Rucksack-Projekt - und Fragen dazu

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  • Moin,

    unsere Tochter und ich haben uns vorgenommen, einen "Arc Blast inspired Backpack" für sie zu nähen.

    Ich weiß, dass nivi schon einmal so ein Projekt realisiert hat und ich habe auch den Eintrag auf Reddit dazu gesehen.

    Darüber hinaus habe ich jedoch einige grundsätzliche Fragen:

    Rückenlänge: Ich weiß, dass man diese am Rücken vom C7 bis zur Oberkante Hüfte misst. Entspricht diese Länge dem Ansatz der Schultergurte und bis zur Oberkante der Hüftgurte? Oder nimmt man hier andere Messpunkte? Manche Hersteller sprechen hier z.B. von 1/3 - 2/3 beim Sitz des Hüftgurts auf dem Hüftknochen. Das müsste dann ja auch Auswirkung auf die Längenangaben haben.

    Loadlifter: Diese sollen im Idealfall im 30 Grad Winkel nach unten führen, richtig? Reicht hier tatsächlich eine Schnur mit LineLoc oder sind Gurte empfehlenswerter?

    Versteifungen: Hat jemand schon mal aus dünnen Holzleisten sich Querstreben für die Rückenversteifung selbst hergestellt - also in Schichten geleimt? Wäre dann gleich gebogen besser oder lieber gerade, damit ich diese auf Spannung bringen kann?

    Im Laufe des Prozesses werden sicherlich noch mehr Fragen auftauchen, ...

  • Moin! Viel Erfolg und Spaß beim Projekt!

    Die Rückenlänge bestimmt die Positionen der Teile des Tragesystems, ist aber nicht einfach gleich die Länge der Rucksack-Rückseite. Wie genau sie die Positionen bestimmt, hängt von der Konstruktion ab.

    Ich denke unterer Ansatz der Rückenlänge bei ⅓-½ von der Oberkante des Hüftgurtes ergibt Sinn; würde ich aber, falls vorhanden, mit einem gut sitzenden Rucksack vorher überprüfen.

    Ansatz der Schultergurte ist variabler: Wenn sie direkt auf Höhe der Schulter aus dem Rucksack kommen sollen, hast du hier den oberen Punkt der Rückenlänge. Ich lasse die Schultergurte noch um meine Schulter kurven; ich setzte dafür den oberen Punkt auf die Hälfte der Distanz zwischen Schultergurten und Loadliftern.

    Loadlifter: Ich kenne und baue das im 45°-Winkel. Der Rucksack sinkt unter Last ja eh immer etwas ab und der Winkel verringert sich.

  • Die habt ihr ja sehr ordentlich hinbekommen - vor allem die Einfassung. Ich habe für meine Rucksäcke den TH50 von Stitchbackgear als Grundlage genommen. (gibt es hier auch zwei Beiträge dazu; und da hab ich grad bemerkt, dass ich beim zweiten gar nicht das Endergebnis zeigte)

    Als Loadlifter nur eine Schnur kann ich mir nicht recht vorstellen, da würde ich schon Gurte verwenden.

  • Sieht super aus! sehr viel Liebe zum Detail, Respekt! Vieles kann man sich da an der Maschine aber auch ersparen und es KISS halten. Das 3DMesh der Schultergurte würde ich zu Gunsten von Belüftung - und Nerven beim Nähen nicht extra mit Stoff doppeln. Nicht mal Einfassen ist nötig, wenn man zwei Lagen auf links verheiratet.

    Das sollte auch mit load liftern funktionieren würde ich behaupten - bzw. könnte man ja auch nur da oben Stoff aufdoppeln.

    Meine sind auch im Schnitt deutlich einfacher und geradliniger, spitz zulaufend, aber das ist ja personal preference.

    "Not all those who wander are lost"

  • Inzwischen ist der Rucksack inkl. stolzer Besitzerin auf dem Weg nach Portugal. Und die erste Handgepäckkontrolle haben beide zusammen ebenfalls erfolgreich absolviert!

    Das Volumen beträgt bis zur Oberkante des Gestells (55cm) gerechnet 28,4 Liter. Die Schürze ist dann noch einmal ca. 20cm hoch. Dadurch kommt ein optionales Volumen von weiteren 10 Litern hinzu. Seitentaschen und Fronttasche nicht mitgerechnet.

    Der "richtige" Hüftgurt ist leider nicht mehr rechtzeitig fertig geworden. Hier haben wir jetzt eine Quick and Dirty Lösung gewählt. Bei aktuellem Packgewicht scheint es auch gut zu passen. Und auch beim Brustgurt haben wir erst einmal einen anderen von einem anderen Rucksack abgebaut.

    Was ebenfalls noch fehlt: Die Nahtkanten im Inneren haben wir nur mit einem Zickzackstich verstärkt. Später wird hier ein Einfassband rumgelegt.

    Das Gurtband vom Rückennetz gibt noch etwas nach, hier muss sie sicherlich dann und wann nachspannen, um die Segellatten auf Spannung zu bekommen. Sieht man auch auf den Bildern.

    Der Winkel der Loadlifter passt ganz gut., ggf. wird hier der Ansatzpunkt auf den Schultergurten weiter nach oben versetzt.

    Insgesamt ein super schönes Vater-Tochter Projekt. Da bei der Tochter wohl noch etwas Länge dazu kommt, haben wir die Schultergurte verstellbar gemacht.

    Und hier im Forum natürlich (fast) das Wichtigste: 760g, allerdings noch ohne die Loadlifter, also im Kopf noch ca. 10g addieren.

    Finde ich echt ganz passabel für einen Rucksack mit knapp 40 Liter, Tragestellt und einem belüfteten Netzrücken. Allerdings ist der Hüftgurt minimal (und natürlich ohne Taschen) und es sind auch keine Taschen an den Schultergurten. Stattdessen nimmt sie jetzt eine Bauchtasche. Die kann sie dann auch allein tragen, wenn der Rucksack nicht mitkommt.

    Jetzt muss sich der Rucksack eine Woche lang bewähren und den Praxisalltag überstehen.

  • Das Tragegestell ist eine kopierte Eigenentwicklung. Wenn ich den Rucksack von Zpacks richtig verstanden habe, dann machen die es so ähnlich. Auch hat nivi ein vergleichbares Projekt realisiert. Und dann habe ich einige Anpassungen vorgenommen, die mir sinnvoll erschienen. Die weißen Streben sind aus einer Segellatte. Die ist für mein Gefühl perfekt dafür geeignet.

    Walkin' I still have to work until sunday. Then I am going to follow her and the others of my family.

  • Das sieht mega gut verarbeitet aus und optisch gefällt mir dein Rucksack mir auch total! :) Ich könnte mir vorstellen, dass ihr in Zukunft vielleicht noch ein Polster über die untere Querstrebe anbringt, damit das nicht so in den Rücken drückt... zeigt sich bestimmt in der Praxis, ob das nötig ist. Wie viele Stunden habt ihr daran gebastelt?

  • Wir sind wieder zurück und hier ein kleines Update:

    Insbesondere zwei Dinge werden wir noch einmal ändern müssen, bei einer überlegen wir noch:

    - An zwei Stellen habe ich minderwertiges Material verbaut, bzw. zu dünnes und das betrifft insbesondere den Netzrücken. Das Gurtband hat den Zug nicht ausgehalten und hat sich ausgefranst. Ebenfalls sind die Stege der Leiterschnalle zu dünn, um diese Kräfte aufzunehmen. Hier werde ich nun besseres Gurtband nehmen und dieses ggf. auch in 20mm und nicht in 15mm, weil ich dann auch eine kräftigere Schnalle verwenden kann. Es sei denn, jemand kann mir eine gute Leiterschnalle empfehlen? Recherchiert habe ich hier jedoch noch nicht. Beides kann man auf dem Foto gut erkennen:

    - Eine weitere Schwachstelle ist konstruktiv bedingt. Ich hatte gehofft, dass die Naht ausreichend stark ist, um den Druck der Segellatte abzufangen. Das ist nicht der Fall. Ein Grund wird das minderwertige Gurtband sein, welches sich übermäßig gedehnt hat. Geholfen hätte es jedoch, wenn ich das Gurtband nicht vorne aufgesetzt hätte, sondern hinten und dann um den Fuß der Segellatte herzum geführt, so dass diese nicht auf eine Naht stößt, sondern in einer Art "Socke" sitzt. Lässt sich ebenfalls gut erkennen:

    - Die Schultergurte waren insgesamt gut. Noch besser wäre es gewesen, wenn sie etwas breiter gewesen wären, insbesondere auch deshalb, da der Hüftgurt ja nur ein 25mm Gurtband gewesen ist.

    Manchmal ist mir das Material wie Schnallen und Gurtband zu teuer, welches ich hier beziehen kann. Daher bestelle ich auch gerne bei Aliexpress. Der Nachteil: Hier kann keiner für mich eine Vorauswahl treffen. Solange sich die Belastung im Rahmen hält, ist das i.d.R. kein Probelm. Hier war es dann doch eins.

    Weitere Aspekte:

    - Was gut funktioniert hat, war die Idee mit den Segellatten. Hier nur Obacht bei der Bearbeitung derselben. Hier gebe ich bei Bedarf gerne Tipps zum Sägen. Das ist nicht nur trivial.

    - Ein bischen überdenken, werden wir noch einmal die Verstellbarkeit der Schultergurte in der Höhe. Diese funktioniert, aber wenn sie ganz oben sitzen, dann ist das Gefälle der Loadlifter kaum noch gegeben.

    - Die Seitentaschen könnten etwas höher sein. So muss man die Kompressionsgummis an den Seiten verweden, damit die Trinkflasche drin bleibt.

    - Die Befestigungen für die Riemen der Schultergurte und den Hüftgurt (alternativ Ansatz für die Lastenkontrollriemen) haben wir in die Naht gesetzt. Das würde ich auch wieder so machen.

    - Die Größe des Rucksacks ist für diese Tour mehr als ausreichend gewesen.

    Der Stolz einen eigenen eigenhändig genähten Rucksack auf dem Rücken zu tragen, ist es jedoch durch nichts zu ersetzen!

  • Bei solch hochwertigen Anwendungen wie in Deinem Fall, würde ich bei einigen Komponenten nicht beim Material sparen. Zwar muss man bei Extex auch die Kombi von Schnalle und Gurtband testen, aber das dann nur einmal.

    Bei den Leiterschnallen hat sich Nylon als Material, auch bei tiefen Temperaturen, bewährt. Ich habe zusätzlich einige Schnallen in Aluminium hier liegen um den Grip bei verschiedenen Gurtbändern zu vergleichen.
    Rutscht bei hohen Zuglasten das Gurtband immer noch durch, muss die Oberfläche gröber und das Material steifer sein.

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    Hier nur Obacht bei der Bearbeitung derselben. Hier gebe ich bei Bedarf gerne Tipps zum Sägen. Das ist nicht nur trivial.

    Ja, bitte!

  • Hier nur Obacht bei der Bearbeitung derselben. Hier gebe ich bei Bedarf gerne Tipps zum Sägen. Das ist nicht nur trivial.

    Ja, bitte!

    Beim Sägen von Glasfaser entsteht sehr feine Späne, die auf der Haut höchst unangenehm ist und erst Recht in den Atemwegen. Daher: Handschuhe und besser noch mit Atemmaske. Gerne auch im Freien arbeiten.

    Die zu sägende Stelle klebst du dann erst mit Gaffatape o.ä. ab. So sorgst du dafür, dass ein Teil der Späne "gebunden" wird und das die Glasfaser nicht so schnell splittert. Dann mit einer Eisensäge sägen. Dabei einen Eimer o.ä. darunter stellen, um die Späne aufzufangen. Alles kein Hexenwerk, aber besser is.

  • - Die Seitentaschen könnten etwas höher sein. So muss man die Kompressionsgummis an den Seiten verweden, damit die Trinkflasche drin bleibt.

    - Die Befestigungen für die Riemen der Schultergurte und den Hüftgurt (alternativ Ansatz

    Ich mag angeschrägte Seitentaschen, zum menschlichen Träger hin niedriger. Ich komme nach hinten greifend ran - und was mehr Höhe braucht, hat hinten trotzdem genug Halt :thumbup:


    Beim Sägen von Glasfaser entsteht sehr feine Späne, die auf der Haut höchst unangenehm ist und erst Recht in den Atemwegen.

    Ist da nicht wie auch bei Carbon auch sägen unter Wasser ein Gedanke?


    Aber ist doch super, dass sich das Konzept selbst auf Anhieb und direkt auf Tour bewährt hat und es nur noch an Kleinigkeiten und Materialqualität zu feilen gilt!:thumbup:

    "Not all those who wander are lost"

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