Das Wetter hält sich, und deswegen mach ich gleich weiter:
Noch eine Tour im Seengebiet im Salzkammergut bei schönstem Herbstwetter. Meine Idee dabei ist, in drei Tagen drei ganz einfache Ausflugsziele auf einer mit Bussen machbaren ca. 65km-Dreiviertelrunde miteinander zu verknüpfen: Schwarzensee, Postalm und Zwölferhorn. Das Ganze wird sich auf Höhen zwischen ca. 400 bis 1200, am Ende gut 1500m abspielen. Insgesamt werden es rund 3000 Höhenmeter werden, für mich Flachlandbewohnerin absolut ausreichend.
Ein viertes mögliches Ziel, den rosa Elefanten in der Gegend, den Schafberg, lass ich fast unberührt – er ist nur immer wieder Kulisse. Schade? Ja - man hat eine wunderbare Aussicht von dort oben. Andererseits ist es aber auch jetzt noch bei schönem Wetter dort oben total voll, weil ja die Zahnradbahn diesen Gipfel so erreichbar macht.
Jetzt könnte ich filosofisch werden: Ist es auch ein bisschen Zeitgeist – ebenso wie die E-Bikerei in den Bergen hier – das Schöne alles spielerisch, ohne jede Mühe vorgelegt zu bekommen?
Aber ich lass das besser (auch weil ich ebenfalls ganz gern mal bequem bin – siehe Abschluss der Tour), und mach mich auf den Weg.
Startpunkt ist die Burgauklamm am Attersee – wunderschöner schmaler Aufstieg; es wird angesichts der einfachen Erreichbarkeit vor der Abwesenheit eines Geländers gewarnt.
Anschließend geht es über eine Alm
und am Schwarzensee vorbei (den ich total vergessen habe zu fotografieren). Auf diesen ebenen Wegen drehen auch einige Spaziergänger eine Runde. Es gibt hier übrigens eine Stelle, an der ein Bauer im Sommer – nach eigener Auskunft von ca. Mitte Mai bis Mitte September - eine Art Zeltplatz betreibt, eher eine Zeltmöglichkeit am See mit Toilette; sieht mir sehr sympatisch aus, denn Autos kommen da nicht hin. Auch das Gasthaus hat die Saison beendet, und so genieße ich den Blick mit meinen mitgenommenen Stullen.
Weiter geht es, nun wieder abwärts, zum Wolfgangssee, und ich bin sofort wieder allein. Vom Ostufer aus bekomme ich einen Blick auf das Zwölferhorn (hinter der Lärche), auf dem ich in zwei Tagen wieder ankommen möchte.
In Strobl besorge ich beim Spar noch alles, was ich so essen möchte in den nächsten zwei Tagen; ich kann (und will) ja nicht auf geöffnete Jausenstationen setzen. Um fünf wird es dunkel, also weiter: Auf dem Sparberrundweg möchte ich den Aufweg zur Postalm erreichen, über die ich morgen laufen möchte.
Der Weg ist richtig schön, und auf einer menschenleeren Alm beende ich direkt an einer Almhütte mit plätscherndem Brunnen den Tag.
Längst ist die warme Jacke übers T-Shirt gezogen. Ich freu mich über heißen Ingwertee und Uncle Bens mexikanischen Reis und genieße abwechselnd den Blick ins beleuchtete Tal, auf den Sternenhimmel und ins Buch.
Beim Resumé des Tages habe ich festgestellt, dass ich die Abzweigung Richtung Postalm komplett vergessen habe. Aber es gibt auch den Bleckwandweg, auf dem ich die Postalm erreichen kann, also allet schick.
Zweiter Tag.
Habe ich schon mal irgendwo geschrieben, dass ich nirgendwo so gut schlafe wie in meinem Zeltchen? Über neun Stunden! Kurz nach sechs wache ich auf, halb acht bin ich unterwegs. Während ich blauen Himmel über mir habe, ist der Wolfgangssee noch unter Nebelwatte versteckt.
Der Bleckwandweg ist eine echte Entdeckung für mich; nur ganz kurz ploppt auf: cafi, du bist allein, der Weg ist ziemlich schmal, du hast keine roten Sachen an und niemand weiß, wo du bist. Schneller Blick aufs Phone, wenigstens 2 Striche Empfang. Wie das unten im Kessel wäre? Doch der Weg ist zwar recht schmal, aber sogar für mich nicht schwindelfreie Person absolut ok, nicht schwierig, und das Wetter allererste Sahne. Zum Rumgucken bleib ich aber lieber immer stehen.
Danach ein recht steiler Aufstieg zur Thorhöhe (oder Torhöhe), und dort erreiche ich das Postalmgebiet. Schilder verkünden: hier ist Landschaftsschutzgebiet, hier ist Zelten verboten. Will ich hier ja auch nicht. - Wahnsinnsblicke in die Ferne auf die wirklich hohen Berge – und das hab ich jetzt erst einmal für einige Zeit!
Einfach erreichbare flache Wege mit Infrastruktur locken viele Ausflügler, und so hat sogar noch eine Jausenstation geöffnet. Es gibt himmlischen hausgemachten Apfelstrudel (mit Sprühsahne etwas verhunzt) und ein Tässchen Kaffee.
Weiter geht es, erst einmal auf schönen Aussichtswegen, dann abwärts die Alten Postalmstraße, die durch ein sehr enges Tal mit irren Felswänden und Wasserfall führt. Gut, dass das Laub schon gefallen ist, da kann ich alles sehen.
Dann wieder hoch auf eine menschen- und tierleere Alm. Um kurz vor fünf habe ich mich eingerichtet, genieße Sonnenuntergang auf Felsen, Lesestündchen, „asiatische“ Nudelpfanne von Maggi, Schoki, Tee und die Sterne.
Dritter Tag,
diesmal nachts an die hundert Seiten gelesen, trotzdem genug geschlafen. Hoch geht es. Nach Inaugenscheinnahme des Wegs übers Holzeck („Nur für Geübte“) beschließe ich: Das ist jetzt nix für mich und meine komplett abgelatschten Lone Peaks! und drehe wieder um. Also wieder runter, und statt übern Kamm geht’s erheblich tiefer über einen angenehmen Waldweg,
bis ich vor der Illingeralm wieder hochlaufe. Hier hat das Unwetter Anfang September wohl ziemlich reingehauen: Abgeknickte Wipfel liegen überall im Wald herum.
Auf den Almen habe ich wieder Aussicht, futtere meine letzten Reste und genieße den Rundumblick von der Pillsteinhöhe und dem Zwölferhorn und vollziehe meine Wanderung noch einmal nach.
Beim Rumgebummel auf dem Zwölferhorn entdecke ich winterliche Vorboten
und setze mich danach bei schon rötlicher werdendem Nachmittagslicht in die schicke Seilbahn runter nach St.Gilgen.
Vor mir der rosa Elefant, tatsächlich ein bisschen rosafarben.
Irgendwann ist er auch wieder dran.