Jura Höhen-Weg, irgendwo zwischen Balsthal und Weissstein (Solothurn). Es ist Mitte/Ende Oktober, super Sonnentag, kaum Wind. Ich bin am fünften Tag und ziemlich fertig, habe viel zu schnell angefangen, Probleme mit Chafing usw. Diesmal nicht auf den Wetterbericht geschaut, ist ja alles wunderschön und ich suche mir einen Platz direkt auf dem Grat (oder eher der Platz findet mich, ich bin schon ein paar km extra gelaufen weil ich nichts gefunden hatte). Fernsicht über das gesamte Mittelland bis in die ganze Alpenkette (Säntis bis Freiburger Alpen alles gestochen scharf sichtbar). Rühr mir schnell was auf dem Gaskocher zurecht während die Sonne untergeht und schnacke noch mit ein paar MTBlern die vorbeikommen und sich über meinen kleinen Rucksack wundern. Lege mich dann ins Zelt, bin wirklich fertig.
Was dann kommt : aufziehender Föhnsturm in Live. auf einmal bläst es richtig hart, ohne Vorwarnung. Ganz verwundert schaue ich aufs Handy. Scheisse, Böen bis und über 100 km/h. Schaue auf die Karte : vergiss es, kein anderer Lagerplatz möglich in weniger als einer Stunde Marsch, und alles ausgesetzt. Ich muss es jetzt durchstehen.
Gegen 4 Uhr habe ich die Übung abgebrochen. Kein Auge zugemacht, elendig unterwegs. Ich schaffe es irgendwie bis zum nächsten Ausstieg in der Nähe von Soloturn. Ein paar heikle Momente waren dabei wo ich mich auf Boden gekniet habe um nicht weggeweht zu werden.. Wurde dann noch von einem Dachs angefaucht, der von mir überrascht wurde (Riesenvieh, ca. Kniehoch). In Solothurn dann ausgestiegen, denn ich war mental und physisch total am Ende.
Andere Gegebenheit : Auf einer 2-Tagestour im Frühsommer die Strömung in einem Flüsschen in den Voralpen beim Furten komplett unterschätzt. Ist so ca. Knie- bis Hüfthoch gewesen, ich verliere den Halt. Ungefähr 300-400 m Flussabwärts schaffe ich es ans Ufer, natürlich das, von wo ich gestartet bin. In einem Gestesblitz denke ich dran (und schaffe es) die nassen Klamotten auszuziehen, mich abzutrocknen und mich in den Quilt zu hüllen. Erinnern tue ich mich nicht mehr genau wie. Irgendwann komme ich wieder zu mir, sehe dass es hier doch ein ganz netter Zeltplatz wäre. Anscheinend habe ich auch irgendwas gegessen, so wie die Nusstüte da liegt. Baue mein Zelt auf, checke meine Elektronik, alles im Rucksack trocken geblieben, Glück gehabt. Der Garmin funktioniert auch noch - doppelt Glück gehabt. Erst jetzt kapiere ich, dass da nicht mehr viel gefehlt hat. Am nächsten morgen nehme ich einen grösseren Umweg über eine Brücke.
Ab jetzt mache ich bei alles was so Kniehoch ist : alles bis auf Unterhose ablegen, den Rucksack vorher noch mit extra Luft im Drybag befüllen und so anziehen, das ich in schnell von hinten nach vorne als Art Boje wuchten kann. Für den Fall der Fälle Sachen zum abtrocken und wärmen vorbereiten.