3 Tage auf der Suche nach den zauberhaften Herbstfarben in den Stubaier Alpen bei klirrender Kälte
Das verlängerte Wochenende nutze ich für eine mehrtägige Wanderung in Tirol, genauer gesagt in den Stubaier Alpen. Hier wollte ich mir dieses mir schon gut bekannte Gebirge im Herbst mit seiner Farbenpracht von einer anderen Seite kennenlernen als im Sommer. Gestartet bin ich am Brennerpass, beendet habe ich die ca. 58km lange Tour in Schönberg.
Tag 1: Tiroler Höhenweg bei Sonnenschein und Eiseswind
Nachdem mich der Zug am Vormittag pünktlich um halb elf am Brenner abgesetzt hatte, ging es direkt auf einem Single Trail hoch durch den Wald. Ein Einheimischer hatte mir dankenswerterweise den richtigen Einstieg gezeigt. Auf der Karte gibt es nämlich zwei, aber nur einer davon funktioniert. Der Start auf 1400m bewirkt ein schnelleres durchschreiten der Baumgrenze als üblich in den Alpen. Auf einer einfachen Forststraße genoss ich die ersten Aussichten und bald hatte ich den ersten Anstieg des Tages auf den Sattelberg (2115m) geschafft. Hier oben pfiff ein eisiger Wind. Das T-Shirt wurde durch ein Alpha-Pulli und die Regenjacke ergänzt. Laut der Ausschilderung folgte ich den ganzen Tag dem Tiroler Höhenweg am Grat der Gipfelkette. Dieser war hier nur schlecht markiert. Entweder fehlten diese oder waren arg verblasst. Mit GPS-Track war die Navigation trotzdem nicht schwer, meistens konnte ich einem Zaun entlang der italienisch-österreichischen Grenze folgen. Unterhalb verläuft eine Schotterstraße, wo vereinzelte Mountainbiker zu sehen waren. Wanderer traf ich den ganzen Tag hingegen nur vier.
An zahlreichen gefrorenen kleinen Seenaugen kam ich vorbei und das obwohl der Himmel strahlend blau war. Ab 2100m lag noch etwas Schnee, ein Überbleibsel vom schlechten Wetter unter der Woche. Je nach Exposition blies mir der Wind mit ordentlich Kraft entgegen, beim Gehen war das eine Behinderung. Im Gegensatz zum Sommer ist das Gras im Herbst ockerfarben und wird durch die grünen Latschen und das rötlichen Heidelbeerkraut aufgelockert. Ich fühlte mich dort oben pudelwohl.
Bevor ich ins Tal absteigen konnte, führte mich der Tiroler Höhenweg über den Hohen Lorenzberg (2313m) und den Grubenkopf (2337m), wo ich völlig alleine war. Noch so ein Vorzug der Nebensaison, die meisten Touristen sind bereits weg und man hat den Berg für sich alleine.
Der Abstieg war typisch alpin sehr steil, aber nie schwierig. An einer Quelle mit großen Eiszapfen füllte ich mir genügend Wasser für die Nacht ab. Die Sonne war bereits hinter dem Berg und schon jetzt war es sehr kalt, daher bevorzugte ich es im Wald zu schlafen. Auf dem Weg nach unten, musste ich um einen über den Weg laufenden gefrorenen Bachlauf manövrieren. Die Suche nach einem Schlafplatz gestaltete sich trotz der vielversprechend weit auseinander liegenden Höhenlinien schwer, ich musste einige Zeit suchen. Eine Schlammlawine hatte einen Teil vom Waldboden verwüstet. Schnell verkroch ich mich ins Zelt und deckte mich mit meinem Schlafsack zu.
Tag 2: Wanderträume werden wahr
In der Nacht hatte es zugezogen und es kam mir am Morgen wärmer vor als am Abend zuvor. Ich umrundete den türkisblauen Obernberger See, der in den frühen Morgenstunden spiegelglatt war und so einen spitzenmäßigen Bergsee hergab. Trotz der Schönheit wirkt der See vom Massentourismus verschont. Das einzige Gasthaus direkt am See existiert nicht mehr und verfällt langsam.
An den Lärchenwiesen bei Obernberg traf ich ein paar Spaziergänger mit Hund. Schon ab der Forststraße hinauf zum nächsten Berg, war ich wieder alleine. Ab der Kastenbergalm begann ein wunderschöner Wanderpfad - egal ob ich nach vorne oder hinten schaute, es war in beide Richtungen hinreißend. Der alpine Herbst zeigte sich von seiner schönsten Seite mit goldigem Gras, roten Heidelbeersträuchern und vereinzelten noch grünen Lärchen. Das Weidevieh war längst wieder im Tal und kein anderer Wanderer weit und breit war zu sehen. Am Lichtsee machte ich eine kleine Foto-Session mit dem Selbstauslöser. Der darauffolgende Höhenweg überzeugte noch mehr. Mir fehlen die Worte für diese Schönheit.
Der Abstieg in Richtung Trunahütte erfolgte alsbald auf einer Schotterstraße. Neben einer privaten Hütte mit windgeschützter Bank fand ich einen Busch mit reifen Johannisbeeren sowie eine vereiste Quelle. Immer tiefer ins Tal ging es, bis ich beinahe Trins erreicht hatte. Ein Schild verwies auf Forstarbeiten und Wegsperrungen - allerdings in die Richtung aus die im kam. Das Schild kam zu spät, aber Forstarbeiter hatte ich ohnehin nicht gesehen.
Der Anblick vom Trinser Tal war geradezu langweilig im Vergleich zu dem Farbenrausch am Berg. Ich hielt mich dort nicht länger auf, sondern stieg auf der anderen Seite hinauf zum nächsten Berg. Geplant war eigentlich der steile Weg entlang des Talbachs, doch ein Schild empfahl den anderen Weg, also plante ich spontan um. Machts nichts, ich war gut in der Zeit. Hier ist der Wald eingezäunt, weil die Aufzucht von Jungbäumen aufgrund von Wildschäden nicht gelingen will. Zumindest erzählte dies eine große Infotafel. Der Weg Nr. 30 hoch war ganz nett und auch die Aussicht wurde mit jedem Schritt nach oben immer schöner. E-Biker fuhren entlang der parallel führenden Forststraße bis zur Blaserhütte. Diese befand sich Anfang Oktober bereits im Winterschlaf. Mich störte das nicht, denn ich wollte eine Biwakhütte ansteuern, die ich auf der Karte gefunden hatte. Da ich keinerlei Infos zu der Hütte gefunden hatte bzw. auch gar nicht wusste, ob diese wirklich existiert, wollte ich rechtzeitig ankommen. Ich hatte Glück, die Hütte existierte und war auch offen. Sie war sehr klein - nur ein Tisch mit drei Bänken. Für die Nacht sollte das reichen. Draußen fand ich eine kleine Quelle ganz in der Nähe, die Wasserversorgung war also auch gesichert. Theoretisch hätte ich noch weiterwandern können, aber mit der Zeltplatzsuche ist das so eine Sache. Für die Nacht war ein Schneesturm vorhergesagt - eine geschützte Stelle war also wichtig. Ich machte es mir in der winzigen Hütte so gemütlich wie möglich und genoss auch noch ein wenig die Aussicht vor der Tür. Abends fing es an zu regnen und als ich schlafen wollte, heulte der Wind tosend um die Hütte. Trotz Ohropax schlief ich bei dem Lärm nur mäßig. Auch der Bauch grummelte ungemütlich. Keine Ahnung ob irgendwas mit dem (desinfizierten) Wasser war oder es bloß an der Aufregung wegen dem Wetter lag. Für den nächsten Tag stand mir ein steiler Abstieg bevor.