Ich bin grade endlich mal dabei, Bilder zu sortieren, daher dachte ich, ich mache hier einen Reisebericht. Während der Wanderung habe ich einen Blog geführt, ich werde einfach die Texte hier reinkopieren und Bilder dazufügen. Bei Fragen gerne melden. Das wichtigste zuerst: https://lighterpack.com/r/eag20h
CDT Sobo 2025
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Anreise
Über eine Woche bin ich nun schon in den USA. Die ersten paar Tage habe ich einen Freund in Nashville, Tennessee, besucht. Dort war es sehr gemütlich, wir haben vor allem viel gegessen und ein bisschen die Stadt und die Gegend angeschaut. Am Samstag sind wir weiter nach Memphis gefahren, Nashville hat keinen Bahnhof, daher musste ich nach Memphis. Zwei Tage haben wir Memphis angeschaut, eine ziemlich interessante Stadt mit viel Geschichte. Von dort bin ich über Nacht mit dem Zug nach Chicago gefahren, wo ich dann in einen anderen Zug nach East Glacier Village in Montana eingestiegen bin. Nach insgesamt 45 Stunden Zugfahrt bin ich dort gestern Abend angekommen. Geschlafen habe ich im Looking Glass Basecamp, das von Luna und ihrem Mann betrieben wird, einem Hostel, in dem fast alle CDT Wanderer übernachten, bevor sie loslaufen, was gar nicht schlecht ist, so habe ich nämlich schon einige andere Wanderer kennengelernt. Morgen früh geht es endgültig los, ein ein Shuttle bringt uns erst zur Ranger Station, wo wir die Permits für den Nationalpark abholen, und dann weiter zur Grenze, von wo wir auf den Continental Divide Trail aufbrechen.
Glacier National Park
Der erste Abschnitt ist geschafft! Nach knapp 150km durch Glacier National Park bin ich wieder da, wo ich letzte Woche mit dem Zug angekommen bin. Das „Hostel“ hier ist ein sehr interessanter Ort, es richtet sich ausschließlich an CDT Wanderer, es gibt einen großen Raum, wo man auf dem Boden schlafen kann, alternativ kann man sein Zelt auf der Wiese aufbauen, Dusche, Strom, Küche, eben alles, was man als Wanderer so braucht. Das interessante sind aber v.a. die anderen Wanderer. Für mich war das ein idealer Anlaufpunkt, um in der ganzen Sache anzukommen, eine Vorstellung zu bekommen, wie das hier so funktioniert, Kontakte zu knüpfen und last-minute Infos zu bekommen.
Vor 6 Tagen gings also los. Morgens holte ein gebuchtes Shuttle mich und 3 andere Wanderer, mit denen ich mir die Zeltplatz Buchungen für den Nationalpark geteilt habe, ab und fuhr uns die etwa 100km hoch zur Grenze. Dort machten wir Fotos am Grenzstein und dann liefen wir also los. Der erste Tag war recht kurz, nach etwa 16km waren wir schon am ersten Zeltplatz. Insgesamt waren die meisten Tage durch die notwendigen Zeltplatzbuchungen eher entspannt, oft waren wir schon am frühen Nachmittag am Ziel und konnten uns entspannen. Zwei etwas längere Tage gabs auch, mit jeweils ca. 40km, aber alles in allem ein eher gemütlicher Beginn. Wettermäßig war es drei Tage etwas regnerisch, aber abgesehen von einem Hagelsturm, der mich an einem Pass erwischt hat, nicht allzu schlimm. Die letzten drei Tage wars eher warm.
Die Landschaft hier ist ziemlich spektakulär, schöne Berge, tolle Seen, riesige Wasserfälle, und das gleiche gilt für die Tierwelt. Ich hab immerhin schon Dickhornschafe, einen Fuchs, Bergziegen, eine (kleine) Schlange und haufenweise Murmeltiere und Pfeiffhasen gesehen, und an einem Abend hat uns ein Elch am Zeltplatz besucht. Bären allerdings (noch?) keine…
Heute mache ich Pause, morgen gehts in die „Bob Marshall Wilderness“, der längste Abschnitt ohne Stoppmöglichkeit, etwa 280km. Ab hier kann ich nun zelten, wo ich will, d.h. zum einen werde ich mehr allein unterwegs sein, und vor allem geht nun das Rennen gegen die Zeit so richtig los – bis Anfang Oktober sollte ich möglichst durch Colorado durch sein. -
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„The Bob“
„The Bob“. So wird der Abschnitt, den ich den ich nun geschafft habe, umgangssprachlich genannt. Streng genommen besteht er aus mehreren Teilen, u.a. dem Helena Lewis and Clark National Forest, zu dem wiederum die Bob Marshall Wilderness, und der Scape Goat Wilderness gehören. Insgesamt 280 km Strecke, ich habe etwas über 8 Tage gebraucht, und damit der längste Abschnitt zwischen zwei Orten. Alles war sehr anders als in Glacier National Park, die Landschaft ist nicht ganz so schroff, alles fühlt sich sehr weit und großräumig an, insgesamt eine faszinierendes Gegend. Wilderness Areas sind die strengste Form der geschützten Gebiete in den USA. Sie sollen vor jeglichem menschlichen Einfluss geschützt werden und tatsächlich habe ich in diesen Tagen außer Wandermarkierungen und Wanderwegen kein Zeichen menschlicher Zivilisation sehen können, keine Straßen, keine Ortschaften, keine Bauernhöfe, nichts. Auch sind die Wanderwege deutlich weniger gepflegt als im Nationalpark, oft sind sie stark überwuchert (was nicht sehr angenehm ist, wenn es geregnet hat…) Dabei sind die Gebiete nicht klein, allein die Bob Marshall Wilderness ist mit 4000qkm anderthalb mal so groß wie das Saarland. Auch anders als in Glacier National Park habe ich sehr wenig Leute getroffen, oft nur zwei oder drei am Tag, nur an dem Tag, an dem ich am Rand der Wilderness Area in der Nähe der Benchmark Ranch war, habe ich deutlich mehr getroffen.
Inzwischen bin ich knapp über zwei Wochen über unterwegs und vieles ist zu Routine geworden, morgens aufstehen, zusammenpacken, frühstücken, laufen, Mittagspause, laufen, Zeltplatz suchen und ab in den Schlafsack. Auch merke ich, dass ich deutlich fitter geworden bin, lange Tagesetappen laufen sich viel weniger anstrengend als in der ersten Woche.
Spannend finde ich, dass, obwohl ich sehr wenige Leute getroffen habe, viele andere Wanderer um mich herum sind, oft in recht kurzer Distanz, und trotzdem trifft man sie nicht. Heute morgen bin ich in Lincoln angekommen und gestern haben hier ca. 15 andere Wanderer übernachtet, die alle oft nur wenige Stunden vor oder hinter mir unterwegs waren. Trotzdem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass ich auf weiter Flur alleine bin.
Von hier ist es jetzt ein kurzer Abschnitt, ca. 110 km, bis Helena, der Hauptstadt von Montana. -
Helena
Gestern Abend bin ich in Helena angekommen. Helena ist die Hauptstadt von Montana und hat etwa knapp über 30.000 Einwohner, also auch nicht gerade eine riesige Stadt, trotzdem ist es die viertgrößte Stadt in Montana. Ein ganz nettes kleines Städtchen, es gibt sogar eine Fußgängerzone mit netten kleinen Läden und guten Restaurants. Insgesamt ist Montana extrem dünn besiedelt, erst seit 2021 hat der Bundesstaat mit einer Fläche, die etwa so groß ist wie Deutschland + ein zusätzliches Baden-Württemberg, über eine Million Einwohner. Ich habe hier einen Tag Pause gemacht, um meine Füße etwas auszuruhen und das schlechte Wetter heute auszusitzen.
Wenn ich in Ortschaften bin, habe ich immer ein paar Sachen zu tun: Wäsche waschen, duschen, nach Deutschland telefonieren, Nachrichten beantworten, den Blog hier schreiben, etwas warmes essen, ganz wichtig natürlich auch Essen für die nächsten Tage kaufen und sonstige Besorgungen machen, dieses Mal habe ich z.B neue Socken gekauft, außerdem habe ich ausgenutzt, dass es hier einen gut sortierten Outdoor Shop gibt und habe ein paar neue Schuhe gekauft, die ich mir allerdings per Post selber in meinen übernächsten Stopp geschickt habe, so lange sollten meine aktuellen noch halten. Neue Socken waren tatsächlich überfällig. Eigentlich habe ich zwei Paar dabei, damit ich immer eins tragen kann und das andere waschen und auslüften kann. Leider habe ich schon am dritten Tag während eines Hagelsturms einen Socken verloren, der an meinem Rucksack zum Lüften hing, daher bin ich seither nur mit einem Paar Socken durch die Gegend gelaufen, ohne die Möglichkeit diese mal richtig auszuwaschen, was nach so langer Zeit mit diesen Bedingungen äußerst unangenehm war.
Die Ortschaften liegen übrigens meistens nicht direkt am Weg, sondern ich komme meistens an eine Autobahn oder sonstige Straße und muss von dort noch 20 bis 30 km per Anhalter in die nächste Stadt fahren. Das hat bisher ziemlich gut funktioniert, ich musste nie besonders lange warten und es beschert mir sehr interessante Begegnungen mit sehr verschiedenen Leuten.
Der Weg war die letzten Tage etwas anders als in der ersten Zeit, oft bin ich in den ersten zwei Wochen Flusstäler entlang gelaufen und immer wieder hoch zu Pässen. Seit ein paar Tagen laufe ich meistens entlang der tatsächlichen Wasserscheide auf Höhenzügen und Bergrücken emtlang, was über lange Strecken fantastische Ausblicke bringt und wirklich Spaß macht zu gehen. Allerdings ist es viel schwieriger geworden, Wasser zu finden und ich laufe oft oberhalb der Baumgrenze, was bei Temperaturen um die 30° selbst über 2000m unangenehm sein kann. -
Idaho. IDAHO!
Es ist geschafft. Ich habe heute tatsächlich die Grenze zu Idaho erreicht. Das heißt nun allerdings noch nicht, dass ich Montana verlasse. Für die nächsten paar 100 km werde ich immer entlang der Grenze von Idaho und Montana laufen, bis ich kurz vor Wyoming dann endgültig noch ein paar Kilometer durch Idaho laufe, und dann im Yellowstone Nationalpark die Grenze zu Wyoming überschreite. Das ist allerdings noch eine Weile hin.
Nun sitze ich gerade erstmal in Darby, das ich heute nachmittag erreicht habe. Hier habe ich meine Vorräte aufgestockt, ich habe auch mal ein Bild von meinem Essen, sowohl ausgebreitet als auch bärensicher verpackt, in die Galerie gestellt, das sollte für 6 Tage reichen, das Nutella vielleicht auch länger.
Von Helena aus habe ich eine Alternativroute genommen, die mich in eine Kleinstadt namens Anaconda gebracht hat. Um dorthin zu kommen musste ich leider relativ viel an Straßen entlang laufen, oft unbefestigte Forststraßen, aber auch immer wieder Abschnitte an der Autobahn. Zum Glück ist hier nicht so viel Verkehr, es gibt ja nicht so viele Menschen. Nach Anaconda ging es wieder in die Berge und es wurde deutlich schöner, ich war auch im Vergleich zu bisher meist relativ hoch unterwegs, immer zwischen 2200 und 2700m ü.N.N.. Teilweise war es wieder hoch zum Pass, runter in den Kessel, hoch zum Pass, was sehr anstrengend ist, aber immer wieder gab es auch schöne Strecken entlang von Bergrücken mit tollen Ausblicken. Gestern habe ich auch die 500 Meilenmarke überschritten (800km). -
Leadore
Heute bin ich in Leadore angekommen. Ein winziger Ort mit 106 Einwohnern, wie es hier so einige davon gibt. Die Grenze zwischen Idaho und Montana ist selbst für hiesige Verhältnisse sehr dünn besiedelt. Die Autobahn, die über den Pass führt, an dem wir ankamen, entpuppte sich als Schotterstraße. In den etwa zweieinhalb Stunden, die ich mit zwei anderen Wanderern dort verbrachte, kamen etwa fünf Autos vorbei. Wir hatten ein Shuttle organisiert, das uns in das Dorf gebracht hat.
Die letzten Tage waren landschaftlich wieder einmal äußerst schön, mit vielen Gratwanderungen und herrlichen Ausblicken. Auch mit dem Wetter hatte ich Glück, es gab zwar fast jeden Nachmittag ein Gewitter, allerdings oft in so großer Entfernung, dass ich nicht einmal Regen abbekommen habe.
Was sich seit dem letzten Stop auch geändert hat: eigentlich seit ich Glacier National Park verlassen habe, war ich den größten Teil der Zeit alleine. Ungefähr einen halben bis ganzen Tag vor mir war eine Gruppe von ca. 25 Wanderern, die ich meist aber nur manchmal kurz in Städten getroffen habe. Seit dem letzten Dorf laufe ich mitten in einer Gruppe von ca. 10 Wanderern, wir überholen uns immer wieder gegenseitig, laufen manchmal Teile miteinander, Campen auch öfters zusammen und halten so einen gewissen Kontakt. Nach der langen Zeit alleine tut mir dieser Kontakt ganz gut.
Ich habe inzwischen die 1000 km Marke geknackt und bin schon über einen Monat unterwegs. Es war bis jetzt eine sehr interessante Zeit, vieles war so wie ich es erwartet hatte, einiges auch anders. Eine so große Wanderung klingt natürlich erstmal wie ein großes Abenteuer, tollen Erlebnissen, viel Spaß, schönen Landschaften, und einfach ein großartiges Outdoorerlebnis, wie man es aus Filmen oder Büchern kennt. Oft ist es allerdings einfach anstrengend, der Rucksack ist schwer, es ist heiß, oder auch sehr kalt, es regnet und man wird klatschnass, es gibt überall Mücken, es geht steil berghoch oder auch bergab, das Alleinsein zehrt, irgendetwas tut weh, oder es ist sonst irgendwas. Vor allem aber, und das habe ich schon letztes Jahr einen Pyrenäen festgestellt, ist es eine große mentale Anstrengung, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren, morgens aus dem Schlafsack zu kriechen und weiter zu laufen, oder auch nur nach der Pause aufzustehen und die nächsten 10 km zu laufen. Nichtsdestotrotz habe ich insgesamt eine sehr gute Zeit gehabt, in der die positiven Erlebnisse trotz allem immer wieder die Anstrengungen wert sind. -
Fantastisch! Auf deinen Bericht habe ich schon lange gewartet! Interessant, dass du bei km geblieben bist - oder hattest du das für deinen Blog extra umgerechnet?
Mich würde noch interessieren, wie lange du für die einzelnen Abschnitte gebraucht hast.
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Danke für den Bericht und die tollen Bilder! Bitte dran bleiben
.Das macht richtig Vorfreude. Für mich geht's am 2.7. ab RMNP / Denver Nobo Richtung Kanada und heuer somit zwar "nur" knapp >50% des CDTs entlang, trotzdem machen solche persönlichen Berichte und vorallem Fotos noch mehr Bock als die meisten YT Videos usw.
Bin gespannt wie es weitergeht.
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Tolle Bilder sind das. Da bin ich gespannt auf deine weiteren Berichte.
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