Da ich mich nicht zwischen Bergen und Meer entscheiden konnte, plante ich für die zweite April-Hälfte eine dreitägige Rundtour in den Cairngorms von / nach Aviemore, anschließend auf dem Dava Way zur Küste und dann dem Moray Coastal Trail für 4 Tage nach Süden folgen. Geworden sind es 5 Tage Cairngorms und 4 Tage an der Küste.
Cairngorms
Same procedure as last year, ich komme in Schottland an und verlängere erst mal den Aufenthalt in der Zivilisation um einen weiteren Tag wegen Schietwetter. Diesmal wegen nassen Neuschnee in den anvisierten Höhenlagen. Bin halt eher so ein Schönwetter-Camper ![]()
Ich nutze den Extratag um die Folgen meines hektischen Packens auszugleichen: Midlayer vergessen (Alpha-Hoody) und dafür eine dreimal so schwere Fleecejacke gekauft. (Das war eine gute Entscheidung.) Wasserdichte Socken vermeintlich vergessen und mit schwereren ersetzt. (Das war unnötig.) Zu viele glutenfreie Leckereien im Supermarkt gesehen und damit noch den Rucksack bis ins letzte Eck vollgeladen. (Eher ein Starttag-Problem. Ich war dann froh um die extra Kalorien.)
Vollgepackter Atom Packs Mo mit meiner neuen myog Regenhüllen-Jacke am Bahnhof in Kingussie (das "g" in Kingussie wird übrigens nicht ausgesprochen)
Der Extratag hat sich auch wettermäßig ausgezahlt. Noch im dichten Nebel fahre ich mit der Bahn von Aviemore nach Kingussie. Dort angekommen brennt sich die Sonne schnell durch die Wolken und ich habe 3 Stunden Sonnenschein und den Rest des Tages blieb es trocken.
Ich folge auf den ersten Kilometern dem Speyside Way und East Highland Way bis nach Drumguish. Dort biege ich ab nach Osten um nach ein paar Kilometern das Glen Feshie zu erreichen, dem ich flussaufwärts folge. Heute bis zur Bothy Ruigh Aiteachain.
Ruthven Barracks - Sehenwürdigkeiten am Start der Tour werden von mir meist ignoriert. Der Vorwärtsdrang ist in dem Moment stärker als die Neugier und außerdem war der Rucksack so schwer. ![]()
Der Weg führt zuerst durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, bietet aber hier und da Schmankel für die Augen und das Herz.
Frisch angezuckerte Höhenzüge - so habe ich mir das vorgestellt in den Cairngorms.
Glen Feshie ist erreicht und die Wolken ziehen wieder zu. Ab jetzt geht es bis morgen Mittag immer dem Fluss entlang, stetig ansteigend in die Cairngorms hinein.
In Glen Feshie gibt es wunderbar alte Bäume. So sollen die Highlands früher wohl ausgesehen haben. Mehr dazu: Schottland - Rewildering
An der Bothy treffe ich den Warden Lindsay, der schon das Brennholz für den nächsten Winter vorbereitet. Zusammen spalten und stapeln wir für 1-2h Brennholz. Zwei irische Bikepacker flicken derweil die platten Räder und eine gebrochene Achsel der Schubkarren. In guter Gesellschaft mit vielen Geschichten zur Bothy und zum Tal verfliegt der Nachmittag im Nu. Wir bleiben in kleiner Gesellschaft, so eine nicht eintreffende Vorhersage von schlechten Wetter und Schneefall kann auch ganz nützlich sein. Am frühen Abend beginnt es wieder zu regnen.
Am nächsten Morgen starte ich bei steten Nieselregen.
Der zweite Tag führt weiter nach Osten, flussaufwärts folge ich dem River Feshie und anschließend dem Geldie Burn bis zur Red House Bothy. Eigentlich wollte ich entlang des Geldie Burns zelten, aber der bittere kalte Wind trieb mich in die Bothy, wo ich sogar noch einen Schlafplatz in einem der Stockbetten ergatterte.
Am Übergang vom River Feshie zum Geldie Burn. Weiter oben war der Morast sogar noch gefroren. Eine große Erleichterung.
Blick aus der Red House Bothy.
Weil es mir hier in den Bergen so gut gefällt, verlängere ich meine Tour um einen Tag und steuere die Corrour Bothy unterhalb des Lairig Ghru an. Allerdings nicht den direkten Weg im Glen Dee sondern über Lui Waters und der Bob Scott Bothy. Besonders empfehlen kann ich einen weiteren kleinen Umweg am Linn of Dee. Man geht nicht am großen Parkplatz beim Linn of Dee nach Norden, sondern folgt dem Dee nach dem Wasserfall entlang des schön angelegten Wegs und zieht erst nach ein paar Hundert Metern zur Straße hoch, so dass man auf der anderen Seite der Straße nun immer dem Lui Water folgt.
Entlang des Lui Waters auf dem empfohlenen Umweg
Es ist dort so wenig los, weil anscheinend die meisten vom Parkplatz starten, dass sich direkt am Wegrand eine Kreuzotter sonnt.
Kurze Zeit später mündet der nette Pfad in den breiten Fahrweg der Hauptroute. Die Landschaft bleibt beindruckend schön.
Die Bob Scott Bothy liegt sehr idyllisch. Es gibt einige schöne Zeltplätze am Fluss zwischen Bothy und der Derry Lodge. Ich überlege die Nacht hier zu verbringen, das würde den nächsten Tag allerdings zu lang werden lassen. Oder den letzten Puffertag in meiner Planung verbrauchen. Ich entscheide mich für eine sehr lange Rast am Wasser bevor ich weiterwander.
Blick in Richtung Ben Macdui, dem zweithöchsten Berg Großbritanniens. Nicht der offensichtliche Gipfel in der Bildmitte, sondern die verschneite Kuppe links dahinter müsste es sein.
Unten im Tal ist auf einem hellgrünen Fleck die Corrour Bothy zu erahnen. Morgen geht es weiter talaufwärts und über den Pass Lairig Grhu wieder hinab nach Aviemore.
Damit ich das Zelt nicht nur spazieren trage.
Der Route für den letzten Tag führte über den Lairig Ghru nach Aviemore. Ich hatte kurz überlegt über den Chalamain Gap zum Sugar Bowl Parkplatz an der Straße zum Skizentrum zu wandern und von dort per Bus oder Anhalter ins Tal zu fahren. Allerdings war der Wind mit Nieselregen waagrecht so garstig, dass ich diesen Gegenanstieg nicht machen wollte und nur noch ins Tal geeilt bin. Im Rothiemurcus Forest war ich dann wieder etwas geschützt von den Elementen und wanderte entlang des Druie nach Coylumbridge. Wieder in der Hoffnung auf einen Bus. Leider erst in 2h, also wanderte ich auch noch die letzten 3 km nach Aviemore. Meine Fußsohlen waren not amused.
Überall schöne Täler und Berge, die ich gerne erwandern möchte.
Der Wind nimmt zu und eine Schlechtwetterfront rollt heran.
Von den Boulderfields des Lairig Ghru wird viel gewarnt. Ich fand es dann eher underwhelming.
Ja, der Weg ist teilweise im Blockgelände und auch nicht so gut gekennzeichnet und von einem fleissigen Wegebauteam wanderfertig aufbereitet wie auf den gängigen Wanderwegen in den Alpen. Man muss schon teilweise langsam, achtsam gehen (extra Zeit einplanen) und im böigen Wind mit durchziehenden Regenschauern und dem Rucksack nicht besonders angenehm oder leicht zu gehen. Aber so lange kein Schnee liegt (bzw. nicht ausreichend Schnee für Blockgelände) kann ich da nicht den Showstopper erkenen, der in manchen Reiseberichten suggeriert wird.
Im Rothiemurcus Forest gibt es schöne Bäume ...
... Feuerpatschen an den Wegkreuzungen ...
... und man ist eindeutig aus dem wilderen Teil der Cairngorms heraus.