Der "Versehrtenthread" 😉

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  • FĂŒr die einen ist es der Everest, fĂŒr die anderen der Hausberg bei dem man an seine Grenzen kommt, aber die wird man ohne Versuch nie finden.

    So ist es!

    Bei mir ist es eine seltene Blutkrebs Art mit Nieren SchÀdigung, die mich ein paar Jahre lang umgehauen hat. Chemo, Stammzelltransplantation, Sepsis, Fatigue,...

    Am schlimmsten war die Voraussage, ich wĂ€re bis ans Ende Dialyse pflichtig. 3x die Woche Dialyse hatte ich mehrer Monate, und das fĂŒhrt nicht zu mehr LebensqualitĂ€t. Zum GlĂŒck hat mein Nephrologe den Mut gehabt einen Außlassversuch zu machen und ich bin jetzt "nur" noch Stadium 4. Und ich bin zu 50 % schwerbehindert (Grad der Behinderung).

    Aber ich habe jetzt meinen ersten Overnighter mit geliehenem Tarp hinter mir und werde morgen mit eigenem Zeug losgehen.

    Langsam bekomme ich auch wieder etwas mehr Vertrauen in meinen Körper.

    Die Kraft kommt mit 70 Jahren natĂŒrlich nicht mehr, aber mit UL geht schon ein wenig mehr.


    GrĂŒĂŸe


    Azes

  • Vielen, vielen Dank bifi fĂŒr den Mut dieses Thema hier zu eröffnen.

    Eigentlich mag ich nicht so gerne aber ĂŒber mich selbstreden oder schreiben, aber ich finde dieses Thema enorm wichtig, deshalb wage ich mich hier auch mal aus der Deckung.

    Ausgelöst bzw. VerstĂ€rkt durch ein paar Ereignisse bin ich seit mehr als 10 Jahren mit einer chronischen Depression und sozialer Phobie und anderern Ängsten versehen.
    So behindernd, das ich momentan Erwerbsminderungsrente beziehe und auch als dauerhaft Schwerbehinderter eingestuft bin.
    Diverse Klinikaufenthalte und Therapien und selbstbehandlungsversuche haben nicht viel gebracht.
    Aus dem normalen, sozialen Leben habe ich mich zurĂŒckgezogen, was es auch nicht einfacher macht.
    Ach ja, diverse Fuss und andere körperliche Probleme habe ich auch noch.

    2018 habe ich beschlosse Thru-Hiking zum meinem Lebensinhalt zu machen und bin dann 2023 zum ersten mal los ( gleich 3000 Km in Australien und es war auch das erste mal, das ich eine Nacht im Zelt verbracht habe ). Insgesamt bin ich jetzt schon ca. 12000 km auf diversen Trails ( meist selbstzusammengestellte Routen ) unterwegs gewesen und es fĂŒhlt sich immer als widerspruch an, wenn ich das mal jemanden aussenstehenden erzĂ€hle.
    Aber auf dem Trail geht es mir besser, die Probleme werden ein bischen kleiner, neue kommen auch immer wieder mal hinzu, aber ich fĂŒhle mich schon als ein anderer Mensch. Nicht jeden Tag aber es verĂ€ndert sich halt was.

    Meine Krankenkasse weigert sich das in Ihr Portfolio der Behandlungen aufzunehmen und an den Kosten zu beteiligen ;)

    Vielen Dank an alle die hier posten

    Bis dann

    Frank

  • Danke an alle, die hier posten! Als jemand, der ohne grĂ¶ĂŸere körperliche oder psychische BeeintrĂ€chtigungen durch die Welt gehen kann, nehme ich trotzdem aus euren Geschichten sehr viel mit. Finde es wirklich beeindruckend und lehrreich, eure Perspektiven zu lesen.

    Einmal editiert, zuletzt von Jan234 (4. September 2025 um 16:35) aus folgendem Grund: physisch -> psychisch

  • Ja, dann ratet mal, wieso ich mich ĂŒberhaupt mit UL beschĂ€ftigt habe? Bestimmt nicht weil ich einfach so schlau geworden bin, was man ja auch hĂ€tte wĂŒnschen können.

    Bandscheibe, einmal oben einmal unten, jahrelange chronische AchillessehnenentzĂŒndung mit Barfussschuhpflicht, da kommt Freude auf.

    Die Entscheidung war irgendwann, Weitwandern oder gar nicht mehr Wandern.

    Ich habe micht fĂŒr leicht und/ oder Wanderwagen entschieden.

    LĂ€uft 👍😁, bisschen nachdenken, bisschen MĂŒhe geben, einen Haufen Sport machen, und schon geht es wieder.

  • es fĂŒhlt sich immer als widerspruch an, wenn ich das mal jemanden aussenstehenden erzĂ€hle.

    Ohjaa... fĂŒhl ich direkt. Ich denke das auch immer iwie, krieg manchmal meinen simplen Alltag nicht geregelt, aber n 1000k+Thruhike gewuppt. Aber ich kann, nachdem ich das diesen Sommer zum 4 mal gemacht habe, sagen das ist fĂŒr mich kein Widerspruch. Ich habe meine Versehrungen in den Alltag soweit integriert, dass die "Thruhiking-Kur" dazugehört und eine Pause/Reha darstellt, die den Rest des off-trail-lebens erst einfacher macht (ich will nicht sagen möglich macht). Das Privileg der SoloselbstĂ€ndigkeit und eines verstĂ€ndigen sozialen Nahfeldes, inklusives der finanziellen Mittel sollen nicht verschwiegen werden.

    Die Einfachheit und Strukturiertheit helfen mir gut mit mir selbst zu sein - die beste Version meiner selbst vllt sogar. Es ist etwas in dem ich Atmen kann, in dem die Schwere tragbarer wird, in dem Probleme bar ihrer meist physiologischen Unmittelbarkeit und der PrekaritĂ€t ihrer etwaigen Lösungen genau so unmittelbar gelöst werden mĂŒssen. Also die Trailstruktur und -anforderungen orientiert mich ins handeln, ins Lösungen finden, depressive Apathie durchbrechen.

    Der Trail entfaltet eine eigentĂŒmliche Sogwirkung die mich recht unmittelbar einfĂ€ngt, der ich mich bereitwillig und unhinterfragt gar unterwerfe. Es mag Tage geben an denen ich keinen Bock habe oder ich mich schwer, antrieblos fĂŒhle - das laufen (mĂŒssen) stelle ich jedoch nie in frage. Es ist an den zĂ€hesten Tagen klar ich laufe, ich laufe auch zu den (selbst)gesteckten (oftmals notwendigen) Zielen des Tages, murrend zwar und zĂ€h kĂ€mpfend, aber nie in fragestellend dass gelaufen wird. Ich kĂ€mpfe auch nicht dagegen an, geschweige denn dass ich abbrechen möchte oder pausieren. Es ist eigentĂŒmlich zwar, aber es fĂ€llt mir jetzt erst auf wie selbstverstĂ€ndlich es ist on trail zu laufen egal wie (mental). Eine kraft und eine SelbstverdtĂ€ndlichkeit, die ich offtrail nicht immer aufbringe(n kann)

    Ich sehe keinen Widerspruch, kann aber die Aussage sehr gut nachvollziehen... danke fĂŒrs teilen <3

    Einmal editiert, zuletzt von extremspaziergaenger (5. September 2025 um 23:30) aus folgendem Grund: Neuer gedanke u ein paar tippis korrigiert

  • Man braucht kein Prophet sein um das Unheil oder Heil von euch/uns zu erkennen, guckt einfach den Wandel der Gesellschaft.

    Eins vorne weg ...fĂŒr mich egal in welcher Weise ist das Leben lebenswert und das was bis hier geschrieben wurde und auch das nicht ausgesprochene ist mega stark, danke dafĂŒr erstmal und fĂŒr wahrscheinlich einige weitere Zeilen von euch.

    Auch mich hat es erst in Jugendlichem Alter körperlich geschafft eigentlich selbst verschuldet. Durch Sport haha Fussball je 2 Knie und je 2 Sprunggelenk OPÂŽs im Alter 14 -16 J. danach war mit Sport ausser Schwimmen nix mehr. WĂ€re damals ein renomierter Mannschaftsarzt eines rotweissen Fussball Verein nicht gewesen wĂŒrde ich sicher nicht mehr laufen. Dies Nachwehen spĂŒre ich mein Leben lang dem Alter heute 52 J. immer mehr und WetterabhĂ€ngig.

    Ließt sich nach Zwicken und Zwack hier und da und mehr ist es eigentlich auch nicht.


    Hinzu kommt ich war lĂ€ngere Zeit beim MilitĂ€r und da auch in diversen EinsĂ€tzen und habe wer hĂ€tte es gedacht mir dieses PTBS mit nach Hause geholt. Ich möchte gar nicht soviel darĂŒber schreiben den viele von meinen Vorpostern haben eben diese Symtome und wer bis hier gelesen hat weiß die auf und AbÂŽs schon alle. Nochmal einen dicken Schub gab es 2014 bei der trennung von meiner ersten Ehefrau was viel schlimmer ales alles vorher mir Bekannte war und mich sprichwörtlich umgehauen hat. Ich hatte damals dann noch meine beiden Töchter bei mir (heute erwachsen25 un 27J.) Durch einige Therapien etc wie der Verlauf so ist brauche ich z.Z. keine Medikamente fĂŒr die PTBS, sie besteht doch den Rest of my life. Kurz angeschnitten 2016 mit dem Rauchen aufgehört von heute auf morgen (nĂ€chstes Jahr 10J.)um meiner jetzigen tollen Frau zu zeigen das ich sie unbedingt kennelernen möchte.

    Durch vorher beschriebene Kompensationen sehr viel Nahrung in mich reingestopft, kann auch sein durch Ablenkung des nicht rauchen...bums Diabetis TYP2 mit allen Folgen bis zum Ende.

    Zum wandern gekommen und bei geblieben bin ich schon so mit 12 J. ĂŒber meinen Onkel beim MilitĂ€r wieder aufgenommen. Nach dem Ausscheiden in Bushcraft umgesetzt und jetzt UL oder nahe Ul unterwegs. Ich mag die Stille auf einsamen TrailÂŽs um mich einfach auf die wesentlichen Dinge zu fixieren. Der Hochgenuß ist wenn nix im Kopf rumschwiert und mich die Natur mit Ihrer Macht kĂŒsst,dann bin ich frei.

    Hiker mit Lautsprechern mit tosender Musik oder Wandergruppen und Familie die heute einen ausgedehnten Spaziergang macht mit Rucksack meide ich 8jeder soll sein StĂŒck Natur eleben).

    Ich weiß nicht genau warum die Baustellen die ich halt habe legen sich mit einer Zeit beim wandern einfach ab und dann das wenige minimale um sich mehr der Natur zu zu wenden.

  • seit mehr als 10 Jahren mit einer chronischen Depression und sozialer Phobie

    Aber dann ist Trekking doch DAS richtige Ding fĂŒr Dich? Ich kann da erstmal in meiner NaivitĂ€t keinen Widerspruch erkennen. Was mich interessieren wĂŒrde ist, ob sich das durch ein "zurĂŒck zur Natur" bessert?

    Ja, es bessert sich teilweise mal stÀrker, mal schwÀcher. Leider hÀlt dies nach dem Trailende aber nicht lange an.

    Auf dem letzten Trail hat es auch ca. 3 Wochen gedauert bis sich ĂŒberhaput eine leichte Besserung eingestellt hat.

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