Nach langer Pause im alten Forum und noch fehlender Übersicht im neuen Forum versuche ich hier mal einen kleinen oder auch größeren Bericht, in der Hoffnung die ein oder anderen Mit-Forums-Menschen zu inspirieren oder vielleicht immerhin zu amüsieren.
Ich wollte also in die große weite Welt da draußen. Mit dem Fahrrad sollte es losgehen, obwohl ich doch sonst immer auf Schusters Rappen unterwegs war... Alleine sollte es losgehen, obwohl ich doch sonst immer zu zweit unterwegs war. Doch Situationen verändern sich und so auch Träume und Ziele. Also auf in die USA und den Great American Rail Trail erkunden. ÄÄÄÄHM wohl eher nicht, wie der Titel sagt. ![]()
Nachdem ich 2022 einigen Planungsaufwand und eine gewisse Portion Ratlosigkeit in den eben genannten Plan gesteckt hatte (wie zum Geier soll man knapp 6000km in einer normalen 30Tage Urlaubsphase schaffen?!), wurde ich dann 2023 von einigen super lieben Kolleginnen bei einem einmonatigen Arbeitsaufenthalt in Argentinien von einem neuen Plan überzeugt. Durch das "beste Land der Welt" - wie sie sagten - solle es gehen. Selbstverständlich waren bei dieser Überzeugungsarbeit keinerlei Flaschen Rotwein involviert und so ging direkt die Planung los.
Ich habe viel gelesen, viele Listen gemacht, viele Routen überlegt, erstellt und verworfen. Zuerst sollte es die Ruta40 werden, eben weil das in Argentinien so sein muss. Nachdem ich mich dann über Wetter (WIND!) und die Landschaft informiert hatte, entschied ich mich dann doch einen Umweg von etwa 500km in Kauf zu nehmen um auch noch Chile und die Carretera Austral zu erkunden. Das stellte sich als hervorragende, aber auch sehr fordernde Lösung heraus.
Der endgültige Plan war folgender. Nach dem Durchrechnen meiner Urlaubstage, dem eingeplanten Besuch bei Freunden und Kollegen zu Weihnachten und weiteren Faktoren blieb ein Zeitfenster von ca. 30 Tagen für die Fahrradreise (inkl. Flüge und Orga vor Ort). Start war in Villa La Angostura, weil dort ein Bekannter ein Hotel betreibt und ich so einen Fixpunkt für meine Ankunft hatte. Ende der Tour sollte, ganz klassisch, das "Ende der Welt" in Ushuaia sein. Natürlich auch, weil da ein Flughafen ist und ich damit eine Chance hatte schnell zurück nach Buenos Aires und damit zu meinen Leuten zu kommen um gemeinsam Weihnachten zu verbringen. Den Abschluss der Reise sollte dann ein einwöchiger Aufenthalt in der Provinz Buenos Aires bilden mit anschließendem Rückflug nach Deutschland.
Weitere Fixpunkte während der Reise waren folgende:
- Futaleufú - Einstieg zur Carretera Austral um auch andere Landschaften zu sehen.
- Puerto Tranquilo - Besichtigung der "Capillas de Marmol"
- Villa O'Higgins - Ende der Carretera Austral, Grenzübergang nach Argentinien
- El Chaltén - Ankunft spätestens am 7.12. um noch einen Kollegen zu treffen, mit dem ich dort eine Wanderung machen wollte.
- Gletscher Perito Moreno
Alles Zusammengenommen hatte ich so (Abzüglich der Reisetage im Flugzeug etc.) Tagesetappen von deutlich über 100km und keinen einzigen Pausentag vor mir. Die Idee war, an zwei Tagen "doppelte" Etappen zu fahren um einen Puffer für die Ankunft in El Chaltén herauszufahren. "Machbar" dachte ich mir.... Ich bin ja schonmal einen 300er gefaren, da sollte das gehen. (Pustekuchen^^)
Das Vehikel für die Reise sollte mein treuer Drahtesel aus der Jugendzeit, von Arbeitskollegen scherzhaft "Der Rote Baron" genannt, sein. Den musste ich natürlich noch etwas ertüchtigen und "optimieren" für die lange Reise. Nach einiger Recherche stellte sich nämlich heraus, dass ein neues Fahrrad, mit annähernd gleichen Eigenschaften wie mein eigenes, vor Ort sehr sehr teuer werden würde (extreme Steuern auf ausländische Produkte). Zusätzlich war da die Unsicherheit, ob man denn ein wirklich passendes Fahrrad inklusive Taschen innerhalb von 1-2 Tagen finden würde - man erinnere sich an meinen Zeitdruck. Ich packte also all meine Ausrüstung nebst Fahrrad in einen großen Pappkarton und machte mich auf den Weg.
Hier als Spoiler das Endergebnis für Zahleninteressierte:
Zunächst werde ich den Bericht eher kurz halten, da 29 Tage dann ja doch etwas ausufernd werden können... Wenn Ihr Fragen habt, doch den kompletten Blog hier lesen wollt oder sonst was ist, dann freue ich mich natürlich und liefere gerne mehr Material.
Eine Packliste bleibe ich leider vorerst schuldig, da ich mich erstens vor der Reaktion der UL-Fraktion fürchte
und zweitens die Exceltabelle mit den Gewichten beim "Aufräumen" des Computers irgendwo verschlampt habe. Ich muss mal suchen...
Nur so viel: Das gesamte Set (Fahrrad, Rucksack, die gesamte Ausrüstung, Klamotten am Leib, 2,9L Wasser, Verbrauchsmittel und ca. unendlich viele Riegel aus Deutschland) hat zusammen ~35kg gewogen auf meiner Personenwaage.
Also los gehts!
Tag 1 - Abschied und Aufbruch ins Ungewisse;
Villa La Angostura --> Villa Mascardi (Las Carpitas Camping); 123 km
Nach einigen wechselhaften Tagen und einer (mental) harten letzten Nacht und ging es los. Alles war gepackt, das Essen eingekauft, Vergessenes ersetzt und die am Vortag omnipräsente Einsamkeit und Angst vor dem Ungewissen vertrieben. Eine letzte Umarmung mit neu gewonnenen Freunden, Abschiedsfotos, viel Winken und los ging es auf die staubigen Straßen Argentiniens. Zunächst noch in Begleitung der beiden Kinder meiner Freunde vor Ort und nach einer halben Stunde dann alleine.
Der erste Tag war wesentlich anstrengender als gedacht. In der Retrospektive irgendwie amüsant, wie ich das im Verlauf der Reise über fast jeden folgenden Tag sagen sollte... Fast immer war es irgendwie härter als am Vortrag und doch kam ich immer ans Ziel... Zum Auftakt über 1000hm sind die eine Sache. Aber trotz gut ausgebauter Straßen musste ich wegen des vielen Verkehrs sehr weite Strecken im Schotter neben der Straße fahren. 10km/h langsamer, aber dafür doppelt so anstrengend und natürlich nicht sehr gut für das Material. Es war trotzdem ein schöner Tag! Am Sonnenschutz muss ich noch arbeiten. Morgen dann mit Beinlingen und improvisierten Handschuhen (weiße billige Socken in die ich Löcher geschnitten habe…). Obwohl es recht kühl ist brennt die Sonne ganz schön. Da hilft 50+ Sonnencreme auch nicht viel. Zum Abschluss des Tages der erste Campingplatz. Los Carpitos. Geführt von super tollen Menschen mit einer schönen Vision von Frieden, Achtsamkeit und Erholung. Achja und sie haben mir für meine Geschichte ein Bier ausgegeben und ich sollte an die Wand schreiben 😂 Es war sehr sehr schön und jetzt regnet es wie verrückt. „Gut zum meditieren“ sagt Chris 👍
Tag 2 - Action auf der Hängebrücke
Villa Mascardi --> Epuyén; 129km
Neue Ausrüstung: provisorische Handschuhe aus Socken gegen die Sonne. (Habe bisher keine zu kaufen gefunden) Der heutige Tag war nochmal anstrengender als gestern. Nicht nur weil es mehr bergauf ging, sondern auch wegen der schwierigen Schotterpassagen. Aber zwischendurch gab es auch den ersten schönen Radweg! Kleiner Stopp an der Tankstelle und dann auf die Zielgerade. Noch ein Hängebrückenabenteuer und dann war es geschafft. Etwas zerknittert aber gut gelaunt mache ich es mir auf dem Acker (der wohl ein Camping Platz sein soll) gemütlich. Die Betreiberin war irgendwie sehr überrascht, dass jemand da ist. Interessant 🧐 Beim Zeltaufbau passierte noch ein kleines Malheur (FlipFlop+Hering=Autsch), aber dann konnte ich auch schon mit kochen und essen beginnen. Ob ich wohl zu viel Olivenöl verbrauche? 😂