Bei meinem kürzlichen Overnighter mit dem Kajak wurde mir klar, dass ich mit meinem ultraleichten Trocki nicht mehr gefahrlos in der kalten Jahreszeit paddeln gehen kann. So leicht und bequem er ist, am Ende besteht er aus einem Dreilagenmaterial, das für Regenjacken, nicht aber für Unter-Wasser-Einsätze entwickelt wurde. Und so habe ich ein Projekt in Angriff genommen, für das ich mich schon vor längerer Zeit mit Material versehen hatte. Seit einiger Zeit verkauft ExTex einen echten Trockenanzugstoff (leider nicht als Sortimentsware - wird also irgendwann weg sein), der aus vier Lagen besteht und auch längere Unter-Wasser-Aktivitäten aushalten sollte. Den habe ich mir schon vor vielen Monaten gekauft, bin bisher aber nicht dazugekommmen, ihn zu verarbeiten.
Der Hauptgrund dafür ist, dass ich nicht sicher war, wie ich den wasserdichten Einstieg gestalten sollte.
Auf dem Markt gibt es bekanntlich mehrere Reißverschluss-Varianten, mit denen Trockis ausgerüstet werden. Verbreitet sind einmal Zipper vom linken Oberschenkel zur rechten Schulter - von denen Nutzer teilweise negative Erfahrungen teilen, weil der steife Reißverschluss am Oberkörper verläuft. Dann gibt es Anzüge, bei denen der Reißer am Rücken über die Schulterpartie vom linken zum rechten Oberarm geht. Aber von dieser Rückenvariante habe ich gehört, dass sie sich alleine sehr schwer schließen lässt. Das kam also auch nicht in Frage.
Dann gibt es aber auch noch die zwei andere Möglichkeiten, die ich bisher selbst ausprobiert habe. Bei der einen verläuft der Zipper durch die Schrittnaht von der linken zur rechten Wade. So war mein erster Trocki gearbeitet, der vom Tragekomfort sehr gut war, sich aber nur unbequem anziehen ließ. Außerdem musste man immer höllisch aufpassen, die weit in Bodennähe hinabreichenden Reißverschlusshälften beim Anziehen von Sand oder Dreck fernzuhalten. Dieser Reißverschluss ist außerdem der teuerste, weil er bei meiner Körpergröße mindestens 1,30 m (besser 1,40 m) lang sein muss. Auch diese Möglichkeit schied also aus. Und dann war noch mein UL-Trocki aus besagtem Regenjackenmaterial, der mit Jackenreißverschluss bis durch die Halsmanschette leicht zu öffnen - und auch zum Pinkeln sehr bequem ist, aber in dieser Form leider nie vollkommen dicht sein kann.
Also brauchte ich eine ganz neue Lösung - und die habe ich auch gefunden! Sie sieht so aus, dass der Reißverschluss vom linken zum rechten Rippenansatz bogenförmig über den Rücken verläuft. Auf diese Weise kann man Hosenteil und Oberkörperteil nacheinander anziehen und hat keinen Reißverschluss am Oberkörper. Was aber eine extreme Herausforderung darstellte, war die Erstellung des Schnittmusters. Meinen vorhandenen Trocki-Schnitt konnte ich zwar benutzen, musste aber wichtige (und millimetergenaue) Abänderungen vornehmen. Das Problem besteht darin, dass der bogenförmige Verlauf des Schnittes eine Innen- und eine Außenkurve hat, die bei 7 cm Reißverschlussbreite einen Unterschied mehrerer Zentimeter ausmacht. Der Reißverschluss selber ist aber ein langgestrecktes Rechteck, dessen Ober- und Unterkante genau gleich lang sind. An solchen (nicht unwichtigen) Details habe ich mir mehrere Tage den Kopf zerbrochen - und (erstmals) zunächst auch einen Dummie genäht, um zu sehen ob mein Schnitt hinhaut.
Hier eine Impression von meinen Schnittmusterexperimenten - ich habe leider bis heute kein Programm gefunden, das sich in überschaubarer Zeit erlernen lässt, mit dem ich so ein Pattern erstellen könnte.
So sieht schließlich das halbe Unterteil aus.
Hier liegen alle ausgeschnittenen Teile auf dem Fußboden.
Dann werden die Unterteilhälften an der vorderen Schrittnaht verbunden und der Pinkelzipper wird angezeichnet, ...
...ausgeschnitten...
... und eingenäht. Das war die leichtere Übung.
Jetzt wird die hintere Naht des Unterteils geschlossen...
...und gegengesteppt.
Anschließend werden die Unterteile an der Beininnennaht zusammengenäht und gegengesteppt. Für diese Naht braucht man eine Maschine mit langem Freiarm (mindestens 25 cm), denn das gesamte Hosenbein muss dafür auf den Freiarm aufgefädelt werden.
Dann kommen die Füßlinge an die Reihe, die ich aus einem einzigen Stück Stoff nähe, um möglichst wenige Nähte abdichten zu müssen.
Die Füßlinge werden mit einer einzigen Naht verbunden, die vom großen Zeh über die äußere Ferse zur inneren Ferse hoch zur Wade verläuft.
Dann werden die Füßlinge ans Beinende angenäht...
...und gegengesteppt.
Auch dafür muss man wieder das gesamte Hosenbein auf den Freiarm auffädeln.
Vom Zusammennähen von Vorder- und Rückenteil habe ich anscheinend keine Fotos gemacht. An diese beiden Stoffteile wird dann die Halsmanschette genäht und gegengesteppt. Die Neopren-Manschetten habe ich diesmal nicht mehr nur aus einem Kegelstumpf gefertigt (wie bei den vorigen Trockis), sondern noch einen 3 cm hohen Zylinder angenäht, damit sowohl Hals als auch Handbündchen fest umschlossen werden.
Hier werden die Ärmel angenäht...
...und so sieht das fertige Oberteil aus. Irgendwas haut mit dem Schnitt nicht hin, ...
...denn das Rückenteil ist 2 cm zu lang. Das musste ich noch abschneiden - aber zum Glück veränderte sich die gesamte Geometrie dadurch nicht.
Jetzt kommt die "Hochzeitsnaht", mit der Ober- und Unterteil miteinander verbunden werden. Sie ist nur 16 cm lang, denn der andere Teil wird ja durch den Hauptzipper geschlossen.
Beim Einsetzen des Reißverschlusses musste sich zeigen, ob alles richtig berechnet worden war.
Die neuen Tizips haben eine verbesserte Hydrolysebeständigkeit und deshalb ein durchstichfesteres Trägermaterial, dafür muss man den Nähfußdruck und die Fadenspannung auf Maximal stellen.
Als ich die Runde herum war, zeigte sich, dass alles gepasst hat - Erleichterung!
Abschließend kommt die schlimmste Naht - das Gegensteppen an der Handmanschette. Das ist eine einzige Qual, weil jetzt der enge Arm des Trockis über den Freiarm der Maschine gestülpt und dann eine Runde über Neoprenmanschette und Stoff gedreht werden muss. Diese Naht sieht auch nie schön aus, aber sie ist wichtig, um den Trocki später gut abdichten zu können.
Vor der Anprobe kommt für einen echten ULer natürlich der Gewichtscheck! Der "Neue" wiegt also dreimal mehr als der letzte Trocki, aber er sollte dafür auch komplett dicht und seewassertauglich sein.
Der Trocki sitzt in der Hüfte etwas körpernaher als sein Vorgänger - aber er passt!
Und er lässt sich bequem anziehen und schränkt die Bewegungsfreiheit des Oberkörpers nirgendwo ein!
Abdichten werde ich diesmal ausschließlich mit Aquasure. Das ist eine Abbildung von der ersten Schicht - aber da ist noch weitere Arbeit nötig - ich werde berichten...