ich möchte hier den Bonfus Aerus vorstellen und damit eine Thread starten, in welchem Fragen, Erfahrungen und ggf Hacks zusammenkommen können. Ich habe den Rucksack im Frühjahr 2025 gekauft und bin jetzt etwas über 200 km damit unterwegs gewesen. Ich denke, ich kann somit erste, bescheidene Aussagen dazu treffen.
In a nutshell
| Hersteller | Bonfus -> link |
| Volumen | 55l (47l Innevolumen, 8l Externe Taschen) |
| Gewicht | laut Hersteller 795g (auf meiner Waage 815g) |
| Aufbau |
|
| Material | Ultra 200X - offiziell Wasserdicht, getapte Nähte |
| Rücken | Trapez Rückengestell |
| Belastbarkeit | laut Hersteller 15 kg von mir bis 13 kg getestet und ok |
Vielleicht für die bessere Einordnung - Es handelt sich hier um meinen ersten UL-Rucksack, und ich komme von einem “Lowe Alpine Cerro Torre 65+20” (3kg). Der Kaufgrund für mich waren die Punkte:
- deutlich unter einem Kilo und
- freier Rücken durch Trapezaufbau
Kommunikation & Erster Eindruck
Die Kommunikation mit Bonfus war super. Man wird gut beraten, auf Mails wird schnell reagiert. Bin echt Fan von der Firma. Das Ausmessen der richtigen Größe (S/M/L) hat mit der Beschreibung auf der Homepage gut geklappt. Betreffend der Lieferzeiten sollte man genau lesen wann, das sind eher Absendedaten. Man sollte da auch etwas Geduld mit bringen, auch wenn die Lieferzeit noch unter “moderat” fiel (also besser nicht fürs nächste Wochenende kaufen).
Erster Eindruck war “Solide, gut verarbeitet, an allem gespart was Gewicht hat”. Die Verschlüsse erschienen mir etwas filigran (bis auf den Bauchgurt), aber bis jetzt halten sie gut. Ist mein erster Rolltop, da greift man schon RICHTIG weit runter und es ist zappenduster drin. Würde mir echt überlegen, das Ding das nächste Mal in weiß zu kaufen. Allerdings zieht man sein Zeug eh eher “nach Gefühl" blind raus. Ich achte allerdings seitdem tatsächlich darauf, mir nach Möglichkeit kein schwarzes Gear mehr zu kaufen.
Das Trapez wird über einen Klettverschluss aufgespannt und kann zB für den Transport im Flugzeug “entspannt” werden.
Die beiden Seitentaschen sind riesig, und wenn der Rucki voll mit Essen ist, kann man z.B. ein Zelt gut an die Seite auslagern. Da passen locker zwei 1l Flaschen nebeneinander rein. Man kommt auch gut beim Gehen an die Wasserflasche im Seitenfach.
Die Netztasche hätte ich mir fast etwas größer gewünscht, passt aber. Was mir fehlt, ist eine Tasche, wo ich den wichtigen Kleinkram rein bekomme (Schlüssel & Geldbörse) und etwas für das Zerbrechliche (wie Brille oder Croissants). Für den Schlüssel habe ich mir einen Hacken rein geklebt. Für Brille & Geldbörse kauft man sich halt dann wieder Brust & Seitentasche (= Geld + Gewicht). Das Croissant kommt ins aufgeblasene Hauptfach. Wenn man die Luft nicht raus lässt, bleibt oben schön ein Hohlraum.
An sich war ich ja immer Fan von Deckelfach-Schnallen-Rucksäcken, da man seine Jacke o.ä. schön zwischen Hauptfach und Deckelfach schnallen kann. Das geht beim Bonfus auch schön mit einem V-Gurt, der über das Rolltop gezogen wird.
Da man nur ein Hauptfach hat, gewöhnt man sich schnell an eine Packordnung. Leider geht das dann mehr nach "Häufigkeit des Zugriffes” als nach “Schwere” wie es sein sollte. Allerdings ist in einem UL Rucksack eh nicht viel drinnen und man kommt so tatsächlich überall erstaunlich schnell ran.
Der Rucksack ist offiziell wasserdicht und hat getapte Nähte. Das klingt zunächst gut. Allerdings sei gesagt, dass die warme, ggf. feuchte Innenraumluft nicht raus kommt, und kondensiert und innen abläuft, wenn die Rucksackwand kälter wird. Das sammelt sich dann unten beim Schlafsack. Kleidung kann auch schlechter damit “ausmüffeln”. Bin unschlüssig, ob ein wasserdichter Rucksack eine ausnahmslos tolle Idee ist.
Das Tragen
Habe das Ding mit bis zu 13kg gepackt (6 Tage Essen + 3l Wasser Worst case). Anfänglich hatte ich große Schwierigkeiten mit der horizontalen Querstrebe auf Bauchgurthöhe. Wenn man den Bauchgurt festgeschnallt hat, drückt es die Stange, da quasi am Bauchgurt befestigt, in die Wirbelsäule. (Kann an meiner Plauze liegen…) Da hilft auch das verbiegen der Vertikalstrebe nichts. Hab das Teil in Absprache mit Bonfus dann entfernt (verbiegen geht nicht da “Carbon Fibre”) und seitdem trägt es sich super. Man sollte darauf achten, dass auf Bauchgurthöhe nix im Rucksack drückt, wie eine Kompressionssackschnalle, das merkt man durch. Weiter oben is eh wurscht weil Rücken frei
Das Tragen selber war bei den 13 kg max die ich bisher beladen hatte ok. Kein Einschnüren der Schultergurte o.ä
Die Belüftung am Rücken funktioniert für mich. Weniger, dass man nicht schwitzt, sondern eher, dass es zu keinem Hitzestau kommt. Die wenigen Erfahrungen, die ich mit “Direktrücken” zB bei Kletterrucksäcken hatte, war, vor allem, dass die Rückenseite irgendwann zu jucken anfing, das habe ich hier sicher nicht.
Man bekommt den Rucki mit den Schnallen und vor allem den Load Lifters richtig schön wie ein Brett an den Rücken gezurrt. Da schwingt nix mehr. Allerdings sei gesagt, dass die schmalen Riemen wohl zu wenig Gegenhalt bieten, und man das Teil so alle 1,5h mal nachziehen und neu justieren muss, zumindest bei über 10 kg Belastung.
Am fünften Tag des Tragens hatte ich leichte Schmerzen an der linken Schulter vorne. Der Rucksack knarrzte an dieser Seite auch irgendwie. Nach abnehmen für 15 min ging es wieder. Ob das daran lag, dass ich den Rucki unsymerisch gepack habe, kann ich nicht sagen, aber das Zelt steht aufrecht innen eben links oder rechts (das Notch ist eher lang als breit zu packen wg den Endstreben). Optisch sieht der Rucki symmetrisch aus.
Die Seitenriemen - an sich sollten sie ermöglichen den Rucksack kleiner/schmäler zu machen - sind eher dafür geeignet zB Trekkingstöcke zu befestigen.
Add ons
Wie geschrieben habe ich innen einen DCF Flick Hacken von ZPacks eingeklebt, um meinen Schlüssel idiotensicher zu verstauen. Habe auch Brusttasche und Bauchgurttaschen hinzugefügt, denke aber, dass die sich auf Dauer wegoptimieren werden. Eine Bauchgurtttasche für die "Daily Necessities" (Geld, Taschentücher etc.) wird wohl bleiben. Die Brusttasche ist eigentlich ein cooler Handyhalter, besonders wenn man selbiges aufladen möchte. Passt auch zusammen mit Akku gut rein. Allerdings steckt mein Handy meist in der Hosentasche. Die Brillentasche kommt auch zunehmend ins Hauptfach.
Nachteile?
Für mich trägt sich der wie sich ein Rucksack tragen soll. Punkt.
- Man führt oft an, dass das Rückengestell so schwer sei. Vergleicht man den Aerus (55l / 795g) mit seinem zugegeben größeren Bruder den Framus (58l / 765g) ist man bei 30g delta.😏
- Man könnte anführen, dass sich die Gurte gerne etwas von alleine verstellen
- Der Rucksack hat aufgrund des freien Rückens eine leichte Bananenform. Kritiker bemeckern einen nach hinten ausgelagerten Schwerpunkt. Ich merk nix. Womit man tatsächlich Probleme bekommen könnte, wäre mit langen, dicken Gegenständen die die Krümmung dann nicht mitmachen täten. Das TT Notch passt allerdings problemlos rein, selbiges für ein Hilleberg Enan.
- Im Winter drückt das Trapez gegen die Isolierung am Rücken und erzeugt tatsächlich eine ziemliche Kältebrücke, dass kann recht unangenehm werden auf Dauer