(SE) Unterwegs auf dem südl. Kungsleden

Zur Vermeidung von Spam werden deine Posts vor Veröffentlichung von den Moderatoren geprüft, falls du Links verwendest.
  • Das mit dem Englisch Reden, oder auch nicht, habe ich in den 90ern häufig in Süd Amerika erlebt.

    Am Tisch in den Hostals saßen häufig 5-6 verschiedene Nationen, alle reden Englisch, nur die Deutschen nicht.

    Ich verstehe das nicht. Selbst ein Hauptschüler hat 5 Jahre Englisch in der Schule…

  • GirlOnTrail

    Ja, das ist etwas irreführend geschrieben. Ich hatte vorher ein Kaitum 2. Aber das ist def. zu schwer für den Rucksack als Alleinreisender. Das 1er X-Mid hatte ich zuerst bestellt. Fand es allerdings sehr beengend wenn ausschließlich Platz für die Isomatte ist und rechts und links nur eine Handbreit frei. Dazu kommt meine Körpergröße. Da war das 2P schon deutlich angenehmer für mich.

    Letztendlich habe ich es aber nach der Reise wieder verkauft. Es ist m.M.n ein schön-Wetter-Zelt und ich habe irgendwie ein schlechtes Gefühl gehabt wenn die Stellen etwas exponierter waren. Die langen Kanten über den Türen bieten so viel Angriffsfläche für den Wind, da hilft auch der kleine Abspannpunkt nichts. Das Innen und Außenzelt liegt an den Stellen des öfteren zusammen an, was, wenn überhaupt, wirklich nur durch fummeligste Kleinstarbeit verhindert werden kann.

    Wenn man es mit allen Abspannleinen und vernünftigen Heringen ausstattet wächst das Gewicht auch wieder an. Da kann ich auch gleich in ein besser geeignetes Zelt investieren und dafür sorgloser schlafen.

    Ich habe mich immer gefragt wieso Hilleberg, FR usw. nicht auf den UL Zug aufspringen (vom Enan mal abgesehen). Aber nach den Zwei Wochen dauerhaften Wind den ich im Fjäll erlebt habe, denke ich das sie sich bewusst sind, dass solch Zelte einfach keine gute Option für das Fjäll sind. Alles "muss" irgendwie robuster und haltbarer sein bei den Skandinaviern. (Ich erinnere mich an den Blick des Stugvards auf meine Speedcross Schuhe. Als wenn ich nicht ganz Herr meiner Sinne wäre damit loszugehen^^)

    Für die nächste Tour schwebt mir das TT Scarp vor, aber das muss ich noch weiter erproben.

  • Danke für Deinen Erfahrungsbericht. Das deckt sich ja mit dem, was doch viele über die Erfordernisse und Gegebenheiten dort oben sagen.

    Ja, das solid inner des 1P ist für größere Menschen wirklich ein „Schlafsarg“, wenn man nicht gerade vom Bivy kommt und das dann als „very spacious“ empfindet. Habe mir auch schon manches Mal ein Ideechen mehr Inner (Breite) im Verhältnis zum Fly gewünscht, der umspannte Raum ist ja da. Vielleicht ist der Abstand zum Fly beim 1P etwas günstiger? Ich hatte bislang keine ausgesprochenen Probleme mit Berührung, allerdings hatte ich a) auch noch kein Extremwetter und skandinavischen Wind und b) habe ich mein X-Mid wirklich ringsum (UL) verstrippt sowie bis zu 10/12 (Auswahl, inkl. der ganz leichten, winzigen Nägel) Heringe dabei. Aber es ist natürlich kein Tunnel, diese großen Seitenflächen sind, wie sie sind.

    Danke nochmal fürs Mitnehmen.

  • Am Tisch in den Hostals saßen häufig 5-6 verschiedene Nationen, alle reden Englisch, nur die Deutschen nicht.

    Ich verstehe das nicht. Selbst ein Hauptschüler hat 5 Jahre Englisch in der Schule…

    Die Deutschen haben dass Pech, dass ihr Fernsehen sprachlich synchronisiert und nicht mit Untertitel versehen ist. Eigentlich alle Nationen in denen man gut Englisch spricht haben das nicht oder kaum, sh zB Skandinavien

  • Am Tisch in den Hostals saßen häufig 5-6 verschiedene Nationen, alle reden Englisch, nur die Deutschen nicht.

    Ich verstehe das nicht. Selbst ein Hauptschüler hat 5 Jahre Englisch in der Schule…

    Die Deutschen haben dass Pech, dass ihr Fernsehen sprachlich synchronisiert und nicht mit Untertitel versehen ist. Eigentlich alle Nationen in denen man gut Englisch spricht haben das nicht oder kaum, sh zB Skandinavien

    Glaube, da steckt noch mehr dahinter. Und selbst das strikte Synchronisieren muss ja irgendwo seinen Ursprung haben. Jedenfalls ist es mir sowohl in Skandinavien als auch Spanien schon oft passiert, dass man von meist älteren Herren direkt und ohne Umschweife auf deutsch angesprochen wird. Ganz so als wäre das die Landessprache.

  • Die Deutschen haben dass Pech, dass ihr Fernsehen sprachlich synchronisiert und nicht mit Untertitel versehen ist. Eigentlich alle Nationen in denen man gut Englisch spricht haben das nicht oder kaum, sh zB Skandinavien

    auch OT: Doppelt Pech. Es fehlt auch eine Motivation bei den Kindern, Lesen zu lernen...

    "When was the last time you did something for the first time?" (Scout)
    "Nichts leichter als das", antwortete Frederick. "Komm mit!"

  • 8. STF Fältjägaren Fjällstuga – STF Helags (13,3 km) 503m rauf - 526m runter

    Freitag, 16.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt

    Wie bestellt scheint um 06:30h die Sonne durch die Fenster. Um niemanden zu wecken stöbere ich noch eine Weile im Handy, schaue mir Fotos an, dies das. Gegen 07:00h mache ich mich langsam und leise fertig.

    Zum Frühstück gibt es erst Müsli, dann bereite ich mein Track`n eat Rührei, welches ich seit ca. 2 Jahren zu Hause liegen habe, und im Anschluss kommt noch die Herbergsmutter mit selbst gebackenen Brötchen und Butter herein. So lässt es sich leben.

    Gegen 09:00h verabschiede ich mich von den drei Trailrunnern mit einem Lächeln und dem Hinweis, dass ich später in der Sauna auf sie warten werde. Es geht 13km ziemlich gerade aus, mit einer kleinen aber langezogenen Steigung am Fuße des Helags. Als ich mich nach ein paar Hundert Metern noch mal umdrehe ist die Stuga bereits nur noch ein kleiner Punkt auf dem Berg.


    *Blick zurück zur Hütte


    Der Predikstolen liegt noch mit dem Gipfel in den Wolken und ich hoffe das sich das innerhalb der nächsten Stunde auflösen wird. Es wäre zu schade diesen Anblick nicht in voller Schönheit genießen zu können.

    *Predikstolen in den Wolken


    Als ich kurz verschnaufe und einen Schluck aus meiner Flasche nehme kommen die drei „Jungs“ aus der Stuga vorbei gelaufen. Schnell zücke ich mein Handy. So ein Foto von ihnen und dem Helags im Hintergrund haben sie bestimmt auch noch nicht.


    Um so weiter ich gehe um so besser kommt die steile Flanke des Predikstolens zur Geltung. Auch die Wolken haben sich derweil verzogen und wenn man denkt es geht einfach nicht mehr besser, kommt von irgendwo meist ein Rentier daher. Und wenn man sein Tellerchen ganz aufgegessen hat, auch mal ein weißes;) Da kann Harry Potter sein Patronus einpacken.

    *Laut den Sami bringen weiße Rentiere Glück

    Voller Freude über den heutigen Tag bemerke ich den Anstieg vor dem Rentierzaun gar nicht wirklich und plötzlich taucht auch schon der erste Hinweis zur Station auf. Die letzten 3h vergingen wie im Flug und in 500m ist es schon geschafft.

    *Helags Fjällstation


    Die Helags Mountain Station unterscheidet sich recht deutlich von allen vorhergegangenen Hütten, aber das war mir halbwegs bewusst. Ich bin schon sehr gespannt was mich dort erwartet.

    Nachdem ich mich etwas umgesehen habe betrete ich das Hauptgebäude, welches ziemlich mittig in dem Gebäudekomplex liegt und die Küche, Restaurant und Rezeption beinhaltet. Alles ist hier auf einmal ohne Einschränkungen vorhanden. Strom, Wärme, W-Lan, fließend Wasser, richtige Toiletten und ein gar nicht so kleiner Shop für alles was man braucht…oder auch nicht.

    Zugegeben, es gleicht mehr einem Hotel mit check in per PC und der ganzen Aufmachung, aber nach fast einer Woche ohne alles ist es mir ganz genehm. Man muss sich auch mal was gönnen.

    *Viele Wege führen zum Helags


    Während meiner Fika mit einem Kaffee und zwei Schokobällen beschließe ich heute Nacht hier zu bleiben und morgen in aller Ruhe den Helags zu besteigen. Ich habe Zeit ohne Ende und man muss auch mal genießen und nicht nur Kilometer abreißen. Oft denke ich mir nach den Touren ich hätte mir mehr Zeit lassen sollen. Diesen Vorsatz will ich nun mal in die Tat umsetzen. Danach werde ich weiter sehen.

    Ich buche die älteste Hütte auf dem Areal, ohne Strom und Licht (welche von dem Vater letzten Abend als „sehr Cozy“ empfohlen wurde) und das Abendessen, was laut Internet jeder mal gegessen haben sollte. Ich bin sehr gespannt.

    *cozy Cabin

    Im Shop gibt es noch eine Tüte Chips und ein Schlafsackliner als Unterstützung für den zu kalten Schlafsack. Heute Nacht wird der Liner aber als Hüttenschlafsack ausreichen.

    Von 15:00h - 17:30h geht es in die Sauna. Die Lage ist 1 Doppel A, mit toller Aussicht auf den Gletscher. Drinnen sitzen auch schon die drei Trailrunner, von denen ich mir nun natürlich anhören darf, was ich die ganze Zeit gemacht habe. Während man bei 100° in der Sauna schwitzt kommen einem allerdings schon ein paar Gedanken, ob das alles so seine Richtigkeit hat, unterdessen das 2km weiter der Gletscher allmählich abschmilzt. Den Rest der Saunarunde scheint es allerdings nicht weiter zu stören und es wird munter erzählt und diskutiert.

    *Bastu mit Ausblick auf den Helags Gletscher


    Zwischen den Saunagängen geht es jedoch nicht unter die nagelneuen Duschen einen Raum weiter, sondern ca. 150m splitterfasernackt durchs Fäll, hinunter zum Gletscherbach. Das „Helagsbadet“ ist dort etwa 50cm tief und lädt ein zur Abkühlung der anderen Art. Die uns entgegen kommenden Wanderer staunen nicht schlecht als wir uns auf den schmalen Holzplanken begegnen;) Muss man mal gemacht haben.

    *Helagsbadet;)


    Pünktlich um 18:00h wird zum Essen gebeten. Die Köche und Kellnerinnen, alle samt sehr jung, stellen vor versammelten Publikum ihr Menü vor. Dazu gibt es Empfehlungen zu Wein und Bier. Es gibt frischen Fisch mit Gemüse und Wurzeln aus der Region, dazu selbstgemachte Butter und Brot, das alles in Buffetform und so viel man mag. Dazu ein kühles Helagsbier für 105,- SEK/Flasche

    Die allgemein tolle Atmosphäre, das leckere Essen und die netten Gespräche am Tisch lassen die Preise jedoch vergessen. Ich sitze mit einem jüngeren Mann Mitte Ende 30 zusammen und wir erzählen uns von unseren Reisen. Er ist in Ljungdalen gestartet und hat sich schon am ersten Tag den Arm verletzt. Sein Handgelenk ist angeschwollen wie ein Apfel. Da es aber seine letzten Tage vom Vaterschaftsurlaub sind, hat er sich nicht beirren lassen, und ist trotzdem weiter gezogen.

    Über den Helgas, nach Vålåstugorna, weiter zur Sylarna Fjällstation und gestern wieder hier her zurück. Das alles mit kaputten Handgelenk. Ich frage ihn ob er eine dicke Baumwollbinde zur Stabilisation haben möchte, aber er ist überzeugt das Ibu`s reichen. Ich biete ihm meine Pillen aus der Reiseapotheke an. Es ist das erste und letzte mal auf der Reise, dass ich den Beutel des Medikits öffne, dazu noch nicht mal für mich. So kann es gerne bleiben.

    Die Empfehlung, hier auf den Hütten das Essen zum probieren wenn man mal die Möglichkeit hat, kann ich nur bestätigen. Ein rundum tolles Erlebnis. Vielleicht auch den entbehrungsreichen Tagen zuvor geschuldet, aber was solls. Am Abend liege ich in meinem Bett, schreibe noch etwas im Tagebuch und mache dann bald die Augen zu.

    Morgen geht es hoch hinaus.

  • von August 2023 der Artikel. Letztes Jahr war die Änderung mit Gåsen und Blåhammeren schon umgesetzt. Deswegen hat die Hüttenwirtin in Fältjägaren auch gefragt wie die Besucher davon erfahren haben das Gåsen zu ist. Es scheint einige Reiberein zwischen den vielen Touristen und den Samis zu geben. Wahrscheinlich auch nicht ganz unberechtigt nehme ich an. Ich hatte ja geschrieben das der Weg bis zu Helags Fjällstation Menschenleer ist. Aber ab da beginnt das Jämtlandstriangeln und das hat wirklich nicht mehr viel mit dem Rest des Weges zu tun, leider. Ist für jeden machbar und erreichbar, dazu ein schönes Microabenteuer in toller Landschaft was in 3 Tagen gut machbar ist. Ohne Zelt und Proviant zu laufen....von jedem...5-85 Jahre quasi.

    Bevor nun alles gleich dicht gemacht wird versuchen die Parteien den "Ansturm" zu bremsen, indem sie durch fehlende Bewirtung evtl einige im Vorfeld schon abschrecken. Wird sich zeigen wie gut das funktioniert.

  • Ja, es geht letztlich darum, dass Rentierwirtschaft dort wieder möglich sein soll. Und das geht aber nicht, wenn alle fünf Minuten ein Helikopter über die Landschaft donnert. Die Tiere meiden dann entweder die Gegend oder bekommen keinen Nachwuchs mehr.

    Es geht um die Frage, wie nachhaltiger Tourismus aussehen kann. Wie „zugänglich“ eine Gegend sein muss, um für den Tourismus attraktiv zu sein. Braucht es wirklich ein Drei-Gänge Menü am Abend, wenn ich in der Natur in den Bergen bin? Deshalb wird jetzt rückgebaut. Weniger Betten, weniger Luxus.

    All das ist und war innerhalb des STF auch seit Jahrzehnten hoch umstritten. Der STF hat halt einen Arm als nicht kommerzieller Verein von Mitgliedern und einen kommerziellen, der auf Gewinnoptimierung ausgelegt ist. Und auch innerhalb des Vereins geht es um die Frage: wie zugänglich muss fjäll wirklich sein?

  • Man kann beide Seiten verstehen denke ich und es nicht gerade einfach da einen Mittelweg zu finden. Natürlich sind Helikopter über, ebenso wie das 3 Gänge Menü am Abend. Für die Rentierzucht stört aber auch der Hund an der Leine, ebenso wie der hundertste Tourie der den Weg verlässt und auf die Tiere zu geht. Andererseits sind die Skanden so riesig, ist man da auf das Gebiet zwischen Storlien und Ramundberget angewiesen?

    Wenigstens gibt es noch Gespräche und Austausch zwischen beiden Parteien und nicht nur schwarz und weiß. Wir werden sehen wo es am Ende hin führt.

  • 9.1 STF Helags (9,5 km) 800m rauf - 826m runter

    Samstag, 17.08.24

    Wetter: heiter, windig und kalt


    Heute bin ich tatsächlich mal der letzte der wach wird. Überall in den Betten regt sich schon was. Es ist 07:00h und wie versprochen scheint die Sonne. Genau so habe ich mir den Aufstieg seit langer Zeit vorgestellt. Erneut muss ich an Berichte aus dem Forum denken, wo die Leute an den wirklich schönen Stellen im Regen oder in den Wolken standen, und nichts sehen konnten. Gott sei es gedankt, bleibt mir das größtenteils erspart.

    Es folgt die morning Routine und die Überlegung, wie ich mein Wasser und etwas Proviant auf den Berg bekomme, ohne es die ganze Zeit tragen zu müssen. Ich bastele mir aus meinem Gürtel und einem Drybag eine Art Umhängetasche vom Typ Talahon. Rein kommen meine Flasche, Nüsse und Riegel. Das sollte reichen für eine kleine Rast.

    Um 08:10h bin ich auf dem Weg nach oben. Die Runde im Uhrzeigersinn soll man laut Flurfunk besser gehen können, also versuche ich es so herum. Auf dem Weg fallen mir ein großes Keron und eine Person mit vier Schäferhunden auf. Das Zelt steht wie eine eins und trotzt den Elementen. Ich freue mich, dass hier oben die Zelte ihre Verwendung finden, wie von Bo Hilleberg einst gedacht. Kein tristes Leben auf dem Campingplatz in Parzellen, eingepfercht von Lorbeerhecken und Hagebuttensträuchern.


    *Keron 4GT in seinem Element


    Der Einstieg in den Berg beginnt rechts neben dem heuabrauschenden Bach.

    *mittig rechts im Bild die Helags Fjällstation


    Etwas weiter oben wird dieser dann gequert und man erreicht ein Plateau mit kleinen Gletscherseen.

    Weiter geht es auf unterschiedlich großen Steinbrocken bzw. Platten. Diese sind mehr schlecht als recht mit einem orangenen Punkt markiert. Jedoch verliere ich des öfteren die Übersicht und verlasse mich letztendlich ganz auf den Track auf meiner Uhr. Gut, dass ich im Rogen diese Art des Wanderns vorher ausreichend üben konnte.

    *den Aufstieg kann sich jeder selber suchen


    Nachdem der lange Anstieg überwunden ist, geht es etwas geradeaus und der Predikstolen zeigt sich aus einer ganz anderen Sicht.

    *Predikstolen von Oben


    Im Hintergrund liegt der Sylsjön, nahe der Norwegischen Grenze. Eine Idee den Menschenmassen zu entgehen war eine Tour entlang des Ostufers des Sees. Leider ist dies auf Grund der Wetterverhältnisse nicht möglich gewesen, was sich später auch noch als Glücksfall herausstellen sollte.

    Weiter geht es Richtung Gipfel. Eine kleine Kletterei über größere Felsen und dann ist es geschafft. Weder vor noch hinter mir ist irgend jemand zu sehen. Oben liegt eine Box aus Edelstahl, welche das Gipfelbuch beinhaltet. Ein Turm aus Steinen ist aufgeschichtet und mit einer Planke aus Holz wurde notdürftig eine Sitzgelegenheit geschaffen. Leider zieht es hier oben so dermaßen, das ein längerer Aufenthalt, und sei es nur für eine Tüte Nüsse, nicht möglich ist. Der durchgeschwitzte Körper kühlt in wenigen Minuten aus.

    So trage ich mich mit einer leeren Kugelschreibermine in das Buch ein, schieße ein paar Fotos und mache mich wieder auf den Weg hinunter. Während der Fotos verdunkelt eine graue Wolke den Himmel, aus der sogar kurzzeitig Schneeflocken fallen. Und das mitten im August.

    *Helagstoppen 1.797m




    Die andere Seite des Berges unterscheidet sich landschaftlich vom Aufstieg. Der Untergrund besteht eher aus glatten Felsen und man kann bis an die Abbruchkante heran gehen.


    *nördliche Flanke des Berges

    *Blick nach Süden


    Ich steige langsam weiter ab und nach 3:50h bin ich wieder an der Fjällstation angekommen. Pünktlich zum Mittag. In der Gemeinschaftsküche bereite ich mir Porridge und Kaffee, dazu noch einen dicken Schokoball von der Rezeption.



    *Gemeinschaftsküche der Fjällstation


    Über das W-Lan der Station mache ich noch ein paar Handyupdates und checke den Wetterbericht. Es ist noch früh am Tage und eigentlich zu schön, um hier den Tag zu vergeuden. Ich beschließe heute noch ein paar Kilometer zu machen und spontan zu sehen, wo sich was finden lässt. Um 13:15h bin ich erneut auf dem Weg Richtung Sylarna.

  • 9.2. STF Helags – Zeltplatz irgendwo im nirgendwo (5,9 km) 93m rauf - 170m runter

    Samstag, 17.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt


    In Reichweite zur Fjällstation meine ich ein Tarptent Stratospire erspäht zu haben. Ein Junger Mann kniet im Eingang und bastelt herum. Da ich die Zelte von Tarptent im Vorfeld auch auf dem Schirm hatte, bin ich neugierig und gehe drauf zu. Wir kommen ins Gespräch und er verrät mir, dass der Wind in der letzten Nacht die Ösen bzw. die Bänder herausgerissen hat und das ganze Zelt über ihm zusammengebrochen ist. Er musste in Eiseskälte das nötigste retten und in die Fjällstation umziehen. Nun will er den Schaden genau begutachten und einpacken. Sein Bruder schwört auf das HB Niak, aber ihm war es zu schwer. Nun zahlt er den Preis für das eingesparte Gewicht.

    Erneut passiere ich das Keron der vier Hunde. Anders als in meiner Nuckelpinne oder dem Strato muss sich hier vor Sturm und Regen niemand fürchten. My Home ist my Castle, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Es geht weiter auf dem Weg Richtung Sylarna. Bis zur Sylarna Fjällstation sind es gute 20km. Das Ganze heute noch am Stück ist natürlich abwegig, aber irgendwo vor der Misehketjahke Schutzhütte soll der Fluss Handölan bis nah an den Weg reichen. Vielleicht findet sich ja dort in der Nähe ein Fleckchen, irgendwo im Flussbett oder einer Senke.

    *Blick Richtung Norden auf`s Sylarna Massiv


    *Blick zurück zum Helags


    Nach einer guten Stunde kommt mir eine Person mit einem Rudel Hunde entgegen. Da mir meine Freude über die Vierbeiner wohl anzusehen ist, bleibt die Frau stehen und wir schnacken miteinander. Es ist die Frau aus dem Keron, welche heute den Tag mit den Hunden in der Sonne verbracht hat. Ein Zwei Kilometer weiter soll es links hinter einem Bach eine kleine, grasbewachsene und ebene Stelle geben, wo man herrlich liegen kann. Auch wurde aus einer halben Holzbohle für die Wege eine Bank zum Sitzen gezimmert. Sie hat es von einem anderen Wanderer erfahren und gibt diesen Tipp nun gerne weiter. Das werde ich mir auf jeden Fall ansehen.

    Was Outdoorequipment angeht, scheint sie gut informiert zu sein, was sich im Gespräch immer wieder herausstellt, da wir teilweise die selbe Ausrüstung verwenden , bzw. verwendet haben. Zwei Gearjunkies unter sich;)

    Sie hat im Zelt alles dabei und das meiste Gewicht auf ihre Hunde aufgeteilt, welche ebenfalls alle mit Hunderucksäcken ausgestattet sind. Bei vier ausgewachsenen Schäferhunden kann man da schon einiges unter bekommen. Nach 20min verabschieden wir uns und ich mache mich auf die Suche nach „ihrem“ Spot. Hoffentlich gehe ich nicht dran vorbei.

    Tatsächlich kreuzt 10min später ein Bächlein den Weg und links davon führt ein kleiner Trampelpfad zum besagten Platz. Er ist wie auf einem Plateau gelegen, abgeschirmt von einem 50cm hohen Absatz, auf dem wiederum 50cm hohe Blaubeerbüsche wachsen. Der Wind kommt aus Südwest, abgeschwächt vom nördlichen Ausläufer des Helags. Der Rest der hier noch ankommt, wird von den Büschen abgehalten. Dieser Platz ist hier draußen tatsächlich ein Glücksgriff und ich bin sofort überzeugt.

    *Bergausläufer als Windschutz, links oben die Spitze des Helags


    Das Zelt stelle ich heute drei Mal auf, da ich zuerst schlecht liege und die anderen beiden Versuche die windanfällige Seite des Zeltes genau gen Wind zeigt. Falls es hier draußen doch noch umschlägt, will ich zumindest halbwegs aufgestellt sein. Ich melde mich bei meiner Familie, koche mein Abendbrot und erkunde etwas die Gegend. In der Ferne scheint es mehr zu regnen, was sich deutlich am Himmel abzeichnet. Allerdings zieht bis auf einen kleinen Schauer alles unweit von mir vorbei.

    *Über dem Sylarna regnen sich die Wolken ab


    *hier geht es morgen weiter


    Gegen 21h soll die Sonne direkt hinter dem Sylarnamassiv unter gehen. Da bin ich mal gespannt.

    Zum Reisebuch schreiben lege ich mich vorerst ins Zelt. Es dauert aber nicht lange, und ich nehme ein paar Meter weiter hinter dem Zelt merkwürdige Klopfgeräusche wahr. Die Rentiere sind neugierig und sind bis auf paar Meter heran gekommen. Ich sehe, wie sie mit ihren Hufen auf den bewachsenen Boden stampfen, und so unter der Oberfläche liegende Wurzeln und andere Leckereien freilegen, die sie dann genüsslich abgrasen können. Sobald man sich allerdings bewegt, schrecken die Tiere auf und suchen das Weite.

    Das alleine ist schon schön anzusehen, so ganz aus der Nähe, aber was ich in weiter Ferne über den Bergen sehe, verschlägt mir die Sprache. Ein nahendes Gewitter verdunkelt die gerade untergehende Sonne und erzeugt ein Naturschauspiel der Extraklasse. Ein diffuses Licht und der herabfallende Regen rahmen das ganze Bild perfekt ein…und ich habe einen Logenplatz.

    *mächtig gewaltig

    *X-Mid porn


    Nachdem alles ausgiebig abgelichtet wurde, geht es in den Schlafsack. Es war ein langer Tag.

    Mitten in der Nacht werde ich wach. Es ist arschkalt und ich muss raus zum Pinkeln. Während ich da so stehe und in den Himmel blicke, fallen mir weiße Schlieren am Nachthimmel auf. Ich hatte mal davon gehört, dass weniger intensive Polarlichter erst durch die Belichtung der Kamera wirklich sichtbar werden. In echt hatte ich bisher noch keine Lichter sehen können, aber einen Versuch ist es Wert. Ich ziehe mich wärmer an und hole mein Handy raus….und tatsächlich. Aurora Borealis gibt sich die Ehre, direkt über meinem Zelt. Ich kann mein Glück kaum fassen.

    Sollte morgen meine Reise aus Gründen zu Ende sein, hätte ich alles gesehen, was ich mir auch nur im entferntesten ausgemalt habe. Mit einem großartigen Gefühl der Dankbarkeit und einem breiten Grinsen steige ich zurück in meinen Schlafsack.

  • Vielen Dank für deinen Bericht! Das zu Lesen war ein echtes Highlight in der letzten Woche! Mit jedem Eintrag habe ich mich gleich etwas erholter gefühlt. Deine Bilder finde ich auch super gelungen. Und so ein Wetterglück. Toll! Vielen Dank fürs Zusammenschreiben und uns Teilhaben lassen. <3

  • Vielen Dank für deinen Bericht! Das zu Lesen war ein echtes Highlight in der letzten Woche! Mit jedem Eintrag habe ich mich gleich etwas erholter gefühlt. Deine Bilder finde ich auch super gelungen. Und so ein Wetterglück. Toll! Vielen Dank fürs Zusammenschreiben und uns Teilhaben lassen. <3

    WOW, vielen Dank. Das mal ein Kompliment. Freut mich sehr wenn meine paar Zeilen von euch so aufgenommen werden. Dann lege ich auch zwischen Tür und Angel noch eine Etappe nach;)

  • 10. Zeltplatz irgendwo im nirgendwo – STF Sylarna (16,4 km) 570m rauf - 460m runter

    Sonntag, 18.08.24

    Wetter: wechselhaft, kalt



    Am nächsten Morgen ist es leider nicht mehr ganz so schön. Das Zelt ist innen voller Kondens, der Wind hat wieder deutlich aufgefrischt und der Himmel hängt voller grauer Wolken. Erstaunlich, wie sich der Eindruck des Lagerplatzes nur durch einen Wetterwechsel ändern kann.

    *kalter Morgen mit eisigen Wind


    *Handschuhe zum Frühstück sind heute Pflicht


    Ich wische innen ein mal feucht durch, spanne die Türen auf beiden Seiten auf und lüfte quer. Bis es abgetrocknet ist, habe ich etwas Zeit. Also mache ich mich auf die Suche nach Blaubeeren, um mein Frühstück etwas aufzupimpen, bereite mir einen Kaffee und starre so vor mich hin.

    Zum Frühstück trage ich alle Kleidungsschichten die mein Rucksack her gibt, inkl. Handschuhen. Es ist jämmerlich kalt und die Frage, ob ich wirklich alles benötigt habe ,was im Vorfeld eingepackt wurde, kann ich nun nach dieser Tour guten Gewissens mit JA beantworten. Um 09:30h bin ich dann endlich unterwegs. Dick eingehüllt in meine Kapuze geht es auf gut gehbaren Wegen durch relativ unspektakuläre Landschaften.

    Klar, das Sylarna Massiv liegt immer gut sichtbar voraus, allerdings hatte ich mir das gestern schon gefühlte 5h angesehen und die äußeren Umstände machten es nicht interessanter. Heute kommen mir dafür schon ein paar mehr Leute entgegen und in der Rasthütte Miesehketjahke sitzen wir nach kurzer Zeit zu viert und machen Pause.

    *Rasthütte Miesehketjahke auf halben Wege


    Beim Blick auf die Karte überlege ich links abzubiegen, Richtung Ekorrdörren und dann über den Templet zur Fjällstation zu gelangen. In der Realität kann ich mit Blick von der Hütte aus allerdings nur Sumpfland und kleinere Seen ausmachen. Es ist wohl eher ein Winterweg und irgendwie fehlt mir heute auch die Lust, weiter danach zu suchen. Nach ein paar Snacks und etwas Klönschnack gehe ich weiter. Der Handölan hat hier über viele viele Jahre eine Landschaft aus Altarmen, Abbrüchen und kleinen Seen geschaffen.

    Er setzt sich schon etwas vom Rest der Umgebung ab, aber richtig genießen kann ich es nicht. Das erste Mal auf meiner Reise bekomme ich ein Gefühl von Müdigkeit, von satt gesehen. Der Aufnahmespeicher ist voll. Eine Art Reizüberflutung?

    Am Kläppen muss ich die nächste Pause einlegen. Die Oberschenkel Brennen und die Schritte werden schwerer. Eine heiße Tasse Tomatensuppe schafft Abhilfe. Vielleicht habe ich auch ein Kaloriendefizit, und die dauerhafte Ernährung aus den Tüten Reicht einfach nicht aus, um täglich 3.500 Kalorien aufzufüllen? Darüber sollte ich mir bei zukünftigen, längeren Touren auf jeden Fall Gedanken machen. Circa 3km vor der Fjällstation trennt sich der Weg, und man kann entweder über den Herrklumpen (1.289m) oder drum herum gehen. Ich entscheide mich für den längeren Weg drum herum und hoffe, so noch etwas mehr von Sylarna sehen zu können.

    *Wollgrasfelder in den Sumpfgebieten

    Bis auf ein paar Schneefelder bzw Gletscher, welche sich im Schatten des Berges der Sommersonne widersetzt haben, gibt es aber nicht viel zu sehen.

    Hier oben hat der Wind auch noch eine Schippe drauf gelegt und ich bin froh, als langsam in der Ferne die Häuser der Sylarna Fjällstation auftauchen.


    *Sylarna Fjällstation


    Von außen eher unscheinbar entpuppt sich die Fjällstation von innen als modernes und ziemlich frisch renoviertes Hotel.


    *Restaurantbereich


    Schon gestern Abend hatte ich auf Grund der Wettervorhersage ein Zimmer gebucht. An der Rezeption checke ich ein und erkundige mich, was wohl abends auf der Speisekarte steht. Reindeerstew ! Lecker! Eigentlich wollte ich ja an meinen Vorräten arbeiten, aber der Gedanke an ein richtiges, vollwertiges Abendessen lässt mich das noch einmal überdenken.

    Ich bekomme ein 8er Zimmer den Gang runter, Nummer 31, Värmland. Es ist nagelneu, mit richtig bequemen Betten und viel Platz. Kurz nach mir öffnet sich erneut die Tür und das Pärchen von der Rast in Miesehketjahke tritt ein. Mehr werden es auch heute nicht in diesem Zimmer.
    Nachdem alles eingerichtet ist, wird mal wieder Wäsche gewaschen. Die Trockenräume in den Hütten sind der Hammer und bereits am selben Abend kann ich die Wäsche wieder trocken in meinen Beuteln verstauen.

    Bis zum Abendessen lege ich mich in die bereits eingeheizte Sauna. Einfach herrlich. Ein kleines Fenster erlaubt den Blick auf die Berg, welcher allerdings bald durch lang anhaltenden Regen verblasst.

    Nach dem sehr leckeren Abendessen hänge ich noch eine ganze Weile alleine im Leseraum ab, welcher hart nach dem Ikea ScandiStyle Lehrbuch eingerichtet ist. Aber anders als in einer hippen Stadtwohnung passt es hier wenigstens ins Bild.

    Die völlig losgelösten und interessanten Gespräche der vergangenen Tage gibt es hier leider nicht mehr. Der Tagestourismus hat die Oberhand und alle Leute sind einander fremd. Die Trailmagic, wie ich sie zum Beispiel in der Fältjägarstugan erlebt habe, ist plötzlich nur noch eine schöne Erinnerung. Warum ist das so? Wieso haben Tageswanderer ein anderes Bedürfnis nach Gesellschaft als Distance Hiker? Im Gedanken an die ein oder andere Frage und etwas gemischten Gefühlen mache ich mich langsam auf den Weg ins Bett.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!