4 Tage auf dem Schluchtensteig

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  • Hier ein Bericht zu meiner 4-tägigen Tour auf dem Schluchtensteig am Himmelfahrtswochenende.


    Der Schluchtensteig ist ein Fernwanderweg mit 119 km und 3200 hm im südlichen Schwarzwald und gehört zu den Top Trails of Germany. Die Trailheads sind Stühlingen und Wehr. Der Steig kombiniert mehrere Schluchten mit zahlreichen Wasserfällen, bietet aber auch zahlreiche Aussichtspunkte und verläuft großteilig über Pfade. Normalerweise wird er in 5-6 Etappen gelaufen. Ich war 4 Tage unterwegs. Hier mein Lighterpack.


    Anreise/Tag 0

    Los ging es am frühen Mittwochnachmittag. Eine vierstündige Fahrt mit zwei Regionalzügen und drei Bussen lag vor mir, um schließlich in Stühlingen an der Schweizer Grenze anzukommen. Ab Karlsruhe war die Schwarzwaldbahn auch richtig voll, weil in Konstanz an diesem Wochenende ein Turnfest war und alle Teilnehmerinnen anscheinend diesen Zug nehmen wollten. Natürlich hatte ich in Donaueschingen so viel Verspätung, dass ich den ersten Bus verpasst hätte, aber anscheinend war der Busfahrer dies gewohnt und wartete geduldig bis alle Reisende vom Zug in den Bus gestiegen waren. Danach lief alles super und meine Befürchtung, die letzten Metern per Anhalter zu fahren, da irgendetwas schiefgehen würde, trat nicht ein.

    In Stühlingen ging ich zum Einkaufsareal mit Rewe, LIDL, etc. und musste dann feststellen, dass die Brücke über die Wutach auf dem kürzesten Weg zum Campingplatz geschlossen war. So musste ich hinter den Supermärkten und an der Bundesstraße entlang einen anderthalb Kilometer-langen Umweg laufen, um schließlich am Campingplatz anzukommen.

    Der „Familiencampingplatz“ Camping an der Wutach war bis auf ein paar Dauercamper und Wohnwagenreisende ziemlich verlassen. Keine Rezeption, Übersicht oder Ähnliches. Ein Dauercamperpärchen erklärte mir netterweise kurz, dass der Zeltbereich am hinteren Ende des Campingplatzes, nahe der geschlossenen Brücke, liegt. Dort traf ich einen Kanadier, der gerade mit dem Rad auf dem Weg nach Istanbul war. Leider konnte er nur Französisch und kein Englisch und so war unsere Unterhaltung sehr eingeschränkt.

    Für dieses Jahr hatte ich einiges an Gear geupgraded, unter Anderem ein neues Tarptent Rainbow Silpoly, da mir mein Lanshan über die Zeit zu klein und unflexibel geworden war. Aufgrund der durchaus guten Rezensionen, auch hier im Forum, und der Möglichkeit des freistehenden Aufbaus, fiel meine Wahl auf das Rainbow. Beim Auspacken fiel mir dann auf, dass ich wohl etwas unachtsam gepackt hatte und sowohl meine PadPal Pumpe als auch meine NU25 Stirnlampe gar nicht erst eingepackt hatte. Richtig UL, unbewusstes Weglassen, um das Baseweight weiter zu reduzieren. So blieb mir nichts anderes übrig, als meine Xlite so langsam mit dem Mund aufzublasen, um nicht zu hyperventlilieren. Am Waschhaus versuchte ich vergeblich mit einem QR Code die verschlossene Tür zu öffnen, bis mich ein anderer Gast darauf aufmerksam machte, dass man nur den Knopf oberhalb der Klinke drücken musste, damit die Tür aufschließt. Dieser erzählte mir, dass er seit zwei Nächten auf dem Platz sei und auch noch niemanden getroffen hatte, der den Anschein erweckte die betreibende Person zu sein.

    Nach dem Aufbau machte ich mich dann wieder auf einen halbstündigen Spaziergang nach Stühlingen, schaute mir das Städtchen inkl. Trailhead an der evangelischen Kirche an und aß dann bei einem Imbiss noch eine Dönerpizza. Danach ging es zurück zum Campingplatz. Die Nacht war windig, regnerisch, aber mit 9°C noch sehr angenehm.


    Tag 1: Stühlingen – Achdorf (29 km)

    Morgens packte ich meine Sachen zusammen und lief los, in der Hoffnung noch einen Kaffee beim Bäcker im REWE zu bekommen. Leider war dieser auch wegen dem Fronleichnamsfeiertag geschlossen. Auch in Stühlingen selbst hatte zu der frühen Stunde nichts offen und so ging es, nach dem obligatorischen Foto am Trailhead, los auf den Schluchtensteig.

    Zuerst ging es an der Wutach (hier bildet sie die Grenze zur Schweiz) entlang, durch ein renaturiertes Gebiet. Es regnete leicht und ich blieb mit meinen G4Free Regenschirm, den ich mir noch last minute aufgrund des schlechten Wetterberichts besorgt hatte, schön trocken. Zwischendurch schaffte es die Sonne sich durchzusetzen und so schuf die Kombination aus Regen und Sonnenschein eine schöne Stimmung. Vorbei an Bäumen mit deutlichen Biberspuren, verließ ich dann die Wutach kreuzte die Bundesstraße, sowie den Komplex der Fertigbaufirma Sto und kam an der Bahnhaltestelle Weizen an. Hier kann man mit der „Sauschwänzle“ Museumsbahn nach Blumberg fahren. Die Bahn hat ihren Namen aufgrund eines kurvenreichen Verlaufs, der wohl an einen Ringelschwanz eines Schweins erinnern soll. Die Bahnstrecke sollte mich den ganzen Tag auch begleiten.

    Ab hier ging es hoch in den Wald oberhalb der Bundesstraße und Wutach entlang. Auf dem Weg machte ich noch einen Abstecher zu der Museumsmühle Blumegg-Weiler und gönnte mir dort ein entspanntes zweites Frühstück. Zurück auf dem Weg, wechselte ich bei einer großen Brücke der Bahn auf die andere Seite der Wutach. Dort lief ich auf nassen, rutschigen Pfaden durch das Naturschutzgebiet Wutachflühen zum gleichnamigen Aussichtspunkt. Fast wäre ich auf einen Feuersalamander getreten, der es sich auf dem Trail gemütlich gemacht hatte.

    Die Wutachflühen sind eine lange Felswand oberhalb der Wutach. Dort am Parkplatz kam die Sonne raus und ich nutzte die dortigen Sitzgelegenheiten, um meine Regenklamotten auszuziehen und zu trockenen. Im Hintergrund hörte man die Musik einer Kapelle, die wohl anlässlich des Vatertags bei einem Fest in der Umgebung spielten. Während ich dort saß kamen auch mehrere Wandernde mit mehr oder weniger Gepäck vorbei, aber generell war nicht viel los.

    Nun trennte sich der Steig von der Wutach und nach einem kurzen Stück an einer Straße entlang, ging es eine steile Wiese hoch. Hier kam mit die erste Vatertagstour (drei Väter mit ihren Kindern) entgegen. An der Bielwasenhütte vorbei, entdeckte ich in der Ferne die Sauschwänzlebahn, die durch die hügelige und von Feldern geprägte Landschaft fuhr. Es ging ein Stück bergab und dann wieder auf den von Buchen und Bärlauch dominierten Buchberg. Bei gutem Wetter hat man hier einen schönen Ausblick auf die Alpen, leider waren mir zu viele Wolken im Weg und so konnte ich „nur“ den Ausblick auf das naheliegende Achdorf (mein heutiges Ziel), die Wälder, Felder und den Verlauf der Wutach genießen.

    Nun ging es runter nach Blumberg, wo ich mir bei einem Restaurant nahe des Sportplatzes ein spätes Mittagessen gönnte. Ich hatte mir für den ersten Tag extra nicht zu viel vorgenommen und hatte nicht mehr weit zu laufen, und so lies ich mir mit meiner Flädlesuppe, Schnitzel, Ofenkartoffel und Espresso eine Menge Zeit.

    Nach dem Essen kaufte ich mir noch 4 Snickers als Reserve an einem Snackautomaten und lief aus Blumberg heraus. Nun ging es steil, inklusive einer 8 m hohen Leiter, bergab zu den Schleifenbachwasserfällen. An einer Kapelle mit Getränkeschrank auf Spendenbasis machte ich noch einmal eine kurze Pause und blätterte in den ausgelegten Broschüren zum Schluchtensteig. Schließlich lief ich die letzten Meter zu meiner Unterkunft Schlafen im Stroh. Nach mehrmaligen vergeblichen Klingeln machte mir dann mein Gastgeber Nikolaus die Tür auf und zeigte mir, wo man im Garten zelten durfte. Hier gibt es einen super Zeltplatz für 12,50€ mitten im Dorf mit WC, einer Spüle, Wasserkocher und geschützter Sitzgelegenheit um die Ecke. Ich baute mein Zelt auf und hatte noch jede Menge Zeit. So trank ich in aller Ruhe Tee und ein Bier, das mir Nikolaus geschenkt hatte, während sich Regen und Sonne immer wieder abwechselten, schmuste mir der Katze, aß noch meine zwei 5 Minuten Terrinen und ging zeitig ins Bett.

  • Tag 2: Achdorf – Schluchsee-Aha (42 km)

    Im Vergleich zur vorherigen Nacht war diese deutlich ruhiger gewesen. Ich packte meine Sachen zusammen und genehmigte mir noch einen schnellen Instantkaffee. So ein Wasserkocher ist wirklich unkomplizierter Luxus.

    Zunächst ging es durch das verschlafene Dorf und dann an Weiden mit Schafen, Rindern und Pferden vorbei ins Nachbardorf Aselfingen. Dort wechselte ich die Seite der Wutach und ging über Forstwege weiter zur Wutachmühle. Ein verwaistes Zelt, eine Essens- und Getränkeausgabe sowie Bierzeltgarnituren waren die Spuren des gestrigen Vatertags. Kurz hinter der Mühle beginnt der schönste Abschnitt des Schluchtensteigs, die Wutachschlucht.

    Zunächst verläuft der Wanderweg über breitere Wanderwege, später über engere Pfade durch das Naturschutzgebiet. Es war immer noch ziemlich früh am Morgen und es war nichts los. So begleiteten mich nur das Rauschen des Wassers und das Zwitschern der Vögel. Die Schlucht wurde mit zunehmender Strecke immer enger und der Weg verlief mal direkt neben der Wutach, mal einige Meter über ihr. Am Wutachaustritt sprudelte versickertes Wasser unwirklich aus dem Berg ins Freie. Weiter ging es über enge Pfade entlang malerischer Felsgalerien. Das letzte Hochwasser hatte deutliche Spuren am Weg hinterlassen, sodass mancher Abschnitt mehr oder weniger provisorisch geflickt worden war. An manchen Stellen fragte ich mich, wie lange dieser Weg wohl noch begehbar sein wird. Ein großer Dank geht an den Schwarzwaldverein, der sich um diesen Weg kümmert!

    An der Schurhammerhütte machte ich eine kurze Pause, zog meine Regenhose und -jacke aus, aß ein paar Nüsse und genoss die ersten Sonnenstrahlen. Ein Schweizer Pärchen mit großen Rucksäcken und ein Tagesausflügler holten mich hier ein und legten ebenfalls eine Pause ein. Im Folgenden überquerte ich mehrmals die Wutach über Stege und ging an Wasserfällen vorbei, bis ich den ehemaligen Kurort Bad Böll erreichte, von dem aber nur noch eine Kapelle übrig ist. Es fing an zu regnen. Ich zog meine Regensachen wieder an, montierte den Schirm am Schultergurt und erntete dafür interessierte Blicke von anderen Wanderern. Dank der Kombination aus Schirm und Berghaus Hyper musste ich mir um den Regen keine Gedanken machen und konnte trockenen Hauptes weiterlaufen. Ich war ziemlich glücklich darüber. Der Regen wurde stärker und es ging weiter über wurzelige Pfade mit viel Schlamm. Mit den Stöcken hüpfte ich trockenen Fußes zwischen den Pfützen umher, ohne auszurutschen.

    Der steigenden Anzahl von Tagesausflüglern, die mir entgegenkamen, merkte ich an, dass ich mich langsam wieder der Zivilisation näherte. Sie versuchten staksend, den großen Pfützen und Matschlöchern mit ihren teilweise sehr schicken Schuhen auszuweichen – wenn sie nur wüssten, was ihnen noch bevorsteht! An der Schattenmühle angekommen, entschied ich mich spontan, einzukehren, um mich ein bisschen aufzuwärmen und den Regen vorbeiziehen zu lassen. Ich stärkte mich mit einer großen Tasse Kräutertee und einer großen, wenn auch ein bisschen angebrannten, Portion Kaiserschmarrn. Zwischendurch kamen auch die anderen Wanderer, die ich auf dem Weg getroffen hatte, an und nahmen an den Tischen um mich herum Platz – anscheinend brauchten auch sie eine Pause vom Regen.

    Von der Schattenmühle aus kann man einen Abstecher zu den Lotenbachwasserfällen machen. Das hatte ich leider nicht auf dem Schirm, weshalb ich dem Verlauf der Wutach weiter folgte. Es folgte das Räuberschlösschen, ein von Felsen eingerahmter Platz, der 80 Meter über der Wutach liegt. Ich verzichtete jedoch darauf, die rutschigen Felsen zu erklimmen, um die Aussicht auf die unten verlaufende Wutach zu genießen. Die malerische Mündung des Rotenbachs lud zum Verweilen ein, doch ich zog weiter. Als Nächstes erreichte ich den Ursprung der Wutach, den Zusammenfluss von Gutach und Haslach. Ab hier folgte ich der Haslach und kam an den Felsformationen Rechenfelsen und Höllochfelsen vorbei, bevor es dann teilweise über die ehemalige Strecke der Haslachbahn und asphaltierte Straßen nach Lenzkirch ging.

    Nach einem Resupply bei Edeka ging es wieder über eine Wiese zu einem Aussichtspunkt bergauf. Es folgten steile Schotterpisten, die das Schwendetal hinaufführten. Dabei kam ich an einem Bauernhof mit Schafen und Warnschildern über Wölfe vorbei, bis ich schließlich einen Grillplatz inklusive Quelle und den höchsten Punkt erreichte. Von dort aus ging es wieder bergab nach Fischbach. Mein linkes Knie fing leicht an zu schmerzen.

    Ich querte Fischbach mit seinen zwei Maibäumen, arbeitete mich weiter bergauf und machte einen Abstecher zum Aussichtspunkt Bildstein, den ich nur empfehlen kann. Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick auf den Schluchsee. Es war mittlerweile halb sieben und ich stieg wieder bergab. Schließlich erreichte ich mein heutiges Etappenziel, das Naturcamp Schluchsee in Aha.

    Mit den letzten Sonnenstrahlen baute ich mein Zelt auf und ging duschen. Es war inzwischen richtig kalt geworden. Die lauwarme Dusche war nach einem so langen Tag eine Wonne. Doch das Abtrocknen mit meinem viel zu kleinen Lappen wurde zur Tortur. Ich fing an, vor Kälte zu schlottern und zu bibbern. Heute Nacht sollte es richtig kalt werden, doch ich hatte aus Dummheit nur die Temperaturvorhersagen für Stühlingen angeschaut. Nun sollten es hier oben 0 °C werden, und ich Trottel hatte mir nur meinen neuen APEX133 Quilt (5 °C) eingepackt, weil ich von diesem Gear-Update so begeistert gewesen war. Kurzum zog ich – bis auf die Regensachen – alle übrigen Klamotten an. Am Campingplatz gab es wieder einen Wasserkocher, sodass ich ohne meinen Kocher ein warmes Essen zubereiten konnte. Na ja, ich hätte wohl weniger Spiritus einpacken können. Nach dem Essen opferte ich meine 1-Liter-PET-Wasserflasche, machte mir eine Wärmflasche und ging nach einem langen Tag ins Bett. Auf dem Campingplatz war an dem Abend recht viel los: Zwei Gruppen versammelten sich um die Feuerstelle, grillten, machten Stockbrot und feierten bis spät in die Nacht. Davon bekam ich allerdings nur im Halbschlaf etwas mit.

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