Wandern in Deutschland nervt, Alternativen?

  • Neben all den Dingen, über die man nicht reden darf (Forenregeln), geht mir darüber hinaus Deutschland im Bezug auf Wandern gerade so richtig auf die Nerven.

    Ich wollte eigentlich den Westweg laufen (schon im Oktober, gab ja einen entsprechenden Forumseintrag).
    Allerdings war die Natur so zugemüllt und die (deutsche) Mentalität/Haltung kotzt mich an.
    Alles ist zugerammelt, ob Hütten, oder Toiletten oder eben zugeschissen, weil die Menschen zu blöd sind ihre Hinterlassenschaften mitzunehmen.
    Es hat mich so gefrustet, dass ich nach schon zwei Tagen wieder nach Hause gefahren bin.

    Das war jetzt ein weiterer Anlauf, den ich frustriert abgebrochen habe.

    Deshalb wende ich mich nun an euch, vielleicht habt ihr ja Tipps, wie man das Ganze entspannter angehen kann, oder gar Alternativen im "Ausland", bei denen auch das Wildcampen weniger "Grauzone" ist. Ich wohne im Süden Deutschlands in der Nähe von Stuttgart.

  • Tja, dann solltest du ins Ausland. In meiner Erfahrung sind Menschen international zwar ähnlich boniert. Streng genommen kommt man in D, da reiche, gut organisierte Industrienation, sogar teilweise noch besser weg. Aber im Ausland versteht man sie nicht, was sie automatisch symphatischer macht. Und ja, es gibt deutlich herzlichere Völker als die Deutschen - ich schiebs ja immer aufs Wetter. ;)

    Fahr nach Norwegen. Flieg nach Oslo und nimm den Bus weiter. Es gibt dort grosse Flächen wo es nichts gibt ausser Natur. Keine Klos, ein paar offene Schutzhütten, Du darfst (fast) überall Zelten und wenn Du Holz findest sogar Feuer machen. Ich würde Norweger jetzt auch nicht alls sprudelnden Quell von Herzlichkeit beschreiben, aber die man am Trail trifft sind nett und man spricht hervorragend Englisch. Die Preise sind knackig, oft einfach das doppelte, aber Du brauchst eh nicht viel und musst autark durch, ich nehm das meiste Futter mit aus D.

    Hier war es zB cool, ich hab noch ein paar Schleifen eingelegt

    Trekanten - Hiking tour in Trollheimen mountain area
    <p>Suitable for children from age 10 - 12 on. <br/><br/>Day 1: We`ve chosen to  describe the tour starting with arrival at the Gjevilvasshytta of an evening.…
    www.visitnorway.de

    2 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (1. April 2025 um 06:07)

  • Du. brauchst nicht mal ganz so weit fahren.

    Dänemark, unser direkter nördlicher Nachbar, macht es uns vor, wie es sein könnte!

    Von der deutschen Grenze, bis nach Skagen, im hohen Norden des Landes, giebt rs tausende Shelter im Land, fast alle mit Feuerstelle und meistens sogar mit gehacktem Holz vor der Hütte.

    Kompostklos sind auch immer da und manchmal sogar fließend Wasser!

    Zugemüllt?

    Nur in der direkten Umgebung von Großstädten sind diese Plätze häufig mit Graffiti und Müll überzogen, im rest des Landes sind sie Picobello sauber und gepflegt.


    Das ist eine App, in der alle Shelter, legale „Wildcampingplätze“, Toiletten, Wasserhähne etc… angezeigt werden!

    Ist total super!

    Einzig die Landschaft ist natürlich das Gegenteil von bergig!

  • Solltest Du tatsächlich Interesse haben Deine Beziehung zu deinem Land & Leute zu kitten, sehe ich zwei Möglichkeiten:

    • Die Aufwändige: lebe mal für mehrere Wochen oder Monate in einem anderen Land und lerne die Sprache. Setz dich mit Land, Kultur und den Menschen die dort leben auseinander. Du wirst sehen das es an sich nur anders ist. Dinge die dich hier nerven sind dort kein Problem, aber dafür gibt es anderes was halt nur nervt usw
    • Die weniger aufwendige: gehe mal offen & freundlich auf die Menschen zu denen du auf deinem Trail begegnest. Sprich sie an mit einem freundlichen Lächeln. Es klappt nicht immer, aber oft ist man verwundert welch freundliche Persönlichkeit sich hinter der grauen Fasade verbirgt. Denen gehts auch nicht anders als Dir. Es muss halt nur mal einer anfangen 
  • Deshalb wende ich mich nun an euch, vielleicht habt ihr ja Tipps, wie man das Ganze entspannter angehen kann, oder gar Alternativen im "Ausland", bei denen auch das Wildcampen weniger "Grauzone" ist. Ich wohne im Süden Deutschlands in der Nähe von Stuttgart.

    Mit der Schweiz und Frankreich quasi vor der Haustür gibt es doch schon recht Auswahl ?


    Den Tip von WonderBär kann ich nur unterschreiben. Lerne die jeweils lokale Sprache (ausser schwitzerditsch, das kommt meist nicht so gut an - und bei den Wallisern hab ich es längst aufgegeben, Ihren Lokalkolorit irgendwann zu verstehen).

  • Moin!

    Ich habe nur mal eben einen Blick auf die Seite vom Westweg geworfen.
    Das, was es da auf den Fotos an Publikumsverkehr zu sehen gibt, würde mich schon abschrecken.

    Irgendwann vor vielen Jahren habe ich aufgegeben, in D längere Strecken zu wanden und dabei frei übernachten zu wollen. Heute glaube ich allerdings, dass es durchaus möglich ist, sich auch bei uns eine schöne und niedrig frequentierte Strecke herauszusuchen.

    Beim Paddeln habe ich festgestellt, dass sich die „kalten“ Jahreszeiten bestens dazu eignen, um beim freien Übernachen unbehelligt zu bleiben.
    Würde ich heute eine Wanderstrecke in D planen, wären für mich alle Hauptwege tabu. (z.B. Wie gehe ich den Westweg ohne den Westweg?)
    Das führt natürlich dazu, dass man mehr Zeit für »die Strecke« braucht, aber da es mir nicht um eine möglichst schnelle Verbindung von A nach B geht, wäre mich das egal.
    Mit den „Umwegen“ wird so eine Wanderung wahrscheinlich zusätzlich deutlich spannender. ;)

    VG. -wilbo-

  • Innerlich habe ich wohl mit dem Weitwandern in Deutschland abgeschlossen aus den oben genannten Gründen, wollte mir das nur nicht eingestehen. Wird wohl auf die von euch genannten Alternativen hinauslaufen.
    In D, dann nur noch Tagestouren ohne Übernachtungen.

    Möchte an der Stelle noch anmerken, dass es mir um die Grundhaltung und Metaeinstellung geht, als um direkten Kontakt mit Menschen, da ich da nicht so die Probleme habe oder sehe.

    Die Idee von Wonderbär ist zwar löblich, aber unrealistisch. Wir reden hier von einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten oder Generationen um da tatsächlich etwas zu ändern. Das ist mir zu anstrengend.

  • Die Idee von Wonderbär ist zwar löblich, aber unrealistisch. Wir reden hier von einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten oder Generationen um da tatsächlich etwas zu ändern. Das ist mir zu anstrengend.

    Wie steigt man auf einen Berg?

    Stetig. In kleinen Schritten. Ausdauernd.

    Was bringt uns auf einen Berg?

    Alleine der Glaube ihn zu erreichen

  • Erstmal die Antwort auf deine eigentliche Frage:

    Das naheliegendste dürfte von dir aus Frankreich sein, Wildcampen weitestgehend erlaubt, selbst in Nationalparks oft "bivouac" und dort wo es untersagt ist finden sich oft pragmatische Lösungen (Zelten an einer Hütte, Biwakplatz), die französische Lösung Verbote lediglich als Handlungsempfehlungen zu betrachten lassen wir mal außen vor 😁.

    Deine Einstellung zum Wandern in Deutschland finde ich eigentlich traurig, mir würde die Möglichkeit einfach mal schnell raus zu kommen sehr fehlen. Westweg und Schwarzwald sind natürlich auch die absoluten Tourihotspots, fand ich teilweise auch etwas merkwürdig, ich würd's an deiner Stelle mal was einsameres probieren, z.B. Westerwaldsteig, den fand ich cool.

  • Hallo zip,

    Deutschland ist definitiv nicht mein bevorzugtes Land zum Wandern (genauer Trekking). Aber in Deinem Fall habe ich den Eindruck, dass Du es schlicht viel zu touristisch an gehst. Wenn Du das machst, was alle anderen machen, bist Du eben auch in der Gesellschaft aller Anderen.

    Vielleicht besorgst Du Dir mal die Liste der sogenannten "Premium-Wanderwege" in Deutschland und benutzt diese für Deine Aktivitäten als Ausschlussliste. Schon mit dieser Maßnahme wird sich Dein (Natur-)Erlebnis in Deutschland vermutlich schon erheblich verbessern. Überhaupt gibt es keinen Grund, definierten Wanderwegen zu folgen. Es erleichtert aber natürlich die Planung.

    Man muss einfach berücksichtigen, dass wir in Deutschland einen starken Trend zum Abhaken von "Highlights" haben, ohne sich mit der geplanten Aktivität ernsthaft zu befassen. Mit dem Auto hin, schnell besichtigen oder "ablatschen", was man gesehen haben "muss" und zack zurück ins Auto. Achte einfach bei jedem gewöhnlichen Spaziergang mal darauf, was passiert, wenn Du in die Nähe eines "Wanderparkplatzes" kommst und wie es sich verhält, wenn Du nur wenige hundert Meter weiter bist ...

    Viele Menschen dort sind auf das (auch nur kurzzeitige) Verlassen der Zivilisation nicht vorbereitet. Wenn dann nicht ständig die gewohnte Zivilisation (öffentliches WC, etc.) in der Nähe ist, kacken und müllen die dich in ihrer Not schlicht zu. Klingt hart, aber sie wissen sich nicht anders zu helfen. In Deutschland lernt man das Verhalten in der Natur standardmäßig nicht. Da wird man schonmal davon überrascht, dass das, was oben reingesteckt wurde, unten wieder raus muss. Und da das alles so überraschend ist, hat man natürlich auch keinen Müllbeutel dabei.

    Es hilft auch schon viel, wenn Du in Deutschland die Schönwettersaison meidest (ab 30% Regenwahrscheinlichkeit wird das Auto eher nicht mehr verlassen). Ich bin z.B. im Oktober 24 noch den Heidschnuckenweg mit Zelt gegangen und hatte eine schöne, ruhige und meist einsame Zeit; feucht und kühl halt, aber man kann nicht alles haben.

    Ansonsten ist Skandinavien auch für mich ein Sehnsuchtsort geworden. Aber es gibt in Europa sehr viel zu entdecken. Nur eben nicht gerade da, wo die vermeintlichen "Must See" Ziele sind.

    Viele Grüße

    Marcus

  • Würde mich meinen Vorrednern bzgl. wandern in Deutschland anschließen. Es hilft zur Hochsaison die überlaufenen Wege zu meiden, dafür sind sie in der Nebensaison umso schöner und einsamer. Selbst auf dem Westweg wirst du zwischen Oktober und März nur wenigen Menschen begegnen (auch wenn ihre Hinterlassenschaften leider trotzdem zu finden sein werden). Gerade die ersten Etappen des Westweges verlaufen gefühlt stets im Spazierradius der umliegenden Städte und Dörfer. Bei einer solchen Zivilisationsnähe ist es leider "normal" so viel Müll zu sehen. Im Ausland würde ich das übrigens ähnlich einschätzen. Je näher die Trails an der Zivilsation sind, desto mehr Pipitücher und Müll wirst du am Wegesrand entdecken.

    Bei der hohen Bevölkerungsdichte in D sowie dem hohen Anteil der Outdoorenthusiasten ist es natürlich schwierig bis unmöglich unberührte Plätzchen zu finden. Wobei es im Hinblick auf Müll wie so oft nur eine ignorante Minderheit ist, die es wortwörtlich für den Rest versaut. Und die meisten davon begreifen schlichtweg nicht die Konsequenzen ihres Handelns, sind also inkompetent und nicht böswillig. Auf der Gegenseite kenne ich genügend Menschen, die ihre zivilisationsnahen Tageswanderungen und Overnighter eigentlich immer mit größerer Mülltüte und Einweghandschuhen bestreiten und so die Wege sauberer zurücklassen als sie sie betreten.

  • Liste der sogenannten "Premium-Wanderwege" in Deutschland und benutzt diese für Deine Aktivitäten als Ausschlussliste.

    Genau, wollte ich auch gerade schreiben. Ich bin immer froh, wenn alle Premiumwandern, nach Venedig rammeln oder sich auf Kreuzfahrtschiffen einsperren lassen, dann trifft man im Wald auf den schönen Wegen nur noch Gleichgesinnte :D

  • Liste der sogenannten "Premium-Wanderwege" in Deutschland und benutzt diese für Deine Aktivitäten als Ausschlussliste.

    Genau, wollte ich auch gerade schreiben. Ich bin immer froh, wenn alle Premiumwandern, nach Venedig rammeln oder sich auf Kreuzfahrtschiffen einsperren lassen, dann trifft man im Wald auf den schönen Wegen nur noch Gleichgesinnte :D

    Das brachte mich zum Schmunzeln (-:

    Ich denke ich werde vorerst auf Fernwanderungen in D verzichten und auf Tagestouren umschwenken. In der Hauptsaison bin ich sowieso nicht (hier) unterwegs, weil mir das dann zu voll ist.

  • 100%. Es ist wirklich ab und an ein Kulturschock. Kaum ist ein "höchster", "schönster" oder sonstwas mit nahegelegenem Parkplatz am Weg, hilft oftmals nur Scheuklappen ausfahren und schnell durch und zurück in die Einsamkeit. Ist aber anderswo auch nicht zwingend besser. Z.B. in Frankreich an unterschiedlichen Stellen schon ganz ähnlich erlebt.

  • Die Idee von Wonderbär ist zwar löblich, aber unrealistisch. Wir reden hier von einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten oder Generationen um da tatsächlich etwas zu ändern. Das ist mir zu anstrengend.

    Mir ging es aber tatsächlich auch weniger darum die Welt zu ändern, sondern vielmehr die innere Einstellung. Wenn Du den Menschen mit einem Lächeln begegnest werden sie (mache) zurück lächeln. Wenn Du Dich dann mit ihnen unterhältst fällt Dir ggf auf, dass sie ganz nett sind. Das wird die Wahrnehmung Deiner Umgebung sicher ins positive verwandeln. Wenn Du mit der Verachtung die oben beschreibst durch die Lande ziehst, was erwartest Du wie man hier auf Dich reagiert? Mit Liebe und Glückseligkeit? An sich kannst Du die Welt nicht ändern, sondern leider nur Dich selber.

  • Die Idee von Wonderbär ist zwar löblich, aber unrealistisch. Wir reden hier von einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten oder Generationen um da tatsächlich etwas zu ändern. Das ist mir zu anstrengend.

    Mir ging es aber tatsächlich auch weniger darum die Welt zu ändern, sondern vielmehr die innere Einstellung. Wenn Du den Menschen mit einem Lächeln begegnest werden sie (mache) zurück lächeln. Wenn Du Dich dann mit ihnen unterhältst fällt Dir ggf auf, dass sie ganz nett sind. Das wird die Wahrnehmung Deiner Umgebung sicher ins positive verwandeln. Wenn Du mit der Verachtung die oben beschreibst durch die Lande ziehst, was erwartest Du wie man hier auf Dich reagiert? Mit Liebe und Glückseligkeit? An sich kannst Du die Welt nicht ändern, sondern leider nur Dich selber.

    Ich gehe noch einen Schritt weiter. Den einzigen Moment in dem ICH die Welt tatsächlich nachhaltig verändern kann ist genau der Moment wenn mir ein echtes Lebewesen, (dazu zählen auch Menschen) gegenübersteht und ich mit diesem Lebewesen interagieren kann. Näher dran oder roher wird es nicht. Darauf wollte ich überhaupt nicht hinaus, da ich da fast nie Probleme habe.

    Es ging mir eher um die Ignoranz und generell Haltung im Bezug auf verrammelte Hütten, Umgang mit Natur, usw.

  • Die Vogesen sind doch ein Katzensprung von dir entfernt. Perfekt für ein Weekender. Ich wünschte ich würde so nahe an den Vogesen wohnen... Gut ausgeschilderte und geführte Wanderrouten in unglaublicher Anzahl. Mit dem Zug nach Straßburg von dort mit Regionalbahn zum gewünschten Ausgangsort. Rundtour oder A-B Tour, alles ist möglich.

    Im Gegensatz zu den viel begangenen Wanderwegen in den bayerischen Voralpen fand ich die Vogesen viel sauberer. Und ich bin inzwischen schon fast einmal ganz durch plus einige Nebenrouten. Selbst an den meisten Unterständen fand ich es sauber. Wenn dann wurden leere Alkoholflaschen zurück gelassen. Je näher an einer Straße desto eher gab's Müll. Aber mit Zelt ist man ja nicht auf die Infrastruktur angewiesen.

  • Ich schließe mich auch meinen Vorrednern an und würde sagen, das Problem ist vor allem die Routen- und Zeitwahl. Dass die klischeehafte deutsche Mentalität manchmal sehr unangenehm sein kann, würde ich sofort unterschreiben - aber erstens trifft eine solche Generalisierung nicht auf jedes Individuum zu, und zweitens kann dir sowas auch im Ausland passieren (meine mit Abstand unangenehmste Begegnung mit Deutschen im Sinne der Klischees (regelversessen, besserwisserisch und pedantisch) habe ich z.B. in Peru auf dem Huayhuash Trek, als ich den solo gemacht hab, erlebt).

    Insofern würde ich auch empfehlen - einsamere Routen und Jahreszeiten wählen, und ansonsten ins (nahe Ausland) ausweichen, wie schon empfohlen wurde. Aber auch inmitten Deutschlands gibt es relativ einsame Routen, wenn man Jahreszeit und Ort richtig wählt, z.B. habe ich auch schon Routen im Elbsandsteingebirge gemacht, wo ich zwei Tage fast niemanden getroffen habe.

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