Es würde die Kondensation theoretisch unter fast allen Umständen eliminieren, indem es sicherstellt, dass die Luftfeuchtigkeit im Inneren nie den Taupunkt erreicht.
Damit das funktioniert, müsste die Temperatur im Biwaksack deutlich höher als die Umgebungstemperatur sein. Die Luftfeuchtigkeit muss ja in der Luft gebunden bleiben, damit sie bestenfalls abgelüftet werden kann. (Aber eigentlich möchte ich die Wärme ja im Schlafsystem haben, nicht drumherum.)
Und was passiert, wenn die Luft, die ich hineinblase, eine ähnliche Feuchtigkeitssättigung hat, wie die im Bivy?
Hier liegt ein kleines, aber entscheidendes Missverständnis vor. Das Ziel des Lüfters ist nicht, die Luft im Inneren warm zu halten, damit sie Feuchtigkeit binden kann. Das wäre in der Tat extrem ineffizient und würde zu massivem Wärmeverlust führen.
Das eigentliche Prinzip ist ein dynamischer Luftaustausch.
Stell es dir wie ein langsames, aber stetiges Fließband vor:
- Körper und Atem produzieren kontinuierlich warme, feuchtigkeitsgesättigte Luft in derunmittelbaren Umgebung.
- Bevor diese kleinen Luftpakete die kalte Innenwand des Biwaksacks erreichen, dort auf ihren Taupunkt abkühlen und kondensieren können, werden sie vom Lüfter erfasst.
- Der Lüfter transportiert diese feuchte Luft gezielt nach draußen und zieht gleichzeitig kühlere, aber absolut gesehen trockenere Luft von außen nach.
Es geht also nicht darum, ein stabiles, warmes Innenklima zu schaffen, sondern darum, die "Abfallprodukte" (feuchte Luft) schneller abzutransportieren, als sie kondensieren können. Der Wärmeverlust ist dabei minimal, weil die ausgetauschte Luftmenge sehr gering ist – gerade genug, um die Feuchtigkeit zu managen, aber nicht genug, um einen spürbaren Kältezug zu erzeugen. Die Wärme bleibt dort, wo sie hingehört: im Quilt.
Was passiert bei Nebel oder Regen, wenn die Außenluft bereits eine relative Luftfeuchtigkeit von 95-100 % hat?
Hier kommt der entscheidende Unterschied zwischen relativer und absoluter Luftfeuchtigkeit ins Spiel.
- Relative Luftfeuchtigkeit ist ein prozentualer Wert, der angibt, wie gesättigt die Luft bei einer bestimmten Temperatur ist.
- Absolute Luftfeuchtigkeit ist die tatsächliche Menge Wasser in der Luft (gemessen in g/m³).
Der entscheidende Punkt ist: Kalte Luft kann absolut gesehen viel weniger Wasser speichern als warme Luft.
Ein Beispiel:
- Außenluft: Temperatur = 2°C, Relative Luftfeuchtigkeit = 100 %. Die Luft ist maximal gesättigt, kann aber nur ca. 5,6 Gramm Wasser pro Kubikmeter (g/m³) halten.
- Innenluft: Diese 2°C-Luft wird im Bivy durch den Körper auf vielleicht 15°C erwärmt. Der Körper gibt aber zusätzlich Feuchtigkeit ab. Die absolute Feuchtigkeit im Inneren steigt schnell auf 10 g/m³ oder mehr an.
Selbst wenn also 100 % gesättigte, kalte Luft von außen ansaugen werden, ist diese absolut gesehen immer noch deutlich "trockener" als die warme, durch den Körper zusätzlich angereicherte Luft im Inneren. Der Lüfter tauscht also Luft mit 10 g/m³ Wassergehalt gegen Luft mit 5,6 g/m³ Wassergehalt aus.
Das System reduziert die Kondensation auch unter diesen Extrembedingungen erheblich. Es wird den Biwaksack nicht knochentrocken halten, aber es verhindert den massiven Feuchtigkeitsaufbau, der sonst unweigerlich stattfinden würde. Es senkt die Feuchtigkeit im Inneren kontinuierlich ab und sorgt so für ein deutlich besseres Ergebnis.
Und das ist für mich nur ein interessantes Gedaneknexperiment, mehr nicht. Und bestimmt mit Denkfehlern. Aber ein funktionierende Biwaksack ist nun mal ein physikalische sDilemma, und die Kombination aus VBL, Biwaksack und Quilt funktioniert nicht wirklich, weil sie ebenfalls einen Systemkonflikt erzeugt – man baut zwei Barrieren mit gegensätzlichen Zielen, die sich gegenseitig unwirksam machen und das Problem sogar verschlimmern.