Diskussion: Polartec Alpha in kühl-nassen Gefilden

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  • Also ich finde das Alpha genau bei so kühl nassem Wetter, seine Hauptvorteile hat. Ich habe beim aktuellen Wetter täglich zum Wandern oder Radfahren, immer ein 60er Alpha als Baselayer und dann als Warme Schicht noch ein 120er drüber. Außen normal eine 3L Regenjacke.

    Der Unterschied zu allen anderen Kombinationen, die ich bisher hatte, ist, dass man durch die Reisverschlüsse den Temperaturbereich besser regeln kann als mit einem anderen Base/Midlayer. Also in Bewegung, von leichte Wanderung bis zu schnellem Radfahren, ist fast alles zwischen -10 und +12 Grad drinnen, ohne dass man sich ständig umziehen muss (am Gipfel, werden die zwei Schichten Alpha oft einfach getauscht, damit das Vollgeschwitzte außen liegt und besser trocknet). Bevor ich das Alpha auch als Baselayer getragen habe, hat es mich nicht wirklich überzeugt, da ich mich wie bei jedem anderen Fleece auch ständig umziehen musste.

  • An anderer Stelle kam jetzt die Diskussion auf, dass ja einzig und allein Alpha Direct hydrophob wäre.
    Und ich frage mich, wie es da dann überhaupt als base layer taugen kann. Rinnt einem dann nicht der Schweiß runter?

    (Habe bislang „nur“ PrimaLoft Active benutzt und war mir des Unterschiedes nicht bewusst)

  • PositivDenken Mein zugegeben theoretisches Verständnis: Im Idealfall bedeutet es, dass der Körper wie biologisch vorgesehen seine Temperatur regulieren kann, überspitzt gesagt als sei er nackt. Wenn man schwitzt, ist dem Körper zu warm: Abkühlung erfolgt durch Verdunstung aber auch durch höhere Wärmeleitung einer feuchten Oberfläche – statt dass eine mehr oder minder durchnässte Schicht darüber liegt, die einen Teil dieser biologischen Temperaturregulationsmechanismen behindert, wodurch der Körper sich genötigt sieht immer mehr Schweiß zu produzieren, ist der Körper bei Netzhemd, Alpha & co schneller in der Lage durch hauseigene Mechanismen abzukühlen. Entsprechend weniger wird geschwitzt.

    Ein weiterer Vorteil: So eine nasse Schicht muss nach erfolgter Aktivität vom Körper durch Wärmeeintrag getrocknet werden, was zu starker Abkühlung in Pausen oder am Ende des Tages führt. Das ist größtenteils einfach eine Funktion der absoluten Menge der im System gespeicherten Feuchtigkeit, die verdampft werden muss und ließe sich errechnen.

    Soviel ich weiß, ist Alpha aber nicht wirklich hydrophob. Womöglich etwas hydrophobER als andere Active Layer.

    flächenbelastung Genau so stelle ich mir die Verwendung im Winter vor: Brynje Netz Baselayer, Alpha Direct und darüber eine Shell, mit der ich sehr schnell zwischen Wärmestau und Durchlüftung modulieren kann, ohne mich umziehen zu müssen. Dadurch, dass AD die Wärme im System im Fall von offenen Pit Zips sehr viel schneller abgeben sollte, als klassische Midlayer, könnte das wirklich ein toller Vorteil von AD sein. Ich bin gespannt!

    2 Mal editiert, zuletzt von Bohnenbub (8. Dezember 2025 um 17:00)

  • Stark, danke dir!

    Als Vergleich wäre jetzt ein 150/200er Merino super spannend!

    Mal abgesehen davon, dass im Wanderalltag, außer bei einem Sturz bei einer Flussquerung, nie das gesamte Kleidungsstück getränkt ist, sondern eher nur Rücken, Schultern und Brust, sind die 200g absolute Differenz der selbst ausgewrungen noch gehaltenen Wassermenge in eurem Versuch ein signifikanter Unterschied. Wenn man nicht gerade auf gutes Wetter am nächsten Morgen zählen kann, muss der Körper die Energie aufbringen 200g mehr Wasser zu verdampfen.
    Danke euch dafür!

    Einmal editiert, zuletzt von Bohnenbub (9. Dezember 2025 um 10:32)

  • Muss nehmen, was ich habe.

    Decathlon Merino 150 Langarm (70%):

    154g | 433g soaked (279g, 181%) | 286g drained (132g, 85%)

    Houdini Merino 150 (100%):

    146g | 479g soaked (333g, 228% ) | 289g drained (143g, 98%)

    Uniqlo AIRism T-Shirt (synthetic, keine Ahnung):

    85g | 216g soaked (131g, 154%) | 164g drained (79g, 93%)

    Einmal editiert, zuletzt von PositivDenken (9. Dezember 2025 um 11:18)

  • Das ist SPANNEND! Danke dir!

    Ich bin zugegeben überrascht wie vergleichsweise wenig Wasser in den Merinoteilen verbleibt. ~135g Wasser ist weniger als AD. Das hätte ich bei all den Lobpreisungen auf Alpha „was kaum Feuchtigkeit aufnähme“ tatsächlich nicht erwartet.

    Kurz die AI gefragt (vielleicht könnte das ein Physiker / eine Ingenieurin plausibilisieren):

    135g Schweiß braucht etwa 324kJ zum Verdunsten. Also ca 78kcal. So viel wie ein kleiner Apfel.


    Jetzt wäre eine Polypropylene Shirt wie HH LiFa spannend. Die sollen ja mutmaßlich tatsächlich hydrophob sein!

    3 Mal editiert, zuletzt von Bohnenbub (9. Dezember 2025 um 11:33)

  • Oder es liegt daran, dass man das AD nicht so gut auswringen kann. Nach dem Waschen per Hand tropft viel Wasser nach dem Auswringen. Wenn es aufgehängt ist, einfach raus. Vielleicht schaff ich das hernach mal zu messen.

  • Das Testssetup war so: trocken messen, eintauchen und gut durchmischen, herausnehmen und kurz abtropfen lassen, leicht drücken, so dass es gerade nicht mehr tropft wie verrückt, Messen (soaked), dann gut auswringen und zehn mal je Seite (oben/unten) kräftig ausschütteln, messen (drained)

  • Hydrophob ist eine seltsame Vokabel in diesem Zusammenhang. Es geht ja nicht um Absorption oder Benetzungswinkel. Spannend ist ob ich geschlossene oder poröse Fasern habe bzw. ob das Material Wasser absorbiert - also aufquillt (Baumwolle/Merino).

    Bei geschlossenener Faser und nicht zu geringer Fadenstärke kann ich Wasser „mechanisch“ entfernen also rausschleudern. Es muss nicht verdampfen. Deswegen ist das Lyod Zeug quasi sofort trocken.

    Je puscheliger das Ganze wird, desto stärker wird die Kapillarkraft auch bei nicht quellenden Materialien (Dochtwirkung, kleinere Ritzen) und um so mehr Kraft brauche ich für die mechanische Entfernung des Wassers. Puscheliger heißt aber auch: bessere Isolation.

    UL wobei das L auch für Luxus stehen kann 😅

  • 135g Schweiß braucht etwa 324kJ zum Verdunsten. Also ca 78kcal. So viel wie ein kleiner Apfel.

    Hm, Schweiss ist an sich "Kühlflüssigkeit" und dient dazu überschüssige Wärme = Energie besser/schneller vom Körper abzuleiten. Deine 78kcal und viel mehr hast du durchs Wandern schon verballert. Leider ist Energieumwandlung (chemische zu mechanischer Energie) nie perfekt und es entsteht immer auch Wärme dabei. Die musst du weg bekommen -> Schweiss. Meine Lösung ist sich möglichst kühl anziehen. Ein Shirt wirklich voll schwitzen tu ich nur im Sommer bei > 15°C - und dann würde ich die "Kühlflüssigkeit" dankbar an nehmen...

  • Deine 78kcal und viel mehr hast du durchs Wandern schon verballert.

    Mhm ich glaube wir sprechen hier von etwas Unterschiedlichem. Du sprichst von der Verdunstung beim Sport/Wandern. Im Prozess zur absichtlichen Wärmereduktion.

    Mir ging es in der Betrachtung um die Frage, was in Pausen oder am Ende des Tages beim Campaufbau in potentiell feuchte oder nasse Klamotten an Energie (Wärme) gesteckt werden muss, um diese zu trocknen – obwohl der Körper gar keinen Überschuss mehr hat, weil er nicht mehr in Bewegung ist. Also eben dann, wenn feuchte Klamotten einen richtig schnell auskühlen lassen. Und in dem Kontext scheint es größenordnungsmäßig etwa die Energiemenge eines kleinen Apfels zu sein, um 135g im Baselayer gebundene Feuchtigkeit zu verdampfen. Unterschiedliche Materialeigenschaften mal außen vor gelassen.

    Einmal editiert, zuletzt von Bohnenbub (9. Dezember 2025 um 16:14)

  • Bohnenbub das ist abhängig von Temperatur + Wind, (Luftdruck) und Rel Luftfeuchtigkeit wieviel Körperenergie du zusätzlich oder generell reinstecken musst -- oder ich verstehe die Frage immmer noch nicht....

    Der Wert kommt mir aber überhaupt sehr hoch vor. 324 kJ hat grob 14ml Spiritus, da bekommt man mehr als 135ml Wasser zum kochen mit

  • uffbasse:

    Wasser erwärmen: Wärmekapazität

    Wasser verdampfen: Verdampfungsenthalpie

    Spiritus verbrennen: Reaktionsenthalpie


    Bei allem stecke ich Energie rein/raus, aber die relevanten (weitestgehend) „Konstanten“ bzw. Formeln sind andere.

    Außerdem hat man damit erst die Energie, die „ankommen“ muss. Energietransport, also wo kommt die Energie her und wie viel kommt an, ist dann nochmal ein eigenes Kapitel. Wäsche trocknet schließlich auch ohne zu tun bei Minusgraden.

    Hilft aber alles nix, dat zu rechnen, wennze ‘n nassen Arsch has’ und am frieren dran bis’😅

    UL wobei das L auch für Luxus stehen kann 😅

  • Berichte gerne, wie sich der Farpointe(?) Alpha 90 Cruiser schlägt.

    Ist soeben angekommen. Habe ihn nur kurz übergeworfen. Schnitt ist wie ein Stück weit erwartet weniger athletisch, eher etwas bauchig.
    Bin 190, irgendwo zwischen 89 und 95kg. Derzeit definitiv eher am oberen Ende. An den Schultern guter Sitz. Am Bauch trotz Weihnachtszeit noch mehr als solide Platz für jede Menge mehr Gebäck.
    Bin gespannt, wie der Peak Performance geschnitten ist. Sollte ebenfalls die Tage ankommen.

  • Geht mir auch fast immer so. Durchnässter Steiß vom überhitzten Rücken. Das ist bei mir bei Aktivitäten, die nicht nur ein Stündchen dauern allerdings bei allen Materialien so gewesen, an die ich mich so erinnern kann: Von technischen Fasern wie Patagonia Airshed oder irgendwelchen Northface Summit Series Baselayern bis Merino aller Couleur. Ein Material, was in einer Rate aufsaugt, abtransportiert und verdunstet wie es nötig wäre, um mich am Rücken dauerhaft halbwegs trocken zu halten, ist mir zumindest noch nicht untergekommen. Leider. Bzw. es würde gehen, wenn ich richtig friere. Ansonsten ist mir am Rücken eigentlich immer zu warm, wenn der Rest des Körpers einigermaßen vernünftig temperiert ist. Das ist natürlich hoch subjektiv. Meiner Erfahrung nach können die "wicking" Baselayer ihr Prinzip für eine Weile aufrecht halten, bis das System an seine Grenzen kommt. Dann suppt es genau so runter, wie bei einer hydrophoben Faser bzw. bei Nacktheit.

    Unterschied: Im Fall einer "non-wicking" Baselayer muss man danach nichts nennenswert mit Körperwärme trocknen.

    Aber hey, genau deshalb habe ich diesen Thread eröffnet – für Erfahrungsberichte zum allseits kolportierten Wundermaterial. Ich bin gespannt auf die ersten Tests (die sich natürlich auch etwas schwerlich objektiv vergleichen lassen. Das wird wohl eher ein Bauchgefühl bleiben).

    Einmal editiert, zuletzt von Bohnenbub (11. Dezember 2025 um 17:58)

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