3. Abschnitt: Breckenridge bis Twin Lakes
4.8.25 Segment 8 bis Cataract Creek
Wir nehmen den ersten Bus nach Copper Mountain (umsteigen in Frisco) und wandern mit nun wieder wohlgefüllten Rucksäcken los. Lebensmittel für die nächsten 72 Meilen hatten wir, d.h. Lutz, am Vortag beim Umsteigen in Frisco gekauft – in Breck, dieser Tourismus-Hochburg, gibt es keinen einzigen Supermarkt.
Zunächst quert der Weg einige Skipisten, bevor er sich dann am Guller Creek bergwärts zunächst recht steil nach oben wendet. Nach einem Weilchen weitet das Tal sich etwas auf, und beim Rückblick sieht man wunderbar auf die Ten-Mile-Range zurück (man beachte die interessanten Namen der Berge - so geht das weiter - bis Peak 10). Sehr schön auch wieder die Landschaftsgestaltung durch die Biber. Es ist sonnig, warm, aber nicht heiß.
(mit freundlicher Erlaubnis von Peakfinder)
Weiter geht es über die Baumgrenze, Searle Pass, weiter aufwärts zum Elk Ridge, der heute unser höchster Punkt mit 12200ft, 3720m. Jetzt sind wir 12 Meilen unterwegs.
Unser erstes Murmeltier:
Ab hier geht es abwärts. Kokoma Pass, weite Blicke, auch zu großen Tagebauen mit Tailings Ponds hinunter (Schlammabsatzbecken, vermutlich recht ungesund).
Abwärts geht es; in einem Kommentar in Farout ist am Catarakt Creek auf 10000 Fuß ein schöner Zeltplatz beschrieben, und er ist auch nicht besetzt. Den Sonnenuntergang kann man durch Baumwipfel ahnen, fließend Wasser, die Reste einer Hütte. Knapp 16 Meilen und 3000ft/gut 900Höhenmeter waren es heute.
5.8.25 Tennessee Pass, Segment 9 bis Porcupine Lakes
Noch immer stehen wir jeden Tag um 5 Uhr auf, da benötigt man inzwischen die Taschenlampe. Es ist immer so um 5 Grad frisch - plus-minus 2Grad. Müsli, Kaffee und viel Tee, die Luft ist meistens so trocken, dass es keinen Kondens auf oder im Zelt gibt, sofern man unter Bäumen aufgebaut hat.
Heute geht es erst einmal abwärts zu einer Hochebene, dort überqueren wir unseren kleinen Cataract Creek – von den cataracts kann man aber praktisch nichts sehen. Auf dieser Hochebene war einst das Camp Hale. Hier wurde Anfang der 1940er die wohl ziemlich berühmte 10th Mountain Division aufgebaut und trainiert, die im 2. Weltkrieg in den Alpen gekämpft hat. Bis auf ein paar Betonreste ist von dem Camp nichts mehr zu sehen.
Wir laufen weiter und verpassen die letzte bei Farout verzeichnete Wasserstelle. Jedenfalls die letzte, die Wasser führt, wie wir an der ausgetrockneten feststellen. Wir fragen eine entgegen kommende Trailrunnerin, ob sie irgendwo Wasser gesehen habe. Hat sie nicht – aber sie bietet an, wenn sie am Auto am Tennessee Pass ankommt, eine Gallon Wasser für uns zu hinterlassen. Das sind nur noch dreieinhalb Meilen - Klasse!
Bis dahin sehen wir noch ein Moose mit zwei Jungtieren, laufen irgendwann auf einer langweiligen alten Bahntrasse und sehen die Reste zweier Kohlenmeiler.
Und da ist es, unser Wasser: Trail magic!
Die leere Plastikflasche können wir auch gleich einem Mann mitgeben, der sich dort die Memorials anschaut für die 10th Mountain Division und die Norwegian Division.
Von hier aus hitchen viele nach Leadville zum resupply, und weil es eine coole Stadt sein soll; wir wandern weiter und kommen in die nächste wilderness: Die Holy Cross Wilderness. Irgendwann vor langer Zeit ist hier mal jemand im Frühjahr gewandert und hat an einer Felswand ein großes Kreuz gesehen, wohl Schnee in Felsspalten. Daher der Name.
Beim Weiterwandern sehen wir voraus zu den ersten fourteeners, (Berge, die über 14000ft /4267m hoch sind). In Colorado gibt es sehr viele davon. Einige von ihnen liegen so dicht am Trail, dass man sie mit ein wenig Mehraufwand ersteigen könnte. Für mich bleibt das aber Konjunktiv: könnte.
Gegen frühen Abend treffen wir „Chef“, sie zeigt uns gute Zeltplätze – aber ich möchte noch zu den Porcupine Lakes hoch. Aufstiege am Abend sind zwar immer die steilsten, doch diese Seen fand ich 2018 schon so schön. Ein junges, fröhliches Pärchen überholt uns, offensichtlich sind sie überhaupt nicht außer Atem. Ja, sie wollen auch noch zum Lake – es stellt sich aber heraus: zum Turquoise Lake einige Meilen weiter. Ich sei doch diese Ultra-Marathon- Frau, oder? Nee, bin ich beim besten Willen nicht. Oh, ich sähe ihr aber so ähnlich!
An den Porcupine Lakes sind wir ganz allein, genießen ein unglaubliches Farbenspiel und baden lieber nicht – hier gibt es viele leeches, Blutegel.
Heute waren es wieder einmal 16,5 Meilen und ungefähr 2600ft/800m; wir übernachten auf 11450ft/fast 3500m.
6.8.2025 Wandern ins 10.Segment mit Pferdeäpfeln
Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang, den ich versuche einzufangen, brechen wir auf.
Abgesehen von einer Traverse mit toller Aussicht folgt eine relativ unspektakuläre Wanderung. Während einer Nüsschen-und Riegel-Pause haben wir einmal kurz Netz und schaffen es, uns ein Zimmer im Historic Inn in Twin Lakes zu buchen (juhuu! Letztes Mal war er ausgebucht). Für ziemlich viele Dollars, 169 plus tax, aber immerhin mit Frühstücksbuffet. Hier überholt uns auch eine Gruppe von Reitern – Reiterinnen bis auf den Führer, dazu einige Packpferde. Von nun an gibt es andauernd frische Pferdeäpfel auf dem Weg. Am Timberline Lake Trailhead (bis hierher wollte das junge Pärchen gestern noch laufen!) kommen wir in das 10. Segment und in die nächste wilderness, die Mount Massive Wilderness; es geht ebenso unspektakulär angenehm weiter (bis auf die Pferdeäpfel). Hier ist tatsächlich Betrieb: Peak baggers, unser Weg führt zum Aufstieg zum Mount Massive, einem der fourteener. Am Willow Creek finden wir in der Dämmerung eine nette camp site, nicht weit von dem horse camp entfernt. Im Logbuch verzeichnet sind: Zelten am South Willow Creek auf 11000ft, geschafft haben wir knapp 16einhalb Meilen und 3300 ft/ rund 1000 Höhenmeter.
7.8.2025 Auf nach Twin Lakes!
Nach drei Meilen erreichen wir den Mt Massive Trailhead, hier parkt man, wenn man den Mt Massive erklimmen möchte, oder auch den Mt Elbert. Wollen wir nicht – wir gehen weiter, durch einen wunderschönen Aspen-Hain,
an den Lilly Ponds vorbei, an denen die Biber mal wieder ganze Arbeit leisten - Aspen scheinen ihre Leibspeise zu sein -
erblicken endlich die Twin Lakes
und erwischen bald darauf auch den Abzweig, der fast direkt in den Ort führt. Unser Zimmer können wir noch nicht beziehen, aber wenigstens die Rucksäcke drinnen abstellen; es gibt food trucks (einer hat ganz viele Aufkleber, jetzt hat er noch einen mehr),
und wir gucken uns den Ort an, checken schon mal den legendären conveniance store, der auch eine wohl gefüllte Hiker box hat (man kann sich auch Pakete hierher schicken lassen, und was dann zu viel in den Paketen ist, landet halt darin. So gut, wie der Laden ausgestattet ist, weiß ich jedoch nicht, warum man das tun sollte, solange man nicht z.B. Zöliakie hat).
Es gibt einen weiteren Laden mit Spezialitäten – auch da kaufen wir ein, und einen Stand mit superreifen Pfirsichen.
Und VW-Busse mit anständigem Kaffee
Wir beziehen unser entzückendes Zimmerchen (das angeblich mal von einer "Lady of the night" - so steht es da angeschrieben - bewirtschaftet wurde) und waschen alle Sachen mit der Hand durch – Waschmaschinen gibt es hier für uns nirgendwo.
Wir erfahren: der Historic Inn steht zum Verkauf; das Restaurant, es hat einen guten Ruf gehabt, ist bereits geschlossen. So essen wir am Abend „pie“ genannte Pizza aus dem food truck - und Salat.
Was nirgendwo verzeichnet ist, kein farout Kommentar weist darauf hin, und auch andere Hiker erfahren es erst hier per Mundpropaganda: Im Garten des anderen Spezialitätenladens dürfen Hiker in der Dämmerung ihre Zelte aufschlagen!
Heute haben wir 10 Meilen zurückgelegt, überwiegend bergab.
Ein letzter Wettercheck: Die Voraussagen sind grandios – keine Gewitter in Sicht! Wir werden morgen die spektakuläre hohe Variante nehmen – die Collegiate West!