Grenzen & Möglichkeiten von "ultraleichten" sheltern

Zur Vermeidung von Spam werden deine Posts vor Veröffentlichung von den Moderatoren geprüft, falls du Links verwendest.
  • Da ich keinen entsprechenden Themenbereich gefunden habe, hier eine sehr gute Zusammenfassung.
    Wie immer bei Ryan Jordan, sachlich und kompetent:

    Episode 69 | Ultralight Shelters in Inclement Weather - Backpacking Light
    Episode 69 of the Backpacking Light Podcast dives into ultralight shelters and how their structures hold up during inclement weather.
    backpackinglight.com
  • wilbo 8. Mai 2025 um 06:58

    Hat den Titel des Themas von „Grenzen & Möglichkeiten von Ultraleicht sheltern“ zu „Grenzen & Möglichkeiten von "ultraleichten" sheltern“ geändert.
  • Die Mehrzahl der User machen sich nicht klar, dass ein extrem leicht gebautes shelter viel weniger Schutz bietet als man sich wünschen würde. Auf der anderen Seite wird das einseitig offene Tarp sofort mit Schutzlosigkeit gleichgesetzt.
    Ich glaube inzwischen, dass der psychologische Schutz von geschlossen outdoor-sheltern emotional viel höher bewertet wird als reale Nutzwert.

    Der Mensch ist schon ein seltsames Geschöpf ...

  • Ich glaube inzwischen, dass der psychologische Schutz von geschlossen outdoor-sheltern emotional viel höher bewertet wird als reale Nutzwert.

    Kannst Du das ein bisschen ausführen? Meinst Du damit z.B., dass man sich in einem rundum geschlossenen Zelt sicherer fühlt, auch wenn z.B. einfach der Schutz gegen Wind oder Regen aus einer Richtung in vielen Situationen das wichtigste ist?

  • Moin!

    Mir fällt auf, dass immer weniger hinterfragt wird, welchen realen physischen Schutz ein Shelter tatsächlich bietet.

    Bei Zelten werden zwar etablierte Normdaten wie die Wassersäule vom Außenzelt und Boden abgefragt, doch bei der Analyse der Konstruktion hört es meist schon auf.

    Mein Lieblingsbeispiel ist das Kuppel-Zelt:

    Um beim Gewicht mit Pyramiden-Zelten mithalten zu können, werden Stangendurchmesser und Denier Stärken der Gewebe immer geringer, ohne die Konsequenzen für die Statik zu berücksichtigen.
    Die Hersteller kümmern sich größtenteils nicht einmal darum, das eingesparte Gewicht durch ein cleveres Design auszugleichen. Stattdessen wird einfach der nächst geringere Materialwert genommen, und dann schaut man, wie es sich verkauft. (Es ist ja „nur“ ein Campingzelt.)

    Auf der anderen Seite habe ich als Kunde ein scheinbar vollwertiges Shelter vor mir. Die gängigen Daten sind schnell überprüft, und schon geht es um den praktischen Wohnwert. Damit beurteile ich als Käufer vor allem das, was ich sehen und anfassen kann. Ob das Shelter draußen unter bestimmten Bedingungen seinen Wohnwert behält, ist zunächst zweitrangig. (Das hat ja der Hersteller erledigt, sonst würde er es ja nicht anbieten) ;)

    Ich kann das Zelt ja offensichtlich komplett schließen und mir damit mein abgeschirmtes Schneckenhaus schaffen – so, wie ich es von zu Hause her kenne. Doch in Wirklichkeit ist das eher ein mentaler Schutz vor den Unbilden der Natur als ein real physischer. Diese statisch fragwürdige, mit einem dünnen Häutchen überzogene Kapsel darf nicht übermäßig strapaziert werden, ohne dass sie ihren Wohnwert teilweise oder sogar ganz einbüßt.

    Es ist ein wenig wie beim Outdoor-Schlafen: Irgendwie wird erwartet, dass man draußen genauso schläft wie zu Hause. Dass dies allein schon durch die völlig andere Umgebung gar nicht funktionieren kann, wird oft nicht wahrgenommen oder bewusst verdrängt. Stattdessen versucht man permanent, den scheinbaren Mangel mit immer neueren, ausgefeilteren Produkten auszugleichen.

    Ebenso vermittelt ein abgeschlossener Raum das Gefühl von Vertrautheit, wie wir es aus unserem heimischen Umfeld kennen, doch ist dies eine kleine Illusion.

  • Mir fällt auf, dass immer weniger hinterfragt wird, welchen realen physischen Schutz ein Shelter tatsächlich bietet.

    Bei Zelten werden zwar etablierte Normdaten wie die Wassersäule vom Außenzelt und Boden abgefragt, doch bei der Analyse der Konstruktion hört es meist schon auf.

    Naja, wobei das nicht so das neue ist, oder? Früher als Kohle noch wichtiger war als Gewicht, kamen irgendwann die China-Aldi Zelte auf und man konnte ein Zelt für 50 Mark kaufen, da war zu Teilen nur der Boden regendicht, von Windstabilität ganz zu schweigen.

    Und besonders im UL Bereich (gibt es hier überhaupt "Sturmbunker"?) war es schon immer eine Gradwanderung wie viel Gewicht man sich spart auf Kosten des Komfort und besonders der Sicherheit. Ich sehe das Problem eher an zwei Stellen, nämlich

    • am zweifelhaften Marketing einzelner, die Gesundheit ihrer Konsumenten willentlich in kauf nehmend, und
    • den Ultralighties selbst, die halt gerne "das ALLER-Leichteste" und häufig erst zweitrangig "das geeignetste" kaufen, das muss noch nicht mal Stupid Light sein

    An sich wirst Du doch in der ganzen Blase die ganze Zeit nur verarscht --- oder man tuts ja auch gerne selber. Man kauft sich ein Zelt, möglichst das leichteste, nein, das nicht, das wiegt 70g mehr, nur um im Anschluss die Leinen zu verlängern und die Heringe gegen was anständiges zu tauschen. Das Notch haben sie mir mit 4 Heringen geliefert - bei 6 offiziellen Abspannpunkten, geil wieder ein Zelt um 20g leichter gekauft. 🤪<facepalm>

    Und mal ganz ehrlich, an welcher Kenngröße soll ich als Konsument die Schlechtwettertauglichkeit erkennen? Da bleibt halt nur das Youtube Video, oder? Nicht jeder ist halt Zeltstatiker...

  • Sehr interessantes Thema!

    Ich persönlich finde, das Marketing generell einer der schlimmsten Erfindungen des Menschen ist.

    Ehrlichkeit behindert scheinbar den Verkauf.

    Ich finde es aber auch als Nutzer schwer bei den Angeboten und Infos die einem zur Verfügung stehen ( gerade gegoogelt, es gibt sogar eine DIN Norm für Camping Zelte ( muss man aber kaufen um diese lesen zu können )), die richtige Entscheidung zu treffen bzw. ich würde es eher den richtigen Kompromiss nennen.

    Skills spielen natürlich auch eine Rolle, ohne diese geht es bei normalen Wetter ohne Probleme, kommt dann mal Sturm auf werde diese aber enorm wichtig. Zumal wenn man nicht eine 100% plane Fläche hat.

    Auch nach 300 Nächten in verschieden Zelten habe ich immer das Gefühlt, das hätte ich jetzt noch besser aufbauen können.

    Wenn es das gebe, würde ich sogar mal einen kostenpflichtigen Kurs dazu besuchen.

  • Dazu gesellt sich dann gern eine Einstellung wie „Zur Not rette ich mich eben in die nächstgelegene Hütte“ oder schlimmstenfalls „dann drücke ich eben den SOS-Knopf“. Wie man mit einem gebrochenem Knöchel die acht Kilometer bis zur rettenden Hütte noch schaffen soll, bleibt dabei ein Geheimnis.

  • Ich persönlich finde, das Marketing generell einer der schlimmsten Erfindungen des Menschen ist.

    Ehrlichkeit behindert scheinbar den Verkauf.

    Ja, sehe ich genauso. Ich habe eine regelrechte Allergie gegen dieses Superlativ-Marketing. Als wäre dein Leben ohne unvollständig. Neulich gabs irgend ne weitere Pad-Pumpe, die aber maximal übetrieben beworben wurde („… Turbinen-Technologie …“, Explosions-Diagramme, Luft-Aufnahmen in toller Landschaft, dramatische Musik). Ich habe nicht mal das 3-min-Video zuende angeschaut.

    Für mich hat das zwei Folgen:

    - Solchen Kram kaufe ich nicht

    - Meine eigenen Sachen vermarkte ich anders

    Kaufentscheidungen werden oft vor dem Monitor getroffen. Und da machen sich einfach greifbare Sachen wie Gewicht besser als komplexere wie Usability oder Denier.

  • Zitat

    questor | hangloose
    Spannender finde ich aber eigentlich auch die Beobachtungen von wilbo bezüglich - ich nenne es mal 'Tarpangst' - oder 'Zeltfetisch' ?(

    Ein komplettes dw-tent ist vom Gewicht so dicht an einem Tarp + inner Setup dran, dass die meisten einfach auf Nummer sicher gehen und das fertige Produkt wählen. Die Probleme kommen, (wenn überhaupt) erst bei Anwendungen, die ein wenig anspruchsvoller werden.

    Aber auch eine „normale“ Halb-Kuppel kann man so verbasteln, dass sie nur mit etwas mehr Kompetenz richtig aufgebaut werden kann.
    Auf dem Treffen hatte ich zusammen mit Jan (w.o.t.w.s.) eine sehr nette Aufbauberatung für eine Besitzerin von einem Sea-to-summit Zelt. Das Teil war ziemlich verfrickelt und ohne Anleitung leicht misszuverstehen.
    Das Vorschuß-Vertrauen in die Hersteller ist einfach sehr groß in der Meinung, dass schon alles für den Kunden vorab getestet wird.
    Dafür ist bei dem schnellen Produktwechsel aber beim besten Willen keine Zeit. Und wenn man im Rahmen bestimmter Parameter bleibt, von Herstellerseite auch keine Einsicht zur Notwendigkeit vorhanden.

    Dass ein Tarp-Setup einfacher als ein Zelt aufzubauen sein kann, widerspricht dem klaren Menschenverstand. :S

  • Nur - wenn es nicht mal hilft, die Tarps live und in Farbe von Dir vor die Nase gestellt zu bekommen, um sich damit mal auseinanderzusetzen, was denn dann? (Also ernsthaft - was kann da einen Denkanstoß geben?) Das ist das schon schräg. Ich fand in den Anfängen nichts spannender als möglichst viel Bandbreite mal in echt befingern zu können. Da ist es dann mit 'hinterfrage alles' wohl auch einfach (noch?) nicht so weit her...

    "Not all those who wander are lost"

  • Nur - wenn es nicht mal hilft, die Tarps live und in Farbe von Dir vor die Nase gestellt zu bekommen, um sich damit mal auseinanderzusetzen, was denn dann? (Also ernsthaft - was kann da einen Denkanstoß geben?) Das ist das schon schräg. Ich fand in den Anfängen nichts spannender als möglichst viel Bandbreite mal in echt befingern zu können. Da ist es dann mit 'hinterfrage alles' wohl auch einfach (noch?) nicht so weit her...

    Ich glaube eher dass der Anfangsreflex ist, sich Natur möglichst vom Hals zu halten, was für Double Wall Zelt spricht. Je öfter man draußen ist, und je "normaler" das Schlafen in der Natur ist, desto mehr ist man bereit, sich darauf ein zu lassen. Mit Cowboycamping, oder bei schlechterem Wetter mit nur ein Tarp drüber. Ich würde nicht mit Tarp anfangen wollen, und es auch keinem raten wollen

  • Das mit dem Gewicht stimmt natürlich schon.

    Mein lieblings Zelt, das TT Protrail Li, wiegt nur 450g!

    Wer aber ein Tarp aus DCF benutzt, trägt dann auch nur noch um die 200g mit durch die Gegend.

    Wer UL auf die Spitze treiben will, kann das machen… Aber wie viele wollen das überhaupt noch…?

    Ich entdecke immer mehr den Trend, das Newbies in den Foren auftauchen, die auch nach Beratung, immer noch Zelte wählen, die 1,3Kg wiegen, oder mehr… für geplante Sommertouren!

    Da haste es dann natürlich schwer, mit Tarps…

  • Ich glaube eher dass der Anfangsreflex ist, sich Natur möglichst vom Hals zu halten, was für Double Wall Zelt spricht.

    Da bin ich ganz bei Dir.
    Bei mir war in der Vergangenheit der Wunsch nach einem Rundumschutz extrem hoch. Damals war ich allerdings fast nur in Nordskandinavien unterwegs und anfangs recht unerfahren.
    Für mich in 80ern war das Shelter der Wahl ebenfalls eine Kuppel. (Leider extrem schwer).

    Ich würde nicht mit Tarp anfangen wollen, und es auch keinem raten wollen

    Es kommt auf das Tarp an.
    Die meisten verbinden mit einem Tarp-Aufbau dieses unselige gehassel beim 3×3 Tarp. Dass es deutlich simpler und schneller geht, ist den meisten bedauerlicherweise nicht bekannt. Meine Bestzeit beim Trapezo-Mid sind 2,5 Min.
    (Ich muss mehr Aufbau-Videos machen!)

    VG. -wilbo-

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!