Hebridean Way | Wandern auf den Äußeren Hebriden (& Skye) in Schottland | August 2024

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  • Wandern auf den Äußeren Hebriden 

    Der Hebridean Way ist eine 250km lange Wanderroute über zehn Inseln der Äußeren Hebriden:

    • Für die Bikepacker interessant, es gibt auch eine Radlroute des Hebridean Way.
    • Durch die vorherrschende Windrichtung empfiehlt sich das Wandern von Süden nach Norden.
    • Der Weg führt über kleine Teerstraßen, mehr oder wenig moorige Pfade, entlang ewig langer Sandstrände, alte Karrenwege oder hier und da auch mal eher weglos. Im Allgemeinen ist der Weg ausgeschildert, allerdings nicht an jeder Wegkreuzung. Man braucht auf jeden Fall eine Karte (on- oder offline). Ich hatte einen GPX Track auf dem Handy und mir zuhause den Cicerone Guide eingescannt.
    • Je nach Guide wird der Weg von Vatersay im Süden nach Stornoway im Norden in 10-12 Tagesetappen aufgeteilt. Der offizielle Weg endet am Schloss in Stornoway. Man kann noch zwei Etappen dranhängen, wenn man bis zum nördlichen Punkt der Äußeren Hebriden zum Leuchturm am Butt of Lewis wandern möchte. Der Cicerone Guide teilt den Weg in 10 Etappen mit 16-35km Tagesetappen, die zwischen 150 und 880 Höhenmeter Anstieg haben.
    • Wildcampen ist zu den in Schottland geltenden Regeln erlaubt: https://www.outdooraccess-scotland.scot/

    Am Ende des Berichts schreibe ich auch noch etwas zu Anreise, Öffis, Einkaufsmöglichkeiten und Unterkünften. Aber nun zu dem, was wir alle sehen wollen, die Bilder und den Reisebericht. 8) Ich glieder den Bericht nach den drei großen Inselgruppen

  • Vatersay & Barra

    Es war mein erster Besuch in Schottland und die Busfahrt von Glasgow nach Oban war ein einziges Highlight. Ich wäre am liebsten überall ausgestiegen und los gestiefelt.


    Blick aus dem Bus etwas südlich von Loch Awe. Man sieht das Loch im Tal in der Ferne hervorblitzen.


    Der Hafen in Oban.

    Die Inseln Muck, Eigg und Rum gehören zu den Inneren Hebriden.

    Die Fähre bleibt bei der Fahrt durch den Sound of Mull zunächst in der Nähe der Küste. Der Blick öffnet sich etwas später und man sieht die Inneren Hebriden am Horizont vorbeiziehen. Ich sehe zum ersten Mal einen Delphin und später ein nachgebautes Wikingerschiff, dass unseren Weg kreuzt. Die zweite Hälfte der Fahrt geht über das offene Meer und da merkte man etwas den Seegang. Einigen Fahrgästen wurde übel, aber ich Landratte merkte glücklicherweise nichts.

    Castlebay auf Barra mit der Fähre, auf der ich angereist bin. Die Burg im Hafen verschwindet fast neben der riesigen Fähre.

    Nach 6 Stunden Fährfahrt kam ich in Castlebay auf der Insel Barra an. Ich hatte eine Übernachtung im Hostel gebucht, um mich von der langen Anreise zu erholen und dann am nächsten Tag zu starten. Doch es kam ganz anders und das setzte auch irgendwie den Ton für meinen Hebriden Aufenthalt. Der Gastgeber verkündete, dass wegen eines aufkommenden Sturms die Fähre außerplanmäßig sofort nach Oban zurückfährt und dann für zwei Tage keine Fähre mehr an- oder ablegen wird. Es wurde kurz hektisch für einige Gäste, mir brachte es den Vorteil, dass ich ein Zimmer für mich hatte.

    Nachts stürmte es eindrucksvoll, ich war etwas nervös, weil ich noch nie in einem Gebäude war, dass so von Windstößen gebeutelt wurde. Ich versuchte mich zu trösten, dass das Haus schon recht alt ist und schon ganz andere Stürme überstanden hat. Ich war daher sehr froh um mein Bett im Hostel und buchte am Morgen kurzentschlossen zwei weitere Nächte. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen bei dem Wind einen erholsamen Schlaf im Zelt zu haben und ohne Fährverbindung komme ich auch nicht weiter auf die nächste Insel im Norden.

    Die kleine Burg im Hafen. Die Wellen sehen gar nicht besonders eindrucksvoll aus. Aber ich muss um jeden Schritt gegen den Wind kämpfen.

    Gegen Mittag hörte der Regen auf und ich fuhr mit dem Inselbus nach Vatersay. Das war auch sehr abenteuerlich mit den Windböen und die Straße verlief teilweise direkt über der Küste. Vatersay ist eine Insel südwärts, die mit einem Causeway mit Barra verbunden ist und auf der der offizielle Startpunkt des Hebridean Way liegt. Ich wanderte durch die Dünen, genoss die Sonne, sah zum ersten Mal den Atlantik und machte mich dann zu Fuß auf den Rückweg. Allerdings nicht über den Trail, der geht gleich auf 300m hoch und mich wuppte der Wind schon in den windgeschützteren Lagen bei jeden Schritt etwas von den Füßen. Ich folgte der Straße, bei besseren Wetter sicherlich gut von Touristen befahren, aber ich sah keine drei Autos auf 11 km. So eine „geschlossene“ Insel ist schon was Feines. Auf dem Rückweg war ich sehr froh um meine Entscheidung die Hinfahrt mit dem Bus zu machen, denn auf einem kleinen Stück mit Gegenwind musste ich kurze Pausen im Wind abwarten um überhaupt 1-2 Schritte zu machen. Aber auch der Rückenwind- und Seitenwind sorgten am nächsten Tag für einen deutlichen Ganzkörper-Muskelkater.



    Vatersay hat ganz wunderbare Strände - die beiden oberen Bilder gen Osten in Richtung Minch und das untere zeigt die Atlantikseite. 


    Die Schmalseite der Start-Stehle des Hebridean Way vor dem Community Center. Es gibt öffentliche WCs und Duschen, tagsüber hat das Cafe geöffnet.


    Auf dem Hebridean Way. Nachdem man diese Bucht umrundet hat, geht es über den Berg in der Ferne hinüber (aber nicht für mich).


    Wer einmal mit so hübschen Ausblick abspülen möchte, quartiert sich im Hostel in Castlebay ein.

    Über Nacht regnete und stürmte es wieder wild. Am nächsten Tag erkundete ich die Westseite der Insel. Auch hier zu einem Großteil auf der Straße, weil der Trail quert die Insel zum Großteil im Landesinneren auf den Hügeln und da wollte ich nicht sein bei dem Wind. Außerdem konnte ich nicht anders als dem Drang zum Meer nachzugeben. Berge und schlechtes Wetter kann ich auch zuhause haben. Der Wind am Atlantik war mega! Einmal hat es mich komplett von den Füßen gehoben und ich lag auf den Knien im Sand. Ich bin kein Leichtgewicht, sondern wiege 90kg! Das wäre wirklich kein Tag gewesen um einen schweren Rucksack durchs Gelände zu tragen. Ich passierte den Campground, den ich ursprünglich als erste Übernachtung anvisiert hatte. War ganz leer, bis auf zwei Campervans. Und ich war sehr froh, nicht auf dieser Wiese direkt am Atlantik zu zelten.

    Eine typische Straße auf den Hebriden. Der Trail vermeidet, wo es geht die Straßen, aber manchmal gibt es keine Alternative. Wenn an einem Sommertag viel Verkehr ist, insbesonders mit Wohnmobilen, die fast die ganze Straßenbreite ausfüllen, ist es wahrscheinlich eher stressig als Fußgänger. Dank schlechten Wetter blieb mir das erspart. (Anmerkung: Symbolbild. 8) Der eigentliche Trail kommt links hinten vom Berg hinunter und verläuft dann erstmal am Strand.)


    Der Strand, an dem mich der Wind auf die Knie gelegt hat. Ich habe dann gut Abstand zur Wasserkante gehalten. 


    Einer der beiden Campingplätze an der Westküste von Barra. Der andere ist gleich ums Eck. Man sieht die Gebäude etwas weiter hinten. Wer bei Sturm auf einem CP zelten will, den empfehle ich diesen, da gibt es die Verschläge als Windschutz. Der andere CP ist dem Wind völlig ausgesetzt. 


    Eine Regenfront nach der anderen zog über die Insel. Hier sieht man die nächste heranrauschen.


    Hier verlässt der Trail die Westküste und geht zwischen und über die Berge im Hintergrund zum Fährhafen in Ardmhòr auf die Nord-Ostseite von Barra.

    Da ich den Rückweg nicht gegen den Wind ankämpfen wollte, hatte ich mir eine Bushaltestelle als Umkehrpunkt ausgesucht. Der Bus fuhr auch, nur an mir vorbei! Was war passiert? Die Haltestellen auf den Inseln sind zum Großteils nur Haltepunkte an Straßenkreuzungen oder Hofeinfahrten. Es gibt kein Schild oder eine anderweitig erkennbare Haltestelle. Man steht am Straßenrand und der Bus hält an. Wenn man denn auf der richtigen Straßenseite steht – im Land des Linksverkehrs! 8|:D Ich guckte kurz dumm aus der Wäsche, wechselte die Straßenseite und kurze Zeit später nahm mich ein Einheimischer mit.

  • Eriskay & South Uist

    Am nächsten Tag fuhren die Fähren wieder und ich beschloss weiterzuziehen und nicht auf besseres Wetter für den Trail über die Berge der Insel zu warten. Mit dem Bus ging es den Weg, den ich am Vortag gewandert bin, zur Fähre, die mich nach Eriskay übersetzte. Eriskay ist eine kleine Insel, die über einen Causeway an Uist angebunden ist. Uist setzt sich zusammen aus den Inseln South Uist, Benbecula, North Uist und Berneray, die alle über Causeways miteinander verbunden sind. Für die nächsten vier Etappen ist man also nicht von Fähren abhängig.


    Skulptur am Fährhafen in Armdhòr. Fischotter habe ich leider keine gesehen. Jedoch häufig ihre Spuren in Form von geknackten Muscheln und Krebsen.


    Als Fußgänger und Radler darf man als Erstes auf die Fähre.


    Auf jeder Insel wird man mit einem netten Schild in Empfang genommen.


    Kurzer Exkurs zum Wetter: Die Inseln hatten seit Mai keinen einzigen trockenen Tag gesehen. Laut Einheimischen der nasseste und kälteste Sommer seit den 70ger Jahren. Solche Superlative werden schnell dahin gesagt, aber es bleibt dabei, dass es wirklich sehr nass war. Also so nass, dass man auf jeden Weg, der nicht Asphalt oder Strand war im Nassen ging. Selbst Rasenflächen waren so häufig so gesättigt, als hätte es gerade einen Starkregen gegeben.



    Gleich am Fähranlieger wartet dieser perfekte Strand auf mich. Eriskay ist schnell durchwandert. Der Berg im Hintergrund ist schon die nächste Insel.


    Hello Sunshine ... and goodbye (10 Sekunden später)


    Echt alle Warnschilder mit Tieren waren mit Kulleraugen nachgerüstet. <3


    Perfekte Reisezeit für die Heideblüte


    Heute ist ein Tag mit viel Straßenhatscherei. Aber hübsch! 


    Hier plauderte ich mit einem Herren, der den Rasen vor meinen Füßen gemäht hat. Auch er ist begeistert von einem halbwegs sonnigen Tag noch dazu ohne Touristen. Als ich entgegnete, dass ich doch auch ein Tourist bin, meinte er lachend: Nein, du bist ein Wanderer. Anscheinend der "bessere" Tourist in seinen Augen. Finde ich ja auch!


    Mustergültige Ausschilderung


    Endlich runter vom Teer.


    Ich dachte kurz nach, wie wohl die Nachtruhe werden wird und buchte mir eine Unterkunft in einem Hostel in Daliburgh.

    Über die wogenden Felder geht es nach Daliburgh.


     Well, well ... every sign has a reason (Für jedes Schild gibt es einen Grund.)


    Am nächsten Tag legte ich einen slack packing Tag ein. Wandern mit Tagesgepäck nordwärts und mit dem Bus zurück. Ich wollte das gute Wetter ausnutzen und so viele Kilometer wie möglich entlang der Küste wandern. Gutes Wetter: weiterhin böiger starker Wind. Nicht mehr so fies wie die Tage zuvor. Durchziehende Regenfronten mit durchaus etwas Sonne. Dort wo der Trail von der Küste ins Landesinnere geht (Drimsdale) nahm ich den Bus zurück.


    Langsam habe ich Übung darin, die erhöhte Luftfeuchtigkeit eines von hinten herannahenden Regenschauers zu erkennen und kann rechtzeitig alle RVs der Regenbekleidung schliessen.


    Gleicher Standpunkt, gleicher Zeitpunkt. Oben der Blick nach Süden (noch 1-2 Minuten bis zum nächsten Guss) und und unten der Blick nach Norden. Man sieht in der Ferne noch den Guss, der vor 2 Minuten durchzog.


    Sand ist mühsam zu bewandern. Aber ich kann nicht genug davon bekommen.


    Ist doch nicht so neblig hier! Meine Brille nach 4h wandern am Meer.


    Am nächsten Tag habe ich ein Stück übersprungen, da der Weg laut Cicerone sehr nass sein soll, außergewöhnlich nass. Also auch in normalen Sommern. Das sieht man gut auf der Karte, es ist ein sehr flaches Land durchsetzt mit einer Unzahl von Seen. Da hatte ich einfach keinen Bock drauf, bei Regen waagrecht und schlechter Sicht im Sumpf herumzuwaten. Der Wind nahm auch wieder zu mit Sturmwarnung für die nächsten 2-3 Tage. Die nächsten Tage sollten auch keine Fähren fahren, was einerseits etwas über die Stärke des Sturms aussagt und zweitens mir die Möglichkeit von freien Betten im Nunton Hostel auf Benbecula schenkte.


    Ich nahm den Bus bis Creagorry und wanderte 10 km entlang der Küste zum Hostel. Ich wollte ja nicht nur Buswandern. Aber die Entscheidung habe ich unterwegs schon leicht verflucht. Das waren die anstrengendsten 10km meines Lebens, das war schlimmer als 10km und 1500 Höhenmeter bei Schietwetter in den Alpen.

    Blick aus dem Bus. Ich finde, die Farben sehen schon fies aus.

    Sieht unschuldig aus. Wäre das Bild vertont, würde man meine Flüche hören, nicht 10 Minuten länger Bus zu fahren sondern hier entlang zu wandern. Aber! The Trail provides: Am nächsten Strand treffe ich auf eine Gassigeherin, mit der ich mich schreiend unterhalte und wie im Flug sind 4 km vorbei.


    Hübsch, aber die Aufenthaltsqualität lässt heute zu wünschen übrig.


    Irgendwann sind es nur noch 2km Strasse bis zum Hotel. Mehrmals weht es mich einen Schritt in die Strasse hinein. Wie gut, dass so gut wie kein Verkehr ist.


    Am nächsten Tag wanderte ich „nur“ zum Supermarkt in Balivanich, mit etwas Umwegen entlang der Küste 10 km. Hat auch gut gereicht, nach dem Tag zuvor. Aber ich wollte unbedingt die Küche des Hostels ausnutzen um frisch zu kochen und wir wurden gewarnt, dass man am nächsten Tag nicht rausgehen sollte. Der Wind hätte etwas dagegen.

    Riesige Sanddühnen. Ich bin schwer beindruckt!


    Bilderrätsel: Wer oder was macht diese Spur?


    Ungefähr 40 Bilder später, endlich der erwünschte Schnappschuss!


    Ich glaube die Wikinger haben ein Schaf vergessen.


    Hello! 

    Die Prognose bezüglich Windstärke für den nächsten Tage traf ein. Wir haben zu dritt versucht die Haustür gegen den Wind nach außen aufzustemmen. Keine Chance. Ausgang nur über den geschützten Hinterhof. Der ganze Tag Regen waagrecht. Ich die meiste Zeit auf der Couch Bücher zur örtlichen Geschichte lesend. Ein perfekter Urlaubstag!

  • Wunderbar!

    Manchmal finde ich es schade, das hier verhältnismäßig wenig Reiseberichte geschrieben werden.

    Jetzt, innerhalb kürzester Zeit, zwei wunderbare Skandinavienberichte und deiner aus Schottland!

    Sehr schön geschrieben, tolle Bilder!

  • Manchmal finde ich es schade, das hier verhältnismäßig wenig Reiseberichte geschrieben werden.

    Das finde ich auch! Schreiben fällt mir nicht leicht. Daher habe ich das Thema immer weiter prokrastiniert. Aber nun wollte ich es endlich auf den Weg bringen. Und siehe da, es macht total Spass! Quasi der Urlaub nach dem Urlaub. Ich war gestern Abend so entspannt, als wäre ich gerade aus dem Urlaub zurückgekommen. :love: Also traut euch! Schreibt Reiseberichte! Besser kann man seine Online Zeit nicht verbringen. 8)

  • North Uist

    Es ergab sich die Möglichkeit einen Ferienhaus-Pod anzumieten für drei Tage in ganz wunderbarer Lage. Und ich war gerade so angefixt frisch zu kochen und brauchte etwas me time ohne andere Leute. Ich überspring also fürs erste North Uist mit dem Bus und quartierte mich am Nordende der Insel ein.

    Der kleine Laden auf Berneray. Der alles hat, was der Wanderer braucht. Und ein feines Bistro mit köstlichen Seafood Gerichten.

    Der Laden führt sogar UL-Heringe! ;)

    Vollmond um 4 Uhr morgens. Eine Windstille hatte mich aufgeweckt.


    Blick aus der Unterkunft


    Eine kurze Pause zwischen den Stürmen nutzte ich um mit dem Bus wieder zurückzufahren und einen Teil des übergesprungenen Stücks zu wandern.

    Zeitreise ins 19. Jahrhundert? Tiere, okay. Aber von Pferden gezogene Fahrzeuge?


    Wirklich, jedes Schild! :thumbup::love:


    Die wenigen Bäume sind hier eingezäunt, damit sie nicht weglaufen. 


    Die ersten Kilometer verlaufen über eine Teerstraße, aber mit diesen Ausblicken ist mir nicht fad. Dahinten, über den linken Hügel wird mein Weg führen.


    Schild vorhanden, Weg nicht. Da vorne eine Holzbrücke, aber dann?


    Das muss er sein!


    Solche Steine im Moor nutzen die Fischotter um Meeresfrüchte aufzubrechen.


    Yay, ein Regenbogen! 


    Hier musste ich mich in den Schutz der Heide hinkien, weil ein paar durchziehende Böen mich umschubsen wollten. 


    Einmal flachgelegt. Ganz ohne Wind. Moorbäder sollen ja bei Gelenk- und Muskelschmerzen helfen.


    Hübsch hier ... dachten sich auch die Midges.

    Hier machte ich meine erste Bekanntschaft mit den schottischen midges. Ich überquerte eine Brücke und stand danach im Windschatten eines Bergs am Bach und dachte mir, wow was für eine Stille! Herrlich!!! Der erste Moment ohne Wind seit einer Woche? Ich überlegte mir hier Pause zu machen, obwohl ich erst kurz unterwegs war. Sonnig, windstill ... und dann hatten sie mich entdeckt. Schnell weg hier!

    Kurz darauf kaufte ich Smidge (DAS schottische Midge Abwehrmittel für die Haut) und ein midge head net im Laden auf Berneray. Gebraucht habe ich es nicht mehr. Pack your fears! ^^


    Am Fuß der Hügel rechts von der Bildmitte bin ich gestartet und dann zigg zaggt der Weg sich durch Seenplatte.

    Es ist übrigens alles Meer- oder Brackwasser. Trinkwasser gibt es erst wieder auf der anderen Seite des Berges. Darauf muss man auf dem Hebridean Way achten: nicht alles was vom Ufer aussieht wie ein See, ist auch trinkbares Süßwasser. Das Brackwasser kann sich kilometerweit ins Landesinnere ziehen und tarnt sich als Seenplatte.

    Als Alpenbewohner war ich ja so naiv und dachte, dass der Sumpf aufhört, sobald es mal bergauf geht. Da haben die schottischen Hügel mal gut gelacht :D Allerdings ähnelt die Schrittfolge einem Anstieg in einem Schuttkar: 2 Schritte hoch, dabei 1 Schritt zurückrutschen.


    Fast Gipfelblick. Der Weg verläuft knapp unterhalb vom Gipfel und ich war zu träge um durch den Morast hochzustiefeln. Am Horizont das offene Meer.


    Blick nach Norden. Man sieht die Insel Berneray und den Causeway, der sie mit North Uist (wo ich gerade bin) verbindet. Im Hintergrund die Insel Harris. Das nächste Ziel.


    In dem See dort unten ist eine Burgruine. Die Burg ist nur über Trittsteine im Wasser zu erreichen. Leider war das Wasser dieses Jahr so hoch, dass die Trittsteine kaum noch zu erkennen waren und ich hatte bei dem Wetter auch keine Lust im wadenhohen Wasser herumzustochern. Eine Windböe und platsch. Sehr schade, das hätte ich gerne erkundet.


    Das einzige Bild vom Abstieg, denn Sekunden später spülte und wehte mich eine Regenfront vom Berg runter.


    Das Glück ist mir hold. Für 20 Minuten bleibt es trocken und ich kann endlich mal entspannt mit den Füßen ins Meer platschen.


    Im beginnenden Regen ziehe ich schnell die Schuhe an und werde auf dem letzten Kilometer noch einmal komplett durch die Waschmaschine gejagt.


    Und kaum bin ich bei meiner Unterkunft angelangt, kommt die Sonne heraus um alles zu trocknen. 


    Und so sieht es in diesen Pods aus: Bett, Couch oder Esstisch, kleine Küche und ein winziges Duschbad (nicht im Bild, da stehe ich drin zum fotografieren).


    Einen weiteren Tag vegetierte ich gemütlich im Pod vor mich hin, da es sehr stürmte. Es fuhren keine Fähren und keine Busse. Es wehte so arg, dass ich die Tür nur in kurzen Sturmpausen einen Spalt weit aufstemmen konnte. Und ich hatte Bedenken, dass ich alleine nicht wieder zurück hineinkomme. 8|

    Es ist so nass, dass selbst die Schnecken ins Trockene wollen. 

  • Harris & Lewis: Teil 1 - die Wanderung

    Ich hatte zwar noch ausreichend (Sabattical)-Zeit, aber so langsam wurde es eng im Zeitplan, wenn ich nach den Hebriden noch auf Skye wollte. Also übersprang ich den südlichen Teil von Harris sobald die Fähren wieder fuhren. Harris und Lewis sind eigentlich eine Landmasse, werden aber aber als zwei Inseln geführt. Die Trennung verläuft auch nicht an der Engstelle in Tarbert, wo eine schmale Landbrücke das Vorhandensein von zwei Inseln suggeriert, sondern eher random auf der größeren „Insel“, entlang eines Bachs? :/


    Am Fähranleger in Berneray gibt es einen Stehle, die die Hälfte des Hebridean Ways markiert.


    Ich lieeeebe Bootsfahrten! :love:


    Ankunft in Leverburgh. Die Überfahrt war teilweise recht wild. Das Schiff kippte munter noch oben, unten, rechts, links. Glücklicherweise macht mir das nichts aus.


    Vom Fähranleger spazierte ich durch den Ort zum Supermarkt. Und wartete dann auf den Bus. Da diese Fährverbindung tidenabhängig ist, stimmt der Busfahrplan nicht immer mit dem Fährfahrplan überein. 

    Man kann sich von den Bussen übrigens auch zwischen den Haltestellen absetzen lassen. Ich zeigte dem Busfahrer auf der Karte, dass ich an dem Abzweig zur Coffin Route abgesetzt werden möchte. Kein Problem!

    Coffin Route? Eine grausame Periode in Schottland sind die Clearances. Eine Zeit, in der die Grundbesitzer die Bauern von der fruchtbaren Westküste zur kargen Ostküste vertrieben haben. Damit sie mehr Schafe züchten können, denn Schafe brachten mehr Geld ein, als die Landwirtschaft der Bauern. Nur der Friedhof war noch an der Westküste, deswegen gibt es Coffin Routes über das Gebirge, damit zumindest die Toten in der Heimat bestattet werden konnten.

    Apropos Clearances, der Busfahrer hat mir da etwas erzählt:

    Der Busfahrer erkannte bei mir einen kanadischen Akzent (was auch prinzipiell stimmt, dort habe ich maßgeblich Englisch gelernt, aber ich würde sagen, dass der inzwischen nicht mehr ausgeprägt ist und das denglische überwiegt). Er hat nämlich Verwandtschaft in Kanada. Lustigerweise im Nachbarort von meinem damaligen Wohnort. Beide Orte liegen im sehr spärlich besiedelten Norden Ontarios, das ist also schon sehr zufällig. Es wird jedoch noch zufälliger: Der Busfahrer war nur einmal in seinem Leben von den Inseln herunter, für eine Beerdigung in Edinburgh. Dort wartete er auf den Zug und kam mit einem kanadischen Geschäftsreisenden ins Gespräch. Der fragte ihn nach den Inseln aus, weil seine Vorfahren Ende des 19. Jahrhunderts von Harris emigriert sind. Der Busfahrer lud den Kanadier ein ihn zu besuchen. Das klappte auch ein paar Jahre später. Währenddessen begab sich der Kanadier auf Ahnensuche und sie fanden heraus, dass sie direkt miteinander verwandt sind. Ihre (Ur-?)Großväter sind Brüder, die sich nach der Emigration aus dem Blick verloren haben. Ohne die Beerdigung in Edinburgh hätten sich die beiden nie gefunden. Er sagt, sie telefonieren jede Woche miteinander weil sie sich so eng wie Brüder fühlen. <3


    Das sind übrigens die letzten Sandstrände auf dem Hebridean Way. Der Wanderweg führt rechts oberhalb der Straße entlang einer Bergflanke. In der Bucht links ist ein Campingplatz. Bei etwas zahmeren Wetter sicherlich ein Traum zum Übernachten.

    Von Seilebost folge ich der Coffin Route nach Grosbay. Dort wartet ein Caravan auf mich für die nächsten zwei Nächte. Nach den Strandetappen ist das für mich die schönste Etappe.


    In das Trogtal führt der Weg.


    So sieht es auf der anderen Seite des Übergangs aus. Der Trail geht hinter in Richtung See und steigt danach wieder an und quert die Berge im Hintergrund.


    Rückblick auf See und Übergang.

    Ruinen aus den Zeiten der Clearances sind überall entlang des Weges zu finden.



    Die Ostküste ist erreicht und der Weg dreht ab nach Norden.

    Auf einmal wurde der Weg weich wie ein Teppich. Warum sind nicht alle Wanderwege so fußfreundlich? ^^

    Erst in den 1930er Jahren wurde eine Straße entlang der Ostküste gebaut. Der Weg auf dem ich heute wandere war der Hauptverbindungsweg bis dahin.


    Ich möchte tagelang durch diese Landschaft streifen.


    Doch die Bequemlichkeit siegt und hier wartet ein Caravan auf mich.


    Rechts im Regal liegen die nutzlosesten Gegenstände auf meiner Hebriden Tour: Zelt & Thermarest :D


    Am folgenden Tag wandere ich nach Tarbert und fahre wieder mit dem Bus zurück. Nach der hügeligen Etappe am Vortag ist das eine richtig schön erholsame Wanderung.

    Auch die Schafe suchen Schutz vor dem Wind.

    Robben durch mein UL-Teleobjektiv fotografiert (mein Monokular).


    Jeder Regen, der so hübsch fotogen aussieht wird dich früher oder später treffen.

    Der Hafen in Tabert. Ich kaufe mir etwas fürs Abendessen ein und mache eine recht ausgiebige Pause auf einer windgeschützten Bank in der Sonne. Dabei werden trail stories ausgetauscht mit zwei Bikepackern aus London.

    Sie schauen harmlos aus, aber haben mich mit ihrem Geblöke die ganze Nacht wach gehalten.

    Auf den nächsten drei Etappen bleibt man im Landesinnern von Lewis bis zur Ankunft am Zielort Stornoway. Mir geht es an heute Morgen gar nicht gut. Aufgewacht mit Kopfschmerzen, die Beine schwer wie Blei. Doch erst einmal geht es mit dem Bus nach Tarbert, die Etappe vom Vortag ist schnell abgefahren. Im Bus möchte jemand von mir wissen, ob Schwarzwälder Kirschtorte so gut schmeckt, wie sie aussieht. Er hätte da ein YouTube Video gesehen. Da fragt er genau die richtige Person, die kein Gluten verträgt, laktoseintolerant ist und Alkohol meidet. ^^ Natürlich bestätige ich ihm, dass das die beste Torte der Welt ist!

    Wusstet ihr, dass die zotteligen Highland-Kühe in Schottland als Coos bezeichnet werden (ausgesprochen wie Kuh)? Und dass es auf den Hebriden eine eigene Rinderzuchtlinie gibt, die kurzhaarig und eher klein und kompakt ist? 


    So sieht das aus mit den einspurigen Strassen und Wohnmobilen. Oftmals gibt es keinen Strassenrand auf denen man ausweichen kann. Häufig ist da entweder ein kniehoher Rand oder ein knietiefer Graben ...


    Endlich wieder Trail unter den Füßen.


    Rückblick. Die Route führt den See entlang.


    Das Wetter wird stündlich greisliger. Irgendwann schüttet es durchgehend. Der Wind hält sich nicht an die Abmachung und kommt auf einmal von vorne, von Norden. Regen waagrecht von vorne ist als Brillenträger nur so semi-lustig. Und dann fühle ich mich so unfit. Ich schwitze und friere abwechselnd. Mein Puls ist deutlich erhöht. Ich komme kaum voran. Der Hals schwillt zu, starke Schmerzen beim schlucken. Nirgendwo ein Platz für eine Pause. Nur Wind und strömender Regen. Irgendwann kauere ich mich einfach auf dem Boden hinter meinen Rucksack, versuche ein paar Schluck zu trinken und suhle mich im Selbstmitleid. Ich raffe mich auf, ich muss aus diesem zugigen Hochtal heraus. Ich stapfe Schritt für Schritt mit Blick auf den Boden fixiert durch knöcheltiefen Morast. Immerhin ist es nicht boggy, sondern unter dem Morast relativ fest. Aus den Regenschwaden taucht ein Bushäuserl auf. Ein Bushäuserl? Wo kommt das jetzt her und existiert es wirklich?

    Genau an der Stelle wo der Trail die Hauptverkehrsader gen Süden überquert (das entspricht einer einspurige Landstraße niederer Ordnung in DE) gibt es ein Bushäuserl, so mit Dach und Wänden. Ganz ungewohnt für die Hebriden. Man merkt wohl die Nähe zum Hauptort? Die Schafe mögen den Unterschlupf übrigens auch zum Scheißen gern. <X Ein Hoch auf mein Stück Tyvek um meinen Rucksack abzustellen. Erst einmal raus aus den nassgeschwitzten Sachen. Die warmen, trockenen Schlafsachen an. Damit ist eigentlich der weitere Lauf der Dinge besiegelt, ich realisiere dass nur noch nicht in meinem Fieberdunst. Tee gekocht für die Nalgene. Nudelsuppe gekocht und mir rein gezwungen. Einen Zustand erzielt, in dem ich wieder Entscheidungen treffen kann. Fährt hier überhaupt ein Bus? Ja, in einer Stunde nach Stornoway.


    Blick aus dem Bushäuserl.

    In Stornoway ist ein Bett im Hotel zu haben. Leider nur eine Nacht. Aber egal. Der Bus erscheint. Es ist ein neuer hochmoderner Mercedes Reisebus. Kurz bin ich mir nicht sicher, ob das ein Fiebertraum ist. Die bisherigen Busse waren so 9-Sitzer Minibusse. Aber vorne steht Stornoway dran. Also steige ich mit all meinen Bazillen und dem Gestank des Schafkots an meinen Sachen ein. Glücklicherweise verlieren sich nur fünf Leute im Bus. Ich hoffe, ich habe niemanden angesteckt oder mit meinem Gestank belästigt. Es ist muckelig warm. Ich könnte gerade ewig in dieser fahrenden Sauna über die Landstraßen cruisen.

    Auf der Fahrt plobbt auf AirBnB eine Ferienwohnung für vier Tage auf. Ich schlage sofort zu. Dieser Infekt sieht nicht aus, als ob er sich morgen verzieht. Ich bekomme eine Bestätigung. Ich storniere das Hotel. Ich bekomme eine Absage! Sie haben einen Todesfall und können die Wohnung nicht reinigen. Ich schreibe sofort zurück, dass ich eine Unterkunft brauche egal in welchen Zustand. Der Gastgeber lässt sich drauf ein. Puuuh, was für ein Minidrama.

    Und gleichzeitig mein Glück. Ich kann sofort in die Wohnung, obwohl es erst mittags ist. Der Schlüssel steckt von innen und jemand hat noch ein Paket Bettwäsche und Handtücher auf den Tisch gelegt. Ich verbringe die nächsten 24h schwitzend und schlotternd im Bett und erfreue mich erst dann an der frischen Bettwäsche. #hikertrash

  • Lewis: Teil 2 - Erholungsurlaub

    Am letzten Tag meines Aufenthalts in Stornoway fühle ich mich wieder einigermassen fit und besuche das Schloss inklusive Museum und den wunderschönen Schlosspark. Das Museum kann ich sehr empfehlen, man lernt sehr viel über die Inseln und es ist sehr ansprechend und modern aufbereitet. Der Schlosspark besteht aus vielen, alten Bäumen. Ein Balsam für meine Seele. Ich wusste nicht, wie sehr ich Bäume vermisst hatte, bis ich mitten im windstillen Wald stand und die würzige Luft einatmete. Zumindest bis die Midges auftauchten!

    Schaut euch die Menschenmassen auf den Stegen an!


    Wald! Bäume! :love:

    Der offizielle Endpunkt des Hebridean Way steht unterhalb vom Schloss an der Burgmauer zum Hafen. Etwas versteckt in einer Ecke vom Parkplatz des Woodlands Cafe.

    Falls euch die Mauer und Turm im Hintergrund an die Chinesische Mauer erinnert, dann seht ihr das richtig. Das Schloss gehörte irgendwann mal jemanden der mit Tee und Opium reich geworden ist. Und die Mauer war ein Hochzeitstagsgeschenk der Schwiegermutter. HochzeitTAGSgeschenk, nicht Hochzeitsgeschenk.

    Der gleiche Typ hat übrigens nicht nur das Schloss gekauft, sondern die gesamte Insel Lewis. Als die chinesische Regierung anfing Opiumschiffe zu konfiszieren, haben sie sich unter dem Deckmantel des "freien Handels unter Nation" an die britische Regierung gewandt und das führte dann zu dem ersten Opiumkrieg, den China verlor.

    Das Schloss mit einer bewegten Geschichte.

    1918 wechselte die gesamte Insel wieder den Besitzer. Diesmal an Lord Leverhulme. Der hatte visionäre Ideen von einem Venedig des Nordens, er plante die Fischerei auszubauen, Chemieindustrie anzusiedeln, E-Werke, sowie Straßen und Schienen zu bauen. Er baute Arbeitersiedlungen und hatte das Ziel das Leben der Bauern zu verbessern. Doch die hatten kein Bock auf solche Bevormundung. Der erste Weltkrieg war zu Ende und vielen schottischen Rekruten war versprochen wurden, dass sie ihr eigenes Stück Land bekommen. Ein big deal zu Zeiten, als das Land seit Generationen von Großgrundbesitzern an die Bauern (im besten Fall) verpachtet wurde. Seine geschäfte liefen nicht so gut, so brach er das Experiment ab und schenkte das Schloss und die Ländereien an die Menschen der Insel. Und daher können wir uns nun alle an dem Schloss und den Ländereien des opiumdealenden Erstbesitzers erfreuen. PS: Das Lever im Namen von Leverhulme ist das Lever in dem heutigen Markennamen Unilever.


    Da ich noch sehr wackelig auf den Beinen war, und sich in einer Traumlocation eine Übernachtungsmöglichkeit ergab, nahm ich mir für drei Tage ein kleines Mietauto um die Insel zu erkunden. Das Autofahren fand ich mental sehr anstrengend wegen Linksverkehr (und Erkältungsschädel), aber es ist nun auch nicht viel los auf der Insel nach dem Ende der Schulferien. Es klappte also ganz gut.

    Zuerst fuhr ich von Stornoway nach Norden in Richtung North Tolsta. Wenn man noch über den Endpunkt hinaus zum nördlichsten Punkt der Insel wandern will, verläuft der erste Tag viel an Straßen, auch viel-befahrenen. Ich habe von mehreren gehört, die den ersten Tag per Busfahrt übersprungen haben und dann erst in North Tolsta losgewandert sind.

    Ich hielt an mehreren Stränden um meiner Leidenschaft des Strandspaziergangs ausgiebig zu frönen. Im Bild sieht man auch einen Friedhof. Die sind auf den Hebriden typischerweise außerhalb der Ortschaft in der Nähe zum Meer angelegt. Angeblich, weil man dort leichter graben kann.


    Hier sieht man Überbleibsel von sogenannten lazy beds. Lazy war aber nichts daran. Um in der kargen Erde und dem nassen Moorboden überhaupt etwas anbauen zu können, wurde die Erde aufeinander gestapelt, quasi zu Hochbeeten. Was für eine Plackerei!


    Was wäre ich hier gerne losgestiefelt. Aber mein Puls ging selbst ohne Rucksack bei moderaten Anstiegen ab wie eine Rakete. 


    Meine nächste Unterkunft. Direkt am Uig beach im Nordwesten von Lewis.


    Gut vertaut!


    Was für eine Begrüßung!

    Der nächste Tag war regnerisch und ich noch etwas angegriffen. Ich nutzte die Gelegenheit um bei besten Ausblick die Logistik der nächsten Wochen zu planen. Es stand die Frage im Raum, ob es überhaupt noch Sinn macht im Anschluss Skye zu besuchen. Der Infekt ist noch nicht überwunden und ich möchte an einem bestimmten Tag wieder zuhause sein für eine Feier. Ich war sehr froh, dass ich das alles hier mit einem Dach über den Kopf, ausgeruht und wieder ausreichend ernährt entscheiden konnte.

    Dann war es Zeit für die Grand Tour der Nordküste (per Auto) 

    Callanish Stones - drei weitere Steinkreise und unzählige standing stones (also einzelne Steine) aus dem Neolithicum sind in der Nähe gefunden worden.


    Arnol Blackhouse - ein Freilichtmuseum, in dem es Gebäude mit Einrichtungen zwischen 1880 und 1960 zu besichtigen gibt. Am meisten beindruckt hat mich die Vorführung eines mechanischen Webstuhls zur Herstellung von Harris Tweed, einem wichtigen (und unglaublich schlecht bezahlten) Nebenverdienst der Bauern.


    Butt of Lewis mit einem Stevenson Leuchtturm, der nördlichste erreichbare Punkt der Hebriden


    Abendspaziergang entlang des riesigen Sandstrands vor meiner Unterkunft. 4km lang ist die Umrundung bei Ebbe, 2 km bei Flut. 

    Genau hier war jetzt der Punkt erreicht , wo ich fühlte, ich habe (für diesmal) genug gesehen. Genug Strand Spaziergänge gemacht. Ich kann die Inseln verlassen.

    Und dann kam noch die Abschiedshow in der Nacht. Hach!


    Der nächste Tag war der erste warme Tag auf den Hebriden. Ich packte meine Sachen zusammen und unternahm einen Abschiedsspaziergang auf dem schönsten aller schönen Strände. Die Dame im lokalen Laden sagt: the first day of summer (Es war der 1.September).

  • Anreise 

    Ich bin von Innsbruck nach Manchester geflogen und von dort mit dem Zug nach Glasgow. Der Umstieg in Manchester ist einfach, da der Flughafen eine Bahnstation hat. Die Zugfahrt war landschaftlich sehr schön, wenn auch sehr laut, da die Partycrowd am Freitag Abend unterwegs war. Der Weg vom Bahnhof zum Hotel in Glasgow kurz vor Mitternacht war dann auch ein spezielles Erlebnis. Einmal durch die Partystraße. Am nächsten Tag ging es sehr früh per Bus weiter nach Oban zur Fähre. Nach knapp 6h Fahrt erreicht man Castlebay auf der Insel Barra.

    Es gibt mehrere Fährverbindungen, z.B. von Oban, Mallaig, Uig (Skye) oder Ullapool. Für den Hebridean Way empfielt sich die Verbindung Oban – Castlebay oder ein Flug zum Barra Airport. Die Fährverbindung im Norden nach Stornoway ist etwas kürzer. Jedoch muss man mindestens 1-2 Tage Zeit einkalkulieren, falls man erst in den Süden reisen möchte, um dort zu starten.


    Öffis

    Man kann gut mit den öffentlichen Bussen die Inseln erkunden, wenn man etwas Zeit mitbringt. Es gab keine direkte Nord-Süd Expressverbindung, sondern jede Insel (-gruppe) hat seine eigene Ringbuslinie, die dann durch Fährfahrten verbunden werden können. Aufpassen, am Sonntag fahren keine Busse, und Fähren fahren nur sehr eingeschränkt. Bustickets konnte ich mit Karte direkt beim Einstieg lösen. In meiner Erinnerung war es sehr günstig, zwischen 2-5 Pfund, je nach Streckenlänge.

    Bei Bussen und Fähren lohnt es sich den Fahrplan gut zu studieren. Einige Fährlinien sind tidenabhängig an einigen Tagen im Monat. Und die Busverbindungen sind in den Schulferien sehr ausgedünnt.

    Für die Fähren gibt es von dem Betreiber CalMac eine nützliche App, in der man sehen kann, ob eine Fähre wetterbedingt nicht fahren kann. Als Fußgänger kommt man eigentlich immer auf die Fähre, wurde mir gesagt. Ich habe am Vorabend online gebucht, es war nie ein Problem. Mir haben Bikepacker erzählt, dass sie nach einem Sturm nicht sofort an Bord konnten, weil der Andrang nach 2 Tagen Unterbrechung so groß war und es nur eine begrenzte Anzahl von Fahrradplätzen gibt. Wer zeitlich nicht viel Puffer hat, bucht Fähren besser vor.


    Einkaufen 

    Gaskanister: sicherlich in Glasgow, für mich aufgrund der Reiseplanung nicht möglich. In Oban gab es in 100m Umkreis von Fähre, Bahnstation und Fernbushaltestelle am Hafen zwei Outdoor/Sporthändler die Kartuschen verkaufen. In Castlebay gibt es gleich oberhalb vom Hafen die Buth, eine Kombination aus Tourist Info und Laden, der neben allem was der Tourist so vergessen könnte (midge net, Smidge, Gaskanister, Sonnencreme, Mütze …) auch unverpackte Lebensmittel anbietet, sowie Handarbeitsmaterialien. Unbedingt hineinschauen. Auf der Insel Berneray (auf der Hälfte der Strecke) gibt es auch Gaskanister zu kaufen. Es gibt auf der Insel nur ein paar Häuser und einen Laden (mit Bistro), ist nicht zu verfehlen. Am Endpunkt Stornoway gibt es auch einen Outdoorhändler, der Gaskanister führt.

    Lebensmittel: kleinere Supermärkte (meist Co-op) gibt es auf fast jeder Insel, nicht immer liegen sie direkt am Weg.

    Fürs Einkaufen ist zu beachten, dass die Insel Lewis strikt katholisch ist und am Sonntag hat dort nichts auf. Nicht mal Restaurants, Take-aways, Tankstelle oder Touribuden hatten geöffnet. Inzwischen soll der Tesco Superstore am Hafen von Stornoway am Sonntag Nachmittag auf haben.


    Unterkünfte

    Die Inseln sind im Sommer so gut wie ausgebucht, lange Zeit im Voraus. Wer gerne mal drinnen übernachten möchte, sollte entweder auch im Voraus buchen oder ein Auge auf gängige Buchungsapps haben und willens sein auch vom Trail abzuweichen. Meine Erfahrung war, dass jedes Mal, wenn wieder eine Sturmfront vorhergesagt wurde, zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten frei wurden.

    Es gibt keine Bothies, wie es sie in den Highlands gibt. Es gibt eine spezielle Bothy, die nicht auf dem Weg liegt und die eine Reservierung erfordert: https://lindanorgrovefoundation.org/mangersta-bothy/

    Es gibt drei walk-in Hostels für Wanderer, Radler und Kayakfahrer (keine Reservierung möglich). Zwei davon liegen am Trail, die dritte in Rhemigdale ist wahscheinlich ein Schlenker wert. In zweien davon kann man auch davor zelten und die Infrastruktur nutzen. https://gatliff.org.uk/


    Wetter

    • Nun ja, man ist halt direkt am Atlantik. Nichts bremst das Wetter vorher ab.
    • Die YouTube Videos, die man zum Hebridean Trail findet, zeigen auch längere Schönwetterperioden oder „normales“ schottisches wechselhaftes Wetter.
    • Die Einheimischen meinten, dass der August 2024 eher ein Oktober oder November war mit der Aneinanderreihung von schweren Stürmen.


    Ich würde raten mit Zeitpuffer zu planen. Oder die mentale Flexibilität zu besitzen, dass die Route vielleicht ganz anders ausfällt als gedacht. Wenn man zB gerne Trails schnell mit langen Tagesmärschen erwandert, ist hier die Wahrscheinlichkeit hoch, dass einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, und man auf einer Insel festsitzt. Durch die lange Anreise empfehlen sich die Hebriden meiner Meinung nach eher für einen längeren Geniesserurlaub. Es gibt so viel jenseits des Weges zu sehen und zu entdecken. Die Inseln bieten sich geradezu an für slow travel. Ich vermute, dass auch Bikepacker auf ihre Kosten kommen. Es gab so viele schöne kleine Strässchen, die man als Radler mal "schnell" abfahren kann. Wie viele schöne Strände ich wohl noch nicht entdeckt habe?


    Links:

    https://www.visitouterhebrides.co.uk/hebrideanway/plan-your-trip

    https://www.walkhighlands.co.uk/outer-hebrides/hebridean-way.shtml

    https://www.freytagberndt.com/de/walking-the-hebridean-way.html (Link zum Cicerone Guide in einem DE Shop) Ich fand den Cicerone Guid sehr hilfreich zum Einschätzen der Strecken und insbesonders für die Hintergrundinfos. Ich habe ihn zur Planung zuhause verwendet und hatte ihn eingescannt auf dem Handy dabei.

  • Kay 28. Dezember 2025 um 17:10

    Hat den Titel des Themas von „Hebridean Way | Wandern auf den Außeren Hebriden in Schottland | August 2024“ zu „Hebridean Way | Wandern auf den Äußeren Hebriden in Schottland | August 2024“ geändert.
  • Bonus-Beitrag über meinen Reise-Abschluss auf Skye

    Meine Anreise begann mit einer Fährfahrt von Stornoway auf den Outer Hebrides nach Ullapool. Von dort per Bus nach Inverness, kurz umsteigen und ein anderer Bus brachte mich nach Broadford auf Skye. Es gibt auch eine direkte Fährverbindung von den Hebrides nach Skye, von Tarbert auf Harris nach Uig im Norden von Skye, Obwohl deutlich kürzer, hätte ich die Strecke nicht an einem Tag machen können (an manchen Tagen ist das anscheinend möglich)


    Wer bekommt bei diesem Anblick auch Lust auf den Cape Wrath Trail? Erster Blick aufs Festland von der Fähre nach Ullapool.


    Nachdem ich auf den Hebriden krank geworden bin, hatte jetzt nur noch ein paar Tage Zeit bis zu meinem Rückflug. Zu wenig für den kompletten Skye Trail, aber man kann es sich ja mal ansehen. Gegen 16 Uhr kam ich in Broadford an und machte mich so gleich auf den Weg. Das Wetter während der Fahrt war tip top wunderschön, jedoch war für die nächsten Tage Regen angesagt. Das ist auch der Grund, warum ich in Broadford aus dem Bus gestiegen und mich spontan für einen Nobo Skye Trail entschieden habe.

    Start / Ende des Skye Trail am Broadford River in Broadford. Keine 100m von der Bushaltestelle.


    Die erste Etappe geht erstmals schnurstracks nach Süden auf die andere Seite der Insel. Schnell hat man Broadford hinter sich gelassen. Ich wanderte über eine kleine Hügelkette und machte nach 8 km in der Nähe von Boreraig, einer in den Clearances verlassenen Siedlung Halt für die Nacht.


    Dort unten an der Küste findet man einige flache Stellen für ein Zelt und es gibt zwei Bäche in der Nähe für Trinkwasser.

    Die ausgewählte Wiese war ordentlich vollgeschissen und die Midges umschwärmten mich, während ich die Kotbollen wegbolzte. Da meine Einkaufsmöglichkeiten die Tage zuvor etwas karg waren, hatte ich Reis gekauft und seit 8h in Wasser eingeweicht und dann einmal aufgekocht und der blieb hart, egal wie lange ich aufkochte oder Wasser zu gab?! Also nicht „al dente“ (=mit Hunger verzehrbar) sondern knackig hart. Normalerweise reichen mir 2-3 Stunden cold soaking um den Reis mit wenig Kochen verzehrfertig zu bekommen. Dazu die vielen midges, der graue Himmel wirkte beklemmend, ich gab irgendwann entnervt auf und habe mich in die "Sicherheit" des Zelts verzogen und mich von Snacks ernährt.

    Mir ist erst beim Abbau eingefallen ein Foto zu machen. Nur deswegen steht das Zelt so schief. ;)

    Es war leider eine sehr unruhige Nacht mit Alpträumen, mehrmaligen Aufstehen wegen Magen-Darm-Problemen und morgens war alle nass geschwitzt. Einmal schreckte ich wegen Schritten direkt neben meinem Zelt auf. Warum kommt hier jemand mitten in der Nacht vorbei? Und was will er so nah bei meinem Zelt? Irgendwann realisierte ich, dass ich auch das Rupfen von Grasfressern hören konnte. Dennoch das Adrenalin war da und es dauerte eine Weile bis ich wieder einschlafen konnte. Gerädert wachte ich morgens auf. Erfreut dass es regnete! Denn das kann nur bedeuten, dass keine Midges fliegen! Wäre ich nicht so mit mit mir beschäftigt gewesen, hätte ich die Midges hämisch lachen gehört.

    Meine Hand, nachdem ich sie mit Smidge eingecremt hatte. Immerhin nur noch halb so viele wie vorher. Was war ich froh, dass ich auf den Hebriden in einem "pack your fears" Anfall spontan ein midge net für den Kopf gekauft hatte.

    Der Weg entlang der Küste empfand ich als sehr mystisch. Es geht bergauf, bergab aber immer unweit der Küste. Die ich selten sehen konnte, hörte aber unter mir die Wellen an die Küste donnern. Trotz der Höhenmeter wurde mir nie richtig warm. Ich machte mir Sorgen um meine Gesundheit, da ich erst eine Woche auf den Hebriden mit einem Infekt krank war. Ich fokussierte mich darauf, dass mein Zelt innen halbwegs trocken ist und dass ich abends in einer Bothy schlafen kann und dass es am übernächsten Abend eine warme Dusche und einen Wäschetrockner auf einem Campingplatz geben wird.


    Manchmal riss der Nebel etwas auf.


    Als ich an der Straße zwischen Broadford und Torrin ankam, sah ich ein Campervan und streckte spontan den Daumen heraus. Ein Paar aus Tschechien war so nett und hat mich nach Broadford aufgenommen. Ich wärmte mich in einem total süßen Cafe namens „The Coffee Bothy“ auf. Das Personal war so unglaublich nett und die Linsensuppe war eine Wohltat. Spontane Bauchentscheidungen sind manchmal eben die Besten. Im Cafe swipte ich mich mal wieder so durch die Buchungsapps, unklar was ich als nächstes machen sollte. Und siehe da, es war genau ein Zimmer in einem Hotel frei und dass zu einem okayen Preis. Ich rief sofort an, sparte durch die Direktbuchung noch etwas Geld und durfte gleich meinen Rucksack vorbeibringen. Unbeschwert schlenderte ich noch für 2h an der Küste entlang und genoss dann den Komfort eines Hotelzimmers.

    Sehr zu empfehlen!

    Gut ausgeruht und mit trockenen Sachen nahm ich am nächsten Morgen den Bus nach Torrin und machte mich wieder auf den Weg. Um etwas Strecke gut zu machen, habe ich mir eine Abkürzung über den Am Mam herausgesucht, denn so kann ich heute bis zum Campingplatz in Sligachan durchmarschieren.

    Blick vom Am Marn zurück in Richtung Torrin und ganz in der Ferne zu meinem ersten Zeltplatz.


    Etwas später öffnet sich dann der Blick in die Camsunary Bay. 

    Die MBA Bothy ist am unteren Ende des Strands, gerade nicht mehr auf dem Bild, bzw. vom Hügel verdeckt. In der Bothy machte ich nur eine kurze Mittagspause. Ich unterhielt mich mit zwei Wanderern, die erst Mittags aufbrachen. Sie berichteten, dass die Bothy letzte Nacht mit 28 Wanderern total überfüllt war, weil das Wetter so schlecht war. Alle Betten, Bänke und der komplette Flur wäre wohl belegt gewesen. Jetzt war ich doppelt so froh, mich für das Hotel entschieden zu haben.

    Blick von der Bothy: dort zwischen die Berge verläuft der Skye Trail


    14 km durch diese herrliche Gegend. Leider sehr sehr nass über weite Strecken. 


    Rückblick nach ca. 12 km. Das Wetter sieht inzwischen freundlicher aus. Ich lief den ganzen Tag in voller Regenbekleidung weil in kurzen Abständen immer wieder Regengüsse durchzogen.


    Die Nacht in Sligachan verbrachte ich anscheinend in einer Wolke. Alles war am Morgen klitschnass. Gegen 3 Uhr in der Früh bemerkte ich, dass mein Quilt klatschnass war … und ungefähr noch einen halben Zentimeter Loft hatte. Die Kondensation war das Gesprächsthema auf dem Campingplatz. Ich sah wie jemand sein Zelt anhob, wie um Krümel und Dreck zu entfernen und es tropfte Wasser heraus. So ganz ist mir noch nicht klar, ob ich nochmal alles nassgeschwitzt habe (eher nein, die Unterkleidung war in meiner Erinnerung trocken) oder die Kondensation wirklich so außergewöhnlich war, dass meine Daunenjacke und Daunenquilt deswegen kollabierten.

    Aber ab heute soll das Wetter besser werden und schon nach dem Frühstück blitzen große Flächen blauen Himmels hervor. Heute laufe ich entlang des fjordartig wirkenden Loch Sligachan und wandere dann durch die Braes. So stelle ich mir die Shire aus Herr der Ringe (dem Buch!) vor. Es hätte mich nicht gewundert, wenn aus einem der kleinen Häuser ein Hobbit herausschaut. In Portree angekommen schmerzen die Füße ordentlich von der Hatscherei auf Teer. Glücklicherweise hatte ich schon lange zuvor in Portree ein günstiges Zimmer reserviert. Damit ich vor meiner Abreise einmal mich und Klamotten Reise tauglich machen kann. Durch das schöne Wetter war Skye komplett ausgebucht, man bekam nur noch etwas für absurde Preise.

    Zuerst 5 km entlang eines Meeresarms. Etwas störend fand ich den herüberdröhnenden Verkehrslärm von der Hauptverkehrsader A87 auf der anderen Seite des Fjords. Dafür gabe es Robben zu sehen und die Sonne war eine Wohltat.


    The Shire ... und die nie enden wollende Teerstraße :D


    Ein Tag geht noch!


    Nun hatte ich noch einen Tag auf Skye. Also eigentlich noch anderthalb. Aber die Insel war so voll, dass ich keinen Platz mehr bekam. Nicht mal der Campingplatz nahm noch walk ins auf. Und wildcampen wollte ich vor einem 14h Reisetag nicht. Aber nun erst mal los. Das Wetter ist schön!

    Mit dem Bus fuhr ich in den Norden und ließ mich unweit des Rhuba Hunisch an der berühmten roten Telefonzelle absetzen, dem inoffiziellen Beginn / Ende des Skye Trails.


    Blick aus der Lookout Bothy


    Wer gute Augen hat, kann auf dem Felsen in der Ferne die Lookout Bothy sehen.


    Nach 4 Wochen Schottland sehe ich die erste Coo, eine der zotteligen Highland Kühe.


    Auch die Schafe posieren ansehnlich. Der Hintergrund weckt wieder Cape Wrath Trail Sehnsucht.


    Der Hafen in Portree

    Dann ab in den Bus nach Edinburgh. Irgendwie fühlte ich mich so plötzlich herausgerissen aus dem Wandern. Es fing doch gerade an wieder Spass zu machen nach dem Infekt. Andererseits bin ich auch sehr froh, das gute Wetter bis zur letzten Minute ausgekostet zu haben. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mir ausgerechnet in Schottland Anfang September den ersten Sonnebrand der Saison hole.

  • Kay 28. Dezember 2025 um 21:50

    Hat den Titel des Themas von „Hebridean Way | Wandern auf den Äußeren Hebriden in Schottland | August 2024“ zu „Hebridean Way | Wandern auf den Äußeren Hebriden (& Skye) in Schottland | August 2024“ geändert.
  • Fazit zu Reiseziel und Gear

    Gear:

    Ich hatte das Durston Xmid Pro (DCF) mit. Falls jemand mitgezählt hat: null Übernachtungen im Zelt auf den Hebriden und eine auf Skye. Meinen Quilt habe ich immerhin Indoors häufig benutzt. Lieber meinen fluffigen Daunenquilt als diese festgezurrte britische Mehrlagenbettwäsche. Ich hatte die TAR X-Therm dabei, in den zwei Zeltnächten habe ich immerhin nicht vom Boden her gefroren.:D Der Kocher Soto Windmaster verdient seinen Namen. UL-Töpfe sind für den Wind auf den Hebriden zu leicht. Gut festhalten beim Kochen!


    Kleidung:

    Viele Lagen, weil das Wetter sehr variabel war. Leichte lange Hose und knielange Leggings zum drunter oder solo ziehen. Solo ist nie passiert. Socken, die lang genug sind, dass die Hosenbeine reingesteckt werden können (Zecken Abwehr). Für oben herum, Sport-BH, Liod Buria (das mit dem RV und hochstellbaren Kragen und ich meine aus dem etwas dickeren Material) und Windjacke hat mir in Bewegung ausgereicht (in den Momenten ohne Regen). Das Liods Buria ist der MVP (most valuable player) dieser Reise. Hat perfekt für mich gepasst. Auch dieses Jahr in den Cairngorms und der Moray Coast. Absolutes Lieblingsteil für Schottland und jetzt in den Alpen im Winter. Die Altra Olympus waren passend. Natürlich sofort nass. Aber jeder andere Schuh außer Gummistiefel wäre auch sehr schnell von außen oder von oben rein durchnässt. Hat sowohl am Strand als auch im Morast als auch auf nassen steinigen Stellen gut funktioniert. Das einzig Negative war, dass der Gestank nicht mehr herausging. Zum Schluss konnte ich es von meinen Füßen hochriechen. Bööörks! Eigentlich neigen meine Füße nicht Besonders zum Stinken, aber die Verbindung von den Polyester Socken und der dauernden Nässe war anscheinend zu viel.


    Stöcke:

    Für mich ein Muss. Nicht wegen den Höhenmeter, aber für Gleichgewicht in Sturm und Morast. Und vor allem zum Ertasten der Tiefe des Morasts unglaublich wertvoll.


    Regenschutz:

    Patagonia Torrentshell (meine Montbell Versalite wäre mir viel zu kalt gewesen, da hätte ich noch eine Extra Fleece Lage einpacken müssen), Berghaus Paclite Regenhose (viel getragen, auch als Windhose). Light Heart Gear Hoodie Pack Cover. Der nächste MVP der Reise. Ich bekomme schnell einen nassen und kalten Rücken bei Regen und bevorzuge daher Ponchos. Der hier war top geeignet für Schottland. Mein Rucksack war etwas zu voll für die kleinere Größe M. Daher zog es den Stoff nach hinten über den Rucksack und die Schulterabdeckung war deutlich weniger als auf den Produktbildern und flappte mir manchmal ins Gesicht. Lies sich aber meist gut unter den Schultergurten feststecken. Das Cover hielt alles in den Außentaschen trocken und es war ein guter Schutz auf den Busfahrten. Ich musste nichts nach innen umpacken, dass Cover hat alles gut festgehalten und es lagen auch keine Riemen am Boden herum. Für Transport im Gepäckabteil bei den Überlandstrecken habe ich den Hüftgurt einmal revers auf der Vorderseite des Rucksacks geschlossen. Cover drüber und alles war gut geschützt. https://www.walkonthewildside.de/rucksack-zubeh…pack-cover.html Ich hatte wasserdichte Socken von Dexshell dabei, die habe ich eher auf Reserve gehalten für den Nachmittag, wenn nach einer Pause die Füße kalt waren. Oder für wirklich sehr nasse und kalte Tagen.


    Was habe ich vermisst:

    Ein geeigneteres Zelt. Dieses Jahr war ich mit dem Xmid 1 (solid inner) in Schottland, dass hat besser gepasst. Ich hatte keine solchen extremen Wetterlagen, aber in dem Xmid 1 fühle ich mich im Extremen wohler als in dem Xmid Pro 2. Das war eindeutig an der falschen Stelle eingesparte 300 Gramm.

    Gamaschen, weil meine Hose permanent dreckig war von dem ganzen Morast und meinem leicht o-beinigen Schritt.

    Kunstfaser statt Daune: Die Kombination aus Vielschwitzer und viel Regen war nicht das Optimum. Dieses Jahr hatte ich eine KuFa Jacke dabei, das war schon deutlich besser. Für nächstes Jahr überlege ich mir einen KuFa-Quilt.


    Mein Fazit zu den beiden Reisezielen:

    Die Hebriden sind ein Traum. Da geht es auf jeden Fall noch mal hin! Skye fand ich etwas enttäuschend. Ich hatte es mir wilder und einsamer vorgestellt. Es waren überall so viele Menschen. Und die Touristen waren von sich selbst genervt, die Einheimischen von den Touristen. Ich fands einfach nicht so menschlich nett und kulturell interessant wie auf den Hebriden. Ich kann mir vorstellen, dass ich es vielleicht nochmal abseits des Skye Trails und in der Nebensaison mit der Insel versuche.

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