Beiträge von PositivDenken

    Gernstl Ganz ohne Höhenmeter ist die GTA nicht, ganz klar. Aber nicht alle Abschnitte sind gleich anstrengend. Ich kenne allerdings auch den Peaks of the Balkan nicht. Bin jetzt nur davon ausgegangen, dass der deutlich anspruchsvoller wäre.

    Außerdem schläft man auf der GTA ja normal in den Unterkünften, heißt deutlich weniger Gepäck und nur eine „Jause“ für den Tag.

    Um auch noch mal ne Gegenmeinung unters Volk zu bringen (sorry, kann nicht anders):

    Für Nordeuropa wäre das Zelt selbst in der „solid“ Variante nur bedingt tauglich, darin sind wir uns offenbar halbwegs einig. Für Mittel- und Südeuropa stellt sich mir die Frage: wofür brauche ich da wirklich ein *doppelwandiges* *Zelt*. Als solches ist es dann nämlich einfach zu schwer um als echte ultraleicht Lösung durchzugehen.

    Mit allem drum und dran kommt das X-Mid auf locker 950g. Ein Tarp für zwei 400g. Groundsheet ~100g (evtl. weniger), Moskitonetz (wer‘s braucht) 100g, Heringe 80g. Das sind fast 300g weniger bei weniger Geld und mehr Flexibilität. Und meiner Meinung nach auch ein besseres Naturerlebnis. Zudem brauch ich bei einem Tarp nicht unbedingt Trekking poles, besonders nicht, wenn ich eh im Wald unterwegs bin.

    [edit] Und ich wage mal zu behaupten, ein A-Frame pitch mit einem Tarp ist um Längen einfacher als ein X-Mid halbwegs vernünftig aufgestellt zu bekommen. Ich hab da schon weiß Gott wieviel Zeit mit verplempert Freunden und Bekannten beizubringen, wie sie das Ding so aufgebaut bekommen, dass es auch halbwegs straff und gerade ist.

    Hatte auch eine von Salewa(? - unsicher, haben die jemals Matten gemacht? Die hatte so ein bronzenes Schraubventil und war so fleischfarben). Die hat mich meine ganze Jugend, inklusive diverser Pfadfinderlager begleitet und wurde an einen Bekannten verschenkt, als ich so um die 40 war. Vielleicht „lebt“ sie ja immer noch?

    Markierte Zeltplätze in einem Wanderführer wären für mich ein Grund diesen nicht zu kaufen.

    Ob man den jetzt kauft oder nicht, wird das Buch populär führt das dazu, dass diese Plätze erstens hart umkämpft und zweitens stark abgenutzt werden. Das kann gut sein, für ein Gebiet mit hohem Schutzwert und wenig geeigneten Plätzen. Im skandinavischen fjäll halte ich das aber eher für kontraproduktiv, da im allgemeinen eh mehr als genug Platz ist und es besser ist, wenn sich die Besucher möglichst gleichmäßig verteilen. Zudem lernen die Leute so nicht, nach welchen Kriterien man einen geeigneten Platz wählt. Jede Anleitung verschärft auch den Tunnelblick.

    Eher würde ich mich darauf beschränken anzugeben, wenn es einem Gebiet eher schwierig ist, etwas geeignetes zum Zelten zu finden. Bspw. hilft es zu wissen, wenn es auf die nächsten 5-10km schwierig wird. Dann kann ich entsprechend planen. In Ausnahmefällen wäre dann auch hilfreich zu wissen, ob es in so einem Gebiet hie oder da doch auch mal eine geschützte Stelle gibt.

    Mir fällt da als (abschreckendes?) Beispiel für Wanderführer immer der Södra Kungsleden oder auch der Nordkalottleden ein. Vor allem ersterer ist in Schweden praktisch unbekannt, bzw. es wird etwas anderes darunter verstanden, weil es hier halt keine Bücher dazu gibt (für den NKL seit neuestem schon). Drum trifft man dort vor allem auf Deutsche. Auf sehr, sehr viele Deutsche. Teilweise so, dass man direkt auf deutsch angesprochen wird, weil scheinbar davon ausgegangen wird, dass das jetzt annektiertes Staatsgebiet ist.



    Was würde ich mir also wünschen: Leuten Respekt vor der Gegend zu vermitteln, in die sie sich begeben. LNT, geschichtlicher Hintergrund (Geschichte der Samí ist ja geplant), all das finde ich schon mal sehr gut. Ich bin ja gerade in weiten Teilen Tourbeschreibungen aus Jörgen Johanssons Buch zum Gröna Band gefolgt und fand daran gerade gut, dass er in vielen Aspekten recht vage bleibt. Er gibt einem die grobe Richtung vor, nennt zu erwartende Geländebedingungen aber gibt jetzt keine turn-by-turn Anweisungen á la „an der dritten Birke links“. So hat man immer noch eine gewisse Herausforderung sein eigenes Hirn einzuschalten, mit wachen Sinnen durch die Welt zu schreiten und selbst etwas zu entdecken und bewältigen. Persönlich finde ich es schon schlimm genug immer nur markierten Wegen hinterherzurennen. Die haben sicher vieles für sich, aber wie schon erwähnt, der Tunnelblick, der Tunnelblick. Je mehr man Leute an die Hand nimmt, umso mehr beraubt man sie der Fähigkeit selbst etwas zu entdecken. Ein guter Wanderführer sollte demnach genau das Fördern, die eigene Neugier, das Interesse für die Umgebung, Verständnis und Sinne schärfen.

    Ein kleines Wörterbuch finde ich da etwa immer ganz hilfreich.

    Wie andere schon schrieben, Dinge, die man sonst nicht wissen kann (mir hilft da die Vita och Gröna Band Facebook-Gruppe): *wo* gibt es *was* zu kaufen. Also kleine Läden längs des Weges. Haben die Gas? Trekkingnahrung? Öffnungszeiten (viele sind mittlerweile self-service, also rund um die Uhr offen - muss man aber auch erst einmal wissen)? Wo kann man resupply Pakete hinschicken und wie (für Schweden PostNord oder BussGods?)?

    Wenn ich die Tour abkürzen will oder muss, was gibt es da für Alternativen (von x über Pfad y zur Straße die in Ortschaft z mit Bus führt …)

    nur Schaummatte oder was selbstaufblasendes wie die Trailscout.

    Meine selbstaufblasende von VauDe war nach den zwei Monaten Vita Band kaputt. Delimanation am Rand. Ließ sich auch nicht reparieren. Ersatz habe ich keinen bekommen, weil mich VauDe auf den Händler verwiesen hat, obwohl sie die schon älter als ein halbes Jahr war. Und der Händler irgendwo im schwedischen fjäll sitzt, wo ich so schnell nicht mehr hinkomme.

    (Die erste Matte, die ich damals dabei hatte, ist gleich am ersten Abend delaminiert - Danke Nemo! Hat keine zwei Wochen gehalten insgesamt.)

    Essen würde ich da auf keinen Fall lagern. So gut verpacken, verstecken oder vergraben lässt sich das kaum, als dass Tiere das nicht finden würden.

    In jedem Fall würde ich aber einen Zettel beilegen, der Auskunft gibt über Zweck und Datum, wann es deponiert wurde, sowie wieder abgeholt wird. Sowie eine Kontaktmöglichkeit vorsieht.

    Vorher müsste auch Erlaubnis eingeholt werden vom Grundeigentümer. In einem Naturschutzgebiet verbietet es sich soundso.

    Ein Fehler, der oft gemacht wird, ist der, dass quasi das Pferd von hinten her aufgezäumt wird. Man geht von seinem Sommer-Setup für mildes Klima aus (T-Shirt und Plastikplane reicht) und alles, was dann über das 3kg base weight hinausgeht, wird als ärgerlich und möglichst zu vermeidendes betrachtet.

    Stattdessen müsste man doch analytisch vorgehend damit beginnen, was sich denn bewährt hat. Was könnte man denn als Referenz betrachten? Mir käme da das Hilleberg Nallo in den Sinn. Kein Zelt muss wirklich schwerer sein, es sei denn, man hat ganz spezifische Anforderungen. Wir sprechen also von etwa 2,4kg. Was gibt es also, das leichter ist aber ein gleiches Niveau an Schutz bietet? Kuppelzelte sind in der Regel stabiler oder toleranter, aber entweder schwerer oder kleiner. Dann käme die Klasse der „Lappland-Torpedos“, Tunnelzelte mit nur einem Bogen. Akto, Enan, Scarp etc., geringe Sitzhöhe, klaustrophobisch, meist kleine Abside. Pyramiden-Stil, meist viel leichter, geringe Kopffreiheit, auf sehr(!) gut sitzende Heringe angewiesen (jedes Zelt braucht gut sitzende Heringe im Sturm). Und dann kommt die Klasse der dual-(trekking-)pole Zelte. Sie versprechen meist große Apsiden, gute Sitzhöhe und Kopffreiheit. Nur vereinen sie im Allgemeinen in puncto Sturmsicherheit alle Nachteile in sich. Man erkauft sich den Komfort mit einem Verlust an Sicherheit. Und ich fürchte, dass vielen dieser Schritt gar nicht bewusst ist. D.h. unbemerkt wurden mehr und mehr Abstriche gemacht, was augenscheinlich wird, wenn man sich wieder das Referenzmodell vor Augen hält. Das was sich bewährt hat. Dual-trekking-pole Zelte werden zwar benutzt und sind beliebt, aber haben sie sich auch bewährt? Aus eigener Erfahrung würde ich sagen „nein“. Zumindest solange man keine Abstriche in puncto Sicherheit machen möchte.

    Klar kann man sich fragen „brauche ich soviel Sicherheit überhaupt?“. Dabei sollte man sich aber bewusst sein, dass man sich da auf sehr dünnes Eis begibt und man schon sehr genau wissen muss, worauf man sich einlässt. D.h. Abstriche müssen durch Erfahrung und Verlässlichkeit der restlichen Ausrüstung kompensiert werden. Kann ich wirklich das Wetter gut genug einschätzen? Die Wegbeschaffenheit, das Gelände? Hab ich genügend warme Kleidung (nicht zuletzt verlässliche Regenkleidung)? Wie ist meine eigene körperliche und mentale Verfassung?

    Man sollte beim Erteilen von Ratschlägen nicht vergessen, dass was man für sich persönlich als kalkulierbares Risiko - bewusst oder nicht - in Kauf genommen hat, nur selten und wenn doch nur sehr schwer auf andere übertragbar ist. Ihr wisst nicht, wer hier mitliest und wer dann was für welche Rückschlüsse zieht, nur weil er oder sie denkt, verstanden zu haben, was die jeweiligen Kompromisse sind, die bei einer konkreten Entscheidung in Betracht gezogen wurden. Nicht jeder Gedanke wird zu Papier gebracht oder wenn doch, nicht jeder zu Papier gebrachte Gedanke, wird auch korrekt verstanden.

    Das Kernproblem bei den meisten Zelten ist, dass sie mehr "gefühlten" als realen Schutz bieten. Viele Faktoren die ich beim Tarp noch in der Hand habe, werden mir vom Zelthersteller vorgegeben. Bei grenzwertigen Bedingungen heißt es dann, top oder flop.

    Heißt aber auch, man muss seinen eigenen Fähigkeiten vertrauen können (was einen entsprechend großen Erfahrungsschatz voraussetzt). Weiss ich mehr als ein Bo Hilleberg? Ich jedenfalls eher nicht. Weiss ich mehr über Nordskandinavien als Dan Durston oder Henry Shires?

    Vielleicht an der Stelle auch nicht vergessen, dass all die grossen Hersteller auf Gewinn angewiesen sind und daher ihre Zelte nach Marktkriterien entwickeln. Sie müssen sich in erster Linie gut verkaufen und dann muss die Marge stimmen. Ich denke man kann das ziemlich gut an Tarptent sehen, dass über die Jahre die Qualität immer weiter abnimmt, dem Trend folgend billigere Materialien verwendet werden und auch am Herstellungsprozess gespart wird. Egal was sie dir erzählen.

    Weil man das so oft hört: nur weil jemand mal mit Ausrüstung XY in einem Gebiet Z war und mit etwas Glück davongekommen ist, ist das noch kein gutes Argument dafür, dass diese Ausrüstung auch wirklich was taugt.

    Generell muss man sich die Frage stellen: Will ich mich auf meine Ausrüstung verlassen können oder muss ich das vielleicht auch, oder verlasse ich mich im Notfall auf vorhandene Infrastruktur vor Ort?

    Man hört dann oft „don‘t pack your fears!“, gerne von Leuten, die eigentlich nur wenig Erfahrung haben, zumindest was erwartbare Bedingungen im Einsatzgebiet angeht.

    Hier mal meine Gedanken, was Anforderungen im skandinavischen fjäll angeht (speziell nördlich des Polarkreises), zu Island kann ich mangels Erfahrung nix sagen:

    • Windgeschwindigkeiten jenseits der 20m/s, allerdings eher keine 30m/s ohne Vorwarnung
    • dennoch starke Winde, vor allem Böen möglich, auch wenn davon nichts in der Vorhersage war (jedenfalls nicht so)
    • Trekkingpoles brechen schneller als man denkt
    • eine Hütte ist nicht immer in Laufweite, auch nicht auf dem Kungsleden (vor allem gefährlich wenn Leute mit ausserordentlich guter körperlicher Verfassung Ratschläge an die Allgemeinheit geben - fahrlässig!)
    • Verletzungen oder Krankheit kommen tatsächlich vor, auch dann wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann, selbst bei gut trainierten Menschen
    • oft weit und breit kein Untergrund, der hinreichend flach und eben ist, nicht sumpfig ist, in dem Heringe auch halten oder aber dann wenigstens große Steine rumliegen - und das alles dann bitte natürlich noch windgeschützt und mit Frühstück ans Bett

    Ich käme deshalb zB nie auf die Idee, ein Durston Zelt - egal welches - als mein Shelter mit in den Sarek (oder halt vergleichbar entlegenes Gebiet) zu nehmen.
    Ich habe ein mulmiges Gefühl dabei mich auf meine Trekkingpoles verlassen zu müssen, zumindest wenn ich alleine unterwegs bin (habe deshalb welche aus Alu, was vielleicht ein direktes Abbrechen etwas unwahrscheinlicher macht).
    Ein solid inner ist zwar tatsächlich zu warm, wenn es warm ist, aber bei unerwartetem Schneefall Gold wert, zumindest wenn man ein Zelt hat, das man dann nicht komplett bodennah aufbauen kann.
    Ich weiß zB dass Leute wie Jörgen Johansson (sehr fjällerfahrener „UL-Papst“ aus Schweden) ihr Zelt auf einem Gröna Band wechseln. Im Süden Klasse „Aeon Li“, ab Hemavan dann Trailstar oder echtes Mid.

    Und ja, DCF ist nicht gleich DCF.

    [Ergänzung]

    Ja, man kann zB den nördlichen Kungsleden (Abisko bis Kvikkjokk) als zeltgestützte Hüttentour planen. Dh. man rechnet mit den Hütten, schläft aber im Zelt, solange es die Bedingungen zulassen. Es gibt schließlich auch noch Nothütten. Nur: ist es ein Notfall, wenn ich ihn durch unzureichende Ausrüstung bewusst in Kauf genommen habe? Der allgemeine(!) Rat ist, dass man selbst für eine Hüttentour ein Zelt dabeihaben muss(!), welches einem im Notfall unter möglichst allen Umständen Schutz bietet.

    Hab seit vielen Jahren auch so ein Zeiss-Mini-Monokular (~20g) und nehme es auf so gut wie jede Tour mit. Wie andere schon geschrieben haben, es eignet sich gut um den Weg auszuspähen, besonders in weglosem Gelände.
    Ist das da in der Ferne eine Hütte? Was bewegt sich da, ein Mensch? Wo lässt sich der Fluss da unten am besten queren? …

    Für ernsthafte Naturbeobachtung wohl wenig zu gebrauchen.

    Abschnitt 2: Storlien - Gäddede, Teil 4

    Tatsächlich hatte ich eine recht geruhsame Nacht, wohl beschützt von alten, knorrigen Bäumen. Echter Naturwald, wie ich ihn so liebe, das Svenskådalen Naturreservat. Erstmal würde ich heute einfach dem markierten Weg folgen. Schnell wird mir aber klar, dass es hier - wie so oft - wieder mal nur ein vinterled ist, der auf der Karte auch als Sommerweg eingezeichnet ist, weil er halt nicht gerade stracks über Seen führt. Nach einem kurzen Anstieg durch den Wald verliert sich dessen Spur rasch. Ich schaffe es sogar die roten Kreuze zu verlieren (Glanzleistung!). Die sind nämlich auch schon nicht mehr die jüngsten und teilweise einfach verrottet oder umgefallen. Ein paar Kilometer weiter geht es dann runter Richtung Seensystem und spätestens da ist wirklich nicht mehr viel übrig von einem Pfad. Sumpf, Sumpf, Sumpf. Irgendwann hab ich die Nase voll davon sinnlos der Markierung hinterher zu stapfen und quere einfach rüber zur gut ausgebauten Schotterstraße. Auf der geht es bis zum Staudamm, dann weiter am Seeufer entlang bis zu einem kleinen Häuschen. Dieser Abschnitt ist teilweise recht mühsam, das Häuschen habe ich auch nicht zu Gesicht bekommen. Vielleicht habe ich hier auch einfach die falsche Route gewählt. In Gedanken bin ich ohnehin nur bei dem doch recht steilen und langen Anstieg hoch ins Offerdalsfäll.

    Es geht mir heute schon deutlich besser. Was für ein Glück! Aber so richtig auf dem Damm bin ich dann nun auch noch nicht. Würde ich das überhaupt schaffen? Mein Wanderbuch glänzt hier mal wieder durch vage Beschreibungen und Kargheit. Der Plan war, möglichst direkt aufzusteigen bis auf etwas 800m, dort dann den Bach ohne Namen zu queren und dann Richtung Norden abzudrehen und dabei die Höhe so gut es geht irgendwie zu halten. Ich bin dann zwar vielleicht nicht exakt der Route gefolgt, die ich mir auf der Karte eingezeichnet habe, aber im großen und ganzen ging der Plan schon auf. Vielleicht ist das Buch an der Stelle auch deshalb so kurzatmig, weil man eh nicht viel falsch machen kann? Sobald ich über der Baumgrenze bin, ist der Anstieg auch nur noch halb so wild. Den Luspiejohke zu queren war auch kein großes Problem. Nach einer guten Weile bin ich bei einer Handvoll Seen knapp unter 850m südöstlich des Mehkene angelangt. Von hier aus hätte man jetzt auch direkt ostwärts Richtung Åbervattnet gekonnt - es sieht verlockend aus -, aber das Buch empfiehlt eine andere Route. Und wer will schon so einfach Autoritäten widersprechen ohne guten Grund?

    Von hier aus geht es recht gemütlich bergan Richtung Nordost. Ich folge einem Bach immer weiter Richtung Mehkene. Ich muss mich entscheiden, geplant war eigentlich eher mehr östlich, bis auf so 1000m den Mehkene zu umrunden, aber von meiner Position aus sieht es aus, als wäre da ein passabler Pass (haha) auf so ca 1050m und ich würde mir 1-2 km sparen. Also nix wie auf! Dort oben ist es erwartungsgemäß sehr karg, nur graues Geröll soweit das Auge reicht. Wie es wohl auf der anderen Seite aussieht?

    Ich seh zu, dass ich hier wegkomme, denn dank eines frischen Windes ist es hier nicht sonderlich gemütlich. Hier liegt noch Schnee rum. Dann aber öffnet sich der Blick Richtung Norden. Unglaublich! Ja, wegen sowas bin ich hier. Eine wundervolle Landschaft. Rau, menschenleer, Seen, Berge, Steine. Weite. Hm. Das sieht irgendwie alles noch verdammt weit aus, wo bin ich hier eigentlich? Ich bleibe bei meinem üblichen Ansatz: Höhe behalten, runter ins Gemüse kann ich zur Not ja immer noch. Das geht auch über eine ganze Weile ziemlich gut. Easy hiking. Dann wird es an einer kleinen Schlucht aber doch etwas steiler, ich muss ein kurzes Stück absteigen, trete auf einen hervorragenden Stein. Dieses kleine Verräterschwein rutscht aber einfach ab und ich falle hinterher. Irgendwie schaffe ich es mit dem rechten Knie voran aufzuschlagen. Aua! „So schnell kann es gehen“, denke ich mir. Das Knie schmerzt, ich kann kaum auftreten. Muss mich erstmal hinsetzen. Einen echten Notfall könnte man hier nicht gebrauchen. Steiles Gelände, Steine und Geröll soweit das Auge reicht. Der Schmerz lässt aber schnell nach und ich muss mir keine weiteren Gedanken machen. Schon bald kann ich wieder ganz normal laufen.

     

    Irgendwann geht es auf dem Berghang nicht mehr weiter und ich muss notgedrungen bis an das Ufer der Seen absteigen. Dort wird es nicht unerwartet schwieriger voranzukommen, aber im Großen und Ganzen komme ich immer noch gut voran. Wie im Buch empfohlen folge ich der Südseite der großen Seen. Gegen Abend bin ich an einem System kleinerer Tümpel westlich des Plyöjhkere und beschließe fünfe grade sein zu lassen und mein Zeltchen aufzuschlagen. Eigentlich wollte ich es bis runter ins Grubbdalen schaffen. Aber ob man dort überhaupt gut zelten würde können? Das kalfjäll hat es mir ja etwas verleidet, aber ich wollte noch Zeit zum Baden haben, hier war eine schöne Stelle und zu viel Wind war es auch nicht.

    2. Abschnitt Storlien - Gäddede, 3. Teil

    Ich wache mit einem unguten Gefühl auf. Mir ist leicht schwindelig. Der Magen rumpelt. Geschlafen habe ich gar nicht gut. Es war viel zu warm. Und die Insekten! Ich erinnere mich, wie ich mal nachts zum Pullern raus bin und dabei dann mit der Hand zwischen Innen- und Aussenzelt gefasst habe. Ich konnte diese Mischung aus Fliegen, Mücken und Bremsen regelrecht herauslöffeln. Ganz schön widerlich! Zum Glück war ich im Halbschlaf. Letztlich habe ich mit Ohrstöpsel schlafen müssen. Ich hasse das, aber es ging einfach nicht anders. Alles aber erstmal nachrangig, mein Magen ist flau, ich fühle mich, als stünde ich neben mir. Und ich muss dringend wohin … „na toll, Durchfall!“. Schnell merke ich, dass es damit aber nicht getan ist. Ich bin wacklig auf den Beinen und krieg das Frühstück kaum runter. „Ausgerechnet!“ - wo doch der vermutlich spannendste und schönste Teil vor mir liegt.

    Ich beschließe, dass ich es heute langsam angehen werde. Dummer Beschluss eigentlich, wenn man gar keine andere Wahl hat. Vielleicht hätte ich mir an dieser Stelle auch Gedanken machen sollen, wie ich hier am schnellsten zurück in die Zivilisation komme, sollte sich mein blinder Optimismus als fehlgeleitet erweisen. Tat ich aber nicht. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ Und so stakse ich los, immer weiter gen Osten (wie ihr seht, ich hab gar nix gegen den Osten). Auf in ein fjäll, das Johansson als „nedbryten“ (zersetzt, verfallen, erodiert) bezeichnet. Berge, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Ich verstehe ziemlich schnell, was er damit meint. Es ist wunderschön, so richtig genießen kann ich es aber leider nicht. Das Gehen ist mühsam. Ich versuche so gut wie möglich die kürzeste Strecke zu wählen. Nicht so einfach, denn es liegen wirklich überall Trümmer in Form gigantischer Blöcke rum. Dazwischen Seen und große „hällar“ (Felsen). Auch will ich wieder möglichst auf GPS und Smartphone verzichten, hier im offenen fjäll ist auch eine 1:100.000 Karte gut genug. Fast. Ich erlaube mir, hin und wieder meine Position elektronisch zu kontrollieren, denn Umwege wollte ich in meinem Zustand heute ganz sicher keine laufen. Ich versuche so gut wie möglich unnötiges Rauf und Runter zu vermeiden. Wenn ich es heute bis Tjovre schaffen würde, wäre das mehr als ausreichend, beschließe ich in meiner überschwänglichen Großzügigkeit. Ich passiere den Ohtje Tjalnge an seiner Südflanke. Beeindruckend! Es geht durch eine Depression, die ich so gut es geht vermeide, in dem ich mich nördlich halte. Blick auf Richtung Kyrkan (die Kirche). Eines ist für mich klar: hier muss ich nochmal herkommen! Ich halte mich weiterhin auf der Südflanke der Berge. Da ich aber nicht unnötig aufwärts steigen wollte, drehe ich Richtung Långtjärn ab, in der Hoffnung auf dessen Nordseite den „Pass“ zwischen Majkstjahke und Riepetjahke/Njaarke zu erreichen. Tatsächlich wurde das Ufer teilweise ziemlich steil und ich hatte schon Angst, eine ziemlich folgenschwere Fehlentscheidung getroffen zu haben. Es zog sich und zog sich, aber letztlich ging es dann doch.

    Der Blick hinunter vom Pass Richtung Osten war grandios. Aber damit war auch das Sösjöfjäll praktisch schon wieder hinter mir. Jetzt brauchte ich an sich nur dem Fisklösån (fischloser Fluss, ziemlich sicher eine false flag operation - wie mir M später beipflichten wird. Sie verkauft Fischereikarten u.a. für einen fisklössjö) bis nach Tjovre folgen. Ganz so trivial war es dann nicht, aber Details erspare ich euch an dieser Stelle. Je näher ich komme, desto dichter der Wald, desto anstrengender wird es. Irgendwann spuckt mich das Dickicht dann aber doch direkt an einer kleinen Hütte aus. Offensichtlich ist niemand da, aber sie scheint noch in regelmäßiger Benutzung zu sein. Ich mache eine kurze Pause, obwohl ich eigentlich nicht vorhabe heute noch viel weiter zu gehen, 15km sind besser als nix! Irritiert bemerke ich, wie vor der Hütte ein Scheisshäuschen direkt am Hang so steht, dass man praktisch den Hang runter in den Bach scheisst. Wer macht denn sowas?

    Ich scheine am nördlichen Ende der kleinen Samisiedlung rausgekommen zu sein. Direkt da wo zwei Brücken dem markierten Weg über den Fluss helfen. Den auf der Karte eingezeichneten Pfad habe ich aber nicht gefunden. Und so fürchte ich fast, dass es es mit dem markierten Weg auch nicht weit her ist, nachdem ich erstmal über einen Sumpf muss. Tatsächlich ist der Pfad dann aber sehr deutlich und gut eingetrampelt. Eine Wohltat! Ich quere die Brücke und stehe vor einem wirklich bezauberndem Wäldchen. Ich mag die Stimmung und beschließe, dass ich hier zelten will. Die Zeltplatzsuche zieht sich und letztlich gehe ich ein paar hundert Meter zurück zu einer Lichtung, die zwar nicht am Wasser, aber gut geschützt und vor allem einigermaßen insektenfrei einen geruhsamen Schlaf verspricht. Ich gehe runter an den Fluss um zu Baden, bekomme aber das Bild von dem Scheißhaus oben am Bach nicht aus dem Kopf.

    Bitte keine Umstände wegerm Testen, eilt überhaupt nicht! Über ne kurze Einschätzung beim nächsten Einsatz würd ich mich natürlich freuen^^

    Da ich grade sonst nix zu tun hab. Das inner passt locker auch quer rein. Ich frage mich gerade, ob es nicht so ist, dass das Zelt einen Fuß breiter ist als lang (als wenn Länge die Linie ist, die parallel zum Reisverschluss verläuft).

    Das inner ist das 2p solid inner von Knot. Wie man vielleicht sieht, die zweite Person hat nicht viel Platz unter dem „Dach“. Ohne Berühren des inner geht es nicht.

    Ursprünglich hatte ich es für das Duomid XL gekauft, welches ich für Wintertouren eigentlich ideal finde (mal von der fehlenden Schürze abgesehen), solange man alleine ist und sich generell auf ein Mid einlassen will. Da hat es aber nicht reingepasst weil zu hoch.

    Wie man vielleicht sieht: da ist kein „sag“ am Cimarron, man muss es nur richtig aufbauen. Wie bei jedem Mid halt.

    Der Overnighter war klasse. Gestern kam sogar die Sonne raus. Das erste Mal Sonne in meinem Gesicht seit vielen Wochen.

    PS: Ich hab mir den Reißverschluss nochmal genauer angeschaut, denke das ist doch ein #8, wenn ich ihn mit anderen vergleiche. Kenne mich da leider nicht so gut aus. Draufstehen tut auch nix außer YKK.

    PPS:

    Ach ja. Also nach meiner Aufassung also breiter als lang.