Gjendesheim - Memurubu
Grob um 14:30 "lande" ich in Gjendesheim. Raus aus dem Bus und erst mal trailfertig machen. Es weht ein knackiger, kalter Wind. Nachdem es oben den Grat lang gehen soll, nehme ich noch etwas mehr Wasser mit (habe einen halben Liter fürs laufen geplant weil eh immer Wasser da, aber hab noch die 2l Faltflasche bei wegen Camp). Es geht rauf auf dem Berg, und nein, alleine ist man nicht. Es kommen einem ca 10 Leute pro Minute entgegen. Mir war klar dass es hier nicht einsam ist weil schön, aber das? Später erfahre ich, daß der Besseggen ziemlich promoted wird. Norwegen hätte die Touris gerne gesammelt an wenigen Plätzen. Fuck. Macht Sinn. Nur grad eben nicht für mich
. Es geht ein Stück mit Ketten hoch. Dann fängt es zu nieseln an. Ungläubig starre ich auf mein Handy. Es sollte hier doch nicht regnen? Aber das Wetter scheint hier eher unkalkulierbar zu sein. Es geht erst steil nach oben, dann oben den Grat lang. Landschaftlich teils Mordor-esque. Steine, Moos & Flechten. Ein Regenbogen überspannt die unwirkliche Szene. Gelegentlich reißen die Wolken auf und geben einen großartigen Blick über den See Gjende und die Landschaft dahinter. Und immer wieder spült es einem die Horden entgegen. Wo kommen die alle her?? Beim Veslfjellet ist es so neblig, dass ich mich beinahe verlaufe. Es geht runter zum Besseggen und ab da wirds fies. Es ist schon nach 5 und die Horden sind nur noch vereinzelte Wanderer geworden. Es nieselt mit knackig Wind im Gesicht, nebelig. Ich bin froh um die Handschuhe. Es hat sicher kaum 5°C. Und dann geht der Besseggen Grat los. Eher weglos geht es nach unten, Klettern auf allen Vieren, Rückwärts, keine Ketten. Wenn man ausrutscht fällt man tief. So 400m? Da kannst Du nur noch ein Kreuzerl hinterher schmeißen. Meinefressealter. Ich bin dankbar die Bergschuhe dabei zu haben. Durch die verregnete Brille habe ich kaum Sicht & klettere elends langsam hinunter. DAMIT hab ich nicht gerechnet. Höhe ist nicht wirklich meines. Schon gar nicht bei dem Wetter. Zwischendrin beschließt etwas in mir nicht mehr weiter gehen zu wollen, FUCK, aber die Alternativen sind nicht besser. Irgendwann komm ich unten an. Wo ist der Schnaps wenn man einen braucht? Wäre eh Consumables?? Ursprünglich wollte ich mich vor dem Westwind in dem darauffolgenden Tal verstecken. Aber es ist 18:00 und ich bin mental erst mal angeschlagen. Und das am ersten Tag. Ich suche das Ufer des Sees Bessvatnet ab und finde ein paar Campplätze. Auf einer windgeschützten Stelle baue ich mein Zelt auf und koche mir was getrocknetes. Kann es sein dass Rødsprit nicht ganz so viel Bums hat wie Brennspiritus? Oder es liegt an den 9°C
. Es nieselt immer wieder die ganze Nacht, ab und zu peitschen Böhen in den sonst windstillen Stellplatz.

Die Nacht war trotz Niesel im neuen Quilt schön angenehm und wohlig. Es gibt Kekse und Kaffee, dann packe ich das nasse Zelt ein und los gehts. Auf den höheren Lagen scheint es geschneit zu haben. Die Gipfel sind pudergezuckert. Man läuft noch 1h einsam, dann kommen die ersten. Immer wieder genialer Blick auf die anderen Seite. Spätestens beim Weg runter nach Memurubu steht man wieder in den Horden. Wie schaffen die das alle über den Grat? Und wissen die auf was sie sich da einlassen? Familien mit Kindern, Hunde?? Und kein Hubschrauber soweit. Krass. Je näher man zur Hütte kommt desto besser wird der Weg. Nepalesische Sherpas werden eingeflogen um handgeschichtete Treppen anzulegen. Sieht aus wie von Riesen gefertigt. Unten bestell ich mir was zu futtern. Es nieselt immer wieder. Noch Wasser auffrischen, und es geht wieder weiter, grob um 13:00

P.S.: solltet ihr den Besseggen Grat laufen wollen, rate ich euch in die andere Richtung zu gehen, dann steigt man die schwierigen Stellen auf, was leichter ist. Man kann von Gjendesheim nach Memurubu mit dem Schiff fahren