Na, da behauptet aber jemand, sich ganz genau auszukennen. Da genau dies aber nicht der Fall ist, möchte ich mal etwas ausführlicher antworten.
[...] Ich habe, wie im Nachbarfaden angegeben, in den Nullerjahren etliche Hochtouren in den Westalpen unternommen und mich darauf gründlich vorbereitet. Dazu gehörte u.a. eine einwöchige Ausbildung vom DAV auf dem Brandenburger Haus, bei der ich neben dem Umgang mit LVS, Sonde und Schneeschaufel für die Verschüttetenbergung auch die Techniken der Spaltenbergung, der Orientierung bei Schlechtwetter und der Techniken zur Begehung von Steileiswänden bis 45° mit Eisgeräten 'vom Pickel auf' gelernt habe.
Komm, einen Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen, zum fett markierten Satz, der "Behauptung", sich genau auszukennen.
Wie du im Nebenfaden erwähnst, warst du in den Nullerjahren das erste Mal mit Bergführer auf dem Bishorn, deinem ersten 4000er, und bist immer noch vom Punkt der Grossgruppe genervt, während ich diese auf exakt der Route als Vorteil sehe, weil eine Grossgruppe unanfälliger gegen die Längsspalten ist, die es am Normalweg hat. Wie ich aus der zitierten Aussage "in den Nullerjahren etliche Hochtouren" entnehme, war es das dann aber auch schon mit den Westalpentouren. Zumindest viel ist von dem damaligen Lawinenkurs nicht hängen geblieben, sonst wüsstest du z.B., dass die Lawinenskala der EU fünf- und nicht sechsstufig ist.
Auch wäre dir dann bekannt, dass man bei Lawinen von vier grundverschiedenen Mustern ausgeht, und du bei deinen Argumenten grundsätzlich das Thema verfehlst:
Hier verläuft ein Weg am tiefsten Grund des Tals. Und jetzt muss man wissen, dass 90 % aller Lawinen vom Verschütteten selbst oder einer Person ausgelöst werden, die zur Gruppe des Verschütteten gehört. Hier liegt die Gefahrenlage also bei 10% [...] Die Lawinengefahr ist am geringsten, wenn milde und nicht abrupte Temperaturwechsel die Verfestigung des Schnees beschleunigen. Genau das lag vor und deshalb war meine Tour zu dieser Zeit in dieser vielbegangenen Region meiner Ansicht und Erfahrung nach verantwortbar
Die zitierten Punkte stimmen im Hochwinter, wenn die Hauptproblematik (siehe auch Link zur Alpin) Neu- oder (trockener) Altschnee ist. Dann besteht die Gefahr, dass ein Tourengeher ein Schneebrett auslöst, welches aufgrund von Fernauslösung dann oft die auslösende Gruppe selbst trifft. Im Hochwinter setzt sich Schnee vor allem gut, wenn es für Hochwinter milde Temperaturen hat. Deswegen ist im Hochwinter die Gefahr in Nordhängen am höchsten, weil es dort kalt und schattig ist, und sich so der Schnee und die Gefahren konserviert, während an Südhängen sich die Lage recht schnell entspannt.
Diese Argumente sind nutzlos im Spätwinter, wo die Hauptgefahr darin besteht, dass sich der Altschnee im Laufe des Tages durch die Sonneneinstrahlung und Erwärmung durchfeuchtet, und dann in Form von Nassschneelawinen spontan löst. In der Alpin steht dazu:
Zitat
Lawinenmuster Nassschnee
Im Gegensatz zu Altschnee lässt sich die Nassschneesituation (meist) gut einschätzen und es kann entsprechend gehandelt werden. Nassschnee (und auch Gleitschneelawinen) gibt es selten überraschend. Er kommt vor allem im Spätwinter vor und wird entweder durch intensive Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen verursacht oder durch Regen.
Nasschneelawinen gehen auf einer Schicht ab, auf der sich die Feuchtigkeit staut. Grundlawinen (Gleitschnee) gehen auf dem Untergrund (oft Wiese) ab. Damit Grundlawinen gefährlich sind, braucht es ein Mindestmaß an Schneemächtigkeit. Sonnenexponierte, steile Hänge sind gefährdet, besonders solche mit Wiesenuntergrund. Die massive Durchfeuchtung der Schneedecke führt zu einem Stabilitätsverlust der Schneedecke und zu einer Gewichtszunahme. Diese beiden Faktoren sorgen dafür, dass sich die Schneedecke irgendwann in Bewegung setzt.
[...] Einer Gefährdung durch Nassschnee (Gleitschnee) lässt sich für Skitourengeher durch einen frühen Aufbruch (Frühjahr) und ein zeitiges Tourende tagsüber vorbeugen. Kalte Perioden (Nächte) führen zu einer schnellen Stabilisierung der Schneedecke und damit für eine gewisse Zeit (morgens/vormittags) zu einer günstigen Situation.
Auf dem von dir verlinkten Bild ist eine solche Nassschneelawine, und ich sehe sonnenbeschienene Steilhänge und einen hohen Sonnenstand. Und wie die Alpin kann ich die Situation anhand des verlinkten Bildes einschätzen, ohne Blaablaa mit Grosswetterlage. Auch hinsichtlich der Aussage der Alpin, dass diese dann gefährlich werden, wenn eine gewisse Schneemenge da ist, stimme ich zu. Diese Menge ist aber abhängig von der Hanghöhe und der somit der Menge Schnee, die abgleiten kann, und wo man steht. Und oh Boy, am Talgrund ist das der dümmste Platz, wo man stehen will, wenn solch ein Rutsch kommt. Hier ist die Menge maximal, und sie sammelt sich dort, wo man ist, und deckt einen mit Beton zu.
Ausserdem widerspricht dir auch die Alpin, denn dort ist als Gefahrenvermeidung erwähnt, dass man nach kalten Perioden frühmorgens am ehesten sicher unterwegs ist, während du mit warmen Perioden zur Stabilisierung argumentierst. Aber wir drehen uns im Kreis.
Kommt der wichtigste Punkt dazu - der komplette Verzicht auf jegliche Sicherheitsausrüstung. Du trägst da zwar einen tollen Ofen durch die Berge, hast aber weder Schaufel, noch Sonde oder LVS dabei. Somit findet dich niemand, wenn du unterm Schnee begraben bist.
Soviel zu den "Behauptungen" meinerseits, die sich aber dummerweise in jedem Fachartikel oder den Methoden zur Lawinengefahreinschätzung finden lassen. Aber was soll man von jemandem erwarten, der bei meinem Gemsfairenbericht nicht einmal erkennt, dass der dort verlorene "Kollege" mein Handy war, und das eigentlich interessante nicht die zigfach durchgeführte Skitour, sondern die Lokalisierung des Handys mit Filzstiften und Taschenrechner am Computer daheim war, und ich damit am Ende 1m bzw. 6m je nach Koordinatenachse daneben lag.