Jura-Bike (Nationale MTB Route 3): Entlang des Schweizer Jura-Bogens in 4 Tagen

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  • Hallo zusammen,

    in Vorbereitung auf den EDT nächstes Jahre wollte ich eine kleine Test-Reise machen. Ich hatte 4 Tage mit einem lokalen Feier- und Brückentag. Ziel war es mein Set-Up zu verfeinern, aber auch meine physischen Grenzen auszutesten. Es sollten möglichst viele Höhenmeter werden, und auch ein bisschen raues Terrain. Bei der Suche nach einer geeigneten Strecke bin ich bei Schweiz-Mobil auf die Jura-Bike gestossen. Wurde als Gravelroute präsentiert, geht einmal quer über den Jura - sollte passen !

    Die Route
    Die offizielle Route findet Ihr hier. Für meine Zwecke habe ich Sie ein bisschen angepasst und bin bei mir Zuhause in Brugg gestartet und habe dann auf die Route in Laufen BL . Hatte keine Lust mir die Rausfahrt aus Basel anzutun (und dazu noch ein paar mehr km für den Test):
    Teil Brugg AG-Delémont
    Teil Delémont-La Chaux-de-Fonds
    Teil La Chaux-de-Fonds-Nyon

    Das wären ca. 410 km bei 8'650 hm.

    Achtung: Aus meiner Sicht ist das keine Gravel-Route. Sie wird unter anderem auch auf Schweiz-Mobil so beworben. Man fährt aber öfters über lose Steinwege (so Faustgross), manch eine Abfahrt hat mich wirklich an meine Grenzen gebracht, obwohl ich MTB-Reifen habe. Mit weniger wäre das gar nicht spassig geworden. Es kann natürlich auch sein, dass ich die Fahrtechnik eines Pandas habe.

    Geplant war das in ca. 3 Tagen zu machen, am Ende wurden fast 4 draus. Die Schwierigkeit (Höhenmeter, Steilheit nach oben/unten und Fahrtechnik), einen späten Start am 2. Tag und sonst auch einfach fehlender Fitness meiner Seite für solch ein Unterfangen waren die Gründe. Spass gemacht hat es mir am Ende, ich würde aber empfehlen mehr als 4 Tage einzuplanen.

    Die Route führt nicht zu fern von der Zivilisation, jedoch immer in der Natur. Über den Weg sind mir mehrere Füchse, ein paar Rehe, ein Feldhase (!), ein Haufen Störche und vor allem Kühe begegnet (mehr als Menschen). Ein paar Städte hat es, und der einzige Ort, wo man auf Tages-Touris stösst, war der Creux-du-Van. War jetzt aber auch kein Riesen-Auflauf obwohl es am Wochende war. Sie hat einen haufen Höhenmeter und ist keine rollende Strecke. Es hat viele Kuhgatter in allen Formen, der Weg ist z.T. recht schwer bis unmöglich zu befahren.

    Material
    Immer noch das gleiche Velo, die erste grosse Tour mit den Modifikationen, die ich im verlinkten Thread beschreibe. Funktioniert, kam hier mehrmals an die Grenzen, hat aber alles mitgemacht: Wurzelfeld, steile Abfahrten (Abrutschen) über Steinwege. Das Upgrade mit der neuen Kassette funktioniert super.

    Zum schlafen das Middus 1P von Bonfus, diesmal mit der halben Faltmatte von Decathlon und der Yakwoll-Decke. Das Zelt funktioniert, die Yakwoll-Decke mit halber Matter nicht. Da muss ich nochmal über die Bücher. Ich habe einfach kein anständiges Schlafsystem für den Sommer. Mein normaler Quilt geht bis -5°C und auch bei der Matte habe ich noch nicht das wahre gefunden. Vielleicht noch die Plastazote drunterlegen für mehr Comfort ? Ich weiss es noch nicht. Resultat: ich habe relativ schlecht geschlafen. Das werde ich für den EDT nächstes Jahr noch optimieren müssen.

    Als Kleidung Radlerhose und Langarm T-Shirt als Sonnenschutz. Zusätzlich ein Satz Shorts+Unterhose+Langarmshirt für den Abend zum schlafen, ein leichtes Fleece und ein paar Socken zum wechseln. Zum radeln nutze ich gerne Zustiegsschuhe, die sind relativ steif, ermöglich aber gutes Hike-a-Bike im schwierigen Gelände (was diesmal oft genug vorkam). Eine Regenjacke und ein Buff hatte ich noch als Notnagel dabei falls es mal oben am Berg kalt werden sollte. Das Funktioniert. Für den EDT würde ich noch eine Regenhose und eine Puffy dazunehmen, das wars.

    Sonst hatte ich noch das gängige Zeug dabei : Wasserfilter und -Beutel (nicht gebraucht, aber es war auch zum testen was so alles reinpasst), Powerbank von Nitecore etc. Alles nicht wirklich Nennenswert, hat alles funktioniert. Navigiert habe ich wieder mit der Garmin Fenix 8, kombiniert mit Brustgurt im Jackenmodus hat Sie die 4 Tage ohne laden gemacht. Das funktioniert super.

    Zusammengepackt sah das alles so aus:


    Nahrung
    Hatte ich zuhauf dabei, aber ich habe es nicht geschafft, genug zu essen. In 4 Tagen habe ich kann 1-2 kg abgenommen. Konzept waren: Müsliriegel, M&Ms, Isotonisches Pulver in der Flasche über den Tag, Am Morgen und abend Fladenbrot mit reichlich Käse und Wurst. Über den Tag noch Kuchen und/oder Eis sowie Süssgetränke aus dem Laden. Das hat nicht gelangt - ist nun die Frage ob das mit einem weniger hohen Reisetempo wieder einpendelt. Ist für mich noch schwierig abzuschätzen.

    Zusätzlich hatte ich noch Bananenchips mit Chilipulver und gewürzte Erdnüsse dabei, geschmacklich Top, aber auf der Reise unpraktisch aufgrund der Gewürzmischungen. Man hat halt die Gewürzmischung an den Fingern. Eventuell mit Löffel.

    Einmal editiert, zuletzt von Patirou (11. Juli 2026 um 18:00)

  • Etappe 1: Brugg AG-Aussichtsplattform nahe La Combe
    Brugg AG-Sissach-Liestal-Laufen-Delémont-La Combe
    ca. 125 km, 2'580 hm+

    Den ersten Teil bis Laufen kannte ich schon, Über 2 Hügel gelangt man erst bis nach Liestal, die vor allem für Ihren Feuerumzug mitten in der Altstadt bei der Fasnacht bekannt ist. Bis nach Laufen kam ich auch ziemlich flott voran. Die Hitzewelle der vorherigen Tage war erstmal vorbei, und ich konnte locker, aber zügig fahren. Gegen 14 Uhr und einen Hügel weiter war ich dann auch schon in Laufen. Richtig flott ! Ab hier folge ich der Jura-Bike und ab hier fand ich heraus, was SchweizMobil unter Gravel versteht : Steile Strecke, Faustgrosse Steine auf dem Weg. Kein Grip. der letzte Hügel bis nach Delémont brachte micht fast zur Verzweiflung. Viel schieben, viel schwitzen, viel fluchen. Für knapp 10 km über den Hoggen/Stierenberg, und seine 500 hm brauchte ich über 2 Stunden. Dabei passiert man die Sprachgrenze. An der Bergflanke ging es dann wieder Steil hinab nach Delémont. Da ahnte ich es schon, mit drei Tagen wird das wohl nichts. Das war bei weitem der härteste Anstieg auf der Tour, einfach durch seine Länge und den Untergrund. In Delémont konnte ich mich mit einem Eis wieder sammeln und machte mich direkt an den nächsten Anstieg Richtung Saint-Ursanne. Der war zwar mit knapp 550 hm auf 16 km auch recht wüst, war aber durch besseren Grund einfacher zu bewältigen. Nach knapp 3 Stunden kam ich oben an, füllte meine Wasserflaschen bei einem Hof auf und fand eher zufällig den fast perfekten Camping Spot in Form eines Regimentsplatz. Nur fast perfekt weil der Boden so hart war, dass die Heringe nicht reingingen. Schnell aufs Wetter geguckt, gesehen dass es nicht regnen wird - also wird unter freiem Himmel biwakiert.

    Landschaftlich war die Etappe geprägt von Kulturlandschaft und Wäldern an den steilen Hängen der Hügel.

    Der Jurapark Aargau am fürhen morgen, das Tal noch im Morgendunst



    Impressionen Altstadt Liestal

    Ein paar Störche

    Panoramas aus dem Jura südlich von Basel



    Ist der Boden zu hart, muss man halt aufs Zelt verzichten


    Aber immerhin mit schönem Sonnenuntergang beim Abendessen.

  • Etappe 2 La Combe-Les Brenets
    ca. 109 km, 2'290 hm

    Früh am Morgen ging es mit einem kurzen Restanstieg los, bevor es runter Richtung Saint-Ursanne ging. Hier musste ich aufgrund von Fällarbeiten leicht abkürzen, Erst traf ich auf die mittelalterliche Klosterstadt Saint-Ursanne, danach auf die majestätische Eisenbahnbrücke zu dessen Bahnhof. Man folgt dem Doubs ein kurzes Stück Flussaufwärts, bevor man über einen knackigen Anstieg ein Hochplateau erreicht, bevor es weiter auf den Mont-Soleil mit seinem Energiepark geht (Windrädli und Solar). Da hoppelte mir auch ein Feldhase so einfach über den Weg. Beim ersten Anstieg musste ich wieder einiges schieben, auf den Gipfel kam ich fast ohne schieben aus.

    Nach dem Mont-Soleil ging es abwärts Richtung La Chaux-de-Fonds, wobei man kurz davor eine Schlucht durchquert. Die Abfahrt in die Schlucht brachte mich an die Grenzen meiner Fahrkünste, es war eher ein hinabrutschen als -rollen, zwischen gröberen Steinen, Wurzeln und dickem Gestrüpp. Hinauf konnte ich das Velo mitsamt Gepäck nur schieben, keine Chance. In der Stadt angekommen bin ich grad weitergefahren, um an diesem Tag noch den Gros Crêt zu erklimmen. Schon in der Stadt selbst ging es steil hinauf, und sobald der Untergrund von Asphalt auf lose änderte, musste ich das Velo wieder spazieren führen. Auf der anderen Seite ging es rasant zurück an den Doubs, welcher sich hier durch eine beeindruckende Schlucht schängelt. Am Ende der Abfahrt bin ich froh gewesen, dass es mal zu Ende war. Die Handgelenke taten ziemlich weh und ich notierte mir schon, dass ich wohl die Bremsbeläge am Ende austauschen werden muss.

    In Le Brenets habe ich auf dem lokalen Campingplatz übernachtet, nicht zu übel, recht viele Wohmobile bzw. Mobil-homes - aber immerhin eine Dusche die ich dringendst brauchte.


    Saint-Ursanne inkl. Brücke


    auf dem Weg zum Hochplateu Mont-Soleil


    Kuh hatte Frage was der zweibeiner da macht


    Irgendwo auf dem Haut-plateau, mal mit schön rollendem Untergrund


    und auch mit kaum erkennbaren Weg.



    Schlucht des Doubs

  • Etappe 3: Les Brenets-Sainte Croix
    Les Brenets - Grand Sommertal - Les Ponts-de-Martel - Crêt du Sapel - Couvet - Creux-du-Van/Le Soliat - Sainte-Croix
    ca. 80 km, 2'120 hm+

    Mit Abstand die härteste Etappe, es ging hoch hinauf auf Hochweiden und an Felsen vorbei. Schwieriger wurde das Unterfangen, weil der Campingwärter zwecks Bezahlung erst um 9 Uhr auf der Matte stand. Dadurch konnte ich der Hitze für die härtesten Anstiege nicht entfliehen (normalerweise wäre ich schon gegen 6 Uhr kurz nach Sonnenaufgang unterwegs). Erst ging es über den Grand Sommertal nach Les Ponts-de-Martel, wo es erstmal ein Stück im Tal blieb. Danach auf Soliat und insbesondere an die Creux-du-Van mit einer beeindruckenden Felswand. Heute wurde es wieder richtig heiss. Das Thermometer auf meiner Uhr zeigte trotz der Höhe mehrmals über 30 °C an. Belohnt wurde ich mit super Ausblicken über den wohl höchsten Teil des Schweizer Juras. In Sainte Croix habe ich mir dann ein Hotel gegönnt, um mal richtig schlafen und duschen zu können, bevor ich am nächsten Tag wieder in die Zivilisation zurückkehre.


    Auf dem Sommertal, die Sonne brennt unerbittlich


    Im Tal zwischen den beiden Bergen




    Impressionen Creux-du-Van - die Fotos werden der Landschaft nicht gerecht


    oben am Soliat mit Blick Richtung den Alpen


    Wildziege auf der Abfahrt Richtung Sainte Croix

  • Etappe 4: Sainte-Croix - Nyon
    Sainte-Croix - Vallorbe - Lac de Joux - Nyon
    ca. 92 km, 1'770 hm+

    Gut gestärkt ging es nach dem Hotelfrühstück auf die letzte Etappe. Nicht mehr so viele Höhenmeter, aber es müssen noch ein paar km gemacht werden. Erst ging es zwischen den Bergen parallel zur Grenze nach Vallorbe und schliesslich den Lac de Joux. Dort musste ich auch kurzfristig umplanen, da wegen einem Slow-Up (Strassen werden für den Verkehr für den Langsamverkehr gesperrt) ich nur gegen den Uhrzeigersinn um den See konnte. Na denn. Nach dem harten Anstieg zum See rollte es richtig flott Richtung am See entlang. Das war mal auch angenehm, statt immer nur durchgerüttelt zu werden.

    Noch zwei Anstiege, von denen man das Mont-Blanc massif bewundern kann, und dann ging es rasant hinab nach Nyon. Da habe ich irgendwann eine Abzweigung verpasst und ungewollt ein bisschen abgekürzt. Dafür musste ich mein Velo unter Stacheldraht durchschieben (oder wieder 2 km hochschleppen). Wieso da der Draht war, war nicht ersichtlich. Es gab Markierungen, dass es ein öffentlicher Weg sei, auf einmal Stand der einfach da, ohne Möglichkeit zu passieren, mit der Strasse direkt dahinter. Na denn. Unten in Nyon spürte man wie es immer Wärmer wurde, am Ende zeigte mein Thermometer über 38°C an, und die Hitze vom Asphalt wurde ziemlich unerträglich. In Nyon angekommen gab es nichts besonderes. Zack auf den Zug und über Bern wieder zurück nach Brugg.


    Auf dem Weg nach Vallorbes


    Typisches Jura-Städtchen Vallorbe


    Lac de Joux



    Wieder auf dem Berg


    Sicht auf den Mont-Blanc


    Ui, der Wolf, kurz danach der Stacheldraht

  • Danke fürs Mitnehmen! Am Doubs haben mein Mann und ich vor vier Jahren auch schon geflucht - wir sind damals mit dem Zug nach Pres-Lepetitjean gefahren, dann auf normaler Straße an den Doubs runter und bis St. Ursanne fluss"nah" weiter. Auf und ab, Steine, Grobschotter, mit einem bepackten Gravel nicht fahrbar. Ich weiß nicht mehr genau, als was es ausgeschildert war, ob MTB oder Rad, aber eben, mehr als grenzwertig. Damals bin ich auch schon auf die MTB-Route durch den Jura aufmerksam geworden, aber nach dieser Erfahrung hatten wir die gehakt, wohl zurecht. Aber landschaftlich schön war es!

  • Sehr schöne Tour. Merci.

    Die Höhenmeter beziehen sich immer auf die Auf- und Abfahrten zusammen, oder? Du bist nicht über 2000hm bergauf + 125km weit an Tag eins gefahren? Hast du die reinen bergauf hm für die Tage? Interessiert mich für meine anstehende Dolomiten Transalp zur Einschätzung, ob ich mich bei der Planung übernommen hab. Wie würdest du deinen körperlichen Trainingszustand beschreiben? 😅

  • Du bist nicht über 2000hm bergauf + 125km weit an Tag eins gefahren?

    Doch das ist nur Bergauf und doch, das war der erste Tag. Bergab habe ich nicht gezählt, ist beim Velofahren auch nicht ganz so relevant wie beim wandern (ausser die Abfahrt ist natürlich technisch strapazierend, das war die eine oder andere auch).

    Wie würdest du deinen körperlichen Trainingszustand beschreiben?

    Körperlich nicht so gut wie ich es gerne hätte, aber ganz ok würde ich sagen aber habe da so meine extra-Kilos (so um die 10) auf die ich gerne verzichten würde. Mental kann ich aber relativ viel ab, so eine innerliche Abnegation (eine Art "so isses halt, da muss ich jetzt durch")
    Die Tour war für mich auch dafür gedacht, wirklich an die Grenzen und drüber hinaus zu gehen. Körperlich nie in den roten Bereich gehen dafür möglichst lange treten. Den ersten Tag bin ich z.B. schon um 6h30 los und erst gegen 20 Uhr habe ich das Lager aufgeschlagen.

  • Leider nein, ich hau einfach das rein was ich glaube zu brauchen.
    Ich würde mal so auf 7 kg extra tippen (inkl. Wasser und essen). Essen habe ich im Gegensatz zum wandern eher wenig dabei da man mit der Distanz irgendwann mal an einem Supermarkt vorbeikommt.


    Mit Eigengewicht von 90 kg und Fahrrad welches auch noch mal knapp 12kg auf die Waage bringt kommt es da auch nicht wirklich auf jedes g drauf an.

  • Das eine Bild aus dem Doubs Tal nahe St. Ursanne gefällt mir besonders gut. 'Schlucht des Doubs'.

    Wäre eher Les Brenets.

    Kann man auch erwandern mit der Wanderung bzw. mit dem Kanu/Packraft:
    Au fil du Doubs - 95

    Auch sehr schöne Wanderung, habe ich selbst schon gemacht (für eine weite Anreise zu kurz, aber man kann ja weiterlaufen oder mit anderen Tourismusarten kombinieren).

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