ferienwohnung auf einem Bauernhof. Aus meiner 3 Tage Buchung wurden dann 10 weitere weil ich nur rumliegen und schlafen wollte.

  • Mich erwischt es regelmässig. Leider sind bei mir Erkältungen auch sehr hartnäckig. Ich brauche 7-10 Tage um wieder richtig belastbar zu werden. Ich habs vor kurzem in meinem Hebridenbericht geschrieben, dass mich eine Erkältung kurz vor Schluss erwischt hat. Bin mit dem Bus in die nächste Stadt, dort 4 Tage ausruhen, dann 3 Tage FeWo an einer schönen Stelle, bevor ich mich getraut habe wieder weiterzuwandern.

    Vor zwei Jahren hat es mich in den Vogesen drei Tage vor Ende ein Magen-Darm-Infekt erwischt. Glücklicherweise war ich gerade in einer gebuchten FeWo angekommen und konnte um zwei Tage verlängern. Dann mit dem Bus, ich habs kaum die 100m zur Haltestelle geschafft, nach Colmar geschafft. Eine Nacht im Hotel und am nächsten Tag habe ich es nach Hause geschafft. Ich hab erst drei Wochen später einen 8km Spaziergang im Flachen geschafft, so sehr hat mir der Infekt zugesetzt.

    Auf der GTA in Italien war ich zwei Tage in Entraque in einem AirBnB weil mich Periodenkrämpfe außer Gefecht gesetzt haben.

    Ich rechne einfach damit und kalkuliere etwas mehr Budget ein für Unterkünfte. Bisher hatte ich immer das nötige Quentchen Glück eine Unterklunft zu finden. Richtig Remote Wildnisgebiete, Länder mit weniger Transport /Hotel-Infrastruktur oder dort wo man nicht mit Englisch weiterkommt, würde ich daher nicht bereisen wollen.

    Mein Mindset ist, dass jeder Tag zählt und nicht das Ergebnis (Thru Hike beendet, Gipfel erreicht...). D.h. ich plane Reisen schon so, dass sie von Anfang an ansprechend sind. Ich muss kein bestimmtes Ziel erreichen sondern habe ab Tag 1 eine gute Zeit draußen. Ich kenne Exit Routen und habe die entsprechenden Mobilitäts- und Buchungsapps installiert.

  • hat es mich in den Vogesen drei Tage vor Ende ein Magen-Darm-Infekt erwischt.

    Tatsächlich das einzige Mal wo ich kurz vor komplettem Tourabbruch stand, ebenfalls in den Vogesen und richtig erklären konnte ich es mir nicht, Napoléons Rache?

    Hab dann die Durchschleppstrategie gewählt.

  • Bei Magen Darm Problemen einen Tag langsam angehen lassen und nicht mehr essen bis es wieder gut ist. Auf Tour mit dem Fahrrad bedeutet das für mich Abbruch. Beim Wandern in Mittelgebirge oder ähnlichen Orten einfach weiter laufen. Dafür trainiert man den Fettstoffwechsel.

    Bei Influenza und ähnlichen reagiert mein Körper direkt mit Fieber seit COVID. Da ist dann auch Abbruch angesagt oder mindestens drei Tage+ Pause im Bettchen und viel Essen .

    Bei Erkältungen die Nährstoffzufuhr erhöhen und wenig sonstige Nahrungsaufnahme. Da kam ich dann wie bei Magen Darm Problemen weiter laufen.

    Kleine Blessuren klebe ich ab, dann geht's weiter. Orthopädische Einschränkungen sind schwierig, einerseits verschwinden diese bei mehr Training mit wenig Last, andererseits sind Überbelastungen ein Zeichen für Pause.

    Insgesamt lässt sich gegen das meiste Vorbeugen. Zumindest kann man es versuchen: Training, Ernährung, Stressmanagement, Ruhezeiten, soziale Unterstützung.

    Skills are cheap - Passion is priceless

  • Zu Krankheit auf Tour kann ich mittlerweile leider einiges erzählen, obwohl ich noch bis vor "wenigen Jahren" 🙄 zur Fraktion "bin eh nie krank" gehörte. Könnte am Alter liegen. 🤔

    Jedenfalls ist meine wichtigste Lektion die Vorbeugung und Planung bis hin zu den Medikamenten ernst zu nehmen. Tourabbruch wegen Leichtsinn oder fehlender Medikamente wäre schon ärgerlich.

    Hatte zb eine Verletzung weil ich überschwänglich und unvorsichtig ins sehr kalte Wasser zum Baden bin, würde ich jetzt mit Socken oder Badeschuhen machen. Hatte Glück und der Schnitt in den vorderen Ballen war nicht schmerzhaft beim Gehen und ich hatte Pflaster und Desinfektion dabei... Aber so schnell und blöd kann ein Tour-ende passieren, war mir bis dahin nicht voll bewusst.

    Erkältung und Halsweh hatte ich schon oft. Ich habe bessere Erfahrung mit weitergehen gemacht, zumindest solange kein Fieber da ist (dann Ibu bis zur Hütte/Bus). Ich weiß nicht ob das wissenschaftlich haltbar ist aber ich bilde mir ein, dass eine Reduktion der Anstrengung statt komplett Pause meinen Körper eher motiviert jetzt nicht ganz alles auf krank zu machen. Unsere Touren sind immer so geplant, dass Abkürzungen spontan umsetzbar sind, die werden dann genutzt.

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