Hallo ihr Lieben,
nach Absprache mit den Mods würde ich gerne mit euch zusammen einen Shakedown meiner Bikepacking-Liste machen. Ich habe in meinem Kopf schon einige Ideen was verändert und weggelassen werden soll, aber ich bin da für jeden Input dankbar.
Habe mir gestern die Zeit genommen meine Packliste vom letzten Somner so gut es geht zu reproduzieren. Manche Sachen habe ich gerade nicht direkt zur Hand (GPS aktuell verliehen z.B.) aber im Großen und Ganzen sollte sie represantiv sein. Einige Items, welche seitdem schon ausgetauscht wurden, habe ich direkt übernommen (ist also nicht komplett Original).
Zur Visualisierung hier ein Foto vom Rad inklusive aller Taschen:
Man muss anmerken, dass die Taschen mehr als ausreichend waren. Es hätte locker weniger gereicht, wollte es aber symmetrisch und logisch halten.
Einsatzbereich & Prämissen:
- Volumen > Gewicht. Ich möchte vor allem etwas windschnittiger werden. Deshalb z.B: kein DCF/UltraTNT sondern lieber Silpoly/-nylon. Gewicht sollte natürlich auch weniger werden.
- Um das zu erreichen möchte ich vor allem meine Taschen reduzieren und teilweise austauschen. Normalerweise sagt man ja erst die Ausrüstung sammeln und am Ende einen passenden Rucksack, bzw. beim Bikepacking die Taschen zu holen. Hier möchte ich den Spieß aber mal umdrehen. Ich will also austesten wie viel Luxus und Komfort bei dem minimaleren Setup möglich wäre.
- Ziel wäre es, nur mit Arschrakete, Rahmentasche, Oberrohrtasche und (leider) Lenkerrolle auszukommen. Am liebsten wäre es mir ohne Lenkerrolle, dafür müsste das Setup aber zu arg in Richtung Ultracycling gehen. Das wäre mir zu minimal.
- Ich bin kein Ganzjahres-Bikepacker. Denke meine erste Wochenend-Tour wird irgendwann im Mai sein. Wenns kälter wird bin ich lieber zu Fuß unterwegs.
- Neben ein paar Wochenend-Touren wird es dieses Jahr wieder eine mehrwöchige Auslandstour geben. Höchstwahrscheinlich wieder in den Balkan. Also hohe Temperaturen (komm ich erfahrungsgemäß mit klar), wenig Regen, das eine oder andere Sommergewitter sind erwartbar. Dazu viele Höhenmeter und eventuell die eine oder andere Nacht in der Höhe (>1000m).
- Ich campe hauptsächlich wild. Alle 4-6 Tage schlafe ich gerne auf einem Campingplatz, um sowohl mich, die Klamotten und das Rad zu säubern. Alle 7-10 Tage mache ich auch einen Zero-Day. Dazu koche ich, selbst wenn ich Nachmittags/Abends irgendwo zur Einkehr war, mir jeden Abend ein warmes Gericht im/am Zelt.
- Mein Schlafsarg ist ca. 200cm*65cm*50cm (l*b*h) auf der X-Lite, mit Kopfkissen und Sommerquilt als Seitenschläfer.
- Eine Trinkveste oder gar einen kleinen Rucksack möchte ich vermeiden.
Meine Gedanken zur Verbesserung:
Der einfachste und günstigste Weg zur Reduzierung ist das Weglassen von Dingen. Kostet nix, wiegt nix. Ich habe mir die letzten Tage viele Gedanken darüber gemacht welchen Luxus ich auf so einer Reise gerne haben möchte und was das Minimum wäre. Bei den Klamotten habe ich schon ein paar Sachen ausgelassen die ich auf jeden Fall zu Hause lassen werde (Terrebone Jogger, Merino Longsleeve, AD Fleece, Unterhemden). Manche Sachen sind Pflicht (Kochset in irgendeiner Art), über fast alles lasse ich mit mir diskutieren ob das wirklich notwendig ist. Alleine durch den Tausch meines Racks mit Packsäcken gegen eine Arschrakete würde einiges an Gewicht und Angriffsfläche für den Wind wegfallen. Auch das Weglassen der Gabeltaschen machen mich windschnittiger (das war mir eh nie ganz geheuer an der Carbongabel). Accessory-Pack ist ein nettes Gimmick, braucht es aber nicht.
Gedanken zu den einzelnen Kategorien:
Taschen:
Mein ursprünglicheer Plan war erst, mein komplettes Set durch Cyclite Taschen zu ersetzen. Der Gewichtsvorteil gegenüber den (teilweise bereits vorhandenen) Ortlieb Taschen ist eher minimal.
Stattdessen wäre mein aktueller Plan folgender: Rack inkl. Packsäcke, die Gabeltaschen und das Accessory-Pack fallen weg. Die Lenkerrolle bleibt, Frame Pack wird durch das 4L Frame Pack Toptube RC ersetzt. Das hat zwei Vorteile: Erstens könnte ich dadurch endlich beide Flaschen im Rahmendreieck montieren (und evtl. sogar eine dritte mitnehmen falls notwendig) und bis zu 50cm lange Zeltstangen einpacken. Dadurch kommen mehr Zeltoptionen in Frage.
Als Arschrakete schwanke ich zwischen der 12,9L Cyclite oder der 11L Ortlieb. Für die Toptube liebäugel ich mit der großen Cyclite. In der könnte ich neben Snacks auch meine Regen- und Daunenjacke griffbereit lagern.
Zelt:
Die offensichtliche Baustelle ist eindeutig das Zelt. Das neue Zelt sollte auf jeden Fall ohne Bodenplane mit dem Außenzelt zuerst aufstellbar sein. Doppelwandig wäre ein nettes Feature, falls Gewicht und Packmaß das zulassen, muss aber nicht sein. Einwanding sollte das Zelt gute Belüftungsmöglichkeiten (große Tür(en)) haben.
Nachdem ich mir möglichst viele Lagerplätze vergangener Touren in Erinnerung gerufen hatte ist mir aufgefallen, dass an den allermeisten Plätzen ein semi-freistehendes oder gar Trekkingstockzelt ohne Probleme funktioniert hätten. Deshalb ziehe ich diese aus Gewichts- und Kostengründen freistehenden Zelten vor.
Viele der klassischen 1P-Pyramiden wie das SMD Lunar Solo sind entweder knapp bemessen oder eindeutig zu klein für mich.
Folgende Optionen ziehe ich aktuell in Betracht:
- Lanshan 2 Pro Silpoly
- Tarptent Rainbow Carbonstangen
- GG The Two
- SMD Skyscape Trekker
Schlafsystem:
Der Sommerquilt ist neu und spart einiges an Gewicht und Packmaß ein. Das Kopfkissen könnte man durch die Platy-Bottle ersetzen - muss ich davor aber erstmal austesten.
Bei der Isomatte könnte man auch was einsparen und eine sommerspezifische Matte holen (Tensor Elite?). Von der Größe dürfte im Sommer eine Regular Wide locker reichen. Bei den Exped Ultras habe ich aufgrund eigener Erfahrungen ein paar Bedenken.
Klamotten:
Natürlich sind die Silver Ridge Hemden ein Malus in Sachen Windschnittigkeit. Erfahrungsgemäß komme ich mit engen Funktionsklamotten (egal ob Rennrad-Jersey oder sonstige Funktionsshirt) auf längeren Touren in der Hitze nicht zurecht. Das Ersatzhemd könnte man durch ein leichteres Schlafshirt austauschen.
Zwei Bib-Shorts sind eigentlich Pflicht. Nach spätestens zwei Tagen am Stück muss eine gewaschen werden und ich werde bestimmt mal ein paar Tage am Stück keine günstige Möglichkeit zum Waschen haben.
Die Regenjacke würde auf jeden Fall leichter und atmungsaktiver gehen (Rab Cinder Phantom?), wäre aber mit einiges an Kosten verbunden. Die Regenhose hatte ich die letzten Jahre tatsächlich nicht dabei (und auch nicht wirklich vermisst). Sie ersetzt vor allem die Terrebones Jogger als lange Hose.
Meinen Flip-Flops würde ich gerne durch eine kompaktere Alternative wie den Zapcks Camp Shoes ersetzen. Kennt da jemand eine nette MYOG-Lösung? Vor allem welches Sohlenmaterial geeignet wäre?
Wasser & Kochen:
Dadurch dass ich mir jeden Abend eine warme Mahlzeit koche, ist irgendeine Form von Kocher und entsprechend großem Topf leider Plficht.
Bei Wasser bin ich am überlegen ob ich nur mit dem Micropur Forte auskomme, oder doch lieber zusätzlich einen Filter wie den Platypus einpacken sollte.
Die Platy Bottle ersetzt die 1,5L PET Flasche, die ich Abends als extra Wasserkapazität fürs Lager beim Supermarket hole. Diese war immer eher schlecht als recht an der Lenkerrolle befestigt (da muss ich noch mal was zuverlässigeres Basteln).
Für den Transport vom abendlichen Einkauf zum Lagerplatz würde sich sowas die die Cyclite Musette anbieten. Bedenken habe ich, wo ich meine Essensreste wie die angebrochene Nudelpackung tagsüber unterbringen soll.
Elektronik:
Hier will ich hauptsächlich mein billiges Ali Micro-USB Rücklicht ersetzen, das etwas zu viel Regen abbekommen hat. Kennt jemand gute und günstige (gerne auch nicht-StVZO-konforme) USB-C Alternativen?
Powerbanks habe ich lieber eine zu viel als zu wenig dabei, dabei ich nicht so häufig und lange fürs Nachladen pausieren muss.
Werkzeug & Sonstiges:
Das Schloss kann man durch ein kompakteres Abus Combiflex ersetzen oder komplett weglassen. Es gibt mir aber ein bisschen ruhigeres Gefühl wenn ich das Fahrrad vorm Supermarkt oder auf dem Campingplatz unbeaufsichtigt stehen lasse.
Die Punpe geht auch minimaler, aber sie sollte einigermaßen angenehem zu bedienen sein, da ich durch das Tubeless-System alle paar Tage nachpumpen darf.
Edit: Ich habe die berechtigte Kritik an der Verständlichkeit zu Herzen genommen und meine Gedanken etwas umstrukturiert und hoffentlich leserlicher gemacht.