Einmal kurz in den Osten

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  • Hallo zusammen

    Die Route
    wie in einem anderen Thread angekündigt, habe ich diesmal einen Kurztrip in östlichere Gebiete unternommen. Die Route führte von meinem Heimatort Brugg AG in der Schweiz über den Bodensee und Allgäu nach München, von dort die Isar und die Donau hinab bis nach Passau, wo ich kurz nach der Österreichischen Grenze von der Donau abbog und dann über den Böhmerwald an die Moldau gelangte. Von dort bis nach Prag und der Elbe lang bis Dresden. Meine Cousine in Leipzig besucht, wo ich dann auch einen Zero eingelegt habe, und dann einen kurzen Abstecher der Saale lang nach Weimar, wo Trinolho mich netterweise eingeladen hatte. Volle Dampf Südwest geht es dann über den Thüringer Wald, den Frankenwald, und das LSG Fränkische Schweiz (hey jetzt mal ehrlich, wieso muss gefühlt jedes 2. Mittelgebirge den Zusatz "Schweiz" bekommen ?) und Entlang des Main-Donau Kanals Richtung Nürnberg, die ich im Westen umfahre. Dann den Geopark Ries überquert und somit zurück an der Donau. Über Tuttlingen-Blumberg zurück in den Schwarzwald und dann der Wutach lang zurück zur Grenze, von wo es nur noch 20 km bis nach Hause in Brugg sind. Insgesamt waren es knapp über 2000 km, wovon ich ein kurzes Stück mit dem Zug zurückgelegt habe, da es zwischen Dresden und Leipzig dunkel wurde und ich nicht um Mitternacht ankommen wollte (siehe Tagesbericht)

    Die Tour habe ich knapp zwei Wochen vor Start über Komoot "hingerotzt", dass heisst ich musste Urlaubstage nehmen und schnell mal was an einem Abend planen. Dadurch ist eventuell nicht alles so optimal und mit mehr Zeit hätte man vielleicht schönere Routen wählen können. Das ganze habe ich in 13.5 Tagen gemacht. Diesmal war der Asphaltteil höher als bei meinen sonstigen Touren, da ich versucht habe, mich an den Flusssystemen zu orientieren. Ein paar längere Teilstücke ging es an Bundesstrassen lang, wobei es immer schön auf einem abgegrenzten Radweg war (ausser einmal, wo ich aber mit 80 km/h eher auf die Autos aufgeschlossen habe als dass ich überholt wurde). An Landstrassen waren es meist wenig befahrene Einspurige in den Mittelgebirgen, oder auch meist abgetrennt. Der Verkehr war somit kein Problem, ich habe aber nicht immer den schönsten Weg gefunden (nehme ich jetzt mal an). Für die kurze Planungszeit habe ich für mich eine schöne Reise hingekriegt. Einzige Schwierigkeit : manche Baustelle ist für Velofahrer nicht ausgeschildert, wo man jetzt eigentlich lang kann und hat zu ein paar Versuchen geführt.


    Die Route, zwischen Riesa und Leipzig den Zug genommen. Das .gpx hier mit Tagesetappen:
    Brugg-München-Passau-Prag-Dresden-Leipzig-Brugg.zip

    Übernachtungen waren nicht geplant - alles spontan. Das hat leider zu oft dazu geführt dass ich abends in Gegenden ankam, wo Zelten nicht so geil war (Nähe Bundesstrasse, direkt am Fahrradhighway am Fluss, intensiver Ackerbau etc.) Deshalb habe ich mich öfters als gewollt in Landgaststätten zurückgezogen.

    Auch dass die Nächte immer länger werden habe ich unterschätzt und haben die Tagespensen eher verkleinert.

    Daten
    vom 27.09. bis 11.10.2025

    Material
    Fast identisch zu meiner D-Querung die Ihr noch im alten Forum hier findet. Das Velo ist das Decathlon Riverside Touring 920, was super funktioniert. Diesmal mit 2.1" Reifen (hinten noch den Smart Sam, den ich bei der D-Querung Notgedrungen draufbauen musste, vorne den Vittoria Mezcal). Der Smart Sam ist durch, ich werde diesen demnächst auch durch den Vittoria Mezcal ersetzten, der funktioniert super, aber wieder in 2.25". Ist einfach komfortabler und scheiss auf die Aerodynamik. Der alte geht nach hinten, der neue wird dann vorne draufgezogen.

    Grössere Änderungen:

    Navigiert wurde diesmal mit der Garmin Fenix 8. Hat super funktioniert. Braucht ca. 25% Strom am Tag und ich habe noch nicht alles ausgeschöpft um Strom zu sparen. Für mich mehr als akzeptabel. In der Kombination mit dem Dynamo bin ich somit Stromautark.

    Hinten habe ich jetzt den Tailfin Aeropack- teure Sache aber funktioniert suuuuuuper ! Da bewegt sich nichts, und die Möglichkeit auf der ganzen Länge nach oben zu öffnen, ist einfach super. Innerhalb 10 Sekunden abgebaut, und transportierbar um ins Hotelzimmer zu kommen oder im Zelt zu verstauen.

    Das Zelt ist neuerdings das Middus 1P ohne Inner. Super leicht, lässt sich einfach stramm aufbauen. Nur das mit der Schnalle unten am Reisverschluss habe ich noch nicht ganz raus, wozu die nun genau da ist und wie man Sie nutzen soll. Die mitgeliferte Carbonstange hält was Sie verspricht. Spannend : Sie passt sowohl in den Aeropack sowie in die Rahmentasche.

    Als Unterlage habe ich diesmal spontan eine aufblasbare genommen, da ich die Schaumstoff einfach nicht untergekriegt habe. Es war die Therma-Rest Xlite Woman meiner Frau. hält warm, aber in Kombi mit einem 1P Zelt ist eine Schaumstoff einfach viel praktischer. Vor allem sich mal draufsetzen oder so war ich immer sehr zögerlich. Ich muss einen Weg finden, eine Schaumstoff ans Velo zu kriegen. Nächster Versuch: Die Akkordeon auf Torso Länge zurechtschneiden und dann eine Exped Doublemat o.ä. in ganzer Länge.

    Statt der Yakwolldecke ist es diesmal der normale Quilt geworden. Viel zu warm (-6°C), aber ich habe nichts anderes. Auch bei Frost war ich deutlich zu warm und musste ein bisschen Zug schaffen. Die Yakwolldecke wäre sicher nicht genug gewesen.


    Kleidung ist im Grunde gleichgeblieben. Habe noch die lange Unterhose (Merino Decathlon) und das Puffy (Haglöfs Less is more) zusätzlich mitgenommen. Habe ich auch beides gebraucht.


    Zusammengepackt sah das alles so aus:

    Poser Bike am Vodni Nádrz Lipno, Böhmischer Wald, Tschechien


    Was hat nicht so funktioniert:
    Wie schon angesprochen die Luftmatte. Schaummatte ist für mich einfach besser und praktischer. Man muss nicht acht geben. Ausklappen und hinlegen und zack, parat für die Nacht.

    Die Hinterradfelge ist gerissen. Ist eine bekannte Schwachstelle beim Velo. Werde mir neue Laufräder kaufen. Wollte sowieso ein Upgrade machen und ich habe das Velo bis nach Hause gebracht.

    Jo, nicht so schön

    Die Radlerhose war komplett durch und es hat gewolft. Eine neue in Weimar gekauft und zack, war alles viel besser. Habe einiges an Nivea und Antireibungscreme gebraucht. Hätte ich von Anfang an eine geeignete Hose gehabt, wäre das wahrscheinlich kein Problem gewesen.

    Ihre Arbeit ist getan. Ruhe in Frieden.


    Sonst noch so zu berichten:
    Ich habe gegessen wie eine Sau, trotzdem knapp 4kg über die 2 Wochen abgenommen. Insgesamt hatte ich Schwierigkeiten soviel zu essen wie ich gebraucht hätte. Gegen Ende des Tages wurde es immer schwieriger, vor allem Bergauf. Da muss ich mir noch mal überlegen, wie ich das besser hinkriege.


    So und jetzt zu den Tagesberichten.

    5 Mal editiert, zuletzt von Patirou (18. Dezember 2025 um 09:40)

  • Tag 1 - Ein regnerischer Start
    Route
    Brugg AG-Zurzipass-Bad Zurzach/Rheinheim (CH/D)-Erzingen(D/CH)-Schaffhausen-Thayingen/Ebringen (CH/D)-Singen-Ludwigshafen-Überlingen-Meersburg-Friedrichshafen
    141 km, 1'070 hm+, 1'000 hm-

    Eigentlich wollte ich früh los, daraus wurde leider nichts. Am Abend davor hatte ich noch eine Atemschutz-Feuerwehrübung im Brandcontainer (war richtig cool !), die mich einerseits ziemlich geschlaucht hat, andererseits auch nicht für einen erholsamen Schlaf gesorgt hat (zu aufregend). Auch der Job hat mich die Tage richtig gestresst, dass ich gar nicht so richtig in Stimmung kam. Dazu noch der trommelnde Regen auf den Fensterscheiben, und ich kam einfach nicht in die Hufe. Gegen 8 war endlich alles gepackt, mein Hintern auf dem Sattel, der Frau Auf Wiedersehen gesagt und los ging es Richtung Deutschland, einen Weg den ich inzwischen fast auswendig kenne.

    Der Regen war nicht mehr ganz so fies, dafür nebelte es und es war feucht. Langsam war ich dann so in meinem Rythmus und es kam nun richtig Vorfreude auf das grosse Abenteur auf. Der erste Pass kam dann auch schon (also ein kleiner Pässli - nix spektakuläres) und zack war ich an der deutschen Grenze. Beim hochfahren habe ich das Mehrgepäck schon gespürt, aber ich kam gut voran.


    Der Zurzipass im Nebel.

    Die Rheinquerung hinter mich gelassen ging es nicht am Rhein lang zum Bodensee, sondern erst an der Küssaburg vorbei in ein Paralleltal Richtung Schaffhausen. Erst relativ flach, wurde es um Schaffhausen, und insbesondere danach, recht hügelig. Hinter Thayngen mühte ich mich richtig ab. Erst kurz vor Ankunft sah ich zum ersten Mal den Bodensee. Erst weit weniger spektakulär als in meinen Erinnerungen, dies aber weil ich am kleineren Untersee angekommen bin, und auch relativ viel Bebauung da war.


    Über ein Seitental Richtung Schaffhausen - es nebelt immer noch.


    Kurzer Blick in die Altstadt Schaffhausen


    Es hügelt um Schaffhausen


    Endlich freie Sicht über den Bodensee, hinter mir eine kleine Klosterkirche.

    Durch die kleinen und schönen Städtchen am Bodensee ging es dann weiter. Meersburg hat mich beeindruckt, die Burg hoch oben auf dem Fels, die Weinreben über den Hang. Leider war es ein bisschen überlaufen. In Friedrichshafen habe ich den Tag dann beendet. Die Möglichkeit, am nächsten Tag noch mal Flach zu starten, bevor es hoch ins Allgäu geht hat mich überzeugt. Am Campingplatz bin ich untergekommen (relativ teuer) und am Bodensee mit Aussicht meine Wraps ausgepackt. Der Sonnenuntergang deutete darauf hin, dass die Wolken sich verziehen und es morgen trocken sein wird, was auch eingetroffen ist.

    Sonnenuntergang in Friedrichshafen

    Allen in allem eine schöne Etappe. Wenig spektakulär, im nachhinein ein schöner Start in die Tour.

  • Tag 2 - Über die Hügel des Allgäus Richtung München
    Route
    Friedrichshafen-Kressbronn am Bodensee-Langnau-Wangen im Allgäu-Leutkirch im Allgäu-Memmingen-Türkheim-Landsberg am Lech
    165 km, 1'110 hm+, 870 hm-

    Wie erwartet gab es keinen Regen mehr und das Wetter hellte langsam auf. Es wehte ein leichter Föhn von Süden her. Erst dachte ich super, das wird ein sonniger Tag, aber je mehr ich in den Allgäu reinfuhr, desto mehr kam der Wind von Westen. Es blieb zwar trocken, aber bewölkt und Grau. Der Start war wieder langsam. Das packen der Taschen habe ich noch nicht so drauf und ich brauche knapp über eine Stunde bis ich nach dem aufwachen das Camp abgebrochen habe. Auch weil ich nicht sonderlich motiviert war, im dunkeln zu fahren. Den Bodensee liess ich kurz hinter Friedrichshafen hinter mir und fuhr ins Allgäu hinauf. Es ging über asphaltierte Landstrassen, die jedoch einspurig und wenig befahren waren. Die Route war schön, hügelig und anstrengend, aber abwechslungsreich durch Wälder, Täler, und Weiden sowie kleinen Städtchen.


    Letzter Blick Richtung Bodensee - es klart auf durch den Föhn


    Leider nicht in die Richtung wo ich fahre. See Nähe Kressbronn am Bodensee.


    Kleine Kirche in Wangen im Allgäu. Sehr markant sind fast alle Kirchen in den Dörfern von einer Art Stadtmauer eingezäunt

    Erst hinter Wangen, klart es ein wenig auf und die Sonne kommt so richtig zum Vorschein. Leider nur kurz. Ich spüre, dass ich nicht genug esse, habe aber keine grosse Lust. Eigentlich wollte ich in einen Biergarten - aber Skandal ! alles zu ! Da fährt man durch das ganze Allgäu ohne Möglichkeit auf eine Einkehr !


    Pause bei ein wenig Sonnenschein Nahe Kisslegg


    Höchster Punkt der Route im Allgäu bei Leutkirch

    Ab Memmingen wurde es dann auch richtig Mühsam. Der Zuckermangel macht sich richtig bemerkbar. Bei Landsberg am Lech finde ich einen Campingplatz der was bietet. Die Stadt ist auch schön, leider keine Fotos weil ich zu spät ankomme. Der Campingplatz ist ein bisschen abseits der Route, und hier merke ich den Nachteil, mit der Garmin Uhr zu navigieren. Schnell mal Route anpassen ist nicht. Die Vorteile überwiegen aber klar.

    Am Campingplatz verdrücke ich dann einen Heringssalat Russischer Art (anscheinend sind die Pächter von dort) sowie ein Riesenschnitzel. Das tat dann richtig gut !

    Anscheinend nutzen ein paar den Campingplatz als Wohnsitz, sehr früh gingen die ersten raus zur Frühschicht. Die Idee, sich in der Nähe des Sanitärhäuschens niederzulassen war zwar am Abend schön praktisch, bedeutete aber relativ viel Verkehr schon ab 4 Uhr morgens. Na ja, dann startet man halt früh Richtung München.

    Einmal editiert, zuletzt von Patirou (9. November 2025 um 09:30)

  • Tag 3 - An München vorbei und die Isar hinunter
    Route
    Landsberg am Lech-Inning am Ammernsee-München-Freising-Landshut-Landau an der Isar
    189 km, 500 hm+, 690 hm-

    Früh ging es los, die Route war ein schneller Hügel am Anfang, und dann fast nur noch runter. Das Zelt wird noch halb feucht eingepackt, es nebelt stark und es gibt keine Chance das Zeug anständig zu trocknen. Der Nebel gibt aber der Route einen richtigen Flair.


    Fischerhütte am Ammernsee im Nebel.

    Gegen 10 Uhr komme ich dann in den Speckgürtel von München. Ein kurzer Stopp im Supermarkt um die Snacks aufzufrischen war nötig. Hier rächt sich ein bisschen meine saloppe Routenplanung. Ich kriege von der Stadt so gut wie nichts mit, da die Velorouten einen über die Ringstrassen leiten. Ich dachte ich könnte die Nymphenburg sehen, leider versperrt eine Mauer den Blick auf diese von der Parkseite. Durch den Olympiapark rausche ich Themengemäss im Windschatten eines Rennrad-Fahrers, der mir das an einer roten Ampel nach einem netten Plausch angeboten hat. Der konnte sich gar nicht ein vor Staunen wie wenig Gepäck ich dabei hatte. War die Einfahrt nach München hässlich über eine Ausfallstrasse, war die Ausfahrt jedoch recht schön. Nach dem Olympiapark am Englischen Garten vorbei und Schwupps, stand ich dann auch schon an der Isar. Ein Grossaufgebot der Polizei suchte etwas in Gummistiefeln und stecken, was ein bisschen surrealistisch war. Die Durchfahrt durch München dauerte richtig lang. Vom Ammernsee bis an die Isar habe ich knapp 3 Stunden gebraucht.

    Ab der Isar gleite ich dann über schöne Kieswege. Mal Breit, mal schmal. Ortschaften sieht man kaum, da diese immer ein bisschen Abseits sind. Wenn, dann sieht man Sie durch die Auenwälder.

    Blick auf Freising

    Eine Infotafel klärt mich dann auch auf wieso dem so ist. Die Isar war früer mindestens 5x so breit mit mehreren parallel laufenden Flussbetten, und wurde irgendwann in ein einziges hineingelegt. Als Hochwasserschutz dienen die neuen Freiflächen.

    Landshut ist die erste grössere Ortschaft, die man wirklich durchquert. Eingebettet mit Stauseen, ist das eine richtig schöne Stadt mit Flair. Viele Zugvögel sieht man an den Stauseen, und die Sonne ist jetzt auch wieder da, was es alles noch mal magischer macht.

    Stausee um Landshut, welches nun Vogelreservat ist.



    Impressionen von Landshut

    Kurz zögerte ich, ob ich die Nacht noch bleiben möchte. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt aber Landau als bessere Option, auch für den nächsten Tag. Daher ging es weiter.

    Auch hinter Landshut gab es einige Stauseen, und mit dem langsamen Sonnenuntergang gab es Fotomotive ohne Ende. Meine Smartphone Kamera hat zwar nicht alles eingefangen. Aber der Weg war ein echter Genuss.

    Einsetzender Sonnenuntergang bei Mamming inklusive Spiegelung.

    Langsam meldeten sich jedoch meine Beine und hintern mit der Anfrage ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, diese so zu schinden. Rettung nahte mit der Ankunft in Laundau, wo es zu meiner Überraschung hoch hinauf ging. Übernachtet wurde in einem kleinen, günstigen, aber feinem Landhotel mit angeschlossenem Mexikaner.

    Die Chance wurde ergriffen, das Zelt sowie den Schlafsack durchzutrocknen.

  • Tag 4 - Der Donau entlang
    Route
    Landau an der Isar-Eichendorf-Vilshofen an der Donau-Passau-Ö/D-Donauschleife-Kobling/Obermühl an der Donau (Fähre)-Hühnergeschrei (ja gibt es wirklich, Beweisfoto kommt)-Rohrbach
    137 km, 730 hm+, 560 hm-

    Dank eines frühen Frühstücks und dem packen am Vorabend ging es sehr früh los Richtung Passau. Statt weiter dem Isarweg zu folgen ging es dem Vilstal entlang. Wie an den Tagen davor war Nebel angesagt, der sich langsam lichtete. Die Sonne blieb leider weg. Die Landschaft war geprägt von Feldern, Bierbänken und Bierschauckeln. Bier war leider keins dabei.


    Felder bei Eichendorf


    Die Bierbank. Eine Bierschaukel gab es auch, bin aber zu schnell daran vorbeigeraucht für ein Foto. Nur, wo ist das Bier ?

    In Vilshofen erreichte ich die Donau. Ein recht mächtiger Fluss. Vor allem im Nachhinein, wo ich diesen im Schwarzwald sehe !

    Ab hier geht es flach und schnell die Donau entlang. Hin und wieder entfernt man sich ein bisschen, was ein paar Höhenmeter hergibt. Man überholt einige E-SUVs, aber es hat recht wenig Leute. Man merkt, dass man in der Nebensaison ist. Was auffällt : Gasthöfe ohne Ende. ich mache mir also keine Sorgen eine Unterkunft für die Nacht zu finden.

    Relativ rasch komme ich kurz nach Mittag in Passau an. Die Stadt erhebt sich majestätisch aus dem Wald mit Ihren weissen Gebäuden. Auch die Landschaft drum herum wird wilder. Vom flachen Tal ist es richtig eng geworden. Passau ist umgeben von bewaldeteten, steilen Hügeln. Kurz nach Passau geht es über die Grenze nach Österreich. Ein kleines Schild und eine Tankstelle markieren den Übergang.



    Impressionen von Passau


    Und schwupps, in Österreich.

    Ab hier wird es richtig ländlich bzw. abgeschieden. Das Donautal ist richtig steil, nur kleine Burgen säumen den Weg. Die Topographie hat die Grenze wohl gut genug geschützt im Mittelalter. An einem riesigen Staudamm für ein Laufkraftwerg kommt man auch noch vorbei. Was auffällt wenn man es mit dem Rhein vergleicht : überhaupt keine Frachtschifffahrt. Nur ein paar Flusskreuzfahrer. Auch Brücken gibt es keine. Ich komme an der Donauschleife an, hier gibt es ein paar Leute, jedoch ist diese doch von unten recht enttäuschend. Man sieht gar nicht wirklich, wie die Donau den Kringel macht. Die Luftbilder die man sonst so sieht haben ein bischen zu viel Erwartung geschührt.


    Kleine Burg über der Donau, knapp hinter der Grenze


    Boaaah Ey ! Das ist Ingenieursarbeit vom feinsten.


    Donauschleife ohne Drohne.

    Kurz hinter der Donauschleife verlasse ich die Donau. Mit einer kleinen Fähre setze ich auf die linke Seite über. Der Fährmann kontrolliert noch schnell die Angeln, dann geht es los. Ich bin der einzige Passagier.


    Blick auf Obermühl


    Velo auf Fähre.

    Auf der anderen Seite geht es nun das Mühltal hoch. Früher hat mal hier dei Papierindustrie geblüht, jetzt gibt es nur noch eine Sägewerk in Betrieb. Die verlassenen Papiermühlen bilden Ruinen, welche von der Natur wieder eingenommen werden. Das Bild ist radikal anders : vom gut ausgebauten Radweg der Donau entlang geht es eine kleine Landstrasse entlang. Die Gaststätten sind verschwunden, und die Menschen auch. Ein paar Autos fahren an mir vorbei. Die Dörfer sind klein, und man merkt, dass der Exodus stattfindet.


    Verlassene Papiermühle - vermutlich in den frühen 90ern verlassen


    hab ich doch gesagt ! Skandalös : kein einziges Huhn gesehen !


    Dorf am Ende des Tals

    In Rohrbach finde ich eine Gaststätte (die einzigste übrigens in einem ziemlich weiten Umkreis). Im engen Tal habe ich Mühe, einen geeigneten Campingspot zu finden der weit genug von der Strasse ist, und die Dunkelheit kommt schnell. Leider kann der Gasthof keine Küche mehr am Abend anbieten, da Sie keine Leute mehr finden. Auch das Städtchen selbst bietet nur wenige Optionen an und hat bis auf ein kleines Dorfzentrum nicht viel zu bieten.. Vieles ist geschlossen, ich habe die Wahl zwischen Kebab, Italiener oder Chinese. Es wird der Chinese der günstig ein Büffet anbietet. Wie ein wildgewordener Panda futtere ich mich durch Shrimps, Ente, Rind Süss-Sauer !

  • Tag 5 - Die Tschechische Idee eines Flussradwegs
    Route
    Rohrbach-St. Oswald bei Haslach-A/CZ-Vodni Lipno-Loucovice-Vyšší Brod-Český Krumlov-Český Budějovice
    103 km, 1'440 hm+, 1'650 hm-

    Frühes Frühstück - Früh losfahren, und kein Nebel ! Das ist das erste Mal dass ich ohne Nebel starte. Es geht hoch hinauf zur tschechischen Grenze. Anstrengend. Ein Einheimischer versucht mir was zu erzählen, aber ich verstehe nur Bahnhof ! Quer über Wiesen, Kieswegen, geht es hoch und runter. Also vor allem hoch. Die Sonne scheint, ich freue mich schon auf die Grenze.


    Sonne am Morgen !

    Die Sonne währt aber nicht lange. Ich komme an der Grenze an - und zack Nebel und Wolken. Diese werden auch bis Prag so gut wie nicht verschwinden.



    Wasserscheid-Grenze-Nebel

    Während an der Österreichischen Grenze die Viehweiden dominiert haben, ist man jetzt im tiefen Wald. Es gibt keine Siedlungen auf tschechischer Seite. Klar, eiserner Vorhang und so, aber anscheinend war es davor schon eine durch die Holzindustrie geprägte Region. Ein Schwemmkanal für Holzstämme kann man sehen. Kalt ist es hier übrigens auch.

    Nach ein paar Kilometern komme ich dann am Vidno Lipno an. Ein Stausee, der Schluchseevibes hat. Grosse Fläche, Mittelgebirge, Tannenwälder so weit das Auge reicht. Ein paar Ferienwohnungen, sonst nichts. Schön ist es.


    Vido Lipno. Dass weisse ist kein Schnee, sondern Schaum.

    Am Staudamm kommt man bei Loucovice, einer kleinen Unscheinbaren Ortschaft. Es gibt nicht viel zu sehen, ausser der Moldau selbst. Hier rächt sich wieder meine schlampige Planung. Dachte ich dass, der Moldauradweg schön entlang der Moldau lang gehen würde, werde ich jetzt einem besseren belehrt. Alle 2-3 Stunden sieht man mal die Moldau, dazwischen nimmt man gefühlt jeden Hügel mit. Ist eine schöne Strecke. Es wechseln sich rasante Abfahrten über glatten Teer, aber auch steilen Forstwegen ab. Mit einem Gravel wäre ich hier überfordert, ich bin froh um meine 29" reifen. Ein Hardtail wäre in manchen Passagen mit faustgrossen Steinen nicht übertrieben gewesen. Die einzigen Fahrradfahrer die ich sehe sind mit Fully unterwegs.
    Entsprechend langsam komme ich voran. Lag ich bis jetzt gut in meiner Schätzung, werde ich an diesem Tag hart zurückgeworfen.
    Die Strecke ist aber wirklich schön. Man fährt durch Wälder und auf einmal tauchen ganze Klöster, Burgen oder sogar Ortschaften aus dem Nichts auf.


    Moldau nach dem Staudamm-noch recht schmal und klein


    Woher kommt auf einmal das Kloster mitten im Wald her (Vyšší Brod)


    Und die riesige Burg ? (Rožmberk nad Vltavou)

    Highlight ist Český Krumlov, mitten aus dem nichts taucht diese Stadt auf, mit einer charmanten Altstadt. Im Vergleich zu den tiefen Wäldern mutet es geradezu überlaufen an, der Eindruck täuscht jedoch durch den Kontrast. Selten so eine schöne Kleinstadt gesehen.


    Impressionen Český Krumlov

    Für mich geht es weiter nach Budweis. Hier übernachte ich in einem kleinen Hotel und esse in einer kleinen Lokalkneipe. Super-Urig. Das Pils ist lecker und dazu gibt es Gulasch mit Brotknödeln. Nach einer so anstrengenden Etappe mit so viel hoch und runter genau das Richtige ! Den Grossstadtflair nutze ich noch, um meine Vorräte an lokalen Snacks aufzufrischen, sowie Riegeln, Gummibärchen und M&Ms


    Impressionen aus Budweis


    Kaloooorieeeeeeeeen !

    3 Mal editiert, zuletzt von Patirou (18. Dezember 2025 um 09:53)

  • Tag 6 - Die Tschechische Idee eines Flussradwegs Teil 2
    Route
    Český Budějovice-Týn nad Vltavou-Zvíkovské Podhradí-Kamýk nad Vltavou-Nähe Chramosty
    125 km, 1'440 hm+, 1'470 hm-

    In tschechischer Manier geht es weiter. Es heisst zwar Moldauradweg. Die Moldau kriegt man aber kaum zu sehen. Das Wetter ist gleichbleibend grau, die Landschaft ist durch Felder, Wälder und (sehr) kleinen Ortschaften geprägt. So lange so ländlich habe ich selten erlebt, und das nicht irgendwo im hohen Norden oder in Gebirgsregionen, auch nicht in Wüsten, sondern mitten in Europa in einer anscheinend sehr fruchtbaren Gegend. Es erinnert mich an die Diagonale der Leere in Frankreich.

    Der Weg ist weniger anstrengend, da der Asphaltanteil höher ist. Auch ist es nicht mehr ganz so steil. Es ist jedoch immer noch sehr herausfordernd. Ich spüre wohl auch langsam die Akkumulation der Anstrengung.


    Hochebene, irgendwo, der Hochnebel lichtet sich langsam


    Kurze Pause, die Sonne ist da, die Maus lächelt


    Eine befestigte Fuhrt, es ist nicht die einzige. Das erhöht noch mal den Abenteuerfaktor


    Nochmal Hochebene, auch wieder irgendwo. Die Aussichten sind Phänomenal.


    Noch mehr Abenteuerfaktor, ich lasse mir die Furt nicht durch die Brücke nehmen. Knapp wäre ich stecken geblieben.


    Ich finde einen Campingspot Nähe Chramosty, einem kleinen Dorf Weiler. Unterkünfte finde ich in der Umgebung keine, und ich bin auch einfach fertig. Zuvor konnte ich noch das Wasser bei einem netten Paar auffüllen. Mit Händen und Füssen konnte ich mich mit Ihnen verständigen (und ein bisschen Google Translate). Wobei Aussprechen konnte ich das nicht, was da steht. Am Sonnenuntergang merke ich, dass es kalt wird in der Nacht. Ich denke dran, den Wasserfilter, die Powerbank und das Handy in den Schlafsack mitzunehmen. An meine Kleidung, die ich zum auslüften über das Velo gehängt habe, irgendwie nicht mehr.

    Campingspot, Nähe Chramosty. 

    2 Mal editiert, zuletzt von Patirou (9. November 2025 um 09:40)

  • Tag 7 -Kälte-Prag-wieder mal flache Stücke
    Route
    Nähe Chramosty-Čelina-Slapy-Štěchovice-Praha-Klecany-Štětí
    145 km, 880 hm+, 1'050 hm-

    Es wurde kalt in der Nacht. Und am morgen sah ich dann das:


    Ich Idiot

    Es war neblig, es war kalt. Der Tau ist gefroren. Das Zelt war auch zugefroren. Ich Idiot. Dementsprechend lange hat es gedauert, dass ich mich überwunden habe. Zum Glück war es nur oberflächlich. Trotzdem hat es lange gedauert, bis ich endlich auf der Strecke war.

    Der erste Teil ähnelte dem Vortag. Hochebene, leere. Hoch und runter. Und dann auf einmal ging es hinter Slapy fast nur noch runter. Und zwar rasant runter. Ich kam in Štěchovice an und ab hier wurde es deutlich einfacher. Der Weg folgte nun wirklich der Moldau, leider war es eine ziemlich breit ausgebaute Strasse, ohne abgetrennten Radweg. Ich kam entsprechend schnell voran, jedoch war es nicht ganz gemütlich. obwohl die meisten Auto- und LKW-Fahrer sehr geduldig waren und Abstand gelassen haben. Sowas erlebe ich in D oder CH weniger. Noch mit einer kleinen Fähre über die Moldau gesetzt (der Herr nahm Euro), und dann war es auf einmal soweit - ich fuhr in Prag ein. Komplett überwältigt von der Anzahl Leuten. Es war gegen Mittag, ich bin aber einfach weiter gefahren. Die Stadt hatte ich eh schon mal länger besucht, und es war in dem Moment einfach zu viel. Ein paar Fotos, die Architektur geniessen, aber immer weiter fahren.


    Fähre kurz vor Prag


    Impressionen Prag

    Kurz hinter Prag gab es eine kleine Fischbude, wo ich mir ein Fischsandwich gegönnt habe, und dann ging es weiter an Sandsteinformationen. Spannend, dies waren auch die Entlüftungen für einen Zugtunnel. Jedesmal wenn einer da durchgefahren ist, blies es gerade von der Seite an.


    Spannende Sandsteinformationen

    Die Sonne kam dann auch mal wieder, was dem ganzen noch mal Charme verlieh.

    Ein kleinen steilen Hügel gab es bei Klecany, und von da an flach an der Moldau lang bis nach Štětí. Von der Karte erhoffte ich mir ein schmuckes Städtchen (runde Ringstrasse die an eine Stadtmauer erinnert, kleine parallele Strassen). Es war aber eine 70er Jahre Blockstadt. Im Hotel übernachtet, wo ich das Zelt nochmal aufhängen konnte. Dann im Restaurant runter, wo die Küche mir, obwohl eigentlich schluss war, nochmal schnell was vorbereitet hat (inklusive leckerem Bier) ! Übrigens, so viele Fischer habe ich noch nie an einem Fluss gesehen. Das ist neben der Jagt ein Volkssport in Tschechien.


    Nachmittagssonne am Schloss


    Sonnenuntergang an der Moldau

  • Tag 8 - Volle Kraft voraus ! Flach und schnell
    Route
    Štětí-Roudnice nad Labem-Ústí nad Labem-Děčín-CZ/D-Königstein-Dresden-Meissen-Riesa
    207 km, 660 hm+, 670 hm-

    Flach und flott war heute das Motto. Heute möchte ich in Leipzig ankommen-hat zwar nicht ganz geklappt, aber fast ! Die anstrengenden und langsamen Tage fordern nun Ihren Tribut, so dass ich es nicht mehr schaffen werde. und somit in Riesa auf den Zug springen werde. Aber alles der Reihe nach. Kurz nach Sonnenaufgang ging es los. Viel Elan und Motivation waren dabei. Die Strecke war schön, flach und ich flog auch nur so auf dem Radweg.

    In Roudnice nad Labem kam ich das erste Mal in Schwierigkeiten. Brücke für Verkehr gesperrt, man muss zu Fuss über die Elbe (wie aus Moldau Elbe wird, ist mir übrigens immer noch nicht ganz klar). Die Passage war Eng, entgegenkommende Fussgänger mussten sich an mir vorbeiquetschen. Kein Kommentar, trotzdem entschuldigte ich mich jedesmal. Die Stadt selbst ist schön, und an einem Wildwasser-Kanal findet die deutsche Meisterschaft der Kanuten statt (wieso da, keine Ahnung). Leider habe ich keine Zeit mir das anzuschauen, die Stimmung war aber gut. 8 Uhr morgens, die Musik schepperte, Zuschauer waren da.

    Immer weiter der Elbe (Labem) lang ging es nach Ústí nad Labem, der ersten grösseren Stadt nach Prag. Man merkt, die Ebene wird langsam zu einem Tal und im Norden erhebt sich so langsam das Elbsandsteingebirge am Horizont. Die ersten Steilen Hügel und Klippen säumen den Fluss. Ich fahre an der Stadt eher vorbei, muss mich wegen Baustellen noch den richtigen Weg suchen was relativ viel Zeit kostet.


    Burg in Ústí nad Labem

    Děčín ist die letzte Stadt vor der Grenze und bevor die Elbe das Gebirge durchbricht. Die Stadt ist am Fusse des Höhenzuges, der sich Quer vor der Elbe emporragt. Wie der Fluss da seinen Weg durchgefunden hat, kann ich nicht erraten. Die Stadt hat Charme, man merkt jedoch einen gewissen Niedergang. Speziell an der ziemlich verlassen anmutenden Flusshafenanlage, die im starken Kontrast zum Schloss dahinter steht.



    Impressionen Děčín

    Das Elbtal ist jetzt eher eine Schlucht, und der Fluss schlängel sich durch das Gebirge. Auf einmal bin ich in Deutschland, und ich merke es nur, weil auf einmal DB-Schilder am Radweg stehen, welcher parallel zur Linie Dresden-Prag läuft.


    und hopp, auf einmal in Deutschland

    So schnell man in dem schmalen Tal ist, ist man auch wieder hinaus. Bis nach Dresden ist es nicht mehr weit, aber das Tal wird sehr schnell weit, bis es eher eine Ebene wird. Auch hier habe ich Pech mit dem Wetter, war es davor bewölkt und grau, zieht kurz vor Dresden ein ziemliches Unwetter auf. Es hagelt sogar ein bisschen. Ich lasse mich davon nicht beirren, und radele weiter. Auf den Weg nach Dresden unterläuft mir leider ein Navigationsfehler. Ich verpasse eine Flussquerung, die ich zwar wieder korrigieren kann, jedoch muss ich dadurch eine nicht ganz so schöne Ausfallstrasse aus Dresden in Kauf nehmen. Dresden ist spektakulär, leider spielt das Wetter für schöne Fotos nicht mit. In Erinnerung bleiben mir das Feld zur Trinkwassergewinnung Flussaufwärts, sowie das Panorama, wenn man in die Stadt hineinfährt.


    Einfahrt Dresden - Die Weide rechts und links vom Radweg (nicht auf dem Bild sichtbar gehören zur Trinkwassergewinnung

    Ich folge der Elbe weiter bis Meissen über Nünchritz bis Riesa. Wegen Dunkelheit und Müdigkeit gebe ich hier auf, heute bis nach Leipzig zu radeln. Da ich dort den Tag mit meiner Cousine verbringen möchte, setze ich mich für die letzten 70 km in den Zug. Die Deutsche Bahn kommt zu spät. Ein Hase neben den Gleisen erheitert die Wartenden..


    Schloss Meissen


    Sonnenuntergang vor Riesa


    Den Sonntag verbringe ich in Leipzig. Ich finde die Stadt toll. Der Kanal mit seinem Park, das Jugendstilviertel und die Anzahl Fahrräder sind toll.

    2 Mal editiert, zuletzt von Patirou (9. November 2025 um 09:44)

  • Tag 9 - An der Saale nach Weimar
    Route
    Leipzig-Weißenfels-Naumburg-Apolda-Weimar
    113 km, 590 hm+, 500 hm-

    Nach einem Tag Pause geht es mit einer kleinen Etappe weiter Südwestwärts. Trinolhohat sich als Trailangel angeboten, und für mich ist das es super, mit einer kleinen, einfachen Etappe an den Start zu gehen, bevor ich den Thüringer Wald Quere.

    Einfach ist gut, leider hatte ein gewisser "Gegenwind" wund meine Radhose was dagegen. Das Polster rutschte immer rum, und der Wind schlauchte mich total. Am Ende brauchte ich knapp 7 Stunden... Spannend war es auch nicht sonderlich, viel zu sehen gab es nicht. Es war eine kleine Transferetappe der Saale lang.


    Schönburg


    Bad Kösen


    Bisschen spät die Warnung... und ja, ich habe Sie gesehen


    Ein paar neugierige Kälber bei der Pause

    Weimar kannte ich nicht, und ich war sehr überrascht. Eine sehr schönes Städtchen was so einiges zu bieten hat.


    Marktplatz Weimar

    Dort im Fahrradladen mit einer neuen Hose eingedeckt, ein bisschen über die Tour mit dem Ladenbesitzer geschnackt. Snacks eingedeckt und dann mit Trinolho getroffen und Erfahrungen ausgetauscht, Material begrabbelt und alles was dazu gehört. Das und ein schöner Zwiebelbraten im Wirtshaus nebenan haben den anstrengenden Tag wieder vergessen gemacht und mich auf die nächsten, schwierigen Etappen vorbereitet.

    2 Mal editiert, zuletzt von Patirou (9. November 2025 um 09:45)

  • Tag 10 -Über den Thüringer Wald
    Route
    Weimar-Kranichfeld-Pennewitz-Allersdorfer Höhe-Mellenbach-Oberweissbach-Neuhaus am Rennweg-Roter Berg-Tettau-Kronach-Burgkunststadt/Altenkunststadt
    150 km, 1'610 hm+, 1'540 hm-

    Nach einem fetten Frühstück vom Meister Trinolho ging es dann los. Das Wetter war zwar grau, der Wind hat sich jedoch gelegt und es regnete nicht. Erst fing es gemütlich an der Ilm an. Stetig aber kaum merkbar ging es immer weiter Bergauf. In Pennewitz erreichte ich dann den Fuss des Thüringer Waldes.


    Ehrlich jetzt ?


    Alte Mühle an der Ilm

    Von hier ging es steil hinauf in den Thüringer Wald. In einem ersten Schritt bis zur Allersdorfer Höhe. Auffällig sind die Ortschaften mit den Schieferziegeln an der Wand und auf den Dächern. Schwarz ragen die Ortschaften aus dem Wald hervor. Oben angekommen ging es auch sofort runter in einer rasanten Abfahrt Richtung Mellenbach.


    Schieferkirche in Mellenbach

    Am Tiefpunkt angekommen, ging es dann auch sofort wieder Steil hinauf zum Rennweg. Unten im Dorf machen sich zwei alte Lustig, als ich die Steigung langsam angehe mit einem "das wird da oben noch steiler" und mit einem Grinsen im Gesicht. Mit einem "ich weiss" trampelte ich weiter in die Pedale. In 5km ging es knapp 300 hm hoch, und das war nur das steilste Stück. Hechelnd gab ich dann auch irgendwann auf und fing an zu schieben. Notiz für später : ich brauch eine neue Kassette mit mehr Bandbreite

    Nach dem steilsten Stück bog ich auch von der asphaltierten Strasse ab und folgte Feldwegen durch abwechlungsreiche Landschaften : Wälder die wie im Harz langsam absterben und Platz für neues lassen. Hochebenen mit Gräsern die an Steppen aus Zentralasien erinnern. Sehr wild ging es dabei zu. Auch hier war ich wieder froh über die breiten Reifen. Regen vergangener Tage machten den Boden unberechenbar. Mal hart wie Stein, manchmal gab auf einmal der Untergrund in der Kurve nach. Das fahren war fordernd und machte spass. Ab Oberweissbach wurde es global flacher, aber erst ab dem Roten Berg hinter Neuhaus am Rennweg hatte ich es letztendlich geschafft. Ab dahin ging es über Tettau zurück auf eine Landstrasse Richtung Kronach. Der Thüringer Wald war nun hinter mir.


    Die Ostdeutsche Steppe im Thüringer Wald

    Kurz vor Kronach passierte ich die ehemalige Grenze. Hier wurde ich nochmal an die deutsche Genauigkeit erinnert.


    Auf die Minute genau !

    Altstadt Kronach

    Nach Kronach folgte ich dem flüsschen Rodach nach. Leider immer sehr dicht an der Bundesstrasse. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichte ich den Main bei Burgkunststadt/Altenkunststadt, wo ich in einem kleineren Hotel übernachtete.

  • Tag 11 - Durch die Fränkische Schweiz und Main-Donau Kanal
    Route
    Burgkunststadt/Altenkunststadt-Ebermannstadt-Hausen-Fürth-Ansbach-Großenried
    152 km, 1'160 hm+, 1'000 hm-

    Dies war eher eine Transferetappe. Die Fränkische Schweiz war nicht sehr spektakulär, es ging durch Wälder hoch und runter. Die Wege waren schwierig und forderten viel von mir ab. Zu sehen gab es nicht viel. Ich kämpfte mich mühselig über schlechte Waldwege. Umfuhr Schlammlöcher und Traktorspuren.

    Bei Hausen erreiche ich den Main-Donau Kanal. Auch hier: nicht viel zu sehen. Dafür geht es um einiges schneller voran. Ich spüre zwar die Anstregung der Tage die sich ansammelt, aber ich habe noch genügend Energie. Ich erreiche die Innenstadt von Fürth, welche ganz schick ist. Ich nehme Abschied vom Kanal und folge der Bibert Am Abend erreich ich dann Ansbach mit der Kaserne. Ein letzter schwieriger Anstieg durch die schmucklose Kleinstadt, und ich erreiche ein Hochplateau geprägt von intensiver Landwirtschaft. Ich folge einer grösseren Staatsstrasse. Zeltlatz finden scheint unmöglich.

    In Grossried finde ich spontan einen Gasthof. An der Tür eine Nummer. Ich rufe an, für "30 Euro auf die Kralle" übernachte ich dort, Kein Luxus, kein Komfort, dafür ein Bett am Ende eines anstrengenden Tages ohne grosse Highlights.


    Main-Donau Kanal bei Hausen


    Bugs Bunny was here ? Immer noch am Main-Donau Kanal


    Altstadt Fürth


    Auf der Hochebene hinter Ansbach

  • Tag 12 - Geopark Ries und Donau
    Route
    Großenried-Wassertrüdingen-Nördlingen-Lauingen (Donau)-Günzburg-Ulm-Dellmensingen
    147 km, 770 hm+, 730 hm-

    Nach dem anstrengenden Tag von gestern ging es auch gleich wieder mit ein paar anstrengenden Steigungen durch den Wald los. Zwar nicht auf zerklüfteten Waldstrassen und -Trails, sondern auf einem auf schön asphaltierten Radwegen. Ab Wassertrüdingen ging es flach über Landstrassen und Feldwegen über Öttingen und Nordlingen. In den Feldern ein Haufen von Störchen im Nebel.


    Tor Wassertrüdingen


    Einfahrt in Öttingen


    Ein Schwarm (?) Störche von vielen in der Nähe von Nördlingen

    Ab Nördlingen ging es dann auch auf einmal steil bergauf und quer durch den Wald. Nicht so anstrengend und um einiges schöner als gestern. In Erinnerung bleibt mir eine verlassene Klosteranlage bei Ederheim. Wie in Tschechien ragt die Ruine auf einmal aus dem Wald, fast ohne jegliche Vorwarnung.


    Klosteranlage in Ederheim

    In Lauingen mit dem für die Grösse der Stadt markanten Turm erreiche ich die Donau. Was auffällt, ist der schwarze fruchtbare Boden auf den Äckern. Intensiver Getreideanbau prägt daher die Landschaft, kleinere Ortschaften säumen die Donau. Ich folge der Donau flussaufwärts, und der flache, gute Weg ermöglicht mir ein schnelles vorankommen. Die Einfahrt nach Ulm ist öde und ist im starken Kontrast zur beeindruckenden Altstadt, doch ich halte nicht an und folge der Donau weiter bis zum kleinen Dorf Dellmensingen, wo ich übernachte.


    Altstadt Lauingen


    Höhöhö


    Altstadt Ulm

    Einmal editiert, zuletzt von Patirou (8. November 2025 um 21:15)

  • Tag 13 - Oberes Donautal
    Route
    Dellmensingen-Ehingen-Lauterach-Reidlingen-Siegmaringen-Friedingen-Tuttlingen
    138 km, 690 hm+, 530 hm-

    Die vorletzte Etappe ist mit dem tschechischen Teil Landschaftlich wohl am schönsten. Das obere Donautal hat es wirklich in sich. Nachdem ich mich durch das Frühstückbuffet gewühlt habe, schaffe ich es recht zeitig loszufahren. Während der Morgen durch Nebel geprägt ist, lichtet er sich rasch und ich habe meinen ersten richtigen Sonnentag auf der Tour ! Dazu noch der landschaftliche Leckerbissen des oberen Donautals mit Klippen, Burgen hoch oben auf Tafeln, gepaart mit einem Anfang von Indian Summer durch das buntwerdende Laub. Die Ebene wird zum Tal und dann langsam zur Schlucht. Ab Friedingen merke ich auch, dass die Donau auf einmal immer kleiner wird, obwohl keine nennenswerte Nebenflüsse sichtbar sind. Der mächtige Fluss aus Ulm verschwindet einfach. Eine Infotafel klärt auf, die Donau versinkt hier seit kürzerer Zeit (im geologischen Sinne) und ein Teil wird unterirdisch unter der Wasserscheide Europas zum Rhein geleitet. In manchen Jahren versinkt die Donau anscheinend sogar ganz. Davon hatte ich nie gehört, und es ist anscheinend auch ein weltweit einzigartiges Phänomen.

    Kurz vor Tuttlingen erreiche ich dann auch die 100 km Marke vor meiner Ankunft.


    Erst Nebel


    Dann Sonne, hier bei Riedlingen


    Schloss Siegmaringen


    Klippen Oberes Donautal


    Noch mehr Sonne



    Wo ist die Donau auf einmal hin ?


    Konnte mich gar nicht satt sehen

  • Tag 14 - Mit Vollgas nach Hause
    Route
    Tuttlingen-Blumberg-Tiengen-CH/D-Koblenz-Brugg AG
    99 km, 510 hm+, 810 hm-

    Der letzte Abschnitt der Tour. Der Morgen ist grau, mit Eifer fahre ich die letzte grosse Steigung nach Blumberg hinauf, wo ich das Die Wasserscheide Donau/Rhein quere.


    Letzter Blick ins Donautal

    Ab da geht es mit Karacho den Berg hinunter. Mein Tacho zeigt über 90 km/h an. Leider auf einer Bundesstrasse, es macht aber trotzdem spass, die Autos hinter sich zu lassen. Vor allem wenn man bei der Deutschlandquerung den gleichen Weg in die andere Richtung gemacht hat und sich an die Mühen erinnert.

    Ich erreiche die Wutach bis nach Stühlingen (erste Etappe Schluchtensteig) und dann Tiengen, wo ich über den Rhein setze und somit wieder zu Hause in der Schweiz bin. Den Abschnitt an der Wutach fliege ich nur so dahin und es macht richtig Laune. Dass es dabei auch immer Bergab geht hilft natürlich. Den Weg von Koblenz aus kenne ich zur Genüge, da es der Standardweg für meine Touren in den Schwarzwald sind. Am Klingnauer Stausee vorbei. Ab hier geht es wieder leicht bergauf und ich spüre auch wieder meine Beine, die mir langsam "nun ist aber genug" melden.


    Über den Rhein, nur noch knapp 20 km

    Ich komme gegen 1300 an und mache, was ich sonst nie mache. Sofort alles aufräumen, aufhängen Zelt und Schlafsack zum trocknen, Rad reinigen etc. Meine Frau pflege ich nebenbei, da Sie beim halten der Stellung eine starke Erkältung eingefangen hat.


    Am Sonntag dann noch die Beine hochlegen, bevor es am Montag leider wieder mit sowas wie "Job" losgeht. (Beim anschauen der Email-Box grad gedacht : "fuck it - ich fahr wieder los".


    Feuer frei - ich bin fertig. (Noch nicht Korrektur gelesen)

    Einmal editiert, zuletzt von Patirou (9. November 2025 um 09:51)

  • Mein absoluter Respekt! Auch angesichts der Tageskilometer. Aber das Du zwischen Leipzig und Weimar über Naumburg nur eine „Transferetappe“ eingelegt hast, wundert mich etwas. Denn um Naumburg herum liegt das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut, eine wunderschöne Gegend, auch Toskana des Ostens genannt… Grüsse von einem Wahlleipziger.

  • Habe mich auch gewundert. Mir haben mehrere gesagt, an der Saale sei es wunderschön. Ich habe es halt überhaupt nicht so empfunden (ich bin auch dem Saale-Ilm Radweg gefolgt). Eventuell ist es dem Wetter geschuldet, was nicht so einladend war. Aber die Routenführung des Radwegs war dann wohl auch nicht so optimal (und meine Routenplanung).
    Ich kenne die Gegend nicht, daher kann es schon sein, dass ich da was verpasst habe. Ziemlich sicher sogar. Die geplante Route hat mich an Naumburg vorbeigeführt, obwohl es doch eine schmucke Altstadt hat (den Fotos her). Dies habe ich schon öfters bemerkt, viele Orte werden einfach mal Links liegen gelassen vom offiziellen Radwegenetz. Wenn man dann nicht kennt und ein bisschen schnell plant, ist schnell mal was verpasst (andererseits, man kann eh nicht alles sehen und zeitlich war ich dann schon knapp)

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