Beiträge von H4nnes

    Tag 28 - Die Kür

    Ushuaia --> Fin del Mundo ; 48km (hin und zurück)

    Zum Abschluss einer solchen Reise darf natürlich das Foto nicht fehlen. Also fuhr ich, noch etwas verkatert vom Vorabend (werde hier was bei "Land und Leute ergänzen" :D), durch den Regen ans „Ende der Welt“. Hm was eigentlich für ein Ende der Welt?? Hier gibt’s gefühlt ein Dutzend… also jedenfalls ist das das Ende der Ruta Nacional 3. Der Straße, der ich nach Abschluss der Ruta Nacional 40 folgte und die nach meinem Verständnis die südlichste Nationalstraße der Welt ist. Doch da kommt es dann wohl auch wieder auf die Zählweise an. Genau wie bei der südlichsten Stadt. Hier sind nämlich die Rahmenbedingungen ausschlaggebend, von denen ich hier einige aufzählen werde:

    • Ushuaia, Argentinien --> südlichste Großstadt der Welt (82tsd Einwohner)
    • Punta Arenas, Chile --> südlichste kontinentale Großstadt der Welt (123tsd Einwohner)
    • Puerto Williams, Chile --> südlichster Ort der Welt (2tsd Einwohner)
    • Puerto Toro, Chile --> südlichste Siedlung der Welt (50 Fischer + Familien)
    • Villa Las estrellas, Chile --> Antarktissiedlung mit 88 Personen Zivilbevölkerung
    • Amundsen-Scott-Südpolstation, USA
    • Wellington, Neuseeland --> Südlichste Hauptstadt der Welt 

    Egal was jetzt nun "die echte" südlichste Stadt ist... Ushuaia war für mich ein gutes Ziel um meine Radreise zu beenden und ich denke so furchtbar eng sollte man das ganze nicht sehen. Gerade zu meinem Zieleinlauf musste ich ja feststellen, dass das "Ziel" weit davon entfernt war mein echtes Ziel oder mein echter Moment der Zufriedenheit, des Stolzes oder des Glücks zu sein. Es waren die Menschen, die schönen Begegnungen, die persönliche Herausforderung, die Lektionen über mich selbst und das Leben, die Natur, die Tiere... einfach alles, was ich auf meiner Reise erlebt habe war für mich das bisher größte Abenteuer meines Lebens. Also ist es ziemlich egal was jetzt genau der südlichste Punkt ist. Ehrlich gesagt hatte ich nochmal einen "was mache ich eigentlich hier"-Moment, als ich dann am Schild "Aqui finaliza la Ruta Nac. No. 3" stand, dem eigentlichen Ende der Straße. Kalt, nass, dreckig, leicht verkatert wollte ich nichtmal ein Bild machen, zumal ich just in diesem Moment von einer ganzen Busladung Touristen umströmt wurde (was meine Laune nicht wirklich besserte). Doch ich hätte es wissen müssen! Genau jetzt wurde ich von einer Frau auf mein Fahrrad angesprochen und über meine Reise ausgefragt. Sie war es auch, die mich überredete doch ein Bild von mir zur Erinnerung machen zu lassen. Es mag im Prinzip egal sein wo die Reise endete und trotzdem habe ich es nach einiger Zeit geschafft stolz darauf zu sein das selbstgesteckte Ziel erreicht zu haben und bin glücklich über das Foto am Ziel!

    Jetzt ist meine offizielle Radreise wirklich zuende. Was folgte war nurnoch der organisatorische Teil. Fahrradkarton besorgen, Fahrrad demontieren und verpacken etc. etc.

    Ich hoffe meine Geschichten haben euch ein wenig erheitert, motiviert oder sonst irgendwie positiv beeinflusst. Mir jedenfalls hat es Spaß gemacht davon zu berichten und ich freue mich, dass ich wieder im Forum angekommen bin. Bei Gelegenheit ergänze ich dann die Kapitel "Land und Leute" sowie "Ausrüstung" etc..

    Die Ankunft in Ushuaia war sehr ernüchternd. Kalt und nass und alleine rollte ich in die Stadt hinein und wusste nicht so richtig was ich mit mir anfangen sollte. Kein Gefühl des Erfolgs, kein Stolz, nichts. Dafür kalte Finger… Das war tatsächlich der schwärzeste Moment meiner Reise. Komisch aber wahr.

    Uuuuuh das kenn ich. Da kommt man an und fällt in das "und was jetzt ?"-Loch. Bist da nicht allein, vor allem wenn man da allein in der Gegend steht. Was ich für mich herausgefunden habe und den Absturz weniger brutal macht : schon im Vorfeld erkunden, ob es nicht ein spezielles Restaurant gibt, wo man sich mal was "erlaubt". Oder Familie/Freunde vor Ort haben, die einen empfangen.


    Danke für den Bericht ! Ist schön zu lesen.

    Beruhigend zu lesen, dass ich da nicht alleine bin und irgendwie schade. Man hat doch eigentlich was ganz tolles geschafft. Ist also doch was dran an der "Der Weg ist das Ziel" Redewendung.

    Durchdacht habe ich die Situation vorher schon. Natürlich war mir klar, dass niemand am Ende der Welt auf mich wartet und mir auf die Schulter klopft. Ich dachte auch, ich wäre drauf vorbereitet - war ich nicht. Um so toller, dass ich am Ende wieder so einen schönen Moment mit neuen Leuten hatte. Das hat mich in kürzester Zeit wieder aufgebaut!


    Mit dem nächsten Beitrag endet der offizielle Teil der Reise.

    Ich habe geplant noch ein Allgemeinkapitel (z.B. Land, Leute, Unterkünfte, Bier oder so) zu machen und ein Kapitel zur Ausrüstung. Was hatte ich dabei, was war gut, was war schlecht.

    Mir ist auch klar, dass es hier im Forum deutlich krassere Reisen und Ausrüstungsthemen gibt und wenn es Fragen gibt (oder ich was verschieben soll), dann werde ich mich bemühen das so gut ich kann zu beantworten. :)

    Danke schonmal an alle für die positiven Rückmeldungen. Habe mich sehr gefreut!

    Tag 27 - Endlich geschafft...

    Laguna Esmeralda --> Ushuaia ; 24km

    Die Ankunft in Ushuaia war sehr ernüchternd. Kalt und nass und alleine rollte ich in die Stadt hinein und wusste nicht so richtig was ich mit mir anfangen sollte. Kein Gefühl des Erfolgs, kein Stolz, nichts. Dafür kalte Finger… Das war tatsächlich der schwärzeste Moment meiner Reise. Komisch aber wahr.

    Nachdem ich mich gefangen hatte machte ich mich auf den Weg zum nächstegelegenen Campingplatz. Lösungsorientiert arbeiten:

    1. Schlafplatz finden
    2. Zelt aufbauen
    3. heiße Dusche
    4. Essen (+ Bier?)

    Dann würde die Welt schon anders aussehen und ich könnte überlegen wie es weitergehen soll.

    Doch mal wieder sollte es anders kommen als erwartet und mal wieder sollten liebe Menschen meine Probleme für mich lösen. Total verrückt... Noch bevor ich mein Zelt aufbauen und am Campingplatz bezahlen konnte rief mich die Bekanntschaft vom letzten Campingplatz an. Er und sein Bruder seien in Ushuaia und ob ich (kein Wanderrucksack, Fahrradschuhe für Klickpedale, in Radlerhose) nicht mit ihnen in die Berge richtung Gletscher wandern wolle. Falls nicht könne ich mitsamt Fahrrad immerhin im Hotel bleiben solange sie unterwegs seien. Also gesagt getan. Innerhalb von 30min war ich ausgerüstet mit Essen und einem zweiten kleinen, geliehenen Tagesrucksack und auf dem Weg in die Berge. Die schlechte Laune verflog sofort und das nächste Abenteuer begann!

    Der Weg zur Laguna del Caminantes war wunderschön, jedoch auch beschwerlich. Klettern über umgestürzte Bäume, balancieren durchs Moor und durchwaten von kleinen eiskalten Bergbächen stellten noch die kleineren Herausforderungen dar im Vergleich zum nächsten Tag. Nachdem wir in einem kleinen Schneesturm von unserem Lagerplatz zum Pass auf die andere Seite des Berges aufbrachen mussten wir erstmal durch einen eiskalten Bach waten. Zum Gück durfte ich mir die Crocs von einem der Jungs leihen, sodass ich wenigstens nicht mit tropfnassen Radschuhen den sechsstündigen Abstieg wagen musste. Barfuß war keine Option wegen der spitzen Steine und der Kälte. Ich verlor beim ersten Wasserkontakt komplett das Gefühl im Fuß und meine Zehen verkrampften sich... Allgemein war es wohl keine besonders gute Idee mit den steifen Schuhen zwei Bergwanderungen hintereinander zu machen und ich bin überrascht, wie gut es am Ende doch ging! Klare Kaufempfehlung und 5 Sterne Rezension für die Schuhe! (Muss nochmal die Regeln lesen, habe verpeilt was an Links/"Produktwerbung" erlaubt ist und was nicht..)

    Am Ende der Wanderung wartete noch eine ganz besondere Überraschung auf uns. Natürlich gab es in den Bergen keinen Empfang… daher wurden wir von Nachrichten überflutet als wir wieder nahe genug an der Zivilisation waren. Die allererste Nachricht, die Joel erhielt war eine Sprachnachricht von der Chefin seiner Chefin. Zunächst mal kein gutes Zeichen, was sich jedoch als falsche Vermutung herausstellen sollte. Ganz im Gegenteil - die Nachricht enthielt die freudige Botschaft, dass er nach langer Zeit nun endlich einen unbefristeten Vertrag in seiner Firma bekommt!!! Was für ein schöner Moment, den wir zum Glück mit drei mitgebrachten Dosen Bier feiern konnten!!! (am Vorabend war es einfach zu kalt gewesen um die zu trinken..)

    Auf dem Weg zurück nach Ushuaia gab es neben der Herausforderung der Wanderung und der schönen Aussicht viele regionale Besonderheiten der Natur zu sehen. Zum Beispiel das „Pan de Indio“ oder „Cyttaria harioti“, ein parasitärer Pilz der auf Bäumen wächst und zur Lebensweise der dort ansässigen indigenen Bevölkerung gehörte. Geschmacklich eher fad, aber durchaus essbar. Ebenso wie der „Barba de Viejo“ oder „Usnea barbata“, der beispielsweise als Zundermaterial genutzt werden kann. Auch die weniger schönen Seiten des Lebens wurden sichtbar. Als wir uns zuerst freuten einige Geifvögel zu sehen wurde schnell klar, dass es auch einen Grund für diese Ansammlung auf der nahegelegenen Pferdeweide gab. Der Kreislauf des Lebens. Von Wind und Sonne gezeichnet, aber zufrieden und glücklich ging es dann die letzten Meter zurück nach Ushuaia.

    Tag 26 - Das "Beste" kommt zum Schluss

    Tolhuin --> Laguna Esmeralda ; 90km

    Eine wertvolle Hilfe von Willie war die Planung meiner weiteren Schritte anhand der Karte auf seinem Tisch. Dadurch verschob sich die Ankunft in Ushuaia nochmal um einen Tag nach hinten, weil ich vorher gerne nochmal an der Laguna Esmeralda anhalten und übernachten wollte. Also gesagt getan. Der Weg war etwas beschwerlich und es zeigte sich, dass man auch die Informationen der Einheimischen mit einer gewissen Vorsicht genießen sollte. Ja, auf der empfohlenen Nebenstrecke waren keine Autos und es war damit weniger gefährlich. Ja, die Aussicht auf der Nebenstrecke war wunderschön. ABER die Nebenstrecke war auch teilweise so unpassierbar, dass dort überhaupt kein Auto fahren konnte! Zusätzlich beinhaltete sie den mit Abstand härtesten Anstieg der Tour (abgesehen von den Wanderungen). Leider kann ich hier kein Video hochladen und ich denke die Bilder können kaum wiedergeben, wie spannend das ganze war.

    Nach einer super schönen Abfahrt bog ich dann ein ins Tal zur Laguna Esmeralda. Auf dem Wanderweg musste ich mein Fahrrad über weite Strecken tragen und schieben. Dafür bot sich mir eine wunderbar friedliche Landschaft mit einem wunderschönen Bergsee dar. Leider gab es weder Sterne noch einen Sonnenaufgang zu sehen, da es regnerisch und bewölkt war. Man kann nicht alles haben. Trotzdem sehr schön und und ein toller Abschluss des Soloteils der Reise.

    Tag 24 - Besuch bei Willie und zweiter Pausentag

    Río Grande --> Tolhuin; 110km

    Pannen und Navigationsprobleme… na Prost Mahlzeit. Wenn die „Ruta Provincial“ (nach meinem Verständnis die zweithöchste Straßenkategorie) einfach mal von Zäunen und verriegelten Toren durchzogen ist und man dann auch noch von einem platten Reifen aufgehalten wird braucht man starke Nerven. Aber auch das ging vorbei und ich arbeitete mich an interessanten, wenn auch etwas traurigen Wäldern mit viel Totholz weiter nach Tolhuin vor.

    Wenn es einfach nur gut läuft! Welch ein Glück, dass ich Graciela getroffen habe. Ohne ihren Tipp wäre ich auf einem, zwar gut ausgestatteten, aber sehr Standard touristischen Campingplatz gelandet. Ganz anders bei Guillermo (Willie)! Ich wurde herzlich in seinem Zuhause aufgenommen und fühlte mich gleich ganz wie daheim. Wir haben viel erzählt und im Laufe des Tages kamen dann noch sein Patensohn Joel und dessen jüngerer Bruder Leo vorbei mit denen ich mich auch sofort gut verstand. Obwohl ich eigentlich sofort weiter fahren wollte entschied ich mich dann doch nochmal anders und legte meinen zweiten Pausentag ein. Entspannen, Siesta, Einkauf, gutes Essen und viele Gespräche füllten den Tank nochmal ordentlich auf. Hier durfte ich ein weiteres Mal ins Gästebuch schreiben und was soll ich sagen. Auch hier ist es wie ein kleines Stück Zuhause.

    Tag 23 - Kampf mit dem Wind

    Complejo fronterizo San Sebastián --> Río Grande; 97km

    Nach einer komplett verregneten Nacht, die ich mal wieder neben einer Polizeistation verbrachte, ging es morgens über die Grenze von San Sebastian (Chile) Richtung San Sebastian (Argentinien). Nach der Grenzkontrolle wurde ich plötzlich von einem Polizisten angesprochen und nach einigen Verständigungsproblemen verstand ich, dass er mich auf einen beheizten Aufenthaltsraum mit Stühlen und Kochmöglichkeiten hinwies. Herrlich. Kurz aufwärmen, trocknen, frühstücken, Mate. Da ging es gleich besser und nach der Pause kam sogar die Sonne raus und ich konnte die Regenklamotten einpacken. Perfekt also für die Weiterfahrt nach Rio Grande!

    Frisch gestärkt also auf nach Rio Grande um dort bei Graciela in ihrer "Casa Azul" Unterschlupf zu suchen. Diesen inoffiziellen Campingplatz hatte ich bei iOverlander entdeckt und aufgrund der begeisterten Kommentare beschlossen dort zu übernachten. Beim brutalsten Wind der Reise und sozusagen auf den letzten Drücker versuchte ich mich dann nochmal etwas in der Videographie meiner Reise. Hatte ich doch den Ruhetag in Cerro Sombrero genutzt um mich doch nochmal etwas genauer mit der Bedienung der Kamera vertraut zu machen. Garnicht so einfach bei 60-70km/h Wind im offenen Gelände eine Kamera zu installieren ohne das Fahrrad zu verlieren. Nach einigen mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen Videos zu drehen, die immerhin eindrucksvoll die Geräuschkulisse des Windes wiedergeben, erreichte ich endlich das Meer und damit Rio Grande. Rio Grande ist eine sehr wichtige Stadt Argentiniens, da sie eine bedeutende Rolle im Malvinas-Krieg spielte, der bis heute das ganze Land prägt. Dies zeigt sich an vielen Orten durch Denkmäler, Straßenschilder und Autobeschriftungen. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens am Meer und einer Besichtigung der Gedenkstätten wartete noch eine letzte Herausforderung in Form eine Brücke auf mich, bevor ich es mir bei Graciela gemütlich machen konnte. Nicht nur, dass die besagte Brücke einen sehr schmalen Gehweg ohne Geländer aufwies. Nein, dieser Gehweg war auch ca. 50cm höher angelegt als die Fahrbahn, übersäht mir Schlaglöchern und der Wind war in diesem ungeschützten Bereich so stark, dass ich beim Schieben mein gesamtes Gewicht auf das Rad legen musste um nicht mitsamt des Gefährts auf die Straße geweht zu werden.

    „Ach wie schön das wäre, wenn man überall auf der Welt ein kleines bisschen zuhause wäre.“ So oder so ähnlich soll ich mich meiner Mama zufolge wohl mal als Kind geäußert haben. Was soll ich sagen. Ich arbeite daran und finde es ist ein schönes Motto und ein toller Gedanke. Wenn man Menschen wie Graciela trifft, dann wird es einem aber auch wirklich leicht gemacht. Ihre freundliche, herzliche, offene Art lässt einen die Fremde vergessen und man fühlt sich sofort wie zuhause. Wir verbrachten einen wundervollen Abend und sie erzählte Geschichten und gab mir Tipps für meine weitere Reise. Besonders ein Tipp - der Besuch bei ihrem Bekannten „Willie“ in Tolhuin - sollte sich als wahrer Schatz herausstellen! Gracias Graciela 🩵🤍🩵

    H4nnes Was ist das für eine die Du in Argentinien/Chile mithattest (ja, mir zu gross aber für "alles in 2 Taschen" gut. Und schick)? Wie ist die befestigt? (kann ich leider auf den Fotos nicht sehen)?

    Also ich habe einen "Gravel Suitcase" von "7R bags".

    Ca. 12L, kann aber ganz gut überladen werden mit Essen oder so.
    Das Teil ist mit seinen Deckelschnallen auf einem Gepäckträger festgezurrt. An diesem Gepäckträger sind auch meine selbstgebauten "Flaschen-behälter" für 1. Hilfe Set und Mate Zubehör, sowie mein Licht befestigt.
    Zur Stabilisierung und damit es nicht wackelt gibt es noch zwei Riemen, die das Teil am Lenker festhalten.

    Leider ist das ganze mit 820g recht schwer... man könnte allerdings auch noch die Plastikeinsätze, die zur Stabilisierung drin sind herausnehmen.

    In rot meine Tasche und in schwarz ein Beispielbild vom Hersteller

    Es ist halt teilweise echt wie in den Memes im Internet und natürlich fällt es mir mehr auf, weil ich meine Landsleute einfach besser erkenne/verstehe, als andere Kulturen.
    Zusätzlich war die Reisegruppe auch noch recht homogen, was die Altersstruktur angeht und dann doch noch recht weit von mir entfernt ^^
    Aber das rollende Hotel war schon cool!


    und ja.... dreckig und mit meinem zerbastelten Fahrrad kam ich mir dann doch seeeeeehr anders vor als die Menschen dieser Reisegruppe :D

    Tag 22 - Letzter Tag in Chile

    Cerro Sombrero --> Complejo fronterizo San Sebastián; 124km

    Schweren Herzens ging es nach dem Ruhetag weiter, wieder in Richtung Grenze. Warum sind Betten eigentlich so gemütlich?! Diesmal nach San Sebastian (Chile). Die Überschneidung von Chile und Argentinien ist wirklich interessant und die Art der wie die Grenzen gezogen sind recht ungewohnt, wenn man aus Europa kommt. Nachdem ich mich kurz an der Grenze informiert hatte über etwaige Formalitäten und dort auch ein interessantes Hotel auf Rädern aus Passau zu sehen bekam, machte ich mich auf um meine restlichen chilenischen Pesos für Essen und ein Bier (Torres del Paine - Cerveza Austral) im nahegelegenen Restaurant zu verprassen. Irgendwie sträube ich mich dagegen, Vorurteile gegen deutsche Touristen zu haben. Sicher hat jedes Land seine Eigenheiten und irgendwie hat es sich doch auch sehr "heimisch" angefühlt die endlosen Gespräche über Kartenzahlung oder Barzahlung, wie viel Trinkgeld man den jetzt geben solle und ob man jetzt (hier in CHILE) auch wirklich mit chilenischen Pesos bezahlen müsse und warum das denn auf einmal teurer sei, wenn man Dollar, Euro oder Argentinische Pesos hinhält. :D:D

    "Also die Dämmung hier ist aber nicht so gut - die Heizkosten möchte ich nicht haben."

    "Ziemlich windig hier, da ziehts ja überall!!!11einself!"

    Tag 20 - Die Abrechnung

    Río Gallegos --> Cerro Sombrero; 149km

    Man kann vieles vorher nachschauen, aber genau so wie ich nicht auf den Schotter der Carretera etera vorbereitet war, so erwischte mich der 60km/h Seitenwind und das (zum Glück kurze) Stück Schotter auf dem Weg nach Cerro Sombrero (Chile) dann doch ziemlich hart. Aufgrund einer Falschinformation meiner Karte hatte ich auch hier wieder Probleme mit dem Wasser und so blieb mir nichts weiter übrig als immer weiter zu fahren bis ich schließlich ankam. Schon doof, wenn zwei Schutzhütten mit Trinkwasserstellen angezeigt werden, aber eine komplett verschlossen und ohne Zufahrt ist und die andere völlig verdreckt, kaputt und ebenfalls ohne Wasser...

    Nach einer glücklichen Fahrt mit der Fähre (keine Wartezeit und kostenlos für Fahrräder) und einer harten Schlusspassage kam ich schlussendlich in einer kleinen Hostería an der Straße nahe Cerro Sombrero an. Warmes Essen, das hervorragende "Kunstmann - Torobayo" Bier & "D'olbek - Maqui" (Pale Ale mit Chilenischer Weinbeere), ein Bett und genug Platz im Zimmer für mein Fahrrad. Hervorragend! Zeit zum Ausruhen, die ich mir mit einem zusätzlichen Tag im Bett auch genehmigte. Der erste echte Ruhetag, komplett ohne Aktivitäten war aber auch bitter nötig. Konnte ich doch die Finger meiner rechten Hand nach dem vielen Schotter in Chile und der Überanstrengung der vergangenen beiden Tage nicht mehr richtig bewegen.

    Einen Fehler muss ich mir allerdings selbst ankreiden. Ich war aufgrund meines Glaubens an Unterkunft und Wasserstelle so motiviert, dass ich den kleinen Kiosk nach der Fähre übersah und mit nur 1L Wasser die letzten 15km zur Schutzhütte in Angriff nahm. Als dort kein Wasser zu finden war wurde es wirklich hart und ich musste meine verbliebenen Wasserschlucke für weitere 50km im brutalen Wind aufsparen... Das Gesicht dazu seht ihr weiter unten.

    Info zum Bild der Hand - "harmlose" Überreizung von Muskeln und Sehnen. Keine Schmerzen, aber Taubheit und ich konnte die Finger nicht spreizen & schließen. Vor allem der kleine Finger blieb für etwa eine Woche so verkrümmt an der Seite. Daumen & Zeigefinger ließen sich gut bewegen, waren aber sehr kraftlos. Klingt erstmal alles entspannt, ist aber dann im Alltag doch erstaunlich hinderlich (Packriemen/Reißverschlüsse, Zahnbürsten, Gabeln etc...). Geholfen hat eine Massage von Hand und Unterarm in Verbindung mit einer Muskelcreme mit CBD und Ätherischen Ölen, die ich in Ushuaia dann bekam.

    Kleine Infos zu dem Wind-Report. Die Strecken sind nur die in Komoot geplanten Etappen und geben weder den 300km Ritt noch den folgenden Tag korrekt wider.

    RaulDuke

    11:30 auf dem Rad war schon eine wilde Sache und mit dem Wind echt der Hammer. Der nächste Tag war die wirkliche Herausforderung.

    Die Sache hat mehrere Seiten...
    Ja, man gewöhnt sich dran und "denkt" den Schmerz weg, ich habe mir vor der Reise ein richtiges Bikefitting gegönnt (was mir auch für die Gelenke extrem geholfen hat!), ich habe Sitzcreme benutzt (bei den langen Tagen für mich extrem wichtig!!)

    UND es tut trotzdem alles jeden Tag weh... den ganzen Tag. Das will ich nicht verschweigen. Allerdings nach einigen Tagen nurnoch Druckschmerz. Keine Taubheit, kein Scheuern, keine Entzündung (bei der ich sofort abgebrochen hätte).

    Tag 19 - Der längste Tag

    El Calafate --> Río Gallegos; 315km

    Auf zu großen Taten! Nach einem ausführlichen Blick in den Wetterbericht, jedoch auch ein bisschen spät, machte ich mich auf den Weg von El Calafate Richtung Feuerland. Die Mission? So schnell und so weit wie möglich. Bei günstigem Wind und (abgesehen von einem 10km langen Anstieg) entgegenkommender Topographie ein Wahnsinnstag! Gefühlt unendliche Weiten, den Wind im Rücken, jagte ich teilweise mit 40km/h über die Ebenen Patagoniens. Das war allerdings auch ein bisschen notwendig… hatte ich doch unterschätzt wie wenige Wasserstellen es auf dem Weg tatsächlich gibt. Ohne Dörfer und Flüsse dauerte es 160km bis ich an der einzigen echten Rastmöglichkeit mit Essen und Wasser vorbeikam. Das musste natürlich genutzt werden und glücklicherweise gab es dort auch riesige Lomitas (Steaksandwiches) mit Pommes und Cola, sodass ich Energie für den weiteren Verlauf des Abends sammeln konnte.



    Bis Nacht Mitternacht war ich unterwegs und konnte so auch zum ersten Mal mein Licht gebührend zum Einsatz bringen. Leider gab es keine weitere Wasserstelle auf dem Weg und so war ich mehr oder weniger gezwungen bis nach Rio Gallegos weiterzufahren. Dort angekommen musste ich leider feststellen, dass der angepeilte Campingplatz geschlossen und die vorhandenen Hotels eher zwielichtig wirkten. Nach einem Wasserstopp an einer Essensbude fuhr ich also weiter, mit dem Plan außerhalb der Stadt zu übernachten. Leider zogen sich die Vororte mit den vielen halb wilden Hunden und kaputten Zäunen noch eine Zeit lang hin und schließlich fragte ich einfach an einer Polizeistation ob ich dort nicht im Schatten der Gesetzeshüter eine sichere Nacht verbringen könne. Nach Aufnahme meiner Personalien und freundlicher Einweisung auf den kleinen Fußballplatz neben der Station konnte dann endlich ein paar Stunden in Sicherheit ausruhen um Kraft für den folgenden Tag zu sammeln. 315km und 11:30 reine Fahrzeit. Die längste Tour meines Lebens und das noch mit vollem Gepäck!

    Tag 18 - Besichtigung des Perito Moreno und Fahrt nach El Calafate

    Nationalpark Perito Moreno --> El Calafate; 108km

    Mit nur 177m über Meereshöhe liegt der Canal de los Témpanos wesentlich tiefer, als ich beim Gedanken an so einen großen Gletscher gedacht hätte. Auch die im Hintergrund zu sehen Berge erreichen nur eine maximale Höhe von 2950m. Aber gerade das machte auch den Reiz aus. Ein Gletscher, der sich durch den Klimawandel seit 2020 zurück zieht, was aber im Vergleich zu sehr vielen anderen Gletschern ein besonderes Phänomen ist. Eine beeindruckende, 50-70m hohe Eiswand, die ständig in Bewegung ist und dies auch geräuschvoll verdeutlicht. Wirklich eine beeindruckende Kulisse und den Umweg von ca. 150km definitiv wert.


    Auf dem Rückweg vom Perito Moreno Gletscher nach El Calafate habe ich endlich mal daran gedacht ein Foto von einem der vielen kleinen Altäre oder Gedenkstätten am Rand der Straße zu machen. Interessant auch die Art der abgelegten Gaben. Hauptsächlich Getränke - meist Alkohol - meist leer. Da muss ich wohl bei Gelegenheit nochmal genauer nachfragen was es damit auf sich hat. Neben schönem Asphalt und toller Aussicht bei bestem Wetter kam ich auch nicht drumherum, beim folgenden Einkauf mein Missgeschick vom Vortag zu dokumentieren. Die Flasche mit der Essig Zubereitung steht nämlich genau neben/unter dem sehr teuren Olivenöl und nicht im regulären Essig-Regal… Man sollte einfach besser aufpassen. Abends ging es dann noch in eine Bar um etwas von der Liste der lokalen Biere zu probieren.

    Tag 17 - Camping am Parque Nacional Los Glaciares

    El Chaltén - -> Nationalpark Perito Moreno; 47km

    Erschöpfung, aber auch der Wunsch der ganzen Aktion ein bisschen tatsächliches Urlaubsgefühl zu verleihen verleiten mich dazu ein zweites Mal zu schummeln. Ich fahre mit dem Bus nach El Calafate. Lieber noch ein Tag Puffer in Ushuaia und ein Tag um den Gletscher Perito Moreno anzuschauen, als mit Scheuklappen durch die Gegend zu düsen. Auch wenn ich immer die kurze Strecke zur Arbeit fahre und auch sonst gerne Touren unternehme, habe ich nie das Gefühl gehabt ein besonders krasser Radfahrer zu sein. Die Erfahrung, dass ich auf der bisherigen Reise im Gegensatz zu den anderen Reisenden noch keine Bekanntschaften gemacht habe, die man mehrmal sieht, gibt mir zu denken. Ich bin sozusagen immer allen weggefahren... (außer Oskar, der einfach zum Flughafen musste) Oder bin ich mir selbst davon gefahren?

    Vor zwei Tagen am Lagerfeuer tauschten wir mit ca. 7 Reisenden unsere Geschichten aus... Alle hatten immer noch längere Reisen hinter sich. Zwei Monate, ein halbes Jahr, die beiden Franzosen waren seit 18 Monaten unterwegs und starteten in Alaska... Für mich völlig unvorstellbar. Ich musste auch erzählen und hatte ja bisher nur zwei Wochen auf dem Rad verbracht. Die anderen waren trotzdem geschockt, wie weit ich gefahren war ohne einen einzigen Pausentag und mit wie wenig Gepäck ich unterwegs war - UL war da niemand unterwegs... Christoph hatte eine Ukulele und einen Klappstuhl dabei. Alle wollten mein Zelt (eher meine Hundehütte) sehen und wissen wie ich das eigentlich hinkriege (obwohl ich hier ja schon eingangs sagte, dass ich mein Gepäck keinesfalls als UL einstufen würde).

    Das war einer der vielen Lehrreichen Punkte auf der Liste. Das man einfach erzählen konnte und das von allen alle Geschichten mit wohlwollen und Beifall aufgenommen wurden. Niemand war besser oder schlechter, jede Geschichte war einfach "anders krass" und gut. Das war super angenehm und eine tolle Erfahrung. Einfach mehr auf sich schauen und sich weniger mit utopischen Anforderungen vergleichen. Der Versuch glücklich zu sein mit sich selbst und seiner eigenen Leistung - gleichzeitig aber auch die persönlichen Erfolge der anderen anerkennen. Scheint wohl ein Rezept für eine gute Zeit zu sein. :) Vielleicht ist das völlig trivial... Für mich war dieses Beispiel wieder ein sehr schöner Moment von dem ich lange zehren werde.

    Weiter gehts.

    Alles ist verpackt, Fahrrad gepflegt so gut es ging, die kaputte Brille geflickt, Wäsche gewaschen und ein tolles Frühstück mit meinem Kollegen und einem österreichischen Päärchen, das ich bei der Grenzüberquerung traf, gabs auch noch.

    Einfahrt nach El Calafate und Ausladen des Fahrrads. Da hat sich wohl ein Stein des Anstoßes in meine Schaltung eingeschlichen. Leider funktionierte das ganze auch nachdem ich den herausgefummelt hatte nicht wirklich besser. Aber an die kleinen Macken meiner Technik bin ich ja eh schon lange gewöhnt. Also weiter ging es. Nach einem kurzen Einkaufsstopp fuhr ich in Richtung Nationalpark. Der Plan war es möglichst nah am Eingang zu zelten um am nächsten Morgen sowohl die Besichtigung als auch die Rückfahrt nach El Calafate zu schaffen. Beim Abendessen musste ich dann mal wieder feststellen, wie sehr man doch acht geben sollte was man einkauft. Statt Öl und Essig hatte ich falsch zugegriffen und einmal eine (eher merkwürdig schmeckende) viel zu süße Essigzubereitung statt Öl gekauft und eine Art Worchestersauce statt Essig. Eine grausliche Kombination, aber Hunger trieb es rein. Immerhin war das Rührei und der Kakao danach ganz gut. Ansonsten war das das erste richtige Wildcamping der Reise. Natürlich fing es entgegen der Vorhersage nachts dann doch noch an zu regnen, aber auch ein nächtlicher Zeltaufbau war schnell gemeistert und ich schlief bis zum nächsten Morgen friedlich auf der Kuhweide.

    Tag 16 - Wanderung zur Laguna Torre

    El Chaltén; 29km Wanderung

    El Chalten! Amigo Sergio und meinen schnellen Beinen sei Dank, erreiche ich El Chalten pünktlich genug um mich noch mit meinem Kollegen zu treffen. Was macht man dann so an einem freien Tag, wenn man nicht radeln muss? Richtig! 5:30h wandern, Natur und Gletscher gucken. Was möchte man gerne nach tagelanger schöner Aussicht sehen? Richtig! Mehr Aussicht! 😂 Wunderschöner Tag, tolles Bier und gute Gesellschaft. Danke Kollege, es war mir ein Fest!

    Besonders gefreut hat mich, dass ich kaum Probleme mit meinen Fahrradschuhen hatte. Natürlich sind eine steife Sohle und die Klickeinsätze nicht sehr gut zum wandern geeignet. Aber die Sohle hat erstaunlich guten Halt gegeben und auch die Passform war in Ordnung. Lediglich das BOA-Verschlusssystem erzeugte am oberen Ende der Fußlasche eine unangenehme Druckstelle.

    Nach einigem Suchen fand ich dann auch einen Laden, der Sekundenkleber verkaufte und konnte so mein gerissenes Brillenglas und den Bügel wieder reparieren. Neu kaufen war keine Option, weil meine Brille einen Clip mit Sehstärke hat und ich beim Fahren nicht darauf verzichten wollte. Zusätzlich hatte ich keine Ersatzbrille dabei...

    Tag 15 - Überquerung des Paso de los dos Lagos und Lago Desierto

    Candelario Mancilla --> El Chaltén; 55km

    Frühstück mit Aussicht, Adventskalender und Mate. Meine Güte ist das Leben schön. Leider wurde ich auch in dieser Nacht wieder von meiner Luftmatratze, die anscheinend ein bisschen undicht ist, geweckt und musste nachpusten. Aber dadurch wurde ich pünktlich zu einem wunderschönen Sonnenaufgang wach und konnte danach sogar nochmal eine Stunde schlafen. Nach und nach löste sich die Gruppe auf und alle fuhren in Richtung Grenzposten. Dort hatte ich nochmal Glück. Nach Erledigung aller Formalitäten vergaß der Grenzer einen wichtigen Stempel in meinem Reisepass, ohne den ich nicht nach Argentinien hätte einreisen können. Ein ziemliches Problem, wenn man den weiten Weg durch Wald und steile Trampelpfade anschaut, den man bis zum argentinischen Posten zurücklegen muss. Glücklicherweise wiesen Carmen und Stefan, Radfreunde aus Österreich darauf hin und alles konnte geklärt werden. Trotz der Anstrengung war es den beschwerlichen Weg über die Grenze wert. Ein einziger Postkartenweg mit einem wunderschönen Blick auf den Fitz Roy in der Ferne. Irgendwann erreichten wir dann den argentinischen Grenzposten und durften offiziell einreisen. Die folgende dreistündige Wartezeit vertrieben wir uns mit einem kurzen Bad im eiskalten See, essen (ich wurde sehr lieb versorgt von Anna, Will, Derek, Dagmar und Christian) und Erzählen. Die Fähre brachte dann die Überraschung… 60.000 Argentinische Pesos oder 50€/$ pro Person in bar… kein Geldautomat, keine Möglichkeit zu wechseln. Ich hatte zum Glück schon ganz am Anfang meine Reisekasse für Argentinien gefüllt und so konnte ich Derek und Dagmar spontan aushelfen. Ein großes Risiko natürlich bei so flüchtigen Bekanntschaften. Andererseits bringt es mich nicht in große Nöte und es war eine der ersten Gelegenheiten wo ich in einer wirklich unangenehmen Situation Menschen spontan helfen konnte. Bei den vielen Momenten in denen mir geholfen wurde brauchte ich darüber garnicht nachzudenken. So konnte die Überfahrt dann doch guten Mutes starten und wir spielen „Regenwormen“, bis die Aussicht so schön wurde, dass wir gemeinsam am Bug schauen und Fotos machen mussten. Nach dem Anlegen verabschiedeten wir uns voneinander und ich fuhr mit Christian zusammen die letzten 40km nach El Chalten. Noch einmal über eine fürchterliche Straße, jedoch mit wahnsinniger Aussicht! Einen kleinen Wermutstropfen gab es allerdings… auf der Suche nach einem Hostel für Christian fiel meine Brille herunter und genau zwischen meine Reifen. Zwar konnte ich alle Einzelteile einsammeln, aber ich bin gespannt ob ich das wieder geflickt kriege.


    Tag 14 - Über den Lago San Martin

    Villa O'Higgins --> Candelario Mancilla; 8km

    Die nächste kalte Nacht mit Raureif am Morgen. Wie schon mehrmals auf der Reise unterschritten die Temperaturen in der Nacht den Gefrierpunkt. Die Schwankungen sind wirklich groß hier. Auf diesem Campingplatz gab es endlich mal wieder gutes WLAN und ich konnte sogar an der online Besprechung mit den Arbeitskollegen teilnehmen. Auch die Besitzerin des Campingplatzes war sehr freundlich. Sie lieh mir nicht nur ein Ladegerät für Powerbank und Handy, sondern erkundigte sich sogar für mich nach der Fähre Richtung Argentinien. Für mich Ahnungslosen ein großer Glücksfall, hieß es doch am Vortag im Tourismus Büro, dass die Fähre erst am nächsten Tag planmäßig fährt. Zwar hätte ich durch meine Erfahrungen mit den „Abierto“ Schildern der letzten Tage bereits gewarnt sein müssen, doch ich bin wohl immernoch zu deutsch in meinem Denken. Die Besitzerin des Camping Platzes jedenfalls fand heraus, dass der Termin kurzfristig um einen Tag vorverlegt und der am nächsten Tag ersatzlos gestrichen war…. Ich hatte bis zur Abfahrt also nurnoch 4 Stunden Zeit um ein Ticket zu organisieren, meine (leider schon gewaschene) Wäsche irgendwie in der Sonne zu trocknen, zu packen und die knapp 10km zum Fähranleger zu fahren. Auch hier behinderte mich wieder meine alte Denkweise… Ich verkniff mir den Gang zum Supermarkt in der Befürchtung, dass 10min Puffer zum „Ablegen“ der Fähre nicht reichen würden und radelte mit quietschender Kette (auch das schmieren hatte ich am Vortag vergessen) und nur einer Notration zum Anleger. Als ich dann eine Dreiviertelstunde warten musste bereute ich meine Entscheidung, doch auch das sollte sich nicht als Problem herausstellen. Nach eher beängstigender Verladung der Räder und wilder Überfahrt über den Lago San Martin kamen wir dann schließlich gegen Abend an. Der Campingplatz war sehr spärlich ausgestattet, aber es gab gute Gesellschaft, Bier und hervorragendes Feuerholz und so saßen wir plaudernd bis spät in die Nacht am Lagerfeuer unter einem wunderschönen Sternenhimmel.


    Tag 13 - Ende der Carretera Austral

    "Camping María" --> Villa O'Higgins; 102km

    Wie schon am Tag zuvor konnte ich nach dem aufstehen ein ordentliches Frühstück zubereiten. Zwar ließ sich der Ofen mit dem feuchten Holz nur schwer entzünden, doch als das geschafft war hielt mich nichts mehr davon ab frische Eier mit hausgebackenem Brot zu verspeisen. Zunächst begann der Tag mit freundlichem Sonnenschein. Doch schon bald fuhr ich aus dem Windschatten der Bäume direkt in einen starken Wind von schräg vorne. So stark und böig, dass er mich zuweilen fast in den Graben blies, während ich noch ein ums andere Mal die steilen Anstiege über den Schotter hinauf mühte. Nachdem mir ein großer Stein bei einer Abfahrt dann den zweiten Platten der Reise bescherte, wendete sich mein Glück endgültig. Immerhin war es der hintere Schlauch und ich nutze die Gelegenheit um auch den Mantel von innen zu flicken. Leider wurde der Kleber durch den starken Wind in eine Spalte der Straße geblasen und war verloren. Immerhin nach der Reparatur und ich habe noch Ersatz. Danach begann der Regen und es wurde kalt. Bisher der einzige Tag, an dem ich meine warmen Handschuhe gebraucht hätte. Wäre ich nicht so stur und die Handschuhe nicht zu ganz unters in meiner Radtasche gewesen… so bezahle ich mit kalten Fingern, zittrig vom Schotter und so ungeschickt, dass ich nach erfolgreicher Beendigung der Carretera nichtmal meinen Reisepass aus der Tüte fummeln konnte als ich das Zertifikat ausgestellt bekam. Zum Glück gab es nette Unterstützung im Tourist Office und nachdem ich dann einen schönen Campingplatz gefunden hatte folgte die Belohnung. Ein üppiges Essen und hervorragendes Craft Beer! Ein Blick auf die Statistik meines "Forumsladers" zeigt, schon fast 10 Cent an Stromkosten mit dem Rad gespart!!! Am beruhigendsten sind aber die absolvierten Höhenmeter. Ab jetzt ist der Großteil geschafft!

    Tag 12 - Vorbei mit dem Wetterglück

    Baucha Patagonia --> "Camping María"; 63km

    Da ist es wohl vorbei mit meinem Glück. Ich wache auf, geweckt vom Klang der Regentropfen, die auf das Wellblechdach meines Campingdachs tropfen. Heute dann also ein Tag im Regen. Mal schauen was das aus der Qualität der Straßen macht und wie gut man voran kommt… zumindest sollte das ganze Unterfangen heute etwas weniger staubig sein als sonst. Das heißt ich müsste hoffentlich besser atmen können. Hoffentlich sind alle meine Taschen dicht. Wenn man ehrlich ist, dann haben mir sowieso schon alle Einheimischen gesagt, dass ich unverschämtes Glück mit dem Wetter habe und es um diese Jahreszeit normalerweise mehr regnen würde.

    Nach einem super leckeren Frühstück mit frisch gebackenem Brot vom Hof und ganz frischen Eiern geht es dann viel zu spät auf die Straße. Heute also nur eine kurze Etappe von Baucha Patagonia zum Río Bravo „Camping Maria“. Ein weiterer kleiner Campingplatz an einem Bauernhof mitten im Nirgendwo. Ein kurzes Stück musste ich mit der Fähre fahren, aber das war sogar kostenlos und ich musste nichtmal warten. Alles in allem ein gelungener, kurzer Tag auf dem Rad. Die Landschaft war etwas verregnet aber dennoch malerisch und abends konnte ich sogar noch etwas Gemüse frisch aus dem Garten kaufen um mir was ordentliches zu kochen. Ich konnte sogar in einer Scheune mit Holzofen übernachten und dort fand es gab auch eine kleine Küche mit Topf und Schüssel!

    Morgen geht es dann weiter nach Villa O‘Higgins. Da wird es dann nochmal spannend weil ich herausfinden muss wie es eigentlich weiter geht und wann die Fähren fahren.