Poncho-Jacke für hohen Rucksack

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  • Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal in Schottland war, hatte ich den Hoodie Pack Cover von Lightheart Gear dabei. https://www.walkonthewildside.de/rucksack-zubeh…pack-cover.html Die Abdeckung von Kopf, Nacken und Rucksack gefiel mir sehr gut. Allerdings war die Größe nicht ganz passend zu meinem Rucksack, dadurch zog sich der Stoff nach hinten und ich hatte die Schultern nur noch knapp bedeckt. Nicht so großzügig, wie auf dem Produktbild abgebildet. Und dann flatterten die Schulterabdeckungen wild im Wind in Richtung Gesicht. Nicht so schön. Als erstes dachte ich an eine Befestigung der flatternden Teile, dann an T-Shirt-Ärmel satt nur eine Schulterabdeckung, dann daran wie mich die geringe Armabdeckung bei meinem StS-Poncho stört (und das Überwerfen / Hineinschlüpfen in den Poncho) und kam so auf die Idee eine Jacke mit Regenhülle zu kombinieren. Währendessen wurde ich auf den Packa aufmerksam https://www.thepacka.com/ Das brachte mir die Idee, des Verstauens der Kleidungsteile in der Regenhülle. Und so kam alles zusammen:

    Gewicht: 233g

    • Zum Vergleich: StS Poncho: 216g; Lightheart Gear Pack Hoodie L: 196g; Packa in L und 15 den: 11oz / 311g (laut Website)
    • Einsparpotential: statt Patagonia Torrentshell mit 416g kann ich eine leichtere Regnjacke mitnehmen (z.B. montbell Versalite: 185g)


    Materialliste:


    Vorgehensweise:

    1: Regenhülle für den Rucksack:

    Ich habe meinen Rucksack maximal bepackt. Das bedeutet mit Evazote seitlich, Zelt außen oben unter dem Y-Strap. Innen mit 5 Tage Resupply und Ausrüstung, die mich auch bei feuchtnassen Wetter knapp oberhalb von 0 Grad warm & trocken hält. Dann habe ich aus einem dünnen Zeltinnen-Material, dass mal ein Fehlkauf war, eine massgeschneiderte Regenabdeckung mit Gummizug erstellt. Also nichts anderes als käufliche Regenhülle, nur halt perfekt sitzend für diesen Rucksack.

    2: Eine passende Jacke

    Ich habe das Schnittmuster verwendet, dass ich schon für eine Windjacke verwendet habe. Dieser Schnitt ist sehr geräumig und lang, weil die Jacke im Winter (Minusgerade, Alpen) über mehrere Isolagen getragen wird. Ich hatte allerdings nicht bedacht, dass die Taschen an den Rucksack-Schultergurten auch Volumen brauchen ...

    Als nächstes habe ich die Länge der Öffnung der Regenhülle ausgemessen und auf dem Jacken-Schnuttmuster-Rückenteil einzuzeichnen. Dazu hat mir das Baumwoll-Probeteil, dass ich damals für den Jacken-Grundschnitt angefertigt habe, sehr geholfen. Ich habe mir von meinem Mann die Lage der Schultergurte und die Lage der Regenhüllen-Öffnung anzeichnen lassen. Das wäre natürlich auch irgendwie an der fertigen Jacke gegangen, aber so konnten wir hemmungslos auf dem Probeteil mit einem Filzstift markieren.

    Zuerst war der Umfang der Öffnung (Regenhülle) zu groß für das Rückenteil. Ich habe dann die Regenhülle etwas angepasst. Und nach etwas hin und her, hat es irgendwann gepasst.

    3: Die Herstellung der Regenhülle

    Die Regenhülle besteht aus zwei Seitenteilen und einen Mittelstreifen. Der Mittelstreifen ist ein Rechteck. Die beiden Seitenteile haben eine Halbrunde-Form (eher halbe Ellipse?). Durch das Nähen der Rundung an den geraden Mittelstreifen entsteht eine dreidimensionale Hülle. Die Nähte habe ich mit einer üppigen Nahtzugabe versehen. Die Nahtzugabe habe ich umgeklappt und nochmal umgeklappt und wieder festgenäht mit 1cm Abstand zu ersten Naht. Ich denke, man nennt das französische Naht oder eine vereinfachte Kappnaht. Anschliessend habe ich das Reflektorband einmal quer rüber aufgenäht. Zum Schluss habe ich alles von innen und außen mit Seam Grip versiegelt.

    4: Herstellung der Jacke

    Die Jacke besteht aus einem Teil für den Körper, zwei Ärmeln und der Kapuze. Die Kapuze besteht aus zwei seitlichen Teilen, ohne einen Mittelstreifen, um Nähte zu sparen. Da ich bei Regen immer ein Cap trage (bin Brillenträger) habe ich keine Versteifung an der Stirn eingebaut. Den Gummizug habe ich diesmal außen angebracht. Ansonsten klappe ich gerne das Material nach innen um, um einen Kanal für das Gummi zu bekommen. Das fand ich hier durch den Schnitt der Kapuze mit dem hohen Kinnteil und durch den unelastischen Stoff unpraktisch. Da der Lightheart Gear Hoodie Pack Cover meine Inspiration war, habe ich deren Konstruktionsweise kopiert. Hier wird wie mit einem Beleg gerbeitet, nur verschwindet der nicht nach innen , sondern liegt außen. Auch hier wieder diese vereinfachte Kappnaht für die Naht über den Scheitel. Anschliessend alle Nähte mit Seam Grip versiegeln.

    Genauso wird die Jacke zusammengenäht. Ich nähe die Ärmel zusammen (vereinfachte Kappnaht) und versiegel die Naht. Dann die Ärmel an den Jacken-Körper. Der Jackenkörper ist aus einem Teil geschnitten um Nähte zu sparen. Es gibt also keine Nächte im Schulterbereich oder an den Seiten. Für das Ärmelloch ist eine solche Kappnaht nicht möglich durch den unelastischen Stoff und de Rundung. Ich habe die Nahtzugabe nur einmal umgeklappt und knapp zur ersten Naht (0,5cm) ein zweites Mal genäht. Die Ärmel habe ich sehr lange zugeschnitten, da ich mir noch nicht sicher war, wie ich die Abdeckung meiner Hände an den Stöcken lösen möchte.

    Kapuze an Jacke annähen. Auch hier wegen der Rundung, wie bei dem Ärmelloch keine Kappnaht, sondern zwei Nähte nebeneinander. Versiegeln. Zu dem Zeitpunkt sind Kapuze und Vorderteil noch aus einem Teil. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen an dem ich den Schnitt für den Reissverschluss mache. Es hat sich für mich einfach als praktischer herausgestellt, den Schnitt nachträglich zu setzen. Als Einzelteile zuzuschneiden und einzeln zu vernähen. Ich vermute, das ist Geschmackssache.

    5: Verbindung Rücksackhülle und Jacke

    Ich wollte den Gummizugkanal für die Regenhülle außen liegend haben mit der Verstellung durch einen Tanka seitlich unten, so dass ich im angezogenen Zustand den Gummizug verstellen kann. So kann ich einen lockeren Zustand mit mehr Bewegungsfreiheit und Durchlüftung haben bei Windstille. Und bei schottischen "Orkanwinden" kann ich alles festzurren. Ebenso kann ich den Zug lockern, um an den Inhalt der Seitentaschen des Rucksacks zu kommen.

    Daher stelle ich als nächstes einen Gummizugkanal her mit ausreichend Nahtzugaben (ich meine es waren 5 cm). Dann lege ich Jacke, Hülle und Kanal zusammen. Stecke es mit vielen Nadeln in der an allen Teilen großzügig bemessenen Nahtzugabe fest und nähe sorgfältigst die Lagen alle 2-3 cm sortierend und glättend die Teile zusammen. Das war anstrengend! Anschliessend rattere ich die Nahtzugaben durch die Overlock. So habe ich eine schön versäuberte Naht. Großzügig versiegeln auf der Oberseite und auch auf der Innenseite an beiden Seiten der Nahtzugabe.

    6: Bonusarbeit - Verbreiterung Vorderteil

    Nun schlägt die bittere Stunde der Erkenntnis, dass meine Schultergurt-Taschen auch Platz unter der Jacke brauchen. Da a) nicht mehr viel Zeit ist bis zur Reise nach Schottland und b) ich schon sehr viel Zeit in die Versiegelung gesteckt hatte war ein neuer Zuschnitt außer Frage. Mein Blick viel auf das Reflexband - Problem gelöst. Kein Zuschnitt und versäubern von Stoffstreifen nötig. Sehr knappkantig nähte ich zwei Streifen Reflexband an den Schnitt für den Reissverschluss. Dann "nur noch" den Reissverschluss einnähen. Alles versiegeln und fertig!

    Versiegelung:

    Ich habe das oben verlinkte Seam Grip mit dem mitgelieferten Pinsel aufgetragen. Zuerst sehr penibel, dann wegen Zeitknappheit und Unlust sehr viel schneller und großflächiger. Dadurch habe ich 1 und 1/3 Tube verbraucht. Ich habe keine Garage oder einen wettergeschützten Balkon. Also habe ich in einem Zimmer, dass ich gut lüften kann, immer Abends den genähten Fortschritt Stück für Stück versiegelt. So ein Kleidungsstück kann man auch nicht so einfach straff abspannen wie ein Tarp/Zelt. Das war also etwas knifflig aber mit vorhandenen Gegenständen machbar. Dann habe ich die Versiegelung rund 20-22h ausdünsten lassen, eben bis ich am nächsten Abend wieder etwas genäht habe. Nach dem Trocknen habe ich Penaten Babypuder mit einem Pinsel auf die Nähte verstrichen. Überschüssiges Puder habe ich mit einem Staubsauger entfernt und einem trockenen Microfasertuch abgewischt (es ging ja gleich wieder unter die Nähmaschine). Zum Puderauftrag habe ich eine FFP2-Maske getragen, da ich meiner Lunge den Feinstaub ersparen möchte. Die angebrochene Seam Grip Tube habe ich im Kühlschrank gelagert. Den Pinsel habe ich vor der nächsten Versiegelung mit den Fingern von angetrockneten Silikon freigerubbelt.

    Hat sich die Arbeit gelohnt?

    Ich hatte in Schottland nur 1,5 Tage mit stundenweise nieseligen bis leichten Regen, dafür mit dem üblichen stärkeren böigen Wind. Die Jacke hielt erfolgreich Regen von mir und dem Rucksack ab. Sie blockte den Wind sehr angenehm. Ich schwitze schnell, bzw. produziere auch ohne Schwitzgefühl viel Feuchtigkeit. Das hat man dann auch schon nach einer halben Stunde strammen Marsch bergauf auf der Innenseite in Form von sehr feinen Wasserperlen gesehen. Ich habe ein Polypropylen Shirt von Liod getragen, was sehr hydrophob ist. So wurde meine Kleidung nicht durchnässt von Kondensation innen. Die feinen Wasserperlen wurden nie zu größeren Tropfen. Ich vermute sie sind nach unten abgeperlt oder durch die Lüftung an den Öffnungen entwichen?

    Über den Sommer hatte ich nur an einem Wandertag die Möglichkeit den Poncho in strömenden Regen über 4,5h zu testen. Es ist alles wasserdicht. Es trat wieder diese feinperlige Kondensation auf, die sich in einer Pause in einem Unterstand einfach aus dem Material schütteln liess.

    Was mir noch fehlt als Test, ist ein ganzer durchregneter Wandertag, in dem man auch keine Pause in einem Unterstand machen kann.

    Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Jacken-Poncho. Es war immer schön muckelig warm ohne zu überhitzen. Ich hasse den nassen, kalten Rücken, den ich unweigerlich bei starken Regen mit Rucksack und Regenjacke bekomme. Ich mag es, dass der Inhalt der Netztasche und der Seitentaschen des Rucksacks trockenbleiben. Ich mag den zwei Wege Reisverschluss, der erlaubt auch hohe Schritte in steilen Gelände und bietet viele Lüftungsmöglichkeiten. Ich mag die Länge bis Mitte des Oberschenkels, denn die meisten Regenjacken sind mir etwas zu kurz, da ich einen langen Oberkörper habe. Ich mag die Verstaumöglichkeit der Jacke in der Regenhülle, während ich den Rucksack trage. Gerade bei dem wechselhaften schottischen Wetter habe ich häufig davon Gebrauch gemacht. Außerdem mag ich es eine Rucksackhülle zu haben, wenn ich mit Öffis oder an Bahnhöfen etc. unterwegs bin. Der Inhalt der Aussentaschen des Rucksack erscheint mir dann geschützter vor fremden Fingern und Dreck.

    Verbesserungspotential:

    • Die vordere Weite ist auch nach der Erweiterung etwas zu eng. Ich hätte es für die Dürchlüftung gerne etwas lockerer über der Brust. Aber dafür nochmal all die Arbeit mit dem versieglen? Eher nein.
    • Ich überlege Unterarmlüftungen einzubauen (pit zips). So kann ich bei moderaten Wetter oder auf der windabgewandten Seite noch besser lüften.
    • Rot ist nicht meine Lieblingsfarbe, aber es war die beste knallbunte Farbe erhältlich. Ich wollte nicht so viel Geld für den Stoff ausgeben für ein ungewisses Projekt.
  • Ungefähre Kosten:

    • 5m Stoff bestellt: 60€ (ich habe noch gut 1m übrig.) Also knapp 50€ Materialkosten
    • Reissverschluss 20€
    • Reflexband: ca. 5€
    • Seam Grip: 20€ für zwei Tuben. 2/3 Tube ist übrig. Also großzügige 15€ Kosten.
    • Elastische Kordel: 2€
    • Garn, Tanka hatte ich zuhause: ich sag mal pauschal 5€

    Das macht 97€. Der Packa in L 15 den silnylon kostet aktuell 133 USD plus Zoll. Finanziell bin ich also günstiger weggekommen. Es ist eine Maßanfertigung und ich habe vieles gelernt. Das ist nicht zu bezahlen :D8)

  • Vielen Dank für deinen Bericht! Meinen Packa konnte ich ja tatsächlich noch nicht ausprobieren, weil mir Corona und die vermutlich daraus resultierende beidseitige Achillessehnenentzündung einen Strich durch sämtliche Fußovernigther gemacht hat. Dein Eigenbau ist aber beeindruckend leichter, das können ja nicht nur die Pitzips sein (meiner wiegt 294)?

  • Hatte im Hängemattenforum, wo die Packa beliebter ist ja schon mal gegrübelt, warum man davon keine wirklich leichte Variante macht. Und habe auch schon länger gehadert, ob ich auch mal einen myog Hack versuchen soll.

    Ich hätte es allerdings gerne noch länger, eher Mantelartig, mindestens die kurze Hose soll schon bis über die Knie mit trocken bleiben. Insofern iteressant, bei welchem Gewicht Du schon bei der kurzen Version rausgekommen bist. da ist dann nennenswert leichter als mein Altus, der sich letztes Wochenende gut geschlagen hat, kaum noch möglich.

    In Sachen Belüftung - wenn der Rucksackteil nicht wie ein extra Fach gearbeitet ist, sondern der Mantel hinten insgesamt weiter, hat man ähnlich dem Poncho von unten Luftaustausch, flattern tut es dennoch nicht, da immernoch ausreichend schmal geschnitten. Zudem läuft das Wasser hinten dann weiter weg vom Körper ab und weniger landet auf den Beinen beim Schritte machen.

    Ich überlege, ob ich aus froggtoggs noch einmal eine Version frankensteine...

    "Not all those who wander are lost"

    Einmal editiert, zuletzt von questor | hangloose (13. April 2026 um 12:40)

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