Die Vorgeschichte geht so: Da ich ein vorsichtiger Mensch bin, wollte ich 2018 "Amerika üben", bevor es mit dem PCT ernst werden würde: Zum ersten Mal mit Smartphone unterwegs, erstes Mal USA, noch dazu solowandern, lernen, wie buche ich dort Zimmer und schicke mir Päckchen, was gibts im Supermarkt an trailnutzbarem Essen, wie funktioniert Guthooks, wie halte ich es mit mir selber aus - so halt. Beim Wintertreffen 2018 empfahl mir jemand den Colorado Trail als wunderschön und einsteigergeeignet. Dann stellte auch noch HappyHiker just zu dieser Zeit seinen Ursack, das Colorado Trail Handbuch sowie Data Book im (alten) Forum zum Verkauf ein, ich griff zu und las seinen hervorragenden Bericht vom Thruhike 2017 auf seinem Blog. Absolut empfehlenswert auch heute noch! Ich wanderte los und verliebte mich in diesen Weg, schaffte aber während meines Urlaubs nur einen Teil davon. Klar war für mich: Dahin will ich zurück. Dieses Jahr war es endlich so weit, nicht solo, sondern mit Lutz.
Kurz zu den Fakten: Üblicherweise ist man zwischen Denver und Durango knapp 500 Meilen unterwegs, überwiegend durch die Rocky Mountains. Hier ist eine Überblickskarte verlinkt, damit man mal den ungefähren Verlauf hat. Eingeteilt ist der CT in 28 Segmente, im Bereich des Loops kommen noch 5 Segmente dazu für die West-Alternative (die auf dem CDT verläuft).
Die meisten wandern "sobo", southbound, also Richtung Süden, weil man so mehr Zeit hat, sich an die Höhe zu gewöhnen. Lustigerweise heißt es southbound, dabei ist es oft eher westbound.
Die Colorado Trail Foundation spricht von 567 Meilen - das liegt daran, dass es in der Mitte zwei verschiedene Möglichkeiten gibt: Collegiate East und West, beide zusammen oft "loop" genannt. Zwischen den beiden Möglichkeiten muss man sich entscheiden, und die Foundation hat beide Varianten zusammengerechnet. So kommt sie auch auf 89000ft, gut 27000 Höhenmeter.
Der Weg beginnt schon auf 1600 Metern über dem Meeresspiegel, und man läuft weite Teile des Wegs über 3000 m; der höchste Punkt ist auf 4044 m Höhe.
Informationen und Kartenmaterial findet man auf der oben genannten Seite der Colorado Trail Foundation (kann man käuflich erwerben), auf dem Trail nutzt man am besten FarOut; uns, d.h. Lutz, ist es nicht gelungen, irgendwo einen anderen zusammenhängenden aktuellen Track ausfindig zu machen. Ich habe sehr gern im Handbuch geschmökert (Happyhiker hatte es pdf-iziert, so konnte ich es bereits 2018 auf dem tolino mitnehmen), und das kleine, übersichtliche Data Book habe ich eingesteckt als backup-und-Papierliebhaberin.
Aufgrund der Höhe ist die Saison recht kurz - Ende Juni, Anfang Juli geht es los- je nach Schneelage, und im September wird es oben schon wieder richtig kalt. Vom Wetter her muss man im Juli und August mit heftigen nachmittäglichen Gewittern rechnen (monsoon), was oberhalb der Baumgrenze ziemlich ungemütlich sein kann und in die Tagesplanungen unbedingt einkalkuliert werden sollte. Wir hatten Glück und blieben verschont (oder konnten abwettern)
Jetzt geht es los:
Anreise war am 24.Juli: Bahn von Berlin nach Frankfurt, dann nonstop ab Frankfurt nach Denver. So kam diesmal auch das Gepäck mit uns an. Die immigration verlief problemlos, an uns uninteressiert, aber nicht unfreundlicher als auf den anderen Einreisen. Um in die Stadt zu kommen, nimmt man die Bahn, 10$ pro Person. Wir merkten: dafür braucht man eine richtige Kreditkarte, Debit reicht nicht. Unsere Unterkunft für zwei Nächte hatten wir vorgebucht, zentral in Gehweite zur Union Station, zum REI und zu einem Safeway. Totmüde fielen wir ins Bett, der Tag hatte ja sieben Stunden länger gedauert als sonst.
Das Programm für den nächsten Tag stand fest: einkaufen im REI, einkaufen im Safeway und umfüllen, in der Cheesecake Factory essen gehen. Der Weg zum REI durch die 16th Street (Fußgängerzone, kostenlose Trolleybusse, wir laufen, geht schneller), durch einen Park und über den Fluss. Der REI ist in einem alten Lagerhaus am South Platte River - ziemlich schick! Parks, Rad- und Fußwege am Fluss, ganz in der Nähe mündet der Cherry Creek in den South Platte River. Eigentlich könnte man auch hier auf dem South Platte River Trail beginnen. Er führt nach 40 Meilen zum Startpunkt des CT am Waterton Canyon. Aber unsere Zeit ist sowieso schon knapp.
Die Stadt - downtown - ist ein merkwürdiges Gemisch aus alten Backstein- und modernen Hochhäusern, der Verkehr streng in Einbahnstraßen geregelt - oft mit Radspuren.
Wir erstanden Lebensmittel für acht Tage; die Idee war, die 104 Meilen bis Breckenridge durchzulaufen. Die Rucksäcke waren nach dem Packen voll bis obenhin, und die Zelte passten nicht mehr in die 40-Liter-Rucksäcke hinein. Das Essen in der Cheesecake-Factory war lecker und nahrhaft. Draußen sitzen in der Fußgängerzone könnte so schön sein, wenn nicht zu der Musikbeschallung aus dem Lautsprecher des Restaurants noch Straßenmusik hinzukäme - oder umgekehrt.