Sind Wandervereine noch zeitgemäß?

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  • Dazu wäre es klasse, wenn sich solche Vereine v.a. um die verbesserten Möglichkeiten des ("Wild-") Zeltens bzw. um die Ausweisung/Unterhaltung entsprechender Zeltplätze kümmern würden

    Zumindest der ÖAV sieht das anders: Quelle

    Zitat

    Der ehemalige Alpenvereinspräsident und Rechtsanwalt Dr. Andreas Ermacora sieht die teils strikten Einschränkungen in den Bundesländern positiv:

    "Der Grund, warum in Österreich eher restriktive Regelungen für das Campen gelten, liegt auf der Hand – schließlich drängen sich auf engem Raum die unterschiedlichsten Nutzungsinteressen. Aus unserer Sicht sind daher Lenkungsmaßnahmen, die das Zelten im Gebirge betreffen, positiv zu beurteilen.

  • Interessant in dem Zusammenhang hier vielleicht die Wanderwach-und-Kaffee-Folge, in der Soulboy von der Entstehung des NST erzählt. Wandervereine und Dachverbände waren wohl größtenteils (mit Ausnahmen) nicht sehr kooperativ. Das Konzept des Weitwanderns und insbesondere Wildzelten passt scheinbar vielen nicht so.

    Soulboy, wie hast du den Nord-Süd-Trail etabliert? - Wanderwach & Kaffee
    Habt ihr euch eigentlich auch mal gefragt, wie das so geht, einen ganzen Trail zu etablieren? Seine GPS-Daten eines besonders tollen Trails auf einer…
    wanderwachkaffee.buzzsprout.com
  • Das fand ich auch sehr interessant, das Soulboy schon während der Entstehung und ich meine, teilweise auch schon in den Videos seiner Erstbeschreitung des NST, darauf einging, das die absolute Mehrheit der Wandervereine, die die jeweiligen Abschnitte des NST verwalten und betreiben, nicht willens waren, zu erlauben, das er auf ihren Wegweisern seine NST aufkleber anbringt. Totales Unverständnis bei den Vereinen. Ich schätze, Konkurenzdenken… Was will denn so ein dahergelaufener Kerl, da mit UNSEREM Wanderweg machen??

    Mittlerweile ist es, glaube ich, zumindest in diesem Punkt doch bei den meisten Vereinen angekommen, das „Ihre“ Wege dadurch einfach häufiger gelaufen werden. Was ja auch dazu beiträgt, das die zusammen gestückelten Wanderwege, im Einzelnen auch an Bekanntheit gewinnen, durch den NST!!

  • Mittlerweile ist es, glaube ich, zumindest in diesem Punkt doch bei den meisten Vereinen angekommen, das „Ihre“ Wege dadurch einfach häufiger gelaufen werden. Was ja auch dazu beiträgt, das die zusammen gestückelten Wanderwege, im Einzelnen auch an Bekanntheit gewinnen, durch den NST!!

    Ja in der Tat war das Thema. Interessensverschiebung seitens der Wanderer spielt auch eine Rolle. Siehe Beispiele "Mammutmarsch" oder "Megamarsch". Das sportive Wandern scheint eher massentauglich zu sein als die entspannte Variante.

    Nun sind diese Massenveranstaltungen auch nicht ganz meins, jedoch verstehe ich den Wunsch nach Herausforderung sehr gut. Mal schauen, was möglich wird! Die ersten Vereine schwenken ja bereits um. Einfacher wird es natürlich dann, wenn sie auch mehr Menschen mit eben diesen Interessen in den Vereinen engagieren.

    "Glaube nicht alles, was im Internet steht" - Heidi Klum, 28, Nobelpreisträgerin für Physik

  • Einmal: jedes Vereinsmitglied haftet lt. Vereinsrecht mit seinem Privatvermögen. Das mag weit hergeholt aussehen- ist es aber nicht.

    Quelle? Behaupten kannst Du erst mal viel.

    Simplymad Ich bitte um Entschuldigung, dass ich das wieder hoch hole.
    Jedoch empfinde ich das belegen dieser Aussage als sehr wichtig. Denn soweit ich es jetzt nachgelesen habe ist die Aussage falsch.

    Haftung Verein: Mitglieder und Vereinsvorstand | Recht | Haufe
    Wann und unter welchen Voraussetzungen können die Mitglieder eines Vereins überhaupt zur Haftung herangezogen werden? Die Frage ist von hoher praktischer…
    www.haufe.de

    Nach aktuellem Stand ist das für mich eine Falschaussage und die sollte man so nicht stehen lassen. Ich lasse mich aber gerne belehren.
    Dann lieber alles davon löschen, denn es wäre ja etwas OT.

  • Danke! Daß es Fake-News zur Panikmache schon hier in unser schönes Forum geschafft haben, macht mich echt traurig!

    Ich möchte noch erwähnen, dass der Artikel von Haufe von 2010 ist. Deshalb freue ich mich auch gerne über etwas aktuelleres.

    Ich habe jetzt noch diese Seite gefunden: https://www.engagiert-in-nrw.de/informationen-zum-vereinsrecht Da wird das nur als Problem der BGB-Gesellschaft genannt.

  • Wie auf Seite 3 bereits mehrfach vom TO erbeten - es geht hier um die Frage ob Wanderverreine noch Zeitgemäß sind, nicht um die Haftung. Das Thema ist durch (nachdem das 2 Seiten lang besprochen wurde und mehr als einmal darauf hingewiesen wurde, dass "die Mitglieder haften mit Ihrem Privatvermögen" so sicher nicht richtig ist)

    Bin gerade nicht sicher ob diese Detailtiefe noch etwas zum Thema beiträgt. Angst vor Haftung habe ich verstanden und das werde ich auch auf meine Liste schreiben, aber vielleicht können wir das einfach mal so stehen lassen ohne es tot zu diskutieren. So war auch meine Bitte.

  • Wie auf Seite 3 bereits mehrfach vom TO erbeten - es geht hier um die Frage ob Wanderverreine noch Zeitgemäß sind, nicht um die Haftung. Das Thema ist durch (nachdem das 2 Seiten lang besprochen wurde und mehr als einmal darauf hingewiesen wurde, dass "die Mitglieder haften mit Ihrem Privatvermögen" so sicher nicht richtig ist)

    Bin gerade nicht sicher ob diese Detailtiefe noch etwas zum Thema beiträgt. Angst vor Haftung habe ich verstanden und das werde ich auch auf meine Liste schreiben, aber vielleicht können wir das einfach mal so stehen lassen ohne es tot zu diskutieren. So war auch meine Bitte.

    Ja, Schiri! ^^;)

    Trotzdem leben die Vereine von Wegen, nicht von "Wischgesten". Und wenn ich schon ehrenamtlich anfahre, arbeite usw. dann möchte ich nicht auch noch im Regen stehen, wenn mal etwas schief läuft.

    Daher gehört das für mich zu den grundlegenden Fragen, ob und wie ich mich in einem Verein engagiere.

    Danke für die Asukünfte zur aktuellen Rechtslage.

  • Danke! Daß es Fake-News zur Panikmache schon hier in unser schönes Forum geschafft haben, macht mich echt traurig!

    Nun, wenn mir Fake-News vorgeworfen werden (d. h. böswillige Verdrehung der Tatsachen) ist eine Diskussion natürlich obsolet.

    Nur noch ein paar Hiweise.

    Es gibt auch nicht eV. Vereine, bei denen die Haftung unterschiedlich geregelt ist. Der Hauffe Artikel dreht sich um e.V. Vereine.

    Trotzdem kommt er am Ende zu dem Schluss, dass diverse Versicherungen ein muss darstellen.

    Außerdem gibt es noch die Eigentümerhaftung nach BGB, die z. B. bei einem Unfall an einer schadhaften Bank des Vereins greifen würde.

    Egal. Wenn das alles Fake-News sind, können die auch gelöscht werden.

    Grüße Azes

  • Jetzt mal ehrlich: Dieser Thread war nie dafür gedacht, in eine juristische oder sachliche Grundsatzdiskussion abzudriften.

    Mir geht es nach wie vor darum, Stimmungen, Eindrücke und Gefühle einzufangen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob diese Gefühle objektiv gerechtfertigt sind oder nicht. Denn Gefühle sind zunächst einmal da und sie beeinflussen Entscheidungen. Meine Absicht war es bewusst, diese Perspektiven wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten oder gar abzuwerten. Deshalb habe ich ausdrücklich darum gebeten, die hier geäußerten Gedanken nicht zu kritisieren.

    Warum dieser Ansatz?
    Weil Entscheidungen oft leise und unbeachtet entstehen. Kaum jemand spricht offen darüber, wenn er nicht direkt danach gefragt wird. Und doch sind es häufig genau solche Faktoren wie Bauchgefühl, Halbwissen oder auch Missverständnisse, die zu einem bestimmten Entschluss führen. Auch wenn eine Information sachlich falsch sein mag, kann sie subjektiv dennoch den Ausschlag geben. Genau dieses Spannungsfeld wollte ich sichtbar machen und besser verstehen.

    Und nun?
    Leider habe ich den Eindruck, dass die Chance, weitere ehrliche Beiträge zu sammeln, durch die unerwünschte Diskussion erheblich geschmälert wurde. Und das ist schade. Ich kann nachvollziehen, wenn sich manche nicht mehr äußern wollen. Schließlich entsteht der Eindruck, dass ihre Worte doch wieder seziert oder in Frage gestellt werden. Wenn trotz eindeutiger Bitte im Eingangspost und wiederholter Hinweise im Verlauf manche nicht davon ablassen können, ihre eigenen Ansichten durchzusetzen, besteht die Gefahr, dass beim nächsten Reizthema wieder dieselbe Dynamik einsetzt. Damit geht leider genau das verloren, was ich mir erhofft hatte: ein Raum, in dem man offen und ohne Angst vor Kritik von innen heraus schildern kann, warum man sich für oder gegen einen Verein entschieden hat.

    "Glaube nicht alles, was im Internet steht" - Heidi Klum, 28, Nobelpreisträgerin für Physik

  • Ich bin im Rudern aktiv. Ende des letzten Jahres ist eine Ruderin in Berlin gestorben und 3 weitere wurden verletzt. Nicht nur wurde die Staatsanwaltschaft aktiv, sondern auch die jeweiligen Versicherungen. Dabei ging es um Personen- als auch Materialschäden, die nicht mehr unter die üblichen Vereins-Policen fielen. Plötzlich waren normale Mitglieder haftbar, obwohl es sogar eine offizielle Ruderveranstaltung war.

    Die über die Vereine erfolgende Versicherungshaftung kann sich ganz schnell für das einzelne Mitglied ändern. Dabei geht es nicht nur um Vorstandsmitglieder oder andere formale Posten. Auch ein normales Mitglied kann schnell aus der Haftung fliegen, wenn es zB eigene Neu-Mitglieder im Sinne des Vereinsthemas anleitet (evtl. muss eine extra Haftpflicht organisiert werden), Nicht-Mitglieder mit dem Vereinsequipment agieren lasst etc.

    Die möglichen Fallstricke sind zahlreich.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Sobald Eure Beteiligung über die normale Mitgliedschaft hinausläuft, ist eine rechtliche Beratung sinnvoll. Sobald Ihr andere Menschen führt, für Euer Hobby anlernt oder teures Equipment alleine verantwortet, ist eine Versicherungsklärung Pflicht!


    Zurück zum Thema:

    Ansonsten kann ich nur in dasselbe Horn wie Kay stoßen: Versucht Euch durch niederschwellige Angebote, die keiner Mitgliedschaft bedürfen, für Jüngere attraktiv zu machen.

    Der Erfolg der Partei Die Linke bei der letzten Bundestagswahl ist unter anderem auf deren App zurückzuführen, die auch Nicht-Mitglieder kostenlos nutzen konnten. Dort durfte sich jeder für alle möglichen Tätigkeiten zum Mitmachen melden, sodass am Ende ein wesentlicher Anteil der arbeitsintensiven Parteienwerbung (zB Tür-zu-Tür-Werbung, Flyer stecken etc) von Nicht-Mitgliedern getragen wurde.

    Ein befreundeter Ruderverein hatte dieses Jahr nur mit strategisch platzierten Flyern an Tram-Haltestellen und Supermärkten in nahen Neubaugebieten für seinen Tag der offenen Tür geworben und damit riesen Erfolg. Grund war, dass für bis zu 10 Teilnahmen keine Mitgliedschaft notwendig war.

    Junge/Jüngere Mitglieder werben ist schnell getan, sie bei der Stange halten kann nur der gesamte Verein. Deswegen muss man vorher bei Jahreshauptversammlungen aktiv sein, für Veränderung werben und diese dann auch durchsetzen.

    Bei meinem Verein ist es dieses Jahr wieder einmal an letzterem gescheitert. Wir werben eigentlich genug neue Mitglieder. Diese werden leider schnell durch starre Vereinstage vergrämt.

    Also vorher genug Überzeugungsarbeit im Verein leisten, ein Konzept ausarbeiten, das von der Mehrheit der Mitglieder getragen wird und dann erst die niederschwelligen Anwerbungsversuche starten. Sonst geht viel Arbeit verloren.

    2 Mal editiert, zuletzt von fettewalze (9. Oktober 2025 um 20:44) aus folgendem Grund: Edit: Stilkorrektur, Rechtschreibung

  • fettewalze hat das sehr gut beschrieben, in der heutigen Zeit hat jeder Verein eine große Konkurrenz, einfach mal unverbindlich in Kontakt treten zu können ist da einer der Schlüssel für die Nachwuchsgewinnung.

    Ich hab in Vereinen echt fast schon surreal schlechte Erfahrungen gemacht (nicht aus dem Bereich Outdoor), ich bin deshalb in Sachen Vereinen sehr vorsichtig und zurückhaltend geworden, aber dieser Thread lässt mich diese Einstellung derzeit etwas überdenken.

  • Interessant ist ja immer erstmal, warum etwas ist - ehe man in ein wie es sein soll abtaucht.
    Selbst auf der Metaebene sind die Gründe für schrumpfende Vereine bereits mannigfaltig.
    Verschiebungen auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene - Gesellschaft und Schichten sind durchlässiger geworden, die großen, identifikation stiftenden Cleavages geschrumpft etc.
    Das macht den Bogen gleich noch größer über Vereine hinaus. Denn Kirche, Gewerkschaften, Volksparteien etc. alle mit ähnlichen Problemen - aus ähnlichen Gründen. Identifikation und Zugehörigkeit entsteht heutzutage oftmals anders - und ist deutlich fluider, man kommt eben nicht mehr in x-ter Generation aus einer SPD-Arbeiter, oder Kirchen- oder eben Wandererfamilie.
    Festlegen, Definieren Binden etc. auf Dauer passt da schlicht nicht mehr so gut in's Selbstbild und Konzept.

    Und dazu ist die Notwendigkeit auch viel geringer, wenn es darum geht, Gleichgesinnte zu finden. Lose Verbände wie Trainingsgruppen gewinnen in vielen Sportarten regen Zulauf - werden sogar von den großen Marken befeuert und kommerzialisiert (e.g. Marke XY running group etc.). Die Vernetzung macht es einfach, auch im kleinsten Kaff noch ein paar Crossfit-Dödel zu finden, die mit einem gemeinsam abends das Kinderspielplatzklettergerüst missbrauchen. Einen Verein braucht es da für das Benötigte schlicht nicht - und verkompliziert und bürokratisiert allenfalls.
    Wenn man dem entgegenstehen will, muss man sich überlegen, was auf der Haben-Seite eines Vereins steht.
    Perks wie Örtlichkeiten, Trainingsräumlichkeiten, günstiges, angeleitetes Training etc. sind da die offensichtlichsten.
    Oftmals aber auch, dass der eigene Nachwuchs gleich mit untergebracht und beschäftigt werden kann (mehr dazu unten).

    Ist ja auch schon mal was, zu wissen, dass es ein generelles Problem ist und nicht unbedingt nur an einem selbst, bzw. dem eigenen Verein oder der Thematik liegt. :)

    Das kann ich auch aus der praktischen Beobachtung von- und Mitgliedschaft in anderen Vereinen noch mal unterstreichen.
    Überalterung, seit geraumer Zeit sinkende Mitgliederzahlen aka wegsterben, zu wenig aktive, zu viel passive Mitglieder - und die Arbeit lastet stets auf zu wenigen Schultern.

    Selbst der DOSB wird dann doch auch langsam mal unruhig und hat gerade erst Millionen in die Hand genommen, um Neumitgliedern von Sportvereinen die Mitgliedschaft zu bezahlen :huh: https://www.dosb.de/themen/mensch-und-sportverein/restart
    Mich würde brennend interessieren, wie die Langzeitwirkung ausfällt - ich würde vermuten gering.

    Da wäre schon fast interessant, bei welchen Vereinen das beschriebene Bild anders aussieht, um best practices abzuleiten.
    Hast Du Dich da mal umgesehen, ob es im Wanderbereich Leuchttürme gibt - und was die anders machen?

    Die DAV Versicherung wurde ja bereits so oft angesprochen, dass klar ist, dass das mit das einzige ist, was viele Wandervereine für Autarkie-liebende UL-Wanderer zu bieten haben. Ich hatte mich hier noch mal umgesehen - ein paar Rabatte für Boulderhallen etc., das war's dann aber auch schon.
    Kursangebot - nicht uninteressant - aber gereicht, mich da mal konkret umzuschauen hat's in all den Jahren ja auch nicht.
    Damit wird's dann auch schon beliebig, wo ich für die Versicherung Mitglied werde, wenn's mir gar nicht um den Verein selbst geht.
    War zudem erstaunt, wie unterschiedlich die Beitragshöhen etc. bei den DAV Ortsgruppen waren. Dazu noch jeweils völlig unterschiedlich aufgebaute, grauenvolle Homepages - nicht unbedingt ein motivierender Erstkontakt, der nach mehr in Person schreit.
    Und - als Flachlandtiroler mit den hier treffend betitelten Urlaubsvereinen, hunderte Kilometer entfernt von der ersten, nennenswerten Erhebung, mangelt es einem auch schlicht an Phantasie, was man hier vor Ort mit den Vereinspappnasen (pardon) anstellen soll. Ist ja nicht so, dass da noch endlos Platz im Alltag wäre.

    Dazu vielleicht neben dem Meta Aufschlag und dem n=1 Einblick aus der Egoperspektive noch ein paar praktische Erkenntnisse aus dem beruflichen Kontext als Drübersteuer: Ich habe die letzten Jahre auch immer mal strategisch mit einigen Vereins-Dickschiffen bis hin zu den gelb-schwarzen Automobillobbyisten, die teilweise auch als Verein mit Regional- und Ortsgruppen strukturiert sind, an genau solchen Thematiken gearbeitet - denn die werden langsam alle unruhig. Ist ja simple Extrapolation, wann das ganze (noch) dysfunktional(er) wird und wie ein Kartenhaus zusammenfällt.
    Gewisse Analogien zum DAV lassen sich nicht leugnen. Auch da werden fast alle wegen der Versicherung Mitglied. Die Meisten wissen nicht mal, dass es sich um einen Verein handelt - geschweige denn, dass es da sowas wie Regional- oder Ortsgruppen gibt, und können sich nicht mal vorstellen, was man da mit den anderen Diesel-Dieters eigentlich überhaupt anstellen soll.
    Abstrakt gehalten: Funktionieren tut der Zulauf am ehesten noch dort, wo die Ortsgruppen noch lebendig und einigermaßen im Leben stehend sind - und vor allem, wo es gelingt, mit entsprechenden Angeboten bereits Familien und die Jüngsten an den Verein zu binden. Ist eine Ortsgruppe erstmal überaltert, ist da meist Hopfen und Malz verloren. Das tut sich kein jüngerer an. Und auch bei den Uraltmitgliedern heißt es zwar immer, man wünscht sich ja so sehr Neuzugänge - aber wenn dann jemand mal versucht, an überkommenem zu rütteln, wird schnell klar, dass es mit dem Veränderungswillen meist nicht so weit her ist - und die Beharrungskräfte groß und ermüdend.

    In diesem Sinne - viel Erfolg - und im Zweifel auch die Erkenntnis, mit den eigenen Ressourcen zu haushalten. Nicht jede Ortsgruppe ist zu retten - vielleicht im Zweifel ggf. auch einfach lieber die etwas vielversprechendere nebenan.

    "Not all those who wander are lost"

    3 Mal editiert, zuletzt von questor | hangloose (10. Oktober 2025 um 11:36)

  • Und noch ein Audiobeitrag zum Mangel im Ehrenamt der Sportvereine.

    Sportvereine - Millionen Mitglieder, aber zu wenige Ehrenamtler

    🗓️ 19/10/2025 • 🕑 18:20 • 📁 18 MB

    Podcast: Hintergrund

    Author: Lerche, Sabine

    Web player: https://podcastaddict.com/hintergrund/episode/206947434

    Episode: https://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2025/0…hintergrund-102

    Fußball, Turnen, Schwimmen: 28 Millionen Deutsche sind Mitglied in einem Sportverein, Tendenz steigend. Aber es fehlen Übungsleiter und Ehrenamtler. Das wird immer mehr zum Problem. Manche Vereine versuchen, kreativ gegenzusteuern. (Erstsendung am 18.9.25) Lerche, Sabine http://www.deutschlandfunk.de, Hintergrund

    "Not all those who wander are lost"

  • Und noch ein Audiobeitrag zum Mangel im Ehrenamt der Sportvereine.

    In der Schweiz hat man es oftmals so gelöst, dass Leute mit Funktionen einen Obulus bekommen - so als Wertschätzung.

    Beispiel Freiwillige Feuerwehr (kenne ich jetzt am Besten): pro Übungsstunde 20 CHF, pro Einsatz 50 CHF/h. Bezahlt über Stadt, Gebäudeversicherung und je nach Einsatz auch den verantwortlichen (oder dessen jeweilige Versicherung). Bevor sich die Leute über die hohen Beträge wundern : es ist die Schweiz, das ist weit unter Minimallohn, aber trotzdem am Ende auch Ausdruck von Wertschätzung. Fürs Geld macht man es nicht (dafür ist es zu wenig), aber man freut sich doch wenn es Anfang des Jahres ausbezahlt wird.

    Auch im Rugby-Verein bekommt der Trainer/Präsident etc. eine Unkostenpauschale - bezahlt über den Vereinsbeitrag. Damit konnten wir langfristig Personen sichern, die Bock auf den Job hatten und auch die unangenehmeren Seiten des Vereinslebens (immer die gleichen Nörgler, das Feilschen mit der Verwaltung/Platzwart etc.) voll angegangen sind. Wenn der Verein von einem nur fordert aber nichts zurückgibt, dann ist halt irgendwann der Tank leer. Über die Höhe kann ich jetzt nicht Auskunft geben.

  • Und noch ein Audiobeitrag zum Mangel im Ehrenamt der Sportvereine.

    In der Schweiz hat man es oftmals so gelöst, dass Leute mit Funktionen einen Obulus bekommen - so als Wertschätzung.

    Beispiel Freiwillige Feuerwehr (kenne ich jetzt am Besten): pro Übungsstunde 20 CHF, pro Einsatz 50 CHF/h. Bezahlt über Stadt, Gebäudeversicherung und je nach Einsatz auch den verantwortlichen (oder dessen jeweilige Versicherung). Bevor sich die Leute über die hohen Beträge wundern : es ist die Schweiz, das ist weit unter Minimallohn, aber trotzdem am Ende auch Ausdruck von Wertschätzung. Fürs Geld macht man es nicht (dafür ist es zu wenig), aber man freut sich doch wenn es Anfang des Jahres ausbezahlt wird.

    Auch im Rugby-Verein bekommt der Trainer/Präsident etc. eine Unkostenpauschale - bezahlt über den Vereinsbeitrag. Damit konnten wir langfristig Personen sichern, die Bock auf den Job hatten und auch die unangenehmeren Seiten des Vereinslebens (immer die gleichen Nörgler, das Feilschen mit der Verwaltung/Platzwart etc.) voll angegangen sind. Wenn der Verein von einem nur fordert aber nichts zurückgibt, dann ist halt irgendwann der Tank leer. Über die Höhe kann ich jetzt nicht Auskunft geben.


    Es ist ja auch so, dass diejenigen die noch einen Nagel gerade in die Wand bekommen, oft ihre Arbeitskleidung verschleissen, ihre eigene PSA mitbringen, für deren Reinigung und Pflege aufkommen usw., während andere nur schlau daherreden. Es fehlt nicht an "Trommlern", es fehlt an "Ruderern".

    So sehe ich das als Abgeltung für den Aufwand und als "Spritgeld", denn selten führt der Weg vor der Haustür vorbei. Und da Handwerkszeug muss auch irgendwie vor Ort kommen. Mit den Öffis darf man damit ja nicht mehr fahren :D

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