Tag 4: Todtmoos – Wehr (25 km)
Um halb vier wache ich auf, weil die Partygäste sich lautstark auf den Heimweg gemacht haben. Ich schlafe wieder ein, wache aber um 5:30 Uhr aufgrund der Kälte und der damit verbundenen Ungemütlichkeit erneut auf. Ich überlege kurz, raffe mich auf, betrachte das Eis auf meinem Zelt und gönne mir eine zweite heiße Dusche. Wenn ich schon für eine Nacht 18,50 € für den Platz bezahle, kann ich das auch nutzen. O-Ton der Betreiberin: „Du kannst so viel duschen, wie du willst.“ Gesagt, getan. Und es hat richtig gut getan.
Ich mache mir noch einen Kaffee und frühstücke ein Croissant von gestern. Motiviert hatte ich mir am Vortag einen Smoothie und eine Banane beim Edeka gekauft, um ein richtig gutes Frühstück zu haben. Bei diesen Temperaturen und dem eiskalten Zustand verzichte ich allerdings vorerst gerne darauf. Ich kratze das Eis vom Zelt, packe zusammen und verabschiede mich meiner Zeltnachbarin, die zwischenzeitlich auch aufgestanden ist.
Zuerst laufe ich zurück ins Zentrum, da ich keinen direkten Weg zum Trail finde. Das Thermometer der Sparkasse zeigt −2 °C an. Glücklicherweise verlasse ich Todtmoos über eine sonnenbeschienene Straße, die mich schnell aus dem schattigen Tal führt. Die Sonne tut gut und wärmt mich schnell auf. Ein Fuchs huscht über die Straße und flüchtet sich in den Wald.
Es geht durch den Wald, an Kuhweiden vorbei und durch kleine Dörfer. Auffällig sind die überall hängenden Plakate, die auf die vor sechs Jahren auf dieser Etappe verschwundene Scarlet hinweisen. Es ist schon eigenartig, der Fall liegt jetzt schon sechs Jahre zurück und bisher wurde keine Spur gefunden. Ich ertappe mich dabei, wie ich meine Umgebung unwillkürlich nach irgendwelchen Spuren absuche. Immer wenn ich meine Gedanken von dem Fall wieder losreißen kann, kommt ein weiteres Plakat und ruft ihn mir zurück ins Bewusstsein. Es fällt mir sehr schwer, die Tour einfach so zu genießen.
Es geht weiter an einem Wildtiergehege und Ziegen bei Todtmoos-Au vorbei, bis ich im Bannwaldgebiet Wehratal weit oberhalb der Wehra entlanglaufe. Es folgt ein Abstieg entlang eines schönen Bächleins und die Querung einer Straße. Hier mache ich eine kurze Pause, gönne mir Smoothie und Banane und strecke die Füße in die Sonne. Zwischenzeitlich treffe ich eine ältere Schluchtensteigwanderin mit großem Rucksack, mit der ich mich nett unterhalte. Immer wieder holt sie mich ein, wenn ich eine Pause mache. Sie spricht mich auf meinen kleinen Rucksack an und erzählt mir, dass sie bei ihrer Alpenquerung und auf anderen Wanderungen oft „gut gemeinte”, jedoch eher übergriffige Kommentare zu ihrem größeren Rucksack und dem damit verbundenen Gewicht bekommen hat. Ich stimme ihr zu, man sollte hier nicht dogmatisch rangehen und andere belehren, was besser oder schlechter ist. Lieber weckt mein kleinerer Rucksack das Interesse der anderen Person und dann kann man UL ein bisschen erklären.
Leider habe ich kein Glück und entdecke keine Gämsen, die hier in der Schlucht leben sollen. Stattdessen dringt der Lärm von Motorrädern, die auf der unterhalb verlaufenden Straße fahren, nach oben auf den Trail. Ich folge dem Weg durch den Wald, bis das erste Mal Wehr in Sicht kommt. Ich steige weiter ab und und erreiche die Wehratalsperre. Es geht weiter entlang der Wehra nach Wehr hinein, bis ich schließlich mittags den Trailhead am Busbahnhof erreiche.
Zufälligerweise findet heute ein Frühlingsfest in Wehr statt. Ich schlendere über das belebte Fest mit Bierwagen, Schülerband und Tanzaufführungen. Obwohl ich die Ruhe und Einsamkeit der letzten Tage genossen habe, genieße ich den Trubel auf seine Art, gönne mir noch etwas Leckeres zu essen, bevor ich in den Bus steige und über Basel schließlich nach Hause fahre.
Fazit:
Mir hat der Schluchtensteig im Südschwarzwald sehr gut gefallen. Ich finde den Trail mit Passagen über Wiesen, durch Wälder und entlang der Flüsse/Bäche in den Schluchten abwechslungsreich. Bei gutem Wetter wird man hin und wieder mit einem Blick auf die Alpen belohnt. Zudem verläuft ein großer Teil des Weges über Single Trails. Das Kernstück des Weges ist die Wutachschlucht, die mich mit ihrer natürlichen Schönheit und Ursprünglichkeit nachhaltig beeindruckt hat. Das satte Grün, das Rauschen und das Vogelgezwitscher waren echt traumhaft. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Trail aufgrund seines Verlaufs durch Schluchten auch im Sommer relativ angenehm zu laufen ist. Unterkünfte und Verpflegung sind auf dem Weg einfach zu finden. Bei der Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln muss man sich ein bisschen abstimmen, da man doch sehr ländlich unterwegs ist. Rundum finde ich, dass der Schluchtensteig ein gutes Gesamtpaket bietet und kann ihn nur empfehlen. 










