Schottland | In den Cairngorms & auf dem Moray Coastal Trail

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  • Da ich mich nicht zwischen Bergen und Meer entscheiden konnte, plante ich für die zweite April-Hälfte eine dreitägige Rundtour in den Cairngorms von / nach Aviemore, anschließend auf dem Dava Way zur Küste und dann dem Moray Coastal Trail für 4 Tage nach Süden folgen. Geworden sind es 5 Tage Cairngorms und 4 Tage an der Küste.


    Cairngorms

    Same procedure as last year, ich komme in Schottland an und verlängere erst mal den Aufenthalt in der Zivilisation um einen weiteren Tag wegen Schietwetter. Diesmal wegen nassen Neuschnee in den anvisierten Höhenlagen. Bin halt eher so ein Schönwetter-Camper ^^

    Ich nutze den Extratag um die Folgen meines hektischen Packens auszugleichen: Midlayer vergessen (Alpha-Hoody) und dafür eine dreimal so schwere Fleecejacke gekauft. (Das war eine gute Entscheidung.) Wasserdichte Socken vermeintlich vergessen und mit schwereren ersetzt. (Das war unnötig.) Zu viele glutenfreie Leckereien im Supermarkt gesehen und damit noch den Rucksack bis ins letzte Eck vollgeladen. (Eher ein Starttag-Problem. Ich war dann froh um die extra Kalorien.)


    Vollgepackter Atom Packs Mo mit meiner neuen myog Regenhüllen-Jacke am Bahnhof in Kingussie (das "g" in Kingussie wird übrigens nicht ausgesprochen)

    Der Extratag hat sich auch wettermäßig ausgezahlt. Noch im dichten Nebel fahre ich mit der Bahn von Aviemore nach Kingussie. Dort angekommen brennt sich die Sonne schnell durch die Wolken und ich habe 3 Stunden Sonnenschein und den Rest des Tages blieb es trocken.

    Ich folge auf den ersten Kilometern dem Speyside Way und East Highland Way bis nach Drumguish. Dort biege ich ab nach Osten um nach ein paar Kilometern das Glen Feshie zu erreichen, dem ich flussaufwärts folge. Heute bis zur Bothy Ruigh Aiteachain.


    Ruthven Barracks - Sehenwürdigkeiten am Start der Tour werden von mir meist ignoriert. Der Vorwärtsdrang ist in dem Moment stärker als die Neugier und außerdem war der Rucksack so schwer. :D


    Der Weg führt zuerst durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, bietet aber hier und da Schmankel für die Augen und das Herz.


    Frisch angezuckerte Höhenzüge - so habe ich mir das vorgestellt in den Cairngorms.


    Glen Feshie ist erreicht und die Wolken ziehen wieder zu. Ab jetzt geht es bis morgen Mittag immer dem Fluss entlang, stetig ansteigend in die Cairngorms hinein.


    In Glen Feshie gibt es wunderbar alte Bäume. So sollen die Highlands früher wohl ausgesehen haben. Mehr dazu: Schottland - Rewildering


    An der Bothy treffe ich den Warden Lindsay, der schon das Brennholz für den nächsten Winter vorbereitet. Zusammen spalten und stapeln wir für 1-2h Brennholz. Zwei irische Bikepacker flicken derweil die platten Räder und eine gebrochene Achsel der Schubkarren. In guter Gesellschaft mit vielen Geschichten zur Bothy und zum Tal verfliegt der Nachmittag im Nu. Wir bleiben in kleiner Gesellschaft, so eine nicht eintreffende Vorhersage von schlechten Wetter und Schneefall kann auch ganz nützlich sein. Am frühen Abend beginnt es wieder zu regnen.


    Am nächsten Morgen starte ich bei steten Nieselregen.

    Der zweite Tag führt weiter nach Osten, flussaufwärts folge ich dem River Feshie und anschließend dem Geldie Burn bis zur Red House Bothy. Eigentlich wollte ich entlang des Geldie Burns zelten, aber der bittere kalte Wind trieb mich in die Bothy, wo ich sogar noch einen Schlafplatz in einem der Stockbetten ergatterte.


    Am Übergang vom River Feshie zum Geldie Burn. Weiter oben war der Morast sogar noch gefroren. Eine große Erleichterung.


    Blick aus der Red House Bothy. 

    Weil es mir hier in den Bergen so gut gefällt, verlängere ich meine Tour um einen Tag und steuere die Corrour Bothy unterhalb des Lairig Ghru an. Allerdings nicht den direkten Weg im Glen Dee sondern über Lui Waters und der Bob Scott Bothy. Besonders empfehlen kann ich einen weiteren kleinen Umweg am Linn of Dee. Man geht nicht am großen Parkplatz beim Linn of Dee nach Norden, sondern folgt dem Dee nach dem Wasserfall entlang des schön angelegten Wegs und zieht erst nach ein paar Hundert Metern zur Straße hoch, so dass man auf der anderen Seite der Straße nun immer dem Lui Water folgt.

    Entlang des Lui Waters auf dem empfohlenen Umweg


    Es ist dort so wenig los, weil anscheinend die meisten vom Parkplatz starten, dass sich direkt am Wegrand eine Kreuzotter sonnt.


    Kurze Zeit später mündet der nette Pfad in den breiten Fahrweg der Hauptroute. Die Landschaft bleibt beindruckend schön.


    Die Bob Scott Bothy liegt sehr idyllisch. Es gibt einige schöne Zeltplätze am Fluss zwischen Bothy und der Derry Lodge. Ich überlege die Nacht hier zu verbringen, das würde den nächsten Tag allerdings zu lang werden lassen. Oder den letzten Puffertag in meiner Planung verbrauchen. Ich entscheide mich für eine sehr lange Rast am Wasser bevor ich weiterwander.



    Blick in Richtung Ben Macdui, dem zweithöchsten Berg Großbritanniens. Nicht der offensichtliche Gipfel in der Bildmitte, sondern die verschneite Kuppe links dahinter müsste es sein.


    Unten im Tal ist auf einem hellgrünen Fleck die Corrour Bothy zu erahnen. Morgen geht es weiter talaufwärts und über den Pass Lairig Grhu wieder hinab nach Aviemore.


    Damit ich das Zelt nicht nur spazieren trage.



    Der Route für den letzten Tag führte über den Lairig Ghru nach Aviemore. Ich hatte kurz überlegt über den Chalamain Gap zum Sugar Bowl Parkplatz an der Straße zum Skizentrum zu wandern und von dort per Bus oder Anhalter ins Tal zu fahren. Allerdings war der Wind mit Nieselregen waagrecht so garstig, dass ich diesen Gegenanstieg nicht machen wollte und nur noch ins Tal geeilt bin. Im Rothiemurcus Forest war ich dann wieder etwas geschützt von den Elementen und wanderte entlang des Druie nach Coylumbridge. Wieder in der Hoffnung auf einen Bus. Leider erst in 2h, also wanderte ich auch noch die letzten 3 km nach Aviemore. Meine Fußsohlen waren not amused.

    Überall schöne Täler und Berge, die ich gerne erwandern möchte.


    Der Wind nimmt zu und eine Schlechtwetterfront rollt heran.


    Von den Boulderfields des Lairig Ghru wird viel gewarnt. Ich fand es dann eher underwhelming. 

    Ja, der Weg ist teilweise im Blockgelände und auch nicht so gut gekennzeichnet und von einem fleissigen Wegebauteam wanderfertig aufbereitet wie auf den gängigen Wanderwegen in den Alpen. Man muss schon teilweise langsam, achtsam gehen (extra Zeit einplanen) und im böigen Wind mit durchziehenden Regenschauern und dem Rucksack nicht besonders angenehm oder leicht zu gehen. Aber so lange kein Schnee liegt (bzw. nicht ausreichend Schnee für Blockgelände) kann ich da nicht den Showstopper erkenen, der in manchen Reiseberichten suggeriert wird.


    Im Rothiemurcus Forest gibt es schöne Bäume ...

    ... Feuerpatschen an den Wegkreuzungen ...

    ... und man ist eindeutig aus dem wilderen Teil der Cairngorms heraus.

  • Umplanen & eine Tageswanderung

    Durch meinen verspäteten Start und einen extra Tag in den Cairngorms, beschloss ich den Dava Way auszulassen und direkt mit dem Moray Coast Trail weiterzumachen. Bevor mich Bus & Bahn nach Forres an die Küste brachten, unternahm ich noch einen Tagesausflug von Aviemore aus.

    Mit dem Bus ging es nach Glenmore und dort wanderte ich in Richtung Bynack More, ein Munro mit 1090m Höhe, von dem ich mir Aussicht bei größerer Einsamkeit versprach als auf dem benachbarten namensgebenden Cairn Gorm.


    Blick auf das Cairngorm Skizentrum


    Ein kleine Rast am An Lochan Uaine. Ab hier dünnt sich der Trubel aus.


    Am rechten Bildrand, das rote Dach im grünen Fleck, die Ryovan Bothy. 


    Und ich sehne mir Wald oder Wind herbei. Mit diesen Temperaturen habe ich nicht gerechnet.


    Ich schleppe mich die Höhenmeter nach oben.


    Auf einer Hochebene knapp 200 Höhenmeter unter dem Gipfel weht ein fast schon zu kühler Wind. So lege ich mich in den Windschutz eines Steins und döse gemütlich eine Runde.


    Der Gipfel sieht heute von unten gut genug aus. 8)


    Der Durst treibt mich wieder nach unten.

    Mit einem Sprint zum Bus schaffe ich es noch in den Outdoorladen in Aviemore und kaufe mir ein paar düne Injinji Socken. Die Brynje Polypropylen Socken waren super in den frostigen Temperaturen der letzten Tage. Aber bei Temperaturen über 10 Grad eindeutig zu warm.

  • Moray Coast Trail – 80 km entlang der schottischen Nordseeküste

    Ein Schnellbus brachte mich von Aviemore nach Inverness und nach einem kurzen Stück in einem Regionalzug konnte ich um 11:30 Uhr in Forres loswandern.

    Schon die Anreise setzte den ersten gelben Akzent. Mir war überhaupt nicht bewusst, dass es in Schottland so viel Ginster gibt und dass Ginster solche riesigen Hecken bildet. Ich bin mal an der deutschen Nordsee ein paar kärglich blühenden kniehohen Büschen begegnet, das war mein Bild von Ginster. Und dann diese Farbexplosion! Ich bin auf der Stelle schockverliebt in das Gelb und den Duft.

    Die Wegweiser des National Cycle Network sind sehr hübsch.

    Nach der Ankunft in Forres wanderte ich bis Findhorn an der Küste. Tipp: Der Moray Coastal Trail verlässt Forres entlang der B9011, welche wohl stark befahren ist. Ich nahm eine Alternative, von der ich vorher gelesen hatte, die verläuft etwas weiter nördlich auf einer Landstraße. Man folgt bis Kinloss der Route 1 des National Cycle Network, auf meiner Karte als EV1 eingetragen. Es waren deutlich mehr Radler als Autofahrer unterwegs (2 -3 PKW). Beide Routen laufen auf Asphalt, da wird einem nichts geschenkt. Außer man nimmt den Bus. Dann am besten schon an der Ecovillage aussteigen und durch die Ecovillage und den Dünenwald zum Meer wandern. Lohnt sich!


    Die Findhorn Bay war Ende April voller Vogelschwärme.



    Der Trail verläuft auf der Autostraße bis nach Findhorn. Ich bin sobald es nach dem Militärgelände Kinloss Barracks ging, vom Asphalt abgezweigt. Der kurze Spaziergang durch die Ecovillage war sehr interessant und danach ging es durch den Küstenwald zum Meer. Sehr empfehlenswert!


    Erster Blick aufs Meer. Mein Herz quilt über vor Glück. 


    Findhorn. In den Dünen zwischen dem Ginster ist eine Caravan Site mit WC-Gebäude und Trinkwasserhahn an der Außenseite.


    In einer dieser Hütten habe ich übernachtet ich. Hatte ich auf AirBnB gefunden und musste ich einfach machen. Auch wenn es sich objektiv nicht von einer Übernachtung im Zelt unterscheidet. Die Hütte ist innen leer, bis auf ein kleines Regal mit einem Gaskocher und Teetassen. Als Luxus gibt es zwei Klappstühle.



    Am nächsten Tag ging es bis nach Lossiemouth. Ich wollte kurz vor Lossiemouth in der Nähe des Coveseas Skerries Lighthouse zelten, aber es war mir zu viel los. Wer weniger vorsichtig ist, kann in der Nähe des Lighthouse sicherlich etwas finden. Ich zelte ungern so nah an Zivilisation. Das stresst mich zu sehr. Der direkt neben dem Lighthouse liegende Silver Sands Leisure Park nimmt keine walk-in Zeltende auf. Alternativ kann man auch kurz nach Lossiemouth in den Dünen zelten. Für mich wurde es kurzerhand ein Hotelzimmer in Lossiemouth.





    Bunker und Panzersperren zieren die Küste. Alles um meinen Vorfahren eine Invasion zu erschweren. Der Weg führt entlang der Bucht, mal direkt am Wasser, meist in den Ginsterdünen oder im Wald. Am fernen Ende sieht man die Mälzerei in Burghead. 


    Wer nicht erst in Forres startet oder später am Tag beginnt, der kann im Roseisle Forest nach dem Militärgelände Kinloss Barracks bis kurz vor Burghead jede Menge Zeltmöglichkeiten mit traumhafter Aussicht über die langgezogene Bucht finden. Vorher Wasser bunkern! Entweder in Findhorn an der Caravan Site oder im Besucherzentrum mit Parkplatz, Toiletten, Wasser (Outdoordusche!) mitten im Wald. Ansonsten ist trinkbares Wasser rar. Es gibt einige Bäche im Wald, die aus den dahinterliegenden Agrarflächen kommen und so aussahen:

    <X Vielleicht ist mit dem Wasser auch alles in Ordnung, aber ich möchte es nicht verwenden.


    Nach Burghead wandelt sich die Küste. Es wird felsiger mit kleineren sandigen Buchten. Der Trail folgt einem Radweg und verläuft manchmal etwas versetzt zur Küste. Es gibt angeblich einen Pfad näher an der Küste, den Abzweig hatte ich leider erst am Abend auf der Karte gesehen. und der Ginster verhindert, dass man einfach mal so einen Abstecher macht.



    Ein schicker Übernachtungsspot, leider ist es erst 15 Uhr.


    Coveseas Skerries Lighthouse. Die grünen Flächen sind von Mini-Ginster durchsetzt. Zeltbares Gelände gibt es eher oben beim Leuchtturm.


    Der dritte Tag führte mich von Lossiemouth zur Speymündung nach Buckie. Der Sandstrand nach Lossiemouth ist ein Traum! Irgendwann wird er zu einem Kiesstrand und zu meinem Alptraum. Meine Füße waren gar nicht glücklich über den Untergrund. Ich sah auf der Karte mehrere Möglichkeiten parallel zur Küste im Wald zu laufen. Das war keine gute Idee. Die Wege waren genauso schrecklich steing, hart und teilweise von Motorradfahreren zerfurcht, die dort anscheinend eine Ralleystrecke haben. Der Umweg addierte nur nutzlose Kilometer im stickigen Wald. Am Ortseingang stand an einem überwucherten Kinderspielplatz eine Bank auf der ich mich erst mal langlegte und eine Ecke weinte, weil die Fußsohlen so schmerzten. Ich habe eine Neuropathie und so ein shingle beach ist offensichtlich nicht für meine Füße geeignet.


    Ein Traum von einem Strand! 3km lang purer Genuss.


    Und dann kamen die Steine und überlagerten nach und nach den Sandstrand.


    Die Betonklötze sind Panzersperren. Daneben der gleiche Kies. Nur flacher. Und stickig windstill. 10 km persönliche Hölle.:cursing:


    So guckte ich inzwischen auch!


    Ein echter Tiefpunkt.

    Nachdem ich mein Krönchen zurecht gerückt hatte, machte ich mich schlurfend auf den Weg. Der Umweg über die Speybrücke im Landesinneren erschien mir sehr rücksichtslos vom Trail, so richtig konnte ich die nächsten Stunden nicht mehr genießen.

    Achtung, die Fußganger-/Radwegbrücke über die Spey ist im Dezember 2025 eingestürzt und kann aktuell nicht benutzt werden. Laut meiner Karte ist die nächste Brücke in Fochabers, ein ordentliches Stück Umweg.

    Blick von der im Dezember 2025 eingestürzte Brücke über die Spey.

    In den Wäldern entlang der Spey gibt es meiner Meinung nach genügend Möglichkeiten versteckt ein Zelt aufzubauen. Allerdings ist das Gebiet nicht so einsam wie man meint. Es wimmelte von Anglern, die auch mit dem Auto die Feldwege entlang fuhren. Wie ich Angler in einem Auto erkenne? Na, am Hut natürlich! Nee Spaß beiseite, die hatten so Magnethalter auf der Motorhaube in der die Angeln eingeklemmt werden, die dann über die Windschutzscheibe geführt werden und an einem Dachgepäckträger aufliegen.

    Spey Mündung. Gerade nicht mehr im Bild ist das Wal & Delfin-Zentrum. Meine Fußsohlenschmerzen waren so ablenkend, dass ich für einen Besuch keine Kapazität hatte.

    Nach Spey Bay kommt ein Wäldchen, dass laut Karte zeltgeeignet ist. Vor geschätzt 1-2 Jahren sind bei einem Sturm sehr viele Bäume umgefallen, der Großteil des Waldes wirkte auf mich nicht zeltbar, da Brombeer-/Himbeergestrüpp vieles überwucherte. Der gewiefte Wildcamper mit einem kleinen Tarp mag natürlich ein Eck finden. Oder der Dreiste, der sein Zelt nachts auf dem benachbarten Golfgreen aufbaut. Das Green sah schon sehr verlockend aus. :evil: Auf meiner Karte ist am Ende des Walds eine Quarry (Steinbruch) eingezeichnet, olfaktorisch hing ein sehr unangenehmer und starker Müllkippen-Gestank in der Luft. Was sehr schade ist, weil in dem hinteren Bereich der Wald etwas besser zeltbar aussieht.


    Im nächsten Ort Portgordon nahm ich den Bus für die letzten 3km bis nach Buckie. Meine Füße waren nicht mehr gewillt weiterzugehen. Noch dazu auf Teer. Und ich brauchte nach dem Tag ein Hotelzimmer und kein Zelt.

    Peak Britishness (für mich)


    Das Hotel von außen ist auch sehr schnuckelig. Und die Eigentümer sind zwei Schätzchen. 

  • Am letzten Tag schneckte ich langsam durch die Gegend bis nach Cullen zum Endpunkt des Moray Coastal Trails und wieder ein Stück nach Portknockie zurück, wo ich schon etwas länger vorher ein Hotelzimmer gebucht hatte, um mich und meine Klamotten für die Rückreise frisch zu machen.


    Hafen in Buckie


    Kurz nach Buckie wird es wieder etwas wilder.


    So ein Green sieht schon immer sehr verlockend aus. :saint:



    Aber bitte, wer wird denn so etwas machen. Es gibt genug wunderschöne legale Plätze zum wildcampen.





    Die perfekt Bankplatzierung! In einem Meer duftenden Ginster den Meerblick genießen. Und hoffen, dass einen kein Golfball trifft.




    Findochty. Heute teste ich jede Aussichtsbank am Wegrand.

    Ich glaube, ich habe bisher zu wenig Ginster gezeigt, oder?



    Und zum Abschluss der Tour gibt es kurz vor Portknockie eine Delfinsichtung. Foto durch meine UL-Tele (Monokular)





    Die lokale Sehenswürdigkeit in Portknockie: der Bow Fiddle Rock. Weil die Formation wohl an das obere Stück einer Geige erinnert.


    Die letzte Challenge des Trails: die Querung des Golfplatz ohne ausgeknockt zu werden. Dann den Strand entlang bis Cullen.

    Der offizielle Trail geht unten an der Küste entlang. Da muss man bei Flut über Steine kraxeln. Ich bin unten herum auf dem Weg zurück zum Hotel gegangen. Ist auch nett. Mit gefällt der Weg oben herum wegen der Aussicht besser.

    Macht Laune an der Küste weiter zu wandern.


    Es heißt Abschied nehmen von meinen geliebten Strandspaziergängen.


    Ein letztes Mal den Ginster geniessen. Das Bild habe ich ausgedruckt und unter meinem Monitor gestellt. <3



    Abendstimmung und Abendessen obehalb des Hafens in Portknockie.


    Blick aus dem Hotelzimmer: Ginster und Meer - ein perfekter Abschluss!


    Impressionen von der Reise nach Edinburgh:

    Hatte in Aberdeen noch Zeit für einen letzten Strandspaziergang. Fragt mich nicht, wie der Rest der Stadt aussieht. 8)


    Ein Strand, zu dem ich unbedingt hin muss ^^

  • Hier noch ein paar Infos zu den Routen.

    Cairngorms

    Anreise:

    Direkt am Flughafen Edinburgh in den Fernbus. Man muss ggf. einmal an einer Fernbus-Drehscheibe nördlich von Edinburgh umsteigen. Von dort verkehrt eine Schnellbus nach Inverness, der in Aviemore hält.

    Route:

    Die Route habe ich mir selber zusammengestellt. Walkhighlands und YouTube sind meine meistgenutzten Anregungen. Ich sammel, wo es schön aussieht und dann klicke ich mir selber eine Route in Locus Map zusammen. Ich wollte unbedingt mal in einer Bothy übernachten und habe dazu die Seite der Mountain Bothies Association zur Planung genutzt.

    walkhighlands

    The Mountain Bothies Association
    We are an organisation who maintain simple shelters in remote country for the use & benefit of all who love wild & lonely places.
    www.mountainbothies.org.uk

    Ich empfehle sehr sich die Informationen auf Walkhighlands zur geplanten Route, sowie vorhanden Trip Reports gut durchzulesen. Die Cairngorms sind ein Gebirge, das nicht zu unterschätzen ist. Das gilt vor allem, wenn man nicht geübt ist mit topografischen Karten umzugehen, auch wenn man wie ich auf „viel begangenen“ Moderouten unterwegs ist (teilweise den ganzen Tag niemanden unterwegs gesehen). Man sollte im Gebirge immer und ins besonders in der Nebensaison einen ausreichenden Puffer an Kalorien, wärmender und schützender Kleidung dabei haben. Es kann schnell zu Wetterwechseln kommen, die ein Weiterkommen behindern. Beachtet auch, dass die Wege in den Cairngorms nicht mit viel begangenen Hüttentouren-Wegen in den Alpen zu vergleichen sind. Es gibt nur über wenige Bäche Brücken und nach Regenfällen können Bäche für ein paar Stunden oder Tage unpassierbar sein. Sumpfige und weglose Abschnitte brauchen viel mehr Zeit als die Wegplanungsapp berechnet. Damit muss man umgehen können: mentale Flexibilität zur Anpassung der Route, körperliche Fitness und das Lesen & Verstehen von topografischen Karten sollten vorhanden sein. Nicht zu Letzt auch die entsprechenden weiträumigen Karten sollten offline oder physisch verfügbar sein.


    Moray Coastal Trail

    Hin & Weg

    Forres ist mit Bahn und Bus gut angebunden. Ich bin über Inverness angereist, da ich vorher in den Cairngorms unterwegs war. Abgereist bin ich per Bus nach Aberdeen und Bahn nach Edinburgh

    Zelten

    Sicherlich jede Nacht möglich. Es kommt wohl darauf an, wie hoch das Bedürfnis ist fernab von der Zivilisation zu zelten oder ungesehen zu bleiben ist. Ich kann mich nachts nicht gut entspannen, wenn man mich schon den ganzen Abend in der Gegend gesehen hat. Und die Küste ist abschnittsweise dicht besiedelt.

    Es gibt teilweise weniger Plätze, als man nach einem kurzen Blick auf die Karte denkt. Zum einen gibt es sehr viel Golfplätze, an manchen Stellen reihen sie sich hintereinander. Häufig ist das Land bis nah an die Küste landwirtschaftlich bewirtschaftet. Und dann macht der stachelige Ginster an vielen Stellen einen Strich durch die Rechnung. Eine gute Option sind die vielen Coves, die häufig groß genug sind für ein Stück Wiese auf Meereshöhe. Dazu muss man einen mehr oder weniger steilen Pfad durch den Ginster hinabsteigen. Tipp: erst einmal die gesamte Cove auf dem Trail oberhalb umrunden, anstatt die erste Lücke im Ginster zu nützen. Meist gibt es einen sehr gut ausgetretenen, freigeschnittenen Pfad.

    Drinnen übernachten:

    Im Sommer, ins besonders an Wochenenden mit Badewetter, ist wohl Voraus buchen ratsam. Im April hatte ich keine Probleme etwas spontan zu buchen, auch wenn die Auswahl nicht groß war. Ich habe ein älteres Paar getroffen, die sich eine Ferienwohnung in Elgin gemietet haben und dann mit Hilfe der Öffis (Busse) den Weg abschnittsweise gegangen sind.

    Wegfindung

    Im Großen und Ganzen ist der Weg ausgeschildert, allerdings ist das Ganze schon etwas in die Jahre gekommen. Ich habe mir einen gpx Track heruntergeladen damit ich nicht die schönen Stellen und Wege verpasse. Aber im Grunde genommen folgt man immer der Küste und kann sich nicht wirklich verirren, schlimmstenfalls erhöht man die Asphaltquote oder den Anteil an langweiliger Agrarlandschaft. An einigen Stellen stimmen Track und Weg auch nicht überein, da es an der Küste zu Wegabbrüchen kommen kann. Also nicht blindlings dem Track folgen, sondern auch auf die lokale Ausschilderung achten.

    Wer den Trail in 2026 gehen möchte, sollte die Speybrücke im Blick behalten: https://www.bbc.com/news/articles/c4g45p10z3wo

    Ausrüstung

    Die Moray Coast ist in Schottland für ihr mildes, warmes, sonniges und trockenes Klima bekannt. Eigentlich ein UL-Trail per excellence. Man braucht nicht viel an Ausrüstung. Ich habe keinerlei Tarperfahrung, aber das wäre ein Trail, an dem ich mir ein Tarp-Test zutrauen würde. Dazu eine Evazote oder Eierkartonmatte (wegen dem Ginster keine Luftmatte) und schon kann man sich in die kleinsten Lücken quetschen. Viele kleine Küstenorte mit Versorgungsmöglichkeiten. Im April war allerdings noch viel Gastro geschlossen oder hatte sehr eingeschränkte Öffnungszeiten. Man könnte also mit etwas Planung und zeitliche Flexibilität auch auf den Kocher verzichten.

    Trailverlängerung

    Im Westen schließt der Dava Way an und nach 2/3 des Weges trifft man auf den Speyside Way. Beide Wege führen grob in Richtung Süden in die Cairngorms Region. Es biete sich auch an den Weg auf eigene Faust entlang der Küste zu verlängern, im TGOC Blog gibt es ein paar Tipps dazu: https://www.tgochallenge.com/2024/11/21/the-moray-firth-coast/

    Links

    https://www.walkhighlands.co.uk/moray/moray-coast-trail.shtml

    https://www.goingthewholehogg.com/moray-coast-trail-guide/ und ihr YouTube Film https://www.youtube.com/watch?v=gEACNRP3nYk


    Mein Fazit zur Kombination dieser beiden Wege

    An sich genommen, ging mein Plan auf das Beste aus Gebirge und Küste zu verbinden. Ich habe jedoch an der Küste viel Wärmekapazität umsonst mitgeschleppt. Klüger wäre es gewesen einen Teil mit der Post vorauszuschicken, zu meinem letzten Stopp. Allerdings konnte ich mir in Aviemore noch nicht vorstellen, dass es so warm werden wird. Also, der Wetterbericht hat das schon so gesagt. Aber ich habe im Frühling immer das Problem, dass ich mir nicht vorstellen kann, was ich wohl bei 12 Grad und Sonne anstatt bei Null Grad mit Tendenz zu Niederschlägen anziehen werden möchte. Und wie wird es nachts, wenn es kalt vom Meer reinzieht? Also, man hätte es smarter regeln können. Ich nicht. ^^

  • Wunderschöne Impressionen und wirklich sehr beeindruckender Ginster!

    Viiielen Dank für‘s Mitnehmen, ein ganz toller Tourbericht! Ich genieße es hier immer sehr, mir bislang völlig unbekannte (unbereiste) Gegenden mit-durchstreifen zu dürfen. Ist fast wie dabei! ;)

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