Alpha Direct Overquilt

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  • Sooo nachdem ich erstmal den MYOG Alpha Kleidungs Faden zweckentfremdet habe hier noch einmal in einem neuen Faden:

    Inspiriert von diesem Thread, insbesondere vom verlinkten Timmermade Alpha Quilt, habe ich mich letzte Woche als erstes größeres Nähprojekt an einem Overquilt aus einer Lage Alpha direct und dünnem Nylon auf der Außenseite versucht. Sollte eigentlich "Quick and Dirty" werden, da man in meiner Vorstellung einfach zwei Rechtecke aufeinander nähen müsse, habe dann aber sehr mit der Fadenspannung, dem Strech vom Alpha und sich zusammenziehenden Nähten gekämpft.

    Ziel war in erster Linie das Feuchtigkeitsmanagement mit Daunentüten bei 5 - -10°C bei Touren mit mehr als 2 Nächten (unter -10 liegt ein 233er Apex quilt über der Daunentüte), um Loftverlust zu vermindern. Was ich mir explizit davon erhoffe:

    1. kein Kondens/Frost auf der Außenhaut des Schlafsacks, was dann beim Komprimieren in die Daune gedrückt wird

    2. das Alpha dabei als Puffer, dass nicht Nylon auf Nylon liegt (führt bei Daunentüte+Bivy/Jacke/etc m.E.n. zu nasser Tüte)

    3. das Alpha auch als Speicher für Körperfeuchtigkeit, welche sonst in der Daune bleiben würde (Taupunkt im Quilt)

    4. bessere/schnellere Trocknung gegenüber einem Apex Quilt, da anders als Apex nur von einer Seite mit Nylon bedeckt, daher besserer Austausch

    5. geringeres Gewicht gegenüber Apex Quilt, da Material nicht "gesandwiched" werden muss

    Verwendet hab ich 60er Alpha direct, sowie ein 10D Nylon mit 25 g/m² in Mülltütenoptik. Ursprünglich sollte das Teil 200x150cm groß werden (volle Breite vom Alpha), wegen des Gestümperes bin ich erst bei 160x130cm gelandet, nach Anfügen eines weiteren 20cm Streifens bei 180x130cm, so passt das nun auch mit Wintertüte (WM Antelope 6´6´´) perfekt... Zum Zusammenfügen habe ich erst die beiden Stoffe mit einem Geradstich aufeinander fixiert und anschließend mit einem Zickzackstich die Kanten "versäubert". Die Fussbox ist geschlossen, hat im Inneren zwei Schlaufen zum Aufhängen und geht mit Wintertüte bis zum Knie. Die Schlaufen für die Gummizüge sind ohne extra Verstärkung längs auf die Naht gesetzt. Gewicht: 219g


    Letztes Wochenende gings dann Fr-So mit Freunden auf Tour in den Harz und so konnte das Teil gleich in Kombination mit einem WM Ultralite getestet werden. Unterlage waren Flexmat Plus + Nemo Torsomatte, Schlafklamotten: Socken, dünne lange Unterhose, dünnes Langarmshirt, dünne Funktionsjacke, Buff, Mütze. Mit dabei waren ein Temp & rH Logger sowie eine kleine Kofferwaage. Beide Nächte wurde in recht offenen Schutzhütten geschlafen, ohne Bivy o.ä..

    Nacht 1:

    auf 900m ü. nN.; sternenklar; nahezu windstill mit ab und zu einem Windhauch (Bft 1?); rH 76-82%; Temp 1,5-3,1C° (Tagsüber um die 12°C); Strahlungsfrost

    Konnte nachts ein deutliches Plus an Wärme feststellen und musste mich bis auf die Unterhose ausziehen, um nicht komplett zu zerlaufen. Normalerweise reicht mir die Tüte bei identischen Schlafklamotten bis knapp unter den Gefrierpunkt, bei 1-3 Grad wärs gemütlich aber auch nicht übermäßig warm gewesen. Morgens war auf der Außenhaut des Quilts etwas Kondens, das Alpha auf der Innenseite hat sich dagegen sehr feucht angefühlt und am Kopfende auf einem 15cm langen Streifen waren auf voller Breite Tröpfchen zu sehen. Das Quilt als ganzes war auch beim Anheben gefühlt deutlich schwerer als am Abend zuvor. Die Hülle vom Schlafsack von Kapuze und etwas vom Brustbereich, wo ich den Quilt heruntergestrampelt habe, waren vom Atem klamm bis feucht, unter dem Quilt war die Hülle vom Sack gefühlt trocken. Quilt und Sack wurden beide für 10 min bei leichter Briese bei 4° gelüftet; das Apex vom Quilt hat sich danach wieder staubtrocken angefühlt, der vom Atem feuchte Teil vom Sack noch etwas feucht.


    Nacht 2:

    auf 700m ü. nN.; zu Beginn Nieselregen, später sternenklar; zu Beginn recht windig mit ekligen Böen, die den Nieselregen in die Hütte getragen haben (Bft 4?), ab ca. 5Uhr nahezu windstill; rH 69-82%; Temp 1,7 - 3,3 °C (Tagsüber um die 6°); Strahlungsfrost

    Der vom Wind hereingetragene Nieselregen ist einfach vom Quilt abgeperlt. Ohne Quilt oder (Bug-)Bivy mit Panelen aus festem Stoff wäre das ein Problem geworden, da die DWR Beschichtungen auf keinem meiner Schlafsäcke mehr funktioniert. Mein Kumpel mit einem ebenfalls in die Jahre gekommenen StS Spark II meinte, dass der Wind bei ihm in den Schlafsack hineindrückt. Das habe ich nicht so empfunden, das Plus an Wärme wie in der vorherigen Nacht hat sich aber nicht eingestellt, vermutlich da sich die Außenhaut vom Quilt leicht im Wind hin und her bewegt hat und die warme Luft herausgedrückt hat. In den üblichen Schlafklamotten war ich jetzt nicht am frösteln, allzu warm war es aber auch nicht.. also wie ich es in einer windigen Nacht bei 2°C ohne Quilt auch erwartet hätte.

    Nachts hatten wir auch Besuch von Wildschweinen, welche um die Hütte herum den Boden aufgebrochen haben und schließlich auch in die Hütten wollten. An der Stelle habe ich "zügig" den Schlafsack verlassen und bin auf die Bank gehüpft ohne den Quilt zu öffnen, den Stresstest haben Stoff und Gummischlaufen ohne bleibende Schäden überstanden. Wir und die Wildschweine haben diesen Stresstest ebenfalls unbeschadet überstanden, wobei die Tiere noch länger um die Hütte gestreunert sind und auch ein paar Stunden später nochmal vorbeigeschaut haben. Dann aber ohne Besuch in der Hütte. Am Morgen waren Quilt innen und außen trocken, der Schlafsack wie in der Nacht zuvor nur im Kopfbereich feucht. Beides wieder für 10min gelüftet, dann eingepackt.

    Ich hatte wie gesagt eine kleine Kofferwaage dabei, um das Gewicht von Sack und Quilt vor und nach jeder Nacht festzuhalten (Wasseraufnahme). Leider hatte die Temperatur einen zu großen Einfluss auf die Messwerte (geschätzt 30g Unterschied bei 15°C Temperaturdifferenz), als dass ich mich darauf verlassen wollen würde. Daher im folgenden nur die Werte der Küchenwaage (bei konstant 20°C) vor und nach der Tour:

    Quilt vorher / nacher: 219 / 220g

    Schlafsack vorher / nacher: 841 / 862 g

    Fazit:

    Würde sagen das Quilt hat sich vorerst im Feuchtigkeitsmanagement bewährt, besonders in der ersten Nacht. Dass das Alpha so gut Feuchtigkeit speichern und besonders von der Schlafsackhülle abhalten kann hätte ich nicht gedacht. Wieder daheim habe ich probehalber ein 10x10cm Stück gewogen, mit einer Sprühflasche angesprüht, abtropfen lassen, leicht geschüttelt und erneut gewogen: ganze 2,8g Wasser konnten die 100cm² halten. Fürs Quilt würde das einer Aufnahmekapazität von 328g Wasser nur durchs Alpha bedeuten, die Aufnahme vom Nylon noch nicht mitgerechnet. Dass das in der Praxis so nicht passieren würde/sollte und die Schlafsackhülle zu diesem Zeitpunkt sicher auch klatschnass wäre ist mir klar. Dennoch find ichs bemerkenswert, besonders da 300g Wasseraufnahme von Quilt/Schlafsack bei längeren Touren in nasskalter Umgebung und ohne Trocknungsmöglichkeit m.E.n nicht ungewöhnlich sind. Die 20g Wasseraufnahme des Schlafsacks sind auf jeden Fall sehr viel weniger als das, was ich in der Vergangenheit schon hatte (50-200g in 2 Nächten, ab 100g Loftverlust), auch wenn zugegeben Wind in der zweiten Nacht sicher geholfen hat.

    Auch die schnelle Trocknung hat super funktioniert, denke dass das auch nur mit Körperwärme gut funktionieren sollte.

    Das Plus an Wärme in windstiller Umgebung könnte bei Touren mit Zelt/Bivy durchaus auch interessant sein, auch wenn das eigentlich nicht das Ziel des Ganzen war. Würde gefühlt so auf 3-6°C extra schätzen... bin nun auch am Überlegen, ob das nicht eine Idee für ein XUL Setup wäre.

    Verbesserungsideen sind derzeit eine fixe Mattenbefestigung am Kopfende auf der Flexmat, damit ich das Teil nicht herunterstrampeln kann. So käme auch weniger Feuchte in den Hals/Brustbereich des Schlafsacks. Außerdem behagt mir der Singleuse nicht und überlege die Fußbox wieder aufzutrennen und einen Multiuse Ponchoquilt draus zu machen...

    Weitere Testreihen werden folgen... Danke bis hierher erstmal fürs lesen! Ist doch mehr Text geworden als beabsichtigt. Wenn Ihr mehr Ideen bezüglich Muliuse oder Tipps zur besten Verarbeitung von Alpha auf Nylon, oder sonstige Anmerkungen habt gerne her damit :)

    3 Mal editiert, zuletzt von Assel (28. März 2026 um 16:23)

  • Ich würde mir in jedem Fall den Doppelnutzen eines Ponchos mit einbauen.
    Es war wirklich sehr angenehm sich in diesen Tagen bei einer längeren Pause einkuscheln zu können. Auf einer Isomatte sitzend, am Baum gelehnt, kann ich den Poncho über die angezogenen Beine legen und in aller Ruhe meinen Tee genießen. Das ist purer Luxus!

    Genau das habe ich auch gedacht.

    Ansonsten, Assel , danke für den Bericht! Ich schwöre für die (Brücken/Quer-)Hängematte auch auf die Kombi von Daunenschlaftüte und Kufa-Außenquilt, gerade in feuchten Nächten, da könnte ein Alpha-Quilt noch eine gute Ergänzung sein. Meine Quilts habe ich aber immer mit einen Poncho-Schlitz versehen. Und wenn es dich tröstet: das Gekämpfe und Gefluche bei Quiltnähen habe ich auch jedes Mal, Nylon mit einem weiteren (bei mir war es Wollmusselin) Stoff ist aber eindeutig am Schlimmsten.

  • Was meinst Du, wäre der Quilt eine Option für warme Sommernächte (ohne Schlafsack)?

    Bei 19°C Zimmertemperatur in dünner langer Hose und Tshirt ists angenehm warm, nach 2h Nickerchen bin ich auch nicht merklich runtergekühlt. denke so ab 16-17° wirds ungemütlich. Kältebrücken sind dort entstanden, wo der Stoff am Körper spannt, also Knie, Ellenbogen, Schulter... wenn man das im Kopf hat und sich nicht allzu fest einwickelt lassen die sich gut vermeiden.

    Die alleinige Nutzung könnte ich persönlich mir nur vorstellen bei "fast and light" Overnightern oder Rennen mit absehbaren Temperaturen, bei denen man nachts alle Klamotten vom Tag (active layer) trägt und sonst nix dabei hat. Bei längeren Touren und/oder mit extra Isojacke würde ich eher auf einen 2/3 Schlafsack a la Pajak Radical ULX (190g, angegeben ComfT 12°) schielen, dann hat man etwas mehr Puffer und Flexibilität im System (anpassen über unterschiedlich warme Jacken). Würde man den Radical ULX mit identischen Maßen und Zielgewicht aus Alpha direct + 10D Außenhaut nachbauen, könnte man Alpha mit 120g/m² verwenden. Wobei ich glaube, dass 2 Lagen 60er einen höheren Loft als das 120er bewirken, etwas wärmer und weniger anfällig für Kältebrücken sind. So könnte man auch an die (vom Hersteller angegebene) ComfT vom Radical ULX herankommen, bei geringerem Gewicht gegenüber einem Fullsize Quilt (die Jacke nicht mitgewogen, da eh dabei).

    Was ich gar nicht einschätzen kann: wie lange & gut das Alpha den Loft bei Nutzung als Schlafsack hält...

    2 Mal editiert, zuletzt von Assel (28. März 2026 um 16:09)

  • Ich würde mir in jedem Fall den Doppelnutzen eines Ponchos mit einbauen.
    Es war wirklich sehr angenehm sich in diesen Tagen bei einer längeren Pause einkuscheln zu können. Auf einer Isomatte sitzend, am Baum gelehnt, kann ich den Poncho über die angezogenen Beine legen und in aller Ruhe meinen Tee genießen. Das ist purer Luxus!

    Überzeugt! :) dann überlege ich mal, wie ich das am besten (einfachsten) umsetze

    Genau das habe ich auch gedacht.

    Ansonsten, Assel , danke für den Bericht! Ich schwöre für die (Brücken/Quer-)Hängematte auch auf die Kombi von Daunenschlaftüte und Kufa-Außenquilt, gerade in feuchten Nächten, da könnte ein Alpha-Quilt noch eine gute Ergänzung sein. Meine Quilts habe ich aber immer mit einen Poncho-Schlitz versehen. Und wenn es dich tröstet: das Gekämpfe und Gefluche bei Quiltnähen habe ich auch jedes Mal, Nylon mit einem weiteren (bei mir war es Wollmusselin) Stoff ist aber eindeutig am Schlimmsten.

    Danke, das tut gut zu hören^^ bin zweitweise echt verzweifelt

  • Sehr inspirierendes Projekt! Mein leichtester MYOG-Daunenquilt wiegt zwar nur 250g, ist also nur unwesentlich schwerer, aber der Nylonstoff klebt in warmen Sommernächten recht unangenehm auf der Haut. Dem könnte man mit 60er Alpha und einer Lage dünnem 7-den Außenmaterial (gegen die Zugluft) begegnen. Leider wird das Packmaß größer sein als bei einem Daunenquilt, aber ich werde das jedenfalls ausprobieren. Nähen würde ich das mit der Overlock.

  • Danke! :) wieviel Gramm Daune ist denn in deinem 250g Quilt, und bis zu welcher Temperatur reicht der Dir denn? Hab gerade geguckt, ob Du den irgendwo schon vorgestellt hast, aber das leichteste Gefundene waren (immerhin) 310g. Befürchte, dass Daune immer noch das beste Wärme-Gewichtsverhältnis hat, selbst gegenüber Alpha.

    Und falls Du einen Alphaqulit bastelst würde ich mich (und andere bestimmt auch) sehr über ne kurze Vorstellung/Einschätzung freuen!^^

  • Daune immer noch das beste Wärme-Gewichtsverhältnis hat, selbst gegenüber Alpha.

    Auf jeden Fall. Alpha ist nicht mal so gut, wie andere Kunstfaserisolationen. Es hat einfach nur den unschlagbaren Vorteil, ohne Innen- und auch ohne Außenstoff verwendbar zu sein. Ab einen gewissen Isolationsbedarf überkompensieren "richtige" Isoliermaterialien diesen Nachteil. Alpha lohnt nur da, wo man eigentlich keinen Loft braucht, weil es dafür nicht kalt genug ist.

    (Atmungsaktivitätsvorteile mal außen vor gelassen.)

    Einmal editiert, zuletzt von MadCyborg (3. April 2026 um 11:00)

  • Danke! :) wieviel Gramm Daune ist denn in deinem 250g Quilt, und bis zu welcher Temperatur reicht der Dir denn? Hab gerade geguckt, ob Du den irgendwo schon vorgestellt hast, aber das leichteste Gefundene waren (immerhin) 310g. Befürchte, dass Daune immer noch das beste Wärme-Gewichtsverhältnis hat, selbst gegenüber Alpha.

    Und falls Du einen Alphaqulit bastelst würde ich mich (und andere bestimmt auch) sehr über ne kurze Vorstellung/Einschätzung freuen!^^

    Kein Quilt, sondern Schlafsack: mein StS Flame 0 wiegt 215 g und hat, wenn ich mich richtig erinnere, 125g Daune. Mir als normal verfrorener Frau reicht das bis 14°, im Zelt neben meinem Mann auch bis 12°.

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