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  • Mein drittes Band, mein zweites grünes. Vielleicht kurz zur Erklärung, was ist das überhaupt? Beim weißen und grünen Band in der schwedischen Variante (Vita och Gröna Bandet) geht es darum, sich von Grövelsjön im Süden des schwedischen fjäll bis ganz in den Norden nach Treriksröset (der nördlichste Punkt Schwedens und zugleich der, wo sich Schweden, Norwegen und Finnland treffen, das Dreiländereck eben) zu begeben (oder andersrum). Das Ganze auf selbst gewählter Route, innerhalb gewisser Parameter (bleib in den Bergen!) und aus eigener Kraft, ohne direkte Hilfe von Aussen, d.h. man darf sich zB nicht das Essen hinterhertragen lassen. Andererseits darf man aber auch keine Einladung zu einer fika ablehnen (sehr wichtig!).

    [Was man vielleicht zum Prozedere noch Wissen sollte: die Anmeldung kostet Geld, ca. 150€. Dafür bekommt man am Ende eine Plakette mit seinem Namen am Eingang von Grövelsjön, eine Urkunde, Aufnäher und Aufkleber, aber vor allem Rabatt. Rabatt beim STF in den Hütten, sowie vielen weiteren Herbergen längs des Weges als auch Nachlass bei vielen Ausstattern und Online-Händlern etc.. IdR rechnet sich das allemal. Nicht zu vergessen, man ist Teil einer Community (leider auf Facebook), welche extrem hilfreich ist bei der Tourenplanung und -durchführung.]

    Die Idee kam mir, da ich den Sommer zuvor einen Monat in den Pyrenäen unterwegs war und dann im Februar und März einen weiteren durch die Kanaren gezauselt bin und mir wieder nach etwas Abwechslung war, obgleich ich auch ein paar Wochen in Lappland war. Bei dieser Tour ging aber so einiges schief und so blieb meine Sehnsucht wohl einfach etwas unerfüllt. Eigentlich wollte ich den Eisenach - Budapest laufen. Darauf hatte ich aber nach diversen Wahlergebnissen einfach keine Lust mehr. Klar soll man Nazis nicht das Feld überlassen, aber auf einer Langstreckenwanderung ist man nunmal auf die Hilfsbereitschaft der lokalen Bevölkerung angewiesen, und die Vorstellung mich in ein Wirtshaus zu setzen und mein Essen zu genießen, während der Nazi-Stammtisch am Nebentisch sitzt, hat es mir irgendwie verleidet. Ich wollte mich mit derartigem nicht belasten, wenn ich stattdessen einfach auch unbeschwert in der Natur unterwegs sein könnte.

    Auf meinem ersten grünen Band 2020 bin ich so ziemlich die dümmst anzunehmende Route gelaufen, da das damals aufgrund der Pandemie eine äußerst spontane Entscheidung war. Diesmal wollte ich Gebiete erschließen, wo ich noch nicht war (Norwegen?) und möglichst viel weglos unterwegs sein bzw. zumindest nicht mehr so viel auf Straßen laufen.

    Ich wollte so etwa 8-10 Wochen unterwegs sein, dabei möglichst spät in der Saison, da ich kein großer Fan von Mücken bin und bereit war auf einen schön sonnigen Herbst zu wetten. Deshalb setzte ich meinen Starttermin auf Mitte Juli und war damit einer der, wenn nicht der letzte, der im Süden loslaufen würde. Da ich aber auch schon bei meinem ersten Band so spät los bin und ich zweitens denke schon zu wissen, was ich tue, bereitete mir das nicht weiter Sorgen.

    7 Mal editiert, zuletzt von PositivDenken (10. November 2025 um 10:52)

  • 1. Abschnitt: von Grövelsjön bis Storlien 

    Nachdem ich ein extrem günstiges Zugticket ergattert hatte, war ich zwei Tage früher in Grövelsjön als geplant. Eigentlich wollte ich einfach in dem kleinen Wäldchen neben der fjällstation zelten, da es bereits Abend war. Nun hingen da aber überall Zettel, dass das bloße kampieren schon 200kr kosten würde. Da bin ich einfach zu deutsch dafür, als dass ich mir da nicht denken würde, dieses Geld wäre wohl anderweitig besser investiert. Generell war ein Grundgedanke der Tour - eigentlich wie immer - so wenig Geld wie möglich auszugeben, möglichst keine neue Ausrüstung etc. Meine Ruhetage wollte ich nach Möglichkeit im fjäll verbringen und nicht in teuren Hotels oder Herbergen. Und so bat ich die freundliche Person an der Rezeption schnell das obligatorisch Foto an der Eingangstür von mir zu machen und zog Richtung See von dannen. Ich wusste, dass da unten zum einen ein nettes Sanitärhäuschen steht und zweitens es gute Zeltmöglichkeiten gibt, die im Gegensatz zum Wäldchen an der station nicht abschüssig waren. Das einzige, was mich etwas gewurmt hat, ist, dass dann dieser Tag schon als Wandertag zählt, obwohl ich ja nur ein paar Meter gehen würde.

    Dummerweise war da unten alles voller Zelte, so durfte ich eine ganze Weile suchen, bis ich noch irgendwo ein Plätzchen für mich fand. Desweiteren lernte ich schnell wieviele Mücken dieses Jahr unterwegs waren. Ich versuchte dennoch, den sonnigen Abend zu genießen. Wer weiss, wie viele davon noch kommen würden! (Ich hatte wohl nicht genau genug auf die Wettervorhersage geschaut)

    Meine Idee war von dort aus rüber nach Norwegen zu Laufen, da ich ein bisschen von der Femundsmarka sehen wollte, anstatt mir das Geröll östlich vom Rogen zu geben. Das war mir noch in guter bzw eher schlechter Erinnerung vom letzten Mal. Ich war hier schon im Mai hergekommen zusammen mit einem Freund, der einen Rekordversuch auf dem GB starten wollte und deshalb hier die optimalen Routen ausforschen wollte. Damals bin ich auch schon rüber nach Norwegen, kam aber wegen allgemeiner körperlicher Unfitness und schwerem Gepäck nicht sonderlich weit. Wir hatten nur drei Tage. Und so ging es am nächsten Tag einfach entlang der bereits gut bekannten Route Richtung Svukuriset. Manchmal lernt man aus Fehlern und so habe ich diesmal nicht den markierten Weg in den Sümpfen vor Revlingsjøan verloren und war relativ zeitig schon an den Hütten und beschloss noch ein bisschen weiter nordwärts zu ziehen, um mir dort irgendwo einen Zeltplatz zu suchen. Allerdings machte sich bereits ein ungutes Gefühl breit. Der Tag war nicht nur sonnig gewesen, sondern regelrecht heiss. Als es dann bergan ging wurden meine Kopfschmerzen immer intensiver. Da hat wohl jemand - wie so oft - einfach nicht genug getrunken? Ich beschloss deshalb dann doch nicht mehr all zu weit zu laufen und blieb an einem sehr idyllischen Ort Nähe der Baumgrenze stehen. Nicht zuletzt weil dort auch ein kleines Bächlein floss, welches zu einem wunderbar erfrischenden Bad einlud. Leider gab es kaum Schatten. Und da es mit meinem Wohlbefinden nicht besser wurde, hab ich mir direkt am ersten(?) Abend die erste IBU eingeschmissen. Blöd!

    Am nächsten Tag ging es weiter quer übers fjäll, markierten Wegen folgend vorbei an Oasen Richtung Reva. Die Strecke war nicht so einfach, wie ich mir das gedacht hatte. Unten in den Niederungen ist es sehr wohl auch sehr blockig und steinig. Eher etwas mühsam, zumal man ständig hoch und wieder runter muss. Fast wie daheim im Sörmland. Nur dass ich dort keinen so schweren Rucksack trage.

    Reva ist ein süßer Platz, der definitiv zum bleiben einlädt. Da waren aber erstens bereits eine ganze Familie mit ca. drölftausend Kindern und zweitens zwei holländische Medels, die fleissig am Angeln, Wäsche waschen etc waren und so wollte ich nicht stören und bin weiter Richtung Skedbrostugan, in der Hoffnung dort was nettes zum Zelten zu finden. Komischerweise war es dort an der Hütte wie ausgestorben - ich hatte hier auf meinem VB einen Schneesturm ausgesessen und von daher etwas nostalgische Gefühle. Als ich kurz meinen Rucksack absetzte kam dann doch jemand, die Hüttenwirtin, und wir kamen ein bisschen ins Quatschen. Letztlich wollte sie mich aber eigentlich nur zum Bleiben überreden, um wohl wenigstens einen zahlenden Gast du haben, und ich lehnte stießelmäßig, aber dankend ab. Am anderen Ende des Sees, ein bisschen ab davon zwischen Gestrüpp und Bäumen, fand ich dann doch noch ein schattiges(!) Plätzchen und ging eine Runde schwimmen.

    Weiter relativ unspektakulär, da schon öfters hier gewesen, Richtung Rödfjället. Dort lud unterwegs ein See zum Baden ein, nicht zuletzt, weil die Hitze langsam aber sicher unerträglich wurde.

    Eigentlich wollte ich am Svansjö zelten und dann am nächsten Tag in Hamra meinen ersten resupply machen. Nur waren dort so unglaublich viele Leute, dass mir spontan die Lust verging. Es war zudem recht windig geworden und mit geschützten Plätzen ist dort Fehlanzeige. So beschloss ich es einen wirklich langen Tag werden zu lassen, heute schon in Hamra einzukaufen und dann bis zum Campingplatz kurz vor Fjällnäs zu laufen. Der wird von einem sehr netten holländischen Ehepaar betrieben, die haben Rabatt für uns bandare und ausserdem ein „hiker breakfast“. Das war phantastisch! Außerdem lernte ich dort direkt eine deutsche kennen. Erst aufgefallen ist sie mir, weil sie - wie ich dachte - ein Lanshan dabei hatte. Bei genauerer Betrachtung kam ich aber ins Stutzen. Irgendwas war komisch an dem Zelt. Turns out, sie hat es selber gemacht, einwandig, mit dem Duplex als Vorbild! Natürlich musste ich sie jetzt näher kennenlernen und so sind wir die nächsten zwei Tage zusammen gewandert. Sie hat nicht nur ihr Zelt selber genäht sondern auch ihren Rucksack. Einen Daunenschlafsack hat sie wohl auch mal gemacht. Aber den hatte sie nicht dabei, wenn ich es richtig verstanden habe. Jedenfalls sehr beeindruckend! Sie hat mir ein bisschen von ihren Nähmaschinen-Exkursionen erzählt und ich hab fleissig geistige Notizen davon gemacht. Witzigerweise heisst sie wie meine Ex und witzigerweise war letztere auch gerade in der Gegend unterwegs und während ich vor dem Helags goodbye sagt, weil ich wieder Richtung Norwegen wollte, ist erstere auf dem Södra Kungsleden geblieben und hat dann tatsächlich noch meine Ex getroffen und Grüße ausgerichtet. Kleine Welt mal wieder.

    Ich dagegen bin dem nord-östlichen Ufer des Sylsjön gefolgt. Wider Erwarten gar nicht mal so einfach. Ich dachte, das wäre sicher noch ein gut markierter, eingelatschter Trail, aber weit gefehlt. Bushwhacking, Sumpf und wieder Sumpf und regelmäßiges Verlieren der Markierung waren Programm des Tages. Ich machte es vorbei am Staudamm und lief bis kurz vor die Nedalshytta, wo ich unten im Tal am Fluss einen süßen, versteckten Platz gefunden habe, wo es auch einen tollen Pool zum Baden im Fluss gab. Die Idee war am nächsten Tag hoch auf den Sylartoppen. Ich wollte nicht auf der schwedischen Seite bleiben, da mir dort zu viele Leute sind und ich da ausserdem schon war.

    Nur vom Sylarna hatte ich absolut keine Ahnung, und das sollte sich bald zeigen. Denn je näher ich kam umso größer wurden meine Zweifel, ob ich da überhaupt raufkäme. Als ich dann in diesem Kessel auf der westlichen Seite stand, war mir klar, dass da nix draus werden würde. Da lag überall noch Schnee rum und der Weg nach oben sah auch einfach unglaublich steil aus. Als ich später wieder Internet hatte, hab ich die Geschichte mal gegoogelt. Ich wäre besser auf der schwedischen Seite geblieben! Egal, nur ein kleiner Umweg. Ich bin dann in einem Mix aus Trail und wegloses fjäll und Sümpfe bis zum Enan. Dieser lud bei glühender Hitze zu einem weiteren Bad ein. Ich war auch völlig davon überzeugt, dass ich dort einen wunderbaren Platz zum Zelten finden würde, und so war es eigentlich schon beschlossen, dass das ein eher kurzer Tag werden würde und ich den Rest davon badend und ruhend verbringen würde. Dock kaum war ich nackt kamen die Bremsen. Nicht die kleinen grauen, die auch, sondern die dicken, großen, fetten. Dutzende! Nun war ich aber schon nackt und wollte nicht so leicht klein beigeben. Das mit dem Zelten hatte ich innerlich schon gestrichen, aber ich wollte wenigstens baden und meine Klamotten auswaschen. Würdevoll war das nicht, was ich dort dann veranstaltet habe. Eine Mischung aus Tanz und Panik. Ziel wurde erreicht, aber zu welchem Preis? Mit nassen Klamotten schlürfte ich von dannen Richtung Blåhammaren. Ich dachte, weiter oben im fjäll würden die Mistviecher dann ja wieder verschwinden. Auch die nassen Klamotten brachten eine gewisse Erleichterung. Aber die Biester blieben mir fast bis kurz vor der fjällstation erhalten, bei jeder Gelegenheit attackierend. Zelten ging dann dort auch nicht, es sei denn, man will sich gerne zwischen ein paar dutzend Zelte quetschen. Also noch ein Stückchen weiter bis runter an den nächsten See. Dort war erstens kein Wind und zweitens Mücken, Bremsen und weiss Gott was noch alles. Ich hab mir nur kurz Wasser geholt und bin im Zelt verschwunden. An Schlafen war aber nicht zu denken, es hatte im Zelt saunaartige Bedingungen. Zum Glück hatte ich einen Hüttenschlafsack aus Seide dabei. Und so schlief ich in dem während ich meinen Schlafsack als Sonnenschutz oben auf das Zelt legte. Das Gesurre der Insekten im Ohr. Dann kam da noch ein ganzer Trupp junger Männer, die ganz offenbar oben in der fjällstation wohnten und hier baden wollten. Ich weiss nicht, wie die mit den Bremsen klargekommen sind, aber lang drinnen waren sie jedenfalls nicht. Zum Glück, denn ich wollte wirklich schlafen, obgleich des hübschen Anblicks.

    Am nächsten Morgen galt es lediglich nach Storlien bzw besser gesagt nach Storvallen reinzurollen. Plan war, dort einen Ruhetag einzulegen, auch wenn ich eigentlich mal eine unfreundliche Erfahrung mit den Betreibern des Hostels dort gemacht hatte und zweitens der Supermarkt dann ja 4km entfernt wäre. Aber im Hotel in Storlien ist man halt direkt an der Bahntrasse und der Strasse. Das wollte ich einfach nicht. Kaum angekommen und ausgepackt bekomme ich eine SMS von der Betreiberin, sie fährt jetzt nach Storlien, ob sie mich nicht mitnehmen soll? Vielleicht ist sie doch nicht so unfreundlich?! So konnte ich am selben Tag noch resupply machen, sparte mir die 4km hin und zurück und konnte den Ruhetag wirklich mit Ruhen verbringen. Alles richtig gemacht!

    12 Mal editiert, zuletzt von PositivDenken (10. November 2025 um 10:59)

  • bin sehr gespannt….

    übrigens habe ich den Schnupferich auf meiner Lieblingskaffeetasse… mit seinem Zelt

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Ich freue mich sehr, dass du dich doch dazu entschieden hast, einen Bericht zu schreiben, trotz der Diskussionen und deiner Ansichten zum Thema Overtourism hier im Forum. Ich persönliche glaube nicht, dass Berichte hier in unserem kleinen schönen Forum den Tourismus dahingehend befeuern, dass mehr sich rücksichtslos verhaltende Menschen (LNT & so) in unsere liebsten Gegenden losziehen. Im Gegensatz dazu bin ich immer sehr dankbar, Bilder aus Fjällregionen zu sehen, die ich bisher noch nicht selbst zu Gesicht bekommen habe. Sowas hilft mir immer über den Winter^^

  • Ich persönliche glaube nicht, dass Berichte hier in unserem kleinen schönen Forum den Tourismus dahingehend befeuern, dass mehr sich rücksichtslos verhaltende Menschen (LNT & so) in unsere liebsten Gegenden losziehen.

    Ein Anliegen ist halt, die Leute dazu zu bewegen, die überlaufenen Ecken zu meiden, sich besser zu verteilen und so vielleicht die Überlastung der Brennpunkte zu mildern. Es gibt so viele schöne Ecken, aber alles rennt dorthin, wo alle hinrennen, nur um sich dann zu beschweren, dass überall viel zu viele Leute sind.

    Ich denke ausserdem, dass diejenigen, die sich drauf einlassen, weniger gut besuchte Regionen zu erkunden, gezwungen sind sich etwas mehr mit der Thematik auseinanderzusetzen. Sei es Ortskunde als auch Verhalten und Zurechtkommen in der Natur. Und Wissen schafft Macht. Ich denke, wer mehr weiss, verhält sich auch vernünftiger.

  • Interessanter Trail! 🤩 Häng doch ein paar Fotos an!

    Ich finde es gar nicht sooo schlim wenn alle auf die Touri Hotspots rennen wie Trolltunga. Da kann man dann schön eine Touri Infrastuktur aufbauen, einfach dafür sorgen dass sich keiner weh tut ohne das man sich selbst in Lebensgefahr bringen muss, überall Mülleimer hinstellen usw.

    Und der Rest bleibt menschenleer. Aber ja, ich schließe mich chummer_fc an, wenn Du erst mal hier gelandet bist, hast du dich eh schon ganz schön weit in den Kaninchenbau vorgewagt, dass du sehr wahrscheinlich nicht mehr zum Mainstream gehörts

    Einmal editiert, zuletzt von WonderBär (10. November 2025 um 10:39)

  • [Was man vielleicht zum Prozedere noch Wissen sollte: die Anmeldung kostet Geld, ca. 150€. Dafür bekommt man am Ende eine Plakette mit seinem Namen am Eingang von Grövelsjön, eine Urkunde, Aufnäher und Aufkleber, aber vor allem Rabatt. Rabatt beim STF in den Hütten, sowie vielen weiteren Herbergen längs des Weges als auch Nachlass bei vielen Ausstattern und Online-Händlern etc.. IdR rechnet sich das allemal. Nicht zu vergessen, man ist Teil einer Community

    Das war für mich eigentlich das schönste Ergebnis der Registrierung. Ich habe dadurch einige nette Menschen auf meinem Weg getroffen, wenn auch manche nur kurz. Aber durch das gemeinsame Ziel ergab sich gleich eine Verbundenheit an die ich auch jetzt noch öfter denke. Außerdem stand die mir bis dahin unbekannte Sara von Gröna Bandet bei Järpen an der Straße und hat mich mit Namen begrüßt, ebenso begrüßte mich die Hüttenwirtin der Syterstugan bei Ankunft mit meinem Namen da sie meine Route verfolgt hat. Das waren sehr schöne Überraschungen von denen man an nicht so guten Tagen zehren kann.

  • Ein Anliegen ist halt, die Leute dazu zu bewegen, die überlaufenen Ecken zu meiden, sich besser zu verteilen und so vielleicht die Überlastung der Brennpunkte zu mildern. Es gibt so viele schöne Ecken, aber alles rennt dorthin, wo alle hinrennen, nur um sich dann zu beschweren, dass überall viel zu viele Leute sind.

    Finde es immer wieder so lustig, wenn man z.B. einen Küstenwanderweg geht - in schönster Einsamkeit - bis man dann DEN EINEN FELSEN erreicht, der 3,70m höher ist oder besonders krumm/gerade/weiss/schwarz ... dort ist dann auch direkt der riesige Parkplatz und 500 Leute treten sich gegenseitig auf die Füße. Gleiches z.B. immer wieder mit dem höchsten Berg einer Region usw. Ich denke mir dann als (Weit-)Wanderer oder Radler immer nur "schnell weiter". Da lobe ich mir doch die Hütte irgendwo in der Einsamkeit oder den kaum begangenen Trail, wo man noch wirkliche Begegnungen mit Menschen hat, die zudem auch das Interesse an der verantwortlichen Erkundung der Natur teilen und nicht nur die nächsten Instagram-Likes jagen.

    BTT: Tolle Bilder und toller Bericht. Danke dafür!

  • 2. Abschnitt: Storlien - Gäddede - Teil 1

    (Sorry, es hat ein Weilchen gedauert und ich hab beschlossen meine Erzählung hier weiter aufzuteilen, weil es sonst einfach zu lang wird und ich sonst nie fertig werde - es mangelt gerade etwas an Motivation)

    Die meisten würden wohl klar sagen, dass dies der unbeliebteste Abschnitt des GBs ist. Das liegt daran, dass man sich mehr oder weniger zwischen viel Straße oder Sumpf entscheiden muss. Meist wird es aber beides. Auf meinem ersten GB war das dann zumindest so. Ich habe vor allem endlose Latscherei auf Schotterpisten in Erinnerung. Die Alternative ist weglos durchs fjäll. Das ist nicht weniger nass, aber zumindest keine Straße. Da ich was erleben wollte, war von Anfang an der Plan der Route „Jämtland West“ zu folgen, wie im Buch von Jörgen Johannson beschrieben. Und so sollte es auch gewissermaßen das Highlight meines zweiten GBs werden, da ich die Ecken, durch die diese Route führt, noch gar nicht kannte: Skäckerfjällen, Sösjöfjällen, Svenskådalens Naturreservat, Offerdalsfjällen, Gubbdalens Naturreservat. Ich war sehr gespannt!

    Problem an der Sache? Es liegen auf gut 200 km Strecke, die großteils weglos zu bewältigen sind, keine Einkaufsmöglichkeiten. Man könnte sich an vereinzelte Stellen Pakete schicken. Teuer. Und mit Planung verbunden, und man ist nicht mehr flexibel. Usw usw usw. Pakete schicken ist einfach nicht mein Stil. Und so war von Anfang an meine Ausrüstung so geplant, dass ich eben für gut 10-11 Tage autark unterwegs sein kann, wenn ich muss. Heißt, ein größerer Rucksack, die größere Powerbank und nicht alles auf Kante kalkuliert.

    Und so stakste ich mit viel zu schwerem Rucksack von Storvallen aus los. Die Sonne brannte, es war warm und dann ging es auch schon steil bergauf. Bald verlor sich der Weg und dann auch schon die Markierung. Erster Meilenstein ist ein skurriler Ort namens Rensjösätern. Eine Art altes Jagdschloss. In rosa! So steht es da, einsam, mitten in der Landschaft. Kein Weg, keine Strasse führt dorthin. Weit und breit nichts, nur ein See. Der Weg dahin führte mich durch zahlreiche Sümpfe, die ich mal besser und mal schlechter umgangen habe. Man fühlt sich ja magisch angezogen vom Anblick des Anwesens. Und so ist es schwer der Versuchung zu widerstehen und Höhe zu behalten anstatt runter zum See zu gleiten. Dort angekommen habe ich mir eine kleine Pause gegönnt, hörte in der Ferne aber schon die ersten Donner. Irgendwie wurde es mir irgendwann auch mulmig, denn so ganz sicher war ich mir nicht, dass da nicht doch irgendwo irgendwer ist in einem der Gebäude. Hier spuckt es sicher!

    Weit gekommen bin ich nicht mehr. Ich hatte den ganzen Tag schon Probleme Wasser zu finden. Alle Bäche, die auf der Karte eingezeichnet waren, waren eingetrocknet. Eine beknackte Situation. Man starrt den ganzen Tag auf einen riesigen See und hat aber Durst und nix zu trinken. Langsam aber sicher kam das Gewitter immer näher, ich war mir nur nicht sicher, aus welcher Richtung es eigentlich kommt. Irgendwie blitzte und donnerte es ringsum. Nur Wasser, Wasser gab es nirgends. Irgendwann bin ich dann doch noch über ein kleine Pfütze gestolpert, sofort das Zelt aufgeschlagen und kaum war ich drin, hat es auch schon angefangen zu regnen. Geschlafen hab ich nicht gut, weil das Gewitter wirklich Stunden anhielt und es irgendwie um mich herum zu kreisen schien.

    Der nächste Tag verlief eher unspektakulär. Man folgt im Grunde den Markierungen des vinterled nach Medstugan, von dort weiter einem Feldweg zu einer schönen Hütte. Auch alles sehr, sehr schön. Fjäll gemischt mit myrmark (Sump), aber nicht zu schlimm. Man bekommt nasse Füsse aber man kommt ganz gut voran. An der Norra Jaktstugan habe ich überlegt, ob ich es nicht gut sein lasse für heute, bin dann aber doch noch weiter Richtung Storrensjön und hab oben, direkt oberhalb der Siedlung mein Zelt aufgeschlagen. Ein phantastischer Blick über den See und das gesamte Gebiet.

    Am nächsten Tag sah es so aus, als würde es sehr nass werden. Aber so war es nicht. Eine ganz und gar zauberhafte Wanderung. Irgendwann stößt man aber auf ein recht zerklüftetes Tal mit einem tiefen Bach. Das war nicht so ganz einfach, da runter und durch zu kommen. Man kommt zu einem Damm und von dort kann man einem Geländefahrzeugspur folgen. Ich dachte eigentlich, das würde dann ja easy sein und ich würde es locker noch bis Anjan schaffen. War dann aber nicht so. Gerade diese Spur war total versumpft und überschwemmt. Man kam kaum voran. Dabei hatte ich mich aber doch schon so sehr auf ein Essen in der Anjan fjällstation gefreut. Ich hab dann einfach die Zähne zusammengebissen und bin durch. Knapp 35 km. War so gegen 18 Uhr dort. Da waren die schon am Zumachen! Der Wirt (schon weit über 80) hatte aber scheinbar Mitleid mit mir und ich habe noch ein Essen bekomme. Auch ein Zimmerchen hatten sie noch für mich. Die alten Gebäude versprühen einen Charm, wie ich ihn aus alten Bauernhäusern im Bayrischen Wald kenne. Luxus sucht man hier vergebens. Ich hab aber auch gar nicht gesucht. Dafür gab es ein super Frühstück. Ich habe noch einen Amerikaner und einen Deutschen kennengelernt, die auch beide auf dem GB unterwegs waren.

    Der Amerikaner hat mich überredet anstatt eines zero doch einfach einen kurzen Tag zu machen. Er musste aber nach Östersund, weil sein Handy im Arsch war. So sagten wir goodbye dort wo der markierte Weg von der Strasse aus ins Skäckerfjäll startet und ich tapperte gemütlich gen Berg. Ich ging dann wirklich nur über den ersten Pass (sehr schön!!!) bis zu den dahinterliegenden Tümpeln, schlug mein Zelt auf und ging baden. Trocknete mich in der Abendsonne, nackt, weil ich dachte, hier kommt heute eh niemand mehr vorbei. Dann fiel mir aber ein, ich hab noch gar kein Foto gemacht von meinem Zelt und der schönen Kulisse, und gerade als ich fertig bin, sehe ich, wie jemand auf dem markierten Weg, vielleicht 50m entfernt, an mir vorbeispaziert. Ich wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken.

    Vor mir lag nun eine lange Strecke ohne Markierung und Pfaden. Das „Herz“ meines GB, das warum es mir eigentlich ging. Am nächsten Morgen verlasse ich den markierten Weg und ziehe Richtung Norden über einen Pass an dessen Fuße ich gezeltet habe. Wunderschön! Nicht zuletzt dank bestem Wetter. Die Aussicht von oben: grandios auf beiden Seiten! Weiter nordwärts geht es runter in ein querendes Tal, welchem ich westwärts folge. Ich kann mich dem Gefühl nicht erwehren, dass es hier fast wie in der US amerikanischen Sierra aussieht. Die grüne Landschaft gesprenkelt von einzelnen Nadelbäumen, die manchmal in kleineren Gruppen, zumeist aber allein die Weite auflockern. Ich suche vergebens nach Bären. Irgendwann ist es an der Zeit, den Fluss des Tals zu queren. Es ist wie im Buch beschrieben, tief aber praktisch keine Strömung. Das Wasser reicht mir bis zum Arsch. Der Weg hoch über den nächsten Pass ist beschwerlicher als gedacht, und als es dann wieder bergab geht, schwant mir, dass es heute noch recht anstrengend werden würde: dichtes Gebüsch und Birkenwäldchen. Man sieht nicht, wo man hin muss und wie weit es noch ist. Das drückt aufs Gemüt. Ich kämpfe mich voran, hoffend, dass die Richtung schon so ungefähr stimmen möge. Ich sehe, dass es weiter unten, auf der anderen Seite des nächsten querenden Talgangs wohl deutlich einfacher wäre. Das wären aber auch gut 1-2 Kilometer bis dort, ein Umweg. Also weiter durchs Dickicht! „The grass is always greener on the other side“, denke ich mir. Nach und nach entdecke ich immer größere Teilstücke ohne Bäumchen und so komme ich doch irgendwie voran. Je näher ich dem Fluss im Tal komme, desto einfacher wird es. Nach ein paar Stunden ist es wieder die Art von fjällvandring über die man sich freut und weswegen man hier ist. Will es heute eigentlich, der norwegischen Grenze folgend, unbedingt bis zum Gaunan schaffen. Ein Fluss, der schwer zu queren sein kann. Ich will wissen, wie schlimm es sein wird. Im Buch steht was von „Schwimmen“. Was der Grund ist, weswegen alle, mit denen ich gesprochen habe, auf diese Route verzichtet haben.

    Zuerst muss ich aber an einer kleinen Samisiedlung bei einem See vorbei. Weder See noch Siedlung sind zu sehen. Ich prüfe wieder und wieder die Karte. Ohne GPS wäre ich wohl wieder einmal verzweifelt. Schon allein weil der Blick auf die Karte aussieht, als bewege man sich am Rande der Welt. Erst als ich nur noch ein paar hundert Meter entfernt bin, tauchen See und Häuschen auf. Es gilt einen weiteren Fluss zu queren. Auf der Karte ist eine Brücke eingezeichnet, also versuche ich es dort. Von der Brücke sind aber nur noch Trümmer übrig. Der Fluss gleicht aber ohnehin mehr einem Rinnsal. Glück gehabt! Ich passiere das Dörfchen, ein Hubschrauber nähert sich, dreht eine Runde über den See und dreht wieder ab. Komisch! Der Weg durchs „Dorf“ gestaltet sich schwieriger als gedacht. Jörgen Johansson erwähnt, dass man sehr gut auch einfach geradeaus weiter den Talgängen folgen kann. Das sieht mir aber ungemütlich sumpfig aus und so schimpfe ich mich durch Morast auf ATV-Spuren den Berg hoch, vorbei an den Häuschen. Dafür, dass ich langsam eigentlich gern Feierabend machen möchte, komme ich ganz schön ins Schwitzen und Schnaufen. Oben am Kamm folge ich weiterhin der Geländefahrzeugspur. Laut Buch soll sie schwer zu folgen sein. Fand ich überhaupt nicht. Und so folge ich ihr den ganzen Weg bis hinunter an die Ufer des Torrön. Der letzte Abschnitt war dann doch mehr Wasser als Land. Jetzt gilt es, ein trockenes Plätzchen zum Zelten zu finden. Der Platz, den ich mir auf der Karte ausgemalt hatte, direkt am Ufer des Sees, war schon mal ein ziemlicher Reinfall. Zu windig war es dort ausserdem. So stochere ich eine weitere halbe Stunde durch den Wald. Finde schließlich die kleine Hütte, die auch im Buch beschrieben steht. Will aber dort auch nicht bleiben. Gehe ein kleines Stückchen weiter und finde eine wunderschöne Badestelle in einer kleinen Buch, direkt an der Mündung des Gaunans und wie es der Zufall will, auch eine perfekte Zeltstelle mit einem kleinen Feuerring. Auf das Feuer verzichte ich angesichts der Trockenheit, es hat seit Wochen nicht mehr richtig geregnet. Aber das Bad ist herrlich. Ich wasche all meine Klamotten und hänge sie zum Trocknen auf. Mücken und anderes Ungetier gibt es wider Erwarten auch nicht. Einer der schönsten Zeltplätze meiner gesamten Tour. Nicht zuletzt weil es hier Schatten gibt. Schatten!

    Einmal editiert, zuletzt von PositivDenken (30. November 2025 um 11:02)

  • Toller Bericht, danke fürs Mitnehmen!! 🤩🙏👍

    Du hast das TT StratoSpire mit einem 5000mm Boden oder? Wie gut kommst du damit bei nassem moorigem Boden klar? Ist das zuverlässig dicht?

    Ich hab keine Ahnung, was für einen Boden das hat, ehrlich gesagt. Es ist schon etwas älter, also noch Silnylon. Hab das gebraucht gekauft.

    Hatte noch nie Probleme, dass sich da Wasser durchgedrückt hätte. Allerdings vermeide ich es auch tunlichst auf nassem, sumpfigen Boden zu zelten. Auf diesem GB genau einmal gemacht (dachte eigentlich, es wäre trocken). War aber kein Problem. War jetzt aber auch nicht gar allzu nass.

  • 2. Abschnitt: Storlien - Gäddede Teil 2

    Also gut, schreib‘ ich halt auch mal weiter hier. Wo waren wir denn stehengeblieben? Genau, der schöne (der schönste!) Zeltplatz im Wald. Schatten, Badestelle und keine „bromsjävlar“ oder Mücken. Erste Herausforderung des Tages: den Gaunan furten. Im Buch beschreibt Jörgen Johansson die Querung als potentiell schwierig, da man bei hohem Pegelstand gegebenenfalls rüberschwimmen muss. Das führt dazu, dass alle, mit denen ich gesprochen habe, diese Route deshalb nicht gewählt haben. Da es aber wochenlang nicht geregnet hatte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es dieses Jahr sonderlich schwer werden würde. Außerdem, was wäre an Rüberschwimmen eigentlich so unglaublich problematisch? Mal eine neue Herausforderung! Tatsächlich war ich aber ziemlich schnell an der Stelle, wo der Fluss an seiner Mündung eine Bank angehäuft hatte, welche bei hohem Wasserstand der Beginn eines kleinen, aber wohl gefährlichen Wasserfalls sein würde, die jetzt aber eher ein Steg war. Der Fluss glich eher einem Rinnsal, welches es kaum über die Bank schaffte. Ich zog die Schuhe aus und stakste rüber. Man quert eine Schotterstraße und gelangt schließlich zu einer kleinen Hütte. Diese Hütte zu meinem großen Erstaunen, wirklich bildhübsch, in sehr gutem Zustand und praktisch neu, wie ich bald lernen würde. Denn erst setzte ich mich vor der Hütte kurz zu einer Pause hin. Als ich dann aber los wollte, dachte ich „warum nicht testen, ob sie vielleicht doch nicht verschlossen ist“. Wie sich rausstellte, war sie das nicht. Drinnen lag ein Buch, welches erklärte, dass diese Hütte für die Allgemeinheit offen steht, samt einem recht ausführlichem Abriss über die Geschichte dieses Platzes. Eigentlich hätte ich erwartet, dass in besagtem Tourguide so etwas Erwähnung finden würde. Stattdessen ist es wohl eher so, dass er nur ausdrücklich erwähnt, wenn eine Hütte verschlossen ist.

    Von hier ging es steil bergauf. Man folgt der steilen Abbruchkante eines Baches immer senkrecht hoch zum Gipfel bis über die Baumgrenze. Es war mittlerweile schon später Vormittag, die Sonne brannte, die Hitze beginn ihre Wirkung zu entfalten. Und da fiel mir auf, dass ich mir praktisch kein Wasser mitgenommen hatte. Ein Blick in die Karte und mir wurde klar, dass ich so schnell auch nicht an irgendwelches Wasser kommen würde. Ich fühlte mich zusehends mehr und mehr elend. Was tun? Ich beschloss auch ohne Wasser würde mir eine Pause helfen. Ich war total erschöpft und zittrig von der Steigung und dem Kampf durchs Unterholz durch die Bäume. Vielleicht hab ich auch einen Schokoriegel gegessen, ich weiss es nicht mehr. Der Plan war, es über die Baumgrenze zu schaffen, in der Hoffnung, dass es dann nicht mehr so beschwerlich sein würde, sobald ich nicht mehr senkrecht den Berg hoch müsste. Ich würde in flacherem Gelände den Bach queren und dann entweder dort oder an den dahinterliegenden Seen Wasser finden. Das würde ich schon noch schaffen. Denn die Pause hat mir sehr geholfen. Tatsächlich war in dem Bach kein Wasser, auch nicht im größeren Seitenarm, der in der Karte verzeichnet ist. Letzten Endes musste ich bis zu einem der größeren Seen, welcher aber mehr ein sumpfiger Tümpel war als ein See. Das Wasser war pisswarm. Ich ging trotzdem baden, nachdem ich getrunken hatte, und machte ein kleines Päuschen in der Sonne. Es ging mir besser, aber gut nun auch wieder nicht.

    Das nächste Ziel war Hösjöbäcken. Die Routen-Erklärung im Buch ist eher etwas dürftig, ich hab sie bestimmt fünfmal gelesen und konnte mir immer noch keinen Reim draufmachen, wie genau das alles gemeint ist. Irgendwann wurde es mir zu dumm und ich hab einfach direkt Richtung der Bachniederung abgedreht, auch wenn es vielleicht bedeuten würde, dass ich dann zu viele Höhenmeter verliere und mich wieder nach oben kämpfen musste. Svenskådalens Naturreservat, die Gegend, das gesamte Tal, eingebettet in spärlich bewaldete Berge, war sagenhaft schön. Wild, unberührt, frei! Das alleine weckte in mir das Gefühlt mich nicht weiter von irgendwelchen Buchbeschreibungen gängeln zu lassen und meiner Intuition freien Lauf zu lassen. So lange es bergab ging, war diese Route auch geradezu phantastisch schön. Der Flusslauf, die Bäume, die Wiesen. Die Sümpfe vielleicht nicht so. Die Querung war dann aber schon nicht mehr so lustig und als ich sah wie es auf der anderen Seite wieder bergan ging, über steile Hänge mit Dickicht und umgefallenen Bäumen überall, fand die Begeisterung ein jähes Ende. Durch Sümpfe und dichten Wald kämpfte ich mich nach und nach ungefähr auf die Höhe zurück, welche in der Buchbeschreibung empfohlen wird. Wirklich besser war es dort aber auch nicht. Man sollte irgendwie die Höhe halten und sich dann einen Weg durch den Wald, entlang eines Berges bis nach Edevik, einem Einsiedler, suchen. Das Buch ist, wie sonst auch, an Worten karg und Anweisungen vage. Es ist aber von einer Quadspur die Rede, welche es zu finden galt. Je tiefer ich in den Wald tauchte und je mühsamer es wurde, umso unwahrscheinlicher hielt ich es, diese jemals zu finden. Ich hangelte mich von Lichtung zu Lichtung. War mir sicher, dass ich hier total falsch war. Eines sollte ich vielleicht noch erwähnen an dieser Stelle: ich hatte es mir zur Aufgabe des Tages gemacht, kein GPS, kein Smartphone zu benutzen. Karte und Kompass war die Devise. Allerdings hatte ich nur eine Karte im Maßstab 1:100.000. Was dem Unterfangen nicht zuträglich war. Eigentlich war ich gerade ganz kurz davor, das Handtuch zu schmeißen und das Handy rauszuholen, da tauchte eine weitere Lichtung vor mir auf. Ich dachte mir, na gut, diese eine Lichtung noch und dann, wenn du wieder nichts siehst, dann schau halt mal nach, wo wir sind. Am Ende der Lichtung sehe ich aber plötzlich irgendeine hölzerne Konstruktion. Als ich näher komme, sehe ich, dass es eine kleine Brücke war, die über einen Bach führte. Mein Hirn arbeitet immer sehr langsam, müsst ihr wissen. Ich dachte mir erst nichts dabei. Bis mir dann auffiel „moment mal, das bedeutet ja sowas wie Zivilisation!“. Und tatsächlich, es war die Quadspur. Ich hatte sie gefunden und konnte ihr nun bis nach Edevik folgen. Easy! Mir graute aber etwas, denn bislang war es oft so, dass man diese Spuren auch ganz schnell wieder verlieren kann. Tatsächlich war diese aber relativ leicht zu folgen. Nur scheinbar unendlich. Der Weg bis Edevik zog sich und zog sich. Ich konnte es fast nicht glauben und begann zu denken, ich wäre hier doch irgendwie falsch. Plötzlich stand ich aber doch vor einer kleinen Scheune. Ich schaute hinein, die Türen standen offen, und zurück glotzte eine Herde Schafe, die mich verwundert anblökte. Bis zum Hof selbst war es noch ein gutes Stück. Ich sah den Bauern schon von der Ferne auf einem kleinen umzäunten Gehege Heu recheln. Sein Hund nahm von mir keine Kenntnis und so war ich ihm auch nur ein Wink aus der Ferne wert. Seltsam. Ich hatte seit Tagen niemand gesehen, ein kurzes Hallo wäre schon irgendwie nett gewesen.

    Ich folgte der Schotterstraße durch die Abendhitze. An deren Ende ist ein Fluss und eine Brücke. Vielleicht zelte ich dort einfach und gehe baden? Es gab dort einen schönen Rastplatz mit Tisch und Bänken. Ich hab erstmal Pause gemacht im Schatten und etwas geschlafen. Einen Zeltplatz entlang des Flusses suchte ich aber vergebens. Zu viele Steine oder nur Sumpf. Resigniert zog ich weiter. Ein paar Meter später entdecke ich einen richtigen Zeltplatz. Da steht aber schon ein deutsches Wohnmobil und beansprucht den ganzen Platz für sich. Wollte nicht klopfen und fragen, ob ich mich dazuquetschen kann. Autos! Ich hatte mich innerlich ohnehin schon darauf eingestellt, noch ein gutes Stück weiterzugehen. Ich wollte es bis an den Fuß des Sösjöfälls schaffen.

    Die Schotterpiste endet an einer richtigen Teerstraße. Dort sollte man, wenn ich das Buch richtig verstanden habe, einfach gerade aus weiter. Ich sah aber nur dichten Wald und einen Steilhang. Ist das sein ernst? Ich schaue auf die Karte. Im Weg steht eigentlich nur ein länglicher Hügel, über den man rüber muss, um dann einem Bach zu folgen. Ich könnte natürlich auch einfach aussen rumlaufen. Könnte. Wenn es aber doch so im Buch steht! Also hab ich mich doch über diesen Hügel gekämpft. Es war unwürdig. Letztlich kam ich aber doch am Bach an und began ihm aufwärts zu folgen. Im Grunde unglaublich schön. Wäre es auf diesem sumpfigen Untergrund nur nicht so wahnsinnig anstrengend. Und das alles dann auch noch bergauf. Letztlich führte das dazu, dass ich dem Bach, der Anfang sich aus immer mehr und mehr Ästen zu gestalten, immer weiter östlich folgte. Ich musste aufpassen, nicht zu weit abzudriften. An genau welchem Seitenarm ich eigentlich war, wusste ich nicht. Aber bald konnte ich die Gipfel des anvisierten fjälls sehen und identifizieren. Und so war es letztlich nicht mehr allzu schwer, Richtung zu halten. Total erschöpft fand ich oberhalb der Baumgrenze, als das Gelände endlich anfing abzuflachen, am Fuße des fjälls eine geeignete Stelle zum campen. Die Nacht war furchtbar.

    2 Mal editiert, zuletzt von PositivDenken (24. Dezember 2025 um 09:11)

  • Und noch so eine mega Reisebericht aus dem Fjäll. Ein Traum! Ich denke, die Tour ist eine Nummer zu groß für mich, um so mehr freue ich mich, dass du deine Erlebnisse mit uns teilst. <3

    ... und bitte bitte bald den Cliffhanger auflösen! 8|

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