Colorado Trail - 2025

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  • Die Vorgeschichte geht so: Da ich ein vorsichtiger Mensch bin, wollte ich 2018 "Amerika üben", bevor es mit dem PCT ernst werden würde: Zum ersten Mal mit Smartphone unterwegs, erstes Mal USA, noch dazu solowandern, lernen, wie buche ich dort Zimmer und schicke mir Päckchen, was gibts im Supermarkt an trailnutzbarem Essen, wie funktioniert Guthooks, wie halte ich es mit mir selber aus - so halt. Beim Wintertreffen 2018 empfahl mir jemand den Colorado Trail als wunderschön und einsteigergeeignet. Dann stellte auch noch HappyHiker just zu dieser Zeit seinen Ursack, das Colorado Trail Handbuch sowie Data Book im (alten) Forum zum Verkauf ein, ich griff zu und las seinen hervorragenden Bericht vom Thruhike 2017 auf seinem Blog. Absolut empfehlenswert auch heute noch! Ich wanderte los und verliebte mich in diesen Weg, schaffte aber während meines Urlaubs nur einen Teil davon. Klar war für mich: Dahin will ich zurück. Dieses Jahr war es endlich so weit, nicht solo, sondern mit Lutz.

    Kurz zu den Fakten: Üblicherweise ist man zwischen Denver und Durango knapp 500 Meilen unterwegs, überwiegend durch die Rocky Mountains. Hier ist eine Überblickskarte verlinkt, damit man mal den ungefähren Verlauf hat. Eingeteilt ist der CT in 28 Segmente, im Bereich des Loops kommen noch 5 Segmente dazu für die West-Alternative (die auf dem CDT verläuft).
    Die meisten wandern "sobo", southbound, also Richtung Süden, weil man so mehr Zeit hat, sich an die Höhe zu gewöhnen. Lustigerweise heißt es southbound, dabei ist es oft eher westbound.

    Die Colorado Trail Foundation spricht von 567 Meilen - das liegt daran, dass es in der Mitte zwei verschiedene Möglichkeiten gibt: Collegiate East und West, beide zusammen oft "loop" genannt. Zwischen den beiden Möglichkeiten muss man sich entscheiden, und die Foundation hat beide Varianten zusammengerechnet. So kommt sie auch auf 89000ft, gut 27000 Höhenmeter.
    Der Weg beginnt schon auf 1600 Metern über dem Meeresspiegel, und man läuft weite Teile des Wegs über 3000 m; der höchste Punkt ist auf 4044 m Höhe.
    Informationen und Kartenmaterial findet man auf der oben genannten Seite der Colorado Trail Foundation (kann man käuflich erwerben), auf dem Trail nutzt man am besten FarOut; uns, d.h. Lutz, ist es nicht gelungen, irgendwo einen anderen zusammenhängenden aktuellen Track ausfindig zu machen. Ich habe sehr gern im Handbuch geschmökert (Happyhiker hatte es pdf-iziert, so konnte ich es bereits 2018 auf dem tolino mitnehmen), und das kleine, übersichtliche Data Book habe ich eingesteckt als backup-und-Papierliebhaberin.

    Aufgrund der Höhe ist die Saison recht kurz - Ende Juni, Anfang Juli geht es los- je nach Schneelage, und im September wird es oben schon wieder richtig kalt. Vom Wetter her muss man im Juli und August mit heftigen nachmittäglichen Gewittern rechnen (monsoon), was oberhalb der Baumgrenze ziemlich ungemütlich sein kann und in die Tagesplanungen unbedingt einkalkuliert werden sollte. Wir hatten Glück und blieben verschont (oder konnten abwettern)

    Jetzt geht es los:
    Anreise war am 24.Juli: Bahn von Berlin nach Frankfurt, dann nonstop ab Frankfurt nach Denver. So kam diesmal auch das Gepäck mit uns an. Die immigration verlief problemlos, an uns uninteressiert, aber nicht unfreundlicher als auf den anderen Einreisen. Um in die Stadt zu kommen, nimmt man die Bahn, 10$ pro Person. Wir merkten: dafür braucht man eine richtige Kreditkarte, Debit reicht nicht. Unsere Unterkunft für zwei Nächte hatten wir vorgebucht, zentral in Gehweite zur Union Station, zum REI und zu einem Safeway. Totmüde fielen wir ins Bett, der Tag hatte ja sieben Stunden länger gedauert als sonst.

    Das Programm für den nächsten Tag stand fest: einkaufen im REI, einkaufen im Safeway und umfüllen, in der Cheesecake Factory essen gehen. Der Weg zum REI durch die 16th Street (Fußgängerzone, kostenlose Trolleybusse, wir laufen, geht schneller), durch einen Park und über den Fluss. Der REI ist in einem alten Lagerhaus am South Platte River - ziemlich schick! Parks, Rad- und Fußwege am Fluss, ganz in der Nähe mündet der Cherry Creek in den South Platte River. Eigentlich könnte man auch hier auf dem South Platte River Trail beginnen. Er führt nach 40 Meilen zum Startpunkt des CT am Waterton Canyon. Aber unsere Zeit ist sowieso schon knapp.

    Die Stadt - downtown - ist ein merkwürdiges Gemisch aus alten Backstein- und modernen Hochhäusern, der Verkehr streng in Einbahnstraßen geregelt - oft mit Radspuren.

    Wir erstanden Lebensmittel für acht Tage; die Idee war, die 104 Meilen bis Breckenridge durchzulaufen. Die Rucksäcke waren nach dem Packen voll bis obenhin, und die Zelte passten nicht mehr in die 40-Liter-Rucksäcke hinein. Das Essen in der Cheesecake-Factory war lecker und nahrhaft. Draußen sitzen in der Fußgängerzone könnte so schön sein, wenn nicht zu der Musikbeschallung aus dem Lautsprecher des Restaurants noch Straßenmusik hinzukäme - oder umgekehrt.

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Erster Abschnitt: Waterton bis Kenosha Pass

    26.7.25 Segment 1 Waterton Canyon – South Platte River

    Am nächsten Morgen nehmen wir die erste Light Rail Bahn nach Littleton; für dort haben wir uns ein Uber vorbestellt, das uns zum Trailhead bringt. Genau bei Sonnenaufgang wandern wir los.

    Ich scheine mir eine Erkältung eingefangen zu haben. Verstopfte Nase. Flugzeug?

    Die ersten Meilen geht es neben dem South Platte River fast eben durch den Waterton Canyon, beliebt bei Anglern, Radlern und Läufern. Hundeverbot wegen der Bighorn Sheep - wir sehen sogar welche. Übrigens: EInige der Bilder sind von Lutz, der hat mehrere Objektive an seinem Phone und konnte sich die Bighorns richtig heranzoomen.

    Gut, dass wir so früh am Morgen unterwegs sind: tagsüber wird es hier furchtbar heiß - ohne Schatten. Hier unten gibt es aber noch Plumpsklos und Wasserhähne. Dann geht es bergauf und in den Wald, an einer Bank, Lenny's Rest, essen wir Mittag. Die Bank erinnert an einen jungen Mann, der in der Nähe ums Leben gekommen ist. Seine Eltern haben sie gestiftet. Traurig.
    Anschließend weiter, über den Bear Creek (hier hatte ich 2018 übernachtet, und es gab damals einen "active bear in the area", der auch tatsächlich das camp besucht hatte und mit lautem Topfgeklapper vertrieben worden war), wieder hinunter zum South Platte River. Hier ist viel los - Straße, Parkplatz, Weekend - wir finden ein kleines Plätzchen zwischen Kiefern, richten uns ein, baden und liegen um acht im Bett. Ich wohl zuerst.

    Es gibt hier sehr hübsche Raupen mit langen Haaren. Später lernen wir, dass diese Raupen oft bei Kiefern vorkommen und wie unsere Eichenprozessionsspinner Allergien hervorrufen können. Wir haben nichts gemerkt.
    Das waren 16,5 Meilen und 2830 ft, gut 850 Höhenmeter. Wir sind nun 1850m hoch.


    27.7.25 Segment 2 Burton Fire Area und ein bisschen weiter ins 3. Segment zum Tramway Creek

    Auch heute sind die ersten zehn Meilen sehr exponiert. Der Wald hier ist vor knapp 30 Jahren verbrannt, obendrein bei Unwettern kurze Zeit später viel Erde weggewaschen worden. Um fünf Uhr, fast noch im Dunkeln, stehen wir auf. Wir brechen um sieben auf – wir kennen das schon: Wenn wir zu zweit unterwegs sind, brauchen wir morgens irgendwie immer 2 Stunden. In den 4 Stunden über die Burn Area geht es auf und ab, mit immer wieder neuen Felsformationen.

    Auch das nächste Wasser gibt es erst in 10 Meilen, ein Wasserhahn an einer Fire Station. Als wir dort ankommen, fährt gerade ein Auto los – und stoppt wieder. Ob wir CT-Hiker seien? Dann hätte sie etwas für uns. TRAIL MAGIC – die beste: frische Erdbeeren! Und eine Gatorade. Wir nehmen ein paar Erdbeeren mit zum Wasserhahn, daneben steht auch eine Bank im Schatten. So richtig gemütlich wird es nicht, wir werden von beißenden Fliegen angefallen.

    Bald geht es weiter, noch ein paar Meilen ins 3. Segment hinein – die Segmente sind sehr unterschiedlich lang; meine These ist, das hängt damit zusammen, wie 1984, als der Weg eröffnet wurde, die Straßenanbindungen waren.
    Nach insgesamt 16,5 Meilen und ca.3000ft / 900 Höhenmetern finden wir einen wundervollen Zeltplatz, den wir für uns ganz allein haben am Tramway Creek. Jetzt sind wir bereits über 2000 m hoch und werden so bald nicht mehr tiefer kommen. Ich bin ziemlich fertig und die Nase ist voll.


    28.7.25 Tramway Creek und weiter ins 4. Segment: Lost Creek Wilderness

    Am Morgen laufen wir durch idyllisch aufgelockerten Mischwald,

    doch dann zieht sich der Weg durch langweiligen Kiefernwald – es wirkt teilweise eher wie eine aufgegebene Kiefernplantage, Stangenholz. Wir freuen uns auf die Lost Creek Wilderness – und sind erst einmal enttäuscht. Die Qualität des Weges wird schlechter, weil es bergauf geht und die Erde zwischen den Steinen weggewaschen ist, und interessanter sieht der Kiefernwald auch nicht aus. Außerdem merke ich durchaus, dass die Luft dünner ist, und meine Erkältung... Die Landschaft ändert sich heute erst recht spät; erstmals laufen wir durch Aspen,

    und schließlich öffnet sich vor uns ein Tal, an dessen Rand wir an einem Trailhead unsere Zelte aufbauen. Trailhead? Autos? Stimmt: wir sind vorübergehend nicht mehr in der wilderness.

    Heute sind wir gut 16 Meilen gelaufen, bei 3200ft/knapp 1000 Höhenmetern und haben jetzt die ersten 10% des Wegs geschafft. Und übernachten auf 3100m.

    29.7.25 Hoch das Tal und ins 5. Segment. Und eine Entscheidung

    Heute geht es aufwärts durch das langgezogene Tal immer am Rande der Wilderness; es ist bedeckt und kühl, gelegentlich gibt es das eine oder andere Tröpfchen von oben. Ich bekomme schlecht Luft – Höhe oder meine Erkältung? Wahrscheinlich beides. Jedenfalls bin ich ziemlich langsam unterwegs. Das Tal ist wirklich schön und der Aufstieg eigentlich sanft.

    Oben kommen wir wieder in den Wald – aber jetzt in einen schönen. Wir passieren einen weiteren Trailhead, dabei geht es ins 5. Segment und richtig hinein in die Lost Creek Wilderness. Sie heißt so, weil es hier einen Bach gibt, der 10mal verschwindet. Wieder Aspen, das Bild habe eindeutig nicht ich geknipst. Ich mag Aspen, sie haben etwas Lichtes.

    Wir gehen vorbei an Felsen, haben Sicht auf Berge,

    dann öffnet sich der Blick auf die Southpark-Hochebene (ja, das South Park) mit dem Kenosha Pass. Dahinter sieht man schon den wunderschönen (eigentlich) mehrfarbigen Mt Guyot mit dem Georgia Pass daneben.

    Wir stellen fest, dass wir Netz haben, checken Wetter und beschließen angesichts der Aussichten in den nächsten Tagen (heftige Gewitter) und meines Gesundheits- und Erschöpfungszustandes, in Bailey zwei Nächte zu verbringen. Gut, dass wir Lebensmittel für 8 Tage mit uns rumschleppen :rolleyes:! Aber ich freue mich auf die Ruhe. Wir laufen noch etwas weiter und bauen unsere Zelte so kurz vor dem Pass auf, dass wir schon morgen Vormittag am Highway sein können. Gut 15 Meilen mit nur 500 Höhenmetern, und ich bin alle.

    30.7.25 Bis zum Ende des 5. Segmentes am Kenosha Pass

    Ein Nero-Day. Nero heißt es, wenn es nicht zero Meilen sind, aber eben nicht viel mehr. In meiner Definition: einstellig. Los geht es noch einmal mit drei kleineren Anstiegen und der Aussicht auf die von der Morgensonne beschienenen 14000er der Collegiates – dorthin werden wir erst in einer Woche kommen. Morgensonne? Da sind auch Gewitterwolken voraus!

    Dann der Abstieg zum breiten Kenosha Pass. Hier zogen einst die Ute riesigen Bisonherden entgegen, später kamen die Fifty-Niner (die Goldsucher im 59er Goldrush, zehn Jahre nach dem 49er in Kalifornien), eine Planwagen-Route,

    schließlich wurde hier eine Eisenbahn gebaut, die bis 1937 fuhr – vorwiegend für die Silber- und weitere Minen sowie Vieh- und Holztransporte.

    Hier Schienen der ersten, der Schmalspurbahn

    und hier die spätere, mit dem Vielfarbenberg im Hintergrund

    Nun führt der US Highway 285 hier entlang, östlich und westlich daneben je ein großer Campground, und viel Platz für Autos anzuhalten, wenn unsereins den Daumen raushält. Lange müssen wir das nicht tun, wir werden sehr schnell mitgenommen.
    In der Two Bridges Lodge beziehen wir unser Zimmerchen – zum Preis ungefähr von zweieinhalb Betten im Hostelbereich, in dem wir den Küchenbereich mitnutzen können. Echter Kaffee!

    Dann einkaufen im Convenience store in Bailey; die Wetterapp behauptet, dass es erst in zwei Stunden gewittern soll, nunja: wir erreichen den Laden gerade als es losgeht. Es schüttet und hagelt, dass man kaum die andere Straßenseite sieht – aber was macht das jetzt schon: Kirschen! Gurke! Paprika! Wir warten im Laden ab, und als der nächste Regen kommt, sind wir bereits im Hostel.

    Das waren gerade mal 7 Trailmeilen und 500 Höhenmeter, und Bailey liegt auch nicht so tief, dass meine begonnene Höhenanpassung wieder flöten geht.

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    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Danke für die Vorschusslorbeeren - ein so langer Reisebericht ist ein Novum für mich.
    WonderBär ja, da gibt es tatsächlich eine rote Linie, und nach der kann man auch wandern. Selbst wenn es nicht die allerneueste Routenführung sein sollte, sollte das auch kein Problem darstellen, dieser Linie zu folgen.
    Es gibt aber nirgendwo einen einfachen GPS-Track, downloadbar, um ihn in die Karte der Wahl zu integrieren (nicht mein Hobby, Lutz macht so was gern - ich greife lieber bequem auf FarOut zurück). Lutz hat sich dann Vorhandenes zusammengesucht, zusammengefügt und in - ich glaube - Map Out geladen. So hatten wir dann mehrere Quellen, die eine imperial, der andere metrisch (nicht, dass Farout nicht auch metrisch gekonnt hätte, wollte ich aber nicht), nicht immer identisch - auch so geht der Gesprächsstoff nicht aus.

    Mia im Zelt oh wie schön! ich freue mich für dich!

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  • Toller Start in den Bericht! der CT steht für mich auch noch auf der Want-To-Do Liste, da kommt Vorfreude auf und man wird motiviert Nägel mit Köpfen für die Planung zu machen.

    Waymarked Trails hat einen, zumindest auf meinen ersten Blick hin, vollständigen gpx File zum download.

  • Das ist jawohl landschaftlich der Kracher! Ich kenne immer nur die Fotos in den roten, felsigen, Canyon-artigen Gegenden ohne nennenswerte Vegetation.

    Diese Aspen! 😍

    Hätte ich für Birken gehalten, ich liebe Birkenwäldchen.

    Tolle Bilder und Impressionen, ich freue mich über den Reisebericht und ebenfalls auf die Fortsetzung!

    (Der trail hat meinen größten Respekt - er gilt ja insbesondere im weiteren Verlauf als ganz schön hart, und vor allem auch dann tricky mit der Wasserversorgung. Da bin ich persönlich immer raus…)

    P.S.: Ach, ich glaube, jetzt habe ich den Arizona Trail gedanklich „upgemixed“! Umso mehr freue ich mich auf Deinen weiteren CT-Bericht, da ich von dem trail noch nicht viel gesehen habe.

    Einmal editiert, zuletzt von GirlOnTrail (21. Oktober 2025 um 20:40)

  • 2. Abschnitt: Bailey bis Breckenridge

    31.7.25  Zero day!

    Häufig werden in solchen Berichten die town stops übergangen – vielleicht, weil sie off topic erscheinen. Ich stehe dazu, ich brauche sie, mag sie, genieße sie. Bailey ist eine gut Wahl dafür. Man hätte vom Kenosha Pass auch in die andere Richtung, nach Fairplay hitchen können (im nahe gelegenen Jefferson gibt es nix mehr) – ich kannte aber Bailey schon vom letzten Mal und hatte es schön gefunden. Der Hostel-Bereich in der Two Bridges Lodge ist empfehlenswert, jedoch nicht groß. Ich denke, in der Saison (wir sind spät dran) sollte man ein Bett vorbestellen. Aber man kann auch draußen zelten und Waschmaschine, Küche und Dusche drin nutzen, das ist auch preisgünstiger.


    Der Tag verging mit echt lecker chinesisch essen, lecker Eis, lecker Obst und Gemüse, lecker Nüsschen für Streifenhörnchen,

    weiteren Gewittern und viel, viel Schlaf. Ach ja: und Hikerbox checken. Die manchmal etwas skurril ist – wir haben dieses Gericht nicht eingesteckt, wir hatten ja auch noch genug.


    1.8.25  Segment 6: Über den Georgia Pass zur Middle Fork Swan River

    Segment 6 ist das längste des ganzen Trails: 33 Meilen, zwei Tage, und dann sind wir in Breckenridge. Wir haben dort bereits von Bailey aus ein ziemlich herabgesetztes Appartement gebucht. 2018 war ich im Hostel gewesen – für Alleinreisende ist das erheblich günstiger, während es für 2 Personen oft kaum einen Preisvorteil gibt, zwei Bunkbetten zu nehmen, wenn man ein bisschen sucht.

    Wir stehen sehr früh auf, gepackt haben wir bereits am Abend, und hitchen wieder hoch zum Kenosha Pass, der genau auf 10000ft Höhe liegt. Unser Weg führt uns zunächst zum westlich gelegenen Campground, wo wir uns an einen Tisch setzen und frühstücken. Ich lese die Kommentare auf FarOut – auf dem Campground muss es einen legendären Trailangel geben, Smurf. Dort gehe ich noch vorbei, schenke ihm einen unserer Aufkleber und bekomme ein Äpfelchen. Den angebotenen Kaffee lehne ich dankend ab. Wir wollen schnell nach oben über den Georgia Pass wegen der Gewitter.
    Knapp 12 Meilen sind es bis dahin, den Pass werden wir bei 11876ft /3620m erreichen, und damit ungeschützt über der Baumgrenze. Wir gönnen uns Rückblicke und genießen es, wieder unterwegs zu sein. Auch dafür sind Zero Days etwas Feines.

    Fun fact: Heute laufen wir überhaupt nicht nach Süden, nur nach Westen – und sogar nach Norden!

    Just als wir oben ins fast Freie kommen, ballen sich die Wolken zusammen. Binnen Minuten wird es bedenklich dunkel, wir bauen in Windeseile bei zunehmenden Windböen in einer geschützt liegenden niedrigen Baumgruppe mein Zeltchen auf. Keine Sekunde zu früh schlüpfen wir hinein und warten den Hagel ab. Bald ist der Himmel wieder blau und wir wandern weiter. Übrigens sind wir ab jetzt auch auf dem Continental Divide Trail – und überqueren erstmals die Hauptwasserscheide. Ein bewegender Moment.



    Beim Abstieg passe ich irgendwann einen Moment nicht auf und verdrehe mir mal wieder mein Fußgelenk. Ich hinke weiter, bergab ist es echt blöd. Noch blöder ist, dass ich keine elastische Binde mitgenommen habe! Anfängerfehler.

    Als wir von zwei jungen Hikern (wir haben sie schon vorher getroffen) überholt werden, spreche ich sie an, und Robin zaubert aus ihrem Rucksack eine blaue selbsthaftende Binde. Richtig klasse das Ding! Ich werde sie die ganze nächste Woche tagsüber tragen!
    So erreichen wir zwar langsamer, aber: immerhin!, unser planmäßiges Ziel, den Middle Fork Swan River nach etwa 16 Meilen – Höhenmeter habe ich vergessen, aber die Zelte bauen wir auf knapp 10000ft auf (toller Name übrigens für ein Flüsschen – man weiß gleich, dass es auch eine rechte und eine linke Zinke geben muss und wie es nach dem Zusammenfluss heißen wird).

    2.8.25   nach Breckenridge auf direktem Wege

    Am nächsten Morgen sagt der Knöchel Aua!, und wir beschließen, die alte Strecke auf der Tiger Road unten am Swan River zu nehmen. (Gut, wenn man nicht nur FarOut hat!) Das spart sowohl Meilen als auch viel Auf und Ab. Die Strecke ist nicht immer schön, aber interessant: Biber, Goldgräber und -wäscher haben das Tal umgestaltet – in sehr unterschiedlicher Weise. Biber verwandeln Täler in grüne Teichlandschaften (hier mit Biberburg),

    Goldwaschen führt dazu, dass sämtlicher Sand abgetragen wird und nur die großen Steine zurückbleiben,

    und wenn man den halben Berg durchlöchert, muss der Abraum ja irgendwo bleiben - eben vor dem Loch:

    Nach sechs Meilen hat mein Fuß (und deswegen auch ich) die Nase voll, wir halten mal wieder den Daumen raus, das zweite Auto nimmt uns mit bis nach Breck hinein.

    Wie praktisch alle Städte hier war Beckenridge auch eine Minenstadt, die jedoch - anders als andere Städte hier – nicht geschrumpft oder aufgegeben ist, sondern absolut touristisch ist. Hauptsaison ist hier Skisaison, was angeblich auch an drei Norwegern liegt:

    Entsprechend viele Unterkünfte gibt es, davon etliche zu – jetzt - erschwinglichen Preisen. In der Nähe der Stadt (also da, wo der Bodenwert hoch ist) ist man dabei, das Tal wieder schön zu machen, und in Breckenridge ist das ganz wundervoll gelungen, finde ich auf dem Weg in unsere Unterkunft. Auch jetzt ist die Stadt voller Touristen. Wir kommen an einem Aufsteller und der Leichtbau-Konzerthalle vorbei: Heute Abend Konzert.

    Wir gucken uns an. Lutz besorgt Karten, es gibt nur noch erste Reihe rechts vor den Kontrabässen, und wir verwandeln uns flugs von Hikern in Kulturtouristen. Was soll ich sagen: Es lohnt sich. Dirigent ist Michael Stern (Sohn von Isaac, einer der Geiger des 20.Jh), das junge Orchester spielt sehr gut und blitzsauber. Prokofiev 1.Sinfonie, Barber (was?), Beethoven 7. , den vierten Komponisten habe ich vergessen, klang aber auch interessant.


    3.8.25  Slackpacken nach Copper Mountain (Lutz), Touri-Fußschon-Programm (Cafi)

    In dieser Region gibt es einen kostenlosen Bus-Shuttle-Service, der Breck, Frisco und Copper Mountain miteinander verbindet. Dies machen sich viele Hiker zunutze, um das Segment 7 mit leerem Rucksack zu wandern: Bus bis zum Trail (Gold Hill Trailhead), knapp 900 Höhenmeter hoch auf 3650m, die 10-Mile-Range zwischen Peak 5 und 6 überqueren, in das Ski Resort Copper Mountain absteigen und mit dem Shuttlebus zurück in die Unterkunft und zum Rucksackinhalt.

    Ich verzichte diesmal darauf, die Strecke (wunderschön!!!) habe ich ja schon 2018 gemacht, und Lutz läuft allein:



    Ich hingegen kühle meinen Fuß, trinke Tee, kaufe mir ein Sonnenschutzwanderhemd und entsorge das alte, lande auf dem Trollstigen (hä?)


    und lerne wieder etwas aus der (vergangenen) Eisenbahn-Zeit.

    Auch diesen Schneefräsenzug hatte ich schon in den Grüßen vom Trail gepostet (auch so etwas für freie Tage...)


    Ja, man tut hier was für uns Touristen.

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Danke für den ausführlichen Bericht. Ein echtes Highlight. Für mich wären meine Reisen ohne Zero day immer nur halb so schön. Nicht nur wegen dem ausruhen, sondern dem Zeit nehmen und entdecken.

  • 3. Abschnitt: Breckenridge bis Twin Lakes

    4.8.25 Segment 8 bis Cataract Creek

    Wir nehmen den ersten Bus nach Copper Mountain (umsteigen in Frisco) und wandern mit nun wieder wohlgefüllten Rucksäcken los. Lebensmittel für die nächsten 72 Meilen hatten wir, d.h. Lutz, am Vortag beim Umsteigen in Frisco gekauft – in Breck, dieser Tourismus-Hochburg, gibt es keinen einzigen Supermarkt.

    Zunächst quert der Weg einige Skipisten, bevor er sich dann am Guller Creek bergwärts zunächst recht steil nach oben wendet. Nach einem Weilchen weitet das Tal sich etwas auf, und beim Rückblick sieht man wunderbar auf die Ten-Mile-Range zurück (man beachte die interessanten Namen der Berge - so geht das weiter - bis Peak 10). Sehr schön auch wieder die Landschaftsgestaltung durch die Biber. Es ist sonnig, warm, aber nicht heiß.

    (mit freundlicher Erlaubnis von Peakfinder)

    Weiter geht es über die Baumgrenze, Searle Pass, weiter aufwärts zum Elk Ridge, der heute unser höchster Punkt mit 12200ft, 3720m. Jetzt sind wir 12 Meilen unterwegs.

    Unser erstes Murmeltier:

    Ab hier geht es abwärts. Kokoma Pass, weite Blicke, auch zu großen Tagebauen mit Tailings Ponds hinunter (Schlammabsatzbecken, vermutlich recht ungesund).

    Abwärts geht es; in einem Kommentar in Farout ist am Catarakt Creek auf 10000 Fuß ein schöner Zeltplatz beschrieben, und er ist auch nicht besetzt. Den Sonnenuntergang kann man durch Baumwipfel ahnen, fließend Wasser, die Reste einer Hütte. Knapp 16 Meilen und 3000ft/gut 900Höhenmeter waren es heute.




    5.8.25 Tennessee Pass, Segment 9 bis Porcupine Lakes

    Noch immer stehen wir jeden Tag um 5 Uhr auf, da benötigt man inzwischen die Taschenlampe. Es ist immer so um 5 Grad frisch - plus-minus 2Grad. Müsli, Kaffee und viel Tee, die Luft ist meistens so trocken, dass es keinen Kondens auf oder im Zelt gibt, sofern man unter Bäumen aufgebaut hat.
    Heute geht es erst einmal abwärts zu einer Hochebene, dort überqueren wir unseren kleinen Cataract Creek – von den cataracts kann man aber praktisch nichts sehen. Auf dieser Hochebene war einst das Camp Hale. Hier wurde Anfang der 1940er die wohl ziemlich berühmte 10th Mountain Division aufgebaut und trainiert, die im 2. Weltkrieg in den Alpen gekämpft hat. Bis auf ein paar Betonreste ist von dem Camp nichts mehr zu sehen.

    Wir laufen weiter und verpassen die letzte bei Farout verzeichnete Wasserstelle. Jedenfalls die letzte, die Wasser führt, wie wir an der ausgetrockneten feststellen. Wir fragen eine entgegen kommende Trailrunnerin, ob sie irgendwo Wasser gesehen habe. Hat sie nicht – aber sie bietet an, wenn sie am Auto am Tennessee Pass ankommt, eine Gallon Wasser für uns zu hinterlassen. Das sind nur noch dreieinhalb Meilen - Klasse!

    Bis dahin sehen wir noch ein Moose mit zwei Jungtieren, laufen irgendwann auf einer langweiligen alten Bahntrasse und sehen die Reste zweier Kohlenmeiler.


    Und da ist es, unser Wasser: Trail magic!

    Die leere Plastikflasche können wir auch gleich einem Mann mitgeben, der sich dort die Memorials anschaut für die 10th Mountain Division und die Norwegian Division.

    Von hier aus hitchen viele nach Leadville zum resupply, und weil es eine coole Stadt sein soll; wir wandern weiter und kommen in die nächste wilderness: Die Holy Cross Wilderness. Irgendwann vor langer Zeit ist hier mal jemand im Frühjahr gewandert und hat an einer Felswand ein großes Kreuz gesehen, wohl Schnee in Felsspalten. Daher der Name.
    Beim Weiterwandern sehen wir voraus zu den ersten fourteeners, (Berge, die über 14000ft /4267m hoch sind). In Colorado gibt es sehr viele davon. Einige von ihnen liegen so dicht am Trail, dass man sie mit ein wenig Mehraufwand ersteigen könnte. Für mich bleibt das aber Konjunktiv: könnte.

    Gegen frühen Abend treffen wir „Chef“, sie zeigt uns gute Zeltplätze – aber ich möchte noch zu den Porcupine Lakes hoch. Aufstiege am Abend sind zwar immer die steilsten, doch diese Seen fand ich 2018 schon so schön. Ein junges, fröhliches Pärchen überholt uns, offensichtlich sind sie überhaupt nicht außer Atem. Ja, sie wollen auch noch zum Lake – es stellt sich aber heraus: zum Turquoise Lake einige Meilen weiter. Ich sei doch diese Ultra-Marathon- Frau, oder? Nee, bin ich beim besten Willen nicht. Oh, ich sähe ihr aber so ähnlich!

    An den Porcupine Lakes sind wir ganz allein, genießen ein unglaubliches Farbenspiel und baden lieber nicht – hier gibt es viele leeches, Blutegel.
    Heute waren es wieder einmal 16,5 Meilen und ungefähr 2600ft/800m; wir übernachten auf 11450ft/fast 3500m.


    6.8.2025   Wandern ins 10.Segment mit Pferdeäpfeln

    Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang, den ich versuche einzufangen, brechen wir auf.

    Abgesehen von einer Traverse mit toller Aussicht folgt eine relativ unspektakuläre Wanderung. Während einer Nüsschen-und Riegel-Pause haben wir einmal kurz Netz und schaffen es, uns ein Zimmer im Historic Inn in Twin Lakes zu buchen (juhuu! Letztes Mal war er ausgebucht). Für ziemlich viele Dollars, 169 plus tax, aber immerhin mit Frühstücksbuffet. Hier überholt uns auch eine Gruppe von Reitern – Reiterinnen bis auf den Führer, dazu einige Packpferde. Von nun an gibt es andauernd frische Pferdeäpfel auf dem Weg. Am Timberline Lake Trailhead (bis hierher wollte das junge Pärchen gestern noch laufen!) kommen wir in das 10. Segment und in die nächste wilderness, die Mount Massive Wilderness; es geht ebenso unspektakulär angenehm weiter (bis auf die Pferdeäpfel). Hier ist tatsächlich Betrieb: Peak baggers, unser Weg führt zum Aufstieg zum Mount Massive, einem der fourteener. Am Willow Creek finden wir in der Dämmerung eine nette camp site, nicht weit von dem horse camp entfernt. Im Logbuch verzeichnet sind: Zelten am South Willow Creek auf 11000ft, geschafft haben wir knapp 16einhalb Meilen und 3300 ft/ rund 1000 Höhenmeter.


    7.8.2025  Auf nach Twin Lakes!

    Nach drei Meilen erreichen wir den Mt Massive Trailhead, hier parkt man, wenn man den Mt Massive erklimmen möchte, oder auch den Mt Elbert. Wollen wir nicht – wir gehen weiter, durch einen wunderschönen Aspen-Hain,

    an den Lilly Ponds vorbei, an denen die Biber mal wieder ganze Arbeit leisten - Aspen scheinen ihre Leibspeise zu sein -

    erblicken endlich die Twin Lakes

    und erwischen bald darauf auch den Abzweig, der fast direkt in den Ort führt. Unser Zimmer können wir noch nicht beziehen, aber wenigstens die Rucksäcke drinnen abstellen; es gibt food trucks (einer hat ganz viele Aufkleber, jetzt hat er noch einen mehr),

    und wir gucken uns den Ort an, checken schon mal den legendären conveniance store, der auch eine wohl gefüllte Hiker box hat (man kann sich auch Pakete hierher schicken lassen, und was dann zu viel in den Paketen ist, landet halt darin. So gut, wie der Laden ausgestattet ist, weiß ich jedoch nicht, warum man das tun sollte, solange man nicht z.B. Zöliakie hat).

    Es gibt einen weiteren Laden mit Spezialitäten – auch da kaufen wir ein, und einen Stand mit superreifen Pfirsichen.

    Und VW-Busse mit anständigem Kaffee

    Wir beziehen unser entzückendes Zimmerchen (das angeblich mal von einer "Lady of the night" - so steht es da angeschrieben - bewirtschaftet wurde) und waschen alle Sachen mit der Hand durch – Waschmaschinen gibt es hier für uns nirgendwo.

    Wir erfahren: der Historic Inn steht zum Verkauf; das Restaurant, es hat einen guten Ruf gehabt, ist bereits geschlossen. So essen wir am Abend „pie“ genannte Pizza aus dem food truck - und Salat.
    Was nirgendwo verzeichnet ist, kein farout Kommentar weist darauf hin, und auch andere Hiker erfahren es erst hier per Mundpropaganda: Im Garten des anderen Spezialitätenladens dürfen Hiker in der Dämmerung ihre Zelte aufschlagen!

    Heute haben wir 10 Meilen zurückgelegt, überwiegend bergab.

    Ein letzter Wettercheck: Die Voraussagen sind grandios – keine Gewitter in Sicht! Wir werden morgen die spektakuläre hohe Variante nehmen – die Collegiate West!

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • 4. Abschnitt: Collegiate West bis Highway 50 / Salida

    8.8.25 Collegiate West Segment 1 und ein bisschen mehr

    1869 unternahm eine Gruppe der Harvard University eine Expedition unter der Leitung von Josiah D. Whitney (nach ihm ist übrigens der Mount Whitney benannt worden) auf einen ganz hohen Berg. Sie nannten ihn – nach ihrer Forschungsstätte – Mount Harvard, einen daneben liegenden, etwas niedrigeren Mount Yale – nach dem College, an dem Whitney studiert hatte. Später wurden weiter 14000er in der Nähe nach Colleges benannt - Mount Princeton, Oxford, weswegen die ganze Range jetzt die Collegiates heißt. Nicht, dass die Berge dort nicht schon längst andere Namen gehabt hätten, aber das ist eine andere Geschichte.
    Über diesen Gebirgszug führt die Collegiates-West-Route auf dem Weg des CDT.

    Jetzt ein Hinweis, der mir gefehlt hat: um alle Services von FarOut hier nutzen zu können, muss man die Karte „Loop“ runterladen. Der Weg wird zwar auch so angezeigt und man kann sich auch selber verfolgen, aber Meilenangaben, Höhen u.ä. funktionieren nur teilweise. Dies habe ich erst herausgefunden, als es zu spät war.

    Nach einem wunderbar reichhaltigen und kaffeereichen Frühstück nehmen wir nicht den weiten Weg östlich um den See herum, sondern westlich. Zunächst ein Roadwalk für 2-3 Meilen, die wir durch Daumen raushalten sehr abkürzen können. Am Wills Gulch Trailhead steigen wir aus, überqueren eine Brücke und steigen ziemlich steil den Wills Gulch Trail hoch, der nach einiger Zeit auf die Collegiate West trifft. Ob das Wills Hütte war?

    „Chef“ kommt vorbei, wir unterhalten uns – jawohl, bergauf, und ich kann tatsächlich ohne stark zu japsen mitreden, und sie muss meinetwegen kaum langsamer gehen… glaube ich… ich merke, dass ich doch auch schon stärker werde.

    Auf dem Hope Pass, ca.12550 ft/3825m hoch, gibt es Fudge aus dem Spezialitäten-Laden, Blicke zurück auf Turquoise Lake und Ten-Mile-Range, und voraus auf einige der Collegiate Peaks.



    Anschließend abwärts zum Clear Creek, dessen Tal wir folgen. Rechts von uns erahnen wir bighorn sheep, links von uns Mount Huron (Chef, die jeden sich bietenden 14000er mitnimmt, ist bestimmt längst dorthin abgebogen.)

    Nach etwa 14 Meilen und 4000ft bauen wir unsere Zelte auf etwa 10600ft/ 3230m auf und genießen die Abendstimmung im Tal. Ich bin mit mir höchstzufrieden, aber die dünne Luft schlaucht doch noch ganz gut…


    9.8.25 Wir machen halblang – tatsächlich ein „Unterwegs-Nero“ im CW Segment 2

    Die Morgensonne auf den Bergriesen ist wunderschön. Jeder Tag jetzt bringt einen neuen Höhenrekord: wir steigen auf, am wunderschönen Lake Ann vorbei zum Lake Ann Pass (12588ft/3837m). Die Regenerationszeit über Nacht hat für mich offensichtlich nicht ausgereicht.




    Im Abstieg erreichen wir einen nagelneuen Weg, der bestimmt sehr schön verläuft; wir entscheiden uns trotzdem – absichtlich – dem eindeutig falschen Hinweis auf FarOut zu folgen („turn right“), um am alten Weg an einem wunderschönen Plätzchen am Illinois Creek ein recht frühes, sehr schönes Zeltplätzchen zu bewohnen. So gerne ich auch allein wandere - manchmal ist es wunderbar, mit jemandem unterwegs zu sein, der gerade dann so schöne Alternativen charmant aus dem Ärmel (aka all seinen anderen Kartenoptionen) zaubert, wenn ich sie dringend benötige.



    10.8.25 Auf zum Cottonwood Pass

    Wunderbar erholt stehe ich im halb sechs auf - nach knapp 10 Stunden Schlaf, die nur einmal dadurch unterbrochen worden sind, dass mein Zelt fürchterlich gewackelt hat. Da muss wohl ein Tier glatt meine Zeltleinen übersehen haben! Hat aber keinen Adrenalinschub gegeben – umdrehen und weiterschlafen.
    Heute führt der Weg zum Prospector Gulch (wieder ein Hinweis auf die gute alte Goldgräberzeit), wo wir wieder auf die aktuelle Wegführung treffen, quert ein Flüsschen (steinehüpfen, komplett überflüssig abrutschen, nassfußgehen) und dann, an einem ziemlich vielendigen Hirsch vorbei, wieder über die Baumgrenze und schließlich (kein Höhenrekord! 12180ft/3712m) von oben zum Cottonwood Pass hinunter.


    Wir kreuzen den Highway. Hier halten viele Autos, deren Insassen sich mit dem Continantal Divide-Schild fotografieren. So können wir unser neuestes Mini-Mülltütchen wieder jemandem mitgeben.


    Das Wetter ist sonnig, aber mit einem heftig böigen Wind, und so sind wir froh, dass an dem kleinen See hinter dem Pass doch ein paar kleine Bäumchen als Windschutz für unsere Zeltchen stehen.


    Nach Westen gibt es einen weiten Blick und einen unglaublich schicken roten Sonnenuntergang – wegen eines Waldbrandes. Fotosession.


    Schnell wird es empfindlich kalt, und die Schuhe sind noch ziemlich feucht, da freue ich mich auf meinen warmen Quilt.
    12 Meilen; Höhenmeter: einiges, auch einiges an klein-klein. Vielleicht so 800-1000? Unser Übernachtungsplatz liegt jedenfalls auf 3700m, unser bisher höchster - und kältester.


    11.8.25 Wandern auf der Hauptwasserscheide – Segment CW3

    Wir sind nun mitten auf den Teil der CW, auf dem es echt unangenehm werden kann, wenn es diese Mittags-Monsoon-Gewitter gibt: Hier sind die Abstiegs-Möglichkeiten in geschütztere Gefilde ziemlich begrenzt, und wenn man gerade östlich des Kamms läuft, kann man auch nicht sehen, ob sich gerade etwas aufbaut. In der App sind ein paar (relative) Rückzugs-Möglichkeiten aufgezeigt, die aber gut 2 Stunden auseinanderliegen können. Wir aber haben das große Glück, dass das Wetter noch für ein paar Tage stabil schön bleiben soll (starkes Indiz: Heute haben wir Ostwind) – und der Weg ist einfach atemberaubend schön!
    Wir brechen bei Sonnenaufgang auf; es ist unsere erste Nacht mit Minusgraden gewesen, der Reif liegt noch auf dem Gras, und ich feiere meine Handschuhe.

    Wir legen einen Fotostop nach dem anderen ein. Allmählich wird es wärmer, die Fernsicht ist wunderschön, wir haben Aussicht auf mehrere sehr hohe Berge, laufen am Kreutzer Peak vorbei (gibt gleich wieder einen Ohrwurm, obwohl anders geschrieben) und am Mount Emma Burr. Wer wohl diese einzige Frau war, nach der hier mal was benannt ist? Keine Ahnung, und inzwischen weiß ich: der Berg heißt wegen einer Mine so.
    Im Lauf des Tages wechseln wir mehrfach auf ziemlich hohen Pässen (3800m, knapp 3900m, 3930m, sagen Lutz‘ metrische Apps) von der pazifischen zur atlantischen Seite und zurück.



    Nun sehen wir auch mal Colorados state flower: Columbine, eine zweifarbige Akelei. Tiefer ist sie längst verblüht.


    Am Abend, nach ca. 16 Meilen und kumuliert 3500ft hoch und über 4500ft (zum Schluss schier endlos) abwärts durch viel ziemlich toten Nadelwald, suchen wir in der Dämmerung am Tincup Road Trailhead den Zeltplatz mit den am wenigsten wackelig aussehenden toten Bäumen um uns herum.

    (Bild vom Morgen)

    Von hier aus könnte man der Schotterstraße ein paar Meilen folgen bis nach St Elmo, einer ziemlich schön zurechtgemachten Geisterstadt, aber die habe ich mir bereits vor sechs Jahren angeguckt. Zweite Nacht mit Minusgraden.


    12.8.25 Der höchste Eisenbahntunnel und das Butterfly Hostel – Segment 4


    Am Morgen wärmt der Kaffee die Hände nur kurzzeitig, dann queren wir mit ziemlich lebensmittelgeleerten Rucksäcken das Tal und steigen auf zum Tunnel Lake und dem (zugemauerten und eingefallenen) höchstgelegenen Eisenbahntunnel seiner Zeit. Ein geradezu irrwitzig anmutender Aufwand ist zu dessen Bau betrieben worden, und dann hat sich die gefährliche Strecke nicht wirklich bewährt. Hier ist auch dieser Schneepflugzug eingesetzt worden, den ich in Breckenridge gesehen habe.


    Ein kleiner Umweg wird belohnt durch den Blick auf die alte Trasse auf der Pazifik-Seite,

    dann Abstieg zur Atlantik-Seite; wir haben wieder einmal die Continental divide gequert)



    und ab dem Osteingang dürfen wir ein, zwei Meilen auf der alten Trasse spazieren gehen. (Atlantik-Seite;


    Wir geben der Verlockung nach, diese bequeme Strecke weiterzulaufen, als der Trail steil nach oben abbiegt: Ein Stück weiter können wir doch die Straße nehmen anstatt dieser unnötigen Höhenmeter! Und, ja: es gibt diese „Straße“: steil, steinig, geröllig, vorbei an den Überresten einer alten kleinen Mine; das einzige Auto, das sich hier entlang traut: Ein Jeep aus den frühen Fünfzigern mit einem nur um weniges jüngeren Piloten.


    Am Hancock Lake treffen wir wieder auf den Trail.

    Der Wind hat gedreht, es zieht sich zu und vor uns liegt noch ein baumloser Pass. Da fällt die Mittagspause am schönen See mit der kleinen cafi eher ungemütlich kurz aus – natürlich gibt es kein Gewitter, weder auf dem Pass noch später beim Abstieg. Wir kommen an eine dirt road, an der das letzte CW-Segment beginnt, das uns zum Monarch Pass / Highway 50 führen würde. Ich kenne es schon, teilweise schön, auch eine Sehenswürdigkeit gibt es (alter Jagdwall), teilweise Skigebiet im Sommer.

    Diese 10 Meilen schwänzen wir und nehmen die Piste: nur noch drei Meilen bis zum „Butterfly Hostel“ in Garfield, ebenfalls am Highway. Das Butterfly ist eine Art gechilltes Hostel auf „Spendenbasis“. In der Hauptsaison geht es wohl ziemlich quirlig zu; wir ergattern jetzt aber ein Minihüttchen für uns allein für zwei Nächte und fahren mit dem „Spendenbasis“-Shuttle am nächsten Tag in Salida einkaufen für die nächsten 104 Meilen. In Salida gibt es auch einen schönen Ausrüster, bei dem ich nicht nur Gas, sondern auch gemütliche Apex-Schlafbooties bekomme.

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

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