Cairngorms im September!

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  • Nach dem Trip habe ich gerade total Lust auf eine ausführliche Beschreibung, auch um es für mich nochmal etwas zu sortieren. Wegen der Beschränkung an Fotos usw. gibt es heute erstmal Teil 1 :D


    Tag 1 Blair Atholl – Alt Scheicheachan Bothy (11,9km)

    Nach dem späten Start aufgrund der Anreise ging es zunächst kurz am River Tilt entlang und dann leicht illegal (ein kurzer Abschnitt gehörte zum Park des Blair Castle, für den man eigentlich Eintritt zahlen müsste ... haben wir wohl übersehen). Anschließend liefen wir durch schönen Wald über wildromantische Brücken und mit einem kleinen Abstecher zum “Whim Folly” mit Blick über das Blair-Estate weiter, bis der Wald plötzlich an einem Zaun endete. Dahinter lag offenes Gelände. Zum ersten Mal waren wir in der typischen Highlands-Landschaft, von der wir noch so viel mehr sehen würden in den kommenden Wochen. Kaum durch den Zaun bekamen wir eine riesige Herde Rotwild zu sehen.

    Der restliche Weg war dann geprägt von immer neuen und tieferen Blicken in die weite Landschaft, bis wir schließlich die Bothy erreichten, die tief in einem Einschnitt liegt, wodurch man sie erst sehr spät sieht. Da kurz vor dem Erreichen unseres Tagesziels Regen einsetzte, haben wir es uns dann auch direkt in der kleinen Hütte gemütlich gemacht.


    Tag 2: Alt Scheicheachan Bothy – Ruigh Aiteachain Bothy (26,2+1,5km)

    Am Morgen gab es dann das erste Kennenlernen mit den Midgies (ja das Kopfnetz hat sich gelohnt, auch wenn es bei nur 3-4 morgendlichen Überfällen blieb). Nachdem wir am Vortag noch auf einer leicht überwachsenen Gravel-Straße unterwegs waren, sollten wir am zweiten Tag die wahren schottischen “Wege” (sprich: Bachlauf/Sumpfloch/Matsch) kennenlernen. Direkt zum Start gab es erstmal nasse Füße, bevor wir nach einem ersten kleinen Hügel Glen Buar erreichten.

    Das lange Tal zwischen steilen Hügeln war ein wunderbarer Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Am Ende des Tals ging es dann weiter über die Hügel und immer wieder entlang von Bächen.

    Der Weg war weiterhin äußerst feucht, aber lange Zeit gut mit Steinhaufen markiert – bis er es dann nicht mehr war und wir uns einige Kilometer durch sumpfige Wiesen mit tiefen nicht immer gut sichtbaren Einschnitten schlagen mussten (und ich fast auf eine Schlange getreten wäre) Danach ging es dann wieder auf einer Gravel-Straße über die nächste Höhe hinunter ins Glen Feshie, wo uns (wie wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten) ein äußerst zahmer River Feshie für unsere erste größere Überquerung erwartete. Danach war es nur noch ein Katzensprung bis wir eine der luxuriösesten Bothies Schottlands erreichten. Wir hatten nicht nur das Glück dort die gute Seele von Glen Feshie Lindsey zu treffen, sondern mussten die Bothy (und Lindsey) bei unseren beiden Besuchen jeweils nur mit einer weiteren Person teilen. Er ist nicht immer in der Bothy, aber wenn er da ist, sollte man sich auf einen besonderen Abend einstellen. So war dann der Abschluss unseres Tages nach einem kurzen Nachmittagsspaziergang mit Blick über das Tal sehr unerwartet, aber auch sehr angenehm.


    Tag 3: Ruigh Aiteachain Bothy – Kingussie (27,4km)

    Morgens waren wir erstmal so verzaubert von Glen Fechie, dass wir statt wieder zurück über den Fechie River zu queren erstmal insgesamt 7km Umweg durch das Tal gegangen sind (dafür gab es dann aber auch eine Brücke). Anschließend ging es dann weiter über die Hügel, durch einen Sumpf (natürlich!) und entlang von Bächen bis zum River Tromie. Nachdem es dort kurz fast schon nach Zivilisation aussah, “verwöhnte” (meine Freundin hatte gehofft, wir wären schon da) uns der Weg dann nochmals mit einem überraschend wilden Abschnitt, bevor wir Kingussie erreichten und uns Dinner, Dusche und Hotelbett gönnten.


    Tag 4: Kingussie – Carn Ban Mor (24,3+4,1km)

    Frisch von einem guten schottischen Frühstück gestärkt starteten wir dann in den sehr abwechslungsreichen Tag 4.

    Gleich nach dem Start ging es durch eine wunderschöne Heidelandschaft mit vielen jungen Birken und Kiefern vorbei an einer Station zur Vogelbeobachtung mit einem weiten Blick über ein Feuchtgebiet (also noch leicht feuchter als der Rest der Cairngorms 😀). Danach durch älteren Wald und durch kleine Ansiedlungen weiter bis zu den Seen bzw. Weihern der Uath Lochans am unteren Ende des Glen Feshie. Hier ist zwar etwas mehr los (es gibt einen Wanderparkplatz direkt bei den Seen) aber die Natur ist wirklich wunderschön. Einige Kilometer eine Brücke und eine Furt weiter führte uns unser Weg dann ca. 800hm am Stück nach oben. Aufgrund des nur leichten Winds und des allgemein guten Wetters hatten wir uns zu einem Summit Camp entschlossen. Oben angekommen wurde dann erstmal das Zelt aufgestellt und Abendessen gekocht, bevor ich mich dann noch zu einem kurzen Spaziergang zum nächsten Gipfel entschloss (BESTE ENTSCHEIDUNG EVER). Das Wetter und die Sicht waren absolut grandios und während ich die Aussicht über Loch Einich genoss, landete vlt. 30m von mir entfernt ein Steinadler, musterte mich kurz, gab mir Zeit für ein Foto und flog dann seiner Wege. Es war absolut unglaublich und mein Glück wurde noch dadurch unterstrichen, dass unmittelbar nach meiner Rückkehr zum Zelt dichter Nebel aufgezogen ist. Ich bin bis heute absolut geflasht und es war sicherlich das erste wirklich große Highlight des Trips!


    Tag 5: Carn Ban Mor – Drake's Bothy (10,8km)

    Nachdem es zunächst nicht so aussah, hatten wir auch am Morgen wieder relativ gute Sicht. Wir überquerten den Sgor Gaoith,

    genossen erneut den Blick über Loch Einich und folgten danach weiter dem Kamm über den Sgoran Dubh Mor bevor wir teilweise weglos und später über durchaus anspruchsvolle Wege zu Bothy abgestiegen sind.

    Der Abstieg durch das Bachtal des Allt Coire Follais war dabei aber auch ebenso schön wie anstrengend. Nach einigen netten Gesprächen in und um die Bothy entschieden wir uns dann, nicht mehr weiterzugehen, sondern nahe der Bothy das Zelt aufzustellen, auch weil der teils sehr ruppige Abstieg unsere Knie nicht ganz glücklich zurückgelassen hatte.

  • Tag 6: Drake’s Bothy – Glenmore (18,7km)

    Wieder ein Midgy-Morgen, daher sind wir ohne Frühstück gestartet. Ziel war Glenmore und damit der Bus nach Aviemore für eine weitere Nacht im Hotel. Daher ging es früh los. Der Weg führte uns zunächst hauptsächlich durch Wald vorbei am Loch Eilein. Danach wurde es etwas offener und die Landschaft erinnerte teilweise fast an afrikanische Savanne. Bevor es schließlich in Richtung des touristisch sehr erschlossenen Loch Morlich ging, gab es dann noch kurze Zeit erste Blicke in Richtung des Lairig Ghru und auf die umliegenden höheren Berge.


    Tag 7: Glenmore – An Lochan Uaine (10km)

    Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch bis oder fast bis zum Lairig Ghru kommen, aber bereits das erste kleinere Hindernis der Meall a’Bhuachaille mit gerade einmal 810m Höhe stellte sich aufgrund des stürmischen Winds als Herausforderung heraus. Am Ende stiegen wir gemeinsam mit zwei Österreicherinnen, die wir im Windschutz am Gipfel getroffen haben, in die gleiche Richtung ab, aus der wir gekommen waren, weil die beiden darauf bestanden, dass es auf der anderen Seite noch schlimmer sei. Anschließend ging es dann stattdessen um den Hügel herum zur Ryvoan Bothy, wo wir uns einige Zeit Zuflucht vor dem weiterhin stürmischen Wind suchten. Schließlich fassten wir den Beschluss dem zusätzlich angekündigten Regen mit einem frühen Camp am An Lochan Uaine zu entfliehen.


    Tag 8: An Lochan Uaine – Corrour Bothy (26,2km)

    Jetzt zeigte sich die Kehrseite unserer Faulheit vom Vortag, denn es stand mit der Braeriach-Traverse die erste “Königsetappe” an. Dafür hatten wir uns durch unser frühes Camp ca. 5km extra aufgeladen. Bei recht wechselhaftem Wetter (oder positiv ausgedrückt: begleitet von vielen vielen Regenbögen) ging es zunächst über den gerölligen Chalamain Gap und dann über Sron na Lairige, Braeriach, Carn na Criche, Angels Peak, Cairn Toul, Stob Coire an t-Saighdeir und schließlich Devils Point zur Corrour Bothy. Die Gipfel und die Abschnitte dazwischen waren wieder wunderbar abwechslungsreich zwischen sanftem Hügel, langgezogenem Kamm und Geröllberg. Auch die Ausblicke boten an jeder Ecke neue Highlights. Trotz des eher langen Tages blieb dann an der Bothy noch Zeit für einige nette Gespräche.


    Tag 9: Corrour Bothy – Loch Avon (22,8km)

    Es folgte direkt die nächste anspruchsvolle Etappe. Wir machten uns zunächst talabwärts auf, um dann über den Carn a’Mhaim Gipfel und Kamm in Richtung Ben Macdui aufzusteigen. Dabei wurden wir immer wieder durch spektakuläre Blicke auf die Berge des Vortags oder hinab ins Tal belohnt, wenn die Wolken uns Lücken boten. Vor dem Gipfel des Ben Macdui, der mit 1309m der höchste Gipfel der Region ist, konnten wir dann wieder Mal den Kontrast zwischen völliger Einsamkeit im Aufstieg über das Geröllfeld auf unserer Seite und Volksfeststimmung am Gipfel und auf dem Weg von der Skistation am Cairngorm hinauf zum Ben Macdui erleben. Wie so oft war dieser höchste und zudem auch aus Richtung Cairngorm gut zugängliche Gipfel völlig überlaufen. Wir verschafften uns noch einmal kurzfristig Ruhe durch einen Umweg über den Cairn Lochan, bevor es dann beim kurzen Ausflug auf den Gipfel des Cairngorm wieder voller wurde. Anschließend stiegen wir dann über einen steilen, aber auch spektakulär schönen Weg durch einen engen Einschnitt entlang eines Baches ab

    zum Loch Avon, wo wir trotz der Tallage einen unglaublich schönen, aber auch extrem böigen Platz für die Nacht fanden (ich hätte nicht gedacht, dass ich gerade hier bereuen würde, dass wir unser altes Hubba Hubba mitgenommen haben und nicht etwas mehr auf “storm worthy” 😀 gesetzt haben).

  • Tag 10: Loch Avon – Bob Scott’s Bothy (12,4km)

    Morgens ging es bei weiterhin stürmischen Bedingungen und einsetzendem Regen (zum Glück erst nach einer klaren halben Stunde zum Sonnenaufgang) hinauf zum Loch Etchachan und dann hinunter in Richtung Glen Derry. Dabei kam schon bald und sehr willkommen die Hutchinson Memorial Hut in Sicht. Wir dachten wir könnten in Ruhe frühstücken in der scheinbar einsam daliegenden Bothy. Bei der Annährung tauchten dann allerdings immer mehr Menschen auf. Die kleine Hütte mit schätzungsweise nicht einmal 10qm hatte in der Nacht sage und schreibe 7 Wanderer beherbergt. Dennoch wurde uns eine kleine Ecke freigemacht, wo wir unseren Porridge zubereiten konnten (erst als der Porridge schon fertig war bemerkte ich einen weiteren Hüttengast noch im Schlafsack unter der schmalen Bank). Nach dieser von sehr unterhaltsamen Gesprächen begleiteten Stärkung ging es dann weiter das Glen Derry hinab bis zur Bob Scott’s Bothy. Da unser Plan eigentlich gewesen war, bis Braemar weiterzugehen und dort einen kompletten Ruhetag einzulegen, nutzten wir die erste Gelegenheit wieder Internetzugang zu haben an der Hütte, um nach Zimmern in Braemar zu suchen. Leider gab es dort aber nur noch Zimmer weit außerhalb unserer Preiskategorie, weshalb wir beschlossen unseren Plan zu ändern und stattdessen am nächsten Tag in die entgegengesetzte Richtung zu marschieren, um den Ruhetag mit einem Tag Verspätung in Aviemore einzulegen. So kamen wir zu einem relativ kurzen Tag, einigen kürzeren Begegnungen mit Besuchern der gut zugänglichen Hütte und einem netten Abend mit den zwei einzigen “Übernachtungsgästen” außer uns.


    Tag 11: Bob Scott’s Bothy – Glenmore (27,2km)

    Nach unserer Planänderung machten wir uns am nächsten Morgen auf zurück das Glen Derry hinauf (allerdings größtenteils auf einem parallelen Weg, so dass wir kaum Strecke doppelt gehen mussten. Statt erneut Richtung Hutchinson Hut aufzusteigen, bogen wir dann Richtung Fords of Avon Refuge ab, was sich recht bald als extrem feuchter Weg erweisen sollte,

    der im weiteren Verlauf vorbei am äußersten Zipfel des Loch Avon auch noch teils felsig wurde. Auch das lange und wirklich schöne Tal des River Nethy war über weite Strecken eher anspruchsvoll, weil teils unwegsam und größtenteils feucht. Zuletzt waren es dann noch einige Kilometer auf schon bekannten Wegen bis wir erneut in Glenmore den Bus nach Aviemore nehmen konnten.


    Tag 12: Glenmore – Lairig Ghru (11,4km)

    Aufgrund unserer Planänderung musste die letzte Woche jetzt komplett neu verplant werden. Nach einigen Überlegungen beschlossen wir in den Cairngorms zu bleiben, aber es etwas ruhiger angehen zu lassen. Statt mehr Munros sollte es durch die Täler zurückgehen und wir beschlossen außerdem auch Glen Fechie nochmals zu besuchen, um auch das obere Tal kennenzulernen. Der Start war dann ein eher kurzer Tag zu einem schönen Camp-Spot am Bach nahe des Eingangs zum Lairig Ghru. Wir starteten erneut am Loch Morlich, waren aber schnell aus dem Trubel heraus und in den herrlichen umliegenden Wäldern wieder nahezu allein. Es ging weiter über einen kleinen Hügel durch ein umzäuntes Rentiergehege und vorbei an einem kleinen Weiher. Anschließend war es dann nur ein kurzer Weg bis zu unserem Camp am Bach.

  • Tag 13: Lairig Ghru - Red House Bothy (20,55km)

    Nachdem wir schon auf den Bergen zu beiden Seiten des Lairig Ghru unterwegs waren, ging es jetzt über den Pass und durchs Tal. Zunächst also erstmal immer bergan über zunehmend gerölliges Gelände hinauf bis zu den Pools of Dee.

    Dann wieder bergab immer dem River Dee nach. Über uns die alten Bekannten der letzten Tage.

    Auch am Devils Point und der Corrour Bothy kamen wir wieder vorbei.

    Dann immer weiter das Glen entlang.

    Die umliegenden Hügel flachten mit der Zeit etwas ab während wir weiter dem Fluss Dee folgten.

    Bis es nach der Querung des Flusses an der White Bridge dann ein letztes Stück über eine Gravel Road zur fast noch frisch erneuerten Red House Bothy ging.


    Tag 14: Red House Bothy - Ruigh Aiteachain Bothy (20,5km)

    Der erste WIRKLICHE Regentag. Zudem hatte es auch in der Nacht schon geregnet und das am Tag der bisher die meisten Crossings bereithalten sollte. Schon innerhalb der ersten Kilometer und noch auf der Gravel-Straße erwartete uns die erste Furt. Wenig danach endete die Straße zunächst und wir mussten uns durch halb überschwemmte Wiesen kämpfen. Der zum Glück mit einer Brücke versehene Wasserfall des River Eidart war zwar dank der Wassermassen wirklich eindrucksvoll,

    aber die folgenden Crossings ohne Brücke waren dann schon teilweise grenzwertig vor allem für meine Freundin. Die Krönung war dann die Überquerung eines buchstäblichen Wasserfalls. Der Fels ist dort zwar leicht behauen und es gibt eine fast flache Fläche zur Überquerung, beides war aber durch den erhöhten Wasserstand zumindest teilweise verdeckt. Uns war klar, dass es an mehreren Stellen nicht viel mehr Wasser sein dürfte, um guten Gewissens queren zu können und eigentlich hatten wir vor am nächsten Tag den gleichen Weg zurück zu nehmen. Zunächst ging es aber weiter ins auch im nassen Zustand herrliche Glen Feshie, bis wir schließlich nass und frierend die Bothy erreichten, die sich schon mit Rauch Geruch angekündigt hatte. Zu unserer Freude war Lindsey wieder da und das Feuer brannte bereits. Zum Platz am warmen Ofen für uns und unsere Nassen Klamotten gab es dann im Laufe des Nachmittags noch (viel) Tee, Rotwein, Suppe, Kuchen und Pizza... Dabei hätte das warme und trockene Plätzchen uns doch schon zum Glück gereicht. Im Laufe des erneut extrem angenehmen und unterhaltsamen Abends kam dann noch ein deutscher Wanderer dazu, mit dem wir dann noch für unserer Urlaubs-Verhältnisse (schlafen wenn es dunkel wird) bis spät geschnackt haben, nachdem Lindsey sich schon für die Nacht verabschiedet hatte.


    Tag 15: Ruigh Aiteachain Bothy - Red House Bothy (20km)

    Nachdem wir am Vortag noch befürchtet hatten, dass wir erneut unsere Pläne ändern müssten, waren der Abend und die Nacht trocken geblieben und auch der Tag startete trocken. Daher beschlossen wir bei unserer Planung zu bleiben und gemeinsam mit Michael, dem Ankömmling vom vorherigen Abend wieder auf dem gleichen Weg Richtung Red House aufzubrechen. Tatsächlich hätte der Tag nicht unterschiedlicher zum Vortag sein können und wir konnten bei schönstem Sonnenschein all die Pausen zum Genießen der Landschaft und zum Fotografieren nachholen, die uns der kalte Regen des Vortags noch vermiest hatte. Auch der zu durchquerende Wasserfall war deutlich weniger besorgniserregend. Statt der durchgehenden Sturzflut des Vortags war jetzt sogar eine Lücke in der Mitte zu erkennen.

    .

    Und auch der Rest des Tals zeigte sich deutlich freundlicher.

    Der Wasserfall des River Eidart war dagegen auch mit etwas weniger Wasser noch spektakulär.

    Dafür war der Rest des Weges ordentlich abgetrocknet und zuvor noch fast unüberwindliche Wasserlöcher boten jetzt ebenso wie die restlichen Crossings deutlich weniger Schwierigkeiten.

    Bei unserer Ankunft am Redhouse, das wir an unserem ersten Abend dort noch für uns allein hatten, waren bereits zwei Engländerinnen vor Ort und wenig nach uns traf auch noch eine weitere Deutsche ein, sodass es erneut ein unterhaltsamer Abend mit viel Erfahrungsaustausch zum Wandern in Schottland wurde. Außerdem gaben uns die beide Engländerinnen noch den Tipp einen Abstecher zum sog. Tarf Hotel, einer besonders schönen und abgelegenen Bothy zu machen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Hike-a-Bike (22. September 2025 um 22:54)

  • Tag 16: Red House Bothy - Tarf Hotel (18,18km)

    Zum Start war erstmal wieder ein Crossing angesagt, bevor es vorbei an den Ruinen der Bynack Lodge und durch ein zunächst weites Tal ging. Nach dem Überschreiten der Wasserscheide dauerte es dann nicht mehr lange bis sich das Tal plötzlich zu einer engen Schlucht verengte, in das immer wieder seitlich weitere Schluchten einmündeten. Nach einigem auf und ab entlang des steilen Hangs erreichten wir dann die Falls of Tarf.

    Bevor wir wenig später auf eine steil ansteigende Gravel-Straße abbogen, um in einem weiten Bogen weiter oben an den River Tarf zurückzukehren.

    Dort ging es dann auf feuchten und Wegen entlang des Flußes und durch komplett wegloses Gelände bis zum Tarf Hotel.

    Dessen Lage wirklich den Eindruck völliger Einsamkeit vermittelt.


    Tag 17: Tarf Hotel - Blair Atholl (25,5km)

    Vor allem aufgrund des unwegsamen letzten Stücks entlang des Flusses entschieden wir uns für eine andere, wenn auch ebenfalls weglose, Alternative und stiegen auf direktem Weg zum benachbarten Braigh Coire na Conlaich auf, um die über den Gipfel führend Gravelroad zu erreichen.

    Oben war es zwar enorm stürmisch aber der Aufstieg war fast trockenen Fußes geschafft und der Weg am Gipfel tatsächlich gut begehbar. Außerdem gab es auch noch wunderbare Ausblicke zwischen Sonne und Wolken.

    Anschließend ging es teilweise steil abwärts zurück Richtung River Tilt.

    Vorbei an einem hübschen Bergbach erreichten wir auf dem letzten Stück wieder den Weg, auf dem wir am vorigen Nachmittag aufgestiegen waren.

    Der am Gipfel stürmische Wind blieb uns leider auch im Tal erhalten und wehte uns dort für die nächsten 15km frontal entgegen, was uns allerdings nicht davon abhielt, die Schönheit unseres letzten Wegabschnitts zu genießen.

    auch wenn nicht nur die zunehmend vorhandenen Schafe langsam aber sicher die Rückkehr in die Zivilisation ankündigten.

    Immerhin hatten wir uns nach 6 Tagen ohne Dusche oder Bett dann nochmal ein wenig Zivilisation verdient.

  • Insgesamt haben die Cairngorms meine Erwartungen wirklich übertroffen. Die Highlights, die wir schon vorher kannten, haben nicht enttäuscht, aber vor allem die Strecken dazwischen haben viele viele weitere kleinere und größere Highlights geboten und kein Tag blieb ohne Überraschung. Außerdem waren die Landschaft und Natur viel abwechslungsreicher als ich es erwartet hatte. Dazu war das Wetter mit gerade einem wirklichen Regentag in 17 Tagen wesentlich besser als ich befürchtet hatte. Zuletzt muss ich nochmals die Bothys erwähnen, die nicht nur Platz für Rast oder Übernachtung bieten, sondern uns vor allem auch immer wieder nette Gespräche und Bekanntschaften beschert haben.

  • Noch ein paar allgemeine Dinge:

    Camping/Übernachtung:

    (Wild-)Zelten ist legal, aber weniger einfach als man vlt denken sollte bei den offenen Landschaften Schottlands. Einige Täler (Glen Derry, Glen Feshie...) bieten viele wunderschöne Spots an Fluss und Bächen, aber wenn man dann mal wirklich in die Hills kommt werden Spots die gleichzeitig flach, trocken und unbewachsen sind durchaus schon mal rar. Dazu kommt, dass es durchaus stürmisch sein kann, was Spots weiter oben dann auch vermiesen kann. Dafür gibt es mit den Bothys (bei denen sich zusätzlich zur Übernachtung in der Hütte meistens auch Zeltspots finden) eine tolle Alternative. Es gibt zudem einige kommerzielle Campingplätze, Jugendherbergen und auch relativ erschwingliche Hotels.

    Wasser:

    Einen Spot zu finden, der 200m von einem Fließgewässer entfernt ist, sollte eine deutlich schwierigere Aufgabe sein als das Auffinden von Wasser. Gerade die größeren Bäche (und umso mehr nach starkem Regen) weisen dabei eine bräunlich gelbliche Färbung auf. Gefiltert ist das Wasser aber unbedenklich zu trinken, auch wenn man sich an "Schottlands feinsten Whiskey" erstmal gewöhnen muss.

    Proviant: 

    Das Gebiet ist WIRKLICH dünn bzw. gar nicht besiedelt. Will man die Gegend im Kernbereich erkundigen sollte man mit zumindest 3-5 Tagen ohne Nachschub rechnen. In den Orten gibt es eigentlich immer Gastronomie und kleinere Läden, in Pitlochry und Aviemore auch Supermarkt und Outdoorläden mit einem gewissen Angebot an Gefriergetrocknetem.

    Anspruch:

    Wenn man es wirklich will, kann man hier auch klettern. Will man es nicht, sind eigentlich alle Hills und Wege gut machbar bis auf das ein oder andere Geröllfeld. Allerdings finden sich abseits der Hauptrouten viele sumpfige, überwachsene und zugleich holprige Wege (oder auch mal geplant oder ungeplant gar keine), die vor allem die Sprunggelenke fordern können. Zudem sollte man mit nassen Füßen leben können, denn einerseits gibt es die eine oder andere Querung (bei Regen schwellen Bäche schnell an), andererseits ist der Boden meistens mehr oder weniger schwammig, wenn er nicht gerade felsig ist.

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