Tag 4
Der Himmel ist bedeckt, es ist kühl und windig. Nach den schwül-heißen Tagen ist das eine echte Erleichterung und mein Körper signalisiert hohe Leistungsbereitschaft. Motiviert geht es nach dem Frühstück los, erstmal an der Serve-Hütte vorbei, zu der ich es gestern nicht mehr geschafft hatte. Nach ca. 4km bin ich auch schon dort, lasse die Hütte aber rechts liegen und gehe gleich weiter, es geht durch niedrig buschige Vegetation. Bald geht es rechts ab über einen Fluß, danach windet sich der Weg immer höher über die Baumgrenze und ins Fjell. Mein heutiges Ziel ist die Aigert-Stugan.
Ich fühle mich weiter fit, dennoch bin ich auf den herausfordernden Wegen langsamer als für mich üblich und so habe ich schlecht im Gefühl, wie ich so vorankomme. Mittags möchte ich in einer kleinen Schutzhütte Vuometjakke Pause machen, um mal aus dem starken Wind heraus zu kommen. Nachdem ich mehrfach große Felsbrocken in der Ferne für die Hütte gehalten habe, stehe ich schließlich doch vor ihr und freue mich auf meinen Proviant.
Nach der Pause geht es weiter durchs Fjäll, inzwischen hat Nieselregen eingesetzt. Nach einem weiten Bogen geht der Weg stetig weiter bergauf, es gilt noch eine Hochebene mit zwei Seen zu überqueren, bevor es dann wieder zur Aigert-Stugan runter geht. Aber das kühle Klima tut mir gut und die Höhenmeter machen mir nix aus. Es läuft. Oben angekommen nimmt die Stärke des Windes auf gefühlt Sturmstärke zu.
Aber hier oben geht es nur langsam voran, das der Weg jetzt sehr steinig und felsig wird. Auf den Seen tanzen die sturmgepeitschten Wellen.
Schließlich geht es wieder runter und der Wind nimmt ab, alles wird etwas entspannter.
Man sieht die Aigert-Hütte schon von weitem, aber bis ich da bin, dauert es über eine Stunde. Egal. Die Landschaft ist mega, der Weg geht sanft bergab, die Sonne kommt raus und auf mich wartet das Abendessen.
Bei der Hütte angekommen sichere ich mir erstmal einen schönen Zeltplatz. Dann wird der Platz ausgecheckt, wo ist das Klo? 
Mein Essen bereite ich mir in der Hüttenküche zu, für mich das erste Mal, dass ich mich in so einer Hütte aufhalte. Ist eigentlich ganz nett und sympathisch. Dort komme ich mit dem Hüttenwart und einem anderen Hiker ins Gespräch, ein Spanier aus New York. Mit ihm entsteht in den nächsten Tagen meine erste Trailfreundschaft auf dem Kungsleden.