Beiträge von Cross Hammock

    Ich stehe ja immer wieder verblüfft vor Deinen Kleidungsentwürfen.
    Kannst Du uns eine ungefähre Zeiteinheit nennen, die Du für die Fertigung gebraucht hast?

    Ich habe wie gesagt etliche Monate über das Projekt nachgedacht, ohne irgendwelche Fortschritte zu machen. Die vier landläufigen Reißverschlusslösungen gefielen mir nicht und eine fünfte wollte mir nicht einfallen - bis ein Freund mir vor etwa zwei Wochen von seinem Lettmann-Trocki erzählte, dessen Reißverschluss ähnlich verläuft wie der letztlich von mir realisierte. Allerdings war das nur ein 6-mm-Reißer, der nach wenigen Malen Benutzung kaputt gegangen war - und er war 1 m lang, während der längste bei Extex erhältliche Tizip lediglich 96 cm misst.
    Also kam ich zum Schluss, dass ich einen 10-mm-Masterseal nehmen und zugleich die Einnäh-Position etwas nach oben verlagern müsste, damit ich ihn über den Kopf bekomme. Das Schnittmuster zu erstellen war dann die eigentlich Arbeit, die mehrere Tage dauerte, weil ich immer, wenn ich nicht völlig überzeugt bin, ob etwas wirklich funktioniert, die Sache erst mal liegen lasse. Besonders das Problem mit der Innenkurve und Außenkurve hat mich eine gefühlte Ewigkeit beschäftigt - bis mir die Lösung einfiel: ich schneidere einfach das Oberteil 5 cm weiter als das Unterteil, dann können beide Kurven die selbe Länge haben und alles passt zusammen.
    Letzten Samstag habe ich dann den Dummie aus Nesselstoff gefertigt - und auch der schien zu passen.

    Die eigentlich Arbeit wurde dann letzten Sonntag erledigt. Und das war eine Nähmaschinen-Arbeit, mit der ich Routine habe. Über die ungefähre Dauer (falls du das meintest) können die Exif-Daten der Fotos Auskunft geben. Zugeschnitten waren die Teile 10:09

    Der Pinkelzipper war 11:00 Uhr eingenäht.

    Den Hauptreißverschluss habe ich 16:14 eingesetzt...

    ...und um 17:56 war Anprobe.

    Zwischendurch habe ich natürlich auch was gegessen. Also ungefähr ein Arbeitstag. Bedenken muss man natürlich, dass das bereits der dritte Trocki ist, den ich fertige. Und die Nähte sind auf das absolute Minimum reduziert. Deren gesamte Länge misst sicherlich unter 15 m (also 30 m mit Gegensteppen). Das könnte jemand, der in Asien im Akkord näht, wahrscheinlich in einer Stunde erledigen.

    Noch zwei Fragen zum Einstiegs-Reißer. Drückt der nicht in den Rücken beim Sitzen oder Rollen?
    Und funktioniert eine »einfache Öffnung« auch für den großen Toilettengang? :/

    Der Zipper sollte, soweit ich sehe, nicht drücken. Er verläuft hinten etwas höher als der normale Hosenbund, also auch höher als die Lehne in meinem Faltboot. Wie es mit dem großen Geschäft aussieht, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Aber ich kann ihn in etwas mehr als einer Minute an- und ausziehen.

    Weiter geht es mit dem Bericht:

    Heute stand das Abdichten an, eine Arbeit, die ich ehrlich gesagt nicht besonders mag. Folgende Utensilien waren nötig:

    Ein Drittel der Tube habe ich vorgestern für den ersten Durchgang verbraucht. Mit dem Cure Accelerator wird Aquasure ein klein wenig flüssiger. Vor allem verkürzt sich damit aber die Trockenzeit auf wenige Stunden. Eine FFP3D-Maske und Gummihandschuhe sind dringend zu empfehlen, weil das Zeug ein echtes Gift ist, solange die Lösungsmittel sich nicht verflüchtigt haben.

    Anschließend kam der Anzug zum Trocknen auf den Balkon. Einen dritten Durchgang brauche ich sicherlich noch, bis alles dicht ist. Aber ich bin mit dieser Lösung viel zufriedener als mit dem Bügelband, das weder richtig hält noch dichtet.

    Bei meinem kürzlichen Overnighter mit dem Kajak wurde mir klar, dass ich mit meinem ultraleichten Trocki nicht mehr gefahrlos in der kalten Jahreszeit paddeln gehen kann. So leicht und bequem er ist, am Ende besteht er aus einem Dreilagenmaterial, das für Regenjacken, nicht aber für Unter-Wasser-Einsätze entwickelt wurde. Und so habe ich ein Projekt in Angriff genommen, für das ich mich schon vor längerer Zeit mit Material versehen hatte. Seit einiger Zeit verkauft ExTex einen echten Trockenanzugstoff (leider nicht als Sortimentsware - wird also irgendwann weg sein), der aus vier Lagen besteht und auch längere Unter-Wasser-Aktivitäten aushalten sollte. Den habe ich mir schon vor vielen Monaten gekauft, bin bisher aber nicht dazugekommmen, ihn zu verarbeiten.
    Der Hauptgrund dafür ist, dass ich nicht sicher war, wie ich den wasserdichten Einstieg gestalten sollte.
    Auf dem Markt gibt es bekanntlich mehrere Reißverschluss-Varianten, mit denen Trockis ausgerüstet werden. Verbreitet sind einmal Zipper vom linken Oberschenkel zur rechten Schulter - von denen Nutzer teilweise negative Erfahrungen teilen, weil der steife Reißverschluss am Oberkörper verläuft. Dann gibt es Anzüge, bei denen der Reißer am Rücken über die Schulterpartie vom linken zum rechten Oberarm geht. Aber von dieser Rückenvariante habe ich gehört, dass sie sich alleine sehr schwer schließen lässt. Das kam also auch nicht in Frage.
    Dann gibt es aber auch noch die zwei andere Möglichkeiten, die ich bisher selbst ausprobiert habe. Bei der einen verläuft der Zipper durch die Schrittnaht von der linken zur rechten Wade. So war mein erster Trocki gearbeitet, der vom Tragekomfort sehr gut war, sich aber nur unbequem anziehen ließ. Außerdem musste man immer höllisch aufpassen, die weit in Bodennähe hinabreichenden Reißverschlusshälften beim Anziehen von Sand oder Dreck fernzuhalten. Dieser Reißverschluss ist außerdem der teuerste, weil er bei meiner Körpergröße mindestens 1,30 m (besser 1,40 m) lang sein muss. Auch diese Möglichkeit schied also aus. Und dann war noch mein UL-Trocki aus besagtem Regenjackenmaterial, der mit Jackenreißverschluss bis durch die Halsmanschette leicht zu öffnen - und auch zum Pinkeln sehr bequem ist, aber in dieser Form leider nie vollkommen dicht sein kann.

    Also brauchte ich eine ganz neue Lösung - und die habe ich auch gefunden! Sie sieht so aus, dass der Reißverschluss vom linken zum rechten Rippenansatz bogenförmig über den Rücken verläuft. Auf diese Weise kann man Hosenteil und Oberkörperteil nacheinander anziehen und hat keinen Reißverschluss am Oberkörper. Was aber eine extreme Herausforderung darstellte, war die Erstellung des Schnittmusters. Meinen vorhandenen Trocki-Schnitt konnte ich zwar benutzen, musste aber wichtige (und millimetergenaue) Abänderungen vornehmen. Das Problem besteht darin, dass der bogenförmige Verlauf des Schnittes eine Innen- und eine Außenkurve hat, die bei 7 cm Reißverschlussbreite einen Unterschied mehrerer Zentimeter ausmacht. Der Reißverschluss selber ist aber ein langgestrecktes Rechteck, dessen Ober- und Unterkante genau gleich lang sind. An solchen (nicht unwichtigen) Details habe ich mir mehrere Tage den Kopf zerbrochen - und (erstmals) zunächst auch einen Dummie genäht, um zu sehen ob mein Schnitt hinhaut.

    Hier eine Impression von meinen Schnittmusterexperimenten - ich habe leider bis heute kein Programm gefunden, das sich in überschaubarer Zeit erlernen lässt, mit dem ich so ein Pattern erstellen könnte.

    So sieht schließlich das halbe Unterteil aus.

    Hier liegen alle ausgeschnittenen Teile auf dem Fußboden.

    Dann werden die Unterteilhälften an der vorderen Schrittnaht verbunden und der Pinkelzipper wird angezeichnet, ...

    ...ausgeschnitten...

    ... und eingenäht. Das war die leichtere Übung.

    Jetzt wird die hintere Naht des Unterteils geschlossen...

    ...und gegengesteppt.

    Anschließend werden die Unterteile an der Beininnennaht zusammengenäht und gegengesteppt. Für diese Naht braucht man eine Maschine mit langem Freiarm (mindestens 25 cm), denn das gesamte Hosenbein muss dafür auf den Freiarm aufgefädelt werden.

    Dann kommen die Füßlinge an die Reihe, die ich aus einem einzigen Stück Stoff nähe, um möglichst wenige Nähte abdichten zu müssen.

    Die Füßlinge werden mit einer einzigen Naht verbunden, die vom großen Zeh über die äußere Ferse zur inneren Ferse hoch zur Wade verläuft.

    Dann werden die Füßlinge ans Beinende angenäht...

    ...und gegengesteppt.

    Auch dafür muss man wieder das gesamte Hosenbein auf den Freiarm auffädeln.

    Vom Zusammennähen von Vorder- und Rückenteil habe ich anscheinend keine Fotos gemacht. An diese beiden Stoffteile wird dann die Halsmanschette genäht und gegengesteppt. Die Neopren-Manschetten habe ich diesmal nicht mehr nur aus einem Kegelstumpf gefertigt (wie bei den vorigen Trockis), sondern noch einen 3 cm hohen Zylinder angenäht, damit sowohl Hals als auch Handbündchen fest umschlossen werden.

    Hier werden die Ärmel angenäht...

    ...und so sieht das fertige Oberteil aus. Irgendwas haut mit dem Schnitt nicht hin, ...

    ...denn das Rückenteil ist 2 cm zu lang. Das musste ich noch abschneiden - aber zum Glück veränderte sich die gesamte Geometrie dadurch nicht.

    Jetzt kommt die "Hochzeitsnaht", mit der Ober- und Unterteil miteinander verbunden werden. Sie ist nur 16 cm lang, denn der andere Teil wird ja durch den Hauptzipper geschlossen.

    Beim Einsetzen des Reißverschlusses musste sich zeigen, ob alles richtig berechnet worden war.

    Die neuen Tizips haben eine verbesserte Hydrolysebeständigkeit und deshalb ein durchstichfesteres Trägermaterial, dafür muss man den Nähfußdruck und die Fadenspannung auf Maximal stellen.

    Als ich die Runde herum war, zeigte sich, dass alles gepasst hat - Erleichterung!

    Abschließend kommt die schlimmste Naht - das Gegensteppen an der Handmanschette. Das ist eine einzige Qual, weil jetzt der enge Arm des Trockis über den Freiarm der Maschine gestülpt und dann eine Runde über Neoprenmanschette und Stoff gedreht werden muss. Diese Naht sieht auch nie schön aus, aber sie ist wichtig, um den Trocki später gut abdichten zu können.

    Vor der Anprobe kommt für einen echten ULer natürlich der Gewichtscheck! Der "Neue" wiegt also dreimal mehr als der letzte Trocki, aber er sollte dafür auch komplett dicht und seewassertauglich sein.

    Der Trocki sitzt in der Hüfte etwas körpernaher als sein Vorgänger - aber er passt!

    Und er lässt sich bequem anziehen und schränkt die Bewegungsfreiheit des Oberkörpers nirgendwo ein!

    Abdichten werde ich diesmal ausschließlich mit Aquasure. Das ist eine Abbildung von der ersten Schicht - aber da ist noch weitere Arbeit nötig - ich werde berichten...

    Fairerweise müsste man die Säge mit 100 g und das Spaltmesser mit 200 g dazurechnen.
    Cross Hammock wie viel wiegt Dein Messer? Ich habe grob in Erinnerung, dass es deutlich leichter war.

    Mein Messer wiegt 179 g ohne und 218 g mit Scheide. Die Klinge ist aus gutem und 4 mm dickem D2-Werkzeugstahl, muss aber trocken gehalten und gepflegt werden, weil sie sonst rostet.

    Schwarzwaldine Dass die Wettervorhersagen dieses Jahr ziemlich ungenau sind, ist mir besonders auf der Dänemarktour auch aufgefallen. Aber vorgestern war die Lage doch so, dass nach einer Schönwetterperiode ein Umschwung kommen würde, der einigermaßen genau abzuschätzen war. Ich hatte aber auch ein Tarp in Griffweite liegen, das ich auch im Dunklen schnell aufbauen kann. Und dann gab es ja auch noch ein dichtes Blätterdach, das in den ersten Minuten dichtgehalten hätte.
    Insgesamt ist es wohl auch eine Typfrage. Die kleine Unsicherheit, dass ich eventuell nass werden könnte, stachelt bei mir eher die Risikofreude an, weil ich mich im Erfolgsfall freue, dem Wetter ein Schnippchen geschlagen zu haben. Vielleicht schwer zu verstehen und kaum rational zu begründen, aber so ähnlich muss es wohl sein…

    Bis hinter zum Krampnitzsee und wieder zurück waren es gestern 12 km, die ich nicht so gerne im Packraft abgepaddelt hätte, aber der Hauptgrund war, dass ich Lust auf das Boot hatte, das ein völlig anderes Paddelerlebnis bietet als die Pendelei im Packraft. Heute früh kam noch ein Gegenwind hinzu, bei dem man nicht in der Gummiente sitzen möchte. Und wirklich lange dauert das Auf- und Abbauen vom Trak auch nicht - bleibt aber natürlich der Transport des 25kg-Paketes in der Bahn. Aber selbst das ist durch den Rollkoffer einigermaßen komfortabel zu bewerkstelligen.

    Der Tag der deutschen Einheit versprach gutes Wetter und zugleich Menschenauflauf in der Hauptstadt - perfekte Bedingungen, um für einen Tag und eine Nacht dem alltäglichen Wohnumfeld den Rücken zu kehren.

    Mit der S-Bahn kommt man bequem zur Einsatzstelle am Griebnitzsee, die etlichen Berlinern von einem denkwürdigen Overnighter vor sieben Jahren wohlbekannt sein dürfte. Links die Tasche enthält mein Faltboot, rechts der Rucksack das Übernachtungsgepäck mit Hängematte, Zelt und Ofen (letztere kamen nicht zum Einsatz). Da ich nach längerer Paddel-Abstinenz versessen war, aufs Wasser zu kommen, gibt es vom Aufbau keine Bilder.

    Hier bin ich bereits die kleine Wannseekette bis zur Gienicker Lake gepaddelt und blicke in der Ferne auf die Glienicker Brücke, unter der ich dann durchgefahren bin. Weiter ging es bis zum Krampnitzsee, den ich mir mal genauer ansehen wollte, weil dort ein Anwesen liegt, das vor kurzem für 13,5 Millionen € versteigert wurde. Die äußerste Landspitze, das Stinthorn hätte mich - solange dort noch nichts gebaut - wird, als Übernachtungsplatz interessiert, aber das Ufer war eingezäunt und wirkte nicht wirklich zugänglich.

    Also kehrte ich zu einem schon erprobten Platz zurück, der noch einige Zeit von der Abendsonne beschienen wurde.

    Auf diesem Bild sind etwa 90% durchs Moskitonetz belichtet worden. Von außen sieht es dort so aus, wie man unten sieht, hinten liegt mein Boot.

    Ich habe mich dann für eine minimalistische Abendvariante ohne Zelt und Ofen entschieden, weil es nicht zu kalt und für den heutigen Morgen Regen angesagt war - außerdem wollte ich nicht zuviel Zeit mit Auf- und Abbau zubringen.

    Hier ein Blick aufs Boot.

    Die Hängematte habe ich nachts minimalistisch ohne Tarp genutzt, denn der Regen sollte erst gegen 9 Uhr einsetzen.

    Dem bin ich durch ein frühes Aufstehen bei Sonnenaufgang zuvorgekommen...

    ...und konnte noch eine schöne Lichtstimmung am gegenüberliegenden Ufer genießen...

    ...bevor es dann zuzog und der Regen einsetzte. Dann saß ich aber schon wieder in der Bahn.

    Fazit: hat viel Spaß gemacht und war ein gelungener Kontrastpunkt zum Alltag.

    Hier soll es tatsächlich um komplett an allen vier Seiten geschlgeschlossene Behausungen gehen.

    Wirklich? Dein oben verlinktes Tarp-Schnittmuster erfüllt genau dieses Kriterium nicht, denn da fehlt der Boden.
    Und mal ganz ehrlich: wie soll bei dieser willkürlichen Materialbegrenzung ein nutzbarer Shelter herauskommen? Das kann nur eine Dackelgarage werden, in der sich kein erwachsener Mensch bewegen kann.

    Und die Panne klingt sehr nach dem, was meinem Mann auf der letzten Tour passiert ist, ebenfalls GRX, ebenfalls einzelne gerissene Stränge im Inneren

    Wenn das noch mehr GRX-Radler bestätigen, stellt sich mir doch die Frage, ob eine elektronische Schaltung nicht doch die bessere Wahl ist. Eigentlich hatte ich geglaubt, hinsichtlich der Robustheit mit der mechanischen Gruppe auf der sicheren Seite zu sein. Aber das ist offensichtlich nicht der Fall. Klar, man muss mit dem Aufpreis und dem zusätzlichen Ladegerät klar kommen, aber von einem ähnlich fatalen Defekt unterwegs habe ich bei elektronischen Modellen noch nie gehört. Meine Schaltung ist zwar vier Jahre alt, aber ich bin vor Zeiten eine alte XT 20 Jahre gefahren - ohne jeden Defekt.

    Zurück zur Tour. Wir sind inzwischen in Frederikshavn angekommen, setzen jetzt nach Schweden über - und damit endet diese Radreise. Ich muss sagen, dass ich noch nie unter so widrigen Umständen unterwegs war. Wir sind in den letzten viereinhalb Tagen mit Gepäck 500 km gefahren, konnten dabei aber nur wenige Stunden täglich zum radeln nutzen, weil es ständig heftig goss.
    Mir hat die Tour trotzdem Spaß gemacht, besonders weil ich wusste, dass jeden Abend ein gemütlicher Schlafplatz in Gestalt der Hängematte auf mich wartet und ich unterm Tarp im Stehen meine Sachen verstauen und mich umziehen kann. Insoweit möchte ich eine klare Empfehlung fürs Hängemattencamping bei Schietwetter aussprechen.

    Willst du uns noch mitteilen, wann die Tour genau stattgefunden hat?

    Das habe ich doch gesagt, wir sind noch unterwegs.

    Der heutige Tag begann mit einer gehörigen Panne, weil meine mechanische GRX-Schaltung ihren Dienst versagte. Ich habe mich erst selber an einer Reparatur versucht, musste dann aber doch einen Radladen in Hadsund aufsuchen. Dort hat man mir einen neuen Bowdenzug eingezogen und dann funktionierte sie wieder. Im alten Zug waren innen (nicht am Ende) einzelne Stränge gerissen und hatten sich in der Hülle verklemmt. Das ist mir in meinem fünfzigjährigen Fahrradleben noch nie passiert. Wir sind anschließend an die Kattegatküste gefahren und sind jetzt 40 km vor Frederikshavn, wo morgen unsere Fähre nach Göteborg geht. Die heutige Strecke ist aber keine Empfehlung, weil der Radweg im Landesinneren schnurgerade an einer Straße entlanggeht - langweilig.
    Ich liege schon in der Hängematte und der Regen prasselt aufs Tarp. Das letzte Bild des Tages sieht dementsprechend so ähnlich aus wie das erste heute Morgen. Gute Nacht!

    Die Wettervorhersage versprach nichts als Regen, aber wenn man einmal eine Tour geplant hat, möchte man doch nicht kneifen. Also ging es mit dem Zug nach Wismar. Das erste schöne Zwischenziel war das Schloss Bothmer, hier mit seiner berühmten Allee.

    Weiter ging es Richtung Lübeck.

    Abendstimmung mit Blick auf die Lübecker Bucht.


    Am Priwall muss man mit einer Fähre übersetzen. So sieht übrigens mein Rad aus.

    In der touristisch überfrequentierten Küstengegend hinter Lübeck haben wir lange keine Stelle zum Übernachten gefunden und mussten bis in die Nacht fahren. Bei der Schlafplatzsuche in der Dunkelheit habe ich die Lupine Radlampe erstmals richtig schätzen gelernt. Der Übernachtungsplatz zwischen Buchen hat dann aber die Suche doch gelohnt.

    Am nächsten Tag ging’s weiter nach Eutin mit dem Sommerschloss der Holsteinischen Herzöge, und einem sehr schönen Küchengarten, der rein ehrenamtlich gepflegt wird.

    Da es an diesem Tag lang heftig regnete, hier noch erkennbar am Rad, haben wir uns entschlossen, bis Flensburg mit dem Zug zu fahren.

    Abends ging es dann entlang der Flensburger Föhrde und…

    …über die dänische Grenze…

    …bis zu einem Campspot am See. Der folgende Tag brachte einen ständigen Wechsel von Regen, Regenpause und Starkregen.

    Wir haben etliche Zeit in Bushaltestellen abwarten müssen - nicht gerade ein Urlaubserlebnis, das man sich wünscht. Zwischenzeitlich haben wir sogar überlegt, in dieser nicht verschlossenen Hütte zu kampieren.

    Aber gegen Abend gab es noch mal eine Regenpause, sodass wir einen See erreicht haben, an dem uns eine Kioskbetreiberin erlaubt hat, ihre Bäume zu nutzen und auch die Räder im Trockenen unterzustellen.

    Bei der Gelegenheit will ich erwähnen,

    dass wir in Dänemark ausnahmslos angenehme und hilfsbereite Menschen getroffen haben.


    Auf dem See trieb ein Wikingerboot, das uns auf den nächsten Tag eingestimmt hat.

    Denn dann führte die Tour über Jelling, in dessen Nähe sich Reste eines riesigen Begräbnisplatzes befinden, eine sogenannte Schiffssetzung von 350 m Länge.

    Aber auch dieser gestrige Tag war völlig verregnet. Eine der wenigen Sonnenphasen haben wir in einem Café verbracht.

    Funfact abends: auf dem Parkplatz beim Einkaufen sprach mich ein Mann an, der seinen Einkauf mit dem letzten Prozent Akku bezahlt hatte und jetzt seinen Tesla nicht mehr aufbekam. Aber dafür hat man ja als Bikepacker eine Powerbank mit: um den Teslafahrern mit Strom auszuhelfen.

    Mit einbrechender Dämmerung riss mir gestern dann noch die Kette (dieselbe von der Tour mit Moch ), sodass ich nunmehr drei Schlösser in der Kette habe. Den Schlafplatz mussten wir uns dann wieder im Dunkeln suchen. Prompt fing es auch wieder an zu regnen, sodass wir fürs Grillgut nur mit Mühe ein Feuer anbekamen.

    Mal schauen, was der heutige Tag bringt.

    Fortsetzung folgt…

    wobei das mit ausreichend dimensionierten CFK-Rohren auch nicht passiert wäre ;) ).

    Wenn ich 1,5 oder 2 statt 1 mm Wandstärke genommen hätte, wäre die Gewichtsersparnis gleich null gewesen. Insofern war der Versuch meiner Meinung nach konsequent. Auf der Suche nach dem leichtesten Equipment ist man vorm Scheitern eben nicht gefeit.

    Hat jemand einen Helinox Chair Zero oder einen Ground chair und könnte bei Gelegenheit mal messen, welchen Rohrdurchmesser und welche Wandstärke die haben? - Danke !

    Ich habe dieses Projekt schon mal mit Carbonrohren verwirklicht. Leider nicht erfolgreich. Auf einem Treffen ist micha90 (also kein Schwergewicht) damit zusammengebrochen.