Ich bin im Rudern aktiv. Ende des letzten Jahres ist eine Ruderin in Berlin gestorben und 3 weitere wurden verletzt. Nicht nur wurde die Staatsanwaltschaft aktiv, sondern auch die jeweiligen Versicherungen. Dabei ging es um Personen- als auch Materialschäden, die nicht mehr unter die üblichen Vereins-Policen fielen. Plötzlich waren normale Mitglieder haftbar, obwohl es sogar eine offizielle Ruderveranstaltung war.
Die über die Vereine erfolgende Versicherungshaftung kann sich ganz schnell für das einzelne Mitglied ändern. Dabei geht es nicht nur um Vorstandsmitglieder oder andere formale Posten. Auch ein normales Mitglied kann schnell aus der Haftung fliegen, wenn es zB eigene Neu-Mitglieder im Sinne des Vereinsthemas anleitet (evtl. muss eine extra Haftpflicht organisiert werden), Nicht-Mitglieder mit dem Vereinsequipment agieren lasst etc.
Die möglichen Fallstricke sind zahlreich.
Lange Rede, kurzer Sinn: Sobald Eure Beteiligung über die normale Mitgliedschaft hinausläuft, ist eine rechtliche Beratung sinnvoll. Sobald Ihr andere Menschen führt, für Euer Hobby anlernt oder teures Equipment alleine verantwortet, ist eine Versicherungsklärung Pflicht!
Zurück zum Thema:
Ansonsten kann ich nur in dasselbe Horn wie Kay stoßen: Versucht Euch durch niederschwellige Angebote, die keiner Mitgliedschaft bedürfen, für Jüngere attraktiv zu machen.
Der Erfolg der Partei Die Linke bei der letzten Bundestagswahl ist unter anderem auf deren App zurückzuführen, die auch Nicht-Mitglieder kostenlos nutzen konnten. Dort durfte sich jeder für alle möglichen Tätigkeiten zum Mitmachen melden, sodass am Ende ein wesentlicher Anteil der arbeitsintensiven Parteienwerbung (zB Tür-zu-Tür-Werbung, Flyer stecken etc) von Nicht-Mitgliedern getragen wurde.
Ein befreundeter Ruderverein hatte dieses Jahr nur mit strategisch platzierten Flyern an Tram-Haltestellen und Supermärkten in nahen Neubaugebieten für seinen Tag der offenen Tür geworben und damit riesen Erfolg. Grund war, dass für bis zu 10 Teilnahmen keine Mitgliedschaft notwendig war.
Junge/Jüngere Mitglieder werben ist schnell getan, sie bei der Stange halten kann nur der gesamte Verein. Deswegen muss man vorher bei Jahreshauptversammlungen aktiv sein, für Veränderung werben und diese dann auch durchsetzen.
Bei meinem Verein ist es dieses Jahr wieder einmal an letzterem gescheitert. Wir werben eigentlich genug neue Mitglieder. Diese werden leider schnell durch starre Vereinstage vergrämt.
Also vorher genug Überzeugungsarbeit im Verein leisten, ein Konzept ausarbeiten, das von der Mehrheit der Mitglieder getragen wird und dann erst die niederschwelligen Anwerbungsversuche starten. Sonst geht viel Arbeit verloren.