Ich weiß gar nicht mehr genau wo ich davon erfahren habe. Es war irgendein Magazin, mit den schönsten Fernwanderwegen. Und da wurde der Hohe Mark Steig beworben. Vorher noch nie davon gehört und er liegt in NRW gar nicht so weit weg von mir.
Daher habe ich mir letztes Jahr im Juli gedacht, kann man ihn doch mal angehen.
Die Gesamtlänge beträgt 160km und führt von Wesel bis nach Olfen in 7 Etappen.
Da ich selbst aus NRW komme, wollte ich die Tour an vielleicht 2 langen Wochenenden machen.
Planung
Die Etappen sind bis auf die letzten beiden alle über 20km lang, daher wollte ich mich grob daran halten. Leider gab es nah am Weg kaum 1nitetents oder Campingplätze (grüne Punkte), außer am Ende der Route.
Deswegen habe ich Ausschau nach geeigneten Wildcamping Spots gehalten. Was auch nicht so einfach war, da dort auch einiges an Naturschutzgebieten ist. Wasser war wie so oft das nächste Thema. Man kam zwar öfters an Örtchen vorbei aber nicht überall gab es Einkaufsmöglichkeiten.
Tag 1:
Die erste Etappe ist mit 23 km angegeben.
Von Wesel Hbf sind es ca. 3 km bis zur Rheinpromenade wo eine Holztafel den Start des Hohe Mark Steigs einleitet. Der Weg am Auesee vorbei ist angenehm mit einigen Biergärten und Cafes. Es gibt dort auch öffentliche Toiletten die man nutzen kann um Wasser aufzufüllen.
Der Weg vom Auesee bis zum Diersfordter Wald ist eher unschön, da es viel über Feld und Asphalt geht. Man ist generell sehr exponiert und Schatten ist mangelware.
Der Diersfordter Wald wiederum ist definitiv das Highlight der Tour mit dem Moorweg und der Heidelandschaft sowie "Schwarzes Wasser". Auch wenn es schöner wäre wenn man da nicht so eingezäunt wäre. Man muss aber sagen, auch wenn es ein Highlight ist, ist es auch relativ kurz / klein.
In der nähe von Schwarzes Wasser gibt es die einzige Schutzhütte der Tour. Die aber leider nur ein Unterstand ist ohne Sitzmöglichkeit und ohne Tisch. Man kann sich nur "anlehnen" an einen Balken. Das ist sehr schade, weil besonders jetzt im Sommer bräuchte man Sitzmöglichkeiten die etwas im Schatten sind.
Danach folgt wieder viel Schotterweg und Asphalt. Man kommt an Wesel Blumenkamp vorbei, was leider nur ein Wohngebiet ist. Es gab eine Pizzeria, die aber leider zu hatte.
Ich musste also nach Lackhausen rein und wieder zurück weil dort der nächste Getränkemarkt ist. Das sind zusätzliche 4km mit einigen Litern Wasser auf dem Rücken.
Der Deichweg entlang der Issel, ist eher beschwerlich. Das geschnittene und getrockente Gras was dort auf dem Weg liegt, macht das vorankommen unangenehm dazu kommt, dass man auf dem Weg sogut wie keinen Schatten hat. Und ehrlich gesagt ist die Aussicht auch nicht so toll. Man sieht halt Feld.
Es gab zwar hin und wieder eine Bank auf dem Weg, jedoch sind die Bänke sehr zugewuchert und meistens direkt in der Sonne. Eigentlich war dort auch mein Zeltplatz geplant. Rechts vom Deich gabs eine kleine gerade Fläche, wo auch die Bank war. Durch den Deich ist man da etwas vor neugierigen Blicken geschützt. Ich bin zuerst komplett daran vorbei gegangen, als ich dann im GPS gesehen habe, dass er hinter mir liegt, wieder zurück. Und dann war mir auch klar, warum ich vorbei gegangen bin. Der kleine Platz dort, war komplett zugewachsen. Man konnte nichtmal mehr die Bank richtig erkennen. Alternativplan dann, weiter gehen bis man einen besseren Platz findet.
Das offizielle Etappenziel ist die Bärenschleuse. Definitiv sehr schön, der kleine See der sich dort gebildet hat, läd zum pausieren ein. Es gibt sogar Fische die dort hausieren. Wäre bestimmt auch ein spannender Zeltplatz geworden, jedoch kamen dort zu viele Menschen vorbei und hin, da direkt nebenan ein "Wanderparkplatz" ist.
Was ich extrem befremdlich fand, da es ja eigentlich das offizielle Etappenende ist, dass dort einfach nichts ist. Also man ist da echt im nirgendwo. Man müsste also wieder 5km Richtung Wesel reinlaufen zur Bushaltestelle. Nagut dann eben weiter laufen bis man einen passenden Ort zum Zelten findet. Auf der Karte habe ich ein paar Kilometer weiter einen kleinen Forst gesehen, der kein NSG ist und meine Hoffnungen darauf gesetzt. In das Wäldchen kam man aber nicht wirklich durch Unterholz. Aber nach einiger Zeit gabs dann dort eine kleine Lichtung die frei war, wo ich dann mein Zelt aufgeschlagen hatte.
Ich war auch ziemlich gut durch, da zu den 23 Etappenkilometern noch der Weg zum Etappenstart hinzukamen, der Umweg nach Lackhausen für Wasser sowie der Zusatzweg für den Schlafplatz, womit ich bei knapp 40km war für den Tag. Eine kleine Belohnung wartete aber noch, da als ich nach dem Essen so im Zelt lag mit offener Zelttür und den Mond beobachtet habe und langsam eingeschlafen bin, kam noch ein Rudel an Glühwürmchen vorbei und umflatterten mein Zelt.
Tag 2
Tag 2 fing mit viel Feldwegen und Asphalt an. Teilweise musste man auch auf zweispurigen Straßen laufen. Die Wegführung war wirklich sehr bescheiden. Man kommt an der Schutzhütte Esselt vorbei (die einzige auf der Etappe) und es ist wieder nur ein Unterstand ohne Sitzmöglichkeit oder Tisch.
Es gab noch ein kleines Stück durch einen kleinen Wald, was angenehm war wegen dem Schatten. Jedoch echt unangenehm vom Weg her. Da dort alles komplett zugewuchert war. Und durch schweres Forstgerät war der Weg auch voll Furchen und dazu noch matschig. Irgendwie das andere extrem zum Asphalt.
Und all diese Spinnweben! Man hat wirklich gemerkt, dass der Weg nicht oft gelaufen wird, weil ich eigentlich die ganze Zeit meinen Wanderstock vor mir halten musste um die Spinnweben zu entfernen. Man hat wenn die Sonne richtig Stand auch richtig schön gesehen, wie der komplette Weg voll damit ist.
Das nächste Ziel war das Naturschutzgebiet Dämmerwald. Leider eine komplette Enttäuschung. Dort ist einfach ein 3 breiter begradigter Schotterweg mit gruben links und rechts davon. Sah ein bisschen so aus, als ob man auf einem Deich läuft. (War auch nicht einfach da eine Stelle zum pinkeln zu finden). Ich weiß auch gar nicht was es war, aber der Wald hat sich irgendwie nicht schön angefühlt. Man hat sich durch diesen Schotterweg der durch die Gruben so erhöht ist, auch irgendwie richtig abgegrenzt vom Wald gefühlt.
Kurz gegen Ende des Dämmerwaldes kommt noch eine Sitzbank, Schutzhütte und der Jakobsbrunnen der vor über 100 Jahren angelegt wurde um die Waldarbeiter und Zugtiere mit Wasser zu versorgen. Jedoch nicht Wanderer, da er mittlerweile zugemauert ist. Was auch auf dieser Etappe Wasser etwas zum Problem gemacht hat.
Die nächstbeste Möglichkeit war dann Schembeck, wo man auch wieder einige KM Umweg machen musste. Ich hatte die Tour dann auch nach 24km in Schembeck beendet, da kurz danach wieder ein großes Naturschutzgebiet ist und ich entweder davor oder nach zelten müsste. Für davor war es noch zu früh. Für danach wären es wahrscheinlich wieder über 30-40km tour.
Fazit
Der Diersfordter Wald war wirklich ganz schön. Jedoch nur ein sehr kleiner Teil der Tour. Da kann man vielleicht auch mal so als Tages-spaziergang hin. Die Ecke um Haltern bis Oer-Erkenschwick (Die Haard) bin ich auch schon öfters gelaufen, da ist es auch sehr schön. Die Haard hat viele Single Trails und kleine Wege. Aber der Rest dazwischen, scheint mir doch größtenteils Feldweg und Straße zu sein.
Es scheint als hätte man versucht so ein bisschen die NSG zu verbinden zu einem Fernwanderweg, jedoch ohne den Weg wirklich mal gegangen zu sein. Die kilometerweiten Wege über Straße und exponiert über Feldwege, waren mental ganz schön Anstrengend und die NSG waren okay, aber die Mühen nicht wirklich wert.
Die Infrastruktur auf dem Weg ist halt nicht-existent. Wasserstellen, offene Wasserhähne etc. gibt es nicht. Man muss immer einige km Umweg einplanen. Campingplätze gibt es keine. Andere Unterkünfte zum buchen sind aber auch rah gesäht. Als section hike, auch etwas schwierig da die Etappen teilweise im nix Enden.
Positiv war, dass es wirklich recht viele Bänke gab. Erkennbar an ihrer pinken Farbe. Leider oft sehr in der Sonne, zugewachsen und irgendwie auch echt umbequem. Die sind irgendwie sehr hoch und sehr scharfkantig. Ich musste mir immer mein Sitzkissen an die Kante legen damit ich mir meine Kniekehlen nicht aufratsche, wenn ich mich anlehne.
Schutzhütten gab es jetzt zwei Stück, was okay ist. Ich weiß nicht wie es bei den weiteren Etappen aussieht. Nur echt schade fand ich, dass man sich da nicht reinsetzten konnte. Und es einfach nur so Unterstände waren wo man sich anlehnen kann. Besonders im Sommer hätte ich es sehr gefeiert mich da einfach mal etwas in den Schatten zu setzten.