Beiträge von PositivDenken

    2. Abschnitt: Storlien - Gäddede Teil 2

    Also gut, schreib‘ ich halt auch mal weiter hier. Wo waren wir denn stehengeblieben? Genau, der schöne (der schönste!) Zeltplatz im Wald. Schatten, Badestelle und keine „bromsjävlar“ oder Mücken. Erste Herausforderung des Tages: den Gaunan furten. Im Buch beschreibt Jörgen Johansson die Querung als potentiell schwierig, da man bei hohem Pegelstand gegebenenfalls rüberschwimmen muss. Das führt dazu, dass alle, mit denen ich gesprochen habe, diese Route deshalb nicht gewählt haben. Da es aber wochenlang nicht geregnet hatte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es dieses Jahr sonderlich schwer werden würde. Außerdem, was wäre an Rüberschwimmen eigentlich so unglaublich problematisch? Mal eine neue Herausforderung! Tatsächlich war ich aber ziemlich schnell an der Stelle, wo der Fluss an seiner Mündung eine Bank angehäuft hatte, welche bei hohem Wasserstand der Beginn eines kleinen, aber wohl gefährlichen Wasserfalls sein würde, die jetzt aber eher ein Steg war. Der Fluss glich eher einem Rinnsal, welches es kaum über die Bank schaffte. Ich zog die Schuhe aus und stakste rüber. Man quert eine Schotterstraße und gelangt schließlich zu einer kleinen Hütte. Diese Hütte zu meinem großen Erstaunen, wirklich bildhübsch, in sehr gutem Zustand und praktisch neu, wie ich bald lernen würde. Denn erst setzte ich mich vor der Hütte kurz zu einer Pause hin. Als ich dann aber los wollte, dachte ich „warum nicht testen, ob sie vielleicht doch nicht verschlossen ist“. Wie sich rausstellte, war sie das nicht. Drinnen lag ein Buch, welches erklärte, dass diese Hütte für die Allgemeinheit offen steht, samt einem recht ausführlichem Abriss über die Geschichte dieses Platzes. Eigentlich hätte ich erwartet, dass in besagtem Tourguide so etwas Erwähnung finden würde. Stattdessen ist es wohl eher so, dass er nur ausdrücklich erwähnt, wenn eine Hütte verschlossen ist.

    Von hier ging es steil bergauf. Man folgt der steilen Abbruchkante eines Baches immer senkrecht hoch zum Gipfel bis über die Baumgrenze. Es war mittlerweile schon später Vormittag, die Sonne brannte, die Hitze beginn ihre Wirkung zu entfalten. Und da fiel mir auf, dass ich mir praktisch kein Wasser mitgenommen hatte. Ein Blick in die Karte und mir wurde klar, dass ich so schnell auch nicht an irgendwelches Wasser kommen würde. Ich fühlte mich zusehends mehr und mehr elend. Was tun? Ich beschloss auch ohne Wasser würde mir eine Pause helfen. Ich war total erschöpft und zittrig von der Steigung und dem Kampf durchs Unterholz durch die Bäume. Vielleicht hab ich auch einen Schokoriegel gegessen, ich weiss es nicht mehr. Der Plan war, es über die Baumgrenze zu schaffen, in der Hoffnung, dass es dann nicht mehr so beschwerlich sein würde, sobald ich nicht mehr senkrecht den Berg hoch müsste. Ich würde in flacherem Gelände den Bach queren und dann entweder dort oder an den dahinterliegenden Seen Wasser finden. Das würde ich schon noch schaffen. Denn die Pause hat mir sehr geholfen. Tatsächlich war in dem Bach kein Wasser, auch nicht im größeren Seitenarm, der in der Karte verzeichnet ist. Letzten Endes musste ich bis zu einem der größeren Seen, welcher aber mehr ein sumpfiger Tümpel war als ein See. Das Wasser war pisswarm. Ich ging trotzdem baden, nachdem ich getrunken hatte, und machte ein kleines Päuschen in der Sonne. Es ging mir besser, aber gut nun auch wieder nicht.

    Das nächste Ziel war Hösjöbäcken. Die Routen-Erklärung im Buch ist eher etwas dürftig, ich hab sie bestimmt fünfmal gelesen und konnte mir immer noch keinen Reim draufmachen, wie genau das alles gemeint ist. Irgendwann wurde es mir zu dumm und ich hab einfach direkt Richtung der Bachniederung abgedreht, auch wenn es vielleicht bedeuten würde, dass ich dann zu viele Höhenmeter verliere und mich wieder nach oben kämpfen musste. Svenskådalens Naturreservat, die Gegend, das gesamte Tal, eingebettet in spärlich bewaldete Berge, war sagenhaft schön. Wild, unberührt, frei! Das alleine weckte in mir das Gefühlt mich nicht weiter von irgendwelchen Buchbeschreibungen gängeln zu lassen und meiner Intuition freien Lauf zu lassen. So lange es bergab ging, war diese Route auch geradezu phantastisch schön. Der Flusslauf, die Bäume, die Wiesen. Die Sümpfe vielleicht nicht so. Die Querung war dann aber schon nicht mehr so lustig und als ich sah wie es auf der anderen Seite wieder bergan ging, über steile Hänge mit Dickicht und umgefallenen Bäumen überall, fand die Begeisterung ein jähes Ende. Durch Sümpfe und dichten Wald kämpfte ich mich nach und nach ungefähr auf die Höhe zurück, welche in der Buchbeschreibung empfohlen wird. Wirklich besser war es dort aber auch nicht. Man sollte irgendwie die Höhe halten und sich dann einen Weg durch den Wald, entlang eines Berges bis nach Edevik, einem Einsiedler, suchen. Das Buch ist, wie sonst auch, an Worten karg und Anweisungen vage. Es ist aber von einer Quadspur die Rede, welche es zu finden galt. Je tiefer ich in den Wald tauchte und je mühsamer es wurde, umso unwahrscheinlicher hielt ich es, diese jemals zu finden. Ich hangelte mich von Lichtung zu Lichtung. War mir sicher, dass ich hier total falsch war. Eines sollte ich vielleicht noch erwähnen an dieser Stelle: ich hatte es mir zur Aufgabe des Tages gemacht, kein GPS, kein Smartphone zu benutzen. Karte und Kompass war die Devise. Allerdings hatte ich nur eine Karte im Maßstab 1:100.000. Was dem Unterfangen nicht zuträglich war. Eigentlich war ich gerade ganz kurz davor, das Handtuch zu schmeißen und das Handy rauszuholen, da tauchte eine weitere Lichtung vor mir auf. Ich dachte mir, na gut, diese eine Lichtung noch und dann, wenn du wieder nichts siehst, dann schau halt mal nach, wo wir sind. Am Ende der Lichtung sehe ich aber plötzlich irgendeine hölzerne Konstruktion. Als ich näher komme, sehe ich, dass es eine kleine Brücke war, die über einen Bach führte. Mein Hirn arbeitet immer sehr langsam, müsst ihr wissen. Ich dachte mir erst nichts dabei. Bis mir dann auffiel „moment mal, das bedeutet ja sowas wie Zivilisation!“. Und tatsächlich, es war die Quadspur. Ich hatte sie gefunden und konnte ihr nun bis nach Edevik folgen. Easy! Mir graute aber etwas, denn bislang war es oft so, dass man diese Spuren auch ganz schnell wieder verlieren kann. Tatsächlich war diese aber relativ leicht zu folgen. Nur scheinbar unendlich. Der Weg bis Edevik zog sich und zog sich. Ich konnte es fast nicht glauben und begann zu denken, ich wäre hier doch irgendwie falsch. Plötzlich stand ich aber doch vor einer kleinen Scheune. Ich schaute hinein, die Türen standen offen, und zurück glotzte eine Herde Schafe, die mich verwundert anblökte. Bis zum Hof selbst war es noch ein gutes Stück. Ich sah den Bauern schon von der Ferne auf einem kleinen umzäunten Gehege Heu recheln. Sein Hund nahm von mir keine Kenntnis und so war ich ihm auch nur ein Wink aus der Ferne wert. Seltsam. Ich hatte seit Tagen niemand gesehen, ein kurzes Hallo wäre schon irgendwie nett gewesen.

    Ich folgte der Schotterstraße durch die Abendhitze. An deren Ende ist ein Fluss und eine Brücke. Vielleicht zelte ich dort einfach und gehe baden? Es gab dort einen schönen Rastplatz mit Tisch und Bänken. Ich hab erstmal Pause gemacht im Schatten und etwas geschlafen. Einen Zeltplatz entlang des Flusses suchte ich aber vergebens. Zu viele Steine oder nur Sumpf. Resigniert zog ich weiter. Ein paar Meter später entdecke ich einen richtigen Zeltplatz. Da steht aber schon ein deutsches Wohnmobil und beansprucht den ganzen Platz für sich. Wollte nicht klopfen und fragen, ob ich mich dazuquetschen kann. Autos! Ich hatte mich innerlich ohnehin schon darauf eingestellt, noch ein gutes Stück weiterzugehen. Ich wollte es bis an den Fuß des Sösjöfälls schaffen.

    Die Schotterpiste endet an einer richtigen Teerstraße. Dort sollte man, wenn ich das Buch richtig verstanden habe, einfach gerade aus weiter. Ich sah aber nur dichten Wald und einen Steilhang. Ist das sein ernst? Ich schaue auf die Karte. Im Weg steht eigentlich nur ein länglicher Hügel, über den man rüber muss, um dann einem Bach zu folgen. Ich könnte natürlich auch einfach aussen rumlaufen. Könnte. Wenn es aber doch so im Buch steht! Also hab ich mich doch über diesen Hügel gekämpft. Es war unwürdig. Letztlich kam ich aber doch am Bach an und began ihm aufwärts zu folgen. Im Grunde unglaublich schön. Wäre es auf diesem sumpfigen Untergrund nur nicht so wahnsinnig anstrengend. Und das alles dann auch noch bergauf. Letztlich führte das dazu, dass ich dem Bach, der Anfang sich aus immer mehr und mehr Ästen zu gestalten, immer weiter östlich folgte. Ich musste aufpassen, nicht zu weit abzudriften. An genau welchem Seitenarm ich eigentlich war, wusste ich nicht. Aber bald konnte ich die Gipfel des anvisierten fjälls sehen und identifizieren. Und so war es letztlich nicht mehr allzu schwer, Richtung zu halten. Total erschöpft fand ich oberhalb der Baumgrenze, als das Gelände endlich anfing abzuflachen, am Fuße des fjälls eine geeignete Stelle zum campen. Die Nacht war furchtbar.

    Jan234

    Da mich das Thema auch interessiert, mir aber Videos wie das verlinkte eher wie ein Anschlag auf meine mentale Integrität vorkommen, hab ich mal eben kurz selbst recherchiert.

    AdBreak ist der Name eines aktuellen Jailbreaks für bestimmte Kindle-Geräte. Anleitung hier: https://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=370048

    Es ist die Voraussetzung zur Installation eines alternativen Readers (Software zum Darstellen verschiedener Formate in Buchform): https://github-wiki-see.page/m/koreader/kor…-Kindle-devices

    Aber wo siehst du dann noch groß den Vorteil von DW?

    Dass es mir nachts bei Sturm und Regen nicht ins Gesicht tropft, wenn ich nicht regelmäßig trockenwische. Wie gesagt: es trocknet doch, zumindest abends ist es dann idR trocken.

    PS: abgesehen davon bleibt bei den meisten 3 Season Zelten unten ein Spalt, der für Zugluft sorgt, die dann wiederum vom Inner (selbst wenn es aus mesh wäre) abgehalten wird. Für Puristen sicher nicht das extra Gewicht wert. Mir geht es auch hauptsächlich darum, dass ich ungestört schlafen kann.

    PPS: Und es geht natürlich um Feuchtigkeitsmanagement. Grob gesagt, das was am Innere hängen bleibt, ist schon mal nicht in meinem Schlafsack. Heißt er akkumuliert weniger auf längere Zeit gerechnet. Gerade in Nordskandinavien kann man beispielsweise nicht davon ausgehen, dass man den mal eben schnell jeden Tag tagsüber wieder trocknen kann.

    Wie fällt das von der Größe her aus ? Eher enganliegend ?

    Würde sagen erwartungsgemäß. Allerdings ist die Kapuze zu kurz. Das fiel auch meinem Bekannten schon auf. Dh die Schulterpartie wird noch oben gezogen, sobald man die Kapuze aufhat.

    Ansonsten, ja, super flauschig. Wir haben uns darauf geeinigt, dass die Materialstärke wohl irgendwo zwischen Alpha Direct 90 und 120 liegt. Würde aber sagen eher näher an 90.

    (Ich seh voll fett aus)

    Ich meine, wenn man ein doppelwandiges Zelt, bei dem sich an der Außenhülle fast zwangsläufig Kondens befindet, zusammen einpackt, ist dann doch, wenn man es wieder aufbaut, das Innenzelt auch nass, oder sehe ich das falsch?

    Ich hab zwar kein Lofoten, aber Erfahrung mit ähnlichen Situationen. Du hast zwar recht, natürlich wird bei so einem Vorgehen das Innenzelt nass. Deshalb hab ich auch jahrelang immer fleißig das Innenzelt ausgehangen und dann brav wieder rangefriemelt. Ein Heidenaufwand! Ich mach das nicht mehr. Egal wie schlecht das Wetter auch sein mag, das Innenzelt trocknet im Allgemeinen im Nu.

    Dieses Jahr auf dem Gröna Band zum Beispiel hatte ich eine ganze Zeit lang so viel Kondens wie noch nie zuvor und trotzdem war das mit einem nassen Innenzelt nie ein Problem.

    Im Gegensatz zu früh morgens, scheint die Luft abends im Allgemeinen doch deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Vielleicht deshalb?

    Ich wünschte, sie wäre nicht so dick und es gäbe eine in kurz (Torsolänge).

    Aber nö, es reicht ja, wenn man sich gegenseitig mit ISPO-Awards beglückwünschen kann. Ist das so ein Erkennungsmerkmal für Mittelmäßigkeit?

    Für die deutsche Übersetzung haben sie einen Wettbewerb über die schlechteste AI gemacht?

    Dadurch, dass ich den Merinohoodie über dem Alpha Pulli trage, geht die Wärme nicht direkt verloren.

    So hab ich das auch schon gemacht (HRP) und war mlt der Lösung sehr zufrieden.

    Gerade wenn es wirklich kalt ist, also besonders auch im Winter eignet sich AD hervorragend auch als base layer, weil es absolut trocken hält.

    Benutze es seit einer ganzen Weile auch als base layer beim Schlafen.

    Ich kann da auch kaum einen Unterschied sehen.

    Allerdings setzt PrimaLoft sehr auf Nachhaltigkeit, verwendet recycelte Materialien und achtet vermutlich auch auf den Herstellungsprozess. Wenn das aber von Weiß-Gott-Woher kommt, denke ich mal nicht, dass irgendetwas unternommen wird, das über „so billig wie möglich“ hinausgeht.

    Ich bin verwirrt: Sprechen wir von einem Primaloft oder von einem Polartec Label auf dem Shirt? Wäre es dann ein Derivat von Primaloft Active?

    Weiß nicht, wie es bislang zu Verwirrung kommen kann. Von AD war nie die Rede bis auf meine letzte Aussage, wo ich ja ausdrücklich „fälschlicherweise“ dazugeschrieben habe.

    So, aber um es jetzt wirklich perfekt zu machen: ich hab nochmal nachgefragt und tatsächlich war das mit dem „PrimaLoft“ auch nur eine Vermutung von meinem Bekannten. Er sagt von der Struktur her ist ist etwas anders als Alpha Direct aber „exakt“ wie PrimaLoft.

    My bad, hätte ihm da nicht vertrauen sollen. Wenn es nicht drauf steht, ist es auch nicht drin. Egal wie gut die Kopie wohl ist.

    Toller Bericht, danke fürs Mitnehmen!! 🤩🙏👍

    Du hast das TT StratoSpire mit einem 5000mm Boden oder? Wie gut kommst du damit bei nassem moorigem Boden klar? Ist das zuverlässig dicht?

    Ich hab keine Ahnung, was für einen Boden das hat, ehrlich gesagt. Es ist schon etwas älter, also noch Silnylon. Hab das gebraucht gekauft.

    Hatte noch nie Probleme, dass sich da Wasser durchgedrückt hätte. Allerdings vermeide ich es auch tunlichst auf nassem, sumpfigen Boden zu zelten. Auf diesem GB genau einmal gemacht (dachte eigentlich, es wäre trocken). War aber kein Problem. War jetzt aber auch nicht gar allzu nass.

    2. Abschnitt: Storlien - Gäddede - Teil 1

    (Sorry, es hat ein Weilchen gedauert und ich hab beschlossen meine Erzählung hier weiter aufzuteilen, weil es sonst einfach zu lang wird und ich sonst nie fertig werde - es mangelt gerade etwas an Motivation)

    Die meisten würden wohl klar sagen, dass dies der unbeliebteste Abschnitt des GBs ist. Das liegt daran, dass man sich mehr oder weniger zwischen viel Straße oder Sumpf entscheiden muss. Meist wird es aber beides. Auf meinem ersten GB war das dann zumindest so. Ich habe vor allem endlose Latscherei auf Schotterpisten in Erinnerung. Die Alternative ist weglos durchs fjäll. Das ist nicht weniger nass, aber zumindest keine Straße. Da ich was erleben wollte, war von Anfang an der Plan der Route „Jämtland West“ zu folgen, wie im Buch von Jörgen Johannson beschrieben. Und so sollte es auch gewissermaßen das Highlight meines zweiten GBs werden, da ich die Ecken, durch die diese Route führt, noch gar nicht kannte: Skäckerfjällen, Sösjöfjällen, Svenskådalens Naturreservat, Offerdalsfjällen, Gubbdalens Naturreservat. Ich war sehr gespannt!

    Problem an der Sache? Es liegen auf gut 200 km Strecke, die großteils weglos zu bewältigen sind, keine Einkaufsmöglichkeiten. Man könnte sich an vereinzelte Stellen Pakete schicken. Teuer. Und mit Planung verbunden, und man ist nicht mehr flexibel. Usw usw usw. Pakete schicken ist einfach nicht mein Stil. Und so war von Anfang an meine Ausrüstung so geplant, dass ich eben für gut 10-11 Tage autark unterwegs sein kann, wenn ich muss. Heißt, ein größerer Rucksack, die größere Powerbank und nicht alles auf Kante kalkuliert.

    Und so stakste ich mit viel zu schwerem Rucksack von Storvallen aus los. Die Sonne brannte, es war warm und dann ging es auch schon steil bergauf. Bald verlor sich der Weg und dann auch schon die Markierung. Erster Meilenstein ist ein skurriler Ort namens Rensjösätern. Eine Art altes Jagdschloss. In rosa! So steht es da, einsam, mitten in der Landschaft. Kein Weg, keine Strasse führt dorthin. Weit und breit nichts, nur ein See. Der Weg dahin führte mich durch zahlreiche Sümpfe, die ich mal besser und mal schlechter umgangen habe. Man fühlt sich ja magisch angezogen vom Anblick des Anwesens. Und so ist es schwer der Versuchung zu widerstehen und Höhe zu behalten anstatt runter zum See zu gleiten. Dort angekommen habe ich mir eine kleine Pause gegönnt, hörte in der Ferne aber schon die ersten Donner. Irgendwie wurde es mir irgendwann auch mulmig, denn so ganz sicher war ich mir nicht, dass da nicht doch irgendwo irgendwer ist in einem der Gebäude. Hier spuckt es sicher!

    Weit gekommen bin ich nicht mehr. Ich hatte den ganzen Tag schon Probleme Wasser zu finden. Alle Bäche, die auf der Karte eingezeichnet waren, waren eingetrocknet. Eine beknackte Situation. Man starrt den ganzen Tag auf einen riesigen See und hat aber Durst und nix zu trinken. Langsam aber sicher kam das Gewitter immer näher, ich war mir nur nicht sicher, aus welcher Richtung es eigentlich kommt. Irgendwie blitzte und donnerte es ringsum. Nur Wasser, Wasser gab es nirgends. Irgendwann bin ich dann doch noch über ein kleine Pfütze gestolpert, sofort das Zelt aufgeschlagen und kaum war ich drin, hat es auch schon angefangen zu regnen. Geschlafen hab ich nicht gut, weil das Gewitter wirklich Stunden anhielt und es irgendwie um mich herum zu kreisen schien.

    Der nächste Tag verlief eher unspektakulär. Man folgt im Grunde den Markierungen des vinterled nach Medstugan, von dort weiter einem Feldweg zu einer schönen Hütte. Auch alles sehr, sehr schön. Fjäll gemischt mit myrmark (Sump), aber nicht zu schlimm. Man bekommt nasse Füsse aber man kommt ganz gut voran. An der Norra Jaktstugan habe ich überlegt, ob ich es nicht gut sein lasse für heute, bin dann aber doch noch weiter Richtung Storrensjön und hab oben, direkt oberhalb der Siedlung mein Zelt aufgeschlagen. Ein phantastischer Blick über den See und das gesamte Gebiet.

    Am nächsten Tag sah es so aus, als würde es sehr nass werden. Aber so war es nicht. Eine ganz und gar zauberhafte Wanderung. Irgendwann stößt man aber auf ein recht zerklüftetes Tal mit einem tiefen Bach. Das war nicht so ganz einfach, da runter und durch zu kommen. Man kommt zu einem Damm und von dort kann man einem Geländefahrzeugspur folgen. Ich dachte eigentlich, das würde dann ja easy sein und ich würde es locker noch bis Anjan schaffen. War dann aber nicht so. Gerade diese Spur war total versumpft und überschwemmt. Man kam kaum voran. Dabei hatte ich mich aber doch schon so sehr auf ein Essen in der Anjan fjällstation gefreut. Ich hab dann einfach die Zähne zusammengebissen und bin durch. Knapp 35 km. War so gegen 18 Uhr dort. Da waren die schon am Zumachen! Der Wirt (schon weit über 80) hatte aber scheinbar Mitleid mit mir und ich habe noch ein Essen bekomme. Auch ein Zimmerchen hatten sie noch für mich. Die alten Gebäude versprühen einen Charm, wie ich ihn aus alten Bauernhäusern im Bayrischen Wald kenne. Luxus sucht man hier vergebens. Ich hab aber auch gar nicht gesucht. Dafür gab es ein super Frühstück. Ich habe noch einen Amerikaner und einen Deutschen kennengelernt, die auch beide auf dem GB unterwegs waren.

    Der Amerikaner hat mich überredet anstatt eines zero doch einfach einen kurzen Tag zu machen. Er musste aber nach Östersund, weil sein Handy im Arsch war. So sagten wir goodbye dort wo der markierte Weg von der Strasse aus ins Skäckerfjäll startet und ich tapperte gemütlich gen Berg. Ich ging dann wirklich nur über den ersten Pass (sehr schön!!!) bis zu den dahinterliegenden Tümpeln, schlug mein Zelt auf und ging baden. Trocknete mich in der Abendsonne, nackt, weil ich dachte, hier kommt heute eh niemand mehr vorbei. Dann fiel mir aber ein, ich hab noch gar kein Foto gemacht von meinem Zelt und der schönen Kulisse, und gerade als ich fertig bin, sehe ich, wie jemand auf dem markierten Weg, vielleicht 50m entfernt, an mir vorbeispaziert. Ich wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken.

    Vor mir lag nun eine lange Strecke ohne Markierung und Pfaden. Das „Herz“ meines GB, das warum es mir eigentlich ging. Am nächsten Morgen verlasse ich den markierten Weg und ziehe Richtung Norden über einen Pass an dessen Fuße ich gezeltet habe. Wunderschön! Nicht zuletzt dank bestem Wetter. Die Aussicht von oben: grandios auf beiden Seiten! Weiter nordwärts geht es runter in ein querendes Tal, welchem ich westwärts folge. Ich kann mich dem Gefühl nicht erwehren, dass es hier fast wie in der US amerikanischen Sierra aussieht. Die grüne Landschaft gesprenkelt von einzelnen Nadelbäumen, die manchmal in kleineren Gruppen, zumeist aber allein die Weite auflockern. Ich suche vergebens nach Bären. Irgendwann ist es an der Zeit, den Fluss des Tals zu queren. Es ist wie im Buch beschrieben, tief aber praktisch keine Strömung. Das Wasser reicht mir bis zum Arsch. Der Weg hoch über den nächsten Pass ist beschwerlicher als gedacht, und als es dann wieder bergab geht, schwant mir, dass es heute noch recht anstrengend werden würde: dichtes Gebüsch und Birkenwäldchen. Man sieht nicht, wo man hin muss und wie weit es noch ist. Das drückt aufs Gemüt. Ich kämpfe mich voran, hoffend, dass die Richtung schon so ungefähr stimmen möge. Ich sehe, dass es weiter unten, auf der anderen Seite des nächsten querenden Talgangs wohl deutlich einfacher wäre. Das wären aber auch gut 1-2 Kilometer bis dort, ein Umweg. Also weiter durchs Dickicht! „The grass is always greener on the other side“, denke ich mir. Nach und nach entdecke ich immer größere Teilstücke ohne Bäumchen und so komme ich doch irgendwie voran. Je näher ich dem Fluss im Tal komme, desto einfacher wird es. Nach ein paar Stunden ist es wieder die Art von fjällvandring über die man sich freut und weswegen man hier ist. Will es heute eigentlich, der norwegischen Grenze folgend, unbedingt bis zum Gaunan schaffen. Ein Fluss, der schwer zu queren sein kann. Ich will wissen, wie schlimm es sein wird. Im Buch steht was von „Schwimmen“. Was der Grund ist, weswegen alle, mit denen ich gesprochen habe, auf diese Route verzichtet haben.

    Zuerst muss ich aber an einer kleinen Samisiedlung bei einem See vorbei. Weder See noch Siedlung sind zu sehen. Ich prüfe wieder und wieder die Karte. Ohne GPS wäre ich wohl wieder einmal verzweifelt. Schon allein weil der Blick auf die Karte aussieht, als bewege man sich am Rande der Welt. Erst als ich nur noch ein paar hundert Meter entfernt bin, tauchen See und Häuschen auf. Es gilt einen weiteren Fluss zu queren. Auf der Karte ist eine Brücke eingezeichnet, also versuche ich es dort. Von der Brücke sind aber nur noch Trümmer übrig. Der Fluss gleicht aber ohnehin mehr einem Rinnsal. Glück gehabt! Ich passiere das Dörfchen, ein Hubschrauber nähert sich, dreht eine Runde über den See und dreht wieder ab. Komisch! Der Weg durchs „Dorf“ gestaltet sich schwieriger als gedacht. Jörgen Johansson erwähnt, dass man sehr gut auch einfach geradeaus weiter den Talgängen folgen kann. Das sieht mir aber ungemütlich sumpfig aus und so schimpfe ich mich durch Morast auf ATV-Spuren den Berg hoch, vorbei an den Häuschen. Dafür, dass ich langsam eigentlich gern Feierabend machen möchte, komme ich ganz schön ins Schwitzen und Schnaufen. Oben am Kamm folge ich weiterhin der Geländefahrzeugspur. Laut Buch soll sie schwer zu folgen sein. Fand ich überhaupt nicht. Und so folge ich ihr den ganzen Weg bis hinunter an die Ufer des Torrön. Der letzte Abschnitt war dann doch mehr Wasser als Land. Jetzt gilt es, ein trockenes Plätzchen zum Zelten zu finden. Der Platz, den ich mir auf der Karte ausgemalt hatte, direkt am Ufer des Sees, war schon mal ein ziemlicher Reinfall. Zu windig war es dort ausserdem. So stochere ich eine weitere halbe Stunde durch den Wald. Finde schließlich die kleine Hütte, die auch im Buch beschrieben steht. Will aber dort auch nicht bleiben. Gehe ein kleines Stückchen weiter und finde eine wunderschöne Badestelle in einer kleinen Buch, direkt an der Mündung des Gaunans und wie es der Zufall will, auch eine perfekte Zeltstelle mit einem kleinen Feuerring. Auf das Feuer verzichte ich angesichts der Trockenheit, es hat seit Wochen nicht mehr richtig geregnet. Aber das Bad ist herrlich. Ich wasche all meine Klamotten und hänge sie zum Trocknen auf. Mücken und anderes Ungetier gibt es wider Erwarten auch nicht. Einer der schönsten Zeltplätze meiner gesamten Tour. Nicht zuletzt weil es hier Schatten gibt. Schatten!