Langzeitwandern und "konventionelles" Leben

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  • Blöd ist wenns unterwegs oder generell mal ne neue SIM-Karte braucht (ok, da bietet sich ne eSIM an) oder die Debitkarte/Kreditkarte neu kommt wegen Defekt oder die Bank sie tauscht wegen Sicherheitsproblemen,

    Es gibt doch diese Services wo man für jedes Land eigene kurz laufende Verträge machen kann und dann über die App eine E-Sim zugeteilt bekommt für den Zeitraum für den der Vertrag läuft. Für ausserhalb EU finde ich das durchaus interessant. Saily oder so ähnlich heißt ein Anbieter...

    Für die Bank: wie ist das mit den virtuellen Kreditkarten auf dem Handy oder der Smartwatch, wie funktioniert das bzw hat da jemand Erfahrung? Kann man da dann alles über die Bank App unterwegs regeln? bei mir gibt es evtl. Ende des Jahres mal wieder etwas mehr Freiheit, mal sehen... Muss ich mich bei Gelegenheit mal schlau machen...

    Ich ergänze, da die Plegeversicherung ja auch mit dazu kommt: Es sind (für Kinderlose) ~275€ aktuell.

    Ach kagge... Hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, dass das ja auch noch dazu kommt. Danke für den Hinweis. Aber es sind immer noch nicht knapp 800 Tacken...

  • Interessantes Thema, was ja immer mal wieder aufkommt. Ich selbst bin ja "nur" höchstens Wanderer auf "allen-Jahresurlaub-aufeinmal- und-gut-zu-Fuß--Trails" (© extremspaziergaenger ), sprich bis auf zwei Wochen in denen ich mit meiner Frau Campingurlaub mache (immerhin auch im Zelt ⛺ 😁) verbringe ich meines Jahresurlaub wandernd und zusammen mit ein paar Weekendern bin ich für mich damit vollkommen zufrieden und strebe gar nichts anderes an.

    Sondern vielmehr geht die Frage an diejenigen, die gefühlt ständig oder zumindest immer wieder über Wochen und Monate unterwegs sind, die einen Fernwanderweg nach dem anderen gehen, die mehr draußen leben, als im "normalen" Leben.

    Ich glaub das täuscht in Foren und sozialen Medien auch etwas, die Anzahl derer, die wirklich (semi-)beruflich draußen unterwegs sind ist m.E. eher überschaubar.

  • Hast du dazu überall (Finanzamt, KV, RV, Knöllchengeber, Handy, Freunde, ... die Adresse zum Service angegeben oder geht das mit permanenter Nachsendung von der Post?

    Wie gesagt, ich leb ja in Schweden. Hier gibt es einen Dienst (Kivra), der ist was praktisch wie all die gescheiterten deutschen ePost Dienste waren. Ich sag einfach, schickt meine Post digital und dann landet es bei Kivra. Das geht von Bank über Versicherungen, Finanzamt, Pensionsmyndighet bis mittlerweile sogar Supermarkt-Quittungen.

    Rechnungen kommen zumeist direkt digital mittels E-Faktura in meinem Online-Banking an.


    PS: eine neue Kreditkarte bekomme ich natürlich immer noch über mein Postfach. So oft passiert das aber auch wieder nicht und ist auch gut kalkulierbar. Bei Klarna hätte ich zur Not auch die Möglichkeit eine virtuelle Karte zu erstellen, die dann zumindest auf dem Handy und online funktioniert.


    PPS: wenn außerhalb der EU, dann Airalo für ne eSIM, ansonsten gilt eh meine normale (ist das bei deutschen Anbietern nicht auch so?)

    2 Mal editiert, zuletzt von PositivDenken (17. Januar 2026 um 14:33)

  • Ich lebe am Existenzmaximum. D.h. ich kann mir alles leisten was ich will. Alles. Ich will halt viele Dinge ganz bewusst und absolut nicht. Fette Kare? Die stört wirklich nur. Und ich sehe genug Menschen mit sehr fetten Autos. Eine Zumutung, im Stau stehen, um irgendwelches Carbon zu beglotzen? Weit haben wir es gebracht.

    Haus im Grünen mit 2 x Indoor und 3 x Outdoor Pool, eigenem Wald? Danke, aber nein Danke, der Mörder ist immer der Gärtner, davon bräuchte man duzende.

    Van Life? So eigener Sprinter mit schlag mich tot Fahrwerk, Lampensammlung, gemachtem Motor? Immer noch eine Zumutung, die Sicherheitsfirma müsste gleich hinterher fahren.

    Ich lebe und arbeite in Zürich und ja, auch ich kann nur 5 Croissants am Tag fressen. Es gibt sogar ein soziales Netzwerk, vom Staat. Keine Lust irgendwas zu tun? Es gibt 800 Euro, Krankenkasse und Miete hintendrein. Und es klappt gut, wie ich natürlich nur vom Hörensagen her weis.

    Da bestelle ich mir lieber irgendwelche Ausrüstung in Amiland und Japan. Computer, Handy, Uhr, Pad mit angebissenem Apfel. Lausche dem literarischen Schaffen meiner Ex und schaue meinem Mitbewohner beim Sterben zu - er hat es so gewollt, immerhin hat er in fünfzig Jahren fast 200k ausgegeben, damit es dann auch klappt. Legal, überall wo es Zeitungen und Alkohol gab. Tat wohl seinem Lebensgefühl gut, nun gibts halt eine Diagnose und häufige Besuche im Spital, Wasser abpumpen.

    Längste Wanderung bisher: 1 Jahr, vom 5 Februar - 6 Dezember 2022. Im 2023 hat es mit noch auf den Hexatrek gereicht, im 2024 zu nix mehr. Im 2025 habe ich ca. 80k hereingeholt und auch wieder ausgegeben. Dafür ist nun meine Ausrüstung auch am Maximum angelangt. Man kann sich durchaus beim Quilt, der Matte und den Kleidern vergreifen. Was man braucht liegt dann zu Hause. Immerhin habe ich noch nie nach dem Zelt gegriffen und es war nicht da.

    Im 2027 möchte ich natürlich gerne wiederum sehr lange wandern gehen, gerne wieder auf die Triple Crown Trails, Tschuldigung, ich bin faul und blöd, ab und zu ein Bär oder ein Schneefeld reicht mir als Stimulation schon aus, ich will nicht über gusseiserne Zeltstangen philosophieren und dann mit handgemessenen Windgeschwindigkeiten angeben, die ich natürlich mit meinem handgeeichten Windmesser 5 x in der Stunde gemessen habe.

    Auch möchte ich mich nicht über ernsthafte Sicherheitslösungen unterhalten. Frau Dahlmeier hatte beispielsweise einen Garmin Mini dabei. Leider blieb ihr keine Zeit mehr, denn SOS Knopf zu drücken. Nach allem, was man heute weiss, war sie unglücklicherweise sofort tot, Steinschlag. Sie war trainiert, hatte Jahrzehnte Erfahrung, beste Ausrüstung, einfach alles.

    Was lernt man daraus? Geniesse das jetzt und hier. Deshalb muss ich jetzt auch wieder raus.

  • PPS: wenn außerhalb der EU, dann Airalo für ne eSIM, ansonsten gilt eh meine normale (ist das bei deutschen Anbietern nicht auch so?)

    Nicht alle Anbieter in D bieten eine eSIM. Zusätzlich sind die Handykosten im Vergleich zu manch anderen europäischen Ländern eher teuer, vor allem mit richtigen Datenflats tut' sich D eher schwer. Auch das Roaming im EU Ausland ist stark begrenzt bzw. teuer.

    Ich selbst habe, seit ich das beruflich nicht mehr brauche, keinen Festnetzanschluss mehr, nur noch eine auf 15 Mbit geschwindigkeitsbegrenzte echte Handyflatrate direkt bei o2 für 19,90 pro Monat. Funzt auch als Hotspot fürs Linux Notebook und die Geschwindigkeit ist vôllig ausreichend für alles was ich jetzt noch brauche ...

    Hab ne Schraube locker, so hat das Leben etwas Spiel

  • sollte mMn auch der Gedanke nicht zu kurz kommen wie ich das auch im Alter finanziere ohne andere damit zu belasten,

    Tja, genau das hatte ich mir überlegt, als ich vor fast 30 Jahren mit meiner Selbständigkeit anfing, allerdings aus den Motiven heraus, nicht Formulare ausfüllen und beim Staat Anträge stellen zu müssen. Zweifel, dass es Rente noch gäbe, wenn ich so weit wäre, gab es auch schon. Ich hatte damals den Sozialhilfesatz hochgerechnet und als Zielhöhe meiner privaten Rentenversicherung genommen. Der ich geglaubt hatte, dass es immer eine Überschussbeteiligung geben würde. Damit, dass die Mieten in der Zwischenzeit derartig steigen würden und dass die Umverteilung nach oben insgesamt derart drastisch zunehmen würde, hatte ich nicht gerechnet und es ist mittlerweile ziemlich klar, dass es hier nicht reichen wird: hier würde ich weiter arbeiten müssen, wenn ich nicht im Lotto gewinne oder kriminell werde.

    Sämtliche Tips, wie man "sparsam" (mit Ausnahme von UL-Gear) lebt, sind selbstverständlich realisiert: kein Auto, kleine, abseits gelegene Mietwohnung, keine "eigenen" Kinder usw. usf., 600m² Garten für 60.-- Euro Pacht im Jahr. Meine Selbständigkeit ist eine politisch korrekte und tendenziell antagonistische und inhaltlich grenzgängerische, d.h. ich mache, was ich will und finde ok, dass das andererseits 70+ Stunden pro Woche bedeutet. Dazu kommt die letzten Jahre, dass diese Selbständigkeit vom Gesetzgeber auch politisch prekarisiert wird, aber ich störe gern. Wirtschaftlich prekarisiert weil ungewollt war sie schon immer. Dazu kommt die Klimakrise, die sich im Mikroklima unseres Gartens im Wald, in dem ich 1x/Woche frühmorgens was mache und den freien Tag mit den Händen reinklotze, die letzten Jahre so auswirkt: viel zu frühe Obstblüte, die ein paar Wochen später komplett erfriert (16 Obstbäume) - bleiben Johannis- und Stachelbeeren und Kornelkirschen (und einige wenige Nashis); aber Kartoffeln und diverse Bohnen und einiges Gemüse klappen immer.

    Unsere Wanderurlaube sind kürzer geworden in den letzten Jahren. Nicht mehr 3 oder 3,5 Wochen, sondern nur noch 2. Oder nur eine, dafür häufiger und mit dem "mobilen Büro" dabei. Das immerhin ziemlich neuerdings auf ein Klapphandy mit brauchbarem OS geschrumpft ist, weil bei so kurzen Trips einigermassen absehbar ist, was anfällt. D.h.: die Prioritäten des politisch möglichst korrekten Arbeitens (nenn ich hier der Einfachheit halber mal so) und zunehmender Subsistenz durch einen Garten sind, wenn auch unausgesprochen, auch Entscheidungen gegen Langstreckenwandern. Langstreckenwandern geht vor und nach "Arbeit" (Lebensabschnitten), in einer verlängerten Adoleszenzphase mit Möglichkeiten im "informellen Sektor" oder mit Erbe oder Schweinejob oder Glück.

    Wir gucken seit ein paar Jahren nach Ländern, die vielleicht ein wenig pragmatischer aufgestellt sind und eine "Bürgerversicherung" oder "Basisversicherung" haben, in die man auch als Alter dank EU-Freizügigkeit noch reinkommt, um dann als Rentner dorthin und von dort aus zu wandern. Sieht zunehmend schwierig aus, aber jünger sterben als andere ist auch o.k., wir sind ja schon alt und bei mir könnten 40 Jahre Ketterauchen dafür sprechen. Danke aber für den Hinweis auf Schweden, PositivDenken.

    Meine verlängerte Adoleszenzphase hatte ich noch in der verschwindenden sozial-liberalen Ära der 80er Jahre gehabt und war bis deutlich in die Baseballschlägerjahre hinein fast 30 Semester lang "Student". Die Zeit für den Erwerb aller notwendigen "Scheine" plus Examen waren etwa sechs Semester und der Alltag sah ansonsten ähnlich informell aus wie oben bei RaulDuke ohne Uni: viel freie Zeit, die ich nacht-, kultur- und politaktiv verschwendete. Von Langstreckenwandern / Weitwandern habe ich erst viel später gehört. Man reiste und liess die Dinge auf sich zukommen. Ich trampte so ca. dreimal im Jahr von Westberlin zur Fähre nach UK und fuhr oft weiter nach Schottland, Geld für den Hinweg reichte im Prinzip. Selten arbeitete ich mal 3 oder 4 Wochen am Stück, um dann irgendwie in die äussersten Ecken Europas zu kommen. Zum ersten Mal mit einem Passagierflugzeug geflogen bin ich mit über 30.

    Ich hatte schon immer ein Interesse an Bergen, aber Wanderungen ergaben sich meist nur zufällig, schon unterwegs. Mein Interesse war auf Städte (durch die ich selbstverständlich von einem Ende zum anderen zu Fuss schlenkerte), Kneipen, Konzerte, Häuser fokussiert - bis ich anfing zu arbeiten, da erst wurde die freie Zeit zum "Urlaub" und "Wandern" eigensinnige Realisierung von Zweckrationalität und Entfernung von Zweckrationalität (einschliesslich doch mal "richtig" Bergsteigen zu lernen).

    Ich lese den Thread hier als Soziologie des Wanderns, einen Schrei nach Autonomie (und "Natur"?).

    Wirklich geplant habe ich mein Leben nie und keine Tour je. Mit "guter Sparquote" kann man mich jagen.

    Bin ganz zufrieden ausser mit der politischen Entwicklung der Welt.

  • Ich gehör ja nicht unbedingt zum Kompetenzteam bei dem Thema, trotzdem mal Ideen 😁:

    Das für die meisten der Schlüssel in einer sparsamen Lebensführung liegt dürfte inzwischen klar sein, ich denke genauso sieht es meistens on trail aus, im Vergleich zu vielen anderen Hobbies ist Wandern ( Boot und Rad mal inklusive) ja eigentlich relativ günstig, wenn die Ausrüstung einmal steht, und die muss ja nicht zwangsläufig fancy sein, muss man auf Tour nicht unbedingt viel ausgeben.

    Mal als Fallbeispiele zwei meiner Touren vom letzten Jahr:

    Ein leicht verlängertes Wochenende auf dem Eselsweg hat mich um die 10€ gekostet, jeweils ein Eis in Schlüchtern und Miltenberg, unterwegs gab's fast nix (mittlerweile ein gängiges Phänomen in deutschen Mittelgebirgen), An- und Abreise waren erfreulicherweise im Jobticket enthalten.

    Als zweites, man höre und staune, vier Wochen Schweiz, die inklusive Bahnfahrten noch gerade so im dreistelligen Bereich geblieben sind, bedingt aber auch durch die Tatsache, dass ich mit dem vierbeinigen Wanderpartner auf luxuriöse Segnungen wie SAC-Hütten verzichten musste.

    Man sieht also, dass man auch auf der Seite den Finanzbedarf etwas steuern kann und im Bedarfsfall nicht unbedingt die teuerste Tour plant.

  • Bleibt friedlich 😉, ist doch okay, wenn man hinsichtlich Hüttenübernachtung unterschiedliche Ansichten hat, mein Ding ist es auch nicht so sehr, bin aber auf Tour auch sehr almöhidesk.

    Da hast Du absolut nix verpasst

    Ich geb zu, obwohl ich im Urlaub nicht unbedingt auf den letzten Euro/ Franken etc. schaue, selbst ohne Taschenwolf hätte ich wahrscheinlich nicht drin übernachtet, die Preise der Hütten in CH sind selbst mit AV Ausweis dicht an der Schmerzgrenze.

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