Sind Wandervereine noch zeitgemäß?

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  • Vielleicht kommt es auch auf die Definition dessen an, was eigentlich ein Verein ist?

    Eigentlich nur eine feste, institutionalisierte Form von dem was du da schilderst. Letztlich eine Struktur die über/unabhängig den individuellen Teilnehmern existiert. (Ganz unabhängig davon ist nur theoretisch, weil es immer die Personen gibt die aktiv sind und sich einbringen, und die, die es nicht tun.)

    Praktisch wird es dann, wenn man dadurch Rechtsgeschäfte abschließen kann und das als Verein tut, nicht als Privatperson/Gruppe.

  • die "Vereinsstruktur" vom DAV hat mich immer abgeschreckt (in meiner Jugend+später auch...), das "Umweltsiegel" des DAV halte ich für "greenwashing"

    Ich glaub das kommt sehr auf die Sektion an, meine ist durch die Universitätsstadt geprägt und dadurch eher progressiv. Auf der Bundesebene wirkte das früher tatsächlich eher wie "Greenwashing", inzwischen nehme ich ihnen das aber eher ab.

    Naturfreunde sind vllt. eine Alternative - nennen sich wenigstens zu Recht "Touristenverein"

    Naja, die Zielrichtung ist ja schon ähnlich, aufgrund der Historie nehme ich den Naturfreunden aber vieles eher ab, bei uns vor Ort konzentrieren die sich eher auf regionalen Naturschutz und wenig auf Berge und Sport.

  • Wäre nicht die erste Frage ob ich als Konsument eintrete weil es mir Vorteile bringt oder habe ich Interesse mitzuwirken?

    Im Verein bist Du in erster Linie Mitglied und nicht Konsument/Kunde. Da ist schon mal die erste Hürde in den Köpfen vieler Leute.

    Nichts, wo ich mich engagieren oder Verantwortung übernehmen wollte.

    Henne-Ei-Problem. Ich denke, wie überall eigentlich, wenn man Leute sammeln möchte, muss man etwas anbieten, das cool und damit gefragt ist. Man muss es auf eine Art anbieten, wie es den Leuten auch in den Kram passt. Dazu bräuchte man die Zeit eines Rentners, ohne deren Abgeschnittenheit zu den Lebenswelten jüngerer Generationen. Da hakt es in sehr vielen Vereinen. Überleben werden nur die, die eine kritische Masse an jüngeren Leuten aktivieren kann, die eben nicht nur konsumieren, sondern Aufgaben und Führung übernehmen. Nicht leicht, da die große Masse der Mittelalten immer recht beschäftigt ist, vor allem mit sich selbst, und sei es mit dem Verfolgen des aktuellen Streamingprogramms.

    Naja, darf selber nicht schimpfen. Bin auch kein Vereinsmensch und klüngele nur mit sehr ausgesuchtem Personal.

  • meine ist durch die Universitätsstadt geprägt

    hier auch (München-Oberland) - aber leider auch durch eine "Event-Party-Struktur" die "Alpen als Abeneuer-Spielplatz"... :(

    aufgrund der Historie nehme ich den Naturfreunden aber vieles eher ab

    Hier sind sie auf jeden Fall mehr am Naturschutz orientiert + auch kritisch zu so schönen "Events" wie Olympia... / da ist der DAV mit seinen Events/Sportextrem etc. Kadern m.E. einfach nicht glaubwürdig.
    -

    und über die "Neuausrichtung von Hütten + die "Behandlung" alter (und guter) Hüttenreferenten... ganz zu schweigen


    Generell gibt es aber sicher Vereine die das anders handhaben... (nur bin ich halt kein "Vereinsmensch"...)

  • Ich würde den DAV als Lobbyorgansation in Schutz nehmen. Es braucht Vermittlerorganisationen für Klima- und Umweltschutzthemen, die die Leute langsam von mehr Nachhaltigkeit überzeugen. Da finde ich die inhaltliche Arbeit wichtig. Und ich finde, sie positionieren sich auf Bundesebene eindeutig und glaubwürdig. Das in solchen Institutionen diverse Dinge (gerade in bestimmten Ortsverbänden) problematisch sind, nehme ich da in Kauf.

  • Ich bin im Laufe der Zeit dazu gekommen Vereinsstrukturen, insbesondere auch Dachverbänden, irgendwie zu mißtrauen. Ob das nun ein Wanderverein ist, oder ein ADAC, Imkerbund, Rotes Kreuz und viele andere. Und je größer desto ... naja, lassen wir das.

    Teils aufgrund von Beobachtungen von innen oder außen, oder mittlerweile weil ich mich von solchen Strukturen irgendwie gegen den Strich gebürstet fühle.

    Ich kann mir auch kaum vorstellen bei einer Gruppen- oder Vereinswanderung, inmitten einer schnatternden Blase einschließlich "interessanter" Gruppendynamik mitzugehen. Jedenfalls wenn das von der Dauer her mehr als ein Spaziergang ist. Wahrscheinlich kommt da dann doch der Autist (oder der Dachs) in mir durch.

    Ich sehe durchaus hier und da den Nutzen (wie z.B. des Vereins, der dieses Forum hier trägt und den Einzelpersonen als Betreibern juristischen und wirtschaftlichen Schutz vor diversem Bullshit© gewährt). Mein Vater war in den späten 70 Jahren des letzten Jahrhunderts für die Familie im norwegischen DNT, damit wir bei mehrwöchigen Touren auf der Hardangervidda und im Dovre die dortigen Hütten als Stützpunkte benutzen konnten. Und das war in Ordnung so.

    Dennoch, irgendwie ... ?(

    Der Dachs läßt schön grüßen, möchte aber auf keinen Fall gestört werden.

    (Kenneth Graham in "Der Wind in den Weiden")

    GNU Terry Pratchett

  • hier auch (München-Oberland) - aber leider auch durch eine "Event-Party-Struktur" die "Alpen als Abeneuer-Spielplatz"... :(

    Liegt bei uns vielleicht am der Entfernung, bei rund 400km bis in die Alpen widmen sich dem Thema nur Leute, die das wirklich ernst nehmen, Klettern im Fels wird halt überwiegend in den Mittelgebirgen trainiert und gelehrt.

    und über die "Neuausrichtung von Hütten + die "Behandlung" alter (und guter) Hüttenreferenten... ganz zu schweigen

    Der Hang zu immer luxuriöseren Hütten ist tatsächlich auch etwas was mir am DAV bitter aufstößt, wobei "meine" Sektion da wenig mit zu tun hat, da wir keine Hütte (mehr) haben.

    Henne-Ei-Problem. Ich denke, wie überall eigentlich, wenn man Leute sammeln möchte, muss man etwas anbieten, das cool und damit gefragt ist. Man muss es auf eine Art anbieten, wie es den Leuten auch in den Kram passt. Dazu bräuchte man die Zeit eines Rentners, ohne deren Abgeschnittenheit zu den Lebenswelten jüngerer Generationen.

    Nach meiner Erfahrung mit anderen Vereinen (nicht unbedingt aus dem Outdoorbereich) ist das sehr schwer, irgendwann gibt's einen Kipppunkt, an dem du kaum noch eine Kehrtwende durchführen kannst, höchstens noch durch eine regionale Erweiterung.

  • Nach meiner Erfahrung mit anderen Vereinen (nicht unbedingt aus dem Outdoorbereich) ist das sehr schwer, irgendwann gibt's einen Kipppunkt, an dem du kaum noch eine Kehrtwende durchführen kannst, höchstens noch durch eine regionale Erweiterung.

    Na ja, gerade im den Wandervereinen ist man ja nicht ortsgebunden. Ich wohne in Hildesheim, bin aber in einem kleinen Verein im Harz Mitglied obwohl es auch hier eine Ortsgruppe des Harzklubs gibt.

    An alle teilnehmenden schon mal ein dickes Dankeschön für die großartigen Einblicke. Ich lese interessiert alles.

    "Glaube nicht alles, was im Internet steht" - Heidi Klum, 28, Nobelpreisträgerin für Physik

  • Vielleicht ein bisschen OT, aber wem hier in der Diskussion ist eigentlich klar, dass auch unser Forum von einem Verein betrieben wird?

    Und hier im Forum: Wir machen hier in unserem lockeren Forenbetrieb genau das, was in den Staaten immer wieder als „give back to the trail“ bezeichnet wird. Das Forum lebt vom Helfen und Mitmachen.

    Ob Wandervereine nun noch zeitgemäß sind - wer sonst sollte die Hütten / Hohen Häuser betreiben, im Sinne von Wanderern lobbyieren - und sei es auf kommunaler Ebene - oder die ehrenamtliche Arbeit im Gelände übernehmen? Gerade am Wochenende bei Brandenburg den eigentlich wirklich schönen Grägertweg ca12 km von Kirchmöser nach Brandenburg spaziert - da scheint sich niemand mehr verantwortlich zu fühlen. Da bräuchte es zivilgesellschaftliches Engagement, wenn es die Gemeinde nicht mehr interessiert.

    Zur Frage, ob heute noch Wegmarkierungen sinnvoll sind, wo man doch alles auf dem Phone hat: Ja, im Sinne des Naturschutzes finde ich schon. Je besser ein Weg markiert und je besser er gebaut ist, desto mehr Leute benutzen ihn auch und rennen nicht überall durch. Das kommt allen zugute: denen, die dann auf den Wegen unterwegs sind, weil das Angebot stimmt, den Tieren - und auch denjenigen von uns, die auch mal bewusst abseits von touristischer Infrastruktur unterwegs sind.

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • Nicht falsch verstehen. Natürlich ist persönliches Engagement wichtig und nötig.

    Ich selbst bin in 3 Naturschutzorganisationen (also echten), davon in Zweien aktiv, einmal nur Zahler.

    Außerdem in einem Bogensportverein, aktiv.

    Ihr mögt das nicht gerne lesen, aber es werden meist 2 Dinge übersehen.

    Einmal: jedes Vereinsmitglied haftet lt. Vereinsrecht mit seinem Privatvermögen. Das mag weit hergeholt aussehen- ist es aber nicht.

    Ein [nicht ganz] Nachbarverein (Bogensport mit wunderbaren Bogen-Parcours) hat es geschaft, 600 000.-€ Schulden zu machen. Da geht es zur Zeit ziemlich hoch her unter den Mitgliedern.

    Oder speziell im Wanderbereich das Problem mit der Verkehrssicherungspflicht lt. BGB. Da verfolge ich die Rechtsprechung schon eine ganze Weile und bin immer wieder erstaunt über die Weltfremdheit der Richter. Ja, es ist Richterrecht und greift erst, wenn etwas passiert ist. Wer ist denn verantwortlich für die Bank, die nicht mehr sicher ist und dem Totast, der direkt darüber hängt? Ausschildern, Austüfteln, neue Routen kreieren macht Spass und da verdrängt man gerne den Rest, wenn es denn bekannt ist.


    Grüße Azes

  • Einmal: jedes Vereinsmitglied haftet lt. Vereinsrecht mit seinem Privatvermögen.

    citation needed

    Meinst du den Schnitt dazu im BGB? siehe https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__31.html

    Liest sich für mich erstmal wie ein Risiko für Mitglieder. Bin aber kein Jurist. Oft gibt es ja auch Urteile dazu, sodass aus dem Gesetz nur die halbe Wahrheit hervor geht.

  • Die Frage der Mitgliederhaftung treibt mich ebenfalls um.

    Soweit ich mir das Vereinsrecht selbst gedeutet habe, kann es Fälle der Mitgliederhaftung ausserhalb des Vorstandes geben.

    Wer ist Vereinsrechtler, ist das so korrekt?

    Der Vorstand ist bei Verkehrssicherung sowieso fällig, falls er sich durch präzise Gefährdungsbeurteilungen und dokumentierte Kontrollen nicht absichert. Daran hapert es bei zB Bogenparcouren definitiv bundesweit. Was da zT abgeht ist über dämlich hinaus.

    Durch Vereinsstreitigkeiten in einem anderen Bereich meine ich mitbekommen zu haben, dass besonders der Kassenwart in sehr missliche Positionen der persönlichen Haftung kommen kann.

    Das Thema wird VIEL zu leicht genommen.

  • Dazu:

    Einer der Grundsätze bei Ausschilderungen, Bänken, Schutzhütten etc ist, "Wer eine Gefahr oder eine grundsätzlich gefährliche Situation schafft, haftet".

    Baue ich eine Bank als Verein und es schaut nach 10 Jahren ein Nagel raus, bin ich für das Loch im Arsch verantwortlich. Bzw der, auf den ich das vertraglich abgewälzt habe.

  • Ob Wandervereine nun noch zeitgemäß sind - wer sonst sollte die Hütten / Hohen Häuser betreiben, im Sinne von Wanderern lobbyieren - und sei es auf kommunaler Ebene - oder die ehrenamtliche Arbeit im Gelände übernehmen?

    Bei uns übernehmen tatsächlich die Kommunen inzwischen einen großen Teil.

    Ich wohne in Hildesheim, bin aber in einem kleinen Verein im Harz Mitglied obwohl es auch hier eine Ortsgruppe des Harzklubs gibt.

    Ich kenne jetzt den Harzklub nicht, hab aber einen oberflächlichen Einblick in den SGV (Sauerländischen Gebirgsverein) und OHGV (Oberhessischen Gebirgsverein) und deren sehr kleinteiligen Strukturen sind m.E. das Problem, auf Dorfebene bekommst du nur in Ausnahmefällen noch etwas auf die Beine gestellt, da müssten sich die Mittelgebirgsvereine eher an der Gliederung des DAV oder der Naturfreunde orientieren.

  • Ich kenne jetzt den Harzklub nicht, hab aber einen oberflächlichen Einblick in den SGV (Sauerländischen Gebirgsverein) und OHGV (Oberhessischen Gebirgsverein) und deren sehr kleinteiligen Strukturen sind m.E. das Problem, auf Dorfebene bekommst du nur in Ausnahmefällen noch etwas auf die Beine gestellt, da müssten sich die Mittelgebirgsvereine eher an der Gliederung des DAV oder der Naturfreunde orientieren.

    Indeed. Der SGV hatte bis dieses Jahr ein mehrjähriges Projekt laufen, in dem bei Bedarf die kleineren Vereine zusammengelegt wurden. Das hat natürlich strukturelle Vorteile, da die Last von vielen oft auf den Schultern weniger liegt.

    Des Weiteren gab es, laut SGV selbst, auch eine Restrukturierung der einzelnen Positionen. Insgesamt wurden die Aufgaben auf mehr Schultern verteilt, was sicherlich hilfreich ist, wenn ich mir unseren ersten Vorsitzenden so anschaue. Er ist Wanderführer, Wegewart, Kassenwart und was weiß ich nicht noch in einer Person. Sowas kannst du natürlich nicht dauerhaft verlangen.

    Vielleicht ein bisschen OT, aber wem hier in der Diskussion ist eigentlich klar, dass auch unser Forum von einem Verein betrieben wird?

    Mir ist das selbstverständlich klar. Ich hoffe nur das deutlich wird, dass es mir bei der Sache explizit um Wandervereine geht. Und das auch gar nicht nur negativ. Ich versuche natürlich zu lernen und schön wäre es, wenn ich hieraus Lehren ziehe die mir helfen, diesen kleinen aber feinen Ortsverein eben nicht sterben zu lassen. ;)

    "Glaube nicht alles, was im Internet steht" - Heidi Klum, 28, Nobelpreisträgerin für Physik

    Einmal editiert, zuletzt von Simplymad (30. September 2025 um 20:00)

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