Jotunheimen / Marka - Norwegen 2026

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  • Ursprünglich wollte ich ja in die Hardangervidda. Allerdings war Wochen vorher schon das Wetter so schlecht, dass ich mir einen Plan B gesucht habe und dann doch die eh schon lange geplante Tour in Jotunheimen angegangen bin. Ich war da 2020 mal als Trekking Newbie und hab aufgrund von Gewitterwarnung abgebrochen (es hat dann Nachts auch 2 mal leise gegrummelt >augenroll<).

    Zusammengefasst - wegen dem Wetter hat die Umplanung keinen Sinn gemacht X( Aber dazu später mehr. Zunächst mal:

    Nützliche Links

    Anreise

    Wie immer Direktflug über Oslo. Vom Flughafen muss man übrigens NICHT die Flytoget Aiport Express Train nehmen, sondern kommt für die Hälfte (!!) mit der S Bahn (2 min langsamer!!!) ans Ziel. Einfach den Flytoget Schalter/Eingang am Fluhafenausgang ignorieren und 20m weiter hinten ein S Bahn Ticket kaufen.

    War dann noch im XXL Trockenfraß kaufen (das Zeug kostet in Norge an sich das selbe wie in D-A mittlerweile) und noch im Jernia wegen Rødsprit. Hab dann in Oslo übernachtet und meinen für 25€ bei Willhaben erstandenen 70l Hartschalenkoffer auch dort im Hotel bis zu meiner Rückreise gelassen. Finde ich so beim fliegen stressfreier. Passt alles rein, vom Rucksack über die Bergschuhe bis zu den Trekkingstöcken und man hat kein gef**ke mit der Security.

    Nach Jotunheimen (genauer Gjendesheim) geht vom Busbahnhof mehrmals täglich der NW150, habs über Entur gebucht. Dort gings dann pünktlich um 9:00 mit einem Halbvollen Bus los. Dauert grob 4,5h und ist stressfrei. Zum Futtern in Oslo verschlägt es mich übrigens regelmäßig (eher Mittags) seltsamerweise hierher, Bier ist günstig und die Burritos sind gut, ansonsten halt echtes Fastfood ---- und das Bezahlsystem kann einem durchaus auf den...wtf

  • Gjendesheim - Memurubu

    Grob um 14:30 "lande" ich in Gjendesheim. Raus aus dem Bus und erst mal trailfertig machen. Es weht ein knackiger, kalter Wind. Nachdem es oben den Grat lang gehen soll, nehme ich noch etwas mehr Wasser mit (habe einen halben Liter fürs laufen geplant weil eh immer Wasser da, aber hab noch die 2l Faltflasche bei wegen Camp). Es geht rauf auf dem Berg, und nein, alleine ist man nicht. Es kommen einem ca 10 Leute pro Minute entgegen. Mir war klar dass es hier nicht einsam ist weil schön, aber das? Später erfahre ich, daß der Besseggen ziemlich promoted wird. Norwegen hätte die Touris gerne gesammelt an wenigen Plätzen. Fuck. Macht Sinn. Nur grad eben nicht für mich X/ . Es geht ein Stück mit Ketten hoch. Dann fängt es zu nieseln an. Ungläubig starre ich auf mein Handy. Es sollte hier doch nicht regnen? Aber das Wetter scheint hier eher unkalkulierbar zu sein. Es geht erst steil nach oben, dann oben den Grat lang. Landschaftlich teils Mordor-esque. Steine, Moos & Flechten. Ein Regenbogen überspannt die unwirkliche Szene. Gelegentlich reißen die Wolken auf und geben einen großartigen Blick über den See Gjende und die Landschaft dahinter. Und immer wieder spült es einem die Horden entgegen. Wo kommen die alle her?? Beim Veslfjellet ist es so neblig, dass ich mich beinahe verlaufe. Es geht runter zum Besseggen und ab da wirds fies. Es ist schon nach 5 und die Horden sind nur noch vereinzelte Wanderer geworden. Es nieselt mit knackig Wind im Gesicht, nebelig. Ich bin froh um die Handschuhe. Es hat sicher kaum 5°C. Und dann geht der Besseggen Grat los. Eher weglos geht es nach unten, Klettern auf allen Vieren, Rückwärts, keine Ketten. Wenn man ausrutscht fällt man tief. So 400m? Da kannst Du nur noch ein Kreuzerl hinterher schmeißen. Meinefressealter. Ich bin dankbar die Bergschuhe dabei zu haben. Durch die verregnete Brille habe ich kaum Sicht & klettere elends langsam hinunter. DAMIT hab ich nicht gerechnet. Höhe ist nicht wirklich meines. Schon gar nicht bei dem Wetter. Zwischendrin beschließt etwas in mir nicht mehr weiter gehen zu wollen, FUCK, aber die Alternativen sind nicht besser. Irgendwann komm ich unten an. Wo ist der Schnaps wenn man einen braucht? Wäre eh Consumables?? Ursprünglich wollte ich mich vor dem Westwind in dem darauffolgenden Tal verstecken. Aber es ist 18:00 und ich bin mental erst mal angeschlagen. Und das am ersten Tag. Ich suche das Ufer des Sees Bessvatnet ab und finde ein paar Campplätze. Auf einer windgeschützten Stelle baue ich mein Zelt auf und koche mir was getrocknetes. Kann es sein dass Rødsprit nicht ganz so viel Bums hat wie Brennspiritus? Oder es liegt an den 9°C :/. Es nieselt immer wieder die ganze Nacht, ab und zu peitschen Böhen in den sonst windstillen Stellplatz.

    Die Nacht war trotz Niesel im neuen Quilt schön angenehm und wohlig. Es gibt Kekse und Kaffee, dann packe ich das nasse Zelt ein und los gehts. Auf den höheren Lagen scheint es geschneit zu haben. Die Gipfel sind pudergezuckert. Man läuft noch 1h einsam, dann kommen die ersten. Immer wieder genialer Blick auf die anderen Seite. Spätestens beim Weg runter nach Memurubu steht man wieder in den Horden. Wie schaffen die das alle über den Grat? Und wissen die auf was sie sich da einlassen? Familien mit Kindern, Hunde?? Und kein Hubschrauber soweit. Krass. Je näher man zur Hütte kommt desto besser wird der Weg. Nepalesische Sherpas werden eingeflogen um handgeschichtete Treppen anzulegen. Sieht aus wie von Riesen gefertigt. Unten bestell ich mir was zu futtern. Es nieselt immer wieder. Noch Wasser auffrischen, und es geht wieder weiter, grob um 13:00

    P.S.: solltet ihr den Besseggen Grat laufen wollen, rate ich euch in die andere Richtung zu gehen, dann steigt man die schwierigen Stellen auf, was leichter ist. Man kann von Gjendesheim nach Memurubu mit dem Schiff fahren

    8 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (16. August 2026 um 18:22)

  • Mit dem Schiff fahren ist, wenn man die Massen vermeiden will ne ganz schlechte Idee. Man steigt aus und alle laufen gleichzeitig los.

    Find ich ganz übel.

    Wir sind damals lange bevor das erste Schiff fuhr los. Da sind uns nur ganz am Schluss die ersten entgegen gekommen. Auf dem grat waren wir so gut wie allein. Auch auf dem Uferweg zurück war fast niemand.

  • Memurubu - Gjendebu

    Aus der Hütte raus, über die Brücke und unten die Muru lang. Die obere Strecke kannte ich noch von 2020. Man geht ein kleines Stück und es fängt wieder zu regnen an. Garstig mit Gegenwind. 7°C, ich bin froh um meine Handschuhe. So laufe ich durch das wolkenverhangene Tal. Nerv. Hier sollte das Wetter doch passen? Nachdem ich auf den letzten Touren eins, zwei, und drei schon ziemlich "ins Wasser gefallen" bin, hab ich nur bedingt Lust wieder Tage durch den Regen zu laufen. Ich denke über einen Plan B nach - ggf Duschen und Zelt trocknen, den regen aussitzen? Ich plane einen Umweg zum Hotel Bygdin Høyfjellshotell zumachen, das ließe sich mit der Fähre von Eidsbugarden doch gut erreichen?

    Der Weg zieht sich langsam durch das Tal, gewinnt immer weiter an Höhe. Nach einer Kurve geht es hoch und man landet auf einer Hochebene. Und hier das erste mal Rentiere. Hier hatte ich das letzte mal auch schon welche gesehen. Als sie mich bemerken hauen sie ab. Der Regen hat aufgehört, es gibt einen Snack und weiter gehts. Ich entschließe mich gegen die steile Passage nach Gjendebu runter und laufe außen rum. Das Wetter wird wieder schön und die Sonne kommt nochmal raus. aber es zieht sich. Ich will noch runter ins Tal um mich etwas vor dem angesagten Westwind zu verstecken. Es ist schon nach 19:00 als ich unten ankomme und ich finde einen super Zeltplatz

    Die Nacht war unspektakulär. Ich will früh los, es gibt die letzten Kekse mit Kaffee, Zelt zusammenpacken und weiter gehts nach Gjendebu. Ein kleiner Wald fängt an. Kühe grasen und sehen mir nach. Als ich nach Gjendebu rein laufe ist es erst 7:00 und die ersten brechen auf.

    Einmal editiert, zuletzt von WonderBär (16. August 2026 um 11:06)

  • Gjendebu - Eidsbugarden / Bygdin

    Der Plan wäre wie gesagt gewesen die Fähre nach Bygdin von Eidsbugarden noch zu bekommen. Leider war die Homepage der Fähre eher verwirrend (sie scheinen das angepasst zu haben). Laut Mapy brauche ich 6h nach Eidsbugarden, erfahrungsgemäß habe ich in dem Terrain aber gerne mal einen Fehler von bis zu 30%, was dzu führt dass ich die Beine in die Hand nehme. Gefühlt um 15:00 soll ich da sein. Der Weg führt zuerst angenehm sanft nach oben. Zuerst durch ein kleines Briken-Wäldchen, später Wiesen. Man fühlt sich fast wie auf der Alm. Immer den Bach entlang. Selbiger möchte irgendwann gequert werden, was bei der Tiefe aber kein Problem dar stellt. Links die Gipfel pudergezuckert und mit große Schneefeldern. Oben erstreckt sich eine Hochebene. Es geht über Wiesen angenehm "chillig flowig". Die Lust auf Bier & Dusche treibt mich voran. Zum Mittagessen gibt eine kleine Packung Nüsse und einen Schokoriegel. Immerwieder Bäche zum queren, teils recht mächtige. Man suche sich einen Weg über Steine. Ich bin wieder mal dankbar über die wasserdichten Bergschuhe. Die Sonne scheint zur Abwechslung, ich versuche mich in meinem Sunhoody zu verstecken, man bekommt hier gefühlt deutlich leichter einen Sonnenbrand als in D-A.

    Langsam geht es nach unten, zum Schluss noch ein reisender Bergbach der mit einer Hängebrücke gequert wird. Parallel zu einem Wasserfall geht es nach unten und Eidsbugarden ist zu sehen. Nach drei Tagen hat es endlich mal wieder Internet. Ich buche ein Zimmer im Hotel, jetzt muss ich nur noch die Fähre erwischen. 13:00 ist es, klingt machbar. Es geht den See entlang, der Weg ist teils recht sumpfig und zieht sich unspektakulär. Eidsbugarden selbst ist eher eine Ansammlung mit Touristenhäuschen, einer DǸT Hütte und einem Hotel. Die DNT Hütte serviert mir einer der Besten Burger meines Lebens. Wow. Es gibt noch Kuchen den ich draußen verschnabbuliere während ich das Zelt in der Sonne trockne. Um 15:00 gehts runter, die Verdränger Fähre aus den 20er bringt mich grob um 15:30 rüber auf die andere Seite im See. Den Käpt'n werde ich noch beim Abendessen kennen lernen. Dann Einchecken. Duschen & Klamotten waschen. Der Trockenraum im Erdgeschoss tut seine Dienste gut. Das Bygdin Høyfjellshotell selbst versucht seinen Charm der alten Zeiten zu wahren. Es ist nicht immer eindeutig, ob man es als "würdigen Zeitzeugen", oder als "heruntergekommen" einstufen möchte. Das Abendessen, daß vorbestellt werden muss, ist absolut sein Geld wert. Ich bin immer wieder verwundert wie gut in Norwegen gekocht wird. Satt, müde, sauber und trocken schlafe ich ein.

    5 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (16. August 2026 um 18:40)

  • Bygdin - Eidsbugarden

    Ursprünglich wäre ja der Plan gewesen, mit der Fähre wieder zurück zu fahren, nach Eidsbugarden, aber ich war ja zum wandern hier! Der Weg von Torfinnsbu zurück nach Gjendebu sah spannend aus auf der Karte. Hab mich dann doch dazu entschieden auf der Südseite des Sees Bygdin zurück nach Eidsbugarden zu laufen. Es geht erst mal voll exotisch die ersten 500m auf Asphalt. Dann steuert man in die Einsamkeit. 2 Teenies überholen mich noch kurz joggend und kehren wieder um. Haben wohl was vergessen. Dann hab ich den Weg für mich alleine. Es hat einen knackigen Westwind dem ich entgegenlaufe. Man läuft parallel zum See durch knöchelhohes Buschwerk, immer wieder etwas sumpfige Feuchtwiesen dazwischen. Es nieselt immer wieder mal. Nach Seksin geht es Bergauf. Auf einem windgeschützten Blockfeld koche ich mir was getrocknetes zu Mittag und einen Kaffee. Dann ist man oben. Es hat einen schönen Blick auf den See, aber der Wind ist teils arg knackig & kalt. Der Vorteil am Gegenwind ist, dass einen Tiere die vor einem sind kaum wittern können, und so laufe ich immer wieder recht an Rentierherden heran. Irgendwann gehts wieder steil runter ins Tal des Olefjorden. Unten sumpfig, Dann auch wieder steil raus. Da es schon auf die 17:00 zu geht, suche ich mir langsam einen Zeltplatz. Bei dem Wind brauche ich etwas geschütztes. Laut Karte bietet sich das Tal bei der DNT Hütte Yksendalsbu an, dann gehts knackig hoch. Falls man oben am Berg nichts geschütztes findet dauert es wieder zum nächsten Tal. 2,5h meint Mapy.... So sehe ich mich um, aber alles hier ist nur moorige Feuchtwiesen. Irgendwann erreiche ich die Hütte. Was nun? Bei der Hütte gibt es drei schöne Zeltplätze. Zum nächsten Tal sind es wie gesagt 2,5h, und ob es da weniger moorig ist? Die Luft ist eh schon ziemlich raus, also bleiben. Da das Wetter ganz passabel ist, und ich zu geizig bin, die 50 NOK Tagesgebühr zu zahlen (oder die 300NOK Nachtgebühr nach 18:00) setze ich mich in den Windschatten der Hütte und koch mir was zu futtern. Das Zelt steht trotz Wind super. Kein Wunder wenn man dank Erde & Gras die Heringe zur Abwechslung mal gut versenkt bekommt. Btw, bis jetzt hat sich noch keine einzige Mücke hier gezeigt was auch so bleiben wird.

    Am nächsten Morgen gehts recht früh nach Kaffee & Müsliriegl weiter. Zelt ist komplett trocken. YES. Dan gehts erstmal knackig nach oben. Es scheint eine norwegische Angewohnheit zu sein, Steigungen am besten möglichst schnell hinter sich zu bekommen, als geradeaus hoch. Oben gehts weiter. Man trifft wieder Rentierherden und hat einen schönen Blick auf den See. Das nächste Tal stellt sich genauso moorig heraus aus das vorhergehende. Gut Entscheidung zu bleiben. Der Bach ist deutlich zu tief und zu rauschend, also muss ich furten. Also Bergschuhe aus und Campschuhe an. Füße trocknen. Snacken. Weiter. Wieder hoch. Oben wird der Weg zunehmlich beschwerlicher. Es kommen immer mehr immer größere Blockfelder. Man erkennt den Weg nur an den alle 20m entfernten Steinmänchen die man immer wieder aufs neue suchen muss. Je weiter ich komme desto schlechter wird das Wetter. Es fängt irgendwann so stark zum Regnen an, dass ich mir die Regenhose anziehe. Die grünen Flechten auf den Blöcken werden richtig glitschig, und ich rutsche mehr als einmal ab. Der Wind mit Regen wird so kalt, dass ich die Stöcke einpacke. Das letzte Blockfeld dauert gefühlt ewig. Regen. Kalt. Schlechte Sicht mit besprenkelter Brille. Und ich hatte mir zum Mittagessen an sich den Burger in der DNT Hütte Fondsbu eingebildet || Aber auch das geht zu ende. Endlich kommt Eidsbugarden in Sicht, das Blockfeld wird zur "Almwiese", und es treibt mich zu einem späten Mittagessen (15:00?) nach unten. Krass wie gut meine Knie halten. Und es geht nichts über die kulinarische Kombination des "Wandern & Einkehrens" :love:

    3 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (18. August 2026 um 20:06)

  • Eidsbugarden - Olavsbu

    Bierfaul und schläfrig nach dem Burger stehe ich auf. Es ist schon fast 16:00, hier unten pennen will ich an sich nicht. Wobei dort drüben gäbe es ja noch das Hotel? (Einer der Hauptgründe warum ich in Zelten schlafe ist, weil ich mit Gruppenschlafsälen wirklich nicht klar komme) Ich entschließe mal wieder die Götter entscheiden zu lassen und schlappe rüber. Wegen Renovierung geschlossen. Klare Absage. Also, rauf auf den Berg! Es ist bis spät in die Nacht rein wieder knackig Westwind angesagt. Wird spannend wo ich da was finde, aber worst case muss ich halt zurück ins Tal. Man verlässt Eidsbugarden immer den Fluß lang der sich hier wasserfallartig ins Tal stürzt. Touris kommen mir entgegen auf dem Heimweg. Gar nicht mal wenige. Nach 30min hat man die letzten Häuser hinter sich gelassen. Das Wetter hat sich wieder gut erholt. Ich quere den Fluß, langsam wird es 5, und halte nach einem Zeltplatz Ausschau. Je höher ich komme desto windiger wird es. Auf halber Höhe finde ich nach einigem suchen einen perfekten Platz, nur die gelben Blümchen tun mir etwas leid. Es gibt getrocknetes zu Abend und eine Tafel Schokolade. Es nieselt etwas in der Nacht aber sonst bleibt es unspektakulär.

    Aufstehen, Kaffee & Müsli gibts im Zelt, weil, Regen. Wie angesagt. Nur dieses mal ganztägig. Als es mal kurz aufhört, packe ich schnell alles zusammen und laufe los. Die Regenhose habe ich schon an. Am Store Mjølkedalsvatnet sehe ich 2 Zelte die auch gerade zusammenpacken. Kurz vor der Stuffe wird es richtig windig und kalt. Alpha Hoodie drüber. Und Handschuhe. Sind eh schon naß. Weiter hoch gehts. Irgendwann kann ich die Stecken aufgrund der Kälte nicht mehr halten und packe sie weg. Der Weg wird immer wegloser & verblockt. Waschmaschinen- bis 3-Tonner große Blöcke liegen vor mir, vom Weg, bis auf die Steinmächen kaum noch eine Spur. Ich habe die Brille im Rucksack gelassen weil ich bei dem Wetter eh nichts sehe. Das erschwert auch die Steinmänchensuche. Der obere See beim Snøholsvatnet kostet mich fast 1,5h. Es ist glitschig und kalt. Die spitzen Steine lassen die Landschaft unwirklich erscheinen. HOSTILE - feindlich - trifft es am deutlichsten. Von meinem Zeltplatz nach Olavsbu wären es etwas über 11km - 3,5h laut Navi. Da hätte ich Mittags da sein sollen. Nach 3,5h hatte ich etwas über die Hälfte. 3 Hiker mit Rucksack und Zelt kommen mir entgegen. "What a lovely Weather, isn't it?", kommt aus mir raus. Wir grinsen uns an und laufen weiter. Die Steigung runter nach Raudalen kletter man über riesige Findlinge zwischen denen auf voller Breite das Wasser abfliest. Bei schönem Wetter ein willkommenes Abenteuer - bei 5°C, 4Bft und Dauerregen ---- Mordor-esque. Überhaupt ist ein Flußbett hier nicht der übliche Weg für Wasser so scheints, sondern es läuft einfach so gerne mal 5cm tief den Hang herunter.

    Mir ist völlig schleierhaft wo man hier einen geschützten Zeltplatz finden soll. Die wenigen "ebenen" Flächen die man alle 3h mal findet, stehen 1cm unter Wasser. Ich sehne mich nach der Wärme der kommenden Hütte und habe Hunger. Entweder es ist bumsvoll, weil alle geblieben sind oder leer. Ich hoffe es ist wenigstens einer da, der mir die Einrichtung erklärt. Der Goretex meiner Schuhe hat zum ersten mal auf dieser Reise aufgegeben. Füße kalt und patschnass laufe ich weiter. Vor Olavsbu noch eine knackige Flußquerung. Fuck, nicht auch noch furten. Aber weiter oben kommt man mit springen rüber. Endlich komme ich zur Hütte. Der Hüttenwart empfängt mich schon. Ob ich Leute gesehen habe und ob noch wer kommt? Ich setzt mich erstmal in den Vorraum um mich mental zu sammeln. Poh. Krass. Das habe ich mir so nicht erwartet. Feindlich. Einfach nur feindlich.

    Dann packe ich meine Sachen erst mal in den Trockenraum. Der Hüttenwart erklärt mir wies läuft und koch ertmal Kaffe, danach gibts Blomkålsuppe mit Knäckebrot. Es ist 15:00, der nächste passable Campplatz meint das niederländische Pärchen, ist gute 3h von hier. Fuck. Ich will da echt nicht mehr raus und entschließe mich entgegen meiner Schlafsaalphobie hier zu bleiben. Den restlichen Tag verbringe ich beim Kartenspielen. Vom Fenster aus sehe ich zu wie jemand versucht sein Hilleberg aufzubauen und irgendwann doch weiter zieht. Nach ein paar Stunden ist mein Equipment komplett trocken. Ich schlafe dann auf der Eckbank im Aufenthaltsraum.

    3 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (18. August 2026 um 19:56)

  • Olavsbu - Leirvassbu

    Zum Frühstück gib es Kekse und Kaffee. Alles zusammenpacken und mit dem inReach noch das Wetter abrufen. Netz hatte ich seit Vorgestern nicht mehr. Es soll wieder den ganzen Tag regnen. Nachts um 3 angeblich sogar schneien. :/ Das holländische Pärchen meinte der Weg nach Leirvassbu sei auch ziemlich verblockt und schwer passierbar. Vielleicht schaff ichs zum Mittagessen? Der Hilleberg Camper von gestern schaut kurz rein um sich aufzuwärmen. Er hatte eine furchtbare Nacht, der Schlafsack war ihm abgesoffen. Sie werden die Tour einen Tag früher abbrechen. Das wären mir die 310 NOK (grob 30€) dann doch wert gewesen...

    Es geht weiter wie gestern. Verblockt, weglos. Es kommt mir nicht ganz so schlimm vor, wahrscheinlich weil ich gewarnt wurde. Man passiert einiges an Bächen. Die anfangs trockenen Schuhe laufen nach 3h wieder voll. Die Stöcke hab ich gar nicht erst ausgepackt. So schliddere ich teils durch den Regen. Beim Nedre Høgvagltjønnen muss ein reißender Fluss gequert werden. Ich nehm die Stöcke zu Hilfe. Nach den 3min sind die Hände vor Kälte ganz klamm. Ab hier wird es tatsächlich "zahmer" und man sollte wie beschrieben mit etwas suchen was zum zelten finden. Ab hier treffe ich auch wieder Leute, die meisten sind auf dem Weg nach Gjendebu. Mir geht der Regen nur noch auf die Nerven. Habe seit 4 Tagen nicht mehr geduscht und würde gerne mal wieder auch etwas Klamotten waschen. Zumindest das hätte ich gestern in Olavsbu machen sollen. Die letzten Kilometer ziehen sich dann doch. Ursprünglich wollte ich bis hinter Spiterstulen auf dem Plateau (grob 61.6329533N, 8.4870403E) was zum zelten suchen (sieht flach aus auf der Karte, war noch nie da) , aber wo duschen? Grob um 13:00 komm ich in Leirvassbu an. Ich habe einfach kein Bock mehr zum weiter laufen und nehme mir ein Zimmer. Der Trockenraum ist gesteckt voll. Erstmal duschen. Pizza und Bier. Dann überlegen wie es weiter geht. Der Hüttenwart von Olavsbu meinte noch dass bei Westwind hier die Wolken hängen bleibe und das Wetter wochenlang mies sein kann. In Oslo wäre es dann meistens schön. :/ Morgen ist wieder Regen angesagt. Poh. Ne. Ich beschließe mir ein Busticket zu besorgen und nach Oslo zu fahren. Hinter Oslo geht die Marka los. Wälder und Seen. Da scheint die Sonne. Der Stolz sticht. Lange. Aber Wtf.

    Jotunheimen vs. Wonderbär - 2:0

    Fuck.

    2 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (20. August 2026 um 19:12)

  • Oslo Marka

    Der Bus geht um 8:00 direkt von Leirvassbu. Mit zwei mal umsteigen bin ich 7h später in Oslo. hab mir ein Apartment mit Waschmaschine genommen und wasche meine Klamotten. Am nächsten Morgen is alles trocken. Mit der U5 gehts an die Stadtgrenze. Wegen Umbaumaßnahmen fährt sie nicht wie gewöhnlich. Ich laufe einer meiner Lieblingssehenswürdigkeiten Oslos lang, die Akerselva, bis ich die Stadt verlasse. Dann planlos nach Norden. Die Marka ist wirklich schön. Und abwechslungsreich. Wald, Seen, Bäche. Das Wetter ist ideal zum wandern. Kaum Mücken. Wieso fahr ich immer so weit und bleibe nicht einfach hier?

    (man betrachte die Fotos mit Musikuntermalung - Beatles - Hello Goodbye)

    Zwei Nächte später geht es über die U-Bahn Halte Frognerseteren zurück. Alles ist gut <3

    5 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (25. August 2026 um 18:50)

  • Ich denk, es ist gut, wenn die Vernunft manchmal über den Stolz siegt! Der Abschluss schaut deutlich mehr nach Urlaub aus und dass du dich vom Wetter nicht gleich unterkriegen lässt, hast du ja heuer schon ausführlich bewiesen!

    OT: wir sollten wirklich zusammen nach Maria Zell oder so. Ich hab's meist zu heiß. Wär spannend, welches Karma sich durchsetzt. ;)

  • Es war ja auch weniger der Stolz alleine, sondern eher die Hoffnung, dass das Wetter doch noch umschwenkt. Der Wetterbericht war sowas von unzuverlässig und hat sich quasi dauernd geändert. Und die Gegend ist schon superschön auch. Man kann auch schlecht nach Norwegen fahren und 14 Tage Sonnenschein erwarten. Dass es da mal 1-2h am Tag regnet ist jetzt nichts außergewöhnliches.

  • Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Da hattest du echt garstiges Wetter! Als Brillenträger habe ich sehr mit gefühlt. Schön, dass noch eine paar relax Wandertage am Ende hattest.

  • Danke für die weiteren Berichte! Ja, die Marka ist eine wunderschöne und erstaunlich ruhige Gegend. Wenn man nicht gerade die Wanderautobahn nach Ullevålseter oder zum Kikut nimmt, begegnet man oft schon nach wenigen Kilometern niemanden mehr und hat ganze Seen für sich allein.

  • Gear Review

    hab lange überlegt, warum der Stolz gar so stach, habe normalerweise kein Problem unangenehmes wochenlang auszusitzen. Im Kern ist es wohl immer so dass man sich beim Abbrechen frägt, obs einfach nur stupid light war. Und - trotz all den Touren - hat mich die Feindlichkeit der Gegend echt überrascht. "Mittelgebirgswanderer", denke ich mir. Und es ist wieder die Frage ob man mit besserem Gear anders aufgestellt gewesen wäre.

    • Bergschuhe. Ich bin besonders bei meinen Subtropen Touren ECHT GROSSER FAN von Trailrunnern geworden. War aber auf der Tour so oft so dankbar um die Teile. Mit Trailrunnern wäre ich sicher weitere Strecken gelaufen. Mit den Mounties allerdings fast 7 Tage trocken und warm.  Moor? Egal. Regen? Wurscht. 5°C? Wtf. Rutschig im fiesem Gelände? Dafür gebaut. Ich brauche dringend leichtere und wäre dankbar über jeden Hinweis. Würde sie aber jederzeit wieder vorziehen
      In der Marka später viel zu heiß, viel zu schwer und völlig überdimensioniert
    • Das Zelt - Tarptent Notch (812g) - wie hier eh schon sehr detailliert beschrieben. Es ist super für Regen. Ich war echt vorsichtig mit Wind und hab mir immer mit Wetterbericht auf der Karte was geschütztes gesucht was auch echt gut geklappt hat. Brauchts das meint ihr? 
      Die letzten zwei Tage hätte ich glaube ich aber auch in keinem Selbststehenden wie in einem Hilleberg Una übernachten wollen. Ich hätte das Notch irgendwo irgendwie hingestellt bekommen - ich war halt vor allem psychisch durch. 
      In der Marka hätte mir etwas tarpartiges völlig gereicht
    • Die Regenjacke - Altus Tahoe (90g) - Hikkerfreunde haben mich für völlig stupid light erklärt. Das Teil hat gehalten. Naß ist man nach einem Tag Regen eh, aber warm? Die Kapuze bräuchte bessere Einstellmöglichkeiten aber daran ist die Tour nicht gescheitert. Der Reißverschluß ist SEHR filigran und mir scheints nicht wasserdicht
    • Das Nalehko 60er Alpha Hoodie (92g) - (Bärchipulli <3) der ganz große Gewinner bei Regen. Das plüschige sorgt dafür dass sich die Regenjacke nicht mit dem Midlayer verklebt und Kältebrücken bildet. Tolles Teil!!
    • Wanderhose - Skinfitt Civetta (225g) - nichts was man über den Granit schmieren möchte, aber super flexibel. Kaum Stoff der nass werden kann. Ich war mir recht sicher fast immer mit langer Hose zu laufen und in den wenigen Stunden wo zu heiß halt einfach über die Waden gezogen. Die Fronttasche ist für mein Pixel 5 echt ok. Eine Windhose war mir mir "zu windig" und das Teil passte.
    • Regenhose - Berghaus Pacelite (230g) - einfach über die Skinfitt drüber gezogen. Da ich den Reißverschluss kaum gebraucht habe, frage ich mich durchaus ob es bei miesem Wetter nicht besser wäre sich irgendwas atmungsaktives um die 80g zu besorgen. Ich wäre dankbar um Feedback & Meinungen
    • Quilt - Cumulus the Quilt 300 - fast schon zu warm (besonders in der Marka). Über 10°C hab ichs fand ich den super schwitzig, und das einzige mal wo es mal unter 5°C kam, hab ich das Alpha hoody drüber und gut wars
    • Puffy Jacke - EE Men's Torrid Jacket (243g) - super Teil, für das Gewicht deutlich wärmer als meine alte 330g Fleece Jacke. Allerdings eher nice to have. Hatte die an sich nur Morgens und Abends an im Camp und hätte mir genau so gut den Quilt über schmeißen können. Es nervt (ästhetisch) dass es immer den Innenstoff raus drückt. Ich frag mich ob ich mit einem 120er Alpha + Windjacke (eh dabei) nicht leichter gefahren wäre
    • Windjacke Patagonia Men's Houdini Jacket (105g) - sicher eines meiner Lieblingsausrüstungsteile. Wiegt nix. Kaum Packmaß. Ist grün. Und ziemlich atmungsaktiv. All time favorite <3
    • Rucksack - Bonfus Aerus (800g) - ich finde den immer noch super, wie hier beschrieben, allerdings nicht wirklich final Wasserdicht
    • Spirituskocher - ich frag mich ob es nicht zu kalt für Spiritus war und ob ich nicht mit Gas besser gefahren wäre. Oder brennt Rødsprit schlechter???
    • inReach mini 2 (100g) - seit langen mal wieder sinnvoll dabei gehabt. Teils für Tage keinen Empfang gehabt

    Es war vor allem krass wie viel Gepäck in der Marka plötzlich unbeachtet, oder "nice to have" geworden ist. Besonders die Schuhe ^^

    Aber wie seht Ihr das so? Am Gear gescheitert? Aber nach fast 6 Tagen Regen....

    3 Mal editiert, zuletzt von WonderBär (25. August 2026 um 18:56)

  • +1 für den Nahleko Alpha Hoodie. Aber man muss ihn echt vorsichtig behandeln, hab immer Angst daß ich ihn kaputt mache, wenn ich ihn mir ausziehe.

    Ansonsten denke ich dass die Entscheidung für die Bergschuhe absolut richtig war. Die Ausrüstung sollte jeweils zum worst case passen und das tat sie hier.

    Darüber hinaus denke ich, dass du deine Tour geändert hast, weil du psychisch einfach durch warst. Dauerregen schlaucht halt. Und ich wünsche dir sehr, dass du dich deswegen nicht als „Verlierer“ fühlst 🫶.

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