Nach dem Trip habe ich gerade total Lust auf eine ausführliche Beschreibung, auch um es für mich nochmal etwas zu sortieren. Wegen der Beschränkung an Fotos usw. gibt es heute erstmal Teil 1 
Tag 1 Blair Atholl – Alt Scheicheachan Bothy (11,9km)
Nach dem späten Start aufgrund der Anreise ging es zunächst kurz am River Tilt entlang und dann leicht illegal (ein kurzer Abschnitt gehörte zum Park des Blair Castle, für den man eigentlich Eintritt zahlen müsste ... haben wir wohl übersehen).
Anschließend liefen wir durch schönen Wald über wildromantische Brücken und mit einem kleinen Abstecher zum “Whim Folly” mit Blick über das Blair-Estate weiter, bis der Wald plötzlich an einem Zaun endete. Dahinter lag offenes Gelände. Zum ersten Mal waren wir in der typischen Highlands-Landschaft, von der wir noch so viel mehr sehen würden in den kommenden Wochen. Kaum durch den Zaun bekamen wir eine riesige Herde Rotwild zu sehen.
Der restliche Weg war dann geprägt von immer neuen und tieferen Blicken in die weite Landschaft, bis wir schließlich die Bothy erreichten, die tief in einem Einschnitt liegt, wodurch man sie erst sehr spät sieht. Da kurz vor dem Erreichen unseres Tagesziels Regen einsetzte, haben wir es uns dann auch direkt in der kleinen Hütte gemütlich gemacht.
Tag 2: Alt Scheicheachan Bothy – Ruigh Aiteachain Bothy (26,2+1,5km)
Am Morgen gab es dann das erste Kennenlernen mit den Midgies (ja das Kopfnetz hat sich gelohnt, auch wenn es bei nur 3-4 morgendlichen Überfällen blieb). Nachdem wir am Vortag noch auf einer leicht überwachsenen Gravel-Straße unterwegs waren, sollten wir am zweiten Tag die wahren schottischen “Wege” (sprich: Bachlauf/Sumpfloch/Matsch) kennenlernen.
Direkt zum Start gab es erstmal nasse Füße, bevor wir nach einem ersten kleinen Hügel Glen Buar erreichten.
Das lange Tal zwischen steilen Hügeln war ein wunderbarer Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Am Ende des Tals ging es dann weiter über die Hügel und immer wieder entlang von Bächen.
Der Weg war weiterhin äußerst feucht, aber lange Zeit gut mit Steinhaufen markiert – bis er es dann nicht mehr war und wir uns einige Kilometer durch sumpfige Wiesen mit tiefen nicht immer gut sichtbaren Einschnitten schlagen mussten (und ich fast auf eine Schlange getreten wäre) Danach ging es dann wieder auf einer Gravel-Straße über die nächste Höhe hinunter ins Glen Feshie, wo uns (wie wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten) ein äußerst zahmer River Feshie für unsere erste größere Überquerung erwartete.
Danach war es nur noch ein Katzensprung bis wir eine der luxuriösesten Bothies Schottlands erreichten.
Wir hatten nicht nur das Glück dort die gute Seele von Glen Feshie Lindsey zu treffen, sondern mussten die Bothy (und Lindsey) bei unseren beiden Besuchen jeweils nur mit einer weiteren Person teilen. Er ist nicht immer in der Bothy, aber wenn er da ist, sollte man sich auf einen besonderen Abend einstellen. So war dann der Abschluss unseres Tages nach einem kurzen Nachmittagsspaziergang mit Blick über das Tal sehr unerwartet, aber auch sehr angenehm.
Tag 3: Ruigh Aiteachain Bothy – Kingussie (27,4km)
Morgens waren wir erstmal so verzaubert von Glen Fechie, dass wir statt wieder zurück über den Fechie River zu queren erstmal insgesamt 7km Umweg durch das Tal gegangen sind (dafür gab es dann aber auch eine Brücke).
Anschließend ging es dann weiter über die Hügel, durch einen Sumpf (natürlich!) und entlang von Bächen bis zum River Tromie.
Nachdem es dort kurz fast schon nach Zivilisation aussah, “verwöhnte” (meine Freundin hatte gehofft, wir wären schon da) uns der Weg dann nochmals mit einem überraschend wilden Abschnitt, bevor wir Kingussie erreichten und uns Dinner, Dusche und Hotelbett gönnten.
Tag 4: Kingussie – Carn Ban Mor (24,3+4,1km)
Frisch von einem guten schottischen Frühstück gestärkt starteten wir dann in den sehr abwechslungsreichen Tag 4.
Gleich nach dem Start ging es durch eine wunderschöne Heidelandschaft mit vielen jungen Birken und Kiefern vorbei an einer Station zur Vogelbeobachtung mit einem weiten Blick über ein Feuchtgebiet (also noch leicht feuchter als der Rest der Cairngorms 😀).
Danach durch älteren Wald und durch kleine Ansiedlungen weiter bis zu den Seen bzw. Weihern der Uath Lochans am unteren Ende des Glen Feshie. Hier ist zwar etwas mehr los (es gibt einen Wanderparkplatz direkt bei den Seen) aber die Natur ist wirklich wunderschön.
Einige Kilometer eine Brücke und eine Furt weiter führte uns unser Weg dann ca. 800hm am Stück nach oben.
Aufgrund des nur leichten Winds und des allgemein guten Wetters hatten wir uns zu einem Summit Camp entschlossen.
Oben angekommen wurde dann erstmal das Zelt aufgestellt und Abendessen gekocht, bevor ich mich dann noch zu einem kurzen Spaziergang zum nächsten Gipfel entschloss (BESTE ENTSCHEIDUNG EVER). Das Wetter und die Sicht waren absolut grandios und während ich die Aussicht über Loch Einich genoss, landete vlt. 30m von mir entfernt ein Steinadler, musterte mich kurz, gab mir Zeit für ein Foto und flog dann seiner Wege.
Es war absolut unglaublich und mein Glück wurde noch dadurch unterstrichen, dass unmittelbar nach meiner Rückkehr zum Zelt dichter Nebel aufgezogen ist. Ich bin bis heute absolut geflasht und es war sicherlich das erste wirklich große Highlight des Trips!
Tag 5: Carn Ban Mor – Drake's Bothy (10,8km)
Nachdem es zunächst nicht so aussah, hatten wir auch am Morgen wieder relativ gute Sicht. Wir überquerten den Sgor Gaoith,
genossen erneut den Blick über Loch Einich und folgten danach weiter dem Kamm über den Sgoran Dubh Mor
bevor wir teilweise weglos und später über durchaus anspruchsvolle Wege zu Bothy abgestiegen sind.
Der Abstieg durch das Bachtal des Allt Coire Follais war dabei aber auch ebenso schön wie anstrengend.
Nach einigen netten Gesprächen in und um die Bothy entschieden wir uns dann, nicht mehr weiterzugehen, sondern nahe der Bothy das Zelt aufzustellen, auch weil der teils sehr ruppige Abstieg unsere Knie nicht ganz glücklich zurückgelassen hatte.